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Förderkreis Abteigarten Kornelimünster e.V. © 2021 Inhaltsverzeichnis Tabellen




Die Chroniken der Gemeinde Kornelimünster (Version 1.05 vom 6.7.2021)


Die 4 Chroniken-Bände wurden von der Gemeindeverwaltung Kornelimünster-Walheim zur Abschrift zur Verfügung gestellt.
Die 4 Chroniken-Bände befinden sich heute (12.5.2021) im Stadtarchiv Aachen.
StAAc GEM 15-1, StAAc GEM 15-2, StAAc GEM 15-3, StAAc GEM 15-4, StAAc GEM 15-5

1826 1827 1828 1829
1830 1831 1832 1833 1834 1835 1836 1837 1838 1839
1840 1841 1842 1843 1844 1845 1846 1847 1848 1849
1850 1851 1852 1853 1854 1855 1856 1857 1858 1859
1860 1861 1862 1863 1864 1865 1866 1867 1868 1869
1870 1871 1872 1873 1874 1875 1876 1877 1878 1879
1880 1881 1882 1883 1884 1885 1886 1887 1888 1889
1890 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899
1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909
1910 1911 1912 1913 1914 1915 1916 1917 1918 1919
1920 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929
1930 1931 1932 1933 1934 1935 1936 1937 1938 1939
1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949
1950

[1959] Einleitung zur nachträglichen Fortführung der Gemeindechronik von Kornelimünster (ab 1923)
[1962] Nachträge
[1994] Ergänzungen und Korrekturen von P.Gregor Kerst OSB
[1978] Vita Röntgen  Informationen  Bedienungshinweise

Band–1 1826-1850


Original Chroniken aus der Zeit
[1959] Nachträge von Johann Röntgen
[2019] Abschrift durch Förderkreis Abteigarten (im Bezirksamt Kornelimünster/Walheim)
[2021] Jetzt im Stadtarchiv Aachen, StAAc GEM 15-1

[1825] Chronik

C h r o n i k

der
Bürgermeisterei Cornelimünster, im Kreise Aachen,Regierungs-Bezirks Aachen

Gegenwärtiges Chroniken-Buch enthält vier und sechszigBlätter, wovon das erste und letzte Blatt von dem Unterzeichneten paraphirt ist.

Cornely Munster den 26 ten October 1825.

Der Bürgermeister Giesen

Erstes blatt und mit diesem fünf und sechszig blätter, Giesen

[1825] Circular-Verfügung

Circular-Verfügung

an

die Gemeinden des Regierungs-Bezirks Aachen

Wir haben beschlossen, unter dem Namen "Chronik" in jeder Gemeinde unseres Verwaltungsbezirks ein Buch anlegen zu lassen, in welchem am Ende eines jeden Jahres in einfacher und gleichförmiger Art alles aufgezeichnet werden soll, was in dem Laufe des Jahres sich in der Gemeinde und für dieselbe Bemerkenswerthes zugetragen hat.

Der Zweck dieser Chronik geht nicht blos dahin, besonders merkwürdige und daher an sich schon der Aufbewahrung werthe Ereignisse und Begebenheiten darin getreu zu verzeichnen, sondern darin auch alljährlich Nachrichten über verschiedene bestimmte Gegenstände aufzunehmen, die, wenn sie mitunter auch einzeln für sich nicht von besonderm Werth sind, einen solchen durch fortgesetzte Aufzeichnung allmählich doch gewinnen, indem sie nach Verlauf einiger Zeit Materialien zu interessanten, der Landesverwaltung und sonst nützlichen Vergleichungen darbieten und in Verbindung mit den, über vorgekommene außergewöhnliche Ereignisse und Begebenheiten geführten Notizen, späterhin die Elemente zu einer Geschichte und Statistik des hiesigen Regierungsbezirks abgeben können.

An sämmtliche Gemeinden unseres Verwaltungsbezirks ergehet daher hiermit die Aufforderung, eine solche Chronik anzulegen, sie sorgfältig fortzuführen, gut aufzubewahren, und dabei sich überall nach der besonders ertheilten Instruction zu richten.

Wahrheit und Zuverläßigkeit in den Angaben machen ein Haupt-Erforderniß dieses Werks aus. Diese Eigenschaften dürfen demselben nirgend fehlen, daher getreue Überlieferung der aufzubewahrenden Nachrichten überall dringend empfohlen wird.

Aus der Chronik wird auch hervor- und auf die Nachkommenschaft übergehen, was die Gemeinden zu der Verbesserung ihrer mancherlei öffentlichen Anstalten, zu der Vervollkommnung ihres Kulturzustandes ?c. geleistet und durch welche Anstrengungen sie es bewirkt haben. Die Nachkommenschaft wird solche dankbar erkennen und darin einen Sporn zu rühmlicher Nachfolge finden, überhaupt aber die Sorgfalt in treuer Aufbewahrung der heimathlichen Begebenheiten der Gegenwart, gewiß stets als ein werthes Geschenk ihrer Vorfahren ehren.


Aachen, den 8.April 1825.
Königlich Preußische Regierung.

Meier    ?????

Wir Bürgermeister, Beigeordneter und Mitglieder des Gemeinde=Raths der Bürgermeisterei Cornelimünster erklären und bezeugen hierdurch, daß durch die Seitens der Königlichen Regierung zu Aachen unterm 8.April 1825 an sämmtliche Gemeinden des Regierungsbezirks erlassene und hier vorgeheftete Circular=Verfügung die Anlegung des gegenwärtigen Buches, betittelt:

CHRONIK DER GEMEINDE

veranlaßt ist, um zu dem in jener Verordnung angegebenen Zwecke zu dienen.

Wir werden, so lange wir an der Verwaltung der Gemeinde Cornelimünster Theil haben, es uns pflichtmäßig angelegen seyn lassen, sowohl die vorgeschriebenen Rubriken für ständige Artikel, der Wahrheit gemäß auszufüllen, als auch sonst jährlich alles dasjenige getreu zu verzeichnen und dadurch auf unsere Nachkommenschaft zu bringen, was in dem zunächst verflossenen Jahre Bemerkenswerthes in der Gemeinde vorgekommen, und empfehlen wir unseren Nachfolgern in der Verwaltung, damit in solcher Art gewissenhaft fortzufahren.

Die Chronik enthält vier und sechszig Blätter, welche von dem Bürgermeister paraphirt sind. Sie ist in zweifacher Ausfertigung angelegt.

Ein Exemplar derselben soll in dem Archiv der Bürgermeisterei niedergelegt, das andere, zur Aufbewahrung in der Dokumenten=Kiste bei der Pfarre zu Cornelimünster deponirt werden.

So geschehen Cornelimünster den 20 Decembre 1826.

Der Bürgermeister, Giesen,   Der beigeordnete Bürgermeister, Bartholomeus Kuck

Die Mitglieder des Gemeinde-Raths, Hubert Wagenman, Johan Hinrich Jäger, Lambert Lambertz, Johann Schonauen, Bartholomeus Beissel, Peter Jacobus Braun, Krott Johann, Arnold Brammerz, Tillman Thülen


[1825] Einleitung Die Gemeinde Cornelimünster ist der Hauptort eines kleinen Ländchens, das Cornelimünsterland genannt, welches beiläufig 7000 Einwöhner zählt und bis zur Zeit, wo es unter französische Herrschaft kam, zum deutschen Reichsbunde und westphälischen Kreise gehörte; unter dem Schutze von Pfalzbaiern und unter der Hoheit des hochwürdigsten Abten von Cornelimünster, nämlich des, der Reichsabtei daselbst, stand.
Durch das Decret der französischen Regierung von , welches die Länder zwischen Maas und Rhein und Rhein und Mosel der Franken Republick einverleibte, wurde das besagte Cornelimünsterland, ein integrierender Theil der Franken Republick, dem Roerdepartemente zugetheilt, wovon Aachen der Hauptort, und Sitz des Präfekten war, und in vier Bürgermeistereien, nämlich in jene von Cornelimünster, Walheim, Brand und Busbach eingetheilt, welche alle zum Arrondissement Aachen gehörten.
Die Bürgermeisterei Cornelimünster besteht ingefolg dieser Eintheilung aus den Gemeinden Cornelimünster, Breinig, Breinigerhaide, Venwegen und verschiedenen zu diesen Gemeinden gehörigen isolirten Häusern, Landgütern und Mühlen, welche alle zum Kanton Burdscheid gehörten.
Durch den pariser Frieden vom 30 Mai 1814 ist dieses Ländchen mithin auch die hiesige Bürgermeisterei von Frankreich abgelöst, und gemäß der im Jahr 1815 zwischen den hohen verbündeten Mächten zu Wien stattgehabten Verhandlungen, Beschlüsse und der darauf gegründeten Verträge der Krone Preußen anerfallen.
Nach dem allerhöchsten Patent d. D. Wien den 5 ten April 1815, vermittels wessen Se. Majestät der König von diesen Entschädigungs=Provinzen am Rhein Besitz genommen hat, ist die Bürgermeisterei Cornelimünster dem Großherzogthum Nieder=Rhein zugetheilt und bei, im Jahr 1816, erfolgter Abgrenzung des Verwaltungs=Bezirks der Königlichen Regierung zu Aachen dem Landkreise Aachen zugetheilt, dem sie in administrativer Hinsicht noch zugehörte. Sie gehört ferner in katholischen Kirchensachen zum Erzbischöflichen Dioces Coeln; in Justice Aachen zu dem Friedensgerichtsbezirke Burdscheid, zu dem Landgerichtsbezirke Aachen, und in militairischer Hinsicht zu dem 25 ten /Aachener/ Landwehrregimente.

Vor der Organisation des katholischen Kirchenwesens im Jahr 1803 war das ganze Cornelimünsterland nach Cornelimünster eingepfarrt; da bei dieser alle Kapellen oder Filial=Kirchen des bemeldten Ländchens zu Hülfspfarren erhoben wurden, und unter diesen auch jene von Breinig und Venwegen, so bestehen gegenwärtig in der Bürgermeisterei drei Hülfspfarr=Kirchen. Außer dem Flecken Cornelimünster und umliegenden Mühlen, Häusern und Landgütern sind dorthin eingepfarrt verschiedene Gemeinden, angrenzender Bürgermeistereien, und zwar aus der Bürgermeisterei Walheim die Dörfer, Nütheim, Schleckheim, Oberforschbach und Eich, und aus der Bürgermeisterei Busbach das Dörfchen Krauthausen, und zwei Mühlen.
Es befinden sich ferner in der Bürgermeisterei drei Elementar=Schulen und zwar in jedem Pfarrsprengel eine; und außerdem im Pfarrsprengel Cornelimünster noch eine Elementarschule, welche aber zur Bürgermeisterei Walheim gehört.

Die alte Pfarrkirche zu Cornelimünster und des Cornelimünsterlandes liegt außerhalb des Fleckens auf einem Berge. Bei bemeldter Organisation des Kirchenwesens fand die Gemeinde der Bequemlichkeit halber es für zweckmäßig, die abteiliche Kirche für die zukünftige Pfarrkirche zu begehren, welches sie auch von der damaligen Landesregierung erhielte. Diese Kirche ist sowie die Abtei, /wie die Geschichte erzählt/ von Ludwig dem Frommen, Kaiser vom Occident im Anfange des 9 ten Jahrhunderts gestiftet worden und zählt die Abtei bis zur Aufhebung derselben neun und fünfzig Aebte.

Seit dem Jahre 1815 bis zur gegenwärtigen Epoche hat sich in der Bürgermeisterei nachfolgendes bemerkungswerthes zugetragen.
Während des Congresses der hohen verbündeten Mächte im Jahr 1818 zu Aachen besuchten die hiesige Gemeinde nachfolgende hohe Standespersonen:
1. Se. Majestät der König von Preußen Friedrich Wilhelm der III unser Allergnädigster Landesherr
2. Ihre Königliche Hoheiten der Kronprinz und die Prinzen des Königlich Preußischen Hauses.
3. Se. Majestät Franz der I. Kaiser von Oestreich
4. Se. Kaiserliche Hoheit der Großfürst Constantin von Russland
5. Ihre Fürstliche Durchlaucht die Fürstin von Thurn und Taxis
6. Seine Herzogliche Durchlaucht der Herzog von Richelieu, außerordentlicher Gesandter Sr. Majestät des Königs von Frankreich; und noch mehre andere

Im Jahre 1819 beschenkte seine Majestät unser Allergnädigster König die hiesige Pfarrkirche mit einem nahe bei Cornelimünster gelegenen ungefehr 30 Morgen großen Wäldchen, das Klauserwäldchen.
In demselben Jahre starb der wohlehrwürdige Herr Alexius Leers, Pfarrer hieselbst während 16 Jahren.

In demselben Jahre wurde ein Plan zur Tilgung der sehr beträchtlichen Schulden des Cornelimünsterländchen entworfen, und kann sich dieses Ländchen erfreuen, dieselbe durch Verkäufe von Holz, Grundstücken und sonstigen Aufopferungen baldigst getilgt zu sehen.
Im Jahre 1821 starb Hr. Johann Wilhelm Ostlender, während 8 Jahren gewesener Bürgermeister hiesiger Bürgermeisterei, und wurde an dessen Stelle der Benedict Egidius Giesen gegenwärtiger Bürgermeister zum Bürgermeister ernannt.
Es haben sich außer diesen oben angeführten bemerkungswerthen Ereignissen in dem Zeitraume von 1815 bis zur gegenwärtigen Epoche noch verschiedene andere auch bemerkenswerthe Fälle begeben; als: Zwillings= und Drillings=Geburten, Neubauten an Schulen und Kirchen, Vermächtnisse an Kirchen und Armen, Verkauf von Gemeindegütern, u. m. s. a.
Der Verfasser hat indessen der Weitläufigkeit wegen geglaubt nicht nothwendig zu haben dieselbe hier zu bemerken; indem selbe ohnehin in den Notizen und Büchern der Gemeinde= und Kirchenverwaltung aufgeführt oder verzeichnet sind.

Es verdient indessen hier noch nachfolgendes als der Bemerkung würdig aufgeführt zu werden. Mitten in dem Flecken Cornelimünster lag ein mit einer hohen Mauer umgebener, an die Kirche anschießender Garten, sonst Pesch genannt.
Dem Plan zur Anlegung der Landstraße nach Montjoie gemäß, sollte dieselbe diesen Garten durchschneiden; da indessen der Bau dieser Straße vor dem Einzuge oder der Ankunft der Truppen der Verbündeten Mächte nicht beendigt war, blieb der fragliche Garten in seinem Zustande. Durch einen mit dem Eigenthümer der Abtei, dem auch dieser Garten gehörte, geschlossenen Vertrage, ward er im Jahr 1818 Staats=Eigenthum.
Der Bau der Straße sollte beendigt werden, jedoch eine andere Richtung nehmen, nämlich so, daß besagter Garten nicht durchschnitten würde. Die Gemeinde begehrte nun den übrigen Theil zur Anlegung eines Lustplatzes und erhielte denselben; worauf sonach die Gemeinde denselben im Jahr 1822 mit Bäumen bepflanzen ließ und diesen Platz mit Bewilligung E. K. H. Regierung den Friedrich Wilhelms=Platz benamsete.


[1959] Nachtrag von Johann Röntgen

Im Herbst 1794, bald nach ihrem Eintreffen, haben die Franzosen die weltliche Herrschaft des Abtes aufgehoben und zur Verwaltung der neu geschaffenen Gemeinden Einrichtungen nach französischem Vorbild eingeführt, eine Munizipalität und ein Friedensgericht, beide in Kornelimünster. Einige von deren Mitgliedern hatten auch schon in abteilichem Dienst gestanden. Unsere Gemeinde war dem Kanton Burtscheid zugeteilt. Im Herbst 1798 führte man die Beurkundung der Geburten und Sterbefälle und die bürgerliche Trauung obligatorisch ein. In den Orten Breinig und Venwegen waren "Agenten" als Ortsvorsteher eingesetzt. Durch Gesetz vom 17.Februar 1800 wurde die Bürgermeisterei-Verfassung eingeführt.
Am 18.Januar 1814 trafen auf der Verfolgung der französischen Armee die ersten alliierte Truppen, russische Kosaken, im Münsterländchen ein. Die französische Herrschaft nahm damit ihr Ende. Die wiedereroberten linksrheinischen Gebiete behielten vorerst die überkommene Verwaltungs-Verfassung und Einteilung und wurden für Rechnung der Alliierten verwaltet, bis sie, 1815, dem Königreich Preußen zugetheilt wurden. Preußen ordnete 1816 die Verwaltung neu.
Erster Bürgermeister unserer Gemeinde wurde 1800 Carl Theodor Lambrichs, ehemals abteilicher Gerichtsschreiber, der auch schon bis dahin im Dienste der neuen Machthaber gestanden hatte. Er ist am 7.April 1809 in Kornelimünster im Alter von 64 Jahren gestorben, damals außerhalb einer amtlichen Verwendung. In den Sterbeurkunde ist angegeben, er sei in Uuiskainen geboren. Seine Eltern haben jedoch nach seiner Geburt in Kornelimünster gewohnt.
Nachfolger von Lambrichs wurde am 4.Oktober 1804 der 1735 in Rollef geborene Stephan Philipp Giesen, der seit 1780 abteilicher Landesempfänger gewesen war, 1794 Mitglied der Munizipalität und Beisitzer am Friedengericht, auch Munizipalempfänger geworden und zuletzt membre du bureau de bien-faisance (Mitglied des Wohlfahrtsausschusses) war. Er schied 1812 aus dem Dienst und ist 1819 in Kornelimünster gestorben.
Ihm folgte im Januar 1813 Johann Wilhelm Ostlender, Gutsbesitzer vom Fronhof. Er starb als Bürgermeister am 14.Juli 1821 im Alter von 46 Jahren an seinem Geburtsort Kornelimünster.
Am 1.September 1821 wurde Bürgermeister der 1785 in Kornelimünster geborene Sohn des früheren Bürgermeisters St. Ph. Giesen, Benedikt Egidius Giesen. Er schied erst mit seinem Tode am 16.Juni 1855 aus dem Dienst.
1814 hatte die Gemeinde 1918 Einwohner; davon wohnten in Kornelimünster 752, in Breinig (mit Breinigerheide und Schützheide) 790 und in Venwegen 376.
Im Jahre 1825 betrug die Einwohnerzahl 2079, davon in Kornelimünster 803, Breinig 710, Breinigerheide 112, Schützheide 26, Venwegen 428.
Die althergebrachte kirchliche Verfassung des Münsterländchens bestand nach der Besetzung durch die Franzosen fort, d.h. die Unterherrschaften Eilendorf und Gressenich hatten eigene Pfarrkirchen; das übrige Ländchen in seiner Gesamtheit bildete die katholische Kirchengemeinde Kornelimünster mit der Pfarrkirche St. Stephanus (Bergkirche). Sie gehörte zum Landdekanat Jülich im Archidiakonat und Erzbistum Köln. Der Erzbischof von Köln war allerdings vor den anrückenden französischen Truppen geflohen. 1801 wurde unter Einbeziehung des linksrheinischen Teils der Kölner Diözese das Bistum Aachen im Erzbistum Mechelen gegründet. Zu diesem gehörte auch unsere Pfarre. Unser erster Bischof Berdolet umschrieb die Pfarreien seiner Diözese neu: Walheim wurde 1803 die erste Hilfspfarre, 1804 folgten als solche Brand, Breinig, Büsbach, Hahn, Kornelimünster, Venwegen. Alle Hilfspfarren waren dem Kantonalpfarrer in Burtscheid unterstellt, Dekanate gab es nicht mehr. Damit war die altüberlieferte kirchliche Ordnung aufgelöst. Nach Berdolets Tode (1809) wurde der bisherige Generalvikar von Meaux, Le Camus, zu seinem Nachfolger bestimmt, er fand jedoch nicht die päpstliche Bestätigung und fungirte darum als Bistums-Verwalter; zwei deutsche Generalvikare waren ihm beigegeben. Der Administrator verließ die Diözese im Januar 1814 vor dem Einrücken der alliierten Truppen und starb schon im April in Paris. Das Bistum erhielt keinen neuen Oberhirten mehr, wurde vielmehr von den Generalvikaren verwaltet, bis 1821-1825 das Erzbistum Köln wiedererrichtet worden war. Diesem wurden unsere Pfarren wieder zugeteilt. Die Bergkirche war am 1.September 1802 vom Bischof geschlossen worden, nachdem er der Gemeinde auf deren Wunsch die soeben frei gewordene Abteikirche als Pfarrkirche zugewiesen hatte.
Die Abtei verfiel auf Anordnung des ersten Konsuls Napoleon Bonaparte vom 9.Juni 1802 der Auflösung und wurde im August von den Kapitularen verlassen. Zwei von ihnen, von Seraing und von Laroche, mieteten in den Gebäuden für sich eine Wohnung als vorläufige Bleibe; im April 1804 verzog der erste nach Aachen, von Laroche nach Breinig, wo er sich in der Seelsorge betätigte, bis er dort 1807 verstarb. Der letzte Abt, von Plettenberg, seit 1767 geistesgestört, ist 1801 in Neuß gestorben; einen Nachfolger wählte man nicht mehr. Der abteiliche Administrator von der Horst vertarb 1813 in Boisdorf bei Düren. Die Abteigebäude wurden mit den zugehörigen Ländereien französisches Staatseigentum. 1807 erwarb sie der Aachener Fabrikant Friedrich Kolb durch Kauf; in den Gebäuden richtete er eine Tuchfabrik ein. Wälder und Heiden kamen als gemeinsames Eigentum ungeteilt an die Nachfolgegemeinden und wurden für diese vom Bürgermeister von Kornelimünster verwaltet. Aus Teilverkäufen hat man die Schulden des Ländchens zu tilgen gesucht, was demselben überlassen worden war. (siehe auch 1859)
Am Ende der Franzosenzeit hat es keinen regelmäßigen Schulunterricht gegeben. In den Pfarrorten unterrichteten die Küster ohne Auftrag im Lesen, Schreiben und Rechnen, soweit ihnen Schüler zugeführt wurden, überwiegend im Winter, weniger im Sommer. Zwar hatte es eine Schulpflicht gegeben, doch mangelte es an vorgebildeten Lehrern, zumal Unterrichten in der französischen Sprache verlangt wurde.
Durch königliche Verordnung vom 14.Mai 1825 wurde vorgeschrieben, daß jedes Kind nach der Vollendung des 5. Lebensjahres zum Schulbesuch verpflichtet sei.
Die 1886 vom Lehrer Alois Klein angelegte Chronik der Schule zu Venwegen berichtet: 1814 kaufte die Gemeinde in Venwegen ein Wohnhaus mit Stall und Scheune, um sie für Schulzwecke herzurichten. Die Scheune, um die Hälfte vergrößert, wurde Unterrichtsraum, die Wohnung Lehrerdienstwohnung". 1819 wurde an dieser Schule als erster Lehrer von der Gemeinde angestellt Mathias Wilhelm Klein (der Vater des Verfassers der Chronik). Er erhielt neben freier Wohnung mit Garten und Baumwiese ein Jahresgehalt von 120 Taler und von der Kirche als Küster 25 Taler. Zum Lehrergehalt mußten die Schülereltern durch ein Schulgeld beitragen. Klein blieb an der Schule bis 1857. Vorher ist in Venwegen nur notdürftiger Unterricht gegeben worden; als Privatlehrer sind erwähnt: 1804 Peter Stevens, später in Neuhausen. Das erwähnte Schulhaus ist noch vorhanden.
In der 1893 vom Hauptlehrer Ignaz Löhr angelegten Breiniger Schulchronik heißt es:"In den 1820er Jahren unterrichtete der hochbetagte Musiker Winkhold im Lesen, Schreiben und Rechnen". Um 1824 wurde als erster Lehrer von der Gemeinde angestellt Jakob Ostlender aus Kornelimünster. Die Gemeinde bewilligte ihm ein Jahresgehalt von 130 Taler; dazu mußten jedoch je Schüler 1 Taler 6 Silbergroschen Schulgeld beigetragen werden. Was dadurch am Lehrergehalt nicht aufgebracht wurde, zahlte die Gemeinde. Der Lehrer hatte frei Wohnung mit Garten. Als Vorsänger und Vorbeter in der Pfarrkirche bezog er 40 Taler. Unterrichtet wurde in einem Erdgeschoßzimmer eines Privathauses. Ostlender ist 1854 in den Ruhestand getreten. Der Schulraum ist noch vorhanden in dem Hause Breinig, Hauptstraße Nr. 33. Wann das erste Schulhaus in Breinig, das ebenfalls noch besteht (Hauptstraße Nr. 31), erbaut worden ist, erwähnt die Chronik nicht.
Am 24.Oktober 1826 verstarb in Kornelimünster der im Ruhestand lebende erste Pfarrer von Venwegen, Egidius Heinrich Josef Giesen. Er war bis 1794/95 Deservitor an der damals von den Franzosen geplünderten Kapelle in Rothe Erde gewesen, in gleicher Eigenschaft nach Venwegen gekommen und 1804 Hilfspfarrer geworden.
Die von den Franzosen eingeführte Tür-, Fenster-, Mobilar- und Personalsteuer wurde 1820 abgeschafft durch eine Klassensteuer ersetzt.
Im gleichen Jahre richtete die königliche Postverwaltung in Kornelimünster eine Briefsammelstelle als erste örtliche Postdienststelle ein, deren Benutzung jedermann gestattet ist.
Aus dem für die Zwecke der Gebäudefeuerversicherung durch die Bergische Feuer-Societät 1819 vom Bürgermeister aufgestellten Brandkataster verdient festgehalten zu werden. Es ist ein Verzeichnis aller Gebäude und gibt an deren Eigentümer, Haus-Nummern und Namen, Benutzungsart, Bauausführung (ob Mauer oder Fachwerk, Art der Bedachung), Versicherungswert in Talern bergischen Curants. Haus-Namen, die Vorgänger der in der Franzosenzeit (1812?) eingeführten Haus-Nummern, sind nur für den Ort Kornelimünster angegeben. In diesem sind über ein Drittel, in Breinig und Venwegen als zwei Drittel der Gebäude als mit Stroh gedeckt bezeichnet, mit Schiefer und die Kirchen nur wenige Häuser, mit Ziegeln die anderen.
1823 begann man wegen der Anlegung des neuen (ersten preußischen) Grundsteuer-Katasters mit der allgemeinen Vermessung der Grundstücke. Sie ist unter der Bezeichnung "Urmessung" in der Erinnerung geblieben.
Ein Jahr später wurde das bis dahin gemeinsame Armenvermögen des Münsterländchens auf die Nachfolgegemeinden Brand, Büsbach, Kornelimünster und Walheim verteilt.
Im Jahre 1816 fiel noch im April soviel Schnee, wie seit Menschengedenken nicht mehr, und blieb bis in den Mai liegen.Juni und Juli brachten viel Regen. Die Feldfrüchte wurden infolge dessen entweder spät oder garnicht reif. Die Heuernte zog sich bis in den September hin, Hafer kam noch später oder gar nicht herein, und die Kartoffeln sind zum Teil gar im Feld erfroren. Es trat infolgedessen ein großer Mangel an Lebens- und Futtermitteln und eine Teurung ein, die Mensch und Tier zu darben zwangen. Eine Hungersnot war die Folge. Ein achtpfündiges Roggenbrot kostete bis 42 Stüber oder 15 Silbergroschen 9 Pfennig, ein Zentner Kartoffeln bis 3 Taler. Aber auch die neue Ernte (1817) ließ viel zu wünschen übrig und enttäuschte die Hungernden, nachdem es bis in den Juni kalt geblieben war. Die Regierung ließ seit dem Winter Roggen verteilen, damit daraus Brot gebacken werde, was auch zur Linderung der Not beigetragen hat. Allein, viele Leute vermochten infolge der Unterernährung nicht zu arbeiten. Scharen Hungernder zogen umher und suchten durch Betteln etwas zu erwerben. In dieser Not wurden gar Unkräuter als Gemüse verzehrt. Erst das Jahr 1818 war trocken, warm und fruchtbar und ließ das Gespenst des Hungers, der die Menschheit fast zwei Jahre gequält hatte, weichen. Doch blieb die Armut der Lohnarbeiter wegen des Niedergangs der Gewerbe, den die neuen politischen Verhältnisse mit sich gebracht hatten.
1826: Infolge der Verordnungen des Oberbergamts von 1823 und 1824 schloß sich die Mehrheit der am Bergbau auf dem Breinigerberg Packenberechtigten nach langen Verhandlungen zu einer Gesellschaft zusammen, um den Vorschriften des Bergwerksgesetzes von 1810 zu entsprechen. Es waren 73 Eigenbetreiber; nur einige wenige schlossen sich nicht an. Es wird angestrebt, den herkömmlichen Packenbetrieb vieler Einzelner durch einen modernisierten gemeinsamen der neuen Gesellschaft auf einem abgegrenzten Feld zu ersetzen. (siehe auch 1830)

Breinig, den 25.Januar 1959; Johann Röntgen, Amtsinspektor im Ruhestand


[1959] Personenstand 1800-1825 Der Standesbeamte beurkundete für die Gemeinde Kornelimünster

Geburten Trauungen Todesfälle
im Jahr*m*woo+m+w
180065458
18013227201322
18023525151216
1803332992217
18041731231427
18053532172713
18063122162228
18074230173032
18083628102626
18092726223334
18103631161818
18114037103320
18123126192419
18133819212927
1814463093823
18153032112624
1816293393020
1817303283422
1818322292918
18193626133830
18203324102521
1821243371518
18223132111025
18232837192124
18243627182016
1825403772331



1826

Bevölkerung
1826mw-
Population10491104
Geburten37373 unehelich
Todesfälle2327
Trauungen17
geimpfte Kinder46
Liniendienst7 Mann
Elementarschüler133124
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde75
Rindvieh490
Schaafe650
Ziegen25
Schweine123
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen1655 ½1Thlr 20Sgr
Roggen45961Thlr 10Sgr
Gerste1286 ½29Sgr
Hafer610824Sgr
Spelz48924Sgr
Buchweizen521Thlr
Rübsaamen3551Thlr 15Sgr
Kartoffeln 1308010Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu16Centner
Stroh13Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
Käse2Pfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut70
mittelmäßig45
schlecht15
Wiesen- und Weideland
gut80
mittelmäßig50
schlecht20

Im letzten Trimester des Jahres 1826 wurde zu Breinig der erste Vicar Herr Godfried Niessen, geboren zu Freund, Bürgermeisterei Brand, am 14.Februar 1801, mit einem Gehalt von 131 Thlrn 7 Sgr 6 Pfgn nebst freier Wohnung bestellt und eingeführt.
Im Laufe von 1827 wurde wohlderselbe auch zum Dirigent des dortigen Schul-Vorstandes erwählt.

Geschlossen für das Jahr 1826
Cornelymunster 31 December 1826
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenmann, Stollenwerk, Jäger



1827

Bevölkerung
1827mw
Population10681136
Geburten28320 unehelich
Todesfälle1827
Trauungen19
geimpfte Kinder52
Liniendienst6 Mann
Elementarschüler139144
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde97
Rindvieh728
Schaafe1230
Ziegen19
Schweine200
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen17052Thlr
Roggen4621Thlr 28Sgr
Gerste13061Thlr 10Sgr
Hafer600725Sgr
Spelz50927Sgr
Buchweizen121Thlr 5Sgr
Rübsaamen3051Thlr 20Sgr
Kartoffeln 1288612Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu16Centner
Stroh15Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter7Pfund
Käse2Pfund
Landwolle6Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut70
mittelmäßig45
schlecht14
Wiesen- und Weideland
gut80
mittelmäßig52
schlecht18


Geschlossen für das Jahr 1826
Cornelymunster 31 December 1826
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenman, Stollenwerk, Jäger


Die in der Franzosenzeit abgeschafften Dekanate wurden im Zuge der Neuorganisation des vor einigen Jahren wiedererrichteten Erzbistums Köln neu gebildet. Unsere drei Hilfspfarren sind dem Dekanat Burtscheid zugeteilt worden. Diese Einteilung ist erst 1900 geändert worden, als das Dekanat Kornelimünster gebildet wurde.

Breinig, den 25.Januar 1959; Johann Röntgen, Amtsinspektor im Ruhestand




1828

Bevölkerung
1828mw
Population11051126
Geburten25364 unehelich
Todesfälle14201 über 90
Trauungen15
geimpfte Kinder57
Liniendienst7 Mann
Elementarschüler145153
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde95
Rindvieh770
Schaafe1240
Ziegen20
Schweine195
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2002Thlr 5Sgr
Roggen3501Thlr 27Sgr
Gerste3051Thlr 12Sgr
Hafer725726Sgr
Spelz175928Sgr
Buchweizen8071Thlr
Rübsaamen601Thlr 25Sgr
Kartoffeln 1409013Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu15Centner
Stroh13Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
Käse2Pfund
Landwolle7Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut70
mittelmäßig45
schlecht14
Wiesen- und Weideland
gut80
mittelmäßig52
schlecht18
Der eifrige und hoffnungsvolle Vicar zu Breinig Herr Godfried Niehsen, starb daselbst an den Folgen eines bösartigen Nervenfiebers am 9 ten Februar 1828, im bereits zurückgelegten 27 ten Lebensjahre, und 2 ten seiner Priester Würde. R. in pace. In Stelle Ersetzung des Herr Vikar Niehsen wurde gleich nach dessen Tod Herr Dreyer ernannt.

Im Jahre 1829 am 1 ten September kaufte der Tuchfabrikant Herr Godhard Starz zu Aachen die hiesige Abtei Gebäulichkeiten, und etablirte darin eine Tuchfabrik, wodurch mehre müßige Arbeiter beschäftigt wurden.


Abgeschlossen für das Jahr 1828
Cornelymunster 31 December 1828
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenman, Stollenwerk, Jäger



1829

Bevölkerung
1829mw
Population11121131
Geburten29351 unehelich
Todesfälle27231 über 90
Trauungen19
geimpfte Kinder58
Liniendienst5 Mann
Elementarschüler159163
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde103
Rindvieh693
Schaafe1180
Ziegen18
Schweine196
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2202Thlr 15Sgr
Roggen3402Thlr
Gerste4061Thlr 20Sgr
Hafer720827Sgr
Spelz1801Thlr 4Sgr
Buchweizen9061Thlr 4Sgr
Rübsaamen4042Thlr
Kartoffeln 1367?15Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu25Centner
Stroh18Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter9Pfund
Käse2Pfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut75
mittelmäßig50
schlecht15
Wiesen- und Weideland
gut84
mittelmäßig54
schlecht20

Abgeschlossen für das Jahr 1829
Cornelymunster 31 December 1829
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenman, Stollenwerk, Jäger



1830

Bevölkerung
1830mw
Population11161140
Geburten26401 unehelich
Todesfälle23272 über 90
Trauungen10
geimpfte Kinder66
Liniendienst7 Mann
Elementarschüler143140
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde95
Rindvieh160?
Schaafe740
Ziegen21
Schweine180
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2003Thlr 20Sgr
Roggen3202Thlr 25Sgr
Gerste4041Thlr 18Sgr
Hafer85028Sgr
Spelz1001Thlr
Buchweizen120727Sgr
Rübsaamen3Thlr
Kartoffeln 1809015Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu20Centner
Stroh19Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter8Pfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut75
mittelmäßig45
schlecht15
Wiesen- und Weideland
gut70
mittelmäßig42
schlecht12

Im Laufe des Jahres tausend acht hundert ein und dreißig wurde das neue Schul und Gemeinde Haus zu Cornely Münster, durch den Unternehmer Carl Theodor Schmets Schreinermeister zu Aachen für die Summe von 3289 Thlr ausgeführt.
In diesem Jahr wurde der würdige Vikar Herr Krichels von hier nach Eynatten als Pfarrer befordert.

Abgeschlossen für das Jahr 1830
Cornelymunster 31 December 1830
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenman, Stollenwerk, Jäger


In Frankreich ist eine Revolution ausgebrochen in Belgien ein Aufstand gegen Holland. Auch in Aachen flackerten Unruhen auf. Zur Sicherung unserer Grenzen gegen ein Übergreifen des Aufstandes wurden preußische Truppen an die Grenze verlegt und zeitweise auch in unserer Gemeinde einquartiert, dies auch 1831 und 1832. Unterm 10.September genehmigte die Oberberghauptmannschaft im Ministerium des Innern den Bergbau auf Blei und Galmei in einem zusammenhängenden Feld von 121 ½ ha oder 279.318 Quadratlachter auf dem Breiniger Berg.

Breinig, den 25.Januar 1959; Johann Röntgen, Amtsinspektor im Ruhestand




1831

Bevölkerung
1831mw
Population11071143
Geburten25331 unehelich
Todesfälle3126
Trauungen13
geimpfte Kinder50
Liniendienst9 Mann
Elementarschüler148142
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde84
Rindvieh420
Schaafe540
Ziegen18
Schweine105
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen19543Thlr 5Sgr
Roggen32552Thlr 20Sgr
Gerste3561Thlr 20Sgr
Hafer855101Thlr 5Sgr
Spelz9581Thlr 5Sgr
Buchweizen110826Sgr
Rübsaamen5042Thlr 25Sgr
Kartoffeln 15014415Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu18Centner
Stroh18Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
Käse3Pfund
Landwolle8Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut80
mittelmäßig50
schlecht17
Wiesen- und Weideland
gut78
mittelmäßig52
schlecht18

Im Laufe von 1832 wurde in Stell-Ersetzung des abberuffenen Vikar Hr. Dreyer zu Breinig der Vikar Herr Ostlender ernannt, und zu Cornely Münster der Vikar Herr Bruders auch feierte in diesem Jahr der würdige Pfarrer Johan Peter Schoenen zu Breinig sein 50 jähriges Priester Jubel Jahr und wurde gleichzeitig von Seiten des Staats mit einem Geschenke von 100 thlr beschänket.

Abgeschlossen für das Jahr 1831
Cornelymunster 31 December 1831
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenman, Stollenwerk, Jäger



1832

Bevölkerung
1832mw
Population11201138
Geburten23290 unehelich
Todesfälle29310 über 90
Trauungen14
geimpfte Kinder43
Liniendienst20 Mann
Elementarschüler157160
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde107
Rindvieh719
Schaafe830
Ziegen15
Schweine190
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen20162Thlr 20Sgr
Roggen3302Thlr
Gerste301Thlr 20Sgr
Hafer900121Thlr 15Sgr
Spelz90111Thlr 10Sgr
Buchweizen100101Thlr
Rübsaamen5043Thlr
Kartoffeln 15516817Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu16Centner
Stroh18Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter8Pfund
Käse3Pfund
Landwolle12Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut80
mittelmäßig50
schlecht15
Wiesen- und Weideland
gut80
mittelmäßig50
schlecht15

Anfangs 1832 hat der Wundarzt, Herr August Froelenstaedt als qualifizirter Arzt sich in Cornely Munster niedergelaßen.

Abgeschlossen für das Jahr 1832
Cornelymunster 31 December 1832
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenman, Stollenwerk, Jäger



1833

Bevölkerung
1833mw
Population11281150
Geburten42353 unehelich
Todesfälle22331 über 90
Trauungen20
geimpfte Kinder61
Liniendienst11 Mann
Elementarschüler167171
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde86
Rindvieh624
Schaafe680
Ziegen22
Schweine240
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2051Thlr 28Sgr
Roggen33571Thlr 18Sgr
Gerste3681Thlr 10Sgr
Hafer904101Thlr 6Sgr
Spelz87121Thlr 4½ Sgr
Buchweizen94825Sgr
Rübsaamen5633Thlr 5Sgr
Kartoffeln 17016710Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu24Centner
Stroh20Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
Käse3Pfund
Landwolle12½Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut85
mittelmäßig54
schlecht19
Wiesen- und Weideland
gut87
mittelmäßig60
schlecht20

1833 an Ostern wurde der Herr Vikar Bruders in selber Eigenschaft nach Bonn abberuffen, und allhier der Herr Albert Stein in Stell-Ersetzung ernannt.

Cornelymunster 5.November 1833

Auch Uns sollte das Glück zu Theil werden, den hochgefeierten Gast der Rheinlande, den geliebten Kronprinzen in unserer Mitte zu begrüßen. Seine Königliche Hoheit langte heute morgen gegen 9 Uhr unter dem Donner Geböller, dem Geläute aller Glocken, und dem frohen Jubel des von allen Seiten herbeieilenden Volkes hier ein, und geruheten beim Eingange zur Kirche auszusteigen, und in Begleitung der hiesigen Authoritäten unsern altehrwürdigen Tempel in Augenschein zu nehmen in welchem höchst dieselben eine halbe Stunde verweilten. Leider ließ es der vorgesezte Reiseplan und die Kürze der Zeit seiner Königlichen Hoheit nicht zu, länger bei uns zu verweilen und nach kurzem Aufenthalte reisten höchstdieselben unter den Segenswünschen aller von hier ab, nach Montjoie.
Die Milde und die Freundlichkeit womit der geliebte Königssohn sich zu jedem herab läßt, und auch des Geringsten Huldigung nicht verschmäht, muß ihm alle Herzen gewinnen, und wie überall, so hat Er auch bei uns dadurch ein bleibendes Denkmal der Liebe gestiftet.
Möge der Segen seinem Fußtritte folgen, gleich wie die Freude ihm allenthalben vorauseilt. Sein Andencken wird uns unvergeßlich bleiben.

In den Triumphbogen des Orts fanden sich unter anderen folgende Inschriften vor.

A Beglückt der Kreis der solches sah, Ihm ist der Kronprinz treustens nah.

B Es jubelt Cornely Munster, welches seinen Wunsch erhört sieht

C Wir Unterthanen ehren – des höchsten Printzen Lehren

D aVe prInCeps ! regnI Ateres! VID Corne LII Monaster sUa VIter jUbILans [MDCCLLVVUVUIIIIIIIj = 1833]

E Reise glücklich ! Lebe wohl !


Der am 19 ten August 1833 verstorbene wohlehrwürdige Priester Herr Mathias Josephus Florianus Otten, hat mittels testamentarischer Disposition den Pfarr-Armen zu Cornelymunster
a) eine zu Cornelymunster am Markte belegene Behausung evaluirt zu 481 Mark
b) eine Capital Forderung zur Last der Civil Gemeinde Cornelymunster zum Antrage von 700 Mark,
überhaupt 1181 Mark, geschrieben ein tausend ein hundert ein und achtzig Thlr elf Sgr. unter der Bedingung vermacht, daß nach dem Ableben seiner Nichte Fräulein Magdalena Schollen Nutznießerin, der hiesige zeitliche Pfarrer den Pacht erheben, und ohne alle Verantwortlichkeit und Berechnung an Haus Armen auszahlen könne.
Durch allerhöchste Cabinets Ordre vom 15. Aug. 1835 ist vorstehendes Vermächtnis bestättigt worden.


Geschlossen für das Jahr 1833
Cornelymunster 31 December 1833
Der Bürgermeister, Giesen, und der Gemeinde Rath: Braun, Lambertz, Gillessen, Berretz, Schonauen, Brammerz, Wagenman, Stollenwerk, Jäger



1834

Bevölkerung
1834mw
Population10961108
Geburten39343 unehelich
Todesfälle24191 über 90
Trauungen18
geimpfte Kinder44
Liniendienst19 Mann
Elementarschüler152155
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde102
Rindvieh696
Schaafe530
Ziegen32
Schweine380
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen21551Thlr 23Sgr
Roggen3401Thlr 7Sgr
Gerste341Thlr
Hafer9201024Sgr
Spelz401124Sgr
Buchweizen12820Sgr
Rübsaamen6053Thlr 10Sgr
Kartoffeln 1801509Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu17Centner
Stroh12Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
Landwolle13Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut85
mittelmäßig54
schlecht19
Wiesen- und Weideland
gut87
mittelmäßig60
schlecht20

Im Laufe von 1834 ist nichts wesentliches vorgekommen

Abgeschlossen für das Jahr 1834
Zu Cornely Munster am 16. Jenner 1835
Der Bgrmeister, Giesen, und Gemeinde Rath: Braun, Wagenman, Kuck, Stollenwerck, Lambertz, Gillessen, Schonauen



1835

Bevölkerung
1835mw
Population11291146
Geburten39312 unehelich
Todesfälle49300 über 90
Trauungen15
geimpfte Kinder65
Liniendienst18 Mann
Elementarschüler193192
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde110
Rindvieh680
Schaafe520
Ziegen28
Schweine350
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2101Thlr 22Sgr
Roggen33781Thlr 8Sgr
Gerste3271Thlr 2Sgr
Hafer91010½26Sgr
Spelz801326Sgr
Buchweizen15722Sgr
Rübsaamen403Thlr 15Sgr
Kartoffeln 18516512Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu1Centner
Stroh20Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter10Pfund
Käse4Pfund
Landwolle13Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut90
mittelmäßig60
schlecht25
Wiesen- und Weideland
gut92
mittelmäßig62
schlecht22

Anfangs 1835 hat der Herr Joseph Pauls von dem hochpreislichen Ministerium die Erlaubnis erhalten hier in Cornelimünster eine Apotheke 1. Klasse anzulegen.

1835 5.Februar abends gegen zehn Uhr bei einem furchtbaren Sturmwetter zündete gleichzeitig der Blitz den Glockenthurm der auf dem Berg oberhalb Cornelymunster belegenen St.Antoni Stephans Kirche. Bei der Heftigkeit des Windes, der Höhe und der Schnelligkeit des Brands war es nicht möglich den Flammen Einhalt zu thun. und so waren in wenigen Stunden der Thurm und das Kirchendach durchs Feuer verzehrt und die drei schönen Glocken von etwa neun tausend Pfund zerschmolzen. Der ganze Flecken war bedroht, und würde wenigstens theilweise ein Raub der Flammen geworden sein, wenn nicht der Wind die fliegenden Funken der glühenden Kohlen des aus der Erde auf Gebälken ruhenden wunderbaren schönen Glockenstuhles längs den Häusern vorbei auf die St. Antoni Kapelle hingetrieben hätte.

1835 am 2 ten Juny wurden in dem Baumgarten des Hr. Notars Emonts allhier durch den Glockengießer Augustin Gaulard aus Belgien / Lüttig wieder drei neue Glocken von resp. 4500 Pf. 3300 Pf. und 2200 Pf. theils aus dem vorgefundenen, theils aus neu beschaftem Material in Gegenwart des Regierungshof-Präsidenten Herrn Graff von Arnim mehrer Mitglieder des Regierungs Collegii des Domprobsten Herrn Clahsen und einer Menge ansehnlicher geist- und weltlicher Personen gegoßen - von diesen wohlgelungenen Glocken ist die leichteste zur Aushilfe in dem kleinen Thurm der Stifts / jetzt Pfarrkirche / aufgehangen worden, die beiden übrigen sind bis Austracht der Sache in dem oberen abgebrannten Thurm placirt worden, und sind sämtliche neue Glocken durch S. Hochwürden dem Herrn Land Dechant Kuck von Burtscheid feierlich eingesegnet.

Vor der Hand hat der Kirchen Vorstand hierselbst die Mauren des abgebranten Thurms zur Erhaltung des Vikarie Gebäudes bedachen lassen.
Das Sanctuarium dieser St. Stephans Kirche bis über die 5 Altäre hinweg hat der wohlehrwürdige Herr Carl Bartholomäus Minderjahn benefizirt den h. Kreuz Altar ex propriis mit einem Kosten Aufwand von sechs hundert Thaler courant bedachen lassen; der mittlere Theil dieser Kirche ist bis dahin noch unbedacht, und wird die desfallsige höhere Entscheidung entgegen gesehen.
Im Laufe des Sommers 1835 sind durch den erwähnten Glockengießer noch mehrere Glocken hieselbst gegossen worden, unter anderem eine für die Klause Kapelle, welche die Eremiten Heldervogt und Deutz durch freiwillige Beiträge zahlt haben, und eine für die St. Antonie Kapelle, welche der vorgenannte Herr Minderjahn Beförderer dieser Kapelle ebenfalls ex Propriis bezahlt haben, beide wurden durch den Herrn Pfarrer Goebbels Hochwürden hierselbst eingesegnet, zu Breinig wurde auch zwei alte Glocken durch neue ersetzt, und erhielt die dortige Kirche ein Staats Geschenk von 195 Thlr dazu.

1835 am 1 ten October hat der hiesige Lehrer Aloys Zimmermann seine Stelle niedergelegt, und ist derselbe gleich durch den Lehrer Joan Wilhelm Hillebrand aus Eilendorff ersetzt worden.

Im 4 ten Trimester war die Scharlach Epidemie hier in Cornelymunster herrschend und rafte bei 15 Kindern in dem Alter bis zu 10 Jahren weg.


Geschlossen durch den Gemeinde Rath
am 31 Dezember 1835
gez. Giesen, Jäger, Stollenwerk, Schonauen, Braun, Wagenman, Brammerz, Beretz
für getreue Ebenschrift: Giesen, bgrmstr

Durch königliche Verordnung vom 20.Juni wurde die unentschuldigte Versäumnis des Schulbesuchs unter Strafe gestellt. Die Bestrafung hat durch den Bürgermeister zu geschehen. Die Strafen betragen mindestens einen Silbergroschen und höchstens einen Taler. Diese Verordnung blieb rund hundert Jahre gültig.

Ein Gesetz vom 2.Juli verbietet für alle Orte, wo mehrere Häuser zusammenstehen, das Neubedachen mit Stroh und schreibt vor, daß die Ortsbehörden bei der Anlegung neuer Dächer nur Bedachungen von Metall, Schiefer oder Ziegeln und Lehmschindeldächer gestatten. Auch größere Reparaturen an schon vorhandenen Stroh, Rohr oder Holzschindeldächer sollen in der Regel nicht gestattet werden.




1836

Bevölkerung
1836mw
Population11201142
Geburten34362 unehelich
Todesfälle30271 über 90
Trauungen25
geimpfte Kinder67
Liniendienst20 Mann
Elementarschüler188189
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde109
Rindvieh664
Schaafe610
Ziegen25
Schweine364
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen20061Thlr 24Sgr
Roggen3401Thlr 8Sgr
Gerste301Thlr 4Sgr
Hafer9001128Sgr
Spelz601528Sgr
Buchweizen10624Sgr
Rübsaamen3024Thlr
Kartoffeln 19017014Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu1Centner
Stroh22Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter10Pfund
Käse4Pfund
Landwolle13Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut130
mittelmäßig90
schlecht35
Wiesen- und Weideland
gut136
mittelmäßig90
schlecht36

1836 29. Febr. wurde Herr Johann Gerard Weber geboren. zu Cornelymünster am 21 ten April 1810, als Priester geweihet und als Vickar zu Gereonsweiler angestellt. eodem der Herr Peter Jacob Damian Hubert Siebold geboren zu Cornelymünster am 30 ten Januar 1811 ebenfalls als Priester geweihet und als Rector zu Birgeln, Pfarre Lengersdorff angestellt.

1836 am 6. Febr. starb der Jubilar Priester und Beneficiat Herr Karl Anton Bartholomai Joannes Nepomucenus Minderjahn im 84 ten Lebensjahre nachdem Er vieles für seine Seelenruhe und für die Seelen auch seiner Schwester und Familie fort für die Armen des Cornelymünsterländchens gestiftet hatte.

1836 8 Mai endete die Wittwe Mathias Ganser geboren Anna Magd Thomas im 94 ten Jahre ihren stille frommen Lebenstagen. Sie wurde zu Hahn geboren am 29 ten October 1742 R.i.P.
Unter in 28 ten April 1836 wurde an die Stelle des vorbenannten verstorbenen Herrn Minderjahn dessen Nachfoger ernannt.
Folgt Abschrift des Ernennungsinstruments
Joannes Hurgen s.s. Theologiae Doctor ecclesiae metropolitaniae Coloniensis Decanus et per archidiocosin coloniensem Vicarius Generalis sede vacante capitularis Eques ordinis Aquileae rubrae tertiae Classio Dilecto nobis in Christo Presbytero Domino Jacob Slaytz Per praesentes beneficium perpetuum Corneli Monasterii die 17 ma Novembris 1777
erectum et per obitam... D Caroli Bartholomai Minderjahn vacano tibi comittimus ad administrandum mandantes ut beneficii onera pie sustineat et parocho illius ecclesiae obitam semper praestes reverentiam et obedientiam Coloniae sub signo nostro sigilloque vicariatus
generalis sede vacante capitularis.
Anno 1836 die 28 Aprilis gez. Hüsgen

1836 am 5 ten October bei eintrettender Nacht hatte die Gemeinde die allerhöchste Gnade Ihre königliche Hoheit der Kronprinzen von Preußen und Ihre königliche Hoheit den Prinz Albrecht / Bruder / bei höchst Ihrer Durchreise bekomplimentiren zu können. Seiner königl. Hoheit der Prinz Albrecht geruhten die hiesige alterthümliche sonst Abbatial Kirche in Augenschein zu nehmen und höchst Ihre Zufriedenheit über den innerlichen Ausschmuck derselben zu äußern. Die hiesige Bürgerschaft war den hohen Reisenden mit einem Fackelzuge entgegen gezogen nachdem die berittenen Wehr=Reuter bis an der Bürgermeisterei Limite vorausgeeilt waren.

Im Herbst vollendete der Kaufmann und Ritterguts Besitzer Herr Godhart Starz den großartigen Bau zu einer completten Spinnerei mit Walkmühle, nachdem er die seit unerdenklichen Jahren bestand sogenannte Cornely Münsterländchen Mahlmühle gänzlich demolirt und abgetragen, und an dieser Stelle, die genannte bauliche Anlage errichtet hatte.

An die Stelle des in der Irrenheil Anstalt zu Siegburg verstorbenen Steuer und Gemeinde Empfängers Graffweg, ist der frühere Communal Baumeister Johann Cremer ernannt, derselbe ist mit 1 tem Juny 1836 in seine Funktionen eingeführt.


Geschlossen durch den Gemeinde Rath von Cornelymünster für das Jahr 1836
Cornelymünster 27 ten Jenner 1837
gez. Giesen bgrmstr, Brammerz, Schonauen, Beretz, Braun, Wagenman, Lambertz und Stollenwerk.
für getreue Ebenschrift: Giesen, bgrmstr



1837

Bevölkerung
1837mw
Population11281142
Geburten39361 unehelich
Todesfälle34270 über 90
Trauungen18
geimpfte Kinder44
Liniendienst5 Mann
Elementarschüler189187
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde111
Rindvieh780
Schaafe769
Ziegen33
Schweine288
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen21071Thlr 20Sgr
Roggen3451Thlr 13Sgr
Gerste4091Thlr 4Sgr
Hafer9101025Sgr
Spelz351621Sgr
Buchweizen5726Sgr
Rübsaamen353Thlr 5Sgr
Kartoffeln 20016015Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu25Centner
Stroh24Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter9Pfund
Käse4Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut140
mittelmäßig100
schlecht40
Wiesen- und Weideland
gut145
mittelmäßig95
schlecht40

In den Pfarr Ort Breinig ist eine neue Brandspritze mit den nöthigen Utensilien beschafft worden.
Auf der Breinigerheide sind noch zwei Dachziegel Brennereien errichtet und bestehen deren dermahle drei, die Strohdächer haben häufig abgenommen und es steht mit Zuversicht zu erwarten, daß bald alle Strohdächer ausscheiden werden.

Zu Breinig selbst sind im Laufe dieses Jahres mehrere neue Privat Häuser errichtet worden.
Zu Venwegen kam ein neuer Contract von Seiten der Gemeinden des Schulbezirks Venwegen und Mulardshüt endlich zu Stande. Daselbst wurde auch ein Hauptbrunnen unweit der Kirche angelegt und ausgeführt.

Zu Cornelymünster aus der Gemeinde Parzelle Capelchensberg bei dem sogenannten Capellchens Brunnen, wurde eine hier mangelnde Bierbrauerei angelegt. Daselbst auf dem Rötgensberg ist der Anfang zur Errichtung einer Baierschen Bierbrauerei mit Felsenkellern gemacht worden.

Der eingeäscherte Kirchthurm der alten St. Stephans Kirche wurde zur Aufhängung der neuen Glocken theilweise wieder aufgesetzt.

Das zum Beneficium perpetuum die 17 ma Novembris 1777 erectum gehörige, bisher von dem lezten Beneficiaten unbewohnte Haus wurde durch freiwillige Gaben in brauchbaren Zustand gestellt.

Ungeachtet daß der seit Menschen Gedenken so häufig gefallene Schnee die Aecker und Wiesen bis in die erste Hälfte des Monats April bedeckte wodurch das Vieh sehr starken Mangel in Beziehung auf die Fütterung leiden mußte ist jedennoch während der Sommer und Herbst Monaten soviel Futter und Frucht erzeugt worden, daß der erlittene Schaden des Frühjahrs ersetzt wurde, inzwischen wegen des abwechselnd vielen Regens ist einige Frucht feucht eingescheuerd worden. Was bei der Kartoffel Erndte auch der Fall war, namentlich sind die sogenannten Roth-Spitze mißrathen.

Drei neue Dachstuben an dem hiesigen Schul und Gemeinde Hause, nebst zwei neuen eisernen Geländern an den äußeren Treppen der Gemeinde und Wäghäuser wurden angefertigt.

An die Stelle der wegen Alters Schwäche ausgetretenen Gemeinde Raths Gliedern Theodor Hamecher und Lambert Lamberts wurden ernannt und eingeführt Peter Joseph Ostlender und Reiner Lamberts zu Cornelymünster und an die Stelle des mit Tod abgegangenen Peter Gillessen der Cornelius Kutsch zu Breinig.
Der Rendant der Kreys Verwaltung H. Franz Peter Vogelsang ist in seinem 53 ten Jahre mit Tod abgegangenen, die Rendanten Stelle ist mit der Gemeinde Empfangs Stelle vereinigt.

Der Preis der Grundgüter namentlich in der Nähe des Chef lieu Cornelymünster steht gegenwärtig so hoch als er in Menschen Alter gestanden habe.

Die Witterung in den letzten Tagen December war so günstig daß noch mehrere Aecker mit Korn und Waitzen bestellt wurden.


Geschlossen zu Cornelymünster bei der Gemeinde Raths Versammlung
am 19 ten December 1837
gez: Giesen bgrmstr, Ostlender, Schonauen, Wagenman, Kutsch, Berretz, R. Lamberts, Stollenwerk
für getreue Ebenschrift zum Dienste der Verwaltung, der bürgermeister zu Cornely Munster, Giesen


Am Jahresanfang begann die neue Provinzial-Feuersocietät der Rheinprovinz ihre Thätigkeit in unserer Gemeinde


1838

Bevölkerung
1838mw
Population11561169
Geburten33372 unehelich
Todesfälle35260 über 90
Trauungen18
geimpfte Kinder63
Liniendienst7 Mann
Elementarschüler152154
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde113
Rindvieh785
Schaafe640
Ziegen31
Schweine270
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen1802Thlr 28Sgr
Roggen33682Thlr
Gerste3581Thlr 15Sgr
Hafer920111Thlr 8Sgr
Spelz40141Thlr 8Sgr
Buchweizen881Thlr 10Sgr
Rübsaamen3223Thlr 10Sgr
Kartoffeln 20017015Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu18Centner
Stroh110Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter8Pfund
Käse4Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut130
mittelmäßig100
schlecht38
Wiesen- und Weideland
gut140
mittelmäßig90
schlecht40

Das neue Jahr hat eine solche angenehme Frühlings Witterung mitgebracht, daß der Mit-Unterzeichnete-Bürgermeister ein mit Brach-Rüben bestellt gewesenes Ackerfeld wiederum vortheilhaft mit Korn bestellen konnte und wirklich bestellt habe. Diese Erndte war sehr gut. Mit dem sechsten Januar trat Frost Wetter ein und die Kälte stieg bis zum neunten Januar bis zu 18-19 Graden und währete bis über die Mitte Februar mit abwechselnd Milde fort. Dann trat Schnee ein der gegen Anfang März sich allmählig verzog. Inzwischen war der Frost erst bis gegen den siebenten März obwohl mehrmale ein wenig Regen gefallen aus der Erde gezogen.

Wassermangel war so fühlbar daß mehrere Mühlen und Fabriken außer Betrieb gesetzt wurden. Erde-Arbeiten, Stein graben, brechen und behauen konnte wegen allzu großen Kälte nicht verrichtet werden. Gemüße in den Gärten erfroren alle, selbst sind eine Menge Erdäpfel (Kartoffel) in nicht tiefen und gut verstopften Kellern erfroren.

Die geringe Volksklasse litten Mangel an Arbeit sehr und auf daß dieselbe nicht erfrieren mögte, hat die Gemeinde in großer Menge Kohlengriß herbei schaffen lassen und solches nebst Brod reichlich gespendet.

Der Herr Vickar Albert Gereon Stein ist mit Februar nach Coeln als Rector einer dasigen Capelle befördert und an dessen Stelle ist der im vorigen Herbste zum Priester geweihete Hr Eug. Theod. Thyssen aus Aachen als Vickar hierselbst ernannt. An die Stelle des am 26. Sept. 1839 ausgetrettenen Benefiziaten des h. Kreuz Altars Herrn Mayntz ist nunmehr der geistliche Pensionair und Curat Priester Herr Stephan Domiicus Jacobus Mauritius Lubigk ernannt worden und sofort eingetretten.
An die Stelle des ausgetrettenen Gemeinde Raths Glieds Arnold Brammerz ist Johann Heinrich Bierfert dahier ernannt.

Das eingeäscherte Dach der alten St. Stephans Kirche wurde im Laufe dieses Jahres gänzlich hergestellt, und ein neuer Glockenstuhl in dieser Kirche auf der früheren Stelle angebracht, fort drei neuen Glocken gangbar gemacht.

Der Kichhoff wurde zum Theil geebnet und von der Straßenseite gehörig durch Instand Stellung der Mauren eingefriedigt.

Die Heu Erndte pro 1838 war ergiebig so auch die Winter und Sommer Frucht nur wegen des häufigen Regens der periodisch und zu oft wiederkehrte hat das Stroh und das Körnlein viel gelitten, selbst Sand Kartoffel im nassen Boden erfault. Im Herbst 1838 eben wegen der nassen Witterung wurde die neue Winter Aussaat mitunter schlecht bestellt auch wüthete der Schneckenfraß mitunter Jahr stark, so daß zu befürchten, daß 1/10 der neuen Aussaat mislingen dürfte, theils aus dieser Ursache, theils Mangels an inneren Gehalt der Fruchtkörner, theils wegen Fehl Erndte in naßen Gegenden auch theils aus unbekannten politischen Gründen ist die Frucht allmählich bis zu enormen Preisen gestiegen, namentlich der Weitzen.

Die Verwaltung der Armen Cassen ist nach dem Ableben des lahmen Rendanten Vogelsang auf den Steuer und Gemeinde-Empfänger Cremer übergegangen.

Die Tuchfabricken gehen im Allgemeinen sehr gut und wegen der in der Nachbarschaft ins Leben gerufenen Eisenbahn und sonstigen vielen Etablissements zu Aachen auf dem Münster Kohlbusch wo die Kokerills Anlagen / und die Metallurgische Gesellschaft so große und verschiedenartigen Fabricken anlegt / sich so vortheilhaft auszeichnen hat die Volks Klasse keinen Mangel an Arbeit.

Hier in Cornely-münster bei Ausführung eines Hausbaues stürzte der Maurer Heinrich Spitz aus Oberforstbach von einem Gerüste herab, wobei er sogleich seinen Tod fand. R.i.P.

In dem wassermangelenden Dorfe Venwegen wurde eine neue Pompe mit großem Vortheil auf einen neuen Brunnen angelegt.


Cornelymünster 21 ten December 1838
gez: Giesen brgmstr, Kutsch, Ostlender, Lamberts, Biervert, Stollenwerk, Braun, Berretz, Jäger, Schönauen
für getreue Ebenschrift zum Dienste der Verwaltung. Der Bürgermeister zu Cornelymünster, Giesen



1839

Bevölkerung
1839mw
Population11631177
Geburten45414 unehelich
Todesfälle33260 über 90
Trauungen25
geimpfte Kinder64
Liniendienst7 Mann
Elementarschüler160167
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde110
Rindvieh780
Schaafe610
Ziegen30
Schweine265
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen19573Thlr
Roggen3502Thlr 6 Sgr
Gerste601Thlr 18Sgr
Hafer93011½1Thlr 10Sgr
Spelz30151Thlr 15Sgr
Buchweizen681Thlr 10Sgr
Rübsaamen3823Thlr 15Sgr
Kartoffeln 20515016Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu20Centner
Stroh112Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter9Pfund
Käse4Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut135
mittelmäßig103
schlecht40
Wiesen- und Weideland
gut145
mittelmäßig94
schlecht42

Eine der vielen wohlthätigen Stiftungen des verlebten Herrn Beneficiaten Carl Barth. Minderjahn trat in's Leben nämlich von Neujahr 1839 an, wie an jedem Dienstag der Woche nach der heiligen Messe an der St. Antoni Kapelle eine Spende von fünfzehn Sgrschen unter die Armen, so dort dem h. Meßopfer beiwohnen, statt finden. Statt des alten Beneficiaten spendet das Mitglied der Armen Verwaltungs Comission H. Jacob Koch im Auftrage des Benefiziaten vorgenannte milde Gabe.

1839 in der Nacht vom 19 ten auf den 20 ten Januar bei einem furchtbaren Winde mit Schnee-Gestöber erlitt der Fuhrknecht des Johann Heinrich Geir zu Breinigerheide Hermens, Peter Beinhard auf dem Wege zwischen Cornelymünster und Breinig den Erfrieren Tod. R.i.P
In der Nacht vom 13 ten auf den 14 ten Mai erstickte der Kalckbrenner Jacob Nolz aus Cornelymünster auf der hier belegenen Kalkbrennerei, anscheinlich hatte er sich zum Erwärmen auf dem Rande des brennenden Ofens niedergesetzt, und ist besinnungslos in Folge des Schwadems hineingefallen.
Am 31 ten July verunglückte zu Breinig der Zimmerer Johann Peter Prohs. Er stürzte nämlich bei Ausführung eines Neubaues von einem Gerüste herab.

Im Frühjahre herrschte sowohl unter dem Rindviehe als unter den Schafen und Schweinen Maulfäulniß, Hinken und Klauen Seuche. Nach etwa 6 Wochen und nachdem das benannte Vieh sehr daran gelitten und weit zurückgesezt war, verschwand diese Krankheit ohne besondere Sterblichkeit.

Gleichzeitig grassirten unter den Menschen im Frühjahre die Nerven und Brust Fieber nach 3 Monaten zeigten sich auch diese Krankheiten nicht mehr, nur haben Fieber ein paar Individuen ihr Leben eingebüßt.
An natürlichen Menschen Pocken unterlag im Laufe des Jahres ein erwachsener großjähriger Jüngling. Im Herbste kam fast allgemeine unter allen Kindern bis zu 10 Jahren die Masern Krankheit zum Vorschein. Dieselbe war je dennoch nicht bösartig, blos 6-7 Kinder sind in Folge dieser Krankheit gestorben.

Eine außerordentliche Dürre und dabei ein großer Wassermangel war in diesem Jahre besonders bemerkbar. Dessen ungeachtet zerstörte doch der Schneckenfraß im Herbste manche schöne Wintersaat, was sonst nur bei feuchter und nasser Witterung zu geschehen pflegt.

An die Stelle der ausgetretenen Beigeordneten Bürgermeisters, welcher wegen Altersschwäche Dienstunfähig geworden ist dessen Sohn Johann Wilhelm Kuck zu Venwegen ernannt und instalirt worden.

Mehrere Brunnen wurden zu Breinig und Venwegen angelegt, und mittelst Durchschneidung des Kapellchens Berges und Anlegung eines Straßenfundaments in demselben, wurde die Communication mit dem Fuhrwerke zwischen Breinig und Cornely-münster vollkommen eröffnet.

Wegen Anlegung der Eisenbahn waren in der Nachbarschaft Holz und Haustein-Preise enorm hoch.


Geschlossen durch den Gemeinde Rath, am 31 ten December 1839
gez: Giesen bgrmstr, Kutsch, Ostlender Lambertz ,Biervert, Stollenwerck, Braun, Beretz, Jäger, Schönauen
für getreue Ebenschrift: Der Bürgermeister zu Cornelymünster, Giesen



1840

Bevölkerung
1840mw
Population11871165
Geburten38432 unehelich
Todesfälle30280 über 90
Trauungen15
geimpfte Kinder79
Liniendienst9 Mann
Elementarschüler161164
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde112
Rindvieh784
Schaafe650
Ziegen27
Schweine257
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2002Thlr 26Sgr
Roggen34582Thlr
Gerste5591Thlr 20Sgr
Hafer9401220Sgr
Spelz351625Sgr
Buchweizen1071Thlr
Rübsaamen4032Thlr 12Sgr
Kartoffeln 20013013Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu24Centner
Stroh15Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter10Pfund
Käse5Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut140
mittelmäßig105
schlecht40
Wiesen- und Weideland
gut145
mittelmäßig95
schlecht45

1840, am 24 ten Jenner wurde Joan Wilhelm Brammerts zu Breinig auch als Beigeordneter von königl. hoch. Regierung ernannt und vom 30 ten ejusdem in seine Function eingeführt.
1840 am 21. Febr. ist der Steuer und Communal Empfänger Cremer ausgeschieden und in selber Eigenschaft nach Stottdoff bei Linnich, wo die Familie residirte, übergegangen. An eben diesem Tage ist der Bürgermeister Kalff von Walheim ausgeschieden, und hat die Perceptur Stelle des P. Cremer übernommen - die Verwaltung der Bürgermeisterei Walheim wurde sofort dem Unterzeichneten Bürgermeister Giesen übertragen.

Vom 28 ten Merz haben die hohen Ministerien des Inneren und der Polizei auf dem durch die königl. Hochlöbliche Regierung befürworteten Antrag der Gemeinden Räthe von Cornelymünster und Walheim, die Vereinigung dieser Bürgermeistereien in EINE zu genehmigen geruhet, was auf den Grund der unter dem 18 april 1840 No. 2108 mitgetheilten Regierungs Verfügung vom 14 ten ejusdem No 168 I zur Publizität des Publikums gebracht worden ist.
Am 7 ten Juny erfolgte das Ableben des Allerdurchlauchtige Königs vn Preussen Friedrich Wilhelm III Majestät unseres allergnädigsten Herrn.
Am 8 ten ejusdem trat als angestammter nunmehriger Allerdurchlauchtigster König von Preussen Friedrich Wilhelm IV te Majestät unserer Allergnädigster Herr allerhöchst Regierungsfrist an.
Am 15 ten October hatte in der Residenz-Stadt Berlin die Huldigungsfeier statt, wobei die Gemeinden des Landkreises durch ihren Deputaten Herrn Dautzenberg vertreten wurde. Aus Cornelymünster selbst wohnte dieser Feierlichkeit freiwillig bei, der sich hierzu ex propriis uniformirte Rittergutes Besitzer Gotthard Starz.
Am 11 ten Juny wurde der dritte Beigeordnete Bürgermeister, der frühere Bürgermeister Cornelymünsters Damian Hamacher in seine Function eingeführt.

Am 9 ten October wurde das Gemeinde Raths Glied Johann Hermann Rombach in Stell Ersetzung des Balthasar Bardenheuer ebenfalls in seine Function für die nunmehr vereinigte Bürgermeisterei Cornelymünster eingeführt.
1840 am 16 ten October starb zu Breinig an Alters Schwäche der dortige erstere Pfarrer Herr Johann Peter Schönen nachdem er bereits 37 Jahre als eifriger Seelsorger der dortigen Gemeinde vorgestanden hatte.
Am ?.November wurde der dasige Vikar Herr Peter Ostlender als Pfarrer zu Breinig befördert.
Am 31. December starb im 69 ten Jahre der Pfarrer Herr Adam Nicolas Butzkann, Venwegen. Er hatte daselbst während 19 Jahren eifrigst seinen Pflichten erfüllt.

Am 26 ten Januar starb zu Venwegen Theodor Wagenmann Mitglied der Armen Verwaltungs Commission der Bürgermeisterei und zu dessen Stelle Ersetzung wurde der dortige Einwohner Mathias Joseph Schweitzer ernennt.
Der daselbst wohnende Peter Stevens begehrte wegen Alters Schwäche von seiner Function als Mitglied des Schulvorstandes entbunden zu sein, und wurde dem dortigen Einsaßen Leonard Keller diese Stelle übertragen.

Im Allgemeinen ist das Jahr 1840 als ein sehr fruchtbares und für den Landmann ersprießliches anzunehmen. Die Winter so wie die Sommer Früchten geriethen vorzüglich gut und standen dabei in sehr hohem Preise. Die Heu Erndte hingegen war nur mittelmäßig, und die der Kartoffeln durchgängig schlecht.
Für die Kommunikation wurden viele Opfer gebracht, zuerst wurde ein neuer Weg von der Landstraße hinter Friesenrath durch den Gemeindewald nach Rott, eine kleine Ortschaft im Landkreise Montjoie, eröffnet. Die Cornelymünsterländischen Gemeinde gaben das Terrain unentgeltlich her, und schossen dabei noch ein hundert fünfzig Thaler baar zu. Die frühere Bürgermeisterei Walheim contribuirte zu diesem Wegebau auch vier hundert Thaler. Die Beendigung dieses Communications Weges wird im nächsten Jahre entgegen gesehen.
Gleichfalls eröffnete vorgenannte Bürgermeisterei per entreprise eine Straße von der Cornely-münster Grenze nach Oberforstbach und verwandte beiläufig ein tausend Thaler. Auch wird der Vollendung dieser Straße im nächsten Jahre nichts im Wege stehen, überhaupt geschah nebenher durch Hand und Spanndienster sehr viel für den Communal Wegebau, - mehrere Abhänge und gefährliche Stellen an Flüßen und Bergen wurden durch hölzerne Geländer versichert.

Der Gang der Tuchfabriken und die Förderung von Stein und Kalk waren sehr befriedigend.


Geschlossen zu Cornelymünster am 31. December 1840
Giesen, Ostlender, Biervert, Jäger, Rombach, Braun, Knorr, Weber, Lambertz, Schönen, Kutsch, Schonauen, Berretz, Stollenwerk, Schornstein



1841

Bevölkerung
1841mw
Population24202394
Geburten81810 unehelich
Todesfälle57641 über 90
Trauungen28
geimpfte Kinder149
Liniendienst12 Mann
Elementarschüler337330
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde240
Rindvieh1800
Schaafe1500
Ziegen45
Schweine650
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen33062Thlr 28Sgr
Roggen6701Thlr 26Sgr
Gerste17081Thlr 18Sgr
Hafer20001120Sgr
Spelz1001526Sgr
Buchweizen20628Sgr
Rübsaamen852Thlr 15 Sgr
Kartoffeln 4508020Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu20Centner
Stroh15Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter12Pfund
Käse6Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut150
mittelmäßig110
schlecht50
Wiesen- und Weideland
gut145
mittelmäßig95
schlecht50

An die Stelle des im Dezember vorigen Jahres verstorbenen Herrn Pfarrers Butzkann zu Venwegen, ist der bisherige Vikar Herr Chorus aus Kettenis Dekanat Eupen ernannt und eingeführt worden.

Am 28 ten October 1841 endete zu Hahn in seinem 66 ten Jahre der würdige Pfarrer Herr Finken seine irrdische Laufbahn nachdem er während 28 Jahren eifrigst für Kirche Schule und Armen, die er zu Universal-Erben seiner Hinterlassenschaft eingesetzt, gewirkt hatte.
An dessen Stelle ist der seitherige Vikar Herr Schnitzler aus Raeren Dekanat Eupen eingeführt und ernannt worden.
Am 8 ten November starb zu Breinig im 72 ten Jahre der Ortsvorsteher respective Gemeinderaths Glied ohne leibliche Erben. Durch sein Testament hat er dem dortigen Frühmessen Fonds zwei tausend Thaler zugewendet wovon die hinterlassene Wittwe die Nutznießung vorläufig behält.
An dessen Stelle ist zur Gemeinderaths Glied bestellt worden, der dortige Steinhauermeister Johann Coberg.
Das Gemeinderaths Glied Johann Heinrich Jäger zu Venwegen hat wegen Alters Schwäche seine Entlassung genommen, zu dessen Stellersetzung ist der dortige Gutsbesitzer Johann Mathias Kloubert ernannt und eingeführt worden.
Ebenso ist der Gemeindeförster Wilhelm Kremer nachdem er 42 Jahren mit allgemeiner Zufriedenheit seinen Dienst ausgefüllt vermittels einer Pension von neunzig Thalern jährlichst in Ruhestand getreten und ist an seiner Stelle sein Sohn der Forstgehülfe Johann Wilhelm Kremer zu Breinig gewählt, bestätigt, vereidigt und in seine Function eingeführt worden. Der bisherige seitens 14 Jahren angestellt gewesener Gemeinde Forst Administrator Herr Biermanns ist als königlicher Oberförster nach Hoeven Landkreis Montjoie befördert worden in dessen Stellersetzung ist der als Forstadministrator qualifizirte Friedrich Wilhelm Axmacher aus Blumendahl zum Administrator der Cornelymünsterländischen Gemeindewaldungen ernannt und bestätigt worden.

Die Pfarrgemeinde Breinig bezweckt eine neue Kirche zu erbauen, da die jetzige zu klein und baulos ist zu diesem Ende wird jezt schon eine gewisse Summe den Steuern als Baufonds beigeschlagen.

Die Pfarrgemeinde Cornelymünster hat die Absicht auf die Pfarr sonst Abbatial Kirche ein neues Dach zu errichten und diesfalls die Mildthätigkeit seiner königlichen Majestät in Anspruch genommen, das diesfallsige Resultat wird das Jahr 1842 uns weisen.
Zu Walheim hat der dortige Pfarrer Herr Stelten vorläufig auf seine Kosten einen Anbau am Pfarrhause ausgeführt und ist man im Begriffe die Fonds dazu auf die Steuern der Pfarrgemeinde umzulegen.

Die Communal Wegebauten sind thätig fortgesezt worden die Verbindung mit der Ortschaft Rott Landkreis Montjoie durch den Gemeindewald ist vollends eröffnet, ebenso ist die neue Straße von Cornelymünster nach Oberforstbach incl. einer Brücke bis Entenplatz zu Stande gebracht; mit der weitern Ausführung und sonstigen Parzellen Wegebauten in der Bürgermeisterei ist man thätigst beschäftigt, so wie mit Brunnen und Brückenbauten.

Die Gewerbe als Tuchfabriken, Steinexploitation, Dachziegelbrennereien etc. wurden aeußerst stark betrieben; hingegen wegen der vielen Nässe in Bezug auf Aecker- und Wiesenkultur war die Erndte sehr mangelhaft namentlich Winterfrucht und Kartoffeln; inzwischen war im Spät Jahr Grummet und Futterkraut sehr ergiebig.
Sonstige bemerkungswürdige Ereignisse kamen nicht vor.


Abgeschlossen durch den Bürgermeister und Gemeinderath, Cornelymünster den 31 ten Dezember 1841
Giesen brgmstr, Schönen, Stollenwerk, Gader, Knorr, Kutsch, Weber, Schönauen, Schornstein, Biervert, Braun, Schümmer, Coberg, Ostlender



1842

Bevölkerung
1842mw
Population24032397
Geburten79633 unehelich
Todesfälle76592 über 90
Trauungen28
geimpfte Kinder146
Liniendienst11 Mann
Elementarschüler320343
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde237
Rindvieh1780
Schaafe1300
Ziegen40
Schweine630
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen33552Thlr 20Sgr
Roggen6752Thlr
Gerste16001Thlr 20Sgr
Hafer198091Thlr 4Sgr
Spelz110131Thlr 10Sgr
Buchweizen1051Thlr
Rübsaamen8023Thlr
Kartoffeln 5008518Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu25Centner
Stroh20Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter14Pfund
Käse7Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut155
mittelmäßig115
schlecht50
Wiesen- und Weideland
gut150
mittelmäßig100
schlecht50

Der Pensionirte alte Förster Wilhelm Kremer aus Venwegen ist am 9 ten July 1842 mit Tod abgegangen und ist dessen Sohn auch Wilh. Kremer aus Breinig dermahlen in der Genuß des vollen Gehalts mit 131 Thlr 7 Sgr 6 Pfg getretten.
Der Forst Administrator Axmacher ist nach Schleiden befördert und ist an dessen Stelle der Forst Candidat Hr. Seitz unter im 1 ten October ernannt worden.
Die über den Indefluss am Bergthore hierselbst von dem Unternehmer Pesch aus Raeren gebaute schräge massive Brücke ist bei Wegnahme der Gerüsten gleich eingefallen, ohne daß jedoch ein sonstiges Unglück statt gefunden hatte; worauf auf wiederholten Antrag um eine hölzerne Fuhrbrücke auch seitens der königlichen hochlöblichen Regierung bewilligt wurde.
In der Bürgermeisterei ist übrigens Bedeutendes für Brunnen, Nachbahrwege und Kommunikation des Fuhrwerks mit breiten Felgen geschehen.
Eine außerordentliche Dürre mit Wasser Mangel hatte im Verlaufe des Sommers statt, nacher wenig Heu und Stroh gewachsen. Die Körner waren sehr gut aber an Maaß gering.

Eine Feuersbrunst hatte am 22 ten Juny auf dem ländlichen Gute zu Ritscheid statt; sämmtliche mit Stroh bedeckten Hofgebäulichkeiten waren in wenigen Minuten ein Raub der Flammen. Die Eigenthümerin Frau Wittwe Philip Heinrich Pastor zu Aachen hat aus der Provinzial-Feuer-Sozietät für den erlittenen Verlust eine Entschädigung von circa fünf hundert Thalern erhalten, hingegen ist dem Halbwinner Caspar Joseph Stickelmann der seine Frucht Haus Mobilien nicht gegen Feuerschaden geschüzt hatte auch keine Entschädigung zu Theil geworden und wurden sämmtliche Gebäulichkeiten schöner wie früher ausgeführt, und mit Dachziegel bedeckt.
Behufs des Kölner Dombaues hat sich auch hier ein Hülfs Verein gebildet.
Ihre Majestäten der König und der Königin von Preussen nachdem Allerhöchst dieselbe die Grundsteinlegung zur Vollendung der vom Baues zu Cöln beigewohnet hatten trafen in die nahe belegene Stadt Aachen am 7 ten September abends ein. Willkommen war jedem diese Gelegenheit um dem allverehrtesten Herrscherpaar seine Huldigung darbringen zu können. Für diesmal musste die hiesige Gemeinde des Glückes die Allerhöchsten Herrscher, wenn auch nur auf der Durchreise entbehren.
An die Stelle des ausgetretenen und nach Eschweiler abgegangenen, seit 7 Jahren hier selbst gewesenen Lehrers Joh. Wilhelm Hillebrand, ist der geprüfte Candidat Hr. Peter Weidenhaupt aus Eschweiler ernannt worden.

Der Plan zur Neu-Bedachung der Abbatial jetzt Pfarrkirche zu Cornelymünster am 24 ten Juny zu Berlin von der Ober Bau Deputation revidirt, und soll in 1843 und 1844 zur Ausführung gebracht werden.

Der Rittergutbesitzer Herr Gotthard Startz aus Aachen, Inhaber der früheren Abbatial Gebäulichkeiten hat die Fronte zu seinem Sommer Aufenthalte prachtvoll einrichten und benebens sämmtliche Gebäulichkeiten sehr schön zur Zierde der Gemeinde restaurieren lassen und gibt durch seine bedeutende Tuchfabrik mit Spinnerei 3 bis 400 Arbeitern Gelegenheit ihr Brod zu gewinnen.
Der Gutsbesitzer früher Advokat Anwalt Hr. Minderjahn hat auf dem Markte des Fleckens Cornely-münster ein ausgezeichnetes Haus zu seiner Wohnung erbauen lassen.

An die Stelle des nach Jülich als Professor und Vikar beförderten Herrn Thihsen ist dessen Nachfolger Herr Anton Lamberts ex studius hier als Vikar bestellt worden.


Abgeschlossen für das Jahr 1842, durch den Bürgermeister und Gemeinde Rath, zu Cornelymünster 23 Jenner 1843
Giesen brgmstr, Schönauen, Lambertz, Ostlender, Biervert, Berretz, Krott, Stollenwerk, Rombach, Schornstein, Kutsch, Schümmer, Braun, Schönen, Weber, Coberg, Gader



1843

Bevölkerung
1843mw
Population24252410
Geburten88780 unehelich
Todesfälle65781 über 90
Trauungen39
geimpfte Kinder144
Liniendienst12 Mann
Elementarschüler354334
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde241
Rindvieh1810
Schaafe1450
Ziegen35
Schweine645
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen3402Thlr 10Sgr
Roggen67071Thlr 25Sgr
Gerste1501Thlr 10Sgr
Hafer200011½22Sgr
Spelz1001624Sgr
Buchweizen1571Thlr 2Sgr
Rübsaamen902Thlr 25Sgr
Kartoffeln 48012017Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu22Centner
Stroh18Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter10Pfund
Käse6Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut160
mittelmäßig120
schlecht50
Wiesen- und Weideland
gut165
mittelmäßig105
schlecht55

Der Gemeindeförster Radermacher von Schmithof ist um Dienstentlassung mit Pension eingekommen; als sein Nachfolger ist mit Stimmenmehrheit der Johannes Peter Keuchen aus Freund gewählt, bis Dato aber noch nicht höhern Orts bestätigt worden. Die Entlassung so wie eine jährliche Pension ist dem Radermacher in Ansehung seiner der Gemeinde während eines Zeitraumes von drei und zwanzig Jahren treu geleisteten Dienste bewilligt worden.

Am 16 Februar hatte die Vergantung der Neubedachung der hiesigen Pfarrkirche statt, zu einem Werke von solcher Bedeutung fanden sich sehr viele Untermehmungslustige von Aachen und der Umgegend ein. Dasselbe wurde jedoch dem Bauunternehmer Carl Theodor Schmets von Aachen, zu Cornelymünster geboren, zur Ausführung zu der Taxe von 8343 Thlrn. 20 Sgr. 3 Pfg. anvertraut, und ihm eine Frist von zwei Jahren zur Vollendung der Unternehmung gestellt. Der Unternehmer hat durch angestrengste und unausgesetzte Thätigkeit, die selbst durch die anhaltend nasse und ungünstige Witterung nicht gestört wurde, die Ausführung in einem Jahre bewirkt, die Revision wird erst im nächsten Jahre statt finden, und dürfte der Kostenaufschlag sich etwa um 1/4 höher stellen, da auf Veranlassung des Kirchenvorstandes mehrere Verschönerungsarbeiten vorgenommen worden sind.

Der im Anfang des Jahres so hoch gestiegenen Fruchtpreis ist gegen Herbst um die Hälfte bereits gefallen; inzwischen blieb die Fourage noch immer in hohem Preis.

Der seit einem Jahre hierselbst als Unterlehrer angestellte Faber ist im November in seiner Heimath zu Alsdorf mit Tod abgegangen. An seine Stelle ist der Leonard Havenith von Raeren, welcher zugleich hier die Organistenstelle bekleidet, als Lehrer der II Schulabtheilung ernannt worden. Derselbe hat in Brühl das vorschriftsmäßige Examen bestanden.

Die Witterung war im Laufe des Sommers und Herbstes ungewöhnlich naß gewesen, dabei ist jedoch auf dem hiesigen steinigen und trockenen Boden das Ergebniß der Erndte ein reichliches zu nennen; die junge Wintersaat pro 1844 hat inzwischen durch allzu große Nässe und Schneckenfraß viel gelitten.

Der Gesundheitszustand des nutzbringendes Viehes war sehr befriedigend; der Werth des Hornviehes ist jedoch wegen der vielen Ausfuhr ins Ausland bedeutend gestiegen.
Auch wenn der Gesundheitszustand der Einwohner des Cornelymünsterländchens im Ganzen ein sehr befriedigender zu nennen; allgemein herrschende oder schwere Krankheiten wurden nirgends in außergewöhnlicher Weise wahrgenommen.
Die Thätigkeit zur Unterstützung des Kölner Dombaues so wie zur Unterstüzung und Beförderung des landwirthschaftlichen Vereines ist noch immer rege geblieben.
Auch wird die Praemien Casse zur Förderung der Arbeitsamkeit häufig benutzt.
Allgemeine Anerkennung muß dem allgemein sich regenden Streben nach höherer, wissenschaftlicher Ausbildung gezollt werden. Die hiesige Bürgermeisterei zählt gegenwärtig 12 Studenten aus ihrer Mitte, von denen drei aus aus dem hiesigen Orte die Universität Bonn besuchen.
Die Fabriken finden sich in gutem Zustande; auf der des Herrn Startz sind bei 500 Arbeiter beschäftiget.

Wegen der vielen Bauten in den nahe belegenen Städten sind die Handwerker, Steinhauer und Zimmerleute, sehr in Anspruch genommen. Es haben daher bereits neue Nachforschungen nach Steinlagern begonnen, und sind die diesfälligen Resultate zu Breinig, Hahn, Friesenrath und Schmithof günstig ausgefallen.
Auch wird viel Eisenstein gefordert, hingegen ist die Gewinnung des Bleies und Galmei nicht mehr wie früher. Im Allgemeinen ergibt sich jedoch aus der Erfahrung, daß der Mittelstand sich allmählig mehr und mehr emporschwingt.

Am 26 August gastirten Se. Erzbischöfliche Gnaden Johannes von Geissel auf seiner Reise von Coeln nach Montjoie den hiesigen Ort. Der hochwürdige Herr Coadjutor geruhete hier abzusteigen und in der Kirche dem gläubigen Volke den Segen zu ertheilen.
Am 29 August bildete sich auf Anregung und unter Anleitung der am ersten Juni an die Stelle des nach Büsbach abgegangenen Organisten Franz Bransch getretenen Organisten Leonard Havenith aus Raeren / früher Lehrer und Organist daselbst ein Gesangsverein im hiesigen Orte. Die allgemeine Liebe und Zuneigung der hiesigen Einwohner zum Gesang sicherte dem Verein in kurzer Zeit eine große Anzahl von Theilnehmern.
Am 26 October feierte der Jubilar Herr Beneficiat Dubigk sein fünfzigjähriges Priester Jubiläum. Zur Verherrlichung des Festes eines so ehrwürdigen und allenthalben beliebten Mannes bot der hiesige Ort alle seine Kräfte auf. Am Vorabend verkündete das fröhliche Geläute aller Glocken die heiß ersehnte Feierstunde an, zu welchen sich außer den zahlreichen Verwandten des Jubilars, der benachbarten Geistlichkeit auch eine große Anzahl aus den benachbarten Doerfern versammelt hatte. Der Tag der Feier war für das Cornelymünsterländchen ein wahrer Freudentag. Geschmückte Triumphbogen führten zu der Wohnung des verehrten Geistlichen, von wo aus er durch die Bürger von Cornelymünster in einem feierlichen Zuge unter dem Donner der Böller, dem Geläute der Glocken und dem Schalle der Musik in seiner Capuziner Cutte zur Kirche geleitet wurde. Seine durch den genannten Gesang Verein aufgeführte musikalische Messe und eine angemessene Rede, trugen zur Würdigung und Erhöhung des Festes bei.
Der Wohlthätigkeitsverein mehrerer Einwohner hat sich in diesem Jahre auf eine so rühmliche als anzuerkennende Weise an den Tag gelegt. Besonders müssen wir der milden Beiträge zur Vollendung respective Bestreitung, des Kirchendachbaues lobend gedenken; ferner der, durch den zu Schleckheim verstorbenen Wilhelm Schönauen der hiesigen Pfarrkirche und den Armen vermachten Stiftung von neunhundert Thalern; dann der Stiftung der zu Cornelimünster verstorbenen Wittwe Franz Peter Vogelsang, bestehend in einer Wiese von drei Morgen an die Kirche vermacht, endlich einer Stiftung des ebenfalls zu Cornelimünster verstorbenen Heinrich Bierfert, auch zu Gunsten der Kirche.

Im Laufe dieses Jahres wurden mehrere Communal Wege Parzellen zu Oberforstbach und Walheim ausgeführt.

Zufolge der Einwilligung einer neuen und zwar hölzernen Brücken über dem Indebach am Bergthore von Seiten der königlichen hochlöblichen Regierung wurde die genannte hölzerne Fahrbrücke durch den Unternehmer Pesch aus Raeren ausgeführt und nach gehaltener Revision gut gefunden. Zugleich müssen wir es dankbar erwähnen, daß die königliche hochlöbliche Regierung zur Deckung der Kosten eine Unterstützung von fünfzig Thalern aus dem Dispositions Fonds bewilligt hat.

Leider haben wir auch zwei Unglücksfälle zur Warnung und Vorsicht zu erwähnen. Es stürzte nämlich der zu Cornelimünster wohnende Halbwinner Jacob Lausberg Abends in tiefem Dunkel in den an der Kirche liegenden Garten / die Fasanerie genannt / des Herrn Startz vor dem Rosthore.
Auf der Breinigerheide ertrank eine minderjährige Tochter des Jacob Beissel in einer Thonerde Grube.


Abgeschlossen für das Jahr 1843 durch den Bürgermeister und Gemeinderath zu Cornelimünster am ?? Dezember 1843
Giesen, Schönauen, Coberg, Schornstein, Ostlender, Biervert, Schönen, Berretz, Kloubert, Braun, Lambertz, Knorr, Kutsch, Weber



1844

Bevölkerung
1844mw
Population24372425
Geburten84790 unehelich
Todesfälle63510 über 90
Trauungen35
geimpfte Kinder166
Liniendienst13 Mann
Elementarschüler342343
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde240
Rindvieh1800
Schaafe1410
Ziegen37
Schweine640
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen3202Thlr 4Sgr
Roggen6851Thlr 20Sgr
Gerste19071Thlr 4Sgr
Hafer19501326Sgr
Spelz1501226Sgr
Buchweizen1551Thlr
Rübsaamen803Thlr
Kartoffeln 49012515Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu24Centner
Stroh20Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter11Pfund
Käse6Pfund
Landwolle8Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut180
mittelmäßig130
schlecht55
Wiesen- und Weideland
gut170
mittelmäßig110
schlecht60

Mit mehrer Entrüstung vernahm unsere Gegend das ruchlose Attentat auf unser allgeliebtes Königshaus welches jedoch durch wundervolle göttliche Fügung unversehrt erhalten wurde. Unmittelbar nach dieser Kunde ward auf Veranlassung des Bürgermeisters in der hiesigen Kirche zum Dank gegen die Vorsehung, welche so gnädig die Gefahr von dem theuren Königspaar abwandte und das Vaterland vor einem unersetzlichen Verluste bewahrte, ein festlicher Gottesdienst begangen, wobei es an einer zahlreichen frohen Menge nicht fehlte.

Der bereits seit dem 1 ten May pensionirte Gemeindeförster Johann Radermacher zu Schmitthof versah seine Stelle noch bis zur Ernennung eines Nachfolgers welcher am 17 ten Dezember erfolgte; die Wahl traf den seitherigen Gemeindeförster Peter Mathias Schweitzer von Lammersdorff.

Der ehrwürdige Jubilarpriester Steph. Jac. Dominic Mauritius Dubigk dem bereits im vorigen Jahre durch Vermittlung der königlichen Regierung eine außerordentliche Unterstützung von 50 Thlrn zuerkannt worden war, und dem auch in Ansehung seiner Verdienste zufolge Rescripts des Herrn Finanz Ministers Excellenz in diesem Jahre eine solche von 20 Thlrn bewilligt wurde, verschied gegen den 18 ten May - wie sehr er sich während seiner hiesigen sechs jährigen Amtsthätigkeit die Achtung und Liebe der Einwohner erworben hatte, davon gab die allgemeinen Trauer welche die Kunde von seinem Ableben in den Herzen Aller hervorrief. So wie die Menge derer, die seiner Leiche zum Grabe folgten den sprechendsten und ungeheucheltsten Beweis. Bei dem fortwährenden Mangel an Geistlichen ist die durch ihn in Erledigung gekommene Beneficiat- Stelle noch nicht besezt.

Im Laufe des Jahres trat zu wiederholten Malen hoher Wasserstand ein. Unser sonst so friedliches Indeflüsschen war gleichsam zum reissenden Strome geworden. Zum Glück währte derselben fast jedesmal nicht länger als einem Tag; jedoch wurden mehrere Fußbrücken als am Iter und Eurensteg durch die Gewalt des Wassers fortgeschwemmt.
Im Anfange des Sommers trat plötzlich ein heftiger Hagelschlag ein, welcher besonders den südlichen Theil der Bürgermeisterei traf, und das Dorf Schleckheim am meisten berührte.
Im Monate März brach in Folge Unvorsichtigkeit bei hellem Tage zu Schleckheim Feuer aus, welches bei günstigem Winde mit raschen Schritten um sich griff und zwei mit Stroh gedeckte Häuser verzehrte. Die aus der Umgegend herbei geholten Brandspritzen konnten zur Rettung der Gebäude, welche nicht versichert waren, wenig mehr beitragen.
Im Monat May war zu Walheim dicht an der Landstraße ein Leichnam aufgefunden. Die ärztliche Untersuchung entdeckte eine mit einem in der Nähe der Leiche befindlichen Rasiermesser, am Oberarme beigebrachte tiefe Schnittwunde, welche sich der unglückliche wahrscheinlich selbst versezt hatte. Die späteren Aufklärungen über Person und Verhältnisse desselben, in Folge derer sich herausstellte, daß derselbe ein gewisser an der Eisenbahn angestellt gewesener Beamte der dort seinen Posten verloren habe, sei, machten diese Wahrscheinlichkeit fast zur Sicherheit.
Zu Breinig verunglückte im Monate May der Egid. Joseph Niessen ein alter beinahe 80 jähriger Bergmann. Derselbe war mit dem Ausbeuten der Galmeygrube allein und zur ungelegenen Zeit beschäftigt, als bei einem Gewitter die vielleicht nicht gehörig gestüzte Oberdecke einbrach und ihn lebendig begrub.
Auf der Breinigerheide fand man im Monate May die Anna Catharina Braun, Ehefrau Arnold Thelen in dem unweit ihrer Wohnung befindlichen Gemeindebrunnen ertrunken. Nach Erklärung des Arztes und ihrer Angehörigen soll dieselbe durch Schwermüthigkeit zu diesem Schritte getrieben worden sein.
Zu Walheim ereignete sich im October folgender merkwürdiger Unfall. Der dort wohnende Schreiner Johann Lambert Mirbach war in einem daselbst belegenen Gemeinde Steinbruche mit dem Exploitiren von Steinen beschäftigt. Unvorsichtig genug hatte er die bereits exploitirte Erdmasse wegzuräumen unterlassen, und gleich mit der weiteren Ausbeutung begonnen. Plötzlich stürzte der über ihm befindliche Schutt zusammen und bedeckte den Mirbach.
In dieser furchtbaren Grube brachte der unglückliche 2 Stunden zu. Gegen Mittag kommt seine Ehefrau in der Absicht um ihm Essen zu bringen, sie schaut umher und zufällig erblickt sie den ungefähr nach 2 Zoll über der Erde hervorragenden Spatenstiel. Sie eilt nun das schrecklichste ahnend wiederum in's Dorf hinein, und mit Hülfe des Schneiders Heinrich Tornay und des Tagelöhners Winand Kreitz deren aufopfernde Handlung hiemit lobend anerkannt wird, gelingt es in kurzer Zeit den Verschütteten, der beim ersten Erscheinen einer Leiche mehr als einem Lebenden ähnlich war, hervor zu holen.
Einige geringe Quetschungen abgerechnet. So gelangte derselbe fast noch an demselben Tage wieder zur Gesundheit, derer er sich heute noch erfreut. Beim einstürzen der Oberdecke hatte der P. Mirbaum die Besinnung sich einer gekrümmten Lage, wodurch er vielleicht die zur Lebens Unterhaltung nöthige Luft gewann, zu halten.
So ward durch das Zusammentreffen von günstigen Umständen ein Menschen Leben gerettet. Möchte übrigens dieser Vorfall eine Aufforderung zum regelmäßigen senkrechten Betriebe allen Bergleuten ein warnendes Beispiel sein.

Dem hier bestehenden Kreis Ausschuße des Vereins zur Beförderung der Arbeitsamkeit traten in diesem Jahre viele der handarbeitenden Klasse angehörende Einwohner bei und mit Freuden gewahrt man unter denselben sichtliches Gedeihen und neues Leben.
Auch des hiesigen Hülf Dombau Vereins müssen wir gedenken; die in diesem Jahre eingesandten Beiträge als Scherflein zur Vollendung des erhabenen Meisterwerks und Denkmals deutscher Kunst und deutschen Frommsinnes bezeugen welche thätige Theilnahme der hiesige Verein einem Gegenstand von solcher Bedeutung erwiesen hat.

Im Monate Juny verschied der als Mitglied des Gemeinderathes und Kirchenvorstandes thätig gewesene Jacob Knorr aus Oberforstbach. An dessen Stelle wurden in ersterer Beziehung Caspar Joseph Stickelmann aus Oberforstbach und in letzterer Eigenschaft Hubert Siemons Johanns aus Schleckheim gewählt.


Abgeschlossen für das Jahr 1800 vier und vierzig, durch Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinderath zu Cornelymünster am 31.Dezember 1844.
Giesen bgrmstr, Kutsch, Kloubert, Coberg, Stickelmann, Berretz, Ostlender, Schönauen, Lamberts, Kratzenberg, Berretz, Stollenwerk, Schornstein, Rombach, Siemons, Beigeordneter Schümmer, Schönen, Biervert



1845

Bevölkerung
1845mw
Population24902476
Geburten73893 unehelich
Todesfälle61532 über 90
Trauungen30
geimpfte Kinder129
Liniendienst11 Mann
Elementarschüler350346
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde238
Rindvieh1775
Schaafe970
Ziegen37
Schweine540
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen33553Thlr 6Sgr
Roggen6102Thlr 27Sgr
Gerste20081Thlr 23Sgr
Hafer1860121Thlr 4Sgr
Spelz280151Thlr 10Sgr
Buchweizen101Thlr 12Sgr
Rübsaamen703Thlr 25Sgr
Kartoffeln 500211Thlr 10Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu1Centner
Stroh23Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter12Pfund
Käse8Pfund
Landwolle12Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut190
mittelmäßig140
schlecht60
Wiesen- und Weideland
gut175
mittelmäßig115
schlecht62

Am 24 ten Januar dieses Jahres, Abends gegen 7 Uhr, ward auch uns das Vergnügen Ihre bischöfliche und weihbischöfliche Gnaden, die hochwürdigsten Herren Arnolds und Müller von Trier willkommen begrüßen zu können. Dieselben geruhten eine Stunde unter uns zu verweilen und gleichzeitig die hiesige Kirche anzusehen. Die Gallerie und der große Eingang der Kirche, so wie der ganze Flecken war festlich beleuchtet und ein schöner Fackelzug begleitete die hohen Reisenden vom Eingange bis zum Ausgange des Ortes.
Die längst erwartete neue Gemeinde Ordnung für die Rheinprovinz erschien im Laufe dieses Jahres durch Gesetz vom 23 Juli; und wenn dieselbe doch nicht ganz der seitens der Provinzialstände der Rheinprovinz gehorsamst gestellten Anträgen entsprach, so wurde sie doch von den Bewohnern der ganzen Provinz als ein Zeichen des Fortschrittes freudig begrüßt und als Grundlage zur Selbstständigkeit der Gemeinden betrachtet.

Der Sommer dieses Jahres war für die Feldfrüchte, die im Frühjahre allgemein den reichlichsten Ertrag versprachen, im höchsten Grad nachtheilig; während des anhaltenden Regens, der unablässig mit geringen Unterbrechungen dem Himmel entströmte, gelang es mir mit der größten Sorgfalt und Anstrengung die Früchte trocken einzuscheuern.
Besonders litt die Kartoffelfrucht bei dieser Witterung, und man kann sie als gänzlich mißrathen bezeichnen. Dazu kann noch der Uebelstand, daß diese Frucht kurz vor der Erndtezeit nicht allein in der hiesigen Provinz, sondern auch in England, Frankreich, Deutschland und den benachbarten Landen von einer seuchenartigen Krankheit befallen wurde, wodurch der ohnehin geringe Ertrag geschmacklos und meist erfaulen und zur Faulheit geeignet wurde. Diese allgemeine Mißrathung der Kartoffel hält bis jetzt noch sämmtliche Getreidepreise sehr hoch und hat eine besonders für die ärmere Klasse drückende Theurung, an der wir gegenwärtig noch leiden, herbeigeführt. Um unter diesen Umständen der handarbeitenden Klasse die Beschaffung der unentbehrlichsten Lebensmittel möglichst zu erleichtern, betheiligte sich die hiesige Bürgermeisterei an dem, durch die Gesellschaft für nützliche Wissenschaften und Gewerke zu Aachen hervorgerufenen Vereine zu dem oben gedachten Zwecke.

Am 21 ten October verschied zu Schlosenmühle unweit Cornelimünster das Gemeinde und Kirchenrathmitglied Johann Hubert Stollenwerk; die durch sein Ableben in Erledigung, gekommenen Stellen sind zur Zeit noch unbesetzt.
An die Stelle des ausgeschiedenen beigeordneten Bürgermeisters Christian Schartmann in Walheim trat der daselbst wohnende Ackerer Bertram Klein.
Die hier bestehende Comission des Vereins zur Beförderung der Arbeitsamkeit zeigte auch in diesem Jahre eine thätige Wirksamkeit und es äußerte der hiesige Verein auch seine wohlthätigen Folgen. Gleichfalls setzte der hiesige Hülfs Dombauverein in diesem Jahre seine thätige Theilnahme fort.

Im Monate Januar deponirte eine ungenannt sein wollende Person zu Behufe des Neubaues der Kirche zu Walheim vierhundert Thaler in die Hände des Bürgermeisters, welcher diese Summe sofort dem Kirchenvorstande zu Walheim übermacht hat.
Im Verlaufe dieses Jahres wurde den Israeliten der hiesigen Bürgermeisterei ein neuer Friedhof, dem katholischen Gottesacker gegenüber, von Seiten der Gemeinde angewiesen, da ihnen von dem Besitzer des Grundstückes, welches früher als Judenkirchhof benutzt wurde, das Recht bestritten wurde, dort ihre Leichen zu bestatten.

Zu Venwegen wurde die Kirche mit einem neuen Giebel bekleidet; die Kosten zum Betrage von 214 Rthlr wurden gemeinschaftlich auf die beiden zum Pfarrbezirke gehörigen Ortschaften, Venwegen & Maulartshütte nach Maßgabe der Klassensteuer umgelegt.
Durch das Steigen der Industrie und den Aufschwung des Bergwesens für welches durch die bedeutenden Anlagen des Herrn Marquis de Sassenay zu Stolberg und anderer Gesellschaften in der hiesigen Gegend eine neue Epoche eingetreten ist, hat die Berechtigung, in der hiesigen Bürgermeisterei Galmei Soda exploitiren zu dürfen, einen enormen Werth erhalten. Bereits mehrere der Conzessionäre haben ihre Berechtigungen unter sehr vortheilhaften Bedingungen an verschiedene Gesellschaften veräußert.

Den Gesundheitszustand müssen wir im Allgemeinen als befriedigend bezeichnen; als merkwürdig verdient hervorgehoben zu werden, daß sich die Anzahl der in diesem Jahre verstorbenen Eingesessenen, wie im Jahre 1844, auf 114 beläuft.
Im Monate Dezember erhielt der bisher provisorisch angestellt gewesene Schullehrer Candidat seitens der königlichen Regierung seine definitive Ernennung; derselbe heißt Peter Weidenhaupt & steht seit 1842 hier selbst als Lehrer der I ten Abtheilung.

Im Laufe des Jahres trat zu wiederholten Malen hoher Wasserstand ein, namentlich setzte die letzte Ueberschwemmung am Schlusse des Jahres den Ort Cornelimünster fast gänzlich unter Wasser.
Am 1.Januar fand man zu Schleckheim auf einem Feldwege die Leiche des Schreiners Peter Joseph Ganser von Schleckheim; derselbe hatte dem ärztlichen Fundberichte gemäß in Folge eines epidemischen Schlages plötzlich daselbst seinen Tod gefunden.
Am 6 ten Juli wurde in dem Hebscheider Weiher an der Oberforstbacherheide eine männliche unbekannte Leiche aufgefunden; aller Wahrscheinlichkeit nach hat der Verunglückte sich freiwillig das Leben genommen.


Abgeschlossen für das Jahr 1800 fünf und vierzig, durch Bürgermeister, Beigeordnete & Gemeinderath zu Cornelimünster, den 5 ten Januar 1846
Schönauen Wagemann Giesen-brgrmstr Coberg Bren Berretz Biervert Rombach Weber Schümmer Krott Kutsch Lamberts Schönen Stickelmann Schornstein Welter Klein-Beigeordneter Brammerz-Beigeordneter


Unterm 23.Juli erging für die Rheinprovinz eine Gemeindeordnung, die die Rechtsverhältnisse der Gemeinden, Bürgermeistereien und Städte einheitlich regelt.
Das Gewerberecht wurde durch die neue preußische Gewerbeordnung vom 17.Januar für das ganze Staatsgebiet vereinheitlicht.
Der Bergbau auf dem Breinigerberg hat eine neue Wendung genommen. Der dort gebergte Galmei wird größtenteils in der 1834 auf dem Münsterbusch errichteten Zinkhütte der Metallurgischen Gesellschaft, die fast ausschließlich in der Hand belgischer Herren ist, verhüttet. In diesem Jahr ging die Hütte in den Besitz der 1841 vom Marquis de Sassenay mit Herren aus Paris gegründeten Kommandit-Gesellschaft de Sassenay und Cie. über. Diese Gesellschaft hat bereits vor 2 Jahren von den Erben James Cockerill das Kohlenbergwerk "Jamesgrube". Jetzt (1845) wurde die königliche Genehmigung erwartet, die K.Ges. in die Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinkfabrikation zu Stolberg, kurz Stolberger Gesellschaft genannt, umzuwandeln. Auf sie wurden auch Anteile an der Grube Breinigerberg übertragen. Alsbald begann man vom Bernardshammer her einen Stollen in das Grubenfeld vorzutreiben.
Die Grube soll nun nach neuzeitlichen Gesichtspunkten angebaut werden. (siehe auch 1847)

Breinig, den 25.Januar 1959; Johann Röntgen, Amtsinspektor im Ruhestand




1846

Bevölkerung
1846mw
Population24742470
Geburten91841 unehelich
Todesfälle77581 über 90
Trauungen39
geimpfte Kinder152
Liniendienst20 Mann
Elementarschüler413409
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde243
Rindvieh1808
Schaafe1290
Ziegen36
Schweine550
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen32053Thlr 20Sgr
Roggen62033Thlr 10Sgr
Gerste14062Thlr 5Sgr
Hafer1900101Thlr 12Sgr
Spelz230121Thlr 15Sgr
Buchweizen161Thlr 15Sgr
Rübsaamen8514Thlr
Kartoffeln 530901Thlr 5Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu25Centner
Stroh25Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter14Pfund
Käse7Pfund
Landwolle11Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut180
mittelmäßig130
schlecht50
Wiesen- und Weideland
gut170
mittelmäßig105
schlecht50

Die Einführung der neuen Gemeindeordnung wurde nach langen Vorarbeiten, von denen die Aufstellung der Gemeinderolle & die Abhaltung der Gemeindewahlen die wichtigsten waren, in der hiesigen Bürgermeisterei unterm 28 Juli dieses Jahres durch den königlichen Landrath und Einführungs Commissar Hasslacher mit Einführung des neuen Gemeinderathes beendigt.
Dieser besteht nunmehr:
a) aus dem Amtsbesitzer Grafen von Beissel-Gymnich zu Schmidtheim, dem Gutsbesitzer und Tuchfabrikanten Gotthard Startz zu Aachen, als geborenen Mitgliedern.
b) Aus den Meistbeerbten: Peter Joseph Ostlender, Reiner Lamberts, Johann Joseph Minderjahn und Hubert Cremer von Cornelimünster; Peter Theodor Beretz, Johann Beretz & Johann Wilhelm Braun von Breinig; Ludwig Palm & Wilhelm Krott von Walheim; Mathias Joseph Schweitzer & Bartholomäus Kuck von Venwegen; Johann Peter Schönen und Johann Siemons von Schleckheim; Wilhelm Hermanns & Johann Mathias Welter von Hahn, Caspar Joseph Stickelmann und Johann Joseph Bree von Oberforstbach und Damian Kratzenberg von Schmithof als gewählten Stellvertreter.
Die gewählten Gemeindeverordneten Ostlender, Lamberts, Peter Theodor Beretz, Johann Peter Schönen und Stickelmann, sowie der Stellvertreter Johann Schönauen gehörten dem Gemeinderath schon vor Einführung der neuen Communal Ordnung als Mitglieder an.
Die seitherigen Beigeordneten der Bürgermeisterei Damian Hamacher von Cornelimünster, Johann Wilhelm Kuck von Venwegen, Johann Wilhelm Brammertz von Breinig, Johann Mathias Welter von Hahn, & Hubert Kratzenberg von Nütheim wurden durch die königliche Regierung in ihrem Amte bestätigt & zugleich an die Stelle des ausgeschiedenen Beigeordneten Bertram Klein von Walheim das dort wohnende bisherige Gemeinderaths Mitglied Peter Jakob Schornstein ernannt.
Zu Venwegen starb am 16.April der an die Stelle des anderweit beförderten Pfarrers Chorus berufener Pfarrer Maximilian Joseph Keller nachdem er seinen Pfarrgenossen kaum 1 1/4 Jahr als treuer Seelsorger vorgestanden. An seine Stelle ist der seither an der St. Jacobs-Pfarre zu Aachen als Vicar thätig gewesene Anton Joseph Hubert Herfs zum Pfarrer von Venwegen ernannt worden.
Für die Pfarre Cornelimünster wurde auf wiederholtes Ersuchen des Kirchenvorstandes ein dritter Geistlicher in der Person des bisherigen Vicars zu Neuss Joseph Siemons, hieher zum zweiten Vicar berufen und angestellt.

An der Schule zu Breinig, wo die bedeutende Anzahl der Schulpflichtigen Kinder die Kräfte eines Lehrers überstieg, war die Berufung eines zweiten Lehrers Bedürfnis geworden. Dieselbe erfolgte in der Person des geprüften Schulamts Candidaten Carl Schmitz von Randerath.

Zu Hahn wurde der Bau eines neuen Pfarrhauses begonnen & mit Genehmigung der vorgesetzten Behörden pro Oekonomie fast ganz ausgeführt, wodurch an Kosten bedeutend erspart worden ist.
Daselbst verschied am ersten Dezember der Beigeordnete und Gemeindeverordnete Johann Mathias Welter von Hahn nach beinahe siebenjähriger Dienstzeit in der ersteren Eigenschaft.
Gleichfalls haben wir hier des verstorbenen Kirchenrendanten und vormaligen Gemeinderaths Mitgliedes Arnold Joseph Brammertz von Cornelimünster, welcher die erstere Stelle, seit dem Ableben des Benefizirten Minderjahn bekleidete, so wie eines andern, ehemaligen Gemeinderaths und Kirchenraths Mitgliedes Theodor Hamacher von Cornelimünster, welcher ein Alter von beinahe 91 Jahren erreichte, zu gedenken.
In Stell Ersetzung des erstgenannten Kirchenvorstands Mitglied ist der hier wohnende Gottfried Braun gewählt und das Kirchenvorstands Mitglied Johan Jakob Koch hierselbst zum Rendanten ernannt worden.

Der oben genannte, zum Gemeindeverordneten gewählte Gutsbesitzer Johann Joseph Minderjahn wurde außerdem als Stellvertretender Gemeindevorsteher der Gemeinde Cornelimünster bestätigt.
Der zu Cornelimünster verstorbene Ackerknecht Mathias Mathissen setzte mittelst testamentarischer Verfügung den Armen von Cornelimünster ein Legat von fünfzig Thalern aus.
Hierbei müssen wir dankend der Unterstützung ad 20 Thlr. gedenken, welche dem verlebten Pfarrer Keller während seines langwierigen Krankenlagers auf Ansuchen des Bürgermeisters seitens der königlichen Regierung aus Staatsfonds bewilligt ward.

Die hiesige Commission des Vereins zur Beförderung der Arbeitsamkeit bethätigte auch in diesem Jahre, wie sehr ihr das Wohl der handarbeitenden Klasse am Herzen liege und darf daher mit Freude auf die stets zunehmende Theilnahme von dem Verein hinblicken.
Der Monat Juli dieses Jahres brachte uns das, jedes siebente Jahr wiederkehrende Fest der Heiligthumsfahrt, welches auch diesesmal in altherkömmlicher Weise feierlich begangen & ausnahmweise auf drei Wochen ausgedehnt wurde. Dasselbe wurde von Pilgern und Fremden von nah & fern zahlreich besucht & mit sichtbarer Befriedigung verlassen.

Wie sich die Witterung des vorigen Jahres und namentlich des Sommers zum großen Vortheile der Feldfrüchte durch anhaltendem Regen ausgezeichnete & gegründete Besorgnisse im Hinblick auf den kommenden Winter rege machte; in demselben Maße übte in diesem Jahre die ganz außergewöhnliche Hitze des Sommers und der bis zu Anfang des Winters gewesene Wasser Mangel, dessen sich die ältesten Einwohner nicht zu erinnern wissen, einen verderblichen Einfluß auf die Feldfrüchte & Futterkräuter jeder Gattung aus, so daß bei den enormen Preisen der ersten Lebensmittel und besonders des Brotes und der Kartoffeln mit Recht auf außergewöhnliche Unterstützungen zur Linderung von Noth & Elend gedacht werden muß.

Im Dorfe Venwegen wurden zur Vergrößerung des dortigen Kirchhofes zwanzig Ruthen Privat Eigenthum durch die betheiligten Bürgermeistereien Cornelimünster & Lammersdorf acquirirt.

Im Laufe dieses Jahres wurden die Schürf Versuche nach Blei Erz, Galmei und Eisenstein thätig fortgesetzt & in der Nähe von Schmithof zwei bedeutende Stollen-Anlagen ausgeführt.
Ueberhaupt wird der Bergbau sehr eifrig betrieben & verspricht eine neue Nahrungsquelle für die hiesige Gegend zu werden.


Abgeschlossen für das Jahr 1800 sechs und vierzig, durch Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinde Verordnete, zu Cornelimünster, den 8 ten Januar 1847.
Giesen Kratzenberg Bartz Minderjahn Braun Schweitzer Siemons Brammerz Schönen Kremp Hermanns Ostlender Lamberts Klein Kuck Stickelmann Mennecken Kratzenberg



1847

Bevölkerung
1847mw
Population24682472
Geburten76702 unehelich
Todesfälle80680 über 90
Trauungen31
geimpfte Kinder125
Liniendienst7 Mann
Elementarschüler426416
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde183
Rindvieh1750
Schaafe1210
Ziegen33
Schweine530
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen30564Thlr 10Sgr
Roggen63083Thlr 25Sgr
Gerste13062Thlr 15Sgr
Hafer1920102Thlr
Spelz200142Thlr
Buchweizen1062Thlr 5Sgr
Rübsaamen8014Thlr
Kartoffeln 580701Thlr 6Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu1Centner
Stroh25Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter10Pfund
Käse6Pfund
Landwolle9Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut160
mittelmäßig120
schlecht50
Wiesen- und Weideland
gut165
mittelmäßig105
schlecht55

Von dem königlichen Oberpräsidenten der Rheinprovinz wurde unterm 9 ten Juni die beantragte Wiederherstellung von Walheim als selbstständige Gemeinde mit eigenem Vorsteher & eigenem Haushalt genehmigt. In Folge dessen werden, nach Maßgabe der Bestimmungen der Gemeindeordnung die Wahlen neuer Gemeinderäthe für die General Gemeinden Cornelimünster und Walheim, so wie die Wahl eines Bürgermeisterei-Rathes der aus den genannten Gemeinden bestehenden Bürgermeisterei Cornelimünster angeordnet.
Zu Mitgliedern des Gemeinderathes von Cornelimünster wurden gewählt und bestätigt.
1. Joh. Schönauen, 2. Reiner Lamberts, 3. Jos. Pauls, 4. Joh. Jos. Minderjahn, 5. Heinr. Beretz, alle zu Cornelimünster wohnhaft; 6. Joh. Wilh. Brammertz, 7. Joh. Wilh. Braun, und 8. Heinr. Münch zu Breinig, wohnend; 9. Barth. Kuck, 10. Pet. Jos. Birken, & 11. Math. Jos. Schweitzer zu Venwegen, endlich 12. Joh. Beretz zu Breinig, sämmtlich zu Gemeindeverordneten,
und zu Stellvertretern:
1. Pet. Jos. Ostlender, und 2. Pet. Jos. Kalff zu Cornelimünster; 3. joh. Math. Pesser, 4. Joh. Coberg, & 5. Hub. Siemons zu Breinig und 6. Quir. Frings zu Venwegen.
Zu Mitgliedern des Gemeinderaths von Walheim wurden gewählt & bestätigt.
1. Joh. Jos. Bree und 2. Joh. Pet. Fahrbüchel zu Oberforstbach; 3. Pet. Schoenen, 4. Pet. Saus und 5. Hub. Siemons zu Schleckheim, 6. Pet. Meuser von Friesenrath, 7. Jacob Schümmer von Schmithof; 8. Math. Koch und 9. Wilhelm Hermanns zu Hahn; endlich 10. Wilh. Krott, 11. Bertr. Klein und 12. Ludwig Palm zu Walheim, sämmtlich zu Gemeindeverordneten,
und zu deren Stellvertretern:
1. Jacob Janser von Nütheim; 2. Egid. Ganser von Walheim; 3. Joh. Heinr. Siemons zu Schleckheim, 4. Joh. Hansen zu Schmithof, 5. Joh. Pet. Schyns zu Oberforstbach, und 6. Cornel Schumacher von Friesenrath.
Außerdem gehören der Gutsbesitzer und Tuchfabrikant Startz zu Aachen, und der Gutsbesitzer Graf von Beissel Gymnich zu Schmidtheim, den resp. Gemeinderäthen als geborenen Mitglieder an.
Zu Mitgliedern des Bürgermeisterei Rathes wurden gewählt:
1. Joh. Jos Minderjahn, 2. Heinrich Beretz, 3. Heinrich Münch, 4. joh. Wilh. Braun, 5. Joh. Wilh. Brammertz 6. Math. Jos. Schweitzer; alle Mitglieder der Gemeinde Rathes von Cornelimünster; 7. Joh. Wilh. Krott; 8. Ludwig Palm; 9. Jacob Schümmer, 10. Wilh. Hermanns 11. Joh. Siemons, alle Mitglieder des Gemeinde Rathes von Walheim; und 12. Joh. Pet. Schyns, Stellvertretender Gemeindeverordneter von Walheim, sämmtlich zu Bürgermeisterei Abgeordneten und zu ihren Stellvertretern:
1. Johann Schönauen und 2. Jos. Pauls zu Cornelimünster, 3. Pet. Jos. Birken zu Venwegen, 4. Pet. Meuser zu Friesenrath, 5. Pet. Schönen, und 6. Joh. Pet. Sauer zu Schleckheim.
Zum Ortsvorsteher von Cornelimünster wurde der Bürgermeister Giesen und der Gutsbesitzer Joh. Jos. Minderjahn zu dessen Stellvertreter ernannt.
Als Gemeindevorsteher von Walheim wurde der Ackerer Bertram Klein daselbst, und zu dessen Stellvertreter der Ackerer Johann Siemons von Schleckheim bestätigt.
Unterm 8.Januar wurden die nichtständigen Mitglieder der Armen Verwaltungs Commission erneuert, und dazu gewählt und bestätigt:
1. Egidius Giesen zu Cornelimünster; 2. Joh. Pet. Fahrbüchel zu Oberforstbach, & 3. Johann Wilhelm Frings zu Walheim.
Der seit dem 24.Februar 1844 als II Lehrer zu Cornelimünster angestellt gewesene Leonard Havenith trat mit Ende dieses Jahres aus und hat der Schul Aspirant Math. Jos. Bayer von Cornelimünster einstweilen diese Stelle mit Bewilligung der königlichen Regierung übernommen.--Von der königlichen Regierung wurde unterm 29.Juli die Vereinigung des Weilers Krauthausen und der Gehöfte Commerig und Steinebrück mit dem Schulbezirk Cornelimünster mit dem 1.Januar 1848 verfügt.
Der Bau des bereits in vorigen Jahre begonnenen Pfarrhauses zu Hahn wurde in diesem Jahre ganz vollendet.
Zu Schleckheim wurde Anfangs Juli durch die Entfernung des seitherigen Lehrers Spielmann diese Lehrer Stelle vakant. Nachdem der Schul Aspirant Math. Jos. Löhr von Hahn diese Stelle unter Bewilligung des Herrn Schulinspectors einstweilen versehen, wurde unterm 22.December der bisher zu Verlautenheide fungirende Schulamts Candidate Wilhelm Kehren provisorisch auf 3 Jahre zur Besetzung dieser Stelle von der königlichen Regierung berufen.
An die Stelle des am ersten Dezember 1846 verstorbenen Beigeordneten Joh. Math. Welter zu Hahn wurde der Ackerer Jos. Kratzenberg zu Friesenratherhof zum Beigeordneten von Cornelimünster ernannt.
Dem Beigeorneten Joh. Wilh. Kuck zu Venwegen wurde unter'm 23.März von der königlichen Regierung die erbetene Entlassung ertheilt und an dessen Stelle der Gemeindeverordnete Math. Jos. Schweitzer daselbst zum Beigeordneten von Cornelimünster ernannt.
In Folge der Trennung der Gemeinden Walheim und Cornelimünster wurde auch das Armen Wesen der beiden Gemeinden getheilt, indessen soll einstweilen die bestehende Armen Verwaltungs Commission fortbestehen.
Von den zu Cornelimünster verstorbenen Eheleuten Wilh. Hamacher und Anna Maria Krott wurden den katholischen Armen von Cornelimünster 500 rt und des katholischen Armen von Walheim 200 rt testamentarisch geschenkt.
In Folge allerhöchster Kabinets Ordre vom 17.Mai wurde den mit Personen Steuer belegten steuerpflichtigen die Klassensteuer für die Monate Mai, Juni & Juli nachgelassen.
Am 13.October starb der seitherige Notar Carl Mathias Ludwig Emonts zu Cornelimünster und trat an dessen Stelle der bisherige Notar Franz Ferdinand Hubert Eisenhuth zu Uedem, der seit dem Jahre 1842 zu Cornelimünster angestellte erste Vikar Andre Lambertz wurde gegen Ende dieses Jahres nach Gladbach bei Düren versetzt, und ist diese Stelle Mangels an Geistlichen noch nicht wieder besetzt.
Für die Pfarre Breinig wurde auf Ersuchen des Kirchenvorstandes ein Vikar in der Person des bisherigen Vikars zu Mannheim Franz Schaefer angestellt.
Am 10. Jan. spendete Seine Erzbischöfliche Gnaden der hochwürdigste Herr Johannes von Geissel in der Pfarrkirche zu Cornelimünster den Firmlingen der Pfarreien Cornelimünster, Brand, Breinig, Venwegen, Hahn & Walheim das h. Firmungs Sakrament.

Abgeschlossen für das Jahr 1800 sieben und vierzig, durch Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinde Rath, zu Cornelimünster den 15.März 1848.
Giesen Siemons Brammerz Minderjahn Beretz Münch Joh.Braun Schweitzer Hermanns Krott Kratzenberg Palm Klein


Um den Breiniger Schülern vom 10. Lebensjahr das Viehhüten auch außerhalb der schulfreien Zeit zu ermöglichen, genehmigte die Aachener Regierung daß für sie der Morgenunterricht später beginnen könne. Diese Einrichtung "Hüteschule" genannt, wurde erst 50 Jahre später wieder abgeschafft, nachdem das Viehhüten dadurch überflüssig zu werden begonnen hatte, daß die Viehweiden immer mehr mit Drahtzäunen eingefriedigt wurden.
Unterm 10.April genehmigte die Abteilung für Berg, Hütten und Salinenwesen im Finanzminsterium die Erweiterung des Konzessionsfeldes der Grube Breinigerberg um 59 ha oder 135.010 Quadratlachter und erteilte ferner die Berechtigung zur Gewinnung von Bleierzen, Galmei und Eisenstein im ganzen, jetzt 414.335 Quadratlachter großen Feld.
In diesem Jahr wurden die zwei ersten Schächte niedergebracht, davon einer auf dem seit 2 Jahren in das Grubenfeld vorgetriebenen Stollen.

Breinig, den 25.Januar 1959; Johann Röntgen, Amtsinspektor im Ruhestand




1848

Bevölkerung
1848mw
Population24762469
Geburten79762 unehelich
Todesfälle53652 über 90
Trauungen20
geimpfte Kinder129
Liniendienst12 Mann
Elementarschüler424422
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde184
Rindvieh1754
Schaafe1130
Ziegen31
Schweine525
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen31072Thlr 10Sgr
Roggen64091Thlr 15Sgr
Gerste12061Thlr 5Sgr
Hafer19401222Sgr
Spelz1801424Sgr
Buchweizen5726Sgr
Rübsaamen9053Thlr
Kartoffeln 5708020Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu15Centner
Stroh13Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter8Pfund
Käse5Pfund
Landwolle8Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut130
mittelmäßig100
schlecht35
Wiesen- und Weideland
gut135
mittelmäßig90
schlecht40

Zum bleibenden Andenken für die Nachwelt sei von der Spitze der Ereignisse des Jahres 1848 die März Revolution erwähnt, mit welcher für das gesammte deutsche Vaterland die Morgenröthe der Freiheit hereinbrach und eine neue Aera in der Geschichte des deutschen Volkes ihren Anfang nahm. Es ist hier nicht der Ort, die Ursachen und den Zusammenhang dieser dieser so unerwarteten als gewaltigen staatlichen Umwälzung zu untersuchen, hier sei nur bemerkt, daß die Grundlage des alten Polizeistaates keine natürliche und ebensowenig eine richtige war, weshalb dann auch das daraus errichtete Gebäude bei der ersten Erschütterung in Thrümmer zerfiel.

Zwar erfreuen wir uns noch nicht aller, durch die Revolution errungenen Freiheiten in ihrem vollen Maaße und Umfange. Doch zeigt uns diese großartige That, auf welche wir mit Stolz hinblicken dürfen, daß der Gesammtwille des Volkes, wenn auch eine zeitlang in Schranken gehalten, doch niemals gänzlich unterdrückt werden kann, und wie schwer eine solche Mißachtung und Unterdrückung in ihren Folgen sich rächt. Wenn auch die Sicherstellung der errungenen Freiheiten zwischen der Krone und den Vertretern des Volkes noch dem Wege der Vereinbarung nicht zu Stand gebracht und in Folge dessen seitens der Krone eine Verfassung oktrogirt worden ist, so läßt sich doch von den Vertretern des Volkes mit Zuversicht erwarten, daß sie die blutig erkämpften Rechte desselben mit Kraft und Nachdruck wahren, und dem Lande eine konstitutive geben werden, die seine wahren Bedürfnisse in jeder Beziehung zu befriedigen geeignet ist.
Wie jede Veränderung und Umwälzung der Staatsform, so brachte auch unsere Revolution in allen Gauen des Vaterlands eine unbeschreibliche Aufregung und eine Menge momentaner Uebelstände hervor. In den am Gemeinderath belegenen Dörfern Schmithof und Venwegen schaarten sich in den ersten Tagen des April 6 eine große Anzahl Dorfbewohner zusammen, welche unter Musik und Trommelschlag in feierlichem Zuge bei hellem Tage in den Gemeindewald zogen und dort eine Masse Tannenpflänzlinge ausrottete.
Wie leicht erklärlich und entschuldbar auch diese eigenmächtig unerlaubte Handlung, zumal bei der allgemeinen herrschenden Aufregung, bei der vielfach mißdeuteten und mißverstandenen Frage und bei dem Umstand sein mochte, daß seit einer Reihe von Jahren aus trifftigen Gründen gegen die Anpflanzung von in des Gemeindewaldungen vergeblich protestirt worden war, sofort doch wegen dieser Zerstörung eine gerichtliche Untersuchung und Bestrafung der Urheber statt gefunden.
Am 1 ten Mai wurden im Bereiche der Bürgermeisterei die indirecten Urwahlen für Frankfurt und Berlin abgehalten. Zu diesem End war dieselbe in 6 Wahlbezirke eingetheilt, nämlich
1. Cornelimünster, 2. Breinig, 3. Venwegen mit Schützheide 4. Walheim, Schmithof und Nütheim, 5. Hahn und Friesenrath und 6. Oberforstbach mit Schleckheim, welche zusammen achtzehn Wahlmänner zu wählen hatten.
Es wurden gewählt:
1) für Frankfurt
1. in dem Wahlbezirk Cornelimünster Vikar Werner Joseph Siemons und Kohlespediteur Heinrich Joseph Emonts
2. in dem Bezirk Breinig: Pfarrer Ostlender und Ackerer Christian Pesser
3. in dem Bezirk Venwegen: Pfarrer Herfs
4. in dem Bezirk Walheim: Pfarrer Stelten und Bäcker Johann Jacob Kreitz
5. in dem Bezirk Hahn: Gemeindeverordneter Wilhelm Hermann
6. in dem Bezirk Oberforstbach: Bauunternehmer Wilhelm Plum
2) Berlin
1. zu Cornelimünster: Vikar Siemons und Ackerer Peter Joseph Ostlender
2. zu Breinig: Pfarrer Ostlender und Christian Pesser
3. zu Venwegen: Pfarrer Herfs
4. zu Walheim: Pfarrer Stelten und Bäcker Joh. Jacob Kreitz
5. zu Hahn: Beigeordneter Heinrich Joseph Kratzenberg
6. zu Oberforstbach: Bauunternehmer Plum
Die Wahl des Abgeordneten für Frankfurt hatte vom 10 Mai zu Herzogenrath statt gefunden, und für Berlin zu ……
Als Abgeordnete für Frankfurt wurden gewählt ……. für Berlin ………….

Auf den Wunsch mehrerer Einwohner von Oberforstbach wurde der Ackerer Caspar Joseph Stickelmann als siebenter Beigeordneter der Bürgermeisterei ernannt. Nachdem der Gemeindeverordnete Beigeordnete Bürgermeisters Johann Wilhelm Brammertz zu Breinig wiederholt den Wunsch ausgesprochen hatte, von seiner Stelle als Beigeordneter entbunden zu werden, wurde der frühere Gemeindeverordnete Johann Theodor Beretz als dessen Nachfolger und der Gemeinde Verordnete Johann Bree zu Eich wurde als Bürgermeisterei Abgeordneter für die noch vakante Stelle gewählt.
An die Stelle des emeritirten Pfarrers Göbbels, welcher seit 1821 der hiesigen Pfarr Gemeinde als Seelsorger vorstand, wurde Wilhelm Joseph Küfen, seither Vikar zu …… als Pfarrer hieher befördert.
Bemerkenswerth ist der feierliche Einzug welcher dem neuernannten von sämmtlichen Pfarr Genossen bereitet wurde.
Die Tuchfabrik in der Abtei hierselbst gerieth im Laufe des Jahres infolge der allgemeinen Schwäche von Handel und Gewerbe und insbesondere auch durch die zerrütteten Vermögens Verhältnisse des Eigenthümers gänzlich ins Stocken. Wir halten uns verpflichtet, dem letztern unsern Dank dafür auszusprechen, daß er bis dahin durch namhafte Beiträge zur Linderung der Noth der Armen beigetragen hat. Durch den totalen Stillstand dieses Etablissements stieg die leider schon ohnehin starke Anzahl der brodlosen Handwerker und Fabrikarbeiter, weshalb zu ihrer Beschäftigung seitens der Herren des bedeutend Fonds disponibel gestellt werden müßten, welche zur Anlage neuer und zur Ausbesserung oder Reparaturbedürftigen Wege verwendet wurden.
Dabei blieb indessen noch Manches der Armen-Verwaltungs Commission so wie der Privat Wohlthätigkeit zu leisten übrig, denn bei dem besten Willen war es dem gewöhnlichen Handarbeiter nicht möglich, Arbeit zu erhalten. In dieser Beziehung verdient namentlich der in dem hiesigen Ort bestehende Wohlthätigkeits Verein unsern Dank, er hat zur Linderung der Noth viel beigetragen.
In den hart bedrängten Zeiten des verflossenen Jahres bewährte sich abermals die Nützlichkeit des schönen Institutes der Spar und Prämien Kasse. Schon vielleicht war es zu verdanken, daß mancher Handwerker oder Fabrikarbeiter früher Ersparnisse gemacht hatte, die ihm bei der herrschenden Noth und Arbeitslosigkeit sehr wohl zu statten kommen und ohne die er vielleicht mit seiner Familie dem Elend ausgesetzt gewesen oder auf die Mildthätigkeit andrer angewiesen worden wäre.


Abgeschlossen für das Jahr 1800 acht und vierzig
Cornelimünster, den 19 ten April 1849
der Bürgermeister, die Beigeordneten, die Bürgermeisterei Abgeordneten: Giesen Stickelmann Palm Klein Schönen Berretz Kratzenberg Saur Münch Joh. Barth



1849

Bevölkerung
1849mw
Population25082481
Geburten79825 unehelich
Todesfälle42621 über 90
Trauungen24
geimpfte Kinder138
Liniendienst11 Mann
Elementarschüler432414
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde195
Rindvieh1784
Schaafe1120
Ziegen38
Schweine565
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen3152Thlr 5Sgr
Roggen6451Thlr 8Sgr
Gerste13071Thlr
Hafer19101220Sgr
Spelz1701520Sgr
Buchweizen10724Sgr
Rübsaamen9062Thlr 15Sgr
Kartoffeln 59010014Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu14Centner
Stroh10Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
Landwolle9/td>Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut150
mittelmäßig120
schlecht40
Wiesen- und Weideland
gut155
mittelmäßig100
schlecht45

Die politischen Ereignisse des verflossenen Jahres, welche zum größten Schaden unseres Vaterlandes zwei sich heftig befehdende Parteien hervorgerufen hatten, wirkten in ihren nachtheiligen Folgen fort, bis endlich durch das kräftige und entschiedene Auftreten eines neuen Ministeriums die Revolution geschlossen und Fried und Eintracht wieder angebahnt und befestigt wurden. - Als ein gutes Zeichen müssen wir es hervorheben, daß unser Verwaltungsbezirk von der fast allgemeinen Aufregung freiblieb und seinen festen Sinn für eine wohlverstandene, mit Ordnung, Gesetzlichkeit und Vaterlandsliebe gepaarten Freiheit thatsächlich bekundete.
Der Bergbau nahm inmitten der ungünstigen politischen Begebenheiten einen neuen kräftigen Aufschwung, neue großartige Etablissements traten den bereits in den letzten Jahren errichteten hinzu. Dazu gehören namentlich die Anlagen der Eschweiler Gesellschaft für Bergbau und Hütten auf dem Breinigerberg zwischen der Quarres- und Johannes-Heck, und die Vergrößerung der berühmten Etablissements des Marquis de Sassenay, welcher zu diesem Behufe von den ungetheilten Gemeinden des Cornelimünster Ländchens eine Parzelle von 11 Morgen 109 Ruthen für 1300 Thlr ankaufte. Durch die Bedeutung, welche durch diese Etablissements der Bergbau für die hiesige Gegend erlangte, und den hohen Taglohn, welcher den dabei beschäftigten Arbeitern gezahlt wird, wurde eine Menge hiesiger Professionisten und Ackersleute ihrem gewöhnlichen Gewerbe entzogen, indem sie diesselbe mit den besser lohnenden Bergarbeiten vertauschten.
In Cornelimünster wurde ein Kohlen und Geriß-Magazin angelegt, welches für den Flecken selbst sowohl als die Umgegend sich seitdem als nützlich und bequem erwiesen hat.

Beim Jahresschlusse begann auch die, zur frühere Starz'schen Fabrik gehörige Spinnerei wieder ihre Thätigkeit, mehrere Spinner und sonstige Fabrikarbeiter wurden darin, jedoch nicht mehr in der früheren Stärke, beschäftigt.
Am 8 ten des Monats August brach in dem Kirchdorfe Walheim die Cholera aus, welche bis dahin schon in der Stadt Burtscheid und mehreren andern Gegenden viele Menschen dahingerafft hatte. Als Opfer dieser bösartigen Krankheit fielen allein in diesem Dorfe 5 Erwachsene und 2 Kinder in einer Zeit von 4 Wochen. Außerdem erkrankten dort noch 14 Personen an derselben Epidemie, ohne derselben zu unterliegen. Der Beigeordnete Schornstein Pet. Jak. büßte auch in Folge derselben nach wenigen Stunden sein Leben ein. In den übrigen Ortschaften unserer Bürgermeisterei zeigte sich diese außergewöhnliche Krankheit fast gar nicht oder nur in einem weit gelindern Grad, als Cholerine, so daß die davon Befallenen nach kurzer Zeit hergestellt wurden.

Die unglückliche Insurrection in Baden, welche auf's neue die Revolution über Deutschland heraufzubeschwören drohte, machte wiederholt die Einziehung der Reservisten und theilweise der Landwehr nothwendig und wir dürfen nicht unerwähnt lassen, daß auch die Krieger unserer Gegend unter der kraftvollen Führung Seiner königlichen Hoheit des Prinzen von Preußen zur Unterdrückung jenes Aufstandes das Ihrige beigetragen, auf diese Weise für die Ruhe und Wohlfahrt des Vaterlandes mitgewirkt und die ihnen zu Theil gewordene ehrenvolle Auszeichnung würdig verdient haben.
Die Steuerreformen, durch welche die Staats Regierung die Steuerlasten auf eine gleichmäßige, den Steuerkräften der einzelnen Staats Angehörigen entsprechende Weise zu vertheilen beabsichtigt und die dahin ziehende königlichen Vorlagen sind hier, wie in der ganzen Rhein Provinz, mit Freuden begrüßt worden.
In Ausführung des Bürgerwehr Gesetzes vom 17.Oktober 1848 wurde in dem hiesigen Orte eine Schutzmannschaft, bestehend aus 60 meist gedienten jungen Leuten, organisirt und mit Waffen aus dem königlichen Zeughaus zu Jülich versehen. Der gesunde Sinn unserer Bevölkerung für Gesetz und Ordnung hat zum Glück das Einschreiten dieser Bürgerwehr unnöthig gemacht und allem Anschein nach dürfte das junge Institut, wenigstens für die hiesige Gegend, als überflüssig und zwecklos aufgehoben werden können.
Die dem Dorfgeometer Heuser zu Vicht aufgetragenen Vorarbeiten behufs Theilung des gemeinschaftlichen Eigenthums wurden fortgesetzt und insbesondere eine genaue Begrenzung der gemeinschaftlichen Waldungen aufgenommen.

Die Unterhaltung, Verbesserung und Vermehrung der Communal Wege wurde mit Eifer und Sorgfalt unter Leitung der dazu aus der Mitte des Gemeinderaths ernannten Commissarien ausgeführt; mehrere Wege und namentlich der von Cornelimünster nach der Klause führende Weg wurde mit Pappeln bepflanzt, die in der Gemeinde Baumschule am Indebach gezogen worden sind. Der letztere Weg ist dadurch in eine schöne Promenade umgewandelt worden, die von Fremden wie Einheimischen beim Besuch der Eremitage mit jedem Jahr mehr benutzt wird. Auch zur Erhöhung der Annehmlichkeit der lieblichen Klause hat der Kirchenvorstand durch Spaziergänge auf dem westlichen Abhange des Wäldchens in passender Weise beigetragen. Der einsamen Eremitage wurde im Laufe des Sommers viele Besuche angesehener Personen zu Theil, wie aus dem dort gehaltenen Fremdenbuch hervorgeht.

Auf dem sogenannten Schildchen, dicht an dem Wege nach Breinig wurde bei der Rodung eines Grundstücks des hiesigen Wirthes Johann Mengelbier ganz wohl erhaltene, unterirdische Bauten, wahrscheinlich Ueberreste früherer römischer Grabmäler, und außerdem einige alte Gefäße und Münzen aufgefunden.

In dem Hause des Steinhauers Johann Peter Brammerz am Berg dahier brach am 2.Mai abends 7 Uhr Feuer aus. Der rasch herbeigeeilten Hülfe und angestrengten Thätigkeit der Löschmannschaften ist es zu verdanken, daß dem Feuer nach Verlauf von einigen Stunden Einhalt gethan wurde und die benachbarten Häuser vom Feuer verschont blieben. Das zum Theil niedergebrannte Haus des Brammertz war bei der Aachen-Münchener-Gesellschaft versichert.
Ein zweites Brandunglück ereignete sich zu Schmithof, wo das neuerbaute Haus des Schreiners Jacob von Theinen in der Nacht vom 21 auf den 22.Mai ein Raub der Flammen wurde. Auch dieses war bei der Provinzial-Feuer Societät assekurirt.
Am 5 ten desselben Monats, Abends gegen 7 Uhr brach in der Försterei Walheim, District Hüttenberg in einer 15 jährigen Kiefernpflanzung ein Waldbrand aus. Durch die schnelle Hülfe und angestrengte Thätigkeit der dortigen Forstbeamten wurde das Feuer gelöscht nachdem es eine Fläche von 100 Ruthen verwüstet hatte.

Unter Leitung des Vikars Werner Simons, Nachfolger des im Jahre 1847 nach Langerwehe versetzten Kaplans Anton Lambertz, wurde in Cornelimünster ein kirchlicher Männer Gesangsverein gestiftet, der sich die schöne Aufgabe gestellt hat, durch Aufführung der alten klassischen Kirchen Gesänge (mehrstimmige Psalmen und Messen) das religiöse Gefühl zu erwecken und zu beleben. Wir haben bereits einigemal in den Hallen unserer Abteikirche den tiefen Ernst und die wundervolle Harmonie seiner Gesänge zu bewundern Gelegenheit gehabt.
Die im Allgemeinen günstig ausgefallene Erndte und in Folge dessen der mäßige Preis der Lebensmittel, der Aufschwung des Bergbaues haben dem, in den letzten Jahren tief gesunkenen allgemeinen Wohlstand neue und bessere Aussichten eröffnet, so daß wir dem kommenden Jahre mit mehr Ruhe und Hoffnung entgegen sehen dürfen.


Abgeschlossen für das Jahr achtzehnhundert neun und vierzig
Cornelimünster, im Januar achtzehnhundertfünfzig
der Bürgermeister, die Beigeordneten und Gemeindeverordneten: Giesen Froelenstedt Kloubert Beigeordnete Emonts Schönauen Lauter Pesser Lambertz Braun

Einwohner
OrtEinwohnerHäuser
Cornelimünster1011144
Breinig808141
Breinigerheide14526
Schützheide629
Venwegen43673
Gemeinde2462393

Breinig, den 25.Januar 1959; Johann Röntgen, Amtsinspektor im Ruhestand



1850

Bevölkerung
1850mw
Population25212494
Geburten62862 unehelich
Todesfälle44561 über 90
Trauungen29
geimpfte Kinder116
Liniendienst10 Mann
Elementarschüler424385
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde201
Rindvieh1796
Schaafe1210
Ziegen40
Schweine570
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen31562Thlr 20Sgr
Roggen6301Thlr 10Sgr
Gerste12071Thlr 6Sgr
Hafer193091Thlr
Spelz22091Thlr
Buchweizen1551Thlr 6Sgr
Rübsaamen802Thlr 25Sgr
Kartoffeln 5409018Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu25Centner
Stroh20Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter10Pfund
Käse6Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut180
mittelmäßig130
schlecht50
Wiesen- und Weideland
gut170
mittelmäßig105
schlecht50

Im März dieses Jahres erschien die mit Zustimmung beider Kammern erlassene neue Gemeinde Kreis und Provinzial Ordnung zur Ausführung der erstern, welche eine gänzliche Reform in der bisherigen Gemeinde Verfasssung herbeiführen sollte, wurden alsbald die nöthigen Anordnungen getroffen.
Durch Verfügung der königlichen Regierung vom 28.Juni wurde der von den Gemeinderäthen von Cornelimünster und Walheim gestellte Antrag, in beiden Gemeinden den dritten Titel der neuen Gemeinde Ordnung zur Anwendung zu bringen, mit Rücksicht auf den Umfang und die Bedeutung dieser Gemeinde abgelehnt, und abends dem ferneren Antrage auf Trennung des bisher bestandenen Gesammtverbundes und Wiederherstellung der beide Gemeinden zu selbstständigen, voneinander unabhängigen, als unbegründet die Genehmigung versagt, indem bei dem bereits bestehenden, durchaus getrennten und selbstständigen Haushalt jeder Gemeinde die Auflösung des bisher bestandenen, früher von diesen Gemeinden selbst beantragten Verbundes weder nothwendig noch nützlich erschien.
Gleichwohl wurde in Folge recurses gegen diese Entscheidung die Auflösung der Gesammtverbundes, als nach den Bestimmungen der neuen Gemeinde Ordnung zulässig, gestattet:

Nachdem die weitläufigen Vorarbeiten beendigt und die Gemeindewählerlisten aufgestellt worden waren, wurde am 10 September zur Wahl der Gemeindeverordneten für die Gemeinde Cornelimünster geschritten, wobei gewählt wurde:
1. Peter Joseph Ostlender, 2. Reiner Lambertz, 3.August Froelenstedt, 4. Joh. Schoenauen, 5. Heinrich Emonts zu Cornelimünster, 6. Theodor Berretz, 7. Peter Jacob Hennicken, 8. Joh. Wilhelm Braun, 9. Johann Mathias Pesser, und 10. Johann Beretz zu Breinig, 11. Joh Math. Kloubert und 12. Wilhelm Lauter zu Venwegen.
Die Einführung der neugewählten Vertreter erfolgte am 9.November in öffentlicher Sitzung und nachdem dieselben den Beschluß gefaßt hatten, die Verwaltung der Bürgermeisterei Cornelimünster einem Bürgermeister und Beigeordneten zu übertragen, wurde der seitherige Bürgermeister Benedict Egidius Giesen einstimmig zum Bürgermeister, die Gemeindeverordneten Ostlender, Theodor Beretz und Kloubert ebenfalls einstimmig zu Beigeordneten gewählt und diesen Wahlen die Genehmigung des königlichen Regierungs Präsidenten ertheilt.

Dem bisherigen Kreis Landrath Hasslacher, welcher seit 14 Jahren mit Umsicht, Energie und Entschlossenheit die Interessen unseres Kreises vertreten, wurde im Juli die Verwaltung der Landraths und Polizeidirectorstelle der Stadt Aachen übertragen und zu seinem Nachfolger der Regierungs Assessor Hasenclever an die Spitze der Verwaltung berufen.

Dem Flecken Cornelimünster wurde am 24 Juli die hohe Ehre / zu Theil / eines Besuches Seitens Seiner Majestät des Königs von Bayern zu Theil. Allerhöchstdieselben geruhten unsere schöne ehemalige Abteikirche zu besichtigen und nahmen demnächst unter Zuziehung der Geistlichkeit und des Kirchenvorstandes die kostbaren Heiligthümer privatim in Augenschein. Seine Majestät beehrten ferner unsere reizende Klause u. den dortigen Eremiten zu zwei verschiedenen Malen mit Ihrem Sohne Besuche und trugen sich als Graf von Werdenfels in das Fremdenbuch des Eremiten ein. Durch ein freundliches und herablassendes Benehmen gewann der erlauchte Monarch sich die Herzen aller derjenigen, welche Ihn zu sprechen und zu sehen das seltene Glück hatten. Außer diesem hohen Gaste ist noch die verwittwete Königin von Holland, Gräfin von Nassau, gegenwärtig auf dem Schlosse nahebei Aachen residirent, zu erwähnen, welche die Eremitage wiederholt mit Ihrem Besuch beehrte.

Eine noch seltene Erscheinung für unsere Gegend war der chaldaeische Priester Hosanna aus Ninive, welcher auf seiner Reise durch die katholischen Länder Europas unsern Ort mit seiner Gegenwart erfreute und von der geistlichen sowohl als der weltlichen Behörde auf das freundlichste bewillkomment wurde. Derselbe las in der hiesigen Pfarrkirche nach orientalischem Ritus und in dem morgenländischem Gewand die h. Messe und während derselben wurden von den zahlreich herbeigeströmten Gläubigen reichliche milde Gaben zur Unterstützung der hartbedrängten Christen des Orients gespendet.

Die zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich in Betreff der hessischen Wirren ausgebrochenen erheblichen Differenzen veranlaßten im November eine Mobilmachung des ganzen preußischen Heeres. Unbeschreiblich ist die Aufregung und Bestürzung, welche durch die schleunige und unvorhergesehene Ausführung dieser außerordentlichen Maßregel allenthalben hervorgerufen worden; gleichwohl folgten die Einberufenen Jünglinge, Männer und Familienväter mit Freuden und unverdrossen dem Rufe ihres Königes zur Fahne, mochte ihnen auch der Abschied von Eltern, Frau & Kindern noch so schwer gewesen sein. Dank der Bemühungen unseres großen Ministerpräsidenten hat die Sache gegenwärtig bereits eine solche glückliche Wendung genommen, daß schon ein Theil der eingezogenen Mannschaften entlassen werden konnte und die nöthige Demobilisierung in Aussicht steht.

Anfangs März stürzte ein großer Theil der Soutier Mauer der Landstraße, dem Hause der Wittwe Johann Wilhelm Bierfert dahier gegenüber, plötzlich zusammen, so daß ein Theil der Chausseedecke noch mit in den vorbeifliessenden Indebach hineingerissen wurde. Zum Glück war die Straße bei dem Einsturz frei von Menschen und Fuhrwerk, so daß kein Unglück dabei zu beklagen gewesen ist. Die Wiederherstellung der eingestürzten schweren Mauer wurde baldigst in Angriff genommen und gleichzeitig auf den wiederholten Antrag unseres Bürgermeisters die etwas tiefer liegende Brücke zur größern Sicherheit der Passage auf Kosten der königlichen Straßenbauverwaltung bedeutend erbreitert und die Schutzmauer zu beiden Seiten erhöht.

Der Ortschaft Cornelimünster wurde von der freigebigen Aachen-Münchner-Feuerversicherungs Gesellschaft eine Brandspritze zum Geschenk gemacht.

Im verwichenen Sommer zeigten sich fast in allen Theilen der Bürgermeisterei wie in den benachbarten Städten die natürlichen Menschenpocken. Die Zahl der im Ganzen davon Gestorbenen beträgt zwei.

Zur Begrenzung der gemeinschaftlichen Waldungen (Eigenthums) wurden 616 Grenzsteine im Wege der Submission in Verding gegeben und von der Forstverwaltung unter Zuziehung der angrenzenden Eigenthümer gesetzt.
Die Gruben auf dem Breinigerberg und Büsbacher Berg wurden auch in diesem Jahre noch bedeutend erweitert und der Betrieb vergrößert.


Abgeschlossen für das Jahr Achtzehnhundert fünfzig
Cornelimünster, im März 1800 ein und fünfzig
der Bürgermeister, die Beigeordneten und Gemeindeverordneten: Giesen Kloubert Schönauen Lambertz Lauter Braun Emonts Pesser Froelenstedt


Abgeschlossen gegenwärtiges Chroniken Buch nach fünf und zwanzig jähriger Periode und folgt Fortsetzung in dem zweiten Bande mit dem Jahre achtzehnhundert ein und fünfzig
Cornelimünster, den 1 April 1851; der Bürgermeister, Giesen


Unterm 31.Januar wurde die unter Beteiligung beider Kammern des Landtags zustandegekommene Verfassungsurkunde für den preußischen Staat als Staatsgrundgesetz erlassen. Sie ersetzt die am 5. Dezember 1848 vom König verkündete Verfassung.
Unterm 10.Oktober erging durch den Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten eine Deklaration zur Mitgewinnung von Blende und Schwefelkies in der Grube Breiniger Berg, sodaß die Konzession jetzt auf Blei-, Zink- und Eisen-Erze lautet.
In der Münster Mühle in der vor zwei Jahren die Tuchfabrik von Startz stillgelegt worden ist, eröffnete der Pächter Anthoni aus Imgenbroich einen neuen Betrieb. Wenn er auch erheblich kleineren Umfangs ist wie jener, so ist doch zu begrüßen, daß dort eine Anzahl von Arbeitslosen Arbeit und Verdienst gefunden haben, die bisher die Armenkasse belasteten.

Breinig, den 25.Januar 1959; Johann Röntgen, Amtsinspektor im Ruhestand







Band–2 1851-1876


[1951] Diese Chronik wurde am 2.Juli 1951 dem Gemeindeamt Kornelimünster von dem Unterzeichneten wieder übereignet, nachdem sie ihm aus dem Nachlaß des Amtsgerichtsrats Arnold Giesen Stolberg geschenkt worden war.
Kornelimünster, den 2.7.1951 Heinrich Capellmann

[1951] Dieses Buch ist die im Besitz des letzten Bürgermeisters Giesen ratlichem Zweitanfertigung zur Gemeindechronik. Amtsgerichtsrat Arnold Giesen in Stolberg war dessen Sohn.
Die Urschrift der Chronik 1857-1875 befand sich bis zum letzten Kriege im Gemeindearchiv; sie ist anscheinend abhanden gekommen. Sie enthielt nach meiner Erinnerung zwar mehr wie dieses Buch, für viele Jahre aber keine Eintragungen.
Kornelimünster, 2.Juli 1951; Johann Röntgen, Gemeinde-Inspektor

Original Chroniken aus der Zeit
[1959] Nachträge von Johann Röntgen
[2019] Abschrift durch Förderkreis Abteigarten (im Bezirksamt Kornelimünster/Walheim)
[2021] Jetzt im Stadtarchiv Aachen, StAAc GEM 15-2

Chronik

C h r o n i k

der
Bürgermeisterei Cornelimünster, im Kreise Aachen, Chronik der Bürgermeisterei Cornelimünster im Kreise Aachen
Regierungsbezirk Aachen
Gegenwärtiges Chroniken-Buch enthält ein hundert Blätter, wovon das erste und letzte Blatt von dem Unterzeichneten paraphirt ist.
Cornelymünster den 1. Jenner 1851; der Bürgermeister Giesen
Vorwort zur nachträglichen Ergänzung der Gemeindechronik 1851-1875


Es ist sehr zu bedauern, daß die Chronik für diesen Zeitraum geradezu vernachlässigt worden ist und für 22 Jahre keinen zeitgenössischen Bericht enthält. Allein, man braucht dies nicht als unabänderlich hinzunehmen, ist doch manches überliefert, das verdient, vor dem Vergessenwerden bewahrt zu werden.
Allerdings sind die Nachrichten hierüber weit verstreut, und es kostet erhebliche Mühen, sie aufzusuchen und zu sammeln.
  Welchen besonderen Schwierigkeiten die nachträgliche Geschichtsschreibung für unsere Gemeinde begegnet, habe ich in der Einleitung zur Fortführung der Chronik vom Jahre 1922 dargelegt, die dem Jahresbericht für 1923 vorangestellt ist. Sie mehren sich, je weiter man in die Vergangenheit zurückgreifen muß, zumal, wenn Augenzeugen aus ihr nicht mehr berichten können.
Das Ergebnis meiner langwierigen Nachforschungen mußte dann trotz aller Mühen verhältnismäßig gering bleiben. Immerhin konnten manche Nachrichten über Ereignisse gesammelt werden, die in die folgende Zeit nachwirken.
  Aus der Vielzahl meiner Quellen seien erwähnt die Schulchroniken von Breinig und Venwegen - die von Kornelimünster ist erst in neuerer Zeit angelegt worden und enthält nichts über den beschriebenen Zeitraum - die Gemeindechroniken von Brand und Büsbach, gedruckte Schriften zur Zeitgeschichte, alte private Aufzeichnungen und die mündliche Überlieferung, diese jedoch nur, soweit ihr Glaubwürdigkeit beigemessen ist.
  Wenn die folgenden Berichte noch ergänzt werden könnten, wäre das zu begrüßen, denn ich bin mir bewußt, manches haben übersehen zu müssen, das ebenfalls erwähnenswert sein mag, weil ich die Quellen nicht fand.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspektor a.D.




1851

Bevölkerung
1851mw
Population12661253
Geburten49290 unehelich
Todesfälle23271 über 90
Trauungen19
geimpfte Kinder67
Liniendienst8 Mann
Elementarschüler235209
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde95
Rindvieh825
Schaafe480
Ziegen18
Schweine230
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen20062Thlr 20Sgr
Roggen3402Thlr 14Sgr
Gerste301Thlr 15Sgr
Hafer900111Thlr 6Sgr
Spelz60151Thlr 8Sgr
Buchweizen1061Thlr 10Sgr
Rübsaamen3024Thlr 15Sgr
Kartoffeln 1809520Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu20Centner
Stroh18Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter10Pfund
Käse4Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut130
mittelmäßig90
schlecht25
Wiesen- und Weideland
gut136
mittelmäßig90
schlecht36

Am 9.Januar fand die feierliche Einführung unseres bei Einführung der neuen Gemeinde Ordnung vom 11 März 1850 einstimmig wiedergewählten Bürgermeisters Benedict Egidius Giesen statt. Die ganze Gemeinde wetteiferte, zur Verherrlichung dieser Feier nach Kräften beizutragen und ihre Zufriedenheit und Dankbarkeit für die von ihren Vertretern getroffenen und von der höhern Behörde bestätigte Wahl an den Tag zu legen. Das Fest ging ohne die mindeste Störung vorüber und endigte mit einer allgemeinen Illumination und einer dem Gefeierten von dem Arion Gesang Verein zu Cornelimünster dargebrachten Serenade.
Unsere im vorigen Jahre ausgesprochene Hoffnung auf baldige Entlassung der zur Fahne gerufenen Wehrmänner, Reservisten und Treinsoldaten hat sich glücklicher Weise bestätigt; durch Allerhöchsten Erlaß vom 30.Januar 1851 wurde die gänzliche Demobilisirung der Armen befohlen und bald nachher ausgeführt.
Die bereits im verflossenen Jahre beantragte, von der Vorgesetzten höhern Behörde zwar nicht gebilligte, jedoch für gesetzlich zulässig erklärte Trennung und Wiederherstellung der Gemeinde Walheim zur eigenen selbstständigen Bürgermeisterei trat im Mai dieses Jahres in's Leben. Zum Bürgermeister derselben wurde der Bürgermeister Albert von Harenne zu Raeren seitens des königlichen Regierungs Präsidiums auf die Dauer von 6 Jahren ernannte, nachdem der von dem Gemeinderath zu Walheim wiederholt getroffenen Wahl des Ackerers Heinrich Joseph Kratzenberg zu Friesenratherhof wegen mangelnder Qualification die höhere Genehmigung versagt worden war.
Die unständigen Mitglieder der Armen Verwaltungs Kommission wurden erneuert und den Neugewählten Egidius Joseph Giesen zu Cornelimünster, Johann Wilhelm Brammertz zu Breinig und Peter Joseph Birken zu Venwegen die höhere Bestätigung ertheilt.
Für die Feldmark Breinig wurde ein neuer Feldhüter, in der Person des Ackerers Johann Jacob Braun daselbst angestellt.

Behufs des schon längst projectirten und zum Bedürfnisse gewordenen Neubaues einer Kirche zu Breinig wurde durch den Gemeinderath von Cornelimünster in der Nähe der alten Kirche ein passender Bauplatz acquirirt.
Der frühere Lehrer und Organist Leonard Havenith, Stifter eines Gesang Vereins hierselbst, fand im December dieses Jahres auf der Rückkehr von Aachen nach Brand auf der Landstraße bei Forst durch einen unglücklichen Zufall seinen Tod.
Der Beigeordnete Stickelmann, zu Ritscheiderhof, verschied am nämlichen Tag; mit ihm verlor die Ortschaft Oberforstbach einen ihrer thätigsten Vertreter.

Das Interesse für den Kölner Dombau wurde durch Unsern hochwürdigen Cardinal Erzbischof wieder von neuem angeregt und die im Bereich der Bürgermeisterei gesammelten Gaben durch den Bürgermeister an das Central Comite in Cöln befördert.
Die Bürgermeisterei besitzt gegenwärtig 5 Schüler, nämlich je zwei zu Cornelimünster und Breinig und eine zu Venwegen. Den vielfachen Bemühungen der Staatsbehörden, sowie der geistlichen und weltlichen Ortsbehörden ist es zu verdanken, daß diese Schulen im Allgemeinen regelmäßig besucht werden und mit tüchtigen Lehrern besetzt sind, die sich der Ausbildung der ihnen anvertrauten Jugend angelegentlichst und mit gutem Erfolg widmen.
Die Aufhebung der bisher den einzelnen Gemeinden das Kreises auferlegten, auf eine bestimmte jährliche Summe normirter Klassensteuer-Contingente und die Einführung einer allgemeinen klassificirten Classen und Einkommensteuer hat fast allenthalben und besonders bei den weniger bemittelten Bauern und Handwerker Beifall gefunden. Man hofft von diesem neuen Gesetze eine gleichmäßige und den Steuerkräften entsprechende Vertheilung der Staats und Gemeinde Lasten sowie im allgemeinen eine baldige Verminderung der Staats Abgaben.
Behufs Ausführung des Gesetzes über das Gewerbewesen vom 9.Februar 1849 wurde für den Landkreis Aachen eine Kreis Prüfungs Commission zu Eschweiler niedergesetzt. Die Wahlen der Mitglieder für die einzelnen Gewerbe fanden im Juli d. Ja. auf dem Rathhaus daselbst statt. Mehrere der hiesigen Meister und Gesellen nahmen an denselben Theil.


Abgeschlossen für das Jahr Achtzehnhundert ein und fünfzig der Bürgermeister, die Beigeordneten und Gemeindeverordneten
Giesen-bgrmstr Ostlender Brammerz Froelenstedt Pesser Kloubert Joh.Bardtz Lauter Lamberts Braun Schönauen Theod.Berretz Emonts



1852

Bevölkerung
1852mw
Population12971278
Geburten41390 unehelich
Todesfälle33321 über 90
Trauungen19
geimpfte Kinder69
Liniendienst7 Mann
Elementarschüler220196
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde97
Rindvieh832
Schaafe450
Ziegen21
Schweine225
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2103Thlr 20Sgr
Roggen33782Thlr 25Sgr
Gerste3271Thlr 28Sgr
Hafer91010½1Thlr 4Sgr
Spelz80131Thlr 10Sgr
Buchweizen1572Thlr 10Sgr
Rübsaamen404Thlr 15Sgr
Kartoffeln 1858625Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu24Centner
Stroh20Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter12Pfund
Käse4Pfund
Landwolle11Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut135
mittelmäßig95
schlecht30
Wiesen- und Weideland
gut140
mittelmäßig100
schlecht40

Nachdem im vorigen Jahre von der Civil Gemeinde Cornelimünster ein passender Bauplatz zum Neubau einer Pfarrkirche zu Breinig in der Nähe der alten Kirche acquirit worden war, konnten in diesem Jahre weitere Schritte zum Beginn dieses nöthigen, von der Pfarrgemeinde Breinig so sehr gewünschten /Neubaues/ seit mehreren Jahren als Bedürfniß anerkannten Neubaues geschehen. Vor allem wurde dahin gestrebt, einen Tempel aufzubauen, welcher durch seine Bauart und Einrichtung ein erhabenes und würdevolles Gotteshaus vorstellen und der der Nachkommenschaft auf immer eine bleibende Stätte ihrer heiligsten Verrichtungen und ein schönes Denkmal christlichen und religiösen Sinnes ihrer Vorfahren werden sollte. Die nicht unbedeutenden Geldopfer, welche mit Ausnahmen der bereits in frühern Jahren von der Pfarre Breinig umgelegten und ersparten Beträge von circa 3000 Thlrn. die ganze Bürgermeisterei, nach Maßgabe des Gesetzes vom 14.März 1845, zur Deckung der Baukosten aufzubringen genöthigt ist, wurden hierbei weniger in Betracht gezogen, als die Nothwendigkeit, einen Bau zu schaffen, welcher nicht bloß dem lokalen Bedürfniß der Gegenwart und Zukunft entsprechen, sondern auch, ein ehrendes Denkmal der ganzen christlichen Kirche und Gemeinde und besonders der Pfarrgemeinde Breinig bilden soll. Die nächsten Schritte des Gemeinde und Kirchen Vorstandes waren, für die Anfertigung eines Planes Sorge zu tragen. Diese wurde, nachdem mehrere neuere und alter Kirchen als nachahmungswürdige Vorbilder bezeichnet und der Wunsch geäußert worden, die neu zu erbauende Kirche im Wesentlichen der alten Pfarrkirche zu Cornelimünster nachzubilden, dem Herrn Baurath Cremer zu Aachen übertragen. Letzterer hat sich seines desfalls ihm ertheilten Auftrages zur allgemeinen Zufriedenheit entledigt und nebenbei einen Costen Anschlag zum Betrage von 15.400 Thlrn /die Kosten für Mobilar Gegenstände, Altäre und sonstige innere Verzierungen der Kirche ausgeschlossen/ angefertigt. Am 11.August fand die öffentliche Vergantung auf Anstehen des Herrn Landraths und Bürgermeisters und in Beisein des Kirchen-Vorstandes und des vom Gemeinderath gewählten Comites bestehend aus den Herren Gemeindeverordneten Johann Theodor Berretz und Johann Wilhelm Braun zu Breinig, August Froelenstedt zu Cornelimünster und Johann Mathias Kloubert zu Venwegen statt, wobei der Bauunternehmer Herr Peter Jerusalem zu Eupen als Wenigst- und Letztbietender für die Summe von 14790 Thlrn die Ausführung des Baues zugeschlagen worden. Dieser wurde sofort in Angriff genommen, mit Sorgfalt und Eifer betrieben und die Legung der Fundamente schon in diesem Jahr beendigt. Die Solidität des Bauunternehmers, die Ueberwachung der Bauausführungen seitens des H. Bauraths und die unausgesetzten Bemühungen des Gemeinde- und Kirchen-Vorstandes und des gemeinderäthlichen Comites berechtigen zu der Hoffnung, daß der Bau den Bedingungen gemäß in allen Theilen gehörig ausgeführt und im Jahre 1855 vollendet dastehen werde.

Die von des königs. Majestät unter'm 22.Januar gestiftete Hohenzollern'sche Medaille wurde von den berechtigten Dienstpflichtigen der Reserve der Landwehr dankbar in Empfang genommen.

Am 25. October wurden die Wahlmänner behufs der Neuwahl der Mitglieder der II ten Kammer, nachdem die Legislaturperiode derselben abgelaufen war, gewählt. Es wurde gewählt in dem Wahlbezirke Cornelimünster die Herren:
1. Bürgermeister Giesen, 2. Vikar Simons, 3. Pfarrer Küfen, und 4. Beigeordneter und Gemeindeverordneter Ostlender, in dem Wahlbezirk Breinig die Herren: 1. Pfarrer Ostlender, 2. Theod. Beretz, 3. Pfarrer Herfs, 4. Lehrer Klein, 5. Beigeordneter und Gemeindeverordneter Kloubert, 6. Mathias Joseph Schweitzer, Ackerer zu Venwegen.

Der unter dem Protektoriate Ihrer Majestät der Königin stehende Blinden-Anstalt zu Düren wurde am 18 ten October der 11 jährige Knabe Joseph Baumann, Sohn der Eheleute Peter Theodor Baumann, Schreiner und Elisabeth Dunkel von hier anvertraut. Bei den außergewöhnlichen Geistes-Anlagen, die dieses seit kurzer Zeit nach der Geburt blinde Kind an den Tag legt, steht zu erwarten, daß er nach seiner Entlassung aus der Anstalt im Stande sein werde, sein unglückliches Loos leichter zu ertragen und sogar selbstständig seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es muß daher umso dankbarer und freudiger anerkannt werden, daß die Gemeinde des unglücklichen Knaben, dessen Eltern tief in dürftiger Lage befinden, sich angenommen und die Kosten der Aufnahme und Verpflegung in der Anstalt übernommen hat. Bei dem bekannten Wohlthätigkeits Sinne der Königlichen Regierung ist jedoch mit Zuversicht zu erwarten, daß dem Knaben bei der nächsten Vakanz eine Freistelle bewilligt werden wird.

Der Bergbau wurde auch in diesem Jahre in noch größeren Umfange betrieben als in den früheren, vier Maschinenschächte wurden auf dem Breinigerberg angelegt und die meisten der übrigen Etablissements in dem ganzen Münster Ländchen mit bedeutenden Kosten Aufwand vergrößert.
Am 26.Januar fand der 15 jährige Knabe Johann Kreutz von Breinig im Schacht auf der Grube Breinigerberg in Folge eines unglücklichen Falles seinen Tod. Obschon dieses Unglück sehr zu beklagen ist, so ist dennoch auf der andren Seite mit Freude zu erwähnen, daß auf dem genannten Bergwerk bei den vielen lebensgefährlichen Arbeiten in der Erde und bei den Maschinen noch kein Arbeiter sein Leben hat lassen müssen: ein Beweis, daß mit vieler Umsicht zu Werke gegangen wird und es an gehöriger Aufsicht seitens der Gesellschaft nicht fehlt.

Der im Flecken Cornelimünster bestehende Privatwohlthätigkeits Verein setzte auch in diesem Jahre seine Wirksamkeit zur Linderung der Noth und Armuth fort und der hiesige Gesangverein trug dazu durch Veranstaltung eines zahlreich besuchten Conzerts bei.

An die Stelle des nach Aachen versetzten Notars Eisenhuth ist der bisherige Notariats Candidat Peter Wingender aus Düsseldorf zum Notar für den Canton Burtscheid mit Anweisung seines Wohnsitzes zu Cornelimünster, vom 1. ten Mai ab, ernannt worden.


Abgeschlossen für das Jahr Achtzehnhundert zwei und fünfzig Cornelimünster, im März achtzehnhundert zwei und fünfzig der Bürgermeister, die Beigeordneten und Gemeindeverordneten

Giesen brgmstr, Th.Berretz Froelenstedt Ostlender Brammertz Joh.Bartz Kloubert Lauter Braun Lamberts Schönauen Emonts


Die Gemeindeordnung vom 14.März 1850 wurde wieder suspendiert.
Die auf Betreiben der Gemeinde Stolberg und Gressenich erbaute Landstraße von Stolberg über Vicht nach Zweifall wurde fertig. Sie endet vorläufig jedoch in der Münster Au in unserer Gemeinde, entbehrt also noch der Verbindung mit dem Kreise Monschau. Dem Vernehmen nach ist geplant, sie auf dem linken Vichtufer bis Mulartshütte fortzuführen und von da nach Rötgen.
(siehe auch 1858)
Die Tuchfabrik in der Münster Mühle, Eigentum von Gotthard Startz, Kornelimünster beherbergt mit dem 1.Mai 1850 einen kleinen Pachtbetrieb von Alfons Anthoni aus Imgenbroich. Startz hatte aus Anlaß der baulichen und betrieblichen Neugestaltung der Mühle vor 16 Jahren vergessen, eine neue Konzession nachzusuchen. Damals baute er das unterschlächtige Rad zum oberschlächtigen Antrieb um, ohne seine Achslagerhöhe zu verändern und legte zu dem Zweck den Mühl Obergraben zwischen der Mühle und der Abtei höher. Der Graben wird aus der Inde von einem Wehr gespeist. Auf die baulichen Änderungen wird der öftere Rückstau des Baches und die Überflutung der an ihm liegenden Keller zurückgeführt. Nachdem Verhandlungen mit Startz ohne Erfolg geblieben sind, hat ihn die Gemeinde wegen Abstellung der Mängel beim Landgericht verklagt.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspektor a. D.




1853

Bevölkerung
1853mw
Population
Geburten35411 unehelich
Todesfälle18283 über 90
Trauungen33
geimpfte Kinder
Liniendienst9 Mann
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen2204Thlr 16Sgr
Roggen3403Thlr 6Sgr
Gerste4072Thlr 12Sgr
Hafer72091Thlr 10Sgr
Spelz18091Thlr 20Sgr
Buchweizen9071Thlr 24Sgr
Rübsaamen4043Thlr 20Sgr
Kartoffeln 1369026Sgr
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu26Centner
Stroh24Centner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
Butter9Pfund
Käse4Pfund
Landwolle10Pfund
AckerlandMagd.Morgen
gut150
mittelmäßig100
schlecht40
Wiesen- und Weideland
gut160
mittelmäßig110
schlecht45


Unterm 24.Mai wurde die Provinzial Bezirks und Kreisordnung von 1850 wieder aufgehoben.
Der 1831 in Hahn geborene und am Lehrerseminar in Kempen vorgebildete Lehramtskandidat Josef Löhr wurde als Lehrer an die Volksschule in Kornelimünster berufen.( Als 1878 das neue Lehrerseminar die Volksschulen übernahm, trat Löhr in dessen Dienste)
Beim Schacht "Maria " der Grube Breinigerberg, abgeteuft seit 1847 hauptsächlich zur Wasserförderung, hat man eine Aufbereitungsanlage erbaut. In ihr wird das zu Tage gebrachte Handwerk unter Benutzung des abfließenden Wassers gewaschen, um die Erze vom Abraum zu scheiden und für die Verhüttung bereit zu machen.
Die Grube verspricht sich gut zu entwickeln. Die Hauptbetreiberin, die Stolberger Gesellschaft (siehe 1845) erhielt den Namen Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen.
Heinrich Hoesch vom Junkershammer seit 1825 Besitzer der Gerechtsame auf Eisensteinbergbau im größten Teil des Münsterländchens, Inhaber der Felder Cornelia, Pfeifenberg, Vereinigung und Münsterfeld, verpachtete das Feld Cornelia an den Eschweiler Bergwerksverein. Dieses Feld liegt in den Gemeinden Brand, Büsbach, Kornelimünster und Walheim und hat eine Größe von rund 16 qkm. (siehe auch 1864)

Breinig am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspektor a. D.




1854

Acker Erzeugnisse
1854mw
Population
Geburten40330 unehelich
Todesfälle2832
Trauungen16
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Der seit 30 Jahren an der Breiniger Schule tätige Lehrer Jakob Ostlender trat in den Ruhestand. Die Gemeinde bewilligte ihm ein Ruhegehalt von 120 Taler fürs Jahr.
Neuer Leiter der Schule wurde der seit 1846 als zweiter Lehrer an derselben tätige Karl Schmitz, er übernahm die Oberklasse. Hilfslehrer wurde der Sohn des Venwegener Lehrers Alois Klein.
Der Neubau der Pfarrkirche in Breinig (siehe 1852) schreitet gut voran, sodaß man hofft, ihn in zwei Jahren zu vollenden. Außer Breiniger Maurer und Steinmetzen sind auch Bauleute aus dem benachbarten Limburger Land (Kreis Eupen) beschäftigt, die der Bauunternehmer Jerusalem aus Eupen aus seiner Heimat mitgebracht hat. Auch einige Fuhrleute finden beim Heranschaffen von Baumaterialien lohnende Arbeit.
Vom 26.November bis 7.Dezember hielten Priester vom Orden der Gesellschaft Jesu in der Pfarrkirche Kornelimünster eine Volksmission. Sie wurde auch von Auswärtigen zahlreich besucht.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspektor a.D.




1855

Bevölkerung
1855mw
Population
Geburten49350 unehelich
Todesfälle2729
Trauungen20
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Am 16.Juni verstarb unser seit 1821 amtierender Bürgermeister Benedict Egidius Giesen im Alter von 70 Jahren, er war in Kornelimünster geboren. Kommissarischer Nachfolger wurde am 24.Oktober vom 1829 in Kornelimünster geborenen Sohn Ludwig Hubert Kaspar Giesen (über diesen siehe 1863). Während der Erkrankung des Verstorbenen und bis zum Dienstantritt des Nachfolgers hat Beigeordneter Ostlender die Verwaltung geführt, d.h. von März bis November.
Im Herbst fand die 2. Wahl der Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses statt.
Dies Jahr war für die Landwirtschaft mißlich. Erst Mitte Januar begann es zu frieren, die Kälte erreichte bis 18 Grad Reaumur [-22,5 °C]. Es folgte viel Schnee, der bis Ende Februar liegen blieb, und ein naßkaltes Frühjahr. Vor Mitte Mai konnte kein Vieh auf die Weide getrieben werden. Einem kalten Frühsommer folgte ein überwiegend nasser Spätsommer. Trotzdem gerieten Weizen und Hafer noch ziemlich gut, Roggen und Kartoffeln dagegen schlecht. Lebens- und Futtermittel waren knapp und teuer. Es kosteten 60 Pfund Kartoffeln bis 26 Silbergroschen und ein achtpfündiges Roggenbrot 9 bis 10 Silbergroschen.
Unvermögende Einwohner litten Not. Während der Heuernte trat infolge plötzlicher starker Regenfälle die Inde über die Ufer und setzte Pannacker und den tiefsten Teil von Kornelimünster unter Wasser.
In ein angespanntes Verhältnis kam die Gemeinde mit dem Besitzer der Abteigelände und der Münster Mühle wegen dessen Wasserbauten, denen die Störung des freien Ablaufs des Antoniuskanals und eines Kellerkanals zugeschrieben wird; Gutsbesitzer und Tuchfabrikant Gotthard Startz. In einen gegen ihn 1852 angestrengten Zivilprozeß hat das Landgericht noch nicht entschieden. In der Meinung, dazu als Eigentümerin berechtigt zu sein, hatte die Gemeinde im März in der Promenade, zwischen Abtei und Mühle stehende 40 Lindenbäume fällen lassen. Auf Startz Klage entschied das Gericht, daß ihm das Eigentum an der Allee zustehe.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1856

Bevölkerung
1856mw
Population
Geburten4329
Todesfälle2928
Trauungen13
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Der letzte Winter (1855/56) war im Gegensatz zum vorherigen mild. Jedoch schädigte noch Anfang Juli Nachtfrost insbesondere die Kartoffelsträucher. Im übrigen war die Witterung erträglich und ließ die Feldfrüchte besser gedeihen wie im Vorjahr, so daß auch die Teuerung schwand. Die Viehpreise blieben hoch.
Durch Gesetz vom 15.Mai wurden für die Rheinprovinz eine Städte- und eine Landgemeinde-Ordnung eingeführt. Von nun an haben Städte und Gemeinden nicht mehr die gleiche Verfassungsgrundlage. Die Gemeinde Ordnung ist mit wenigen Änderungen bis zu den politischen Änderungen nach dem ersten Weltkrieg (1918/19) geltend geblieben.
Die Grube Breinigerberg entwickelte sich gut. Die Förderung nimmt ständig zu, immer neue Schächte wurden abgeteuft. Obwohl mancher kleine Handwerker oder Landwirt dort Arbeit gefunden hat, muß der Arbeiterbedarf zunehmend von auswärts gedeckt werden.
Auch der Eisensteinbergbau ist im Auftrieb.
Dagegen ist seit dem 4.Mai die Münster Mühle stillgelegt worden, nachdem der sechsjährige Pachtvertrag des Alfons Anthoni aus Imgenbroich abgelaufen war. Die dort beschäftigt gewesenen Leute fanden nur zum Teil eine neue Arbeitsstelle, die anderen sind größtenteils der Verarmung preisgegeben und auf die Hilfe der Armenverwaltung und des Wohltätigkeitsvereins angewiesen.
Auch die in früheren Berichten erwähnten Mißhelligkeiten mit dem Gutsbesitzer und Tuchfabrikanten Gotthard Startz haben noch nicht beigelegt werden können, sehr zum Schaden der Gemeinde und Umgebung. Es besteht wenig Aussicht die Fabrik im Umfange von 1847/48 wieder in Gang zu bringen. Aus Startz eigenen Aufzeichnungen geht hervor, die Fabrik habe ihn 58000 Taler gekostet, das Betriebskapital hätte 100000 Taler betragen; vor der Stillegung 1848 haben wöchentlich über 400 Beschäftigte rund 1000 Taler Löhne ausgezahlt; außerdem jährlich 500 Taler an die Armen verteilt. Seiner tatsächlichen Freigebigkeit ist in dieser Chronik zum Jahre 1849 gedacht worden; sie ist infolge seiner mißlichen Verhältnisse dahin. Obwohl er nach wie vor behauptet, seine Veränderungen am Obergraben zwischen Abtei und Mühle habe nichts am Zulauf von der Inde hergegenüber der 1809 dem Fabrikanten Friedrich Kolb genehmigten Anlage geändert, hat er, wiederholt dazu angehalten, im vorigen Jahr die Konzession für die Mühle beantragt, sie war seit 1836 rückständig.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1857

Bevölkerung
1857mw
Population
Geburten50340 unehelich
Todesfälle3434
Trauungen24
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Wetter: Ab Mai war Trockenheit vorherrschend; der Wassermangel dauerte bis über das Jahresende. Wassertriebwerke kamen zum Stillstand, viele Arbeiter wurden arbeitslos und gerieten in Armut. Hafer ist schlecht geraten, die übrige Feldfrucht ziemlich gut. Am Jahresende kostete ein achtpfündiges Roggenbrot nur 4 Silbergroschen.
Um die Melioration zu fördern hat der Kreis einen Wiesenbaumeister angestellt.
Am Jahresende trat der Lehrer von Venwegen Mathias Wilhelm Klein nach 38 jährigem Dienst daselbst in den Ruhestand.
Unser König Friedrich Wilhelm IV ist so schwer erkrankt, daß er an der Wahrnehmung der Regierungsgeschäfte wahrscheinlich auf längere Zeit behindert sein wird. Seine Vertretung übernahm sein Bruder Prinz Wilhelm von Preußen.
Die neue Breiniger Pfarrkirche ist fertig. (siehe 1852). Die neue Kirche ist eine Zierde des Ortes und bietet Raum für ungefähr 800 Personen, so daß sie für lange Zeit ausreichen wird. Die Baukosten sind gemäß Gesetz von der Kirchen- und der Zivilgemeinde aufgebracht worden, sie betragen rund 15.000 Taler.
Zur inneren Ausstattung des Gotteshauses wurden zunächst die noch brauchbaren Einrichtungen der dem Abbruch verfallenen alten Kirche (aus 1741) benutzt, bis es der Kirchengemeinde möglich ist, sie zu ersetzen und zu ergänzen. Einzelne Bauteile der alten Kirche hat man an Einwohner gegen Spenden für die neue Ausstattung abgegeben.
In der Münster Mühle, Eigentum von Gotthard Startz, nahm ein neuer Pächter, van Gülpen, Schwager von Startz, den Betrieb auf, der ein Jahr lang stillgelegen hatte. Er beschäftigt mehr als 150 Leute. Schon 1852 hatte die Gemeinde den Startz wegen der vermeintlichen Störung des Antoniuskanals und eines Kellerkanals durch seine Wasserbauten verklagt. Eine gerichtliche Ortsbesichtigung hat zwar nicht die Unbegründetheit ihres Vorbringens ergeben, es wurde ihr aber die Gestellung von Zeugen und Sachverständigen aufgegeben, dem hat die Gemeinde noch nicht entsprochen. Inzwischen hatte die Gemeinde auch ein administratives Verfahren eingeleitet, weil für die von Startz 1836 ausgeführten baulichen und Betriebsveränderungen keine Konzession erteilt war. Diese ist ihm für ein Jahr probeweise erteilt worden. Startz hält diese zeitliche Beschränkung für untragbar, weil dadurch der dauernde Fortbestand der Fabrik gefährdet sei. Er hat sich auch darauf berufen, die Gemeinde habe die Aborte des 1830 erbauten Schule auf den Antoniuskanal gesetzt, der in Trockenzeiten die Exkremente nicht fortzuschwemmen vermöge. Die Erbitterung über diese Streitigkeiten führte schon mehrmals zu unverantwortlichen häßlichen Ausschreitungen gegen Startz und sein Eigentum.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1858

Bevölkerung
1858mw
Population
Geburten51410 unehelich
Todesfälle3238
Trauungen23
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Nachdem sich ergeben, daß die Erkrankung unseres Königs Friedrich Wilhelm IV unheilbar ist, hat sein bisheriger Vertreter Prinz Wilhelm von Preußen im Oktober die Regentschaft angetreten.
In diesem Jahr fanden Wahlen zum Preuß. Abgeordnetenhaus statt.
Die Gemeinde Zweifall ließ vor Mulartshütte eine feste Brücke über die Vicht erbauen. Damit ist eine jederzeit befahrbare Verbindung hergestellt und die Furt ersetzt. Bauunternehmer war Joh.W. Falter aus Raeren.
Die 1852 fertig gestellte Landstraße von Stolberg nach Zweifall hatte bisher vor Zweifall auf dem linken Vichtufer, in unserer Gemeinde geendet. Man hat nun damit begonnen, sie in den Ort Zweifall hinein zu verlängern und dazu eine feste Brücke über die Vicht zu erbauen. Bauunternehmer ist Joh. Math. Kloubert aus Venwegen.
Am Jahresbeginn trat der Breiniger Hilfslehrer Karl Hubert Alois Klein die Nachfolge seines in den Ruhestand versetzten Vaters an der Schule in Venwegen an. Sein Jahresgehalt ist auf 144 Taler festgesetzt, dazu hat er freie Wohnung mit Garten und Baumwiese. Klein trat 1897 in den Ruhestand
Nachfolger an der Schule in Breinig wurde der geprüfte Lehrer Franz Lapp. Er wurde dort auch Kirchenorganist und später Küster.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1859

Bevölkerung
1859mw
Population
Geburten35500 unehelich
Todesfälle2536
Trauungen13
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Große Aufregung verursachte die aus Anlaß des östereichisch-französischen Kriegs wegen Nord-Italiens angeordnete Mobilmachung der preußischen Armee und die Einberufung der Landwehr.
Preußen wurde glücklicherweise nicht in den Krieg hineingezogen, die Landwehrmänner kamen nach einiger Zeit zurück.
Bei der Bildung der Gemeinden Brand, Büsbach, Kornelimünster und Walheim zur Zeit der französischen Fremdherrschaft vor mehr als 60 Jahren hatte man diese gemeinsam mit der Tilgung der gemeinen Landesschulden des Münsterländchens belastet, sie zu diesem Zweck aber auch mit dem überkommenen Armenvermögen und mit den Gemeinden und gemeinen Landeswaldungen ausgestattet. Das Armenvermögen haben die Gemeinden in den zwanziger Jahren unter sich aufgeteilt. Wenig später sind auch die Schulden, hauptsächlich aus den Erlösen von Landverkäufen getilgt worden. Die Verwaltung der Ländereien für gemeinsame Rechnung verblieb jedoch beim Bürgermeister von Kornelimünster.
Daraus entstanden im Laufe der Zeit unliebsame Mißhelligkeiten. Darum war man 1842 übereingekommen, diese Ländereien aufzuteilen. Es folgten langwierige Verhandlungen untereinander und mit den Anliegern, Vermessungen und das Setzen von Grenzsteinen. Nachdem man sich dahin geeinigt hatte, die Zahl der Feuerstellen in jeder Gemeinde als Grundlage für die Anteile zu nehmen, wurde die Teilung in einem umfangreichen Vertrag niedergelegt.
Grundsätzlich sollte jede Gemeinde das erhalten, was in ihren Grenzen liegt. Die ungleiche Verteilung der Ländereien in den Gemeinden machte einen Ausgleich nötig, sodaß man über die Gemeindegrenzen teilweise hinausgreifen mußte. Brand erhielt zusätzlich Heiden und Wald innerhalb der Gemeinde Büsbach, nämlich den Kohlberg (späterer Wohnplatz Kohlbusch) und den Münsterbusch (späterer gleichbenannte Wohnplatz), Büsbach, an sich waldarm, den an seine Lohhecken Johannisheck und Quarksheck anstoßenden Teil des Münsterwaldes bis südlich von Rochenhaus in unserer Gemeinde; Kornelimünster die Hälfte seines Waldanteils innerhalb der Gemeinde Walheim dazu die Ritscheider Heide bei Oberforstbach, ungefähr 80 Morgen groß; Walheim wurde innerhalb seiner Grenzen befriedigt, (siehe Anmerkung) mit diesen Auseinandersetzungen waren die letzten Bindungen an eine tausendjährige Gemeinschaft gelöst, wenn man davon absieht, daß Oberforstbach, Eich, Schleckheim, Nütheim, Steinebrück, Comerich, Krauthausen nach wie vor zur katholischen Kirchengemeinde Kornelimünster, die drei letzten Orte auch zum Schulbezirk Kornelimünster gehören.
Die immer noch nicht beigelegten Streitigkeiten um die Münster Mühle führten dazu daß im Juni von Unbekannten 20 Lindenbäume in der Allee zwischen Mühle und Abtei nächtlicherweile abgesägt worden sind und versucht wurde, das Wappen aus der anstoßenden Mauer herauszubrechen. Startz hat ohne Erfolg eine Belohnung von 50 Taler für die Ermittlung der Täter ausgesetzt.
In diesem Jahr wurde beim Lufterhof auf Brauneisenstein mit Erfolg geschürft. Der Eisensteinbergbau hat auch andernorts eine gute Ausbeute gehabt.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.

Anmerkung:
"Gemeinden" sind die Grundstücke, die schon in der abteilichen Zeit keinen eigentlichen Eigentümer hatten und auch damals so benannt waren, also die Allmenden. Den Namen führen sie noch heute im Volksmund. "Gemeine Landeswaldungen" unterlagen nicht der Verfügungsgewalt des Abtes oder des abteilichen Konvents; sie dienten dem allgemeinen Landesbedürfnis. Die eigentlichen abteilichen Waldungen waren von ihnen ausgeschieden worden (siehe Vergleich zwischen Abt und Untertanen von 1751).




1860

Bevölkerung
1860mw
Population
Geburten40500 unehelich
Todesfälle2832
Trauungen25
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Der an der Breiniger Schule tätige 2. Lehrer Lapp mußte aus dem Dienst ausscheiden. Wegen unmoralischen Betragens wurde er mit zwei Jahren Zuchthaus bestraft.

Zum Beigeordneten (Stellvertreter des Bürgermeisters) wurde vorgeschlagen Tillmann Kaldenbach aus Breinig. Der Vorschlag fand die obligatorische Bestätigung. Kaldenbach hat dieses Amt ohne Unterbrechung 48 Jahre lang innegehabt und ist, 91 Jahre alt, 1911 in Breinig gestorben; er war dort 1819 geboren
Die Schürfung auf Eisenstein beim Lufterhof (siehe 1859) wurde wieder aufgegeben.
Im übrigen aber hat die Schürfung im Felde Cornelia beachtliche Erfolge gehabt.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1861

Bevölkerung
1861mw
Population
Geburten42410 unehelich
Todesfälle3436
Trauungen21
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Am 2.Januar verstarb unser König Friedrich Wilhelm IV. Auf den Thron folgte der bisherige Prinzregent als Wilhelm I.
Im Herbst werden die Mitglieder des Abgeordnetenhauses neugewählt.
Der an der Breiniger Schule seit 1846 tätige Lehrer Karl Schmitz mußte den Dienst wegen Geisteskrankheit aufgeben und wurde in einer Heilanstalt untergebracht.
Am 1.Juni übernahm der 1839 in Hahn geborene und im Lehrerseminar in Kempen vorgebildete Ignaz herbert Löhr als "erster Lehrer" die Oberklasse. Er ist 1893 zum Hauptlehrer ernannt, Schulleiter in Breinig geblieben, bis er am 1.Oktober 1912 in den Ruhestand trat, 1918 ist er daselbst gestorben.
Nachdem die Gemeinden (s. 1859) ihre eigenen Wälder haben, ließ die Gemeinde Büsbach für ihren Gemeindeförster in der Nähe von Rochenhaus das Forstgehöft Rochenläger erbauen.
Durch Gesetz vom 21.Mai wurden die Steuern für Gebäude und Grundbesitz..chs neu geregelt. (Beide Steuern sind erst 60 Jahre später geändert worden)
In dem Streit um die Münster Mühle hat das Landgericht den Hauptpunkt der Klage der Gemeinde zurückgewiesen, für Nebenpunkte aber das Gutachten von Sachverständigen verlangt. Auch das Verwaltungsverfahren wegen der Mühlenkonzession ist noch nicht abgeschlossen. Gotthard Startz hat sich beschwerdeführend an den Minister für Handel und Gewerbe gewandt und darauf hingewiesen, daß nach seiner neuerlichen Untersuchung der Antoniuskanal bereits auf dem Markt, von dem Gemeinde und Schulhaus, im Wasserablauf gestört werde und der Kellerkanal tiefer liege wie sein Obergraben, beide also durch diesen nicht gestört würden.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1862

Bevölkerung
1862mw
Population
Geburten42380 unehelich
Todesfälle3447
Trauungen22
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Nachdem der König das Abgeordnetenhaus aufgelöst hat, fand im Mai eine Neuwahl statt.
Als neuer 2. Lehrer an der Breiniger Schule wurde Mathias Kremer aus Aachen berufen.
Am 10.Januar hat ein Hochwasser die erst vor vier Jahren erbaute Brücke vor Mulartshütte über die Vicht eingerissen.( sie wurde erst 1874 neu gebaut)
Der Eisensteinbergbau hat sich gut entwickelt, besonders im Feld Cornelia. Großartig sind die Anlagen der Blei und Zinkgrube Breinigerberg. Über ein Dutzend Schächte hat man abgeteuft und in immer größere Tiefen vorgetrieben. Damit aber stiegen die Schwierigkeiten der Wasserhaltung, sodaß wiederholt leistungsfähigere Dampfmaschinen und Pumpen haben angeschafft werden müssen.
Der schon beinahe 10 Jahre die Gerichte und Verwaltungsgerichte beschäftigende Streit um die Münster Mühle ist immer noch nicht beendet. Die Gemeinde hat gegen den vorjährigen Entscheid des Landgerichts Aachen nach Köln appeliert, ein Urteil ist noch nicht gefällt.
Am 9.Februar verstarb in Kornelimünster der prakt. Arzt August Froelenstedt. Er war Mitglied des Gemeinderats und auch Stellvertreter des Bürgermeisters gewesen. 1798 in Gerbstedt in Sachsen geboren, hatte er sich 1832 in Kornelimünster niedergelassen. Auf dem evangelischen Friedhof in Zweifall wurde er beerdigt.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1863

Bevölkerung
1863mw
Population
Geburten39600 unehelich
Todesfälle3125
Trauungen25
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Im Herbst legte Bürgermeister Ludwig Giesen das seit 1855 innegehabte Amt nieder.
Nachfolger wurde am 25.November Eugen Macquet aus Burg Reuland.
Giesen ist erst 1915 in Kornelimünster gestorben; er hatte nach seinem Abgange noch mehrere Ehrenämter versehen: Mitglied des Gemeinderats, Beigeordneter, Kreistagsmitglied, Schiedsmann und war Lebensmittelkleinhändler und Sparkassenrendant. Gewohnt hat er in seinem Haus "Im Stern".
In Verfolg des Gesetzes von 1861 betr. die Grund- und Gebäudesteuer hat man wegen der Anfertigung einen verbesserten Steuerkataster mit der Neuaufnahme der Gebäude und Grundstücke begonnen.
Anstelle des 1862 verstorbenen August Froelenstedt ließ sich Dr. med. Adam Bayer als Arzt in Kornelimünster nieder.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1864

Bevölkerung
1864mw
Population3026
Geburten4165
Todesfälle4033
Trauungen23
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Der große Zuwachs an Einwohnern in den letzten 15 Jahren (1849:2462, 1861:2871) um beinahe 600 Seelen ist in der Hauptsache auf den Zuzug von Arbeitern der Grube Breinigerberg und des Eisensteinbergbaues zurückzuführen. Beide haben einen gewaltigen Aufschwung genommen. Besonders die Grube kann ihren Arbeiterbedarf schon längst nicht mehr aus der Umgebung decken, obwohl viele Kleinbauern und Handwerker zum Bergmannsberuf übergewechselt sind. Man ließ fremde Bergleute kommen, aus dem Limburgischen (Kreis Eupen), vom Rhein, vom Westerwald, vom Hunsrück und von Thüringen, die zum Teil ihre Familien nachzogen. Das Grubenunternehmen sah sich dadurch veranlaßt, neben eigentlichen Wrksgebäuden (Schachtgebäude, Maschinenhäuser, Werkstätten, Schreibstuben usw.) auch einige Wohnhäuser in der Nähe der Grube zu errichten, sodaß dort ein neuer Wohnplatz im Entstehen ist.
Sowohl die Grube wie der Eisensteinbergbau beschäftigt mehrere hundert Leute. Die Ausbeute an Brauneisenstein mit hohem Mineralgehalt (Phosphorit) betrug in diesem Jahr 655.000 Tonnen.
Vom deutsch-dänischen Krieg hat man hier nichts gemerkt; Landwehrmänner waren nicht einberufen worden.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1865

Bevölkerung
1865mw
Population
Geburten4654
Todesfälle3745
Trauungen23
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Der Winter von 1864 auf 1865 war sehr hartnäckig und hat große Kälte und viel Schnee & Eis mit sich geführt. Das Frühjahr war durchweg sehr trocken. Der Sommer war sehr heiß und trocken. Während 3 Monaten hat es keinen Tropfen geregnet; demnächst waren während der Monate Juli und August fast täglich sehr heftige, mit vielem Regen und starkem Hagel begleitete Gewitter, die mitunter vielen Schaden in den Feldfrüchten verursacht haben. Sehr häufig hat der Blitz eingeschlagen, ohne vielen Schaden zu verursachen.
In diesem Jahre wurde das zweite Schulgebäude auf'm Essig in Breinig erbaut. Die Kosten dafür inclus. Utensilien betragen......... und wurden von der ganzen Gemeinde getragen.
Der Gesundheitszustand der Menschen und des Viehes war im allgemeinen gut, ausser, das im Frühjahre in einigen Ortschaften sich das Nervenfieber eingestellt hat, woran jedoch nur wenige, aber starke Personen gestorben sind.
Die Winterfrucht ist mittelmäßig gerathen und hat ganz besonders wenig Stroh produzirt. Die Sommerfrüchte sind sehr gut gediehen und die Kartoffeln ganz besonders reichlich produzirt.
Das Obst hat im Allgemeinen einen sehr geringen Ertrag geliefert.
Aus dem Bergwerke zu Breinigerberg haben zwei Verunglückungen durch Einstürze stattgefunden, die den Tod zur Folge hatten.

Cornelimünster, den 10 ten Juli 1866; der Bürgermeister und der Gemeinderath Macquet


Im Mai fand wie in anderen großen Städten auch in Aachen eine Erinnerungsfeier aus Anlaß der 50 jährigen Vereinigung des Rheinlandes mit Preußen statt. Beim überwiegenden Teil der Bevölkerung fand sie keinen Widerhall, weil man mit der allgemeinen politischen Entwicklung in Preußen unzufrieden ist, insbesondere den geringen Einfluß des Abgeordnetenhauses auf die Regierungsgeschäfte für unzulänglich hält.
Die zunehmende Schülerzahl in Breinig machte die Vermehrung des Schulraums unabweisbar. Ein neues Schulhaus auf dem Essig mit einem geräumigen Saal im Erdgeschoß und einer fünfräumigen Lehrerwohnung darüber gab die Möglichkeit, die notwendige dritte Schulklasse einzurichten. Es sind nun vorhanden je eine Knaben- und Mädchen Oberklasse und eine gemischte Unterklasse. Es unterrichten in den Oberklassen Lehrer Löhr und Lehrerin Millis aus Aachen (diese übrigens die erste weibliche Schulperson in Breinig), in der Unterklasse Lehrer Kremer. (siehe auch 1869)
Im Gesetz vom 11.September ist die Pflicht der Gemeinden ausgesprochen, ihren besoldeten und auf Lebenszeit angestellten Forstbeamten ein Ruhegehalt zu gewähren, wenn sie dienstunfähig werden.
Unterm 24.Juni wurde das Allgemeine Berggesetz erlassen; es trat am 1.Oktober in Kraft. Das Gesetz hat für unsere Gemeinde mit ihrem großen Bergbau Bedeutung und löst inbesondere das französische Bergwerksgesetz vom 27.April 1810 ab.
Die Grube Breinigerberg ist noch immer im Aufschwung und Ausbau begriffen. Es sind an die zwanzig Schächte in Betrieb, die überwiegend der Förderung, zum Teil der Ein- und Ausfahrt dienen, während der Maria-Schacht noch immer vorwiegend die Aufgabe der Wasserförderung hat, die bei dem großen Wasserzulauf eine überragende Rolle spielt. Den größten Anteil an der Grube hat die Eschweiler Gesellschaft für Bergbau und Hütten, den Rest die Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb zu Stolberg und in Westfalen in Besitz. Gefördert wird aus Tiefen bis über 50 Lachter; allmählich geht man noch tiefer, wo ertragreichere Erzlagen erwartet werden. Für unsere Gemeinde und ihre Umgebung ist die Grube eine Quelle des Wohlstands geworden. Der Zuzug fremder Bergleute hält an.
Die Belegschaft der Grube zählt
a) im Grubenbetrieb 1 Obersteiger, 1 Maschinensteiger, 3 Steiger, 6 Oberhauer, 4 Zimmerhauer, 160 Hauer, 42 Maschinisten, Heizer und Pumpenknechte, 72 Schlepper, dazu 9 Mann in der Maschinenwerkstätte, 7 in der Schmiede, 3 Maurer im Tagebau, 3 Schreiner und 12 Tagelöhner;
b) in der Aufbereitung: 2 Waschsteiger, 115 Wäscher und 18 Klauberinnen;
zusammen also 458 Personen, nicht eingerechnet Schreiber, Zeichner und andere.

Breinig, am 30.November 1960, Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.


Auszug aus der Gesetz-Sammlung für die königlichen Preußischen Staaten 1865, S. 275 Nr. 6067:
Allerhöchster Erlaß vom 3.April 1865, betreffend die Verleihung der fiskalischen Vorrechte für den Bau und die Unterhaltung einer Gemeinde.Chaussee von Münsterbusch über Büsbach, Dorf und Breinigerheide nach Cornelimünster im Regierungsbezirk Aachen.
Nachdem Ich durch Meinen Erlaß vom heutigen Tage den Bau einer Gemeinde-Chaussee von Münsterbusch an der von Aachen nach Stolberg führenden sogenannten Cockerillstraße über Büsbach, Dorf und Breinigerheide nach Cornelimünster im Regierungsbezirk Aachen genehmigt habe, verleihe ich hierdurch den Gemeinden Büsbach und Cornelimünster das Expropriationsrecht für die zu dieser Chaussee erforderlichen Grundstücke, imgleichen das Recht zur Entnahme der Chausseebau- und Unterhaltungsmaterialien, nach Maßgabe der für die Staats-Chausseen bestehenden Vorschriften, in Bezug auf diese Straße. Zugleich will Ich den genannten Gemeinden gegen Uebernahme der künftigen chausseemäßigen Unterhaltung der Straße das Recht zur Erhebung des Chausseegeldes nach den Bestimmungen des für die Staats-Chausseen jedesmal geltenden Chausseegeld-Tarifs, einschließlich der in demselben enthaltenen Bestimmungen über die Befreiungen, sowie der sonstigen die Erhebung betreffenden zusätzlichen Vorschriften, wie diese Bestimmungen auf den Staats-Chausseen von Ihnen angewandt werden, hierdurch verleihen. Auch sollen die dem Chausseegeld-Tarife vom 29.Februar 1840 angehängten Bestimmungen wegen der Chausseepolizei-Vergehen auf die gedachte Straße zur Anwendung kommen.
Der gegenwärtige Erlaß ist durch die Gesetz-Sammlung zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Berlin, den 3.April 1865.
W i l h e l m.
v.Bodelschwingh Gr. v. Itzenplitz.
An den Finanzminister und den Minister für Handel, und öffentliche Arbeiten.

Richtigkeit der Abschrift: Kornelimünster, den 10.Juni 1959, Havers Angestellte




1866

Bevölkerung
1866mw
Population
Geburten5757
Todesfälle4945
Trauungen26
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Am 12.Oktober schied unser seit drei Jahren amtierender Bürgermeister Macquet aus dem Gemeindedienst. Mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte des Bürgermeisters wurde der Bürgermeister von Forst und Eilendorf, Lohausen, beauftragt.
Das Ereignis des Jahres war der Krieg gegen Österreich, für den die katholischen Rheinlande wenig Begeisterung aufzubringen vermochten, sahen sie doch im Kaiserstaat mit seiner überwiegend katholischen Bevölkerung noch immer den Vorort des ersehnten Deutschen Reiches.
Am 5.Mai wurde das rheinische Armeekorps mobilisiert und dann auch die Landwehr einberufen. Weil von der Mehrheit des Abgeordnetenhauses die Bewilligung einer Kriegsanleihe nicht zu erwarten war, löste es der König am 9.Mai auf; Neuwahlen fanden noch während des Feldzugs statt.
Aus dem Krieg kehrten unsere Landwehrmänner ohne Verluste heim. Der Ausschluß Österreich aus dem Deutschen Bund war nicht geeignet die Anhänglichkeit an Preußen zu fördern.
Zur Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten kamen die Gemeinden Büsbach und Kornelimünster, nachdem dazu Staatszuschüsse (Prämien) bewilligt worden waren, überein, die Orte Kornelimünster, Breinigerheide, Dorff, Büsbach und Münsterbusch durch eine neue Straße zu verbinden.
Mit dem Bau wurde auf beiden Seiten begonnen.(siehe 1868)

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1867

Bevölkerung
1867mw
Population
Geburten5957
Todesfälle2244
Trauungen20
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Die seit dem vorigen Herbst verwaiste Bürgermeisterstelle wurde dem Regierungs-Zivilsupernumerar Josef Krekels, geboren 1840 in Heinsberg, übertragen. Er trat sie am 20.Mai an. Er verwaltet gleichzeitig die Gemeinde Brand mit, Amtssitz ist jedoch Kornelimünster.
21 norddeutsche Staaten schlossen sich zum Norddeutschen Bund zusammen, darunter auch Preußen.
Am 12.Februar fanden Wahlen zum verfassungsgebenden Reichstag statt.
Die Bundesverfassung trat am 1.Juli in Kraft. Auf Grund derselben wurde der norddeutsche Reichstag am 31.August gewählt, wobei allgemeines und gleiches Wahlrecht galt.
Im November wurden auch die Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses neu gewählt, jedoch wie früher nach dem Klassensystem.
Am 1.Juli ist Josef Pauls, der 1835 die erste Apotheke in Kornelimünster gegründet hat, ein Alter von 61 Jahren verstorben; er war in Höfen im Kreise Monschau geboren. Für Rechnung seiner Witwe wird die Apotheke von seinen 1840 in Kornelimünster geborene Sohn Emil Pauls verwaltet.(siehe auch 1869)
Die Ernte war bei Kartoffeln schlecht, beim Getreide nur mittelmäßig. Infolge dessen stiegen die Lebensmittelpreise.
Viele Fabriken gehen schlecht und mancher Arbeiter ist ohne Beschäftigung.
Dagegen floriert der Bergbau auf Eisen, Zink und Blei.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1868

Bevölkerung
1868mw
Population
Geburten5242
Todesfälle3544
Trauungen16
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Die neue Straße von Kornelimünster nach Münsterbusch (siehe 1866) wurde fertig. Außerhalb der Orte hat man an ihren Rand Bäume gepflanzt. Die vom Staat bewilligten Zuschüsse zu den Baukosten (Prämien) gaben Anlaß, sie Prämienstraße zu benennen.
Zur Deckung eines Teils der Unterhaltungskosten erlangte die Gemeinde Büsbach das Recht, für eine Meile ihres Anteils Chausseegeld von den die Straße benutzenden Fuhrwerken zu erheben. Sie richtete dazu in Büsbach und Dorff Hebestellen ein, die sie in der Regel gegen Meistgebot an Wirte verpachtete.
An dem Pachtertrag war unsere Gemeinde beteiligt. Die Chausseegelderhebung hat bis zum Jahre 1920 fortbestanden.
Ebenso lange wurde die Straße durch einen von dieser beauftragten Straßenbaubeamten beaufsichtigt.
Am 26.September brannten an der Aachen-Trierer Landstraße in Kornelimünster zwei Häuser ab, in deren einem sich eine Bäckerei befand. Bei diesem Brand kam der 23 Jahre alte Verwaltungssekretär Carl Heinrich Bonsels ums Leben. Zum Gedenken hieran wurde in die Front des daselbst neuerbauten Hauses über dem Kellersockel ein Stein mit folgender Inschrift eingesetzt:"Zum Andenken an dem schrecklichen Brand vom 26.September 1868". Dieses Haus hat jetzt die Bezeichnung Aachener Straße Nr. 11. Im letzten Kriegswinter 1944/45 ist der Stein stark beschädigt worden, das auf ihm stehende gußeiserne Kreuz aber wurde zerstört. Jahre nachher hat man das Kreuz durch ein schöneres ersetzt.
In der Nacht zum 7.November hat ein gewaltiger Sturm große Schäden an Häusern und Bäumen angerichtet.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1869

Bevölkerung
1869mw
Population
Geburten5960
Todesfälle6051
Trauungen30
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


In Breinig war wiederum die Vergrößerung des Schulhauses nötig. Darum ließ die Gemeinde dem 1865 auf dem Essig errichteten Schulhaus an dessen Westseite einem diesen angepaßten Neubau hinzufügen. Er hat im Erdgeschoß einen geräumigen Saal und darüber eine Lehrerwohnung von vier Räumen, ferner eine Dachkammer. Jetzt können alle drei Klassen räumlich getrennt und zu gleicher Zeit unterrichtet werden. Dieses Schulhaus ist das schönste und größte der Gemeinde.
Ebenfalls in Breinig wurde ein Männer-Gesangverein gegründet.
Die Breiniger neue Pfarrkirche (siehe 1857) wurde vom Kölner Erzbischof Melchers konsekriert.
Bei ihrem Gut Rochenhaus haben die Geschwister Pesser ein großes Haus und eine Kapelle errichten lassen in dem Gedanken, darin ein von Ordensschwestern zu leitendes Altersheim einzurichten. Jahrelange Verhandlungen mit dem Kölner Erzbischof führten nicht zu dem gewünschten Erfolg; er versagte wegen gewisser Vorbehalte der Pesser die kirchliche Genehmigung. Das Haus wurde darum Wohnzwecken zugeführt, um einen Pächter unterbringen zu können, dem ein Teil der Gutsländereien zur Bewirtschaftung überlassen wurde.
Unterm 21.Juni wurde eine Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bumd erlassen, sie ersetzt auch die preußische von 1845. In ihren Grundzügen gilt sie heute noch.
Inhaber der Apotheke in Kornelimünster wurde deren hiesiger Verwalter (siehe 1867) Emil Pauls, der Sohn ihres Gründers. E.Pauls hat später mehrere Ehrenämter bekleidet. Mitglied des Gemeinderats, Beigeordneter, Schiedsmann, Ortsschulinspektor, trat aber besonders als Geschichtsforscher hervor, dem auch unsere Heimat manchen Bericht über ihre Vergangenheit verdankt. 1884 ist er nach Verpachtung der Apotheke nach Bedburg, 1893 nach Düsseldorf verzogen und dort am 3.August 1911 verstorben. Als 1922 in Aachen ein Teil seines Nachlasses versteigert wurde, hat unsere Gemeinde daraus eine Anzahl Archivalien erworben.
Im Eisensteinbergbau finden ungefähr 200 Leute Verdienst. Das Hanfwerk wird in Rüsttal gewaschen. Pächter der Konzession Cornelia ist noch immer der Eschweiler Bergwerksverein.
Auch die Grube Breinigerberg hat ihre Betriebsanlagen weiter ausgedehnt.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1870

Bevölkerung
1870mw
Population
Geburten6166
Todesfälle5952
Trauungen27
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Im November fand die Neuwahl der Abgeordneten zur 2. Kammer(Abgeordnetenhaus) statt.
Als im Juli der deutsch-französische Krieg ausbrach, wurden auch die Landwehrmänner einberufen. Wochenlang marschierten deutsche Truppen durch unsere Gemeinde gen Frankreich, oft nahmen sie hier auch Quartiere. Fuhrleute, die Verpflegung und anderes nachführten, kamen erst nach Wochen zurück, einige waren bis nach Frankreich gelangt. Die Soldaten erfuhren allerlei Liebesdienst von Seiten der Bevölkerung. Selbst in den Schulen sorgte man für sie, indem aus Leimresten die Fäden aufgezupft wurden, um Charpie (Zupfleinwand) für die Wundbehandlung zu gewinnen.
Um die Familien der Einberufenen zu unterstützen, hatten die Gemeinden Beiträge an den Kreis abzuführen. Der gute Fortgang der Kriegshandlungen ließ nach und nach eine Begeisterung aufkommen. Bis zum Jahresende war nur der 23 Jahre alte Wilhelm Münch aus Breinig als gefallen gemeldet, +18.Oktober 1870.
Am 11.Februar verstarb in Breinig der dortige Pfarrer Peter Ostlender im Alter von 66 Jahren. Er war in Büsbach geboren 1832 in Breinig, Vikar und 1840 Pfarrer geworden. Als Nachfolger im Pfarramt wurde Carl Magon eingeführt.
Zur Pflege des kirchlichen Gesangs wurde in Venwegen ein Kirchenchor gegründet.
Ebendort wurde die noch immer einklassige um 1819 eingerichtete Schule als nicht mehr geeignet befunden. Die Gemeinde errichtete darum auf der nebenan liegenden, zur Lehrerdienstwohnung gehörenden Baumwiese ein schönes neues Schulhaus mit einem geräumigen Saal im Erdgeschoß und einer fünfräumigen Lehrerwohnung im Obergeschoß. Das Haus liegt soweit vor der Straße zurück, daß vor ihm ein Spielplatz verblieb, auf den Linden gepflanzt wurden.
Das alte Schulhaus ist ganz für Wohnzwecke eingerichtet worden und vermietet. (30 Jahre danach hat man darin eine zweite Schulklasse untergebracht.)
Ein Bundesgesetz vom 4.Juni regelt den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit und legt fest, daß der Angehörige eines Bundesstaates in allen Bundesländern als Deutscher gilt.(Das Gesetz ist erst 1913 neu gefaßt worden)
Ein Bundesgesetz vom 6.Juni über den Unterstützungswohnsitz regelt die Pflicht zur Unterstützung Hilfsbedürftiger und die Kostentragung hierfür. Die Gemeinden sind als Ortsarmenverbände zur ersten Hilfsleistung verpflichtet. Für genannte Landarme (solche, die in einer Gemeinde keinen Unterstützungswohnsitz haben) hat der Landarmenverband endgültig aufzukommen. Landarmenverbände sind in der Rheinprovinz die Regierungsbezirke (geändert 1872. Das Gesetz galt bis 1908)
Am 31.Januar kam der ledige 27 jährige Kaufmann Josef Maria Leonhard Gotthard Startz aus Kornelimünster bei dem Versuch, einen in der Spinnerei von J.A.Bischof in der Münster Mühle verunglückten Arbeiter zu retten, ums Leben.
Ihm folgte im Tode noch am 9.Februar sein Vater Heinrich Leonard Nikolas Gotthard Startz, 78 Jahre alt, geboren in Aachen.
Über ihn ist in der Chronik (1820 und später) oft berichtet. Die Münster Mühle, einst Eigentum von Startz, und dessen Tuchfabrik ist vor einigen Jahren in den Besitz von J.A.Bischof aus Aachen übergegangen. (Über den Ausgang der in früheren Jahren erwähnten Streitigkeiten mit G.Startz habe ich nichts zu ermitteln vermocht.)
Der Krieg war verhängnisvoll für die Grube Breinigerberg. Bei seinem Ausbruch hatte sie eine Belegschaft von 475 Personen. Alsbald mußten davon 1 Steiger und 63 Mann zu den Fahnen eilen. Dadurch wurde die hier überaus wichtige Wasserhaltung besonders schwer getroffen. Es kam zu unvermeidbaren Störungen derselben die den Abbau gefährden mußten. Darum legte man am 13.Oktober einen Teil der Grube still und entließ die dadurch freigewordenen Meister. Man hofft jedoch, den Grubenbetrieb nach dem Kriege wieder voll aufnehmen zu können.
Die Bergbau-Unternehmer zahlen an die Familien der Einberufenen freiwillig Unterstützungsgelder, diese dürfen auf die vom Kreis festzusetzenden Unterstützungen nicht angerechnet werden.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1871

Bevölkerung
1871mw
Population2800
Geburten4950
Todesfälle3827
Trauungen13
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Der Krieg gegen Frankreich ging vor dem Frühjahr zu Ende. Die nach und nach heimkehrenden Soldaten wurden jubelnd begrüßt und gefeiert. Allüberall herrschte Hochstimmung ob des siegreichen Ausgangs des Feldzuges und der durch die Proklamation unsers Königs Wilhelm zum deutschen Kaiser gekrönten Einheit des neuen Deutschen Reichs. Die neue Reichsverfassung vom 16.April entspricht inhaltlich weitgehend der Bundesverfassung von 1867.
Es fand eine Reichstagswahl statt. Leider hat der Krieg auch in diesem Jahr ein Opfer aus unserer Gemeinde gefordert: Johann Jakob Gier aus Kornelimünster, 35 Jahre alt, gestorben infolge Verwundung am 7.Februar 1871.
Am 9.Mai verließ uns der Bürgermeister Krekels, seit 1867 hier, die Gemeinde, um im neuen Reichsland Elsaß-Lothringen die Stelle eines Steuerempfängers zu übernehmen.
Er hat zunächst in Straßburg gewohnt und ist 1913 in Saarbrücken verstorben. Nachfolger wurde am 18.Juli der Regierungs-Zivilsupernumerar Josef Hochstenbach. Auch er verwaltet die Gemeinde Brand mit. (weiteres siehe 1884)
Am 15.Mai wurde ein Reichsstrafgesetzbuch erlassen. Ein gleichzeitiges Einführungsgesetz bestimmt, daß der Bundesstaaten eine Strafgesetzgebungen noch auf gewissen Gebieten zusteht, z.B. im Feld- und Forstrecht.
Die Grube Breinigerberg ist auch nach dem Kriege nur beschränkt in Betrieb. Man befürchtet, daß sie gänzlich stillgelegt wird.
Heinrich Hoesch vom Junkershammer, Inhaber der Gerechtsame auf Eisensteingewinnung im größten Teil der Gemeinde, hat den Pachtvertrag mit dem Eschweiler Bergwerksverein betreffend das Grubenfeld Cornelia (siehe 1853) gelöst und tritt wieder selbst als Unternehmer auf.
Am 1.Dezember war eine allgemeine Volkszählung. Sie hatte folgen des Ergebnis:

OrtEinwohnerHäuser
Cornelimünster1086166
Breinig932174
Breinigerheide20435
Schützheide499
Breinigerberg14322
Venwegen38686
Gemeinde2800492



Bis auf 1 Evangelischen und 43 Juden in Kornelimünster sind alle Einwohner katholisch.
Bei den Bewohnern von Breinigerberg sind die Bewohner von drei Häusern im Vichttal zwischen Zweifall und Vicht, in der sogenannten Münster Au, also (1 am Frackersberg, 1 Wirtshaus an der Brücke vor Zweifall und 1 Wohnhaus beim Sägewerk gegenüberdem Weiler Jägersfahrt) und von einem Haus unterhalb von Vicht (das Wirtshaus, Hirschburg) mitgezählt.
Die Verringerung der Einwohnerzahl gegenüber 1864 um über 200 ist hauptsächlich auf die Einschränkung des Betriebs der Grube Breinigerberg zurückzuführen.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1872

Bevölkerung
1872mw
Population
Geburten5650
Todesfälle4033
Trauungen22
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Am 1.Januar trat die Maß und Gewichtsordnung vom 17.August 1868 in Kraft.
Durch sie ist die herkömmliche Vielfalt an Längen-, Flächen-, Körpermaßen und Gewichten abgeschafft und das Maß- und Gewichts-System reichseinheitlich geordnet. Er beruht auf dem metrischen System mit dezimaler Untertheilung. Nur für den rein privaten Gebrauch ist die Verwendung herkömmlicher Maße und Gewichte zugelassen.
Und noch heute, 90 Jahre danach, nicht ganz aufgegeben, z.B. 1 Linie oder Strich = 1/12 Zoll, 1 Zoll = 1/12 Fuß, 1 Fuß = 1/12 Rute, 180 Quadratruten = 1 Morgen.
Seit dem gleichen Tage bilden die fünf rheinischen Regierungsbezirke- (siehe 1870) den Landarmenverband der Rheinprovinz.
Da seit 10 Jahren an der Schule in Breinig tätige Lehrer Mathias Kremer ist nach Aachen versetzt worden.
Die Breiniger Pfarrkirche erhielt neue Glocken, gegossen aus der Bronze eroberter französischer Geschütze, wegen deren Stiftung man die Vermittlung unserer Kaiserin Augusta nachgesucht hatte.
Der Gemeinde wurden ihre Aufwendungen für die Unterstützung der Familien der zum Kriegsdienst Einberufenen (siehe 1870) aus der von Frankreich gezahlten Kriegsentschädigung zum Teil ersetzt.
In Kornelimünster und Breinig bildeten sich aus ehemaligen Soldaten, besonders Teilnehmer an den letzten Kriegen, Kriegervereine.
Die Hoffnung, die Grube Breinigerberg werde den im Herbst 1870 eingeschränkten Untertagebetrieb wieder voll in Gang setzen, wurde nicht erfüllt. Es wurde weiter vermindert und soll ganz aufgegeben werden. Das wäre bedauerlich und ein Rückschlag für die ganze Gegend. Die Aufbereitung (Erzwäsche) wird noch betrieben.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1873

Bevölkerung
1873mw
Population
Geburten4753
Todesfälle4034
Trauungen31
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


In ein angespanntes und beunruhigendes Verhältnis kamen Staat und Kirche.
Im vorigen Jahr wurde durch Gesetz vom 11.März das ausschließliche Recht des Staats auf die örtliche Schulaufsicht und die Besetzung der Stellen der Kreisschulinspektoren festgelegt. Die Ortsschulaufsicht hatte bis dahin unangefochten in der Hand der Pfarrer gelegen. In diesem Jahr erhielt der Oberpräsident das Recht gegen die Übertragung eines geistlichen Amts Einspruch zu erheben, von der er vorher zu unterrichten ist. Die kathol. Kirche lehnt diese Anzeigepflicht ab.
Für das ganze Reich wurde eine einheitliche Geldwährung eingeführt, die Mark zu 100 Pfennigen. Sie ersetzt die unterschiedlichen Geldsorten auch den althergebrachten und beliebten Taler zu 25 bzw. 30 Silbergroschen zu 12 bzw 10 Pfennigen, läßt ihn jedoch als Wert von 3 Mark bestehen.
Am 6.Juni ging über unsere Gegend ein schwerer Wolkenbruch nieder, der große Schäden an Feldern, Wegen und Brücken hinterließ. Leichte Brücken sind gar fortgerissen worden.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1874

Bevölkerung
1874mw
Population
Geburten5957
Todesfälle2739
Trauungen27
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Ein Gesetz vom 9.März über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung hat für uns und überhaupt das linksrheinische Gebiet keine rechtserhebliche Bedeutung, weil beides schon vor 1800 von den Franzosen eingeführt worden ist, im damaligen Rur-Departement und Herbstbeginn 1798.
Ein anderes Gesetz verleiht auch den katholischen Kirchengemeinden das ihnen bisher unbekannte Recht der Pfarrerwahl. Von den Bischöfen indes wird es nicht anerkannt, nach Kirchenrecht steht allein ihnen zu, Pfarrer zu ernennen.
In diesem Jahre wurden die Mitglieder des Reichstags und die Abgeordneten der 2. Kammer des preußischen Landtags neu gewählt.
Die Gemeinde Zweifall ließ die vor 12 Jahren von einem Hochwasser eingerissene Straßenbrücke über die Vicht von Mulartshütte neu aufbauen.
Durch Akt vom 18.Juni erwarb der Preußische Staat von den Erben von Gotthard Startz die ehemaligen Abteigebäude und die dazu gehörenden Gärten, auch den großen Abteigarten zwischen Inde, Münster Mühle und Promenade, ferner das Frankenwäldchen, und später auch das zwischen diesem und der Aachen-Trierer Landstraße liegende Ackerland, insgesamt 7,6135 ha, für 125.000 Mark, um in den Abteigebäuden ein katholisches Lehrerseminar unterzubringen.
Die Münster Mühle und das dazu gehörende Gelände, ehemals auch Eigentum von Startz sind so ungefähr 8 bis 10 Jahren in den Besitz von J.A.Bischof, Tuchfabrikant in Aachen gelangt, die dort eine Spinnerei unterhält. Die Gemeinde kann das neue Vorhaben nur begrüßen, einmal, weil die Gebäude wieder einem Zweck zugeführt werden sollen, der der Würde ihrer ursprünglichen Widmung besser entspricht, sie erhofft überdies eine Hebung des Ansehens des Orts und eine wirtschaftliche Belebung.

Breinig, am 30.November 1960;  Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.




1875

Bevölkerung
1875mw
Population
Geburten6651
Todesfälle4640
Trauungen17
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker ErzeugnisseMagd. MorgenBerl. ScheffelPreis pro Berl.Scheffel
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
HeuCentner
StrohCentner
LeinsaamenBerliner Scheffel
FlachsStein
ButterPfund
KäsePfund
LandwollePfund
AckerlandMagd.Morgen
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


Der Lehrerdienstwohnung in Venwegen wurde eine Dachkammer hinzugefügt.
Im März vernichtete ein Brand im Frackersberg und am Rochenspütz ein Büsbacher Gemeindewald 60 Morgen Eichenschälwald und 4 Morgen Eichenstummelpflanzung.
Die Gemeinden Brand und Kornelimünster erbauten von der Aachen-Trierer Landstraße, anfangend in der Gemeinde Brand, eine Straße bis zur Bilstermühle und Brücken über Inde und Mühlgraben unterhalb der Mühle. Brand zahlte einen Kostenanteil von 430 Mark. An den Brückenkosten hat sich auch die Gemeinde Büsbach beteiligt die später auf ihrem Gebiet die Straße bis Krauthausen verlängert hat.
Die Umgestaltung der Abteigebäude für die Zwecke eines Lehrerseminars bringt große bauliche Veränderungen: Nicht benötigte Bauten werden abgerissen, andere umgebaut. Man erwartet die Fertigstellung im kommenden Jahr.
Ein Gesetz vom 22.April verleiht sämtliche Leistungen des Staates und der Gemeinden an Geistliche. Nur solche Geistliche sind ausgenommen, die durch Handlungen oder eine Erklärung ihre Bereitwilligkeit dargetan haben, die sogenannten Kulturkampfgesetze zu befolgen. Für die nicht willigen Geistlichen müssen die Kirchengemeinden allein sorgen, das trifft auf die hiesigen Geistlichen zu.
In Verfolg des Gesetzes von 1872 über die Schulaufsicht ernannte die Bezirksregierung den Apotheker Emil Pauls, Kornelimünster, zum örtlichen Ortsschulinspektor.
Ein Reichsgesetz vom 6.Februar über die Beurkundung des Personenstands und die Eheschließung regelt diese reichseinheitlich, ändert aber nur wenig am bisherigen Rechtszustand.
Die in den letzten Jahren aufgekommene Wirtschaftskrise hatte eine zunehmende Einschränkung der Fabrikation und entsprechende Vermehrung der Arbeitslosen zur Folge. Die Stillegung des Untertagebetriebs der Grube Breinigerberg wirkt sich für die dortige Bevölkerung besonders bitter aus, weil sie neue Arbeitsstätten kaum zu finden vermochte, mögen auch diejenigen, die an neben beruflicher Landwirtschaftung einen Rückhalt fanden und finden nicht so hart betroffen werden.
Die Erzwäscherei der Grube wird noch fortgeführt und war in kleiner werdendem Umfange noch ungefähr 20 Jahre im Betrieb, während denen alte Halden noch einmal durchgearbeitet worden sind. Erfreulich krisenfest war noch der Eisensteinbergbau, der bei Tagesförderungen bis zu 2000 Zentner noch unlängst über 250 Leute beschäftigte.

Breinig, am 30.November 1960; Joh. Röntgen, Amtsinspector a.D.<



Epilog
Was können wir erben
Und was erwerben,
als Müdigkeit,
zur rechten Zeit –
zu sterben !
Heinr. Capellman 1951




Band–3 1876-1898


Original Chroniken aus der Zeit
[1959] Nachträge von Johann Röntgen
[2019] Abschrift durch Förderkreis Abteigarten (im Bezirksamt Kornelimünster/Walheim)
[2021] Jetzt im Stadtarchiv Aachen, StAAc GEM 15-3

Chronik

C h r o n i k

der
Bürgermeisterei Cornelimünster, im Kreise Aachen, Chronik der Bürgermeisterei Cornelimünster im Kreise Aachen
Regierungsbezirk Aachen
Gegenwärtiges Chroniken Buch enthält einhundert Blätter, wovon das erste und letzte Blatt von dem Unterzeichneten paraphirt ist.
Cornelimünster, den 4. ten Februar 1877; der Bürgermeister Hochstenbach



1876

Bevölkerung
1876mw
Population156915603129
Geburten68572 unehelich
Todesfälle51300 über 90
Trauungen12
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Population (1.12.75) männlich: 1569 weiblich 1560 gesamt 3129
Geburten männlich 68 weiblich 57 darunter unehelich 2
Todesfälle männlich 51 totgeboren 1 weiblich 30 totgeboren 1
Darunter Personen über 90 Jahre
Trauungen Paar 12
Die am 1.Dezember 1875 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Gesamtbevölkerung von 3129 Seelen während bei dieser Zählung im Jahre 1871 3132 Seelen vorhanden waren, so daß eine Abnahme von 3 Seelen constatirt worden.

Von dieser Bevölkerung gehören zur kath Religion 3074 und evang. Religion 10 und zum jüdischen Bekenntnisse 45 Personen.
Der Beigeordnete Peter Joseph Ostlender, dessen 6 jährige Amts Periode am 31.März 1876 abgelaufen, wurde durch Verfügung königlicher Regierung vom 13.Mai 1876 auf weitere 6 Jahre mit der Regierung ernannt, daß er als erster Beigeordneter zu fungiren habe. Seine Wiedereinführung fand am 16.Juni vor Jr. statt.
Dem Turnus gemäß schieden mit Ende des Jahres 1875 die Herren Ostlender Peter Joseph, Biervert Winand, Nicolai Egidius, Lamberts Mathias Joseph aus Cornelimünster, Dautzenberg Wilhelm, Wagemann Arnold aus Breinig, Schmitz Wilhelm Joseph und Lauter Wilhelm aus Venwegen aus dem Gemeinderath aus, der bis Ende 1875 gewählte, z. Z. der Wahl in Cornelimünster wohnende Oeconom Hiazinth Minderjahn war bereits früher ausgeschieden, während der bis 1878 gewählte Johann Wilhelm Braun aus Breinig inzwischen verstorben war. Bei den dieserhalb am 24.November 1875 stattgehabten Erneuerungs Wahlen für die 6 Jahre 1876 bis 1881 wurden neu resp. wiedergewählt die Herren Hamacher Egidius, Lamberts Mathias Joseph, Biervert Winand, Nicolai Egidius, Ostlender Peter Joseph aus Cornelimünster, Wagemann Arnold aus Breinig, Winkhold Hubert von Schützheide, Schmitz Wilhelm Joseph und Lauter Wilhelm aus Venwegen. Zum Ersatzmann für den Braun aus Breinig wurde der Bäcker Wilhelm Dautzenberg daselbst gewählt. Nachdem der Herr Landrath diese Wahlen bestätigt, wurden die gewählten am 14.Januar und resp. 15.Februar ihr in ihr Amt eingeführt.
Der Gemeinde Verordnete Wilhelm Joseph Schmitz von Venwegen ist am 26.Mai v. Js. gestorben.

An Stelle des im Jahre 1875 verstorbenen Gemeindeforstadministrators Mohring, wählte Gemeinderath am 16.Juni vor. Js. den Herrn Oster zu Burtscheid zum Oberförster der hiesigen Gemeinde der nach erfolgter Bestätigung durch die königliche Regierung die Stelle am 1.Juli v. Js. definitiv übernommen hat. Der Maurer Hubert Hürtgen zu Breinig wurde vom 1 ten November vor. Js. ab als Wegewärter, sowie Hülfspolizeidiener und Geldhüter angestellt und in diesen Eigenschaften vereidigt.

Der Pfarrer Wilhelm Joseph Küfen zu Cornelimünster starb im Alter von 69 Jahren am 14.September v. Js. hierselbst, nachdem er nahezu 30 Jahre der hiesigen Pfarre vorgestanden. Ein Nachfolger ist bis jetzt nicht ernannt worden, weil die kirchliche Behörde aus Veranlassung des auf kirchlich politischem Gebiet entstandenen Conflikte mit der königlichen Staatsregierung sich weigert, die neu zu ernennenden Pfarrer den Bestimmungen der im Mai 1873 und 1874 erlassenen Gesetzen gemäß dem Herrn Oberpräsidenten der Regierung vorher namhaft zu machen. Zum Glück der Pfarre ist sie aber nicht verwaist, da ein Kaplan bei der Pfarrkirche vorhanden ist.
Nachdem im Frühjahr 1876 die Arbeiten zum Neubau und Erweiterung der hiesigen Abtei-Gebäulichkeiten seitens des Staates in Angriff genommen und mit aller Energie betrieben worden, war es endlich möglich das königliche Schulungs-Seminar in diesen Gebäulichkeiten am 1.September v. Js. zu eröffnen. Nach einem feierlichen Hochamte in der hiesigen Pfarr-Kirche fand eine einfache, aber würdige Feier im Seminar statt, der außer dem Lehrer-Collegium und den Schülern der unterzeichnete Bürgermeister, der hiesigen Gemeinde Verordneten, Mitglieder des Schulvorstandes und einige Notabele des hiesigen Ortes beiwohnten. Der ernannte interrimistische Seminar Direktor Herr Bürgel, welcher katholischer Priester ist, war seither Rektor der höheren Schule in Lindlar.
Auf Anregung der höheren Behörde hat Gemeinderath am 6.Dezember vor. Js. die Errichtung einer ländlichen Fortbildungsschule in Breinig beschlossen. welche am 31.Dezember v. Js. mit 60 Schülern eröffnet worden ist.

Der Unterricht wird durch den Lehrer Ignaz Löhr einstweilen in deutscher Sprache mit Aufsatz, Rechnen und Zeichnen ertheilt. Die dem Lehrer bewilligte Remuneration ad 180 Mark pro Jahr wurde im Etat pro 1877 vorgesehen. Da die königliche Regierung eine Beihülfe zu diesen Kosten aus Staatsfonds nicht bewilligen zu können erklärt hat, hat der Bürgermeister sich dieserhalb an den Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit in Aachen gewandt, von dem er sich mehr Erfolg verspricht.
Seit dem letzten Berichte ist vom Gemeindegrundvermögen nichts veräußert worden.
Gemäß Pos. 53 der vorgelegten muthmaßlichen Final Abschlüssen besitzt die Gemeinde einen Substanzfonds von 1.831 Mark 51 Pfg. aus früheren Grundverkäufen herrührend. Die Gemeindeschulden, welche am 1.Januar 1876 betragen 27.240 Mark haben in verflossenem Jahre eine Erhöhung nicht erfahren und sind vielmehr durch Ablage der planmäßigen Rate pro 1876 ad 3.270 Mark verringert worden bis auf 23.970 Mark.
Die letzte Rate der Sonderschule der Pfarre Venwegen ist in 1876 abgelegt worden.
Nachdem durch Gesetz vom 29.Juni v. Js. das EtatsJahr für den Staatshaushalt auf den 1.April bis Ende März in den Jahren verlegt worden, hat die königliche Regierung, bestimmt, daß der Etat pro 1876 für die Zeit bis Ende März d. Js. prolongirt worden. Den für diese Zeit von 3 Monaten zu leistenden Ausgaben der Gemeinde ad 4.319 Mark stand eine Einnahme von nur 1.697 Mark gegenüber, so daß die Mehrausgabe.. 2.622 Mark beträgt.
Der weitere Umstand, daß in 1876 erhebliche Kostenbeträge für die neu ins Leben gerufene Provinzial-Verwaltung eingezahlt werden mußten, wofür Fonds gar nicht vorgesehen waren, z. B. Pos. 33. des Finalabschlusses, Beitrag zu den allgemeinen Bedürfnissen der Provinzialverwaltung ad... 1.783 M 63 pf. und Pos. 33A daselbst, Beitrag zu den Kosten der Reorganisation des Irrenwesens ad.. 757 M 07pf. welche Beträge gemäß einer Verfügung ins Herre Landrath vom 11.November a. Js. für das neue Jahr wieder erforderlich sind und deshalb im Etat pro 1877 disponibel gestellt worden, in Verbindung mit dem Ausfall an Gemeindepächten in Folge der am 28. Novbr. v. Js. stattgehabten Wiederverpachtung der Breinigerheide ad ca. 365 Mk sowie die nothwendig gewordene Erneuerung eines Theils der Dachkandele der Kirche in Breinig, deren Kosten ad 1.100 Mark im neuen Etat ebenfalls vorgesehen werden, Kosten desselben, hat das Bedürfniß einer erheblichen Steigerung der Gemeinde Umlagen pro 1877 nöthig gemacht.
Während dieselben für das abgelaufene Jahr nach dem festgestellten Etat nur zur Höhe von 45% der Staatssteuern nöthig waren, in Folge des günstigen Ausfalles des vorigjährigen Holzverkaufs in Wirklichkeit aber nur zur Höhe von 20% der Staatssteuern erhoben worden, werden dieselben für das neue Jahr die Höhe von über 95% der Staatssteuern erfordern, ein Resultat, was bei den heutigen, in Folge der mehrere Jahre hindurch andauernden geschäftlichen Krisis sehr ungünstigen Zeitverhältnisse gewiß nicht erfreulich, indeß unvermeidlich ist, da auch das Resultat des kürzlich stattgehabten ersten Holzverkaufes nicht erfreulich und nach den anderwärts inzwischen gemachten Erfahrungen von dem bevorstehenden zweiten Holzverkaufes kaum zu erwarten ist, daß bei demselben der Erlös die Taxe um etwas Bedeutendes überschritten wird.
In baulicher Beziehung ist im ablaufenden Rechnungs Jahre eine rege Thätigkeit entwickelt worden. Der Neubau einer Spritzen-Remise nebst Arrest Lokal in Venwegen ist ausgeführt worden und sind die Kosten ad 1140 Mark 25 Pfg. bei Pos. 65 der Ausgabereste des Finalabschlusses disponibel gestellt worden.

Die Kirchhoffs Mauer in Breinig ist mit behauenen Blausteinplatten belegt worden, deren Kosten sich auf 1028 Mark 78 Pfg belaufen. In Venwegen mußte längs der Dorfstrasse neben einem Pfuhle eine Schutzmauer errichtet werden, deren Kosten sich auf 121 Mark 41 p. belaufen.
Gemeinschaftlich mit der Gemeinde Gressenich ist bei Vicht eine Fußbrücke größtentheils erneuert worden, wovon der Kostenantheil 169 M 12 d Pfg. betrug.
Auf der der Gemeinde gehörenden Ritscheiderhaid sind 6 neue Deckelkanäle unter den Culturwegen gebaut worden, deren Kosten ad 254 Mark 55 pfg bei Pos. 64 der Ausgabereste des Finalabschlusses disponibel sind.
Dem Orte Venwegen ist die groeßte Wohlthat der ausführten Wasserleitung vom Brunnen 'Jungenborn' zum Orte geworden. Dieselbe wurde am 22 ten April vor. Js. in Gegenwart des Unterzeichneten, des Bau Comitees und des Unternehmers Kloubert unter dem lauten Jubel der Einwohner eröffnet und hat bis jetzt ununterbrochen gutes Trinkwasser in reichlichem Maaße geliefert. Die Gesammtkosten belaufen sich auf 1.505 Mark 26 p.

Die nach Eröffnung der Wasserleitung in Venwegen überflüssig gewordene Pumpe wurde auf dem Brunnen vor der Kirche in Breinig angebracht.
Der Schulspielplatz in Venwegen wurde, um den Kindern einigen Schutz gegen die Hitze zu verschaffen, mit Lindenbäumen bepflanzt.

Der den hiesigen Ort durchziehende, sogenannte St. Antonius Kanal, welcher seit dem Jahre 1848 eine Reinigung nicht mehr erfahren und stellenweise mehrere Fuß hoch angeschlemmt war, wurde im Herbste vor. Js. einer gründlichen Reinigung und zwar vom Beginn des Seminargartens an bis zum Hause des Dachdeckers Scholl in der Gasse unterworfen, sowie zur möglichsten Verhütung fernerer Aufschwemmungen vor dem Einlaß in den Kanal eine Senkgrube hergestellt, welche periodisch zu reinigen sein wird.

Die Mauer an der Westseite der Kirche in Breinig litt längere Zeit hindurch an erheblicher Feuchtigkeit deren Beseitigung zur Instandhaltung des Gebäudes dringend nöthig war. Zur Hebung des Uebelstandes war ein Umbau der Dachkandeln, welche zu eng waren, und Vermehrung der Abfallröhren nothwendig, welche Arbeit 1100 Mark gekostet hat.
Dem Beschlusse des Gemeinderathes vom 4.September vor. Js. entsprechend, wurde zum Zwecke der Erneuerung des Pflasters in der Steinstrasse hierselbst der erforderliche Credith ad 800 Mark im neuen Etat angesetzt.

Die Tuchfabrikanten F.A.Bischoff Söhne in Aachen, welche ihre hiesige Spinnerei zu einer completen Tuchfabrik erweitert haben, deren Inbetriebsetzung in der nächsten Zeit in Aussicht steht, haben mit Erlaubnis königlicher Regierung ihr Wehr im Indebach hierselbst durch ein neues Klappwehr, verbunden mit einer Flutschleuse ersetzt, womit für den Ort der erhebliche Vortheil verbunden ist, daß künftighin die Gefahr von Ueberschwemmungen bedeutend vermindert ist, insofern der Wehrrücken mit niedergelegter Klappe 8 centimeter tiefer liegt, wie das frühere und außerdem die Flutschleuse ganz erheblich viel Wasser abläßt.

Die langwierigen Verhandlungen über den Ausbau des Weges zwischen Krauthausen und Bilstermühle haben endlich dahin geführt, daß die königliche Regierung unterm 18.Dezember vor. Js. genehmigt hat, daß, dem Beschlusse des hiesigen Gemeinderaths vom 10.November v. Js. entsprechend, beim Ausbau des Weges die Richtung des Planes des Baumeisters Neu eingeschlagen werde, worüber noch besonders verhandelt werden wird.
Dem Antrage des Gemeinderathes vom 28.Juli v. Js. entsprechend, hat die königliche Regierung beim Herrn Landesdirektor der Rheinprovinz befürwortet, daß die Prämienstraße von Münsterbusch nach C.Münster den Gemeinden Cornelimünster und Büsbach abgenommen und zur Provinzialstraße erhoben werde, worüber die Entscheidung hoffentlich recht bald ergehen wird.

Der jetzige Winter ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein so überaus milder, daß, was seit Menschengedenken nicht der Fall gewesen, bis jetzt (21/2 22) fast ohne Unterbrechung im freien gearbeitet, sogar gemauert werden konnte. Nur an wenigen Tagen hatten wir unbedeutenden Schneefall, sonst fast immer milde, aber fast andauernde regnerische Witterung, während im Norden über abnorne Kälte vielfach geklagt worden ist.

Die unsere Gegend so lebhaft interessierende Frage einer Eisenbahnverbindung ist in ein neues Stadium getreten. Sicherem Vernehmen nach hat das diese Angelegenheit betreibende Comite die Conzession zum Ausbau der Strecke von der Luxemburger Grenze über St. Vith, Montjoie, Roetgen und Cornelimünster nach Aachen und nach Stolberg nachgesucht und liegen die Verhandlungen dem hohen Ministerium zur Entscheidung vor. Für die vielen Arbeiter, welche seit einiger Zeit ohne Beschäftigung sind, wäre es höchst wünschenswerth, wenn eine rasche Erledigung dieser Frage herbei zu führen wäre.

Der seitherige Lauf der Hausnummern in hiesiger Gemeinde war für den Uneingeweihten sehr wenig verständlich, weshalb eine neue Nummerierung der Häuser vorgenommen wurde und zwar mittelst Zinkplatten, die vom Gemeinderath auf die Gemeindekasse übernommenen Kosten ad 168 Mark 63p sind im neuen Etat vorgesehen worden.

Auf den Antrag einer großen Anzahl Einwohner von Breinig hat Gemeinderath beschlossen und die königl. Regierung genehmigt, daß die am 4.Dezember jeden Jahres, oder, wenn dieser kein Sonntag ist, am darauf folgenden Sonntag seither gefeierte St. Barbara-Kirmes in Zukunft an dem der Adventszeit vorhergehenden Sonntage gefeiert werde, welche Verlegung in 1875 zur allseitigen Zufriedenheit eingeführt wurde.

Am Sonntag den 27.August vor. Js. Morgens, etwas nach 5 Uhr brach im Dach des Wohnhauses des Bierbrauers Joseph Schmitz auf dem hiesigen Bierkeller Feuer aus, welches das Wohnhaus bis auf die Umfassungsmauern größtentheils zerstört und einiges Mobilar vernichtet hat. Das Feuer ist zweifellos durch brennende Funken, welche aus dem Kamin der Dampfmaschine auf das Dach des Wohnhauses gefallen sind, herbeigeführt worden.

Seit den letzten Wochen sind aus allen Gegenden unseren Staates, unter andern auch von Cöln Nachrichten gekommen über Constatirung der Rinderpest. In Folge dessen sind auch hier schon allgemeine Anordnungen getroffen, um den Gesundheitszustand der Rindvieh Bestände zu beachten. Gäbe der Himmel, daß zu den jetzt vorhandenen wirthschaftlichen und geschäftlichen Kalamitäten nicht auch noch diese neue, so viele Heerden vernichtende Pest in größerem Maaßstabe hinzukomme, damit der schon vielfach angefressenen Wohlstand nicht noch mehr zerrüttet werde.


Cornelimünster, den 21.Februar 1877, der Bürgermeister, Hochstenbach

Bevölkerung
1877mw
Population156915603129
Geburten59561 unehelich
Todesfälle32371 über 90
Trauungen24
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die am 1.Dezember 1875 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Gesammtbevölkerung von 3129 Seelen, die Klassensteuerrolle pro 1877/78 ergab ein solche von 3141 Seelen mithin eine Zunahme von 12 Seelen.

Von dieser Bevölkerung gehören zur katholischen Religion 3075 Seelen zur evangelischen Religion 11 Seelen zum jüdischen Bekenntnisse 55 Seelen.
Es wurden geboren 59 männliche und 56 weibliche Kinder, darunter war 1 unehelich geborenes Kind; es starben 32 männliche und sieben und dreißig weibliche Personen hierunter sind 5 totgeborene Kinder einbegriffen. Im Jahre 1877 wurden 24 Trauungen vollzogen.

Dem seit 1841 angestellten Gemeindeförster Kremer, welcher nahezu 70 Jahre alt ist, soll im Dienste eine Assistenz gewährt werden. Die Verhandlungen hierüber sind noch in der Schwebe.
Zu den Kosten der ländlichen Fortbildungsschule in Breinig gewährt der Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit jährlich eine Beihülfe von 150 Mark. Anstatt des entfernten Lehrers Löhr hat der Lehrer Jansen zu Hahn den Unterricht übernommen. Als Zeichenlehrer ist der Maschinentechniker Peter Gelles zu Breinigerberg in der Fortbildungsschule thätig.
Herr Seminar Direktor Bürgel, welcher Allerhöchsten Orts zum Seminar Direktor definitiv ernannt worden, wurde am 10. October nach vorhergegangener kirchlicher Feier durch den Königlichen Provinzial Schulrath Herrn Linnig in der Aula des Seminars feierlich in sein Amt eingeführt. Der Feier schloß sich ein seitens der hiesigen Gemeinde veranstaltetes Festmahl an, das in herzlicher, gemüthlicher Stimmung verlief.
Vom Gemeinde Grundvermögen sind in diesem Jahre 2 Absplisse der Breinigerheide, groß 15 Hrn 89 meter zur Gesammtsumme von 534 mark verkauft worden. Die Gemeindeschulden, welche am 1. April v. Js. 2.3970 mark betrugen, mußten in Folge der durch die ungünstigen Resultate der diesjährigen Holzverkäufe entstandenen großen finanziellen Verlegenheiten durch Aufnahme einer Anleihe bei dem Landkreise Aachen ad 5.000 Mark erhöht worden bis auf 28.970 Mark
Hiervon wurden aber Ende Dezember vor.Jr. abgelegt
a) gemäß Tilgungsplan auf die alten Schulden 2.700 Mark
b) gemäß Tilgungsplan auf die neuen Schulden 2.300 Mark
5.000 Mark so daß sie beim Beginn des neuen Jahres noch betragen 23.970 Mark
Die Gemeindesteuern betrugen pro 1877/78 in Folge der Verlegung des Etats Jahres, der unvorhergesehenen hohen Provinzial Umlage und der ungünstigen Ergebnisse der Holzverkäufe 90% der Staatssteuern. Für das kommende Jahr werden sie voraussichtlich eine willkommene Ermäßigung erfahren, jedenfalls werden sie mehr als 20% weniger betragen.
Im Bauwesen konnte die Gemeinde in 1877 wegen Mangels an Fonds keine nennenswerthe Thätigkeit zeigen. Die einzige größere Arbeit, welche ausgeführt wurde, war die Erneuerung des Pflasters in der Steinstraße hierselbst zu einem Kostenbetrag von 667 Mark.
Auf Anordnung königlicher Regierung ist das Kirchhofs- und Beerdigungswesen neu zu reguliren und überall, soweit nöthig, ein Raum zu einem 15 jährigen Turnus zu beschaffen. Die Beerdigungen der Kinderlaichen sollen getrennt von denen der Erwachsenen erfolgen, jedes einzelne Grab nummerirt und jede einzelne Beerdigung Katastermäßig nachgewiesen werden. Hierzu wurden die nöthigen Vorarbeiten eingeleitet; selbige haben aber durch erforderlichen, außerordentlich schwer zu erwirkenden Ankauf von Terrain zur Vergrößerung der Kirchhöfe in Breinig und Venwegen, namentlich im ersteren Orte, Aufschub erlitten.
Der Notar Wilhelm Frenz hierselbst wurde auf seinen Antrag am 1.August 1877 ab von hier nach Cöln versetzt. Es ist fast gewiß, daß die Stelle wenigstens in Bälde nicht wieder besetzt wird, da meine desfallsige Eingabe an den Herrn General Prokurator den gewünschten Erfolg nicht gehabt hat.
Meinem desfallsigen Antrage willfahrend ist eine Telegraphen Leitung von Aachen nach hier und weiter über Raeren nach Eupen hergestellt und seit dem 16.September v. Js. in Verbindung mit dem hiesigen Post-Amte in Betrieb.
In der Nacht vom 21. zum 22.März v. Js. brach im Hause des Maurers Wilhelm Dreuw zu Breinigerberg Feuer aus, welches außer der Hälfte des Wohnhauses auch einige Möbelstücke verzehrte. Die Entschädigungssumme betrug 1.206 Mark und war die Ursache der Feuersbrunst nicht genau festzustellen.
Im Laufe des Sommers v. Js. war die hiesige Gegend auffallend häufig von schweren Gewittern heimgesucht, namentlich entlud sich ein solches am 12.Juni Nachmittags 3 Uhr und wurden bei dieser Gelegenheit 2 Stück Rindvieh im Stalle und ein Hund an der Kette im Orte Nütheim erschlagen. In der darauf folgenden Nachts gegen 3 Uhr folgte ein zweites nicht minder heftiges Gewitter. Der Blitz fuhr in das Haus des Spinnermeisters Kutsch in Brand, zündete aber nichts.
Am Sonntag den 24.Juni vor. Jr. vormittags 9 Uhr wurde in hiesiger Gegend ein ziemlich heftiges Erdbeben wahrgenommen, welches von einem Donnerähnlichen Getöse begleitet ca. 3 Secunden danach.
Im Orte Breinig zeigte sich die Maul und Klauenseuche in zwei Ställen. Glücklicher für die erkrankten Thiere und hat die Seuche eine weitere Verbreitung nicht gefunden.
Handel und Gewerbebetriebe liegen noch total darnieder und ist eine große Anzahl Arbeiter ohne Beschäftigung. Die Gegend wird von fremden Bettlern der Vagabunden derart stark heimgesucht, daß die Unsicherheit für Personen und Eigenthum eine sehr bedenkliche geworden, da in letzter Zeit außer einigen gewöhnlichen Veruntreuungen 4 Diebstähle mittelst Einbruchs und sogar ein Raubüberfall auf öffentlicher Straße durch mich haben instruirt werden müssen.


Cornelimünster den 1.Mai 1878; der Bürgermeister, Hochstenbach



1878

Bevölkerung
1878mw
Population156915603129
Geburten54610 unehelich
Todesfälle27361 über 90
Trauungen23
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die letzte am 1.Dezember 1875 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Bevölkerung von 3129 Seelen, die Klassensteuerrolle 1878 eine solche von 3286 Seelen, 157 Seelen hiervon gehören zur katholischen Religion 3222, zur evangelischen Religion 5 und zum jüdischen Bekenntnisse 49.
Im Jahre 1878 wurden hier geboren männliche Kinder 54, weibliche Kinder61, Sa. 115. Davon war keins unehelich geboren.
In demselben Zeitraum starben männliche Personen 27, weibliche Personen 36 , Sa. 63, um 52 übersteigt. In der Zahl der gestorbenen sind übrigens auch noch 6 totgeborene Kinder enthalten.

Dem Gemeindeförster Kremer, welcher in Folge seines hohen Alters zur vollen Wahrnehmung seiner Funktionen nicht mehr im Stande ist, ist mit Genehmigung königl. Regierung dessen Sohn Johann Hubert Kremer unter Gewährung einer Renummeration von jährlich 360 Mark als Waldwärter vom 11.März vor. Js. ab beigegeben worden.
Der Beigeordnete Hr. Tillman Kaldenbach von Breinig, dessen 6 jährige Funktionsperiode ablief, wurde durch Verfügung königlicher Regierung vom 17.August v. Js. auf weitere 6 Jahre zum Beigeordneten der hiesigen Bürgermeisterei ernannt und am 4.Dezember v. Js. in sein Amt wieder eingeführt.
Dem Wahlturnus gemäß schieden mit Ende v. Js. die Herren 1. Giesen Ludwig 2. Emonts Heinrich aus Cornelimünster, 3. Kaldenbach Tillmann, 4. Beissel Johann Wilhelm, 5. Dautzenberg Wilhelm, 6. Hoube Lambert und 7. Beretz Johann Peter, aus Breinig, 8. Schnitzler Wilhelm von Breinigerheide und 9. Kloubert Joseph von Venwegen aus dem Gemeinderath aus. Bei den dieserhalb am 20.November vor. Js. stattgehabter Ergänzungs Wahlen wurden die ad 1,2,3,5,7 und 9 genannten Herren: Giesen, Emonts, Kaldenbach, Dautzenberg, Beretz und Kloubert wiedergewählt. Die Herren Ludwig Winkler, Ferber, Hennecken Johan Bartholomäus, Ackerer, Winkhold Johann Wirth von Breinig, sowie als Ersatzmann an Stelle des durch Tod abgegangenen Wilhelm Joseph Schmitz von Venwegen der Ackerer Jacob Keller von Venwegen neu gewählt. Die Einführung der neuen Gemeinde Verordneten hat am 16. des mts. stattgefunden.

Die Lehrerin Maria Defayay zu Breinig verließ am 30.Juni vor. Js. ihre hiesige Stellung um nach Essen über zu siedeln. Auf den Vorschlag des Schulvorstandes wurde die Lehrerin Josephina Gelles in Volmerswerth die Stelle in Breinig übertragen, welche sie am 4.September vor. Js. angetreten hat.
Auf Antrag des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde Zweifall haben die königliche Regierung und das königliche Consistorium in Coblenz mit Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen Angelegenheiten und des evangelischen Ober Kirchen Raths eine definitive Circumserition der evangelischen Gemeinde Zweifall unterm 5. October(25. Septbr) vor. Jr. erlassen, welche im vorigjährigen Amtsblatte sub Nr 753 auf Seite 251 publicirt ist. Hiernach ist die hiesige Gemeinde ganz zur evangelischen Gemeinde Zweifall eingepfarrt.
Mit dem Beginn der Wintersemester 1878/79 den 14. October vor. Jr. ist das gesammte hiesige Elementarschulwesen in Gemäßheit des mit dem königlichen Provinzial Schul-Collegium am 19. Febr. 1874 abgeschlossenen Vertrags übergegangen und der Lehrer Löhr aus der seitherigen Stellung als Lehrer der Gemeinde ausgeschieden und als Seminarlehrer bei der Uebungsschule angestellt worden.

Der Bau der Brücke über den Mühlenteich und des Weges von Bilstermühle bis Krauthausen sind im vorigen Jahre in Angriff nur bis auf die Gräben des Weges fertig gestellt worden, so daß die Abnahme der Arbeiten in nächster Zeit erfolgen kann. Die Kosten, welche sich für den Antheil der hiesigen Gemeinde auf ca. 2000 Mark belaufen sind disponibel gestellt.
Die Anbringung eines eisernen Geländers längs dem Bachufer vor den Häusern von Jager und Stollenwerk hierselbst - ein längst empfundenes Bedürfnis-wurde im vor. Jahre ausgeführt. Die Kosten derselben betrugen außer von den Tuchfabrikanten Herren Gebrüder Bischoff hierselbst hierzu geschenkten 40 Mark 287 Mark 17 S.
Die am sogenannten oberen Löhres über den Indebach führende alte massive Fußbrücke, welche zwischen den Gemeinden Cornelimünster und Walheim gemeinschaftlich ist, wurde bei einer Wasserfluth im Frühjahr 1878 eingedrückt und durch eine neue hölzerne Fußbrücke ersetzt. Die Kosten für die hiesige Gemeinde beliefen sich auf 194 Mark 37 S.

Die planmäßige Instandsetzung der Holzabfuhrwege des hiesigen Gemeindewaldes, welch im eigenen Interesse der Gemeinde nicht genug empfohlen werden kann, hat ihren Anfang gefunden. Die als Abfuhrweg dienende Hauptschneise ist in einer Länge von circa 160 Metern, an der Straße von Venwegen nach Mulartshütte anfangend in der Richtung auf Kitzenhaus zu im Herbste vor. So mit einer planmäßigen Breite und Steindecke in Stand gesetzt worden. Die Kosten hierfür sind disponibel gestellt.

Die Anlage des neuen hölzernen Wehres in der Inde hierselbst von Seiten der Firma F.A.Bischoff Söhne hat zur Folge, daß das Wasser bei starkem Andrange oberhalb des Wehres so stark zurückstaut, daß das in den Bach abfließende Wasser des Brunnens 'Hahndorn' hierselbst sich im Brunnen aufstaut und der letztere daher bei Hochwasser in der Regel über die Einfassung hinaustritt und unbenutzbar wird. Zur Abstellung dieses Uebelstandes erscheint eine Erhöhung der Einfassung des Brunnens erforderlich, welche im vorigen Jahre auch projektirt worden, lediglich deshalb jedoch nicht zur Ausführung gekommen ist, weil Befürchtungen laut wurden, daß der Brunnen möglicherweise durch die Stadt Aachener Wasserleitung trocken gelegt werden könnte, und es deshalb vor der Hand gerathen erscheine, keine Veränderungs-Arbeiten an demselben vorzunehmen. Bis jetzt hat sich noch kein Anzeichen, was die Gefahr der Trockenlegung des Seminars befürchten ließe, ergeben.
Der Mangel eines fuhrbaren Weges zwischen Breinig und resp. Schützheide und Büsbach hat die beiderseitigen Einwohner seit längerer Zeit in hohem Grade interessirt und haben sie ihrem Wunsch nach Befriedigung des Bedürfnisses wiederholt in Petitionen bei den Gemeinden und der höheren Behörde Ausdruck gegeben, welche indessen bis jetzt erst bis zur Veranschlagung des Ausbaues der Strecke geführt haben, da die Gemeinde Büsbach zur Ausführung des Baues keine rechte Last zu haben scheint. Es sind dieserhalb diesseits Schritte geschehen, um bei königlicher Regierung die Verfügung zu erwirken, daß der Ausbau der ganzen Strecke erfolgen müsse.
Die königl. Regierung hat angeordnet, daß für das Armenrechnungswesen, welches nach dem Preußischen Gesetze vom 8.März 1871 über die Ausführung des den Unterstützungswohnsitz betreffenden Reichsgesetzen vom 6.Juni 1870 nur mehr ein intergrirender Theil des Rechnungswesens der Gemeinde bildet, in Zukunft nicht mehr besondere Etats und Rechnungen aufgestellt die Ein- und Ausgaben vielmehr unter besonderen Abtheilungen in dem Etat aufgeführt werden sollen.
Die Bedürfnisse der Armenpflege vermehren sich von Jahr zu Jahr, was vorzugsweise in der durch die wirtschaftlich schlechten Zeitverhältnisse entstehende größere Hülfsbedürftigkeit der ärmeren Klasse seinen Grund hat.
Durch Beschluß des Gemeinderaths vom 9.August wurde die Vermehrung der hiesigen Straßenlaternen um 3 Stücke und die Einrichtung von Straßenbeleuchtung im Orte Breinig, vorläufig mit 4 Stück Laternen genehmigt. Am 16. dieses Monats wurde ferner die Einrichtung der Straßenbeleuchtung im Orte Venwegen mit 5 Laternen beschlossen. Zur Bestreitung der zur Anschaffung der Laternen, Candelabern und Wandarme nöthigen Kosten sind 500 Mark disponibel gestellt.
Die Gemeinderäthe von Cornelimünster, Brand und Walheim bewilligten für die Leihe des vom 14. Septbr 1876 verstorbenen hiesigen Pfarrers Küfen unentgeltlich eine Privatgrabstätte am Thore der alten Kirche auf dem Berge, wozu die königliche Regierung am 24.Juni vor. Js. ihre Genehmigung ertheilte.
Die Verhandlungen über den Ankauf des zur Vergrößerung des Kirchhofs in Breinig erforderlichen Complexes aus der Münch'schen Wiese erlitten in der letzten Stunde, als zum Abschluß des Vertrags geschritten werden sollte, eine neue Störung, in dem die Familie Münch aus der dem bewilligten hohen Kaufpreise von 30 Mark pro Quadratruthe noch neue Bedingungen u. A. über Aufführung einer Mauer seitens der Gemeinde längs ihrem Besitzthum bis zur Dorfstrasse machte, deren Annahme nicht gerechtfertigt erschien, weshalb ist der weitere Versuch zur Erlangung der Terrain im gütlichen Wege aufgegeben und die Einleitung des Expropriations Verfahrens eingeleitet worden.
Die Allerh. Cab. Ordre zur Inbesitznahme des Terrains wird jeden Tag erwartet.

Die früher beschlossene Vergrößerung des Kirchhofes in Venwegen durch Ankauf von ca. 10 Ruthen Terrain aus der Wagemann'schen Wiese wurde von der königl. Regierung nicht für hinreichend erachtet, und erübrigte demnach nur, den ca 22 Ruthen großen Garten des Stellmachers Schweitzer zu kaufen. Der darüber abgeschlossene Vertrag liegt der königl. Regierung zur Genehmigung vor.
Seit meinem letzten Berichte sind vom Grund Eigenthum der Gemeinde ein Abspleiß am Kapellchen und ein solcher neben dem Wege zum Klauserwäldchen zer Summe von 203 Mark 55 S. verkauft worden. Dieser Betrag ist mit Genehmigung königl. Regierung vom 10.8.1878 Nr. 17036 zer Bestreitung der Kosten neuer Dachkandeln an der Kirch in Breinig verwendet worden.
Die Gemeindeschulden, welche am 1.April vorigen Jahres 23970 Mark betrugen, vermindern sich durch die planmäßige Ablage von 3300 Mark bis zur Summe von 20670 Mark.
Wiewohl die nun schon über 5 Jahre andauernde geschäftliche Crisis es höchst wünschenswerth erscheinen ließe, die Communalsteuern sich ermäßigen anstatt erhöhen zu sehen, so war es bei den außerordentlichen Anforderungen, die die Vergrößerung der Kirchhöfe in Breinig und Venwegen, die Mehrbedürfnisse der Armenpflege, die Vermehrung der Straßenbeleuchtung an die Gemeinde stellten, sowie durch den Umstand, daß die hiesige Gemeinde durch die Provinziale Verwaltung verpflichtet worden, zur Ausgleichung der Kriegsleistungen von 1870 unter den Gemeinden der Rheinprovinz die Summe von 1743 mark 60 S zu zahlen, woran ergangener Verfügung gemäß das 1. Drittel mit 581 m 20 S disponibel gestellt worden, nicht möglich eine Erhöhung zu vermeiden.
Das Ableben des Papstes PIUS IX am 7. Febr. 1878 hatte in allen Pfarrkirchen feierliche Gotesdienste zur Folge, wobei überall große Theilnahme, ohne daß irgend welche staatsfeindliche Demonstration vorgekommen, herrschte.
Das Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde in allen Schulen recht schön begangen. In allen Kirchen fand feierlicher Gottesdienst statt. Im hiesigen Lehrerseminar fand eine recht erhebende Feier mit Festrede bereits am Vorabend statt, zu welcher auch Einladungen an Einwohner des Ortes und Umgegend erlassen waren. Am Tage selbst fand ein Festessen statt, woran sich 24 Einwohner betheiligt hatten.
Die im vorigen Jahre von ruchloser Hand wiederholt verübten Attentate auf das Leben seiner Majestät des Kaisers hatten in allen Schichten der Bevölkerung die tiefste Entrüstung hervorgerufen und wurde ein energisches Angehen zur Bekämpfung der unheilvollen sowie demokratischen Lehren ausnahmelos gebilligt.
Am 20.August v. Js. vormittags 5 Minuten vor 9 Uhr wurde in hiesiger Gegend unter donnerähnlichem Getöse eine starke Erderschütterung wahrgenommen, die von Südwesten kam und sich nach Nordosten hin verlief. Acht Minuten nach 9 Uhr erfolgte eine zweite und um 11 Uhr 4 Minuten eine 3. Erderschütterung. Obgleich hier alle Häuser stark erbebten und alle Gegenstände in den Zimmern hin und her schwankten, sind doch keine Unglücksfälle zu constatiren gewesen.
Am 23. October v. Js. wurde der Fabrikarbeiter Hubert Joseph Peters von hier in der Tuchfabrik Bleihütte hier selbst von einem Maschinenriemen erfasst und in die Höhe gezogen, wo er zwischen Decke und Rad hängen blieb und ihm das linke Bein abgerissen wurde; er starb an den Folgen der Verwundung am 1.November v. Js. Gewerbebetrieb und Handel lassen eine Wendung zum Bessern noch immer nicht erkennen.

Die Armuth unter der arbeitenden Klasse ist allenthalben sehr groß und erfordert besondere Thätigkeit der Armen-Verwaltung. Zur großen Beruhigung kann aber hervorgehoben werden, daß dessen ungeachtet die im vor Jahre um diese Zeit in hiesiger Gegend durch auswärtiges Gesindel mehrfach gefährdete Sicherheit der Personen und des Eigenthums bis jetzt noch keinen Angriffen ausgesetzt gewesen.


Cornelimünster, den 30.Januar 1879; der Bürgermeister, Hochstenbach



1879

Bevölkerung
1879mw
Population156915603129
Geburten57542 unehelich
Todesfälle30350 über 90
Trauungen15
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler580
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEThlrSgrpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die letzte am 1.Dezember 1875 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Bevölkerung von 3129 Seelen, die Klassensteuerrolle pro 1879/80 eine solche von 3352, so daß ein Zuwachs eingetreten ist von 223.
Hiervon gehören zur katholischen Religion 3293, evangelischen Religion 11 und zum jüdischen Bekenntnisse 48. In Summe 3352.
Nachdem die Fuktionsperiode des Herrn Peter Joseph Ostlender hierselbst als Stellvertretender Gemeindevorsteher abgelaufen, wurde derselbe durch den Hr. Landrath unterm 8.Februar 1879 auf 6 weitere Jahre ernannt und 18.März wieder in sein Amt eingeführt.
Der Hülfspolizeidiener und Feldhüter sowie Wegewärter Hubert Hürtgen in Breinig, seit 1.November 1876 im Dienst der Gemeinde, hat wegen seiner ungenügenden Leistungen die Kündigung des Dienstes erfahren müssen, welche zum 1.April erfolgt ist. Die Stelle ist nun ausgeschrieben worden und werden Vorschläge zur Wiederbesetzung derselben erfolgen.
Der bis Ende 1884 zum Gemeinde Verordneten gewählte Rentner Joseph Kloubert von Venwegen hat sein Amt niedergelegt und wird im nächsten Jahre eine Ersatzwahl erfolgen.
Mit der am 1. October 1879 eingetretenen Reorganisation der Gerichtswesens sind das seitherige Friedensgericht in Burtscheid, zu dessen Bezirk die hiesige Gemeinde gehörte, fort und wurde dieses dem in Aachen neu errichteten Amtsgerichte zugetheilt.
In Folge der gleichzeitigen Einführung der Schiedsmannsordnung eines in der Rheinprovinz bis dahin unbekannten Instituth, wurde der Apotheker Herr Emil Pauls hierselbst zum Schiedsmann und der Beigeordnete Herr Kaldenbach zu Breinig zu dessen Stellvertreter, beide auf 3 Jahre, gewählt.
Die seit mehreren Jahren durch Aspiranten verwaltete Lehrerstelle bei der gemischten Klasse der Schule in Breinig wurde durch die königliche Regierung dem Lehrer Heinrich Wilhelm Vennedey aus Hilfarth vom 17. November 1879 ab übertragen.
Der Ausbau des Weges von Krauthausen nach Bilstermühle ist im Jahre 1879 fertig geworden und wird die Abrechnung mit dem Unternehmer Hoven, der einige Ausstellungen an dem Revisions-Anschlage gemacht hat, bald zu Ende geführt werden können.
Das nach Uebergang des hiesigen Schulwesens auf das königliche Lehrerseminar disponibel gewordene Schulhaus auf dem St. Gangolfsberge hierselbst gehörte den Gemeinden Cornelimünster und Büsbach gemeinschaftlich und hat die hiesige Gemeinde für den Betrag von 900 Mark den Antheil von Büsbach käuflich erworben, welcher Vertrag vom 1.März 1879 die Genehmigung königlicher Regierung unterm 2.Mai 1879 erhalten hat. Sowohl der Schulsaal in diesem Hause wie in demjenigen am Marktplatze wurden sodann durch Anbringung von inneren Wänden in wohnliche Räume eingetheilt und demnach vermiethet, ebenso die frei gewordene Lehrerwohnungen.
Im Schulhause zu Venwegen wurde am nördlichen Giebel eine Dachstube eingerichtet, wozu sowohl der hiesige wie der Gemeinderath der mitbetheiligten Gemeinde Zweifall seine Zustimmung gegeben.
Die Bedingung des Schulsaales im alten Schulhause zu Breinig ist an vielen Stellen derart schadhaft, daß mir an eine Erneuerung derselben mehr gedacht werden kann, welche in den kommenden Osterferien vorzunehmen sein wird.
Der bereits im vorigen Jahr geschilderte Uebelstand an dem hiesigen Brunnen 'Hahndorn' wird, nachdem die bezüglich seiner Trockenlegung durch die Stadt Aachen Wasserleitung gehegter Befürchtungen sich bis jetzt als unbegründet erwiesen haben, durch Anbringung eines höhern und dem hohen Werthe des Brunnens würdigen Einfaßung zu beseitigen sein.
Die Ansprüche an die öffentliche Armenpflege sind hauptsächlich in Folge der durch die mehrjährige wirthschaftliche Crisis entstandene größere Hülfsbedürftigkeit der ärmeren Klasse gegen das Vorjahr wieder größer geworden. Wie in den beiden vorigen Jahren hat der Armenvorstand auch wieder in diesem Jahre die Stiftungs Revenuen des hiesigen Pfarrarmen hauptsächlich zur Anschaffung von Hemden und Bettzeug sowie Sagelt zu Strümpfen verwandt, welche Gegenstände von hiesigen Damen unentgeltlich verarbeitet werden. Die Spende der fertigen Sachen war, zumal bei der anhaltend bitteren Kälte des letzten Winters eine wirksame Unterstützung außerdem wurden auch wieder Kartoffeln und Erbsen vertheilt.
Der letzte harte Winter machte aber noch weitere Maßregeln unvermeidlich und und hat der Armenvorstand daher einen Doppelwaggon Kohlen auf Kosten der Armenkasse beschafft und diese, nachdem einige Fuhrwerksbesitzer sie zur Station Rothe Erde unendgeltlich abgeholt, unter die Armen der Gemeinde vertheilt.
Die Mauer um den hiesigen katholischen Kirchhof war zum großen Theil baufällig und bedurfte daher stellenweise der Erneuerung; im vorigen Jahre ist hiermit der Anfang gemacht worden und soll der Rest in diesem Jahre ausgeführt werden, wozu sich die Anbringung eines neuen Thores gehört, da das vorhandene hölzerne Thor auch erheblich beschädigt ist.
Nach dem die Vergrößerung des Kirchhofs in Venwegen durch Einverleibung des angekauften Schweitzerschen Gartens ausgeführt worden, ist die planmäßige Beerdigung gemäß der für den dortigen Kirchhof erlassenen Reglementh im October 1879 begonnen worden.
Dem Antrage des Gemeinderathes entsprechend ist der hiesigen Gemeinde durch Allerh. Ordre vom 15.Januar 1879 das Recht zur Expropriation des aus der jetzt dem Schneider Roentgen zu Mulartzhütte gehörenden Münch'schen Wiese erforderlichen Terrains zur Vergrößerung des Kirchhofs in Breinig verliehen worden. Demnach hat das Planfeststellungsverfahren und die Ernennung der Experten stattgefunden.
Den Beschlüssen des Gemeinderathes vom 3.November und resp. 9. December 1879 entsprechend sind in Breinig 5 und in Cornelimünster 2 weitere Straßenlaternen angebracht worden, so daß deren Zahl jetzt beträgt:

Laternen
StraßenlaternenStück
Cornelimünster15
Breinig9
Venwegen5
Gesamt29

Ein Verkauf von Gemeindeeigenthum hat seit meinem letzten Bericht nicht stattgefunden; es sind aber mit Genehmigung königlicher Regierung die beiden durch die Wiese 'Krebsloch' hierselbst führende Fußwege aufgehoben und seitens der Eigenthümer der qu. Wiese, Familie Gotthard Startz in Aachen das Eigenthum an dem Terrain dieser Wege mit 5 Mark pro qu. Ruthe der Gemeinde vergütet werden.
Die königliche Regierung hat die Aufstellung eines neuen Betriebs Regulierungs und Ertragsberechnungswerkes für den hiesigen Gemeindewald angeordnet und zur Bestreitung der damit verbundenen Kosten einen extraordinairen Holzschlag bis zur Höhe von 1.872 Mark genehmigt.
Die Gemeindeschulden, welche am 1.April 1879 20.670 Mark betrugen, verminderten sich um die planmäßige Ablage von 2.670 Mark auf 18.000 Mark.
Zur Bestreitung der Kosten der Vergrößerung der Kirchhöfe in Breinig und Venwegen, sowie des Kaufpreises des Büsbacher Antheils an dem Schulhause auf dem St. Gangolfsberge wurden im Laufe des Jahres aufgenommen 1.980 Mark, zusammen 19.980 Mark.
Die Gemeindesteuern betrugen pro 1879/80 80% der Grundgebäude Gemeinde Einkommenssteuer.

Am Donnerstag den 20.März 1879 morgens fünf brach im Wohnhause der Bergmannen Hubert Gier zu Breinigerberg Feuer aus, welches das Wohnhaus nebst Stall und Scheunengebäude bis auf die Umfassungsmauern zerstörte und weniges Mobilar vernichtete. Anhaltspunkt zur Annahme einer Brandstiftung haben sich nicht ergeben.
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wird nach vorherigem feierlichen Gottesdienste, in den festlich geschmückten Schulen in herkömmlicher Weise gefeiert. Im Lehrerseminar hierselbst fand eine, von den Einwohnern des Ortes und der Umgegend recht zahlreich besuchte Feier mit Festrede am Vorabend statt, der allgemeinen Beifall erntete und einen bedeutenden Eindruck auf alle Anwesenden nicht verfehlt hat.
Den Schluß des Festes bildete ein Abendessen im Gasthof 'Zur Post' an welchem 22 Einwohner Theil nahmen.
Am frühen Morgen des 30.April vor. Js. 1879 entstand Feuer in der Scheune des zu Jammetsweiher wohnenden Maurers Jacob Engels, welches aber noch rechtzeitig beherrscht wurde, daß die Wohnung der Familie noch theilweise gerettet wurde. Sowohl Gebäude wie Mobilar des Engels waren gegen Feuerschaden versichert; auch hier hat sich kein Moment ergeben, das auf eine strafbare Handlung hätte schließen lassen.
In der Nacht vom 12. zum 13.Mai 1879 entstand in der Scheune des zu Venwegen gelegenen, dem Ackerer Joseph Stickelmann von Walheim gehörenden, Hauses Feuer, welches sich noch zwei Nachbargebäuden mittheilte und alle 3 Häuser in Asche legte. Die Gebäude und auch die Mobilien der Bewohner, mit Ausnahme einer Familie, waren gegen Feuerschaden versichert. Es lag hier begründeter Verdacht einer böswilligen Brandstiftung vor und ist auch dieserhalb die gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden, welche jedoch Nichts ermittelt hat.

Das höchst erfreuliche Ereigniß der goldenen Hochzeit unseres erlauchten Kaiserpaares wurde am 11.Juni 1879 in Kirche und Schule allenthalben festlich begangen; außerdem war seitens der Gemeinde ein Volksfest arrangirt worden. das unter der Betheiligung der Schuljugend, der hiesigen Vereine, des königlichen Lehrerseminars und des Gemeinderathes am Sonntag den 12.Juni Nachmittags nach vorherigem festlichen Auszuge durch den Ort, im Klauserwäldchen stattfand. Eine Volksmenge, wie sie bei Volksfesten hier noch nicht gesehen wurde, hatte sich aus der Umgegend eingefunden und verlief das schöne Fest bei Concert und Volksbelustigungen, vom herlichstem Wetter begünstigt, ohne jede Störung zur größten Zufriedenheit aller Betheiligten. Nachdem der Festzug Abends 9 Uhr auf dem hübsch beleuchteten Marktplatz wieder angelangt war, wurde das Fest mit einem allerseits begeistert aufgenommenen Hoch auf das geliebte Kaiserpaar geschlossen.

Der Monat Juli 1879 hätte mit Recht der Regenmonat genannt werden können; nur wenige Tage waren trocken und herrschte dabei mitunter eine Kälte, daß der Aufenthalt in nicht geheizten Räumen fast unerträglich war. So z.B. am 10. und 11.Juli, wann sogar eingeheizt werden mußte. Die späteren Monate August und September brachten aber bessere Witterung, indes nur ganz vereinzelt heißen Tage und war der Sommer ein auffallend kühler.
Die vorjährige Ernte hatte sich durchweg um 14 Tage bis 3 Wochen verspätet; hinsichtlich der Heu und der Halmfrüchte war sie durchweg befriedigend, auch bezüglich der Frühkartoffeln, dagegen zeigte sich die Fäulniß bei den Spätkartoffeln allenthalben ganz erheblich.
Der Monat October hatte in etwa gut zu machen gesucht, was der vorigjährige Sommer verfehlt; derselbe brachte eine durchweg freundliche und angenehme Witterung. Anfangs November traten aber schon Fröste und damit der Winter ein. Die letzten Tage des November brachten hintereinander eine durchweg 25 cm hohe Schneedecke, die vermöge ihres festen Lagers bis Ende December Stand gehalten; die Kälte nahm erheblich zu und erreichte am 2. December 1879 17 Grad Reaumur [-21,25°C] am selben Tage, was für hier ganz abnorm bezeichnet werden muß. Die Kälte dauerte bis Ende December wann eine Abnahme wohl zu merken war. Am 23. December war die ganze hiesige Gegend in einen sehr dichten Nebel gehüllt, wie er hier äußerst selten vorkommt.

Am 3. December 1879 Abends gegen 5 ½ Uhr entstand Feuer in der Scheune des Tagelöhners Wilhelm Joseph Birken zu Venwegen, in welcher bis zur Abend Dämmerung gearbeitet wurde. Das Feuer ergriff auch das Mobilars des Birken und die anstoßenden Wohn-, Stall- und Scheunengebäude des Ferdinand Beissel, die vor gänzlicher Zerstörung gerettet wurden. Es wurde hier Fahrlässigkeit vermuthet, wiewohl die angestellten Recherchen die Entstehungsursache nicht ergeben haben.
Gewerbebetrieb und Handel lassen, nachdem sie von dem Druck der Crisis, in welcher selbige sich bisheran befanden, einigermaßen befreit wurden, eine Wendung zum Besseren merken, was allerseits mit Freuden begrüßt wird.


Cornelimünster, den 1.Juni 1880; der Bürgermeister, i. V. der I. Beigeordnete, Ostlender



1880

Bevölkerung
1880mw
Population175516373392
Geburten57491 unehelich
Todesfälle46450 über 90
Trauungen13
geimpfte Kinder68
Liniendienst
Elementarschüler598
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde104
Rindvieh971
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen14
Roggen645
Gerste
Hafer15
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen100
Kartoffeln 32
Preise
PREISEMPfgpro
Heu44050kg
Stroh350kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter260Kilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die am 1.Dezember 1875 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Bevölkerung von 3129 Seelen, während die am 1. December 1880 vorgenommene allgemeine Volkszählung eine solche von 3392 mithin ein Plus von 263 oder 54 3/5 pro Jahr ergeben hat. Indessen muss hiervon zunächst eine Bevölkerung von pr. pr. 110 Personen auf das am 1.Dezember 1876 hier eröffnete Lehrerseminar in Anrechnung gebracht werden und bleibt demnach nur ein Zuwachs von ca 153 Personen. Mit Rücksicht darauf, daß in jedem Jahr die Zahl der hier vorgekommenen Geburten nicht unerheblich größer ist, als die Zahl der Sterbefälle, muß dieser Zuwachs jedoch als unerheblich bezeichnet werden. So überstieg z. B. die Zahl der hier gebornen diejenigen der hier gestorbenen in 1876 um 42
1877 um 46
1868 um 52
1869 um 46
Von diesen Einwohnern wohnen im Orte Cornelimünster Katholiken 1294, evangelischen 3, Israeliten 43, Sa. 1340, in der Pfarre Breinig Katholiken 1549, evangelische 9, Israeliten 0, Sa. 1558 und im Orte Venwegen nur Katholiken 494 zusammen 3392.

Mit dem 1.April 1880 schied der Gemeinde Verordnete Johann Peter Beretz zu Breinig aus dem Gemeinderathe aus, weil er nach Abtretung seines Grundbesitzes an seine Kinder nicht mehr die nach der Gemeinde Ordnung erforderliche Steuer bezahlte. Bei der für ihn und den im vorigen Jahre freiwillig ausgetretenen Gemeinde Verordneten Joseph Kloubert aus Venwegen am 16.Juni 1880 vorgenommene Ersatzwahl wurden für den Rest der Periode bis Ende 1884 die Herren Johann Leonhard Dautzenberg aus Breinigerheide und Barthel Kuck aus Venwegen gewählt und am 3.August 1880 in ihr Amt eingeführt.
An Stelle des mit dem 1.April 1880 aus dem Amte entlaßenen Wegewärters Hubert Hürtgen aus Breinig wurde der Steinhauer Arnold Hermanns daselbst unterm 3.April 1880 zunächst auf 1 Probejahr ernannt.

Die Leistungen des Polizei und Gemeindedieners sowie Feldhüters Friedrich Braun zu Breinig waren längere Zeit hindurch nicht befriedigend und da auch häufige Verwarnungen und sogar Ordnungsstrafen nicht den gewünschten Zweck erreichten, wurde ihm der Dienst zum 1.Oktober 1880 gekündigt und an seine Stelle durch Verfügung des Herrn Landraths vom 22.November 1880 der Ackerer Carl Kröger aus Pech bei Bonn ernannt, welcher den Dienst am 24.November 1880 angetreten hat.
Durch das am 4.Mai 1880 in Rechtskraft getretene Gesetz vom 14.März 1880, betre. die Bestreitung der Kosten für die Bedürfniße der linksrheinischen Kirchen Gemeinden sind in das Eigenthum der Kirchen Gemeinden übergegangen.
1) die am hiesigen Marktplatz gelegene ehemalige Abtei, jetzige Pfarrkirche
2) die am Kirchhofe hierselbst gelegene ehemalige Pfarrkirche, und
3) das bei dieser Kirche gelegene Pfarrhaus nebst Hofraum und den bei den zugehörigen Gärten- und zwar der Kirchen Gemeinde von Cornelimünster,
4) die Pfarrkirche in Breinig und
5) das dortige Pfarrhaus nebst Hintergebäude, Hofraum und Garten in das Eigenthum der KirchenGemeinde Breinig,
6) die Pfarrkirche in Venwegen und
7) das dortige Pfarrhaus nebst Hofraum und dem dort gelegenen Pfarrhausgarten in dasjenige der Kirchen Gemeinde Venwegen die Civil Gemeinde ist dadurch von ihrer Verpflichtung, zur Unterhaltung dieser Gebäulichkeiten Beiträge aus ihrem Vermögen zu leisten, entbunden worden.

Auf den Antrag des Schulvorstandes wurde der an der Unterklasse der Schule zu Breinig angestellte Lehrer Heinrich Wilhelm Vennedey, dessen Führung in mehrfacher Hinsicht Grund zu Tadel gegeben, vom 15.November 1880 ab nach Hülhoven im Kreise Heinsberg versetzt. Da ein qualifizirter Lehrer für die Stelle z. Z. nicht zu haben ist, mußte dieselbe vor der Hand wieder interimistisch verwaltet werden.
Auf meinen Antrag hat der Vorstand des Vereins zur Beförderung der Arbeitsamkeit in Aachen zum Zwecke der Erhöhung der Renumeration der an der Fortbildungsschule in Breinig thätigen Lehrer Jansen und Gilles bis auf zusammen 300 Mark pro Jahr einen Sachzuschuß für die Zeit vom 1.Oktober per Js. bis Ende März. zur Höhe von 60 Mark bewilligt.

Bezüglich der Abrechnung mit dem Unternehmer des Wegebaues von Krauthausen nach Bilstermühle stellten sich Differenzen ein, die, wiederholter Versuche ungeachtet, nicht ausgeglichen werden konnten. Da der Unternehmer Hoven hierdurch seine Ansprüche nicht befriedigt erachtet, hat derselbe den gerichtlichen Weg beschritten und den betheiligten Gemeinden Cornelimünster und Büsbach die desfallsige Ladung zustellen lassen.
Die dringend erforderlich gewordene neue Dielung des Schulsaales der oberen Knabenklasse in Breinig ist während der diesjährigen Herbstferien ausgeführt worden.

Einem lang gefühlten Bedürfnisse entsprechend wurden 3 Gemeindebrunnen im Orte Breinig mit neuen Pumpen versehen. Dasselbe wird bezüglich des zu Breinigerheide vorhandenen Gemeindebrunnens in Gemäßheit des Gemeinderathsbeschlusses vom 13.Oktober 1880 geschehen.

Der hiesige Brunnen 'Hahndorn' wurde im Sommer vor. Js. mit einer hausteinernen Einfassung versehen, zu deren Kosten die Herren G.A. Bischoff Söhne in Aachen Besitzer einer hiesigen Tuchfabrik, einen Beitrag von 100 Mark freiwillig geleistet haben.
Der Ausbau einer ferneren 280 m langen Strecke des Holzabführweges im Districte Helmesblech des Gemeindewaldes ist im vorigen Jahr erfolgt.

Durch den Tod einer hiesigen vermögenslosen Witwe sind der Armenpflege 3 Waisenkinder anheim gefallen, wodurch die Ansprüche der Armen Verwaltung sich um ca. 440 Mark höher stellen als im Vorjahre.
Auch im verflossenen Winter hat der Armen Vorstand aus den den Armen der Gemeinde Cornelimünster zukommenden Stiftungs Revenüen eine größere Partie Hemden, Strümpfe und Bettzeug angeschafft und nachdem diese Sachen wieder durch hiesige Damen unentgeltlich fertig gestellt worden, unter die Armen vertheilt. In gleicher Weise sind noch Kartoffeln, Erbsen und Kohlen vertheilt worden.

Nachdem im vorvorigen Jahre der erste Theil der baufälligen Mauer um den hiesigen katholischen Kirchhof erneuert worden, ist im Jahre 1880 der übrige Theil derselben reparirt resp. erhöht und erneuert worden und an Stelle des alten und schadhaft gewordener Hölzernen Thores ein neues Eisen Gitter Thor angebracht worden.
In weiterer Durchführung des im Jahre 1879 begonnenen Expropriationsverfahrens hinsichtlich des aus dem Roentgen'schen Besitzung zu Breinig erforderlichen Terrains zur Vergrößerung des dortigen Kirchhofs, hat die Expertise des Terrains und demnach die Feststellung des durch die Expertise ermittelten Werthes als dem Roentgen gebührende Entschädigung stattgefunden. Da der Roentgen sodann innerhalb der gesetzlichen Frist von 6 Monaten den Rechtsweg gegen die Festsetzung der Entschädigung nicht beschritten, hat die königliche Regierung durch Resolut vom 5.November 1880 die Enteignung des qu. Terrains zu Gunsten der hiesigen Gemeinde ausgesprochen. Wiewohl der ?. Roentgen nun doch nach Ablauf der sechsmonathigen Frist den Rechtsweg beschritten und der hiesigen Gemeinde eine Ladung zum 4. des Mey hat zugehen lassen, ist diese wegen Verjährung abgewiesen worden und werden die Arbeiten zur Einverleibung des Terrains bereits vorgenommen.
Ein Verkauf von Gemeinde Eigenthum hat im Laufe dieses Jahres nicht stattgefunden; es wird aber die Veräußerung aller derjenigen Wege Absplisse, die früher unverkauft geblieben, beabsichtigt und ausgeführt, sobald die ziemlich umfangreichen Vorarbeiten beendigt sein werden.

Mit der Anfertigung eines neuen Betriebsregulirungs und Ertragsberechnungswerkes für den hiesigen Gemeindewald unter der Leitung des Oberförsters Oster ist der Oberförster vom Candidat Bollig beauftragt worden und wird dieser die Arbeit in der nächsten Zeit in Angriff nehmen.
Die Gemeindeschulden, welche am 1.April vorigen Jahres 19.980 Mark betrugen, haben im Laufe desselben Jahres keine Erhöhung erfahren, vielmehr durch die planmäßige Ablage von 2.400 Mark sich vermindert bis auf 17.580 Mark.
Während der vorigjährige Holzverkauf einen Erlös von 12.261 Mark ergeben und die Gemeinde Umlage pro 1880/81 110% der Grund und Gebäude, sowie Gemeinde Einkommenssteuer betrug, belief der Holzfällungsplan pro 1881 sich nur auf die Summe von 7.600 Mark. Der am 27.Dezember vor. Jahres stattgehabte Holzverkauf ergab ein sehr ungünstiges Resultat; während bei 14 Loosen die Gebote derart unter Taxe blieben, daß der Zuschlag nicht ertheilt werden konnte, wurden die übrigen 22 Loose größtentheils zur Taxe und nur wenige mit unerheblichen Aufgeboten zugeschlagen. Dies hat, selbst bei der Voraussetzung, daß bei einem nun zu versuchenden Holzverkaufe ein der Taxe des Holzfällungsplans entsprechendes Resultat erzielt werde, eine nicht unerhebliche Erhöhung der Gemeinde Umlage zur Folge, die bei aller Sparsamkeit im Haushalte nicht zu umgehen ist.

Nachdem der Frost im Winter 1879/80, abgesehen von einigem Thauwetter in den letzten Tagen des Dezember 1879, bei einer festen Schneedecke, welch letztere von Ende November 1879 bis Anfangs Februar 1880 gelegen, fortwährend angedauert hatte, folgte in der Zeit von Anfangs März bis Mitte Mai 1880 eine derart trockene Witterung, daß Gärten und Äcker und besonders die Wiesen und Weiden erheblich darunter litten, letztere in dem Maaße, daß das Gras in allen nicht feuchten Lagen, besonders an Bergabhängen, vertrocknete, ein Zustand, der dem Landmann recht große Verlegenheit bereitete und manchen Vielbesitzer zwang, wegen Mangels an ausreichendem Futter seinen Rindviehbestand zu verringern, was zur Folge hatte, daß der Preis des Rindviehes merkenswerth wich. Unter der großen Trockenheit litt von den Feldfrüchten am Meisten der Roggen, welcher eine ordentliche Entwicklung entbehren mußte. Gegen Mitte Mai kam indessen der Regen gar reichlich und wurde hierdurch noch manches nachgeholt, so daß die Erndte in fast allen Getreide Arten viel günstiger wurde, als die Aussichten im Frühjahr hatten hoffen lassen; nur der erste Schnitt des Grases und des Klees waren unerheblich, um so reichlicher aber auch der Nachwuchs.
Die Kartoffel Erndte war im Allgemeinen befriedigend, sowohl hinsichtlich der Quantität wie der Qualität.

Wiewohl der Winter außerordentlich früh und zwar am 22.Oktober seine Ankunft durch eine dünne Schneedecke anzeigte, hat er im Gegensatz zu seinem Vorgänger bis jetzt noch gar wenig Härte fühlen lassen. Außer der leichten Schneedecke und wenigen Tagen intensiven Frostes hat derselbe bis jetzt keine winterliche Witterung gebracht, dagegen meist milde Temperatur und in der letzten Woche fast anhaltenden Regen, mitunter mit orkanartigem Sturm verbunden. Während die Zeitungen aus allen Gegenden, namentlich aus Belgien und vom Rhein Berichte über Ueberschwemmungen sowie Abrutschungen von Bergabhängen neben Eisenbahnen und sogar über Bewegungen aufgeweichten Eisenbahndämmen bringen, die mehrere Unglücke zur Folge gehabt, hat der hiesige Ort nur ein einziges mal das Wasser in seinen Straßen gesehen und zwar am 20.Dezember 1880 in Folge der Rückstau zweier Kanäle. Die seit einigen Jahren gründlich durchgeführte Reinigung der Bäche hat eine viel raschere Vorfluth und damit eine Verminderung der Ueberschwemmungen der hiesigen Straßen nachweislich zur Folge gehabt.
Dadurch daß der Allerh. Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs im verflossenen Jahre in die Charwoche fiel war dessen Feier eine getheilte, indem bereits Freitag den 19.März Nachmittags vor Lehrerseminar eine Vorfeier hielt, Sonntags die Schulen feierten und Sonntags in den Kirchen feierliches TeDeum gehalten wurde. Unter diesen Umständen und da der Sonntag vielfach nicht beliebt wurde, ist von einem offiziellen Festessen hier abgesehen worden.

Am 28.April vorigen Jahres Nachmittags entstand im Wohnhause des Bergmannes Peter Jakob Schell zu Breinig Feuer, welches dieses Haus total und die Nachbargebäude des Steinhauers Johann Jacob Hermanns zum Theil zerstörte. Beide Häuser sowie die Möbel, wovon auch ein kleiner Theil verbrannte, waren gegen Feuerschaden versichert. Die Ursache des Feuers hat nicht ermittelt werden können, wird aber wohl auf den mangelhaften Zustand des alten Kamins im Schell'schen Hause zurückzuführen sein.

Ihre Majestät die Königin von Belgien, welche im Sommer voriges incognito in Aachen als Kurgast verweilten, passirten auf Ihren zahlreichen Ausflügen in die Umgebung von Aachen mehrere Male die hiesige Gemeinde. Am 28.September Nachmittags wohnten Ihre Majestät der vom Aachener Reiter Verein zu Brand veranstalteten Schnitzeljagd bei und besuchten dann, lediglich von einer Hofdame begleitet, die Eremitage im hiesigen Klauserwäldchen; demnach geruhten Sie, in der in der Nähe belegenen Restauration von Crott eine Tasse Kaffee mit Butterbrod serviren zu lassen, wofür Sie den Wirthen in gewohnter Weise sehr reichlich (mit 40 Mark) honoriren ließ, und kehrten nach ½ stündigem Aufenthalte wieder nach Aachen zurück.


Cornelimünster den 15.April 1881; der Bürgermeister, Hochstenbach



1881

Bevölkerung
1881mw
Population175516373392
Geburten54543 unehelich
Todesfälle39271 über 90
Trauungen10
geimpfte Kinder65
Liniendienst
Elementarschüler587
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde103
Rindvieh999
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen16
Roggen10
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 36
Preise
PREISEMPfgpro
Heu450kg
Stroh450kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter260Kilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die am 1.Dezember 1880 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Bevölkerung von 3392 Seelen, die kürzlich aufgestellte Klassensteuer Rolle pro 1882/83 eine solche von 3424 Seelen, so daß ein Zuwachs stattgefunden von 32 Seelen.
Hiervon bekennen sich zur katholischen Religion 3368, zur evangelischen Religion 13 und zum jüdischen Bekenntnisse 43, zusammen 3424.
Dem Turnus gemäß schieden mit Ende vor. Jahres die Herren 1. Egidius Nicolai, 2. Winand Biervert, 3. Peter Joseph Ostlender, 4. Mathias Joseph Lamberts, 5. Egidius Hamacher aus Cornelimünster, 6. Arnold Wagemann aus Breinig, 7. Hubert Winkhold aus Schützheide, 8. Wilhelm Lauter und 9. der im März vor. Js. aus der Gemeinde verzogene Jacob Keller von Venwegen aus dem Gemeinderath aus.
Bei den am 16.November vor. Js. stattgehabten Ergänzungswahlen wurden die Herren Nicolai, Biervert, Ostlender, Hamacher und Winkhold wiedergewählt und an Stelle der übrigen Franz Esser, Stellmacher aus Cornelimünster Mathias Gelles, Maschinenmeister von Breinigerberg Barthol. Wagemann, Schreiner und Peter Joseph Birken, Ackerer beide von Venwegen, neu gewählt.
Der seit dem 26.November 1880 provisorisch fungirende Carl Kroeger aus Pech wurde mit Zustimmung des Gemeinderathes durch den Herrn Landrath unterm 22.Oktober vorigen Jahres definitiv zum Polizei und Gemeindediener sowie Feldhüter der hiesigen Gemeinde ernannt.

Der seinem Vater zur Unterstützung beigegebene Waldwärter Johann Hubert Kremer entsprach nicht den an ihn gestellten Anforderungen; er wurde daher am 1.April ab pensionirt und unterm 8.August Js. vom Gemeinderathe der Hülfsförster Franz Andres aus Heidweiler zum Gemeindeförster gewählt und von der königl. Regierung unterm 26.August 1881 bestätigt.
Die Restauration der hiesigen ehemaligen Benedictiner Abtei jetzige Pfarrkirche ist im vorigen Frühjahr wieder rüstig aufgenommen worden. Den vielen Bemühungen des hiesigen Kirchen Vorstandes ist es gelungen, von dem im November vor. Js. versammelt gewesene Rhein Provinzial Landtage eine Beihülfe von 15.000 Mark zu den Restaurations-Kosten zu erhalten, ein erfreulicher Beweis für das große Interesse welches das altehrwürdige Gotteshaus in den weitesten Kreisen findet.

In den Tagen vom 10.Juli bis 26.Juli 1881 fand die alle 7 Jahre wiederkehrende Heiligthumsfahrt in altherkömmlicher Weise hierselbst statt. Der Andrang von Fremden war ein sehr bedeutender und hat zweifelsohne die die erhebliche Frequenz von 1874 noch übertroffen, was schon zur Genüge daraus erhellt, daß die Einnahme der hiesigen Kirche aus Eintrittskarten hinter derjenigen von 1874 nicht zurückgeblieben ist, wiewohl in letzteren Jahre eine viel stärkere Circulation des Geldes stattfand wie in 1881.

Am 21.Juli war der Herr Bischof von Hildesheim und am 25.Juli der Herr Weihbischof Dr. Baudri von Köln hier. Beide Herren nahmen selbst die öffentliche Zeigung der Heiligthümer vor.
Meinem Vorschlage entsprechend hat der Gemeinderath genehmigt, daß auf dem Gemeinde Eigenthum zu Schützheide eine Obstbaumschule angelegt werde, damit die männliche Schuljugend dort Gelegenheit zur Ausbildung in der Obstbaumzucht finde und damit den Kern lege zur Hebung dieses wichtigen Zweiges der Landwirthschaft und Förderung des Wohlstandes der Gemeinde Angehörigen.
Der Holzabfuhrweg im Walddistrict Helmesblech ist im Vorjahre auf einer weiteren Länge von 150 m ausgebaut worden.

Die sehr unregelmäßige und recht unschöne Futtermauer vor den Häusern von Johan Peter Brammertz und Heinrich Schönauen hierselbst wurde im verflossenen Jahre abgelegt und durch eine regelmäßige niedrige Mauer auf welcher eine Böschung angebracht worden, ersetzt. Dadurch war es möglich, den zur Apotheke führenden Fußweg zum Fahrweg zu erbreitern. Nach dem sodann das vor der Brücke stehende alte Kreuz beseitigt und an dessen Stelle durch die Freigebigkeit hiesiger Einwohner ein zierliches Kapellchen errichtet worden, hat diese ganze Partie ein freundlicheres Ansehen erhalten.
Die Beseitigung der recht häßlichen und hindernden Ecken beim Seminar Blumengarten ist schon längere Zeit der Gegenstand meines Wunsches gewesen und bin ich hierüber bei der königlichen Regierung vorstellig geworden und glaube ich mit dem besten Erfolg hiervon versprechen zu können.

Der im vorigen Jahr seitens des Unternehmers Hoven anhängig gemachte Prozeß hinsichtlich der Abrechnung bezüglich des Wegebaues von Bilstermühle nach Krauthausen ist bis jetzt noch nicht zur Verhandlung beim kgl. Landgericht gekommen.
Dem Beschlusse des Gemeinderathes vom 13.Oktober 1880 entsprechend ist der dem Hause des Ackerers Heinrich Dautzenberg zu Breinigerhaide gegenüber stehende Gemeindebrunnen mit einer Pumpe versehen worden.

Die am Kirchhofsberge stehenden Pappeln wurden gefällt und durch eine Lindenpflanzung ersetzt.
Der im Februar 1880 in Cornelimünster ins Leben gerufene Wohlthätigkeits Verein kann mit Befriedigung auf seine seitherige Thätigkeit zurückblicken. Die Einnahme betrug im ersten Vereinsjahre (1/5 80-30/4 81) 905 Mark 35 Pfg. welche hauptsächlich in Naturalspenden den Armen zu Gute gekommen sind. Mit dem Vereins Vorstande Hand in Hand gehend, hat der hiesige Armen Vorstand fortgefahren, aus den Stiftungs Revenüen zu Gunsten der Armen der Pfarre Cornelimünster Kartoffeln, Erbsen, Hemden, Strümpfe und Bettzeug zu beschaffen und damit die Noth der Armen in wirksamster Weise gelindert.
Leider hat der von mir gleichzeitig in Breinig ins Leben gerufene Wohlthätigkeits Verein keine lange Dauer gehabt, was umso mehr zu beklagen ist, als die Resultate solcher Vereine in jeder Richtung hin günstig wirken.

In Folge meiner Anregung hat sich in Cornelimünster eine freiwillige Feuerwehr gebildet, der 31 Mitglieder beigetreten sind. Es wird nun Sache die Kameradtschaftlichkeit zu erreichen, daß die Feuerwehr zur Lösung ihrer Aufgabe fähig wird. Mit der Bildung einer ähnlichen Feuerwehr in Breinig soll in der nächsten Zeit vorgegangen und dabei die hier bei der Organisation gemachten Erfahrungen benutzt werden. Sobald die Feuerwehren Bestand zeigen und an den Tag legen, daß sie ihre Aufgabe zu lösen vermögen, wird die Gemeinde zur Anschaffung von Löschgeräthen übergehen müßen, die der Organisation der Feuerwehr angepaßt sind.

Nachdem die von dem Schneidermeister Roentgen gegen die Fristsetzung der Entschädigung für das im Enteignungswege aus seiner Wiese zum Kirchhof in Breinig genommene Terrain nach Ablauf der 6 monatlichen Frist erhobene Klage vom kgl. Landgericht kostenfällig abgewiesen worden, wurde das Terrain in Besitz genommen, der ganze Kirchhof mit einer planmäßigen Drainage versehen und die neue Fläche auch mit einer Mauer eingeschlossen.

Zur Regelung des Beerdigungswesens wurde alsdann von mir ein Reglement nebst Plan entworfen, welches von der kgl. Regierung unterm 8. vor. Mts. genehmigt worden. Es erübrigt nur noch beim Eintritt der günstigeren Witterung das Kirchhofskreuz und das Eingangsthor dem Plan entsprechend zu versetzen und der Kirchhof wird in allen Theilen fertig sein.
Seit meinem letzten Berichte hat ein Verkauf von 74 a 28 m Terrain der großen Breinigerhaide an den Bergwerksbesitzer Reinhard Reidt von Mausbach zum Preise von 710 Mark 62 Pfg. stattgefunden. Die ziemlich umfangreichen Vorarbeiten für den Verkauf der noch vorhandenen Wege-Absplisse hat der Geometer Radeke derart verzögert, daß der Verkauf bis jetzt noch nicht beschlossen werden konnte. Die Erledigung steht jedoch nunmehr in naher Aussicht.

Das neue Betriebsregulirungs und Ertragsberechnungswerk für den hiesigen Gemeindewald ist seitens des Oberförster Candidaten Bollig bis jetzt noch nicht in Angriff genommen, weil er mit den persönlichen Arbeiten für die Gemeinden Brand und Büsbach noch nicht zum Abschluß gekommen.
Der von mir in der Sitzung vom 31.Dezember 1880 gemachte Vorschlag, die Ertheilung von Erlaubnißscheinen zum Sammeln von Raff und Leseholz im Gemeindewald einzuführen, wurde vom Gemeinderathe abgelehnt. Nach den mit dieser Einrichtung anderwärts gemachten Erfahrungen kann ich nur wiederholen, daß diese Maßregel nicht allein eine durchaus billige neue Einnahmequelle der Gemeindekasse, sondern auch geeignet ist, dem Holzfrevel immer mehr Einhalt zu thun.

Die Frage des Eigenthums an dem halbrunden Auslauf der Quelle vor der St. Antonius Kapelle wurde in Folge von Besitzhandlungen des Bierbrauers Egidius Hamacher zur Sprache gebracht und durch eine geometrische Feststellung der Grenzen des von dem Vater des Hamacher früher von der Gemeinde gekauften Terrains zweifelsohne ermittelt, daß der qu. Wasserauslauf, der übrigens auch auf Gemeindekosten erbaut worden, ausschließlich auf Gemeinde Eigenthum steht.

Die Gemeindeschulden, welche am 1.April 1881 17.580 Mark betrugen, wurden um den zur Bestreitung des Gemeindezuschusses zu der Einquartierungs Entschädigung erforderlichen Betrag von 4.500 Mark vermehrt 22.080 Mark davon sind Ende dieses Rechnungsjahres 2.400 Mark abzulegen, sodaß sie am 1.April 1882 betragen 19.680 Mark.
Die Gemeindesteuern, welche pro 1881/82 100% der Grund und Gebäudesteuer und 150% der Gemeinde Einkommenssteuer betrugen werden eine Erhöhung nicht erfahren, trotz dem im nächsten Jahre die Schuldentilgung um 1.200 Mark höher ist als im laufenden Rechnungsjahre.
Die nicht allein die Eifel sondern auch die ganze hiesige Gegend so lebhaft interessirende Frage einer Eisenbahn Verbindung kam in Folge des großen Entgegenkommens Sr. Excellenz des Herrn Ministers für öffentliche Arbeiten im Frühjahre vor Jahres neuerdings in Fluß, was die Vertretungen der Gemeinden Cornelimünster, Brand und Walheim veranlaßte, in einer Petition vom 30.März vor. Js. dem Herrn Minister die Gründe vorzutragen, die für den Bau der Eisenbahn durch das Cornelimünsterländchen sprechen.
Diese Bitte fand geneigtes Gehör und der Herr Minister veranlaßte sofort die erforderlichen generellen Vorarbeiten, welche in kurzer Zeit so wohl gefördert wurden, daß der Herr Minister bereits unterm 19. September vorigen Jahres sich für den Bau der Bahn von Rothe Erde über Brand, Cornelimünster, Walheim, Raeren und Roetgen über Montjoie bis St. Vith entschied und die Verhandlungen bezüglich der Hergabe des Terrains zu dem Bahnbau seitens der interessirten Kreise und Gemeinden mit der Absicht eröffnete, den demnächst zusammentretenden Häusern des Landtags einen bezüglichen Gesetzentwurf vorzulegen, wenn die Terrainfrage befriedigend erledigt werde.
Der hiesige Gemeinderath hat in seiner Sitzung vom 9.November vor. Js. beschlossen, das von der Bahnlinie berührte Gde. Eigenthum unentgeltlich dem Staate zur Verfügung zu stellen und das erforderliche Privat-Eigenthum anzukaufen und dem Staate zu überweisen, wenn die kgl. Staatsregierung die Hälfte der Erwerbskosten übernimmt.

Von Seiten hiesiger Industriellen sind der Gemeinde Beihülfen hierzu zur Summe von 7.000 Mark zugesagt worden, was die Opfer, welche die Gemeinde in Anbetracht der großen Bedeutung einer Eisenbahn für die hiesige Gegend und bei dem Umstande, daß eine solche ohne erhebliche Kosten nicht zu erlangen war, immerhin nennenswerth erleichtert.

Die Lage des hier projektirten Bahnhofs in der nächsten Nähe des Ortes an der Abzweigung der Wege nach Schleckheim und Oberforstbach kann nur als eine allen Interessen entsprechende bezeichnet werden und hat hier auch allgemein befriedigt.
Die gleichzeitig schwebenden Verhandlungen über den Anschluß der Stolberger Thalbahn an die Strecke Aachen-Montjoie-St. Vith sind inzwischen auch soweit gediehen, daß die Frage der Hergabe des erforderlichen Terrains den Gemeinderath am 11.Januar J. bereits beschäftigt hat und dabei die gleichen Bewilligungen gemacht worden, wie bezüglich der Strecke Aachen-Montjoie, jedoch nur bei Ausführung des staatlichen Projectes. Demnach darf das Resultat der schwebenden Landtags Verhandlungen freudig und hoffnungsvoll erwartet werden.
Im August und September fanden in hiesiger Gegend größere militairische Uebungen, u. a. auf dem Plateau zwischen Frohnhof, Krauthausen, Dorf und Breinigerhaide Exerciren der 30. Infanterie Brigade, bestehend aus dem 2. Rhein. Infanterie Regiment No. 28 und dem 6. Rhein Infanterie Regt. No. 68, denen das Garde Grenadier Regiment Königin Augusta noch zugetheilt war, statt.
In Folge dessen war die hiesige Gegend mit Einquartierung stark belegt und zwar der Ort Cornelimünster von 26/8-2/9 mit dem Brigadestab und dem Stab des Grenadier Regiments vom 26/8-5/9 mit einem Bataillon des Grenadier Regiments, vom 10. bis 11/9 mit dem Stab und ½ Escadron des königl. Husaren Regiment, die Ortschaften der Pfarre Breinig in den Tagen vom 26/8-2/9 mit 1 Bataillonsstab und 3 Compagnien des 28. Regts. und vom 10/9--11/9 ½ Escadron Königs Husaren und der Ort Venwegen vom 26/8-8/9 mit 1 Compagnie vom 28. Regt. und 3. bis 6/9 mit einer halben Batterie Artillerie.

Auf die zeitigen Wünsche erfolgte die Einquartierung der Truppen mit Verpflegung, und leistete die Gemeinde zu der Verpflegungs Entschädigung des Reiches ad 71 Pfg. pro Mann und Tag einen Zuschuß bis zur Höhe von 1 M. 25 Pfg. der hier zu erforderliche Betrag von 4.500 Mark wurde im Wege der Anleihe beschafft um in den 3 folgenden Jahren mit je 1500 Mark getilgt zu werden. Wiewohl das militairische Schauspiel recht viel Leben und Bewegung gebracht hat, so kann, angesichts der durch die Einquartierung entstehenden großen Belastung der Gemeinde eine Wiederholung desselben diesseits keineswegs gewünscht werden.

Die mißliche Lage der Landwirthschaft veranlaßte mich, die Bildung eines landwirthschaftlichen Casinos für die Gemeinden Cornelimünster, Brand und Walheim in die Hand zu nehmen, dessen Constituirung sodann in der Versammlung der Landwirthe vom 30.Oktober v. Js. beschlossen wurde. In der Sitzung vom 6.Januar Js., bis wohin dem Casino 41 Mitglieder angehörten, ist dasselbe aus dem Rahmen der Verhandlungen zu dem Entschlusse einer ersten That übergegangen, die in der Beschaffung von 4 ostfriesischen Zuchtstieren besteht. Das große Interesse, welches dem Casino bis jetzt entgegen gebracht wird, läßt hoffen, daß dasselbe einen dauernden Bestand erhalten und zur Förderung des Wohlstandes der Gegend beitragen wird.

Am 10.Mai vorigen Jahres Abends gegen ½ 11 Uhr brach in einem Schuppen neben der Scheune der Bierbrauerei Besitzer Aegidius Hamacher hierselbst Feuer aus, welches, da dieser Schuppen mit Stroh gefüllt war, alsbald auch die in der Scheune lagernden Fruchtvorräthe ergriff, sich den Wohnhauses nebst Bierbrauerei erfaßte. Den energischen Bemühungen der alsbald herbeigerufenen freiwilligen Feuerwehr in Cornelimünster und des Publikums gelang es indeß, das Dach des Wohnhauses und der Brauerei von dem Feuer zu befreien und letzteres auf die Scheune nebst Schuppen zu beschränken, welche total ausbrannten. Ueber die Entstehung der Feuersbrunst ist trotz gerichtlicher Untersuchung nichts ermittelt worden.

Am 2.Juni vor. Js. feierte Herr Sanitätsrath Dr. Dick von hier das seltene Fest des 50 jährigen Doctor Jubiläums. Se. Majestät der Kaiser hatten dem Jubilar in Anerkennung seiner Verdienste den königlichen Kronen Orden 3. Klasse verliehen, welchen der Unterzeichnete Morgens feierlich überreichte. Abends fand in der Klause beim Gast Wirthen Crott unter reger Betheiligung aus Nah und Fern ein schönes Fest statt, wozu der Jubilar nebst seiner Angehörigen als Ehrengäste geladen waren. Gesänge und fröhliche Weisen einer Musik Capelle hielten die Festgenossen in heiterer Stimmung bis zur frühen Stunde zusammen.
Am 6.September vor. Js. sprang in der hierselbst gelegenen Tuchfabrik der Herren G.A. Bischoff Söhne ein Endenwolf auf ein bis jetzt unerklärliche Weise auseinander, wodurch der Spinnmeister Johann Meuthen sehr erheblich verletzt wurde, während der Direktor der Weberei Gustav Brauns, sowie die Fabrikarbeiterin Carolina Schmitz mit leichten Verletzungen davonkamen.
Am 18.November Nachts 11 Uhr 18 Minuten wurde in hiesiger Gegend allgemein ein Erdbeben wahrgenommen, das sich zwischen Nordwest und Südost wellenförmig bewegte und 8 bis 10 Secunden dauerte. Ein starkes Getöse das manche Leute aus festen Schlafe weckte ging der ziemlich starken Bewegung unmittelbar voran. Beschädigungen an Gebäuden sind nicht vorgekommen oder bekannt geworden.

Die diesjährige Erndte hat nicht das Resultat geliefert, das der Stand der Feldfrüchte vor der Blütezeit erwarten ließ, da nämlich die anhaltend nasse Witterung im Monat August vor. Js. sowohl die Reife als auch später die Erndte sehr beeinträchtigt hat. Bei den Kartoffeln fand sich in Folge der andauernden Nässe allenthalben eine sehr starke Fäulnis, wohingegen dieselben in beiden Fällen nicht befriedigte. Die Futterkräuter waren qualitativ gut, quantitativ mangelhaft.

Der Winter hat bisheran in mehrfacher Hinsicht viel mit seinem Vorgänger gemein. Die Witterung war, abgesehen von einigen Frösten, keineswegs winterlich, sondern mehr lenzartig und namentlich für die Wintersaaten, die im durchweg nassen Herbste zur Bestellung gekommen und daher leicht hätten Schaden nehmen resp. schwachen Fortgang zeigen können außerordentlich günstig. Die Saaten haben durchweg einen recht befriedigenden Stand.
Nicht weniger günstig war die Witterung aber auch für die Viehbesitzer die ihren Viehstand aus Mangel an genügendem Stallfutter lange auf die Weide geschickt. Wenn die letztere selbstredend auch nur halbes Futter gewährte, so kam der Landmann doch über manche Verlegenheit hinweg und unterliegt es keinem Zweifel daß der Viehstand hätte decimirt werden müssen, zum größten Nachtheil der Besitzer, wenn die Witterung den Nothbehelf nicht gewährt gehabt. Von Schnee ist wenig zu sehen gewesen.


Cornelimünster den 1.März 1882; der Bürgermeister, Hochstenbach



1882

Bevölkerung
1882mw
Population3417
Geburten53551 unehelich
Todesfälle38280 über 90
Trauungen10
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler602
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die am 1.Dezember 1880 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Bevölkerung von 3392 Seelen, die kürzlich aufgestellte Klassensteuer Rolle pro 1883/84 eine solche von 3417, so daß ein Zuwachs stattgefunden von 25.
Hiervon bekennen sich zur katholischen Religion 3356, zur evangelischen Religion 10 und zum jüdischen Bekenntnisse 45, Summa 3417.
Im Jahre 1881 wurden hier geboren: männliche Kinder 53, weibliche Kinder 55, Summa 108 , davon war 1 unehelich geboren.
In demselben Zeitraum starben: männliche Personen 38 , weibliche Personen 28 , Summa 66, sodaß die Zahl der geborenen diejenige der Gestorbenen um 42 übersteigt. In der Zahl der Gestorbenen sind 6 todtgeborene Kinder enthalten.
Die Zahl der in 1881 hier vollzogenenTrauungen beträgt nur 10.

Nachdem die 6 jährige Periode des Beigeordneten Herrn Peter Joseph Ostlender abgelaufen und seine Wieder-Ernennung auf weitere 6 Jahre durch die königliche Regierung am 4.Mai pr. erfolgt war, fand am 19.Mai vor. Jahres seine Wieder Einführung in das Amt statt. Mit dem 1.Oktober vor. Jahres ging die 3 jährige Stellvertretung zu Ende und wurden die Herren Emil Pauls von hier als Schiedsmann und Tillmann Kaldenbach von Breinig als Stellvertreter vom Gemeinde Rath am 4.October vor. Jahres auf drei Jahre wiedergewählt.
Der königliche Landrath des Landkreises Aachen Herr Hasenclever hat nach mehr als 32 jähriger Thätigkeit an der Spitze des Kreises mit dem 1.Januar vr. Js. von Sr. Majestät dem Kaiser und König die erbetene Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand erhalten und ist Allerhöchsten Orts zum Geheimen Regierungsrath ernannt worden. Leider ist sein Gesundheits Zustand derart, daß er die ihm angebotene allgemeine Ovation als Ausdruck der Dankbarkeit und Hochachtung ablehnen mußte, demnach erübrigte nur, daß die Bürgermeister des Landkreises im Namen der Verwalteten dem geehrten Herrn in einer Gesammt Adresse ihr lebhaftes Bedauern über das erfolgte Ausscheiden aus dem Amte bekundeten, womit sie sodann den Wunsch verknüpften, daß die wohlverdiente Ruhe seine Gesundheit wieder befestigen und er noch recht lange seiner Familie und seinen zahlreichen Freunden erhalten bleiben möge.

Mit der interimistischen Verwaltung des Landraths Amtes des Landkreises ist der Regierungs Assessor Herr Freiherr von Coels von der Brugghen aus Aachen betraut worden.
Die Restauration der hiesigen ehemaligen Benedictiner Abtei jetzige Pfarrkirche ist durch den hiesigen Kirchenvorstand im verwichenen Jahre ohne Störung weiter gefördert worden.
Dem Bedürfniß der Vermehrung der Schulklassen in Breinig ist dadurch entsprochen worden, daß die obere Etage des alten Schulhauses in der Nähe der Kirche zu einem Schulsaale ausgebaut wurde. Auf den Antrag des Schulvorstandes genehmigte sodann die königliche Regierung, daß die Schule in Breinig fortan als eine Knaben und eine Mädchenschule eingerichtet und der Knabenschule das Haus in der Dorfstraße bei der Kirche und der Mädchenschule dasjenige auf dem Essig überwiesen wurde.
Nachdem alsdann die vom Schulvorstand gewählte Schulamts-Candidatin Christine Hansen aus Eupen als Lehrerin an die neu creirte Stelle berufen worden, konnte der Schul Unterricht am 4.Dezember vor. Js. eröffnet werden.
Am 25.Februar vor. Js. verschied nach langwieriger Krankheit der Pfarrer von Venwegen Herr Jakob Adams im Alter von 57 Jahren. Seine Thätigkeit war in Folge des leidenden Zustandes jahrelang eine äußersth beschränkte. Eine Minderbesetzung der Stelle hat in Folge des noch immer schwebenden Conflictes zwischen der königlichen Staats Regierung und dem heiligen Stuhl, dessen Ausgleich allerseits sehnlichst herbeigewünscht wird, leider noch nicht stattgefunden. Zum Nachfolger des Verstorbenen als Localschul Inspector für Venwegen ernannte die königliche Regierung auf hierseitigen Vorschlag den Pfarrer von Hahn Herrn Hoegel.

Der beim königlichen Landgerichte in Aachen anhängige Prozeß des Wegebau Unternehmers Hoven gegen die Gemeinden Cornelimünster und Büsbach betreff seiner Mehrforderungen aus dem Bau des Weges von Bilstermühle nach Krauthausen ist nur zum kleinsten Theile zu Gunsten des Hoven entschieden und ihm die Hälfte der Kosten zur Last gelegt worden. Die Abrechnung hat inzwischen stattgefunden.

Für die in der Flur Abtheilung 'auf dem Schildchen' belegenen Grundstücke fehlte bisher ein zweckmäßiger Weg. Diesem Uebelstande wurde durch Ankauf des zu einem von der Prämienstrasse nach dem Schildchen führenden Weges erforderlichen Terrains aus dem Ackergrundstücke von Arnold Rütgers hierselbst abgeholfen.
Der vorerwähnte Ausbau der oberen Etage des alten Schulhauses in Breinig zu einem Schulsaale hat circa 3.500 Mark, 1.000 Mark mehr als veranschlagt war, gekostet. Die neubeschafften Schul Utensilien erforderten 350 Mark.

Dem Ausbau des Weges von Schützheide nach Büsbach soll in diesem Jahre näher getreten werden. Augenblicklich liegen die Projectstücke dem Herrn Landes Director der Rhein Provinz mit dem Antrage um Bewilligung von Beihülfen zu den Baukosten vor. Sobald hierüber entschieden ist, will die Gemeinde Büsbach ihre Strecke ausbauen und wird dann der hiesigen Gemeinde folgen.
Der von mir gestellte Antrag auf Befestigung der recht häßlichen und hindernden Ecken am Seminar Blumen Garten und Begradigung der Mauer durch das königliche Provinzial Schul Collegium hat leider bis jetzt nicht den gehofften Erfolg gehabt. Das königliche Provinzial Schul Collegium hat der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der durch die Begradigung der Mauer für das Seminar entstehende Vortheil nur mäßig sei und mit den Kosten anscheinend in starkem Mißverhältnis stehe. Das Ansinnen, die ganzen Kosten auf die Seminarkasse zu übernehmen, ist sodann als unbillig zurückgewiesen worden. Zur Beurtheilung der Höhe der Kosten wurde ein Kosten Ueberschlag gefordert, der nunmehr fertiggestellt ist und als Grundlage für die weiteren Verhandlungen dienen wird.
Der Wohlthätigkeits Verein in der Pfarre Cornelimünster hat seine Thätigkeit kaum geschwächt fortgesetzt. Die Zahl der Mitglieder ist von 92 auf 89 gesunken und betrug die Gesammt Einnahmen im VereinsJahre 1.Mai 1881/82 719 Mark 10 Pfg. Der Armen Vorstand hat, mit dem Wohlthätigkeits Verein Hand in Hand gehend, fortgefahren, aus den Stiftungs Revenüen zu Gunsten der Armen der Pfarre Cornelimünster Lebensmittel, Kleidungsstücke und Bettzeug zu beschaffen und zu vertheilen, welche Spenden augenscheinlich die Noth, namentlich in der Winterzeit, wesentlich lindern.
Durch die erforderlich gewesene Uebernahme dreier Waisenkinder und die Unterbringung des blödsinnigen Kindes armer Eltern in einer Bildungs-Anstalt erfordert das neue Armen Budget ein plus von ca. 900 Mark gegen das Vorjahr.

Der Ort Breinig hat nach dem Muster der in Cornelimünster ins Leben gerufenen freiwilligen Feuerwehr auch eine solche erhalten. Den mit der Führung derselben betrauten Hauptleuten liegt es ob, durch unausgesetzte und fleißige Uebung in der Handhabung der Löschgeräthe, sowie durch Pflege des Gemeinsinnes und der Cameradschaftlichkeit die Feuerwehren zur Lösung ihrer schwierigen aber edlen Aufgabe fähig zu machen. Sind bestimmte Anzeichen für die Erfüllung dieser Hoffnung vorhanden, so wird die Gemeinde dazu übergehen müssen, die Ausrüstung der Feuerwehr zu übernehmen.

Nachdem im vorigen Jahre das Eingangsthor des Kirchhofes in Breinig und das Kirchhofskreuz versetzt, auch die neuen Wege angelegt worden, erfolgen jetzt die Beerdigungen reglements und planmäßig. Wenn der Kirchhof nun auch die vom Gemeinderathe genehmigte Bepflanzung mit Bäumen und Ziersträuchern erfahren hat, so dürfte er allen Anforderungen der Jetztzeit entsprechen.
Der Zustand der noch um einen Theil des Kirchhofes in Venwegen befindlichen Hecke gab dem Wunsche Nahrung, auch diesen Kirchhof mit einer Mauer eingefriedigt zu sehen. Der hiesige Gemeinderath hat den desfallsigen Plan bereits genehmigt und schrieben jetzt die Verhandlungen mit der wegen der Ortschaft Mulartzhütte mitbetheiligten Gemeinde Zweifall. Gemäß heute eingegangener Nachricht ist die Zustimmung seitens der Ortschaft Mularzhütte ertheilt.

Seit meinem letzten Berichte ist vom Gemeindeeigenthum verkauft worden:
1. Ein 4 a 5 m (28 Ruthen 55 Fuß) großer Abspliß der Breiniger Haide an Franz Joseph Esser zu Breinigerheide für 115 Mark
2. Zwei am Wege von hier nach Krauthausen gelegene Bauplätze nebst zwei anderen Absplissen, zusammen 19 a 37 m oder 137 Ruthen 20 Fuß mit einem Erlös von 541,53 M
3. das Terrain eines aufgehobenen Fußweges an Johann Mathias Kloubert hierselbst zu 31,50 Mark
Summa 688,03 M, welche mit Genehmigung königlicher Regierung zur Bestreitung der Kosten der Instandsetzung des Kirchhofs in Breinig verwendet worden.

Die Vorbereitungen zum Verkaufe der hin und wieder nachliegenden Wege-Absplisse sind eingeleitet und bis zur Absplitzung gediehen. Auch schweben momentan noch Verhandlungen über den Verkauf der Waldparzelle 'Fünffecken' an dem mit seinem Besitzthum anstoßenden Grafen Beissel-von Gymnich.
Die königliche Regierung hat den Oberförster Candidaten Bollig von der eben in Angriff genommenen Ausarbeitung des neuen Waldbetriebs und Regulirungswerkes entbunden und ist nunmehr der Oberförster Candidat Geltz damit betraut worden, der die Arbeit nahezu zum Abschluß gebracht hat.
Die Gemeindeschulden betrugen am 1.April vor. Js. 19.680 Mark.

Zur Bestreitung des Aufbaues des alten Schulhauses in Breinig wurden inzwischen aufgenommen 2.500 Mk, Summa 22.180 hiervon wurden im laufenden Jahre getilgt 3.600 M, sodaß am künftigen 1.April noch verbleiben 18.580 Mark.
Eine nicht bedeutende Erhöhung der Gemeindesteuern, welche im laufenden Jahre 150% der Grund Gebäude und Gemeinde Einkommensteuern betragen wird in Folge der Mehrkosten des Schulbaues in Breinig und der Mehrforderungen für die neue Schule daselbst und des Armen Budgets unvermeilich sein und zwar um circa 5%.

Die hochwichtige Frage des Eisenbahnbaues von Rothe Erde (Aachen) über hier nach Montjoie und St. Vith etc. ist Dank der energischen Fürsorge der königl. Staats Regierung für die Armen Kreise Montjoie und Malmedy in ein Stadium gerückt, das die baldige Inangriffnahme der Ausführung des Projectes in nahe Aussicht stellt, falls die dabei interessirten Kreise und Gemeinden ihr Interesse durch Bewilligung der geforderten Beihülfe zum Grund Erwerb bestätigen. Durch Gesetz vom 15.Mai vor. Js. ist die königliche Staats Regierung zum Ausbau der beregten Bahn für den Fall ermächtigt worden, daß die Interessenten den zum Bahnbau vorübergehend und dauernd erforderlichen gesammten Grund und Boden der königlichen Staats Regierung unentgeltlich zur Verfügung steht wogegen die königliche Staats Regierung eine Beihülfe von 343.000 Mark als der Hälfte der bei den Vorarbeiten auf 686,000 Mark geschätzten Werthes des Terrains, aus Staatsmitteln gewährt.
Die Verhandlungen zwischen der hiesigen Gemeinde und dem zum Vertreter aller Interessenten ernannten königlichen Landrathe Herrn Rennen in Montjoie sind soweit gediehen, daß die hiesige Gemeinde sich bereit erklärt hatte, das sämmtliche in der hiesigen Gemeinde zum Bahnbau erforderliche Terrain bei den Vorarbeiten auf 58.243 Mark geschätzt, auf eigenes Risico anzukaufen und zur Verfügung zu stellen, wenn der Gemeinde die Summe von 30.000 Mark aus der staatlichen Beihülfe überlassen wird.
Herr Landrath Rennen findet diese Forderung um etwa 1.000 Mark zu hoch und wird die Beseitigung dieser geringen Differenz wohl keine Schwierigkeiten mehr bieten.

Die Pläne über das Project sind eingetroffen und in der Zeit vom 20. bis 27. Js. Mts.------------------------zu Jedermanns Einsicht offen gelegt werden. Die landespolizeiliche Prüfung des Projectes wird am Montag den 29. dss. Mts. vor der Hand für die Strecke von Rothe Erde bis Schmitthof stattfinden.

Das hiesige landwirthschaftliche Casino hat im ersten Jahre seiner Thätigkeit eine erfreuliche Entwicklung genommen. Die Zahl der Mitglieder, welche bei der constituirenden Versammlung 17 betrug, vermehrte sich in jeder Sitzung und ist bis jetzt auf 76 herangewachsen. Seine Leistungen auf dem Gebiete des Garten und Obstbaues haben bei Gelegenheit der landwirthschaftlichen Ausstellung in Weiden eine lobende Anerkennung mit Diplom gefunden. Die Verbesserung der Rindviehzucht war eines der ersten Augenmerke desselben auf seine Anregung hin wurden im Frühjahr vor Jahres vier Stück rein holländische Zuchtstiere in Holland gekauft und hier ausgestellt. In diesem Jahre hat dasselbe eine Prämiirung der Zuchtstiere gelegentlich deren Körung beschlossen und hat der hiesige Gemeinderath in entgegenkommender Weise eine Beihülfe von 50 Mark zu der Prämierung bewilligt. Allerseits verspricht man sich den besten Erfolg von dieser Einwirkung auf die Beschaffung besserer Zuchtstiere. Als weiteres Product der Thätigkeit des Casinos kann die am 21.dss. Mts. geschehene Gründung einer auf Gegenseitigkeit beruhenden Pferde- und Rindviehsicherung für die Gemeinde Cornelimünster, Walheim, Brand und die Ortschaften Dorff und Krauthausen mit dem Sitze in Cornelimünster, der sofort 24 Einwohner beitreten, bezeichnet werden. Inzwischen sind schon mehrere Beitritts Erklärungen erfolgt und noch weitere in Aussicht gestellt.

Am 15.Dezember vor. Js. tagte hierselbst eine von mir behufs Gründung einer Pfennig-Sparkasse für denselben Bezirk und die Ortschaften Lichtenbusch und Hitfeld einberufene öffentliche Versammlung an welcher ca. 50 Einwohner aus allen Ortschaften Theil nahmen, sodaß die Versammlung eine stattliche genannt werden konnte. Mit seltener Einmüthigkeit wurde das vorgeschlagene Project aufgenommen, der vorgelegte Statuten Entwurf durchberathen und festgestellt und der Verein constituirt, der gestern seine Thätigkeit eröffnet hat. Diese beiden Vereine sind recht geeignet, wunde Stellen zu heilen und zur Förderung der Wohlfahrt und guten Sitten mächtig mitzuwirken. Möge daher der erhoffte Erfolg nicht ausbleiben.
Im Laufe des vorigen Sommers sind einer älteren Bestimmung entsprechend an allen geeigneten Stellen Wegweiser aus Gußeisen und an freistehenden Gußeisernen Säulen befestigt angebracht worden.

Am 23.Mai vor. Jahres Nachmittags gegen 6 ½ Uhr brach in dem beim hiesigen Kirchhof gelegenen Wohnhause des Glöckners und Todtengräbers Köhler Feuer aus. Dasselbe hatte in kurzer Zeit sich dem ganzen Hause mitgetheilt. Jedoch gelang es der sofort herbeigeeilten hiesigen Feuerwehr, das Feuer auf das Dach zu beschränken. Das der hiesigen Kirchen Gemeinde gehörende Haus war bei der Rheinischen Provinzial Feuer Societät, die Möbel des Köhler dagegen nicht versichert. Ueber die Entstehung des Feuers ist Positives nicht ermittelt worden, wahrscheinlich ist dasselbe jedoch durch das Spielen von Kindern mit Schwefelhölzchen auf dem Speicher des Hauses entstanden.
Am 15.Juli v. Js. Mittags wurde das 5 jährige Söhnchen des hierselbst wohnenden Wirthen Winand Crott derart unglücklich überfahren, das der Tod sofort eintrat. Dem betr. Fuhrmann konnte eine Schuld nicht nachgewiesen werden.
Der Winter 1881/82 war fast spurlos vorübergegangen. Nur ein paar Wochen frostigen Wetters verriethen sein Dasein. Der Monat März brachte eine lenzartige Witterung, die vermuthen läßt, daß der Frühling bereits seinen Einzug gehalten. Die Hecken fingen an zu grünen und die Kern Obstbäume zeigten die Knospen in großer Menge, als der 22.März ein kaltes winterliches Wetter mit einer indeß nur wenige Stunden andauernden Schneedecke und einem Nachtfrost brachte, wohl zur Mahnung vor der Täuschung, dass der Winter nichts mehr vermöge.
Der Stand der Feldfrüchte war im Uebrigen im Allgemeinen recht günstig und mußte das Herz des Landmannes wahrhaft erfreuen, bis zur ersten Hälfte des Monats Juni, wann andauerndes Regenwetter, verbunden mit einer empfindlichen Kälte, eintrat. In den Wiesen herrschte eine seltene Ueppigkeit und Fülle und die Heu Erndte hat wohl nicht wenige Landleute in einer Weise befriedigt, wie sie seit vielen Jahren nicht erlebt worden.

Die bis dahin so reichen Aussichten auf Obst wurden dagegen durch einen Nachtfrost am 18.Juni fast vollständig vernichtet.
Das im Juni eingetretene Regenwetter hielt leider mit kurzen Unterbrechungen während der ganzen Erndtezeit an und vernichtete die schönsten Hoffnungen auf die Erndte.
Nicht allein das die letztere erheblich verspätet, wurde sie auch zum großen Theil beeinträchtigt. Roggen und Waizen konnten durchweg nur mit knapper Noth eingeholt werden, während der Hafer, der eine besondere Ueppigkeit entfaltet hatte, Ende September noch im Felde stand und zum großen Theile verdarb. Auch die Kartoffeln litten unter der andauernden regnerischen Witterung derart erheblich, daß an manchen Stellen die Fäulniß einen solchen Umfang genommen, daß kaum mehr als das Saatgut geerntet wurde.
War hiernach die vorigjährige Erndte eine solche, auf die der Landmann nur mit Wehmuth zurück blicken kann, so ist der jetzige Stand der Wintersaat ebensowenig geeignet, freudigeren Herzens in die Zukunft zu blicken, die bis vor wenigen Tagen andauernd nasse Witterung hat die Bestellung der Wintersaaten hin und wieder unmöglich gemacht und dort, wo sie stattgefunden, ist ein vernichtend wirkender Schneckenfraß eingetreten, der eine wiederholte Saat erforderlich gemacht.

Der diesjährige Winter, welcher am 14.November Jr. durch eine 10 cm hohe Schneedecke von geringer Dauer seine Ankunft meldete, hat bis jetzt eine Härte kaum gezeigt, dagegen Ende November und in den Weihnachtstagen in den Gebiets Gegenden des Rheines und seiner Nebenflüsse durch Ueberschwemmungen, wie sie in diesem Jahrhundert noch nicht dagewesene Noth und Elend in einem Umfange verbreitet, der ärger kaum gedacht werden kann.
Die herzzerreissenden Nothrufe der Ueberschwemmten, die Hab und Gut verloren und vielfach ihre Existenz vernichtet sahen haben die staatliche Beihülfe nicht minder wie die Privatwohlthätigkeit in erfreulicher Weise sich bewähren sehen und wenn auch die hiesige Gemeinde nach dem ersten Hochwasser ihr Scherflein bereits beigetragen hat, so kann ich mich doch der Hoffnung nicht verschliessen, daß sie, in Anbetracht des durch das Zweite Hochwasser in noch empfindlicherer Weise hervorgerufenen Elends der Ueberschwemmten durch Bewilligung eines namhaften Unterstützung aus der Gemeindekasse ihren Wohlthätigkeits Sinn neuerdings bestätigen wird.


Cornelimünster, den 25.Januar 1883; der Bürgermeister, Hochstenbach



1883

Bevölkerung
1883mw
Population3563
Geburten60481 unehelich
Todesfälle38410 über 90
Trauungen24
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die am 1.Dezember 1880 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab in hiesiger Gemeinde eine Bevölkerung von 3392 Seelen.
Die kürzlich aufgestellte Klassensteuer Rolle pro 1884/85 eine solche von 3563 so, daß ein Zunahme stattgefunden von 171, der allerdings hauptsächlich auf die vorübergehende Anwesenheit der Bahnbeamten und Arbeiter der Eisenbahn zurück zu führen ist.
Hiervon bekennen sich zur katholischen Religion 3450, evangelischen 66 und zum jüdischen Bekenntnisse 47, Summa 3563.
Im Jahre 1882 wurden hier geboren männliche Kinder 60, weibliche Kinder 48, Sa. 108.
Davon war 1 unehelich geboren.

In demselben Zeitraum starben männliche Personen 38, weibliche Personen 41, 79, sodaß sie Zahl der Geborenen diejenigen der Gestorbenen um 29 übersteigt.
Ueberdies sind in der Zahl der Gestorbenen 5 totgeborene Kinder enthalten.
Im selbigen Jahre wurde hier 24 Trauungen vollzogen.
Der mit der Verwaltung des Landraths Amtes des Landkreises Aachen betraute Regierungs Assessor Herrn Freiherr von Coels von der Brugghen wurde am 30.October vor. Js. von den Kreisständen des Landkreises einstimmig zum Candidaten für das Landraths Amt erwählt. Nachdem Sr. Majestät der König inzwischen den Erwählten zum Landrath ernannt haben, wird die Einführung desselben am 16. dss. mts. stattfinden.
Am 24.Juli vor Js. ging die Wahlperiode der Mitglieder des Armen Vorstandes zu Ende und wurden die sämmtlichen Mitglieder die Herren 1. Vicar Hochhausen, 2. Ludwig Giesen, 3. Math. Joh. Lamberts aus CMünster, 4. Tillmann Kaldenbach, 5. Johann Winkhold aus Breinig, 6. Hubert Winkhold aus Schützheide, 7. Barthol. Wagenmann und 8. Peter Jos. Birken aus Venwegen vom Gemeinderathe am 4.Juli vor. Js. auf weitere 6 Jahre wiedergewählt.
Wegen Verlegung seines Wohnsitzes von hier nach Bedburg schied der Apotheker Herr Emil Pauls als Schiedsmann der hiesigen Gemeinde aus und wurde Herr Ludwig Giesen hierselbst vom Gemeinderath am 20.Dezember vor. Js. zu seinem Nachfolger gewählt.
Die Restauration der hiesigen ehemaligen Benedictiner Abtei jetzigen Pfarrkirche ist im verwichenen Jahre durch den hiesigen Kirchenvorstand um ein bedeutendes Stück weiter gefördert worden. An der Nordseite der Kirche wurde das Quadermauerwerk welches stellenweise erheblich Schaden gelitten, soweit nöthig erneuert, ebenso mehrere Strebepfeiler während 3 Stück hiervon ganz neu ausgeführt werden mußten. Das Maaßwerk der sämmtlichen Fenster der Nordseite ist fertig gestellt und größtentheils auch schon versetzt, so daß die Verglasung nur noch erübrigt um die Kirche noch an dieser Seite im Aeußeren fertig zu sehen.
Das Schulwesen ist im verwichenen Jahre ohne Aenderung geblieben.
Die Zahl der schulbesuchenden Kinder betrug Ende Dezember vor Jahres
a) in der mit dem Lehrer Seminare verbundenen Uebungsschule hierselbst.
davon gehören zur Gemeinde Büsbach
in der 1. Klasse 32 Knaben 33 Mädchen 7 Knaben 9 Mädchen
in der 2. Klasse 52 Knaben 55 Mädchen 0 Knaben 9 Mädchen
in der 3. Klasse 57 Knaben 62 Mädchen 7 Knaben 11 Mädchen
Summe 141 150 20 29
b) in Breinig
in der 1 Knabenklasse 57 Knaben
in der 2. Knabenklsse 89 Knaben
in der 1. Mädchenklasse 54 Mädchen
in der 2. Mädchenklasse 76 Mädchen
Summe 146 Knaben 130 Mädchen
c) in Venwegen in der einklassigen Schule 36 Knaben, 37 Mädchen war aus der Ortschaft Mulartzhütte 3 Knaben 0 Mädchen angehören.
Die ländliche Fortbildungsschule in Breinig wurde durchschnittlich von 24 Schülern regelmäßig besucht und der Unterricht durch den Lehrer Jansen von Hahn und den Zeichner Peter Gilles von Breinigerberg jeden Sonntag während 2 Stunden ertheilt.
Nachdem die Gemeinde Büsbach den Ausbau der innerhalb ihres Bezirks gelegenen Strecke des Weges von Schützheide nach Büsbach am 4. des mts. öffentlich zu Verding gegeben, wird diesseits mit dem Ausbau der in hiesiger Gemeinde gelegenen Strecke vorgegangen werden müssen, sobald der hiesigen Gemeinde eine Beihülfe von 400 Mark zu den Kosten dieser Strecke bewilligt.
Die wiederholten Anstrengungen einiger Einwohner von Zweifall dahingehend, die hiesige Gemeinde zum Ausbau einer Straße von Zweifall nach Breinig zu veranlassen, sind ohne Erfolg geblieben.
Der Herr Ober Präsident der Rheinprovinz hat die Antragsteller unterm 2.Mai vor. Js. ablehnend beschieden, weil der Fuhrwerksverkehr zwischen Zweifall und Aachen ein geringer ist und der Ausbau des Weges wegen der vorhandenen erheblichen Steigungen eine Kosten Aufwand verursachen würde, welcher in keinem Verhältnisse zu dem durch ihn erhofften Nutzen stehe.
Die Gemeinde Gressenich hat neuerdings den Bau einer Brücke über den Vichtbach beim Weiler Jägersfahrt veranschlagt zu 2.550 Mark, angeregt. Nachdem die königliche Regierung sich bereit erklärt hat und forstfiskalischen Fonds einen Beitrag von 1.000 Mark zu beantragen, sind die Verhandlungen bezüglich des Brückenbaues wieder in Fluß gekommen und gleichzeitig auf den Ausbau der in hiesiger Gemeinde ausgedehnt worden. Der Ausbau der in hiesiger Gemeinde belegenen Wegestrecke ist zu 1.500 Mark veranschlagt.
Nach wiederholter Berathung dieses, die Einwohner der hiesigen Gemeinde nicht im Mindesten interessirenden Gegenstandes, hat Gemeinderath am 23.August vor. Js. beschlossen, einen Betrag von 1.500 Mark zu dem Wege und Brückenbaue zu bewilligen wenn die Gemeinde Gressenich den zu Wege, und Brückenbau für alleinige Rechnung ausführt und die Unterhaltung des Weges und der Brücke künftigh zu und für alle Zeiten übernimmt.
Eine Entscheidung der Gemeinde Gressenich hierüber ist noch nicht ergangen.
Die fortgesetzten Verhandlungen mit dem königlichen Provinzial Schul Collegium auf Beseitigung der Ecken am Seminar Blumengarten haben bis jetzt noch nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Nachdem das königliche Provinzial Schul Collegium neuerdings sogar eine Betheiligung an den Kosten der Begradigung der Mauer abgelehnt und erklärte sich für Abtretung der Fläche aus dem Seminar Blumengarten gegen Eintausch der kleineren Straßenwinckel nur dann zu verwenden, wenn die Herstellung der neuen Gittermauer ganz auf Kosten der Civil Gemeinde und der Kirchen Gemeinde geschehe, ist sowohl von Kirchenvorstand als dem Gemeinderathe beschlossen worden, die aus dem Seminargarten benöthigte Fläche zu einem angemessenen Preise anzukaufen und dann die Begradigung auf eigene Kosten soweit vorzunehmen, als das eigene Interesse erheischt. Hierauf ist eine Erklärung noch nicht eingegangen. Sollte dieselbe wieder Erwarten ablehnend ausfallen, so würde nicht erübrigen, als im Wege des Enteignungs Verfahrens die Erbreiterung der Straße herbeizuführen.

Das Pflaster der außerhalb der Strassenrinnen im hiesigen Orte vorhandenen Banquetts ist derart schlecht daß eine Erneuerung desselben sehr erwünscht ist, nicht weniger ein Theil der Straße vor dem Kreuze am Markte.

Der Wohltätigkeits Verein in der Pfarre Cornelimünster zählte am 1.Mai vor. Js. noch 80 Mitglieder und betrug seine Jahres Einnahmen pro 1882/83 675 Mark 85 Pfg. und der Kassenbestand am 30.April vor. Js. 235 Mark 19 Pfg., eine Folge des gelinden vorigjährigen Winters. Hand in Hand gehend mit dem Armen-Vorstand sind auch im gegenwärtigen Winter wieder Kleidungsstücke, Schuhe, Bettzeug und 200 Zentner Kohlen beschafft und unter die Armen vertheilt worden. Im Uebrigen ist etwas Bemerkenswerthes auf dem Gebiete des Armenwesens nicht eingetreten.

Die in den letzten Jahren hier und in Breinig ins Leben gerufenen freiwilligen Feuerwehren entbehren noch derjenigen technischen Ausbildung, welche sie einem einheitlichen und sachverständigen Eingreifen befähigen und erscheint daher die technische Ausbildung durch ein Mitglied einer auswärtigen Berufsfeuerwehr angezeigt in welchem Falle die schon mehrfach bekundete Lust der hiesigen Mitglieder sich weiter entwickeln und befestigen wird. Zur Anschaffung neuer Feuerlöschgeräthe ist im nächstjährigen Etat wieder ein bereits vorgesehen und allmählig einen ausreichenden Betrag anzusammeln.

Der Kirchhof in Breinig ist im verwichenen Frühjahr mit einer Bepflanzung von Kugel Akazien, Rotbuchen, Linden und Ziersträuchern versehen worden. Die Mauer um den erworbenen Theil des Kirchhofes in Venwegen wurde im Sommer vorigen Jahres ausgeführt und ist derselbe nunmehr mit einer würdigen Einfassung versehen.
Seit, dem letzten Bericht wurde vom Gemeinde Grundvermögen verkauft:
1. die Holzparzelle Fünfhecken groß 72 M. 54 m Flur 8 No. 384 des Katasters von Walheim an Graf Beissel für 35 Thlr 541 Mark
2. ein bei Kitzenhaus gelegener 5 M. 75 m großer Abspliß des Gemeindewaldes an Wilhelm Josef Hunger für 40,50 M
3. das Terrain eines aufgehobenen Fußweges durch eine Wiese der Wth Arnold Wagemann in Breinig für 16,50 M
Sa. 598 Mark und 4. eine größere Anzahl früher unverkauft gebliebener Wege Absplisse deren Kaufpreis mit 398 Mark 35 Pfg. im nächsten Jahre zur Einziehung gelangen.
Wiewohl sicheren Vernehmen nach dort vom Herrn Forst Assessor Geltz ausgearbeitete neue Waldbetriebs und Regulirungs Werk langst fertig gestellt und der königlichen Regierung zur Prüfung vorgelegt worden ist. Dasselbe der Gemeindeverwaltung zur Aeußerung seither noch nicht zugegangen. Die Gemeinde besitzt am Schlusse der Rechnung Jahres folgende Forderungen 707 M 79 Pfg hypothekarisch eingetragene Holzkaufpreisereste die z. Z. uneingreifbar waren und 996 M 35 Pfg Kaufschillinge von verkauftem Gemeinde Vermögen Sa. 1.704 M. 14 Pfg. Die Gemeinde Umlagen, welche im laufenden Jahre zur Höhe von 154% der Grund Gebäude und Gemeinde Einkommensteuer erhoben worden, erfahren für die nächste Jahr keine Erhöhung, vielmehr erscheint es zulässig, dieselben zur Höhe von nur 150% der gedachten Steuern zu ermäßigen.
Die Gemeindeschulden betrugen am 1.April vor. Js. 18.580 M. und haben bis jetzt eine Vermehrung nicht erfahren und werden durch die planmäßige Ablage von 3.600 Mark sich nach ermäßigen bis auf 14.980 Mark.
Zur Bestreitung der Grunderwerbs Kosten für den Eisenbahnbaue ist aber eine Anleihe 40.000 Mark erforderlich und seitens der königlichen Regierung genehmigt worden, wovon ein Theil in der allernächsten Zeit realisirt werden muß.
Nachdem die langwierigen Vorverhandlungen bezüglich des Grund Erwerbs für den Eisenbahnbau "Rothe Erde" (Aachen über hier nach Montjoie St.Vith v. Js. mit den interessirten Kreisen und Gemeinden ihren Abschluß gefunden, traf im Juni vor. Js. das Baubureau für die Abtheilung von Rothe Erde bis Roetgen hier ein um die Einleitungen zur Inangriffnahme des Baues zu treffen. An der Spitze der Bau Abtheilung, die in 3 Sectionen eingetheilt ist, steht der Regierungs-Baumeister Rudolph Cottmann, während
die 1. Section von Rothe Erde bis Rollefer Viaduct und dem Regierungs Baumeister Conrad Winde und Regierungs Bauführer Carl Adolph Voigt,
die 2. Section von Rollefer Viaduct bis Schmitthof und dem Regierungs Baumeister Heinrich Klinke und dem Regierungs Bauführer Erich Scheffer und Hubert Henkes und
die 3. Section dem Regierungs Baumeister Heinrich Siese und Regierungs Bauführer Paul Jaenicke unterstellt ist.
Die Vorbereitungen zur Inangriffnahme des Baues wurden derart gefördert, daß die Grundsteinlegung zu dem ersten Bauwerke, dem hiesigen Itterbach Viaducte und somit gleichsam zum ganzen Tagebau am 27.September vor. Js. vorgenommen werden konnte.
Diese Gelegenheit glaubte die hiesige Gemeinde nicht vorüber gehen lassen zu dürfen ohne ihrer Freude über das endliche gelingen ihrer jahrelangen Bestrebungen Ausdruck zu geben und beschloß daher der Gemeinderath, die Grundsteinlegung auf Kosten der Gemeinde festlich zu begehen. Von den geladenen Ehrengästen waren erschienen 1. der königliche Landraths Amts Verwalter Freiherrn von Coels 2. der geheime Regierungsrath Hasenclever 3. der Fabrikant Christoffel aus Montjoie 4. der Unternehmer der beiden Viaductbauten August Kunert aus Köln und sämmtliche Beamten der Bau Abtheilung und der zwei ersten Sectionen.
Gegen 4 Uhr nachmittags setzte sich der Festzug vom Gemeindehause aus in Bewegung, an welchem die Kriegervereine von Cornelimünster und Breinig, die hiesige Schützen Gesellschaft und der Gesang Verein von Breinig alle mit ihren Fahnen sowie zahlreiche Herren aus Cornelimünster und der Umgegend theilnahmen. Nachdem die Grundsteinlegung zu dem Haupt (Mittel) Pfeiler in üblicher Weise geschehen, bewegte sich der Festzug von dem reich gezierten Bauplatze zum Gasthause zur Post hierselbst, wo unter zahlreicher Betheiligung ein Fest Essen stattfand, daß den besten Verlauf nahm und die Gäste bis zu später Stunde zusammenhielt.
Der Grund Erwerb des innerhalb der hiesigen Gemeinde zum Bahnbau erforderlichen gesammten Terrain, bei den Vorarbeiten auf 58.249 Mark veranschlagt, ist Seitens der hiesigen Gemeinde auf eigenes Risiko übernommen worden, wogegen sie aus der staatlichen Beihülfe den Betrag von 30.000 Mark erhält und ist derselbe insoweit vorgeschritten, als die Entschädigung, für die im gütlichen Wege nicht erlangten Grundstücke im Wege des Enteignungs Verfahrens durch die königliche Regierung festgesetzt worden. Soweit bis jetzt bekannt, ist Beschreitung des Rechtsweges gegen die Entscheidung der königlichen Regierung kaum von einer Seite zu erwarten.
Wie sämmtlichen Bauherrn der Abtheilung und der beiden ersten Sectionen haben hier ihren Wohnsitz, nicht minder eine größere Anzahl Unterbeamte, die fernere Anwesenheit von circa 400 fremden Arbeitern darunter manche Süddeutsche, auch Polen, Böhmen und Italiener, einzelne mit Familien, bringt reges Leben in hiesige Gegend.
Die Maurer Arbeiter an dem Itterbach Viaducte waren beim Beginn des Winters bei 3 Pfeilern bis circa 2 Meter über der Erde gediehen, während beim Rollefer Viaduct das Mauerwerk erst auf Erdgleiche gebracht worden, dessen ungeachtet hat Herr Abtheilungsbaumeister Cottmann die Dispositionen derart getroffen, daß er mit Sicherheit darauf rechnet, längstens bis Mitte September dieses Jahres den ersten Betriebszug von Rothe Erde bis zum hiesigen Bagnhof ablassen zu können.
Das hiesige Bahnhofsgebäude wird sicherem Vernehmen nach der Bedeutung des hiesigen Ortes als Ausflugspunkt von Aachen Rechnung tragen und ist daher der ansehnliche Betrag von 42.000 Mark disponibel gestellt worden.
Die Vorverhandlungen bezüglich des Grund Erwerbs für die Eisenbahn von Stolberg über Breinig nach Walheim sind noch nicht zum Abschluß gekommen und fehlen noch circa 40.000 Mark, doch sind die besten Aussichten vorhanden, daß dieser Rest durch die interessirten industriellen Kreise beschaft wird.
Die Vornahme der speciellen Vorarbeiten wird in der nächsten Zeit erfolgen.

Das hiesige landwirthschaftliche Casino hat ununterbrochen und rege Thätigkeit an den Tag gelegt und nicht allein für die bei Gelegenheit der Jubelfeier des landwirthschaftlichen Vereins für Rheinpreußen im September vorigen Jahres in Bonn ausgestellten Produkte des Garten und Obstbaues, sondern auch für seine rege Thätigkeit im Allgemeinen eine broncene Medaille mit Diplom erhalten.
Die im vorigen Jahre eingeführte Prämirung der besten Zuchtstiere hat anerkanntermaßen auf die Qualität der bei der Körung vorgeführten Stiere derart gut eingewirkt, daß eine Wiederholung derselben beschlossene Sache ist. Angespornt durch diese guten Erfolge hat dort hiesige landwirthschaftliche Casino nunmehr auch die Prämirung des besten Mutterviehes angeregt, welche gelegentlich dort im Frühjahre abzuhaltenden Viehmarktes stattfinden soll.
Der für den Casinobezirk am 1.März vorigen Jahres eröffnete Viehversicherungs Verein hierselbst hat sich in überraschender Weise allseitig Eingang verschafft und heute bereits einen Versicherungs Bestand von über 400 Stück Rindvieh mit 76.000 Mark Versicherungssumme. Seit jetzt hat derselbe 3 Schäden prompt regulirt.

Der am 23.Januar vor. Js. eröffnete Betrieb der Pfennig Sparkasse für das Münsterländchen hat auch einen recht ansehnlichen Umfang angenommen. Die bis jetzt gemachten Einlagen beziffern sich auf 3185 Mark wovon 685 Mark bei der Prämienkasse zu Cornelimünster für Rechnung der Einleger deponirt nur der Rest seitens des Sparkassen Vereins verzinst wird.

Am Montag den 30.Juli vor. Js. Nachmittags gegen 6 Uhr, brach im Gebäude des zu Venwegen am Saume des Gemeindewaldes wohnenden Bergmanns Nicolaus Krott Feuer aus, welches das ganze Gebäude, enthaltene Wohnhaus, Stall und Scheuer, bis auf die Umfassungsmauern und die Mobilien theilweise eingeäschert hat. Letztere waren nicht, das Gebäude dagegen bei der Rheinischen Provinzial Feuer Societät versichert. Die stattgehabte Untersuchung hat keine positiven Anhaltspunkte über die Entstehungsursache der Feuersbrunst ergeben und wird eine Selbst Entzündung des Feuers vermuthet.
Am 1.August vor. Js. Nachmittags 1 3/4 Uhr brach in dem der Wittwe Hubert Kremer zu Vaelserquartier zugehörigen auf Frohnhof zu Cornelimünster gelegenen Stall und Scheunen Gebäude Feuer aus, welches sich bei dem ziemlich starken Wind rasch über das ganze etwa 26 Meter lange Gebäude verbreitete und dasselbe in kurzer Zeit bis auf die Umfassungsmauern einäscherte. Der ganze Heu Vorrath und 1 Schwein sind mit verbrannt. Nur mit Mühe gelang es das Wohngebäude der Wittwe Kremer, welches auch schon einige Male Feuer gefangen hatte, zu retten. Positives über die Entstehungsursache des Brandes hat die stattgefundene Untersuchung nicht ergeben.
Zu der Nacht vom 30. zum 31.August vor. Js. wurde das dem Bergmanne Peter Müller zugehörige zu Breinigerberg am Stege nach Vicht gelegene kleine Wohnhaus bis auf die Umfassungsmauern durch Feuer zerstört. Die stattgehabte Untersuchung hat ergeben, daß der Ausbruch des Feuers in dem schlechten Zustande des im oberen Theile des Hauses schwer zugänglichen Kamins seinen Grund haben muß.
Am 14.October vor. Js. gegen 5 Uhr nachmittags brach im Stallgebäude des Kaufmanns Egidius Nicolai hierselbst Feuer aus; mit Mühe und Anstrengung gelang es, daß Feuer auf seinen Herd zu beschränken und die Wohngebäude nebst Fruchtmagazin zu retten. Die eingeleitete Untersuchung hat den Urheber der Feuersbrunst nicht ergeben.

Im Anfange des Monats September vor. Js. trat in der Nachbargemeinde Walheim die Maul und Klauenseuche unter dem Rindvieh auf und gewann dort eine weitere Verbreitung.
Am 29.September wurde sodann der Ausbruch der gleichen Seuche unter den Viehbeständen der Ackerer Wilhelm Joseph Tornay und Heinrich Küppers hierselbst gemeldet und folgte am 5.Oktober der Ackerer Joseph Siemons hier und am 22.October der Bergmann Nicol. Krott zu Venwegen.
Nunmehr ist die Seuche wieder erloschen und sind die angeordneten Schutzmaßregeln bereits wieder aufgehoben worden. Von derselben wurden betroffen in der Gemeinde Cornelimünster nur die Viehbestände der genannten 4 Einwohner in der Gemeinde Walheim diejenigen von 15 Einwohnern und ferner in der Nachbargemeinde Breinig die von 7 Einwohnern.
Die Seuche trat im Allgemeinen nichts bösartig, vielmehr spontan auf.
Während der Landmann, gedrückt durch die Mißerndten der letzten Jahre, auch im Frühjahre 1883 angesichts des schlechten Stands der Saat noch mißmuthig in die Zukunft blickte, belebte sich beim Eintritte günstigerer Witterung und dem unerwartet besseren Gedeihen der Feldfrüchte bald wieder sein Gemüth; seine nun erwachten Hoffnungen befestigten sich immer mehr und entsprach die Erndte denselben theilweise in befriedigendem Maaße. Die Kartoffelerndte war eine sehr gute zu nennen.
Das Herbstwetter war ebenfalls befriedigend und konnten die Wintersaaten allenthalben rechtzeitig bestellt werden. Bis gegen Ende des Monats November war die Witterung gelind, am 29. und 30.November herrschte Frostwetter und traten alsdann Regentage ein, bis sich am 4.Dezember eine dünne Schneedecke bildete, mit Frost begleitet; nach wenigen Tagen trat wieder Regenwetter ein und hat dieses, mit kleinen Unterbrechungen, bis jetzt angehalten und zwar keineswegs zu Gunsten der Feldfrüchte.


Cornelimünster, den 11.Februar 1884; der Bürgermeister, Hochstenbach



1884

Bevölkerung
1884mw
Population3525
Geburten60470 unehelich
Todesfälle38401 über 90
Trauungen24
geimpfte Kinder85
Liniendienst15 Mann
Elementarschüler294289
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde101
Rindvieh769
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. Bevölkerung

Die am 1.Dezember 1880 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab für die hiesige Gemeinde eine Bevölkerung von 3285 Seelen.
Die Klassensteuer Rolle pro 1885/86 3525 Seelen so daß ein Zuwachs statt gefunden von 240 Seelen.
Hiervon gehören der katholischen Religion an 3447, evangelischen Religion 37 dem jüdischen Bekenntnisse 41.
Im Jahr 1884 wurden hier geboren männliche Kinder 60, weibliche 47, Sa. 107.
In demselben Zeitraum starben männliche Personen 38, weibliche Personen 40, Sa. 78, so daß die Zahl der Geborenen die der Gestorbenen um 29 übersteigt.
In derselben Zeit fanden 24 Eheschliessungen statt.

II. Gemeindeverwaltung

Der bisherige Bürgermeister Hochstenbach, welcher während eines Zeitraumes von 13 Jahren die drei Gemeinden Cornelimünster, Walheim und Brand verwaltet hatte, nahm die auf ihn gehaltene Wahl zum Bürgermeister der Stadt Jülich an und schied am 1.Juni v. Js. aus seinem langjährigen Wirkungskreise aus. Durch Verfügung der königlichen Regierung vom 19.Juli 1884 I No. 13433 wurde, nachdem die Bürgermeisterei Brand abgetrennt worden, der königliche Lieutenant a. D. und cand. jur. Theodor Freiherr von Brachel aus Jülich mit der commissarischen Verwaltung der beiden Bürgermeistereien Cornelimünster und Walheim betraut, dessen Einführung und Vereidigung am 28. desselben Monats durch den königlichen Landrath Herrn Dr. jur. Freiherrn von Coels stattfand. Die Feier schloss mit einem Festessen, durch Verfügung der königlichen Regierung vom 6.September v. Js. wurde der seitherige 2 te Beigeordnete Herr Tilmann Kaldenbach von Breinig, dessen Amtsperiode abgelaufen war, auf weitere 6 Jahre zum 2 ten Beigeordneten ernannt.
Nachdem durch das Gesetz vom 15.Juni 1883, betreffend die Kranken Versicherung der Arbeiter angeordnet war, das mit dem 1.Dezember des Jahres 1884 für jede Gemeinde eine Gemeinde Kranken Versicherung einzurichten sei, deren Einnahmen und Ausgaben getrennt von den übrigen Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde zu verrechnen seien, wurde dieselbe durch die erforderlichen Publikationen, sowie Beschaffung und Anlegung der nothwendigen Bücher, ferner durch Verträge mit Arzt und Apotheke zum festgesetzten Termin ins Leben gerufen. Desgleichen wurden im Etat pro 1885/86 besondere Positionen zu besagter Kranken-Versicherung eingeführt.

III Kirchen und Schulwesen

Die Restauration der ehemaligen Benedictiner Abtei, jetzigen Pfarrkirche, schritt auch im verflossenen Jahre um ein Bedeutendes vorwärts. Namentlich ist hervorzuheben die Einfügung von 3 neuen großen Kirchenfenstern auf der Nordseite.
Durch Verfügung der königlichen Regierung, mitgetheilt durch den Herrn Landrath am 3.September 1884 wurde festgesetzt, daß der Neopresbyter Franz Kaspar Hubert Linnartz von Kirchberg in Venwegen in Gemäßheit des Gesetzes vom 11/7 1883 zur Vornahme von Seelsorgerischen Handlungen mit Ausnahme der eigentlichen Pfarrhandlungen berechtigt sei.
Mit dem 1.September v. Js. übernahm laut Verfügung der königl. Regierung vom 13.August der seitherige Kreisschul Inspector Herr Dr. Keller von Heinsberg an Stelle des verstorbenen Kreis-Schul-Inspector Schönbrod das Amt des hiesigen Kreis-Schul-Inspectors.
Der seither an der Elementarschule zu Breinig provisorisch beschäftigte Lehrer Johann Löhr waren durch Verfügung der königl. Regierung vom 16.Dezember vor Js. definitiv angestellt.
In der mit dem hiesigen Lehrer Seminar verbundenen Uebungsschule befanden sich Ende Dezember v. Jr. in der I Klasse 30 Knaben 32 Mädchen in der II Klasse 47 Knaben 56 Mädchen in der III Klasse 57 Knaben 62 Mädchen, Sa. 128 Knaben 150 Mädchen
Davon gehören zur Gemeinde Büsbach 19 Knaben 24 Mädchen
Zu Breinig befanden sich in der 1. Knabenklasse 63 Knaben
in der 2. Knabenklasse 79 Knaben
in der 1. Mädchenklasse 54 Mädchen
in der 2. Mädchenklasse 77 Mädchen
In Venwegen waren in der einklassigen Schule 38 Knaben und 34 Mädchen
In der ländlichen Fortbildungsschule zu Breinig trat insofern eine Aenderung ein, als durch Verfügung der kgl. Regierung, mitgetheilt durch landräthlich Verfgg vom 12/12 Jr. No 11604 der Unterricht von den Sonntag-Vormittagen auf die Nachmittagsstunden von 1 ½ bis 4 Uhr ein Winter und für den Sommer auf die Stunden von 2 ½-5 Uhr verlegt worden ist.

IV Gemeinde-Bauwesen

Nachdem die Gemeinde Büsbach die Strecke des Weges Büsbach Schützheide, welche in der dortigen Bürgermeisterei gelegen ist, fertig gestellt hatte, wurde auch der in hiesiger Bürgermeisterei belegene Theil ausgebaut und wurde derselbe bereits am Schlusse der verflossenen Kalenderjahres vollendet.

V Armenwesen

Der Wohlthätigkeitsverein in der Pfarre Cornelimünster zählte am 1.Mai v. Js. 80 Mitglieder und betrug die Jahres Einnahme per 1883/4 522,25 M und der Cassenstand am 23/4 v. Js. 325,19 Mk.
Aus den Einnahmen wurden in diesem, wie in den früheren Jahren Kartoffeln und Kohlen zur Vertheilung an die Armen angeschafft.
Bemerkenswerth erscheint es, daß die Zahl derjenigen welche auf Grund eines Attestes des Armenarztes die Armenkasse in Anspruch genommen haben, gegen früher gewachsen ist.

VI Polizeiwesen

Durch die Schaffung einer neuen Feuerspritze für die Gemeinde Cornelimünster, sowie durch eine weiter ausgedehnte Organisation und Uniformirung der hiesigen freiwilligen Feuerwehr wurde eine gesteigerte Sicherheit gegen Feuergefahr erzielt.
Die Unterstützungen von seiten der Provinzial-, Aachen-Münchner und Magdeburger Feuer Versicherungs Gesellschaften mit 300, 300 und 60 Mark mußte dieses Unternehmen nicht unwesentlich fördern.
So haben Brände stattgefunden:
1. am 16/7 84 ein Wohnhaus ueber Stall
2. am 23/8 84 verschiedene Oeconomie Gebäude. Bei diesem erheblichen Brande mußte die Feuerwehr von Aachen und Burtscheid requirirt werden.
3. am 12/9 84 wurde ein Stallgebäude eingeäschert und
4. fand am 22/1 85 eine Feuersbrunst statt, bei welcher ein Wohngebäude mit Werkstätte größtentheils zerstört worden.
Die Gesammtsumme der von den verschiedenen Gesellschaften bezüglich dieser Brände geleisteten Entschädigung für Immobilar Schaden betrug 12502 Mark.

VII Gemeinde-Vermögen

Im Laufe des Jahres 1884/5 sind Veränderungen in der Substanz des Grundvermögens der Gemeinde nicht vorgekommen, indem Veräußerungen von Gemeinde Terrain nicht stattgefunden haben.
Es dürfte indeß der Verkauf der durch den Eisenbahnbau entstandenen vielen Wegeabsplisse und Reststücke um so mehr recht bald ins Werk gesetzt werden müssen, als einestheils bei längerem Zögern mit der Veräußerung Nachtheile für die Gemeinde entstehen müssen, anderntheils die noch zu erzielenden Kaufschillinge, sowie die bereits vorhandenen, ebenfalls von Kaufschillingen herrührenden Substanzfonds nothwendig zur theilweisen Deckung der Kosten des Eisenbahnbaues zur Verwendung kommen müssen.

VIII Gemeindeschulden

Im Rechnungsjahre 1884/5 sind überhaupt 6300 Mark Schulden getilgt worden. Am 1.April 1885 beträgt die bis zum Jahre 1889/90 abzulegende Gemeinde Kapitalschuld noch 11380 Mark.

IX Gemeindesteuern

Die Gemeinde Umlage, welche hier 1884/5 150% der Grund Gebäude und Gemeinde Einkommenssteuer betrug, fällt pro 1885/5 auf 125% jener Steuern. Bei dieser Berechnung sind die Steuern pro 1884/5 zu Grunde gelegt.

X Verschiedenes

Der Bau der neuen Eisenbahn Linie Prüm-Rothe Erde ist- soweit derselbe die hiesige Bürgermeisterei betrifft, seiner Vollendung nahe. Es verdient bemerkt zu werden, durch den nöthigen Sprengarbeiten auf der Bahnstrecke in der Nähe von Cornelimünster, welche fast ½ Jahr andauerten und einen colossalen Kosten Aufwand erforderten, täglich über 200 Sprengschüsse abgebrannt wurden. Solcher geschah an allen Tagen zu denselben Stunden.
Es ist bereits ein regelmäßiger Verkehr mit Materialzügen eingeführt. Auch das neue Bahnhofsgebäude geht seiner Vollendung entgegen.
Mit Bezug auf den Grunderwerb der projektirten Strecke Walheim-Breinig-Stolberg schweben die Verhandlungen der Gemeinde mit der Stadt Stolberg, welch letztere mit der Direktion der Rheinischen Eisenbahn contrahiren soll.
In dem landwirthschaftlichen Casino trat insofern eine Veränderung ein, als an Stelle der ausgeschiedenen Bürgermeister Hochstenbach sein Nachfolger zum Vorsitzenden gewählt wurde. Ferner wurde in einer der letzten Versammlungen der Beschluss gefaßt, ausser den ordentlichen Versammlungen in Cornelimünster, als dem Sitze des Casino, auch in den Ortschaften der Gemeinden Walheim und Brand, welche zum Casinobezirk gehören, außerordentliche Versammlungen abzuhalten, um eine regere Theilnahme der Auswärtigen herbeizuführen. Ferner wurde die Anlegung einer Musterpflanzung für Obstbaumzucht als nächstes Project aufgestellt, und sind die nöthigen Schritte zur Vorbereitung gethan.
Der für den Casinobezirk bestehende Vieh Versicherungs Verein erfreute sich eines seinem wohltuenden Zweck entsprechenden Zuwachs, indem bis jetzt schon 626 Stück Rindvieh versichert sind.
Im verflossenen Etatsjahre sind in hiesiger Gegend viele Unglücksfälle, theils mit tödtlichem Ausgange vorgekommen, wovon die Mehrzahl auf Rechnung des Eisenbahnbaues zu schreiben ist. Bezüglich der Gemeinde Cornelimünster sind folgende Unglücksfälle zu verzeichnen:
1. am 12.Mai 1884 ereilte den Eisenbahn Arbeiter August Bergmann aus Leuchtringen, welcher von einem Pfeiler des Itterbach Viadukts herabstürzte der Tod.
2. Am 29/4 1884 wurde der Bahnarbeiter Mathias Kinen aus Schwarzbach durch Herabfallen eines Brettes vom genannten Viadukte am Kopfe schwer verletzt.
3. Am 27/8 1884 ertrank in einem Pfuhle das zweijährige Kind Maria Catharina Kloubert aus Breinig.
4. Am 10/12 1884 gerieth Joseph Legrow aus Breinig zwischen die Puffer der Wagen eines Material-Beförderungs Zuges und fand dabei seinen Tod.

Cornelimünster den 10.Januar 1885; der c. Bürgermeister, Frh. v. Brachel



1885

Bevölkerung
1885mw
Population179416833477
Geburten54552 unehelich
Todesfälle32330 über 90
Trauungen23
geimpfte Kinder85
Liniendienst5 Mann
Elementarschüler121130Cornelimünster
Elementarschüler150148Breinig
Elementarschüler3538Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. Bevölkerung

Die am 1.Dezember 1885 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab für die hiesige Gemeinde eine Bevölkerung von 3477 Seelen, die Volkszählung von 1880 eine solche von 3392 so daß eine Vermehrung von 85 Seelen stattgefunden hat.
Hiervon gehören der katholischen Religion an 3391 Seelen, der evangelischen Religion 42, dem jüdischen Bekenntnisse 44
Im Jahre 1885 wurden geboren männliche Personen 54 weibliche 55 Sa. 109
In demselben Zeitraum starben männliche Personen 32 weibliche 33 Sa. 65
so daß die Zahl der Geborenen diejenige der Gestorbenen um 45 übersteigt.
Eheschließungen fanden im verflossenen Jahre 23 statt.

II Gemeinde-Verwaltung

Der Gemeinderath hatte einen großen Verlust zu beklagen, indem sein langjähriges Mitglied der erste Beigeordnete Peter Joseph Ostlender am 21.Juni starb. An die Stelle desselben wurde als I. Beigeordneter der seitherige langjährige Beigeordnete Herr Tillmann Kaldenbach durch landräthliche Verfügung königlicher Regierung vom 27.Juni 1885 I No.12077 und gem. II Beigeordneter Herr Dr. med. Wachendorf ernannt; letzteren mit der Maßnahme, daß derselbe die Geschäfte des stellvertretenden Standesbeamten übernehmen solle.
Am 8.Juni v. Js. erfolgte die Einführung des Herrn Bürgermeister a.D. Ludwig Giesen als stellvertretenden Gemeindevorsteher, welchen Posten bis heran der verstorbene I. Beigeordnete Ostlender bekleidet hatte.
In das vorige Jahr fiel das seltene Ereignis, daß der Beigeordnete Herr Tillmann Kaldenbach nunmehr 25 Jahre als Beigeordneter der Bürgermeisterei Cornelimünster im Amte war. Der Gemeinderath glaubte diesen Tag dem Jubilar dadurch verschönern zu sollen, daß er ihm durch den Bürgermeister ein ehrenvolles Andenken überreichen ließ, und wurde im Orte Breinig von dem Gemeinderathe, zahlreichen Vereinen, Freunden und Bekannten desselben das seltene, schöne Fest in angemessener Weise gefeiert.
Da die Amtsperiode des stellvertretenden Schiedsmannes abgelaufen war, so wurde Herr Kaldenbach, nachdem Gemeinderath denselben wiedergewählt hatte auf eine weitere Dauer von 8 Jahren zu jenem Amte ernannt.
Am 30.April v. Js. erfolgte auf Grund landräthlicher Verfügung vom 24. desselben Monats die Einführung des zum Gemeindeverordneten gewählten Ackerers Johann Münch aus Breinig und diejenige des auf Grund des §53 der Gemeindeordnung ernannten Gemeindeverordneten Nikolaus Joseph Königs aus Venwegen.
In demselben Zeitraum fällt die Anstellung des Nachtwächters Keuchen von hier.
Durch Verfügung königlicher Regierung vom 12.August v. Js. wurde der Unterzeichnete, bis dahin commissarisch angestellten Bürgermeister definitiv zum Bürgermeister von Cornelimünster und Walheim ernannt.

III. Kirchen und Schulwesen

Von der gesammten Bevölkerung wurde es mit Freuden begrüßt, daß der bisherige Bischof von Ermeland als Erzbischof für die Kölner Erzdiöcese berufen wurde.
Obschon höheren Orts vielfach auf die Fortsetzung der Restaurationsarbeiten an der Abteikirche und die Aufnahme derselben der alten Kirche eingewirkt worden, machten dieselben im abgelaufenen Jahre kaum nennenswerthe Fortschritte, was umso mehr zu bedauern ist, als es sich hier um den Ausbau einer als Kunstwerk anerkannten und die Erhaltung einer durch ihr hohes Alter ausgezeichneten Kirchen handelt.
Die Seminarübungsschule wurde Ende Dezember Js. von 121 Knaben und 130 Mädchen besucht.
In der Schule zu Breinig waren um dieselbe Zeit 158 Knaben und 148 Mädchen und in Venwegen 35 Knaben und 39 Mädchen, die ländliche Fortbildungsschule erfreut sich wie früher einer regen Theilnahme und wurde der Unterricht von denselben Lehrern, wie früher ertheilt.

IV. Bauwesen

Größere Bauten wurden im verflossenen Jahre nicht ausgeführt. Dagegen machte die bauliche Beschaffenheit der verschiedenen Gemeindehäuser einige größere und kleinere Reparaturen nothwendig.

V. Armenwesen

Im verflossenen Jahre sind die Ansprüche an die öffentliche Armenpflege sehr bedeutend gewesen. Neben den namhaften Ausgaben aus öffentlichen Armenmitteln hat der hiesige Privatwohlthätigkeits Verein dessen Mitgliederzahl zu Ende vorigen Js. 72 betrug 587 Mark 58 Pfg zu Unterstützung verwendet.

VI Polizeiwesen

Die weiter zusammengetretene Feuerwehr hat die auf sie gesetzten Erwartungen weit übertroffen. Ausgerüstet mit einer vorzüglichen Brandspritze und den nothwendigsten Requisiten für die Mannschaften hat dieselbe im verflossenen Jahre aus der im Bereichs hiesiger Bürgermeisterei, sondern auch in den Gemeinden Walheim und Büsbach durch schnelles, energisches Eingreifen nicht wenig zur Bekämpfung des ausgebrochenen Feuers beigetragen.
In richtiger Würdigung der Bestrebungen der Feuerwehr hat dann auch der Gemeinderath die gänzliche Umarbeitung der alten Spritze nach neuem bewährten System genehmigt und bei Anschaffung eines noch nöthigen Gerätschaftswagen gebilligt.
In hiesiger Bürgermeisterei war die Feuerwehr bei fünf Bränden in Venwegen thätig, dieselbe wurde außerdem noch einmal allarmirt, jedoch war das Feuer im Keime erstickt. Jedesmal war das Erscheinen der Mannschaften ein pünktliches und das Anlegen der Spritze und Schlauchleitung im vollständig zufriedenstellendes, so das die gemachten Ausgaben und die noch aufzubringenden Geldmittel für die Feuerwehr durchaus gerechtfertigt erschienen.
Die vorhin erwähnten Brände fanden statt,
am 7.August 1885 bei Arnold Thelen in Venwegen
am 23.October 1885 bei Jakob Blees in Venwegen
am 13.November 1885 bei Jakob Hennecken in Venwegen
am 18.Dezember 1885 bei Mathias Offermann in Venwegen
am 19.Dezember 1885 bei Heinrich Klein in Venwegen
Der im Keime erstickte Zimmerbrand war bei Wilhelm Reuter hierselbst entstanden.
Im Laufe des vergangenen Jahres wurden mehrere Diebstähle ausgeführt und zwar ein solcher mittels Einbruchs bei dem Uhrmacher August Braun hierselbst, bei welchem Uhren und Schmuck Sachen im Werthe von ungefähr 3000 Mark entwendet wurden.
Ein nächstlicher Diebstahl vermittels Einsteigens in den Keller wurde bei dem Unternehmer Johann Schnuch begangen, bei welchen ca. 5 Mark Geld und verschiedene Gegenstände von unbedeutendem Werthe gestohlen worden.
Aus dem Hause des Tagelöhners Peter Mathias Frings zu Venwegen wurden verschiedene Kleidungsstücke gestohlen. Lediglich keiner dieser Diebstähle hat sich die Thäterschaft ermitteln lassen.

VII Gemeindevermögen

Der in Aussicht genommene Verkauf der durch den Eisenbahnbau entstandenen Wegeabsplisse und Reststücke konnte bis jetzt noch nicht stattfinden, in dem die Bahnanlage noch nicht katastrirt ist und somit die dem Verkauf zu Grunde zu legenden Katasterauszüge noch nicht beschafft werden konnten. Voraussichtlich wird der Verkauf im nächsten Etatsjahre stattfinden können. Der Verkauf von 5 QuadratRuthen Gemeindeterrain an den Ackerer Jakob Schiffeler hierselbst hat die Genehmigung der königlichen Regierung erhalten. Der Erlös beträgt 80 Mark.

VIII Gemeindeschulden

Die von der Gemeinde Cornelimünster bis Ende 1891/92 zu tilgende Kapitalschuld beträgt einschließlich der in diesem Etatsjahre bei der Kreiskasse aufgenommenen Kapitals von 12.000 Mark zur Bestreitung der Eisenbahn Grunderwerbs noch 20.655 Mark.

IX Gemeindesteuern

In Folge des ungünstigern Rechnungsabschlusses pro 1884/85 gegen 1883/84 und der im Jahre 1885/86 vorgekommenen größeren Ausgaben für unvorhergesehene Fälle, sowohl bei der Gemeinde als auch bei der Armen Verwaltung steigt die Umlage pro 1886/87 von 125% auf 12 ?% der Grund Gebäude und Gemeindeeinkommensteuer. Dieser Berechnung sind die Steuern des Jahres 1885/86 zu Grunde gelegt.

X Landwirtschaft

Das verflossene Jahr war in Bezug auf den Erndte Ertrag als ein ziemlich gutes zu bezeichnen. Alle Fruchtgattungen lieferten durchgehend einen guten Mittelertrag. Der ungewohnt strenge Winter mit seinen bedeutenden Schneemassen hat in Folge des letzteren nicht nur keinen Schaden für die jungen Saaten zur Folge gehabt, dieselben haben sich unter der Schneedecke vorzüglich gehalten und bedeutend gekräftigt.
Der für den landwirtschaftlichen Casinobezirk des Cornelimünster-Ländchens bestehende Viehversicherungs Verein ist in stetem Wachsen begriffen und ist dessen Lebensfähigkeit jetzt außer Zweifel gestellt.

XI Verschiedenes

Im laufenden Etatsjahre 30.06.85 hat die Eröffnung der für die hiesige Gemeinde überaus wichtigen Eisenbahn Rothe-Erde-Montjoie stattgefunden und konnte auf die weitere Strecke bis Malmedy bereits dem Verkehr übergeben werden. Am 1.Juli 1885 fand im Rahmen der Eisenbahn Eröffnung Feier nachmittags eine Festfahrt mit Damen aus Montjoie nach Cornelimünster statt. Es ist zu hoffen, daß die für die Hebung der Verkehrsverhältnisse an den Betrieb genannter Bahn geknüpften Erwartungen in Erfüllung gehen werden.
Die ersten Vorarbeiten für eine Verbindungsbahn von Walheim über Breinig nach Stolberg sind bereits beendigt und ist die Legung der Bahnaxe etwa gegen Mai dss. Jr. zu erwarten.
Der neuen Bahnlinie Rothe-Erde-Montjoie dürfte es wohl zuzuschreiben sein, daß uns die hohe Ehre des Besuches seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit des Kronprinzen des späteren Kaisers Friedrich III. am 3.Juli 1885 zu Theil geworden, Höchst welcher in herzlicher Weise am Bahnhofe empfangen wurde.

Cornelimünster, den 1.März 1886; der Bürgermeister, Frh.v.Brachel



1886

Bevölkerung
1886mw
Population3468
Geburten68493 unehelich
Todesfälle42310 über 90
Trauungen20
geimpfte Kinder
Liniendienst10 Mann
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. Bevölkerung

Den am 1.Dezember 1885 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab für die hiesige Gemeinde eine Bevölkerung von 3465 Seelen. Die kürzlich aufgestellte Klassensteuerrolle ergab pro 1887/88 3468 Seelen, so daß ein Zuwachs von 3 Seelen zu verzeichnen ist.
Hiervon gehören der katholischen Religion an 3417, evangelischen 48, jüdischen 42, Sa. 3468.
Im Jahre 1886 wurden in der Bürgermeisterei geboren: männliche Kinder 68, weibliche Kinder 49, Sa. 117.
Religion
ReligionPersonen
katholisch3417
evangelisch48
jüdisch24
gesamt3468

Von diesen waren drei uneheliche, die Mutter von einem war von auswärts.
In demselben Zeitraum starben: männliche Personen42, weibliche Personen 31, Sa. 73. so daß die Zahl der Geburten die der Todesfälle um 46 übersteigt.
Unter den Verstorbenen befinden sich 2 Todtgeburten.
Im Jahre 1886 wurden 20 Trauungen vollzogen.

II Gemeindeverwaltung

An Stelle des eine Wiederwahl ablehnenden Schiedsmannes Herrn L. Giesen von hier wurde vom Gemeinderath der Rentner Herr Mathias Joseph Lamberts am 7/12 86 gewählt und am..... als Schiedsmann bestätigt.
Mit Beginn des Etatsjahres wurde an Stelle des wegen Altersschwäche zum Dienste eines Wegewärters untauglichen Michael Beuel aus Venwegen der Tagelöhner Hubert Hamacher aus Venwegen angestellt.
Drei Gemeindebeamten konnten im Anbetracht ihrer zufriedenstellenden Leistungen für die Gemeinde im Laufe des Jahres für das nächste Etatsjahr Gehaltserhöhung zuerkannt werden, nämlich dem Polizeidiener Brammertz eine solche von 150 M. pro Jahr, dem Polizeidiener Kröger eine solche von 50 Mk pro Jahr und dem Gemeindeförster Andres eine solche von 150 Mk. pro Jahr.
Die Neuwahl des Kreistages Abgeordneten und dessen Stellvertreters ergab folgendes Resultat gewählt wurde
ad 1 Ludwig Giesen
ad 2 Egidius Nicolai

III Kirchen und Schulwesen

Zu Ehren des zur Spendung des Sacraments der h. Firmung hier anwesenden hochwürdigsten Herrn Bischofs Dr. Korum aus Trier hatte der Ort Cornelimünster Ueberraschendes geleistet; indem die Bewohner ohne Unterschied der Confession wetteiferten in der Ausschmückung der Häuser und Straßen. Die am Abend des betreffenden Tages veranstaltete Illumination und bengalische Beleuchtung der Hauptpunkte war besonders großartig und erfreute sich der lobenden Anerkennung des hohen Gastes.
Für die hiesige vakante Pfarrstelle wurde der seither in Düren angestellte Pfarrvikar Herr Mathias Joseph Niessen, als Hülfsgeistlicher ernannt und trat derselbe am 22/10 86 sein Amt an.
Der seitherige Pfarrvikar Herr Arnold Hochhausen, welcher 23 Jahre lang am hiesigen Orte als Seelsorger mit unermüdlichem Eifer thätig war, wird demnächst als Hülfsgeistlicher die erledigte Pfarrstelle in Eynatten übernehmen.
Mit dem bereits seit langer Zeit projektirten Ausbau der hiesigen Pfarrkirche wird sicherem Vernehmen nach nunmehr in kürzester Zeit begonnen, auch sind im verflossenen Jahre einige dringend nothwendige Arbeiten an der alten Pfarrkirche vorgenommen worden, um diese vor dem Verfall zu schützen.
Am 3.Juni vor. Js. feierte der Lehrer Ignaz Löhr zu Breinig unter großen Betheiligung seitens seiner alten Schüler und vieler Gemeinde Angehörigen sein 25 jähriges Dienst Jubiläum.
An Stelle des als Seminarlehrer angestellten Lehrers Löhr jun. aus Breinig ist der Lehrer Wilhelm Schmitz aus Holtorf seit 1/10 86 angestellt worden. Für die Fortbildungs Schule in Breinig, welche sich im verflossenen Jahre der lobenden Anerkennung der vorgesetzten Behörde zu erfreuen hatte, ist kürzlich ein Curatorium gebildet worden, bestehend aus dem Bürgermeister und den 1. Beigeordneten, dem Herrn Localschulinspektor Pfarrer Hoegel aus Hahn und dem Hr. Johann Wilhelm Hennecken aus Breinig und dem Zeichnenlehrer Gilles aus Breinigerberg. Derselbe soll die Interessen der Schule nach innen und außen vertreten und für eine gedeihliche Weiterentwicklung derselben Sorge tragen. In Bezug auf die letztere kann an dieser Stelle der eifrigen Thätigkeit des Lehrers Herrn Löhr gedacht werden, welcher den bisherigen Unterrichtsgegenständen auch eine Unterweisung im Obstbau zugefügt hat. Von dem Berichterstatter ist bei dem Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit eine Erhöhung des seither gezahlten Zuschusses von 200 auf 300 Mark beantragt worden.
Zu den Schulverhältnisen im Orte Cornelimünster ist eine größere Änderung in den bestehenden Schulverhältnissen beabsichtigt, und, falls die schwebenden Verhandlungen einen raschen und günstigen Verlauf nehmen, in kurzer Zeit bevorstehend, darnach sollen die Mädchenschulen, die nebst den Knaben seither in der Übungsschule des kgl. Lehrer Seminars unterrichtet wurden, von letzterer getrennt und in zwei Gemeindeschulen fortan untergebracht werden, von denen die eine um Ostern, die andere am 1. Novbr @. errichtet werden soll.

IV. Gemeindebauwesen

Im Zusammenhang der letzterwähnten Trennung der Mädchenschulen steht die nothwendig gewordene teilweise bauliche Veränderung des alten Gemeindehauses, welches früher zu Schulzwecken benutzt worden.
Im verflossenen Jahre sind im Orte Cornelimünster größere Pflasterarbeiten gemacht worden, die als durchaus nothwendig nicht länger aufgeschoben werden konnten.
Der Ausbau des bis an die Bürgermeistereigrenze fertiggestellten Weges von Niederforstbach nach Cornelimünster ist insofern der Verwirklichung näher gerückt, als derselbe nunmehr definitiv im Frühjahr 1888 in Angriff genommen werden soll.
Für die projektirte nothwendige Änderung an der gemeinschaftlichen Brücke bei Mulartzhütte sind die erforderlichen Projektstücke noch nicht fertiggestellt worden, so daß ein definitiver Beschluß in dieser Angelegenheit noch nicht gefaßt werden konnte.
Am Gemeindewalde ist der Ausbau eines größeren Abfuhrweges, welche bereits im vorigen Jahre begonnen worden, seiner Vollendung nahe.

V. Armenwesen

Der hiesige Wohlthätigkeits Verein hat wie in früheren Jahren, so auch im verflossenen Jahre eine größere Summe ausgeworfen, um den Armen der hiesigen Pfarrgemeinde Kohlen und Kartoffeln für den Winter zu verabreichen.
Ferner hat der Armenvorstand, unterstützt von einem Damen Comite, welches sich in dankenswerther Weise der Beschaffung und Vertheilung der zu verabreichenden Gegenstände, wie wollene Decken, Betttücher, Hemden, Strümpfe, Schuhe pp angenommen hat, aus den Beständen der vorhanden Stiftungs-Revenuen den Armen sehr willkommene Weihnachtsgeschenke gemacht.

VI. Polizeiwesen

Bei den in der Gemeinde stattgehabten Bränden, nämlich
1. bei Wilhelm Hermanns in Venwegen am 11/4 86
2. bei Wilhelm Wilden in Venwegen am 24/5 86 und
3. bei Geschwister Beretz u. Joh.Hub.Braun in Breinig am 28/1 87
hat die hiesige Feuerwehr, dank ihrer nahezu vollendeten guten Ausrüstung und der Liebe zur Sache, auf ihr rasches und energisches Zugreifen schöne Resultate zu verzeichnen. Nicht minder beteiligte sich dieselbe bei der Löschung des großen Brandes im Gemeindewalde, der unter Walheim liegt, wobei viele Einwohner von Hahn sich in besonders lobenswerther Weise hervorgethan haben.
Am 25.Januar v. Js.wurde im Stationsgebäude hierselbst eingebrochen, entwendet wurde jedoch nichts.
Aus dem Hause des Tagelöhners Peter Mathias Frings zu Venwegen wurden verschiedene Kleidungsstücke gestohlen. Bezüglich keines dieser Diebstähle hat sich die Thäterschaft ermitteln lassen.

VII Gemeindevermögen

Im Laufe des Etatsjahres 1886/87 sind Veränderungen in der Substanz des Gemeinde Grundvermögens nicht vorgekommen; in dem keine Veräußerung von Grundeigenthum vorgekommen ist.
Es ist indessen der Verkauf einiger Parzellen bereits beschlossen und die höhere Genehmigung nunmehr bevorstehend.
Auch sollen die Trennstücke, welche die Gemeinde durch den Bahnbau erwerben mußte, sobald die Abgrenzung definitiv feststeht, veräußert werden.
In dem verflossenen Etatsjahre sind die laut Schuldentilgungsplan abzutragenden Kapitalquoten und die zu entrichtenden Zinsenbeträge in der Höhe von ad 1. M. 4.725,0? und M. 836,70 ? abbezahlt worden
Die Gesamtschuld, welche nach dem Schulden Tilgungs Plan im Etatsjahre 1891/92 amortisirt ist, beläuft sich gegenwärtig auf 15.930 Mk. Kapital und 1.500 M. 80 S Zinsen.

IX. Gemeindesteuern

Die Gemeinde Umlage, welche pro 1886/87 125% der Grund Gebäude u. Gemeinde Einkommenssteuer betrug, fällt pro 1887/88 auf 116%, ein Resultat, welches kaum zu erwarten war in Anbetracht der vorgesehenen vermehrten Ausgabe für das Schulwesen, und welche nur dadurch erreicht werden konnte, daß nach einer Erklärung des Herrn Landraths Rennen, die noch ausstehende Abrechnung der Gemeinde mit den Kreisen Malmedy und Montjoie bezüglich des Staatszuschusses, von welchem der Gemeinde nach Abzug sämmtlicher noch zu leistenden Zahlungen noch ca. 5.000 Mk. zustehen, in den nächsten Monaten stattfinden wird, so daß ein Betrag von 4.000 Mk in Einnahme gestellt werden konnte.

X Verschiedenes

Zu diesem Jahre fand in Folge der Auflösung des deutschen Reichstages am 21.Februar die Neuwahl eines Abgeordneten statt.
Die Ortspolizeiliche Prüfung der neuen Bahnlinie Walheim-Stolberg hat am 2.August v. Js. bereits stattgefunden. Der Ausbau derselben hat aber dadurch eine Verzögerung erfahren, daß die in dem fertig gestellten Projekte vorgesehenen Lage der Bahnachse nicht unbedeutende Abänderungen erfahren soll, eine Maßnahme, welche für die Gemeinde sehr wenig vortheilhaft ist, indem das wenig werthvolle Gemeinde Eigenthum im Rurthale unberührt bleibt, während die werthvolleren Wiesen von Privaten in ausgedehntem Maaße durchschnitten werden sollen.
Auf der Bahnlinie Rothe Erde-Montjoie sind im verflossenen Jahre Wagen IV. Klasse eingeführt worden, eine Einrichtung, die von der wenig bemittelten Klasse mit Freude begrüßt wurde.
Im April vor. Js. wurde im Orte Breinig eine Posthülfsstelle errichtet und für die schnellere Bestellung der Postsendungen für die umliegenden Ortschaften in der Weise Fürsorge getroffen, daß täglich eine zweimalige Besorgung dieser Gegenstände durch einen Postwagen stattfindet.
Im verflossenen Jahre veranstaltete das landwirthschaftliche Casino eine Ausstellung von selbstgewonnenen Produkten, deren Resultat in Anbetracht der ungünstigen klimatischen und Bodenverhältnisse und des ersten Versuchs als zufriedenstellend bezeichnet werden kann.
Die Gemeinde gewährte zur Prämirung von Jungvieh bei der Bestellung einen Zuschuß von 40 Mk.
Der Viehhandel war im letzten Jahre ein sehr reger, auch war der große Viehmarkt nach der Corneli Oktav sehr stark besucht.
Der hiesige Pfennig Sparkassen Verein konnte trotz der sehr schlechten Zinsverhältnisse aus seinen Ueberschüssen im vorigen Jahre eine Verlosung von Prämien an den Sparer vornehmen und findet eine gleiche auch in diesem Jahre statt.
Die Zahl der Mitglieder hat sich, wenn auch unbedeutend, so gar vermehrt.
Die hiesige Viehversicherung hat im Jahre viele Unglücksfälle Entschädigungen ausgezahlt und ist der Bestand an Kasse trotzdem noch ein derartiger, daß der Reservefonds nicht angegriffen zu werden brauchte.
Die Gemeinde-Kranken Versicherung, deren Wohlthat allmählich immer mehr in das Bewußtsein der Einwohner übergeht, hat für das abgelaufene Rechnungsjahr 1886 einen günstigen Abschluß gehabt, so daß ein ansehnlicher Bestand vorhanden ist.
Außer einem bedauerlichen Vorfall sind keine Unglücksfälle von Menschen zu verzeichnen. Ein Grubenarbeiter aus Büsbach hatte nämlich das Unglück in einem Schachte von herabstürzendem Gestein getroffen zu werden, so daß er nach einigen Tagen verschied. Das Unglück ereignete sich auf Schützheide in der Eisenstein Conzession Cornelia.
Im Allgemeinen war der Gesundheitszustand ein zufriedenstellender, so daß die Gemeinde, abgesehen von dem großen Brandunglücke, welches sie betroffen hat, auf das abgelaufene Rechnungsjahr mit Befriedigung zurückblicken kann.
Die Wiederaufforstung der ca 150 Morgen großen Brandfläche des Gemeindewaldes verursacht einen Kostenpunkt von 5.300 Mk., welche auf 4 Jahre vertheilt, von der Gemeinde aufgebracht werden müßen.
Als Zuschuß hierzu ist Seitens des Herrn Ministers ein einmaliger Betrag von 337 Mk. bewilligt worden.
Das bedeutungsvolle Ereignis des 25 jährigen Regierungs Jubiläum Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers und Königs, unter dessen glorreichen Regierung Deutschland eine weltgebietende Stellung errungen hat, wurde auch in hiesiger Gemeinde allgemein und in würdigster Weise begangen.

Cornelimünster, d. 1.März 1887; der Bürgermeister, Frhr.v.Brachel



1887

Bevölkerung
1887mw
Population3561
Geburten56560 unehelich
Todesfälle41260 über 90
Trauungen23
geimpfte Kinder
Liniendienst18 Mann
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. Bevölkerung

Die am 1.Dezember 1885 stattgehabte allgemeine Volkszählung ergab für die hiesige Gemeinde eine Bevölkerungszahl von 3465 Seelen, die kürzlich aufgestellte Klassensteuerrolle 3561 Seelen, so daß ein Zuwachs zu verzeichnen ist von 96 Seelen.
Von der Bevölkerung gehören zur katholischen Religion 3505 Personen zur evangelischen 19, zur jüdischen 37, Sa. 3561 Personen.
Im Jahr 1887 wurde in der Bürgermeisterei geboren: männliche Kinder 56, weibliche Kinder 56, Sa. 112.
In demselben Zeitraum starben: männliche Personen 41, weibliche Personern 26, Sa. 67, so daß die Zahl der Geborenen diejenigen der Verstorbenen um 45 überstieg.
In dem abgelaufenen Kalenderjahr fanden 23 Eheschließungen statt.
Religion
ReligionPersonen
katholisch3505
evangelisch19
jüdisch37
gesamt3561


so daß die Zahl der Geborenen diejenigen der Verstorbenen um 45 überstieg.

II. Gemeindeverwaltung

Das Resultat der regelmäßigen Ergänzungswahlen zum Gemeinderath, bei welchen eine überaus schwache Betheiligung war, ergab, daß von den ausscheidenden Gemeindeverordneten fünf wieder gewählt wurden. Neu hinzutraten: der bereits an Stelle des verzogenen II. Beigeordneten Herrn D. Wachendorf zum Beigeordneten ernannte Rentner Mathias Josef Lamberts; ferner die Herren Joh. Quadflieg, Arnold Biervert aus Cornelimünster und Jacob Gansser aus Breinig. Die Einführung fand am 3.Januar statt.
Der vom Gemeinderath zum stellvertretenden Gemeindevorsteher gewählte Bürgermeister a.D., Herr Ludwig Giesen, ist als solcher bestätigt und für eine fünfjährige Amtsdauer, beginnend mit dem 1.Januar eingeführt worden.
Nachdem der frühere Steuerempfänger Herr von Harenne sein Amt niedergelegt, war seinem Nachfolger, dem königlichen Baumeister Fuhrmanns zu Stolberg, die Function als Gemeinde Empfänger provisorisch übertragen worden.
Da der Gemeinderath nun, im Anschluß und in Uebereinstimmung mit dem correspondirenden Beschlusse der Gemeinde Walheim, beschlossen und für denselben ein Gehalt von 1100 Mark ausgeworfen hat, ist die Ernennung eines solchen, nachdem die Beschlüsse genehmigt worden, zum 1.April 1888 zu erwarten.

III Kirchen und Schulen

An Stelle des nach Krahnenhöhe versetzten Hülfsgeistlichen von Venwegen, Herrn Linnartz, ist der Hülfsgeistliche, Herr Krefeldt ernannt worden. Desgleichen ist an Stelle des Herrn Pfarrvikars Hühnewinkel aus Breinig, welcher nach Windhagen versetzt ist, der Herr Vikar Franz Josef Jansen ernannt worden.
In dem abgelaufenen Jahr ist die bereits seit langer Zeit projektirte Neudachung der Pfarrkirche und der Neubau der Galerie begonnen und fast vollendet worden.
Die Verhandlungen, welche zwischen dem königlichen Provinzial Schulcollegium und der Gemeinde behufs Trennung der hiesigen Mädchen von der Seminar Uebungsschule und Einschulung in besondere Mädchenschulen schwebten, haben seither nur zu dem Resultate geführt, daß die Mädchen der oberen Stufen der Uebungsschule in eine besondere Mädchenschule untergebracht wurden, während die Vorschläge zur Absonderung der übrigen Mädchen noch der höheren Genehmigung bedürfen.
Zu dem neugebildeten Schulvorstand gehören 1/als Vorsitzende der Bürgermeister Freiherr von Brachel, welcher gleichzeitig zum Localschulinspector ernannt ist und 2/die Herren Schmitz Josef, Bierbrauereibesitzer und Quadflieg Josef, Kaufmann.
Die von dem Schulvorstand getroffene Wahl einer Lehrkraft, bei welcher die jetzige Lehrerin, Fräulein Maria Rose aus Recht b. Malmedy, an erster Stelle vorgeschlagen wurde, hat die erforderliche Bestätigung gefunden.
Die erforderliche Einrichtung für die neue Schulklasse wurde vollständig neu angeschafft.

IV Gemeindebauten

In Anbetracht der in kurzer Zeit bevorstehenden Genehmigung der Trennung der gesammten schulpflichtigen Mädchen aus der Seminarübungsschule ist die Errichtung des erforderlichen zweiten Schulsaales in dem alten Gemeindehause bereits vollendet worden.
An dem neuen Gemeindehause auf St. Gangolph ist durch die vom Gemeinderath genehmigte Ausführung der Verbindung des Hinterbaues mit dem Haupthaus eine wesentliche Verbesserung herbeigeführt worden.

V. Armenwesen

Die Unterstützungen welche die Gemeinde an hülfsbedürftigen Angehörigen im laufenden Etatsjahre leisten mußte, sind nicht unerheblich gewesen. Einen kleinen Theil der nothwendigen Unterstützungen hat der hiesige Wohlthätigkeits-Verein in althergebrachter Weise übernommen.
Zu Weihnachten wurde den Armen der hiesigen Pfarrgemeinde aus den dazu bestimmten Stiftungsrevenuen verschiedene Bekleidungsgegenstände und Bettzeug verabreicht, zu deren Anfertigung mehrere hiesige Damen in dankenswerther Weise hülfreiche Hand geleistet haben. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß der hiesige Bürgerverein an einigen Gesellschaftsabenden einen Betrag gesammelt hat, für welchen zum ersten Male die Ausschmückung eines Weihnachtsbaumes für die Armen bewirkt werden konnte.
An Stelle des von hier verziehende Armenarztes, Herr Dr. Wachendorf wurde der hier ansässige Dr. med. Heinrich Scheen gewählt.

VI Polizeiwesen

Es wurde eine Polizei-Verordnung für den Ort Cornelimünster erlassen, durch welche das Bestreuen der Bürgersteige bei eintretendem Glatteis vorgeschrieben worden ist.

VII Gemeindevermögen

In dem laufenden Etatsjahr sind mit notarielle Act zwei Parzellen verkauft worden: die eine, gelegen an dem Wege nach Oberforstbach, an den Oekonom des Lehrerseminars Herrn Nellen zum Preise von M 776 und die zweite, der Rest einer für den Bahnbau Rothe Erde-Montjoie angekaufte Parzelle, an den Steinbruchbesitzer Joh. Schmitz für M 974,16. Da letztere Parzelle zum Zweck des Bahnbaues von der Gemeinde angekauft werden mußte, so dürfte es keinem Zweifel unterliegen, daß die Genehmigung ertheilt wird den genannten Erlös im Interesse der Gemeinde anderweitig zu verwenden.
Die Berichtigung des Lagerbuches hat dementsprechend stattgefunden.

VIII Gemeindeschulden

In dem laufenden Jahr sind die abzutragenden Kapitalquoten und ziehen ein Betrage von 5.325 resp. 637,20 Mark an die betreffenden Gläubiger ausgezahlt worden.
Was den Gesammtstand der Schulden p.p. anlangt, so belaufen dieselben sich nunmehr noch auf ca 7.500 Mark. Dieselben würden im Jahre 1891/92 vollständig getilgt gewesen sein, wenn nicht die Gemeinde durch den Grunderwerb zu dem neuen Bahnbau Stolberg-Walheim in die Nothwendigkeit versetzt wurde eine nicht unbedeutende Anleihe aufzunehmen, um die entstehenden Kosten, zu welche die Stadt Stolberg aus dem Staatszuschuß 24.000 Mark entrichtet, vollständig zu decken.

IX. Gemeindesteuern

Die Umlagen zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfnisse, welche im verflossenen Jahre 116% der Grund Gebäude und Einkommensteuer betrug, wird nach Maßgabe des Finalabschlusses pro 1887/88 und des Etats pro 1888/89 auf 110% herabgesetzt werde können.

X. Verschiedenes

Dadurch das der zum Abgeordneten des preußischen Landtages gewählte Landrath z. d., Herr Jansen sein Mandat vor Ablauf der Wahlperiode niederlegte, waren, da aus dem hiesigen Bezirk drei Wahlmänner verzogen waren, Neuwahlen erforderlich, welche Ende Dezember vorgenommen wurden.
Die Projectstücke zum bereits erwähnten Eisenbahnbau Stolberg-Walheim sind nunmehr, nachdem einige seitens der Gemeinde und einzelnen Privaten erhobene Einsprüche ihre Erledigung gefunden haben, definitiv festgestellt und statt zu erwarten, daß mit dem Bau in allernächster Zeit begonnen wird.
Für die Gemeinde ist es von ganz besonderer Bedeutung, daß für das Viaduct am Venweger Wege anstatt der projectirten 5 Bogen deren 8 eng träglich concedirt worden sind, wodurch die Grunderwerbkosten wesentlich reducirt werden. Durch den Bahnbau wird auch der Ort Breinig einen Bahnhof erhalten, und ist zu hoffen, daß diese Anlage der ganzen Gemeinde zum Vortheil gereichen werde, namentlich aus dem Grunde, weil aller Wahrscheinlichkeit nach die an Erzen reichen Gruben auf Breinigerberg, welche jetzt seit geraumer Zeit außer Betrieb sind, wieder in Betrieb gesetzt würden.
Bei Gelegenheit der diesjährigen Herbstübungen des 8 ten Corps war auch der Ort Cornelimünster drei Tage lang mit einer bedeutenden Zahl Cavallerie und Infanterie belegt. Seitens der Gemeinde wurde den Quartiergebern ein namhafter Zuschuß gewährt und war es daher sehr erfreulich von den Befehlshabern der betreffenden Truppentheile nur ein einstimmiges Lob über die Aufnahme und Verpflegung der Truppen an hiesigem Orte zu hören.
Leider sind auch einige Unglücksfälle zu verzeichnen, die erst seit Jahresfrist verehelichte Ehefrau Johann Bausch aus Cornelimünster hat dadurch den frühen Tod gefunden, daß sie in den in dem Keller befindlichen Brunnen kopfüber gestürzt ist und erst nach langem vergeblichen Suchen dort gefunden wurde.
Ferner ist das Kind Cornel Braun aus Breinig das durch Unvorsichtigkeit erhaltenen Brandwunden nach kurzem schmerzhaften Leiden erlegen.
Hier im Gemeindewalde entstandener Brand konnte durch das rasche energische Eingreifen der in der Nähe befindlichen Arbeiter gelöscht werden, so daß ein unabsehbar großes Unglück verhütet wurde. Die sofort eingeleiteten Untersuchungen haben über die Entstehung des Feuers keinen Aufschluß gegeben.
Das im Orte Breinig mit ziemlicher Heftigkeit auftretende Nervenfieber hat sowohl unter Erwachsenen wie Kindern mehrere Opfer gefordert. Außerdem herrschten unter den Kindern die Masern, dieselben traten indessen nicht mit derselben Heftigkeit auf wie in der Nachbar Bürgermeisterei Walheim, woselbst der Unterricht in verschiedenen Schulen ausgesetzt werden mußte.
Sonst war aber der Gesundheitszustand im Allgemeinen ein zufriedenstellender.
Auch die Ernte war in diesem Jahre eine ziemlich Gute zu nennen; zu beklagen war nur, daß die reiche Kartoffelernte dadurch reducirt wurde, daß die Kartoffel nach dem Einbringen in die Keller sehr leicht in Fäulnis geriethen.
Nach Beschluß des Gemeinderathes wurde der aus derselben hervorgegangene Antrag, dem Bürgermeister für die Zeit seiner Amtsdauer das auf St. Gangolph gelegenen Gemeindehaus als Dienstwohnung zu überlassen, genehmigt.

Cornelimünster, den 1.Februar 1888; der Bürgermeister, Frhr.v.Brachel



1888

Bevölkerung
1888mw
Population
Geburten5557112
Todesfälle42(2)39(1)81(3)
Trauungen25
geimpfte Kinder
Liniendienst15 Mann
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

An erster Stelle erscheint es als ein Gebot der Pflicht zweier Ereignisse zu bedenken, die unsere Gemeinde nicht allein betroffen haben, durch welche vielmehr das gesamte deutsche Vaterland in die tiefste Trauer versetzt wurde und die in den Herzen der zahlreichen in allen Weltteilen wohnenden Deutschen die aufrichtigste Theilnahme hervorgerufen haben.
Das Jahr 1888, welches wir mit Recht ein Trauerjahr nennen können, sah den deutschen Kaiserthron zweimal verwaist. Am 9.März wurde Sn. Majestät unser in Gott ruhender Kaiser und König Wilhelm I., welcher das deutsche Volk nach harten blutigen Kämpfen zur Einigkeit und damit auch zu seiner machtgebietenden Größe geführt hatte, nachdem es ihm noch einige Jahre vergönnt war den Werken des Friedens, der inneren Ausstattung des großartigen Bauwerks des geeinigten deutschen Vaterlandes seine ganze Thatkraft zu widmen, in ein besseres Jenseits abberufen. Ihm folgte sein mit denselben Herrschertugenden ausgerüsteter Sohn, unser Kronprinz Friedrich, ein Held in blutigem Kampfe, ein noch größerer Held im Dulden und Leiden. Zwar schmückte ihn die mächtigste irdische Krone, aber auch diese war nicht im Stande Ihn der heimtückischen schweren Krankheit und dem Schicksale eines allzu frühen Todes zu entreißen. Nach 99 tägiger Regierung wurde auch Er uns genommen, und mit Ihm die schönen Hoffnungen, welche ganz Deutschland auf Ihn gesetzt.

Wie herb aber auch diese beiden Verluste auch sein mögen ein wertvolles Erbteil haben beide Herrscher uns hinterlassen, das Beispiel der getreusten Pflichterfüllung bis zum Tode.
Was nun die eigentliche Verwaltung anlangt, so ist folgendes zu merken.
Die Zahl der im Jahre 1888 geborenen Kinder beträgt 112, davon sind männliche 55, weibliche 57, Sa. 112.
Außerdem kamen 2 männliche und 1 weibliche Todgeburt vor, ges. 3, Sa. 112.
Es starben im ganzen excl. der Todgeburten 84, davon sind männliche 42, weibliche 39, ges. 84, sodaß die Zahl der Geborenen die der Verstorbenen um 31 übersteigt.
In demselben Zeitraume wurden 25 Eheschließungen vorgenommen.
Die am 1.Dezember 1885 stattgehabte allgemeine Volkzählung ergab für die hiesige Bürgermeisterei eine Bevölkerungszahl von 3465 Seelen. Die kürzlich bei Gelegenheit der Aufstellung der Klassensteuer Rolle vorgenommene Aufnahme der Bevölkerung ergab ?, so daß ein Zuwachs zu verzeichnen ist von ?
Durch die Einführung der Kreisordnung sind eine Reihe sehr wesentliche Veränderungen der seither geltenden gesetzlichen Bestimmungen in der Verwaltung eingetreten, welche indessen in dem engen Rahmen dieses Berichtes nicht alle aufgezählt werden können.

Nachdem die Periode des stellvertretenden Schiedsmannes Herrn I. Beigeordneten Kaldenbach aus Breinig mit Ende des Jahres 1888 abgelaufen war, wurde derselbe in der Sitzung des Gemeinderats vom 6.Dezember 1888 wieder gewählt und durch Verfügung des königlichen Landgerichtspräsidiums vom Januar 1889 für eine fernere Dauer von drei Jahren bestätigt.
Seit dem 1.April v. Js. wurde ein besonderer Gemeindeempfänger angestellt Herr Fr.Wollgarten aus Eupen, welcher gleichzeitig zum Gemeindeempfänder von Walheim ernannt worden ist. Durch diese Ernennung ist einem von der Bevölkerung lang gehegten Wunsche entsprochen worden.
An Stelle der s. Z. den Gemeinden genommenen Katasterdokumente sind dieselben nunmehr summarische Mutterrollen gegeben worden, die den Ausfall in etwa zu decken geeignet sind.
Während des laufenden Etatsjahr fand die alle 7 Jahre wiederkehrende Heiligthumsfahrt statt bei welcher hauptsächlich durch den bequemen Eisenbahnverbindungen und die tagtäglich eingelegten besondere Züge, ein ausnahmsweise starker Menschenandrang zu verzeichnen war. Ganz besonders erhebend wurde die Feier durch die Anwesenheit mehrerer Kirchenfürsten, vornehmlich durch das Eintreffen des hochwürdigen Herrn Erzbischofs Philippus von Köln, welcher die Heiligtumsfahrt durch ein feierliches Pontificalamt eröffnete. Die Bevölkerung des Ortes Cornelimünster ließ es sich nun nicht nehmen, diesem einen besonders festlichen Empfang zu bereiten, welcher alle Erwartung weit übertroffen hat, wie dies wiederholt von Sn. Erzbischöflichen Gnaden anerkennend hervorgehoben wurde.
Kurz vor Beginn der Heiligthumsfahrt war der im Vorjahre begonnene Umbau der Gallerie beendet worden, welcher der kirchlichen Gemeinde allerdings große Opfer kostete, indessen aber auch der Kirche ein würdigeres Ansehen verleiht als dies früher der Fall gewesen.

Zu bemerken ist ferner noch, daß man seit einiger Zeit, hauptsächlich durch die Bewilligung der erforderlichen Geldmittel seitens des Herrn Bischofs von Montpellier, damit begonnen hat Nachgrabungen in der Kirche zu veranstalten um dem hier beerdigten, später heiliggesprochenen Benedict von Aniane, dem Gründer der ehemaligen Benedictinerabtei.
Der seither als Hülfsgeistlichen angestellten Herrn Miessen von hier und Krefeld von Venwegen sind zu Pfarrern ernannt worden, und ist letzterer bereits in sein Amt feierlich eingeführt worden.
Was die Schulangelegenheiten betrifft, so muß an erster Stelle die große seitens des Staates bewilligte Erleichterung hinsichtlich des Schulgeldes hervorgehoben werden, dieses fällt nämlich für die Zukunft fort und wird von Seiten des Staates den Gemeinden für den Ausfall ein dankenswerther Ersatz geleistet.
Die seit langer Zeit schwebenden Verhandlungen bezüglich der Trennung der gesammten schulpflichtigen Mädchen von der Seminar Uebungsschule und Unterbringung in besonderen Gemeindeschulen haben endlich den erwünschten Abschluß gefunden, indem mit Genehmigung des Herrn Ministers ein Vertrag mit dem königlichen Provinzial Schul-Collegium abgeschlossen wurde, demzufolge mit Ostern die zweite Mädchenklasse errichtet wird und die Gemeindeanstalt des seither gezahlten Zuschusses von 1.050 M. zur Seminarkasse nur noch einen Beitrag von 150 M pro Jahr zu entrichten hat.
An Stelle der Lehrerin Maria Rose, welche nach Malmedy versetzt wurde, ist den Schulamtscandidaten Catharina Reisen aus Aachen seitens des Schulvorstandes in Vorschlag gebracht und auch ernannt worden. Die Wahl der demnächst anzustellenden zweiten Lehrerin wird in nächster Zeit erfolgen.
In den Lehrpersonen der Fortbildungsschule ist ein Wechsel eingetreten, indem Herr Zeichenlehrer Gilles von Breinigerberg ausschied und an seine Stelle Herr P.J. Hennecken aus Breinig trat, über dessen Leistungen der Herr Kreisschulinspektor sich bei seiner letzten Anwesenheit lobend ausgesprochen hat.
In dem verflossenen Jahre wurde die vollständig defect gewordene Brücke über den Indebach im Orte Cornelimünster durch eine neue ersetzt. Der im Vorjahre begonnene Ausbau des Weges von hier nach Niederforstbach ist im Grundbett vollständig fertig und geht nunmehr überhaupt seiner Vollendung entgegen.
Der Wohltätigkeitsverein hat, wie stets früher, namentlich für die Wintermonate die teilweise Fürsorge für die Armen übernommen sowohl durch Lieferung von Kohlen als auch durch die Verabreichung von Kartoffeln. Auch in diesem Jahre wurde den aus den vorhandenen Stiftungsstands bescherten Armen ein frohes Weihnachtsfest bereitet durch zahlreiche Gaben, welche bei prächtig geschmücktem Weihnachtsbaume und passenden Vorträgen der freiwillig zu diesem Zweck zusammengetretenen Schulkinder erteilt wurden.

Obschon auch in diesem Jahre die Gemeinde von Brandunglück verschont geblieben, hat die Feuerwehr ihre Thätigkeit fortgesetzt, indem dieselbe durch mehrfache Tags- und Nachtübungen ihre Bereitschaft und ein schnelles Eingreifen zu erhöhen strebte.

Der Umstand, daß der Ort Venwegen eine isolirte Lage hat, und daß somit bei irgendwelchen Veranlassungen das Einschreiten des Bürgermeisters oder des in Breinig wohnenden 1. Beigeordneten erst nach längerer Zeit stattfinden konnte, ließ die Wahl eines Ortsvorstehers für diesen Ort als geboten erscheinen. Die am 3.Mai vorgenommene Wahl des Rentners J. Kloubert wurde am 9. des Mts. bestätigt, und p. Kloubert am 7.Juni v. J. in sein Amt eingeführt.

Da bis jetzt die definitive Eintragung der Eisenbahnlinie Rothe Erde-Montjoie in dem Kataster noch nicht bewirkt worden ist, so konnte auch ein Verkauf der Absplisse nicht stattfinden, es ist indessen mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Regulirung in kurzer Zeit bevorsteht.
Verkauft hat die Gemeinde eine bei Mulartzhütte gelegene kleine Parzelle an Schiffler Carl von hier, außerdem ist der Verkauf eines kleinen Wegeabsplisses an Eg. Hamacher von hier und eines Stückes aus der Breinigerheide an Schnitzler und Blees bereits beschlossen. Nach erfolgter Genehmigung wird der Act gethätigt und die Veränderung in das Lagerbuch eingetragen werden.
In dem laufenden Etatsjahr sind die abzutragenden Raten des Schuldkapitals und der Zinsen mit dem Betragen von 3.615 M. resp. 424,20 an die resp. Gläubiger abgezahlt worden. Für das Jahr 1889/90 sind im Ganzen an Schuldkapital und Zinsen 3.269,60 M zu tilgen, welche in dem Etat pro 89/90 tilgende Rest wäre 3.240 M. gewesen durch den Bahnbau Stolberg-Walheim, für welche die Gemeinde den Grund und Boden unentgeltlich herzugeben hat, ist die Gemeinde indessen gezwungen gewesen eine Anleihe im Betrage von 25.000 M. zu machen, deren Genehmigung bereits erfolgt ist der Tilgungsplan ist auf 28 Jahre festgesetzt und die Zinsen zu 4% normirt worden.
Die Gemeinde Umlage zur Bestreitung der laufenden Bedürfnisse, welche im Jahre 1888/89 111% der Grund Gebäude und Gemeinde Einkommensteuer betrug, ist in dem Etatsjahr 1889/90 in Anbetracht der zum Zweck des Bahnbaues Stolberg-Walheim notwendig gewordene Anleihe von 25.000 M., welche mit dem 1.April beginnt und mit je 2.000 M. Zinsen und Kapital amortisirt worden, ist auf 116% gestiegen.
Die Arbeiten für die neue Bahnlinie Stolberg-Walheim sind im abgelaufenen Jahre in überraschender Weise gefördert worden, wozu die sehr günstige Witterung nicht unwesentlich beigetragen hat. Namentlich wurde der Bau der Pfeiler am Viaduct am Venweger Wege bis auf die Bogen vollendet und das neue Stationsgebäude bei Breinig unter Dach gebracht. Der Bahnbau hatte für die Gemeinde insofern eine ganz bedeutende Mehrausgabe für die Unterhaltung der Wege im Gefolge, als der Weg nach Venwegen durch den Transport von kolossalen Steinmassen zweimal neu gedeckt werden mußte.
Eine sich unmittelbar an diesen Bahnbau anschliessende Nachricht verdient noch hervorgehoben zu werden, daß nämlich die Verwaltung des Breinigerberges behufs Wiederinbetriebsetzung des dortigen Bergwerks um die Erlaubnis eingekommen ist, ein Anschluß-Geleise legen zu dürfen, sollte sich das verwirklichen, so wurde der s. Z. dort sehr rege betriebene Bergbau wieder aufblühen, was für die hiesigen Arbeitskräfte von ganz wesentlicher Bedeutung sein würde.
Die letzte Erndte ist insofern als eine ungünstige zu bezeichnen, als die Kartoffeln gänzlich mißraten sind. Durch Vermittlung des landwirtschaftlichen Casinos, welches in Anbetracht der großen Notlage auch Nichtmitglieder an der gemeinsamen Bestellung von 8 D.W. Kartoffeln Anteil nehmen ließ, wurde der Notstand in etwa weniger fühlbar gemacht.
Außer der in den Versammlungen und Anschaffungen zu Tage tretenden regen Thätigkeit des landwirtschaftlichen Kasinos ist auch die Gründung einer Genossenschaft zum Ankauf neuer nützlicher landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen zu erwähnen. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Anschaffung eines Dörrapparates, durch welchen wir in die Lage versetzt sind, das Fallobst pp. nicht mehr zu spottbilligen Preisen an die Händler abgeben zu müssen, sondern dasselbe dörren und für spätere Jahre, wo vielleicht eine Mißerndte eintritt aufheben und verwerten zu können.
Leider sind in dem laufenden Etatsjahre mehrere Unglücksfälle zu verzeichnen, die sich sämmtlich bei dem Bau der Bahnlinie, sowohl bei dem Mauern als auch bei den Erdarbeiten zugetragen haben. Keiner war indessen mit tötlichem Ausgange.
Unter den Kindern herrschte allenthalben der Keuchhusten, welcher in sehr acuter Form auftrat und jetzt wieder im Schwinden begriffen ist.
Zu bemerken ist noch, das Seitens der kgl. Eisenbahn Direction auf ein diesseits befürwortetes Gesuch mehrerer Arbeiter, die vorläufige Einrichtung getroffen ist, das täglich ein Arbeiterzug morgens von hier nach Aachen hin und Abends von dort hierhin zurückfährt, wodurch es den Arbeitern ermöglicht wird, abends wieder in ihre Häuslichkeit zurückzukehren.
Der seither in ganz gelinder Form seinem Ende entgegensehende Winter hat in den letzten Tagen uns derartige Schneegestöber gebracht, daß nicht allein die Kommunikation zwischen den einzelnen Ortschaften sehr erschwert, stellenweise sogar unmöglich war, sondern das auch der Eisenbahnverkehr in Aachen und Montjoie mehrere Tage unterbrochen werden mußte.


Cornelimünster, den 5.Mai 1889; der Bürgermeister, Frhr.v.Brachel



1889

Bevölkerung
1889mw
Population3617
Geburten4357100
Todesfälle271744
Trauungen38
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Nach der dem 1.Dezember 1885 stattgehabten Volkszählung betrug die Bevölkerungszahl der Gemeinde 3465 Seelen. Die kürzlich aufgestellte Klassensteuerrolle ergab 3617 Seelen, so daß eine Zunahme der Bevölkerung 152 Seelen zu verzeichnen ist. Dieselbe ist indessen für die allgemeine Beurteilung insofern nicht maßgebend, als in dieser Zahl die Beamten und viele Arbeiter enthalten sind, welche sich in Folge des Bahnbaues noch hier aufhalten.

Religion
ReligionPersonen
katholisch3561
evangelisch20
jüdisch36
gesamt3617

Es gehören der katholischen Religion an 3561 Personen, evangelischen 20, dem jüdischen Bekenntnisse an 36.
Im Kalenderjahr 1889 wurden geboren: männliche Kinder 43, weibliche Kinder 57, Sa. 100.
In demselben Zeitraume starben: männliche Personen 27, weibliche 17, Sa. 44, so daß die Zahl der Geborenen diejenige der Verstorbenen um 56 übersteigt.
In dem abgelaufenen Jahr fanden 38 standesamtliche Eheschliessungen statt.

Mit Beginn des Jahres 1890 war die dreijährige Amtsperiode des Schiedsmannes Herrn Beigeordneten Lamberts, abgelaufen. Da derselbe eine Wiederwahl ablehnte, so wurde Herr Bäckermeister Lausberg von hier, gewählt und bestätigt. Die Übergabe des Amtes hat bereits stattgefunden. Sonst ist unter den Gemeindebeamten und innerhalb der Gemeindeverwaltung keine Veränderung vor sich gegangen.
In dem abgelaufenen Jahr hat die bereits im Vorjahre durch Übergabe der oberen Mädchenklasse an die Gemeinde begonnene Trennung der Mädchenschulen von der Seminar Übungsschule ihren Abschluß gefunden, so daß nunmehr die sämmtlichen Mädchen aus dem Orte Cornelimünster in besonderen Mädchenschulen durch zwei Lehrerinnen unterrichtet werden. Die zweite Klasse wurde am 29.April eröffnet und der Lehrerin Fräulein Adele Schaefer aus Aachen commissarisch übergeben.
Die Einrichtungen für beide Schulklassen sind noch nicht beendigt. Die Hälfte der erforderlichen Schulpulte wurde der Gemeinde vom königlichen Provinzial-Schulkollegium leihweise überlassen, so daß die Anschaffung auf zwei Jahre verteilt werden konnte.
Die nach Ablauf der Periode der Schulvorstandsmitglieder diesseits in Vorschlag gebrachte Wiederernennung der seitherigen Mitglieder für Breinig und Venwegen.
Das unterm 30.Mai 1889 die Genehmigung des Herrn Landrat gefunden durch die Versetzung des Herrn Pastor Hoegel von Hahn wird demnächst die Stelle des Localschulinspectors für beide Schulbezirke erledigt. Eine anderweitige Besetzung ist indessen einstweilen noch nicht erfolgt. Die Rectorstelle des zum hiesigen Pfarrverbande gehörigen Ortes Oberforstbach wurde durch Versetzung des Herrn Rector Grohsimlinghaus frei und ist nach kurzer Vakanz Herr Kaplan Winkels aus Contzen für diese Stelle ernannt worden.

Durch den mit dem Eisenbahnbau, namentlich mit dem Bau des großen Viaducts in notwendigem Zusammenhang stehende ganz bedeutend gesteigerter Fuhrverkehr, waren für die Wege Breinig u. Venwegen entsprechende Mehrarbeiten erforderlich, welche naturgemäß nicht unbedeutende Kosten mit sich brachten, dieselben konnten indessen zum Teil durch die vom Kreisausschusse bewilligte Beihilfe gedeckt werden.
Mit der Errichtung des Bahnhofes Breinig und der Eröffnung der Bahnlinie Stolberg-Walheim, die bereits am 21.Dezember v. J. vor sich ging, war die Notwendigkeit gegeben, einen Zufuhrweg von Breinig zum Bahnhof zu schaffen und demnach auch an die Herrichtung einer Verbindung von Cornelimünster mit dem Bahnhof zu Breinig heranzutreten. Die betreffenden Strecken werden von der Gemeinde ausgebaut und ist bereits eine Verbindung mit dem Orte Breinig hergestellt.
Zu den Baukosten ist seitens der Provinzial Verwaltung ein Zuschuß von 1.200 Mark bewilligt worden, der bei Auszahlung des Etats berücksichtigt worden ist.
Das Forsthaus in Venwegen, welches als ein von Grund aus mangelhafter Bau zu bezeichnen ist, hat auch in dem letzten Jahr wiederum manigfache Reparaturen erfordert.
Durch Errichtung zweier Pumpen an dem Weg zur Klause und bei Breinigerheide ist dem an beiden Stellen hervorgetretenem Bedürfnisse Abhilfe geworden.
Im August v. Js. wurden die bereits seit langer Zeit schwebenden Verhandlungen, betrfd. Ankauf zweier Gärten am Eingang des Ortes Cornelimünster, welche diesen Ort sehr verunzirten und ein Hindernis für den sehr regen Verkehr mit dem Bahnhof bildeten, zum Abschluß gebracht. Durch die Planirungsarbeiten und Anlage einer festen breiten Fahrstraße wurde ein schöner freier Platz Steinkaulplatz geschaffen, welcher als zweiter Marktplatz bei der Corneli Oktav bereits die Zinsen des angelegten Kapitals reichlich gedeckt hat. Im Frühjahr soll dieser Platz mit Kugelakazien eingesetzt werden.

Im vergangenen Jahre wurde die hiesige Armenkasse wiederholt von auswärtigen Familien, die durch den Bahnbau hierhin gekommen waren, in Anspruch genommen. Die Rückerstattung der verausgabten Beträge ist indessen bei dem Landarmenverbande bereits beantragt und zum größten Teil auch erfolgt.
Wie in früheren Jahren, so konnte auch in diesem Jahre durch die Teilnahme des Wohlthätigkeits Vereins, sowie durch die Beihülfe zahlreicher Familien für die hiesigen Armen eine Weihnachtsbescherung veranstaltet und den Armen Kohlen geliefert werden.
Im abgelaufenen Jahre fand auch die regelmäßige Neuwahl des Armenvorstandes statt, durch welche die Herrn Peter Krefels für Venwegen und Herr Vicar Jansen aus Breinig nun in den Armenvorstand eintraten, die übrigen Herrn wurden wiedergewählt.

Besonders hervorzuheben ist die für den Umfang des Landkreises Aachen erlassene Baupolizeiverordnung durch welche dem vollständig willkürlichen Bauen in den ländlichen Ortschaften zum Nutzen der Gesammtheit und der einzelnen Herren selbst einige Schranken auferlegt worden sind. Die Revisionen der nunmehr stets vorzulegenden Baupläne wird in Zukunft durch den von Kreiswegen angestellten Kreis Polizei Baumeister van Kann in Aachen vorgenommen werden.
Der durch den Bahnbau veranlaßten großen Zudrang von auswärtigen, teils ausländischen Arbeitern nahm die Thätigkeit der Polizeibeamten in hohem Grade in Anspruch. Die Controlle dieser meist heimatlosen, von einem zum anderen Unternehmen hinziehenden Leuten wurde indessen von Anfang an sehr scharf geführt, so daß constatirt werden kann, daß verhältnismäßig sehr wenige Ausschreitung im diesseitigen Gebiete erfolgt sind.

Einmal war das Einschreiten der Polizei-Verwaltung gegen Leute aus Raeren, welches in Breinig und umliegende Ortschaften Kunstbutter als Naturbutter verkauften, notwendig.
Von einigen vorgekommenen kleinen Diebstählen wurde, wie dies leider gewöhnlich geschieht, erst mehrere Tage nachhin oder gar keine Anzeige gemacht, so daß an ein Aufgreifen der Diebe gar nicht zu denken war.
Und sind nicht wenige Ausschreitungen von jungen Leuten vorgekommen, die zum größten Teil auf den übermäßigen Genuß von geistigen Getränken zurückzuführen sind. Die polizeilichen und gerichtlichen Bestrafungen haben zwar an manchen Stellen ihre Wirkung nicht verfehlt, indessen möchte ich an die Gemeindeverordneten das dringende Ersuchen richten in ihren Kreisen dahin zu wirken, daß solche Burschen, die den guten Ruf einer ganzen Gegend zu untergraben im Stande sind, aus allen Gesellschaften ausgeschlossen und von den ordentlichen jungen Leuten gemieden werden, bis sie sich durch diese Behandlung eines besseren besonnen haben.
Mit Genehmigung der höheren Behörde hat die Gemeinde zwei Parzellen auf der Breinigerheide und eine an dem Wege von Venwegen nach Hahn verkauft, anderseits hat sie die vorhin bereits erwähnte Gärten angekauft und zu einem schönen freien Platz umgestellt, worüber die entsprechenden Eintragungen in das Lagerbuch gemacht sind.
Außerdem sind noch mehrere Gesuche um Ankauf von kleinen Gemeindeparzellen eingegangen, ferner ein Angebot bezüglich einer im Gemeindewalde bei Mulartzhütte nach gelegenen kleinen Wiesenparzelle, welche die Gemeinde sich nicht entlassen lassen darf.

In dem laufenden Etatsjahr sind die fälligen Schuldregister und Zinsquoten an die betreffenden Gläubiger gezahlt worden. Für das kommende Jahr betrugen dieselben 3.600 M. Kapital und 1.310,64 M. Zinsen. Die ganze Schuldsumme, welche durch Anlage der Bahn um 4.766 Mark gestiegen ist und bis zum Jahre 1906/07 42.360,61 M. beträgt, wird, wenn die bezüglich des Gemeinderats noch schwebenden Prozesse, bei welchen es sich um ganz bedeutende Summen handelt zu Ungunsten der Gemeinde ausfallen sollten, noch um ein bedeutendes gesteigert werden. Die Umlage zur Bestreitung der laufenden Ausgaben, welche im Jahre 1889/90 116% betrug, werden im Hinblick auf die erhöhten Lasten und die noch aufzubringenden Kosten für das zum Bahnbau erforderlich gewesene Terrain auf 125% gestiegen.
An erster Stelle muß ich hier des Trauerfalls gedenken welcher unser Herrscherhaus, nachdem kaum wenige Monate verstrichen, seitdem Deutschlands beiden ersten Kaiser dahingeschieden, das der Tod auch unsere erste Kaiserin, Ihre Majestät, die Kaiserin und Königin wahren Sinne des Wortes Landesmutter gewesen, die mit Vorliebe unsere schönen Rheinlande aufsuchte und unsere Gegenden mit zahlreichen Wohltaten überhäufte. Hoffen wir, daß damit der Tod seine unerbittliche Erndte für geraume Zeit beendet, das es vermutlich unserem regierenden Kaiser und König vergönnt sein möge, das begonnene großartige Werk des Friedens mit starker Hand weiterzuführen und zu vollenden.
Auch in unserer Gegend und in unseren Kreisen hat die weithin verbreitete Krankheit gar manches Opfer gefordert, namentlich unter den Erwachsenen. In Anbetracht der leichten Übertragung der Krankheit mußten im ganzen Gemeindebezirk die Schulen einige Wochen geschlossen werden; glücklicherweise sind aber keine Kinder dieser heimtückischen Krankheit zum Opfer gefallen.
Das abgelaufene Jahr hat für unsere Gegend noch mehrere traurige Vorfälle mit sich gebracht. Zunächst stürzten dei dem Bau des Viaducts über den Hahnerbach mehrere Arbeiter bei dem Zusammenbruch des obersten Gerüstes von diesem bis in die Tiefe, wobei alle mit dem Leben davongekommen sind und einige bereits nach wenigen Wochen ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten.
Im verflossenen Frühjahre fand man eines Morgens den 56 jährigen Tagelöhner Theod. Cohsmann von hier unweit des Übergangs am Bahnhofe von einem Zuge überfahren vor, und liegt die Vermutung nahe, daß derselbe von dem spät durchfahrenden Arbeiterzuge unverhofft erfaßt worden ist.
Ein anderer sehr zu beklagender Unglücksfall ereignete sich für eine hiesige Familie, indem deren 17 jährige Sohn sich in einem Anfalle von Trübsinn in einem Hotel in Köln durch einen Revolverschuß entleibte.
Außerdem wurde in der hiesigen Bierbrauerei von Schmitz ein junger Mensch von dem Treibriemen erfaßt und in die Maschine hineingezogen, so daß der Tod nach wenigen Augenblicken eintrat. Die angestellten Untersuchungen haben ergeben, daß ein unverantwortlicher Leichtsinn des Verunglückten die Ursache gewesen.
Ferner hatte der Seminarist Radermanns und Siepperath, welcher die Lehrerprüfung teilweise bereits bestanden hatte, das Unglück bei einer Excursion des Lehrers Seminars nach Altenberg in dem dort befindlichen See beim Baden zu ertrinken.
Besonders hervorzuheben ist noch die Eröffnung der Bahnlinie Stolberg-Walheim, indem durch dieselbe auch für den Ort Breinig eine Eisenbahnverbindung geschaffen wurde, welche den hier zu Lande immer mehr zunehmenden Bezug von für die Landwirtschaft wichtigen Gegenständen sehr begünstigt.


Cornelimünster, den 9.Mai 1890; der Bürgermeister, Frhr. v. Brachel



1890

Bevölkerung
1890mw
Population3582
Geburten59641 unehelich
Todesfälle30(2)36(3)0 über 90
Trauungen27
geimpfte Kinder
Liniendienst10 Mann
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Nach der am 1 ten Dezember 1885 stattgehabten Volkszählung betrug die Bevölkerungszahl der hiesigen Gemeinde 3465 Seelen, das Resultat der Volkszählung im Jahre 1890 ergab für die hiesige Bürgermeisterei eine Seelenzahl von 3584, so daß eine Zunahme an 119 Seelen zu verzeichnen ist.
Von dieser Personenzahl gehören der katholischen Religion 3533, der evangelischen 13 und es zählen zum israelitischen Bekenntniß 38, Sa. 3548.
Im Kalenderjahr 1890 wurden geboren: männliche Kinder 59, weibliche Kinder 64, Sa. 123.
Dies macht 23 Geburten mehr wie im Vorjahre.
Unter den Geborenen befanden sich einmal Drillinge und viermal Zwillinge.
Eine uneheliche Geburt ist zu verzeichnen.
In demselben Zeitraume starben: männliche Personen 30, weibliche Personen 36, Sa. 66.

Religion
ReligionPersonen
katholisch3533
evangelisch13
isaelitisch38
gesamt3548

Dies macht 23 Geburten mehr wie im Vorjahre. Unter den Geborenen befanden sich einmal Drillinge und viermal Zwillinge.
Eine uneheliche Geburt ist zu verzeichnen.
In demselben Zeitraume starben: männliche Personen 30, weibliche Personen 36, Sa. 66, so daß die Zahl der Geborenen die der Verstorbenen um 57 übersteigt.
Unter den Verstorbenen befanden sich 2 männliche und 3 weibliche Todtgeburten.
Die im Jahre 1890 abgeschlossenen Standesamtlichen Eheschließungen beziffern sich auf 27 gegen 38 des Vorjahres.

Nach dem die sechsjährige Amtsperiode des I. Beigeordneten Herrn Kaldenbach Tillmann aus Breinig abgelaufen, hat Gemeinderath denselben für einen ferneren Zeitraum von sechs Jahren in Vorschlag gebracht, und ist die Wiederernennung desselben durch den Herrn Oberpräsidenten wohl als sicher anzunehmen.
Im Dezember des vorigen Jahres fand die regelmäßige Ergänzungswahl zum Gemeinderathe statt, welche, nach dem dieselbe ohne gesetzlichen Vorschriften entsprechend vorgenommenen, vom Gemeinderath auf Grund des §58 der Gemeinde Ordnung für gültig erklärt wurde.
Die sämmetlichen Gemeindeunterbeamten mit Ausnahme des pensionsberechtigten Försters sowie die für Rechnung der Gemeinde beschäftigten Arbeiter sind auf Grund des Gesetzes über die Invaliditäts und Altersversicherung vom 22.Juni 1889 vom 1.Januar @. abversichert worden.
Für die Gemeinde ist die ganze Institution der Invaliditäts und Altersversicherung nicht ohne wesentliche Bedeutung, was ich an dieser Stelle namentlich aus dem Grunde hervorheben möchte, weil man noch in weiten Kreisen ein gerade nicht sehr wohlwollende Ansicht über die Folge dieser gesetzlichen Bestimmungen sagt. Es ist außer jedem Zweifel, daß mit der Zeit den Gemeinden, wenn die altersschwach und invalide gewordenen der Gemeindeangehörigen Arbeiter nicht mehr erwerbsfähig sein werden und alsdann der Gemeinden voll und ganz zur Last fallen würden, eine ganze wesentliche Erleichterung zu Theil werden wird, indem dieselbe diejenigen Beträge, welche die Reichs Kasse als Renten bewilligt bei Bemessung der nothwendigen Unterstützungssummen in Abzug bringen kann.
Schon jetzt sind für einzelne ältere Leute, welche am 1/1 @. noch nicht invalide waren vielmehr noch in einem ständigen Arbeitsverhältnisse standen die Altersrenten beantragt und werden auch ohne jeden Zweifel bewilligt werden und wird sich schon recht bald, wenn diese Personen arbeitsunfähig und unterstüzungsbedürftig werden, der Vortheil für die Armenkasse herausstellen.
Andererseits muß ich aber auch bei dieser Gelegenheit das Eine hervorheben, daß die Arbeiter, welche der Gemeindebehörde durch dieses Gesetz erwachsen sind und auch in Zukunft verbleiben werden, namentlich bei der alljährlich regelmäßig wiederkehrenden Ausrechnung der Karten der gesammten hier beschäftigten Arbeiterbevölkerung, einen derartigen Umfang angenommen haben, daß es mit den von der Gemeinde ausgeworfenen Mitteln nicht möglich ist die Arbeitskräfte zu beschaffen, welche erforderlich sind, damit durch diese Arbeit nicht die sonstigen nothwendigen Arbeiten ins Stocken gerathen.
Die durch Kündigung des Inhabers vakant gewordene Nachtwächterstelle wurde, nachdem das Gehalt von 400 Mark auf 450 erhöht worden, sein früherer Inhaber Mathias Keuchen wieder übertragen. Demselben wurde letzthin an Stelle der alljährlich wieder beantragten Renumeration für die Mehrarbeit in der Cornelioctav 10 Mark am Gehalte zugesetzt. Beide Beschlüsse haben die Genehmigung des Kreis Ausschusses gefunden.
In der Zeit vom 22.9. bis 25.9. incl. v. Js. weilte der hochwürdige Herr Weihbischoff Dr. Fischer in unserer Gemeinde, um in sämmtlichen Kirchen derselben das heilige Sakrament der Firmung zu spenden. Selbstredend wurde der hohe Herr bei seinen ersten Eintritt in die Gemeinde, welcher in Breinig erfolgte, namens der Civilgemeinde von dem Berichterstatter begrüßt.
Im verflossenen Jahr fanden die regelmäßigen Ergänzungswahlen für den Kirchenvorstand und die kirchliche Gemeindevertretung statt, welcher es hoffentlich genehmigen wird die schon seit längerer Zeit schwebende Frage wegen der Abtrennung von Oberforstbach aus dem Pfarrverband zum Austrag zu bringen, und für die Civilgemeinde Cornelimünster in sofern von Belang ist, als eine Vergrößerung des Kirchhofes ins Auge gefaßt werden muß, wenn die Trennung nicht erfolgt und Oberforstbach keine eigene Begräbnißstätte erhält.
In der alten ehrwürdigen Pfarrkirche hat man dadurch eine Verschönerung herbeizuführen geglaubt, daß man von den fünf Schiffen bereits drei durch einen hiesigen Anstreicher ausmalen ließ. Die nöthigen Gelder wurden hierzu durch freiwillige Beträge gesammelt.

Nach dem unerwartet schnell eingetretenen Tode des zum Rector in Oberforstbach ernannten Herrn Vicar Winkels aus Lontzen wurde Herr Vicar Quadt aus Waldfeucht zum Rector dortselbst ernannt.
Was das Schulwesen anlangt, so möchte ich an erster Stelle den Umstand hervorheben, daß der Besuch der Fortbildungsschule in Breinig in stetem Zunehmen begriffen ist, ein Beweis dafür, daß sich die Erkenntniß immer mehr bahnbricht, welcher Vortheil es ist, wenn die aus der Schule entlassenen Kinder ihre Kenntnisse festigen und erweitern können.
Die Localschulinspection für die Schulen in Breinig wurde nach Versetzung des Herrn Peter Hoegel aus Hahn dem unterzeichneten Berichterstatter durch Verfügung der königlichen Regierung übertragen.
Definitiv angestellt wurden die seither provisorisch angestellten Lehrerinnen Fräulein Theisen in Cornelimünster und Fräulein Klöser in Breinig.
Durch die Einberufung des Herrn Lehrer Schmitz zu einer militärischen Dienstleistung war eine kurze Stellvertretung für die Schulklasse desselben erforderlich, welche durch die Schulamtskandidatin Fräulein Maria Zillekens aus Aachen übernommen wurde.

Eine sehr wesentliche Aenderung in Bezug auf das gesammte Schulsystem ist dadurch eingetreten, daß das Schulgeld ganz in Wegfall gekommen ist und der Staat einen namhaften Zuschuß zu der Besoldung der Lehrpersonen zahlt. Außerdem ist die seither in finanzieller Beziehung sehr beschränkte Lage der Lehrpersonen insofern wesenlich gebessert worden, als denselben Alterszulagen vom Staat gewährt wurden, durch welche, nun ein Beispiel anzuführen, der Lehrer Löhr in Breinig 1.400 und der Lehrer Klein in Venwegen 1.500 Mark Gehalt erhielt, während das Gehalt früher nur 1.050 Mark betrug.
Der in meinem letzten Bericht erwähnte Verbindungsweg der Ortschaft Breinigerheide mit dem Bahnhofe Breinig ist vollendet worden und wurde nach der Revision der Wegestrecke durch den Herrn Landesbauinspector der von der Provinz bewilligte Zuschuß von 1.200 Mark der Gemeinde ausgezahlt.

Unerwartet ward die Gemeinde genöthigt einige zum Theil kostspielige Bauten ausführen zu lassen. Hierzu rechnen die Reparaturen und Reinigungen des Hauptkanals im Orte Cornelimünster, ferner die Reparaturen der hohen Mauer am sogenannten Hahndorn und drittens die Reparaturarbeiten für den sogenannten Höllenkanal. Wegen des letzteren schweben augenblicklich noch Verhandlungen zwischen der Provinzialverwaltung und der Gemeinde, indem der Einsturz des Kanals veranlaßt wurde durch Arbeiter der Provinzial-Verwaltung, welche an dem Theile des Kanals gearbeitet haben, welcher nicht zur Provinzialstraße, sondern zum Gemeindeeigenthum gehört.
In und bei dem Dorfe Venwegen wurde je eine Pumpe aufgestellt, wodurch ein vielseitig größeres und anerkanntes Bedürfnis abgeholfen worden ist.

Aus dem abgelaufenen Jahr sind keine Vorkommnisse zu verzeichnen, welche besonderer Erwähnung bedürften.
Es wurde vielmehr wie seither in ausgiebiger Weise für die unterstüzungsbedürftigen Personen gesorgt.
In dem verflossenen Jahre 1890 fand die außergewöhnliche Revision der Maße und Gewichte statt, bei welcher zwar eine auffallend große Zahl von Uebertretungen der bestehenden Vorschriften constatirt wurde, trotzdem jeder von der Revision Betroffene durch vorherige Bekanntmachung des Termins in die Lage versetzt war, seine Maße und Gewichte auch amtlich revidiren zu lassen, andererseits müßte aber angenommen werden, daß in fast allen Fällen keine böswillige Uebertretung stattgefunden hat, weshalb die unvermeidlichen Strafen auf ein geringes Maß beschränkt wurden.

Am 22.Oktober v. Jr. wurden die Gebäulichkeiten des Wirts, Herrn Peter Kutsch von Breinig durch Brand zerstört und retteten die Insassen des Hauses mit knapper Noth das Leben. Bei dieser Gelegenheit haben verschiedene junge Burschen es unternommen eine größere Anzahl von Flaschen mit Wein und Schnaps zu entwenden und zu leeren, ein Vergehen, welches ein so schweres ist und nun soviel härter bestraft werden müßte, als der Diebstahl bei dem Brandunglück vorgefallen ist. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat die Namen der Betroffenen festgestellt.
Außerdem sind noch 2 Unglücksfälle anderer Art zu verzeichnen. Der Handelsmann Joh. Jac. Houck aus Walheim, welcher am Abend des 19.März v. Js. nach Hause fuhr, fiel am Iternberg so unglücklich von dem Karren, daß er von letzterem überfahren wurde und kurz nachher starb.
Eines ebenso plötzlichen Todes starb die Ehefrau Johann Herz geb. Anna Gertrud Hilligsmann aus Oberforstbach, welche während der Cornelioctav in die hiesige Kirche gekommen dort unwohl wurde und nur noch die Wohnung des Arztes erreichen konnte, um daselbst nach wenigen Augenblicken zu verscheiden.

In der Substanz des Gemeindevermögens ist im Etatsjahr 1890/91 bisheran keine Veränderung eingetreten. In dem Gemeindewalde, welcher die Hauptgeldquelle für die Bedürfnisse der Gemeinde bildet, ist insofern eine wesentliche Veränderung zu verzeichnen, als die Aufforstung der Brandfläche nunmehr vollendet ist und zwar in höchst zufriedenstellender Art und Weise. Durch den Ausbau eines Holzabfuhrweges und durch die bessere Sorge für die Instandsetzung der Waldwege ist auch bei dem letzten Holzverkauf ein nicht unbedeutender Mehrerlös erfolgt und hat die Gemeindevertretung, in Anerkennung der Vortheile, welche gute Abfuhrwege bieten, dem Vorschlage des Unterzeichneten folgend, für den nächstjährigen Etat 500 Mark zu gedachtem Zwecke bewilligt.

Durch die in Folge des Bahnbaues nothwendig gewordene Anleihe sind die Schuldverhältnisse der Gemeinde naturgemäß ungünstiger geworden, als eine dieselben in den Vorjahren waren. Die Gesammtschuld der Gemeinde, deren Tilgung sich bis in das Etatsjahr 1896/97 hinein erstreckt, beziffert sich auf 38.154,61 incl. Zinsen, nach dem die fälligen Kapital- und Zinsenquoten pro 1890/91 abgetragen sind. Die Abtragung der Schuld ist indessen durch einen günstigen Tilgungsplan sehr erleichtert und fallen die einzelnen Tilgungssummen, vom kommenden Etatsjahr ab, beständig. Immerhin ist es ja nach dem Ausfall der auch in diesem Etatsjahr noch nicht zu Ende geführten Prozesse wegen des Grunderwerbs für die Bahnlinie möglich, daß die Gemeinde in die Lage versetzt wird, nochmals eine Anleihe machen zu müssen.

Die Umlage zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfnisse betrug im Etatsjahr 1890/91 125% und wird pro 1891/92 auf 128% erhöht werden.
Am 1.Dezember v. Js. fand wiederum eine allgemeine Volkszählung statt, deren Resultate amtlich noch nicht festgestellt ist, nach den hier geführten Notizen beläuft sich die Seelenzahl für die einzelnen Ortschaften wie folgt:
1) Cornelimünster mit umliegenden Gehöft 1421
2) Breinig un umliegende Ortschaften 1691 und
3) Venwegen 473
im Ganzen 3584
gegen 3465 Seelen bei der Volkszählung von 1885.

Ein für unsere zumeist Ackerbau und Viehzucht treibende Gegend sehr wichtiges Gesetz ist dasjenige über die Bullenhaltung in der Rheinprovinz.
Nachdem nämlich bereits in andern Provinzen in ähnlicher Weise mit großem Erfolg vorgegangen worden, ist jetzt auch für unsere Provinz gesetzlich festgesetzt, daß an Stelle der seither in höchst unzureichendem Maaße vorhanden gewesenen Zuchtstiere nur noch solche zugelassen werden dürfen, welche allen Anforderungen entsprechen, die für eine gedeihliche Entwicklung der Viehzucht gestellt werden müssen. In dem Gesetz ist deshalb auch besonders hervorgehoben, daß die Gemeinde in ihrer Gesammtheit eintreten muß, wenn nicht eine dem gesetzliche Vorschrift entsprechende Anzahl von Stieren von Privaten gehalten wird.

Auf dem Gebiete der Landwirthschhaft ist in hiesiger Gegend ein eifriges Vorwärtsstreben nicht zu verkennen und haben die beiden bestehenden landwirtschaftlichen Vereinigungen, der Bauern-Verein in Breinig und das landwirthschaftliche Casino in Cornelimünster keine Mühe gescheut nun ihren Mitgliedern alle möglichen Vortheile zuzuwenden. Dem letzteren wurde eine doppelte Auszeichnung verschlossenen Kalenderjahr zu Theil indem demselben auf der Ausstellung in Weiden eine bronzene Medaille und von Seiten des Verbandes für Rheinpreußen der 2. Preis zuerkannt wurde. Eine von dem Casino ganz unverhofft veranstaltete Ausstellung von selbstgezogenen Produkten der Landwirthschaft ließ deutlich erste günstigere Verhältnisse obwalten, concuriren können.

Sehr ungünstig für die ganze Bevölkerung, namentlich aber für den Landmann gestaltet sich die Witterung der letzten Monate; seitdem 23.November v. Js. herrschte nämlich eine den ältesten Leuten kaum erinnerliche Kälte, und zwar ununterbrochen. Der Vorstand, daß eine verhältnißmäßig ganz unbedeutende Schneedecke lag, die zudem noch durch ein kurzes Tauwettter gelöst wurde und durch den sofort wiedereingetretenen Frost in eine Eiskruste umgewandelt wurde, hat den Saaten einen ganz bedeutenden Schaden zugefügt, so daß wohl kaum auf einen namhaften Ertrag der Wintersaat gerechnet werden kann.
Der Nacht vom 23.-24. trat vollständiges Tauwetter; sogar starker Regen ein; so daß der kurz zuvor in größerer Menge gefallene Schnee plötzlich geschmolzen ist und alllerorts Ueberflutung herbeiführte. Der Indebach, welcher am Abend des 23.ten @. noch ganz seicht war, hatte bereits um 24.ten @. um 8 Uhr Morgens eine Höhe erreicht, welche er bei dem Hochwasser im verflossenen Jahre nicht gehabt hat.

Was die Lage der Industrie anlangt, so kann in gemischter Beziehung eine Besserung verzeichnet werden, nämlich bezüglich der Eisenindustrie.
Bei den Vorarbeiten für die Aufstellung der Rekrutirungs Stammrolle pro 1891 hat sich herausgestellt, daß ein mit Bezug auf die Bevölkerungszahl und die früheren Jahrgänge geringer Erfolg vorhanden ist, in Folge dessen in diesem Jahre wohl nur diejenigen Reklamationen von Militairpflichtigen Aussicht auf Erfolg haben, welche ganz besonders begründet sind. Den Mangel an Ersatzrekruten kann man wohl, ohne fehl zu greifen, mit dem Feldzug von 1870/71 in Verbindung bringen.
Zum Schluß kann ich noch darauf hinweisen, daß ein von mir bereits seit einigen Jahren verfolgtes Project, nun endlich den Ort Cornelimünster mit elektrischer Beleuchtung zu versehen und darauf hinzuweisen, daß die in unmittelbarer Nähe des Ortes vorhandenen stark eisenhaltigen Quellen ausgenutzt werden, der Verwirklichung näher geführt ist. Schon mancher Ort dessen Namen früher kaum genannt wurde, ist durch ein derartiges Unternehmen berühmt geworden und kann den Gemeinde, nachdem die diesbezüglichen Verhandlungen festere Gestalt angenommen haben die Hoffnung hegen, daß auch für sie demnächst noch bessere Zeiten kommen werden.


Cornelimünster, den 30.April 1891; der Bürgermeister, Frhr.v.Brachel



1891

Bevölkerung
1891-92mw
Population118512383548
Geburten49634 unehelich
Todesfälle36340 über 90
Trauungen23
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Nach der am 1.Dezember des Jahres 1890 vorgenommenen allgemeinen Volkszählung betrug die Gesammtbevölkerungszahl der hiesigen Bürgermeisterei 1826 männliche und 1756 weibl. in Sa. 3582 Personen. Die Bevölkerung gehört durchgehend der katholischen Religion an und gehören anderen Bekenntnissen nur 51 Personen an und zwar 13 dem evangelischen und 38 dem israelitischen.
Im Kalenderjahr 1891 wurden geboren: männlich 49, weiblich 63, Sa. 112 , wobei zu bemerken, daß seit dem Jahre 87/88, wo die Zahl der männlichen und weiblichen Geburten gleich der, die Zahl der weiblichen stets eine größere war als die der männlichen. Gegen das Vorjahr ist die Zahl der Geburten um 11 kleiner. Von den Kindern sind 4 unehelich geboren, darunter ein Zwillingspaar.
In demselben Zeitraum starben resp. wurden todt geboren (von letzten je einer) männlich 36, weiblich 34, Sa. 70, so daß die Zahl der Geburten die der Todesfälle übersteigt um 42.
Die im verflossenen Jahre abgeschlossenen Ehen betrugen 23 gegen 27 im Vorjahr und 38 im Jahre 1889.

Das Resultat der Bevölkerungsaufnahme bei Gelegenheit der Vorarbeit für die Einschätzung zur Einkommensteuer ergab 1785 männliche Personen über 14 Jahre, 1238 weibliche Personen über 14 Jahre 1125 Personen unter 14 Jahre gleich 3548 Personen, und im Vergleich zu der Zahl der letzten Volkszählung 3582 eine Verminderung ergibt von 34 Personen.
Was die Einkommensteuerverhältnisse des Bürgermeisters anlangt wurde auf Anredung des R.M. ein Beschluß des Gemeinderaths herbeigeführt, wonach die Übereinnahme, welche dem Bürgermeister bis heran, aus den% der Klassensteuerveranlagung und aus den Standesamtlichen Gebühren zuflossen, in Zukunft in die Gemeindekasse zu fließen haben, wofür dem Bürgermeister eine feste Summe bewilligt wurde, so daß sich nach der durch den K.A. erfolgten Festsetzung des Diensteinkommens des Bürgermeisters vom 1.April 1872 auf 1.200 M. Gehalt und 1.300 M. Bureaukosten Entschädigungen beläuft.
Das Gehalt des Polizeidieners und Feldhüters Kröger, welches bisher 750 Mark betrug wurde auf 900 Mark erhöht und fand der betreffende Beschluß des Gemeinderaths die Genehmigung des K.A.
Die Amtsdauer des stellvertretenden Schiedsmannes Herrn Beigeordneten Kaldenbach, war Ende 1891 abgelaufen und wurde derselbe vom Gemeinderath auf eine weitere dreijährige Amtsperiode gewählt, welche Wahl die Bestätigung gefunden hat.
Was die Wahrnehmung der Interessen der Gemeinde anlangt, so ist es leider gezwungen an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß der Gemeindeverordnete ohne jedwede Entschuldigung einfach aus den Sitzungen wegbleiben und sich der Erfüllung der ihnen durch das Vertrauen ihrer Mitbürger übertragenen Pflicht, für das Gemeindewesen nach besten Kräften zu sorgen, einfach entziehen und wiederholt die Beschlußunfähigkeit der Versammlung verschuldet haben.
Die nothwendige Folge ist denn auch nicht ausgeblieben und ist der Antrag gestellt, die betreffenden Gemeindeverordneten auf Grund des §70 der Gewerbe-Ordnung auszuschließen. Die Neuwahl wird nach Erledigung dieser Angelegenheiten so bald als möglich in die Wege geleitet werden.

Die in meinem letzten Bericht erwähnte projectirte Ausscheidung der Ortschaft Oberforstbach, Bürgermeisterei Walheim, aus dem hiesigen Pfarrverbande hat ihre Erledigung noch nicht gefunden, doch will es scheinen, als wenn nunmehr die königliche Regierung im Verein mit der Erzbischöflichen Behörde die Angelegenheiten einer schnellen Erledigung entgegenzuführen beabsichtigt.
Für den Ort Cornelimünster wurde es schmerzlich empfunden, daß an Stelle des von hier nach Boppard versetzten geistlichen Seminardirektors Herr Bürgel, welcher sich kein geringes Verdienst um die hiesige Seelsorge erworben hat, bis heran kein weiterer Geistlicher angestellt worden ist. Mit dem 1. R.M. soll indessen ein Religionslehrer für das hiesige Lehrerseminar eintreffen und würde dadurch dem fühlbaren Mangel wohl abgeholfen sein.
An Stelle des Herrn Seminardirektors Bürgel wurde der königliche Kreisschulinspektor Löser aus Heinsberg mit der Leitung der Anstalt betraut und eine weitere Kraft in der Person des Herrn Holz aus Münstermaifeld angestellt.
Die vom Gemeinderathe beschlossene Erhöhung der Gehälter der Lehrerinnen Reisen und Schäffer von 750 resp. 675 auf 800 resp. 750 Mark hat die erforderliche Genehmigung gefunden.
Sehr zu bedauern ist es für die Schule in Breinig, daß die seit langen Jahren als tüchtig bewährte Lehrerin Hansen bereits seit einigen Monaten Halsleidend ist und daß allem Anschein nach dieselbe den anstrengenden Unterricht fernerhin nicht mehr wird ertheilen können. Zu ihrer Vertretung ist die Schulamtskandidatin Stottermanns aus Aachen bereits seit dem September v. Js. an der Schule zu Breinig in Thätigkeit.
Die Errichtung der Fortbildungsschule für Mädchen in Cm. und Breinig, welcher sich einige Hindernisse in den Weg gestellt hatte, nicht zum geringsten durch die Erkrankung der Lehrerin Hansen, wird mit Beginn des neuen Etatsjahres erfolgen und sind die nothwendigen Fonds dafür im Haushaltsetat vorgesehen werde.

Außer den nothwendig gewordenen kleinen und größeren Reparaturen an den Gemeindehäusern, bei denen das Forsthaus leider wieder eine nicht unwesentliche Rolle spielt, wurde die umfangreiche Reparatur des Höllenkanals, welcher mit der größten Vorsicht vorgenommen werden mußte, zu Ende geführt, nachdem
die Provinzial-Verwaltung nach einem fast endlosen Schriftwechsel, sich dazu bereit erklärt hat, die Kosten für die Abteufung des Schachtes zum Kanal zu erstatten.
An Stelle der defect gemoderten Fußbrücke am sog. Gäßchen wurde eine solche mit eisernen Träger und Gewölbe angelegt.
Die im Vorjahr von Seite der Eisenbahnverwaltung angelegte und von der Gemeinde nur unter der Bedingung der Zahlung von 800 Mark übernommenen Wegestrecke zum Bahnhofe Breinig wurde unter Verwendung obigen Betrags in den Zustand versetzt, wie sich der von der Gemeinde ausgebaute Theil des Weges bereits befand.
Bei dieser Gelegenheit will ich nicht unerwähnt lassen, daß das dritte Wege-Projekt zur Verbindung des Ortes Breinig mit dem Bahnhofe pp durch die vergeblich erwartete Annäherung der Interessenten ins Stocken gerathen ist. Dagegen ist ein anderes altes Projekt, die Verbindung von Zweifall mit Breinig, dadurch wieder zur Sprache gebracht worden, daß erstgenannte Gemeinde ein Plan nebst Kostenanschlag vorgelegt hat. Die vorgenommene vorläufige Durchsicht der Projectstücke hat aber bei mir die Überzeugung wachgerufen, daß die zwei Anschläge, welche zwischen 6.327 M. und 7.002 M. voneinander abweichen, viel zu niedrig gegriffen sind.
Die Ausführung des Projectes, welches für die hiesige Gemeinde von keinerlei Benutzung ist, indem der Verkehr von Breinig nach Zweifall ein ganz untergeordneter, während umgekehrt der Verkehr von Zweifall nach dem Orte und Bahnhof Breinig ein reger werden muß, wird wohl so bald noch nicht verwirklicht werden können, ganz besonders deshalb nicht weil die Gemeinde Zweifall noch keine bindende Erklärung abgegeben hat, in welcher Höhe sie an die Kosten Antheil zu nehmen gewillt ist.
Die vom Gemeinderathe auf den Vorschlag des Unterzeichneten im laufenden Etatsjahres bewilligte Summe von 500 M.für die Instandsetzung der Abfuhrwege im Walde hat den wohl vorauszusetzenden Erfolg gehabt, daß die Holzkäufer bei dem letzhin abgehaltenen großen Holzverkauf die Taxe von 7.060 M. um 10.740 M überboten habent. Somit dürfte wohl jene 500 M das beste angelegte Kapital gewesen sein und ist auch für den kommenden Etat wiederum eine Summe von 500 M. in Aussicht genommen, an deren Bewilligung ist kein Augenblick zu zweifeln.
Die sonst wohl im steten Steigen begriffenen Ausgaben für die Armenverwaltung werden sich im laufenden Etatsjahre in den Etat gezogene Grenze bewegen, manche Unterstützungsbedürftige sind gestorben, dagegen auch wieder andere hinzugekommen.

Einige Mitglieder des Armenvorstandes haben sich zu dem verflossenen Weihnachtsfeste wiederum bereit finden lassen eine ausgiebige Besserung für die Armen zu veranstalten, an welcher den Vorschriften des Vermächtnisses folgend. Auch die Armen von Oberforstbach, Nütheim & Schleckheim theil genommen haben. Den Damen und Kindern, welche durch Handarbeit und sonstige Bemühungen an dem Zustandekommen mitgewirkt ist seitens des Unterzeichneten der gebührende Dank öffentlich abgestattet worden.
In dem Kreispflegehause zu Eschweiler, welches Ende v. Js. von Kreis wegen eröffnet worden ist, müssen wir eine Wohlfahrts-Einrichtung von großer Bedeutung begrüßen. In demselben finden Kranke- und Altersschwache beiderlei Geschlechts die beste Aufnahme und ist der Pflegesatz vorläufig auf 80 ? pro Kopf und Tag festgesetzt, eine eventl. Reducirung desselben ist seitens des Herrn Landrath bereits für das kommende Jahr in Aussicht genommen.
Den Armen von Breinig und Venwegen ist durch das hochherzige Geschenk des zu Roggenhaus verstorbenen Rentners Pesser Joh. Math. eine testamentarische Schenkung von je 3.000 Mark zu Theil geworden. Die zur Annahme erforderliche Allerhöchste Genehmigung ist beantragt, indessen noch nicht eingetroffen.
Mit Freuden vermag ich hier zu konstatiren, daß die Zahl der polizeilichen Strafverfügungen gegen das Vorjahr auf ⅓ zurückgegangen ist, bedauerlich bleibt es immerhin, daß noch so manche Polizeistrafen verhängt werden mußten und daß die Gerichte noch über 32 Personen ein Strafurtheil gefällt haben, wobei grober Unfug, Mißhandlung und Diebstahl die Hauptrolle spielen.
Ein sehr trauriger Vorfall ereignete sich, daß ein Mensch, welcher von Wohlthaten lebte auf Grund des § 176, 3 St.G.B. verhaftet werden mußte und daß derselbe, die schweren Folgen seiner fortgesetzten Handlungsweise wohl erkennend, sich selbst dem irdischen Richter entzogen hat.

Es ist erfreulich berichten zu können, daß nach Aussagen des höheren Forstbeamten in dem Areal des Gemeindewaldes (dem Hauptbestandtheil des Gemeindevermögens) eine wesentliche Wendung zum Besseren eingetreten ist, in dem die Schäden, welche durch eine in früheren Jahren geübte unrationelle Bewirthschaftung entstanden waren und bei fortgesetzter gleicher Wirthschaft den Wald ruinieren konnten, durch rationelle gehoben sind, so daß der Gemeinde von jetzt ab alljährlich wieder eine Reserve aus dem Walde zur Verfügung steht. Nicht zum kleinsten Teil ist die bessere Aussicht der Gemeinde, welches dem Fleiße, und der Aufmerksamkeit des Gemeindeförsters Andres zu verdanken, welchem denn auch der Gemeinderath in richtiger Würdigung seiner Thätigkeiten namhafte Gratification bewilligt hat, welche seitens des K.A. genehmigt worden ist.

Durch den Ankauf der im Gemeindewalde bei Mulartzhütte gelegenen privaten zugehörigen kleinen Wiesenparzelle ist die Abrundung des Gemeindeeigenthums an dieser Stelle nahezu vollendet, nur wegen einer Parzelle schweben noch die Verhandlungen.
Zum Verkauf eines Stückes aus der Breiniger Heide an die Erben Ritz aus Friesenrath ist die vorgeschriebene Genehmigung des K.A. bereits erteilt worden. Der Verkauf wird ehestens stattfinden der Vollständigkeit halber verweise ich auch hier noch einmal auf das sub. No V erwähnte Vermächtnis von 6000 Mark hin.

Bei der im verflossenen Jahre abgehaltene Verpachtung der Budeplätze für die Dauer der Cornelioktav ist ein kleiner Aufschlag zu verzeichnen, so daß die Gesammtpachtsumme sich jetzt für die drei nächsten Jahre auf 1365 Mark beläuft wozu noch für den neuen Marktplatz am Ausgange des Ortes Cornelimünster eine jährliche Pacht von 156 M. hinzukommt.
Die Verpachtung der Gemeindejagden hat einen Mehr von 550 M. gegen die Vorjahre ergeben.
Im laufenden Etatsjahr sind die zu tilgenden Schuldenraten und Zinsen mit 5.581,60 resp. 1.158 an die resp. Gläubige richtig gezahlt und sind pro 1892/93 entsprechend zu bestreiten. 1.624,86 M. resp. 115,14 M. die Gesammtschuld der Gemeinde, welche im Jahre 1906/07, also nach Ablauf von 14 weiteren Etatsjahren getilgt sein wird, beläuft sich einschließlich der Zinsen auf 30.774,61 M.

Am 1.September v. J. brannten 2 kleine Häuser von Beissel und Classen im hiesigen Orte ab und mußte ein rasch herbeigeeilte Feuerwehr hauptsächlich das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Entstehung der Sache war leichtfertiges Umgehen mit Zündhölzern.
Am 1.April v. Js. wurde in dem Mühlenteich bei Bilstermühle die Leiche eines Mannes gefunden, welcher aus einer Anstalt entwichen war. Nach Lage der Sache zu urtheilen handelt es sich um einen Schwachsinnigen.

Eine große Viehausstellung, verbunden mit bedeutender Prämienvertheilungen, welche von dem landwirthschaftlichen Casino hierselbst zur Feier des 10 jährigen Bestehens desselben veranstaltet war, hatte am 12.Oktober v. Js. eine große Menge sehr schönes Rindvieh aus dem hiesigen Casino Bezirk im Ort Cornelimünster zusammen kommen lassen. Allgemein fand dieselbe Anklang, namentlich auch bei den von auswärtigen recht zahlreich erschienen Gästen des Casinos.
Die bereits seit einigen Jahren bestehende landwirthschaftliche Genossenschaft, welche sich aus den Casiren herausgebildet hatte, ist am 29.Juli v. Js. in eine eingetragene Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht umgewandelt worden, und hat, wie die Geschäftsführung deutlich zeigt, bereits einen ganz bedeutenden Umsatz in den für die Landwirthschaft notwendigen Gebrauchsartikel aufzuweisen.
An dem qu. Tage wurde ganz evident der Nachweis geführt, daß die Viehzucht sich hierorts sehr gut entwickelt hat und daß jedenfalls noch bessere Resultate zu erhoffen sind, wenn auf dem beschrittenen Wege ruhig weitergearbeitet wird.

Eine bedeutsame Änderung ist durch die Gesetzgebung herbeigeführt worden, indem die Art und Weise der Heranziehung des verschiedenartigen Einkommens anders gestaltet worden ist. Das Streben der Staatsregierung war hier ebenso wie bei den hervorragenden Gesetzen bezüglich der Alters- und Invalidenpension, der Krank- u. Unfallversicherung darauf gerichtet, dem kleinen Manne seinen Kampf ums Dasein zu erleichtern, ihn in schonendster Weise zu den einmal nicht zu vermeidenden Steuern heranzuziehen und dem entsprechend die besser situirten Leuten, die Aktiengesellschaft pp in erhöhtem Maße zu der Tragung der Lasten des Staates und der Gemeinwesen in Anspruch zu nehmen. Jeder einsichtige Mann wird sich der Erkenntnis nicht ausschließen können, daß unter den obwaltenden sehr schwierigen Zeitverhältnissen alles aufgeboten wird, um segensreich wirkende Institution zu schaffen, um dort helfend und bindend einzugreifen, wo die Noth groß ist. Dieses Erkenntnis legt uns allen die Pflicht auf denjenigen Elementen, welche sich aus Eigennutz und Habgier zusammen zu rotten drohen, um jegliche Ordnung alles was Religion und Regierung heißt über den Haufen zu werfen mit Entschiedenheit entgegen zu treten. Dann werden auch die Zeiten, die doch schlimmer gemacht zu werden zu pflegen, wie thatsächlich sind, für uns alle erträglich sein und bleiben.


Cornelimünster, den 10 Mai 1892; der Bürgermeister, Frhr. v. Brachel



1892

Bevölkerung
1892/93mw
Population3582
Geburten4963
Todesfälle38360 über 90
Trauungen26
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

In dem Personal der Gemeindebeamten ist eine Veränderung nicht eingetreten.
Der seitherige Schiedsmann, Herr Lausberg von hier, dessen Amtsperiode Ende 1892 abgelaufen war, wurde vom Gemeinderathe wiedergewählt und ist die Ernennung für einen weiteren dreijährigen Zeitraum bereits erfolgt.

Nachdem von Seiten der vorgesetzten Behörde angeregt worden war, die Nebeneinnahmen, welche dem Bürgermeister aus den Prozenten der Steuerveranlagung und den Gebühren für standesamtliche Funktion zugewiesen waren, in eine feste Summe umzuwandeln entsprach Gemeinderath dieser Anregung und setzte eine Summe von dreihundert Mark, welche dem pensionsfähigen Gehalte des Bürgermeisters zugesetzt worden ist.
Dem Gemeindeförster Andres wurde in Anerkennung seiner Dienste für die Gemeinde und seinem Wunsche entsprechend eine größere Quantität Kunstdünger zur Aufbesserung seines Dienstbodens geliefert.
Für die Lehrpersonen ist eine nicht unwesentliche Aufbesserung der Gehälter eingetreten, indem eine Gehaltsskale eingeführt wurde, welche den verschiedenen Lehrpersonen je nach dem Dienstalter eine Erhöhung ihres Einkommens bis zu einem gewissen Maximal Gehalt zusichert. Die dadurch entstehende Mehrausgabe von ca. 1000 Mark pro 1893/94 hat in dem Etat Berücksichtigung gefunden. An Stelle der provisorisch angestellten Lehrerin Nottermann in Breinig wurde die Lehrerin Bergmann aus Aachen provisorisch angestellt.

Besonders wichtige größere Bauten sind nicht vorgenommen worden, zu erwähnen wäre die Trockenmauer, welche an der Prämienstrasse am Kapellchensberg zum Schutz des Weges gegen herabstürzendes Geröll ausgeführt werden mußte die Ausbesserung der Schraungracht, des Kirchgangs für die Ortschaft Nütheim, ist in Aussicht genommen, nach dem die Adjacenten sich bereit erklärt haben, einen Beitrag zu den Instandsetzungskosten zu zahlen.
Der Umbau des Weges von Zweifall nach Breinig über den sogenannten Frackesberg war wiederum von der Gemeinde Zweifall resp. einiger Privaten dort in Anregung gebracht worden, wurde indessen von dem Gemeinderathe abgelehnt und dürfte das Project als gescheitert zu betrachten sein, namentlich nachdem für die Ortschaft Zweifall eine Verbindung mit Stolberg durch eine Kleinbahn bereits in Aussicht genommen ist. Für den hiesigen Bezirk wird wohl ein anderes ähnliches Unternehmen nicht zur Ausführung gelangen können, weil schon andere Bahnverbindung vorhanden und auch die Terrain Schwierigkeiten so bedeutende sind, daß ein solches Project sich nicht verwirklichen lassen könnte.

Der bereits zum Theil neu angelegte Holzabfuhrweg bei Mulartzhütte hat sich sehr gut bewährt bezüglich der erzielten Holzverkaufspreise und ist deshalb der Ausbau des letzten Stückes im Etat vorgesehen worden.
Für die Orte Breinig und Venwegen wurde die Anlegung resp. größere Reparaturen von Wasserleitungen beschlossen und dieselben aus der im Etat vorgesehene Summe bestritten werden.
Die Unterstützungen haben in gewohnter Weise stattgefunden und konnte auch im verflossenen Jahre wieder eine reichliche Weihnachtsbescherung stattfinden. Die Pflegekosten für erwachsene Personen haben in diesem Jahre bedeutende Aufwendungen erfordert, wie vorgesehen war.

Die herrschende Maul- und Klauenseuche wegen mußte der Viehmarkt ausfallen. Auch für Menschen herrschte eine sehr große Gefahr in Folge der drohenden Cholera und war es nothwendig, daß namentlich während der Cornelioctav größere Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden.

Es wurden einige Stücke aus dem Gemeindeterrain, so namentlich ein großes Stück an der Breinigerheide an die Erben Hoven und Soldierer verkauft. Desgleichen eine ziemlich werthlose Parzelle an dem großen Viaduct bei dem Orte Cornelimünster. Andererseits wurde zur Begradigung der Waldlisuren eine Parzelle von dem Ortsvorsteher Herrn Kloubert in Venwegen angekauft.
In dem laufenden Etatsjahre sind die zu tilgenden Schuldraten nebst Zinsen im Betrage von 1.624,86 Mark und 1.015,14 Mark abgetragen worden und sind pro 1893/94 bei den gleichen Positionen in Gemäßheitheit des Schuldentilgungs-Plans die Summe von 1.669,86 Mark und 950,14 Mark vorgesehen. In der ferneren Tilgung der mit dem Jahre 1906/07 abgetragenen Gesammtschuldenlast wird insofern eine Veränderung eintreten, als die Genehmigung ertheilt ist, die bei der Landesbank der Rheinprovinz außerterminlich zur Rückzahlung zugelassenen Summe von 1.4000 Mark bei der Armenverwaltung zu entleihen, wodurch eine kleine Ersparniß an Zinsen für die Zukunft zu verzeichnen ist.
Wenn der diesjährige Finalabschluß mit nur definitiven 3.942,21 Mark abschließt so ist dazu zu bemerken, daß andererseits die Summe von 13.601,51 Mark wie bekannt, zum Zwecke der Bestreitung der Kosten und der noch schwebenden Eisenbahnprozeße festgehalten worden ist, sowie daß ⅓ Steigpreiß aus dem Holzverkauf nicht in den Finalabschluß pro 1892/93, sondern in dem Etat pro 1893/94 verrechnet worden ist, sowie, daß ferner für die Wegeunterhaltung eine bedeutend große Summe wie vorgesehen verwendet werden mußte, daß für den neuen Waldbetriebsplan 500 Mark ausser Etat verrechnet mußten und daß die eiserne Rohrleitung am Kapellchen nicht vorgesehen war.

Mehr wie zuvor war die Witterung im verflossenen Jahre eine sehr ungünstige zu nennen. Große Trockenheit im Sommer, Hagelschlag, die überaus große Kälte im Winter wirkte in jeder Hinsicht, namentlich für die Landeskultur sehr störend.

Auch in diesem Jahre ist wieder ein trauriger Unglücksfall zu verzeichnen. Bei dem Bergbau auf der Breinigerheide stürzte ein junger fleißiger Bergmann in den Schacht und war nach einigen Stunden eine Leiche.
In dem abgelaufenen Etatsjahr fand die regelmäßige wiederkehrende Beschreibung der Gebäulichkeiten statt.
Von dem bereits erwähnten beiden großen Prozeßen, in welchen die Gemeinde noch verwickelt ist, kann noch kein Resultat angegeben werden, nach den eingegangenen Mittheilungen steht die Entscheidung indessen in nicht zu langer Zeit zu erwarten.


Cornelimünster, den 20.März 1893; der Bürgermeister, Fhr.v.Brachel



1893

Bevölkerung
1893/94mw
Population3573
Geburten62542 unehelich
Todesfälle40380 über 90
Trauungen24
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh797
Schaafe
Ziegen
Schweine379
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Bei der am 1.Dezember 1890 vorgenommenen allgemeinen Volkszählung wurde die Zahl der Einwohner in der hiesigen Bürgermeisterei festgestellt auf 3582 Seelen. Nach dem Ergebniß der bei Gelegenheit der Steuer Voreinschätzung erfolgten Aufnahme der Personenstandes sind vorhanden gewesen 3573, so daß eine Abnahme von 9 Personen zu verzeichnen ist.
Die hiesige Bevölkerung gehört zum größten Theile der katholischen Religion an; zur evangelischen Religion gehören 14 Gemeinde Eingesessene und zum israelitischen Bekenntniß 37 Personen.
Im Kalenderjahr 1893 wurden geboren; männliche 62 Personen, weibliche 54 Personen, zusammen 116 Personen.
In demselben Zeitraum starben männliche 40 Personen, weibliche 38 Personen, Sa. 78, so daß die Zahl der Geburten diejenige der Todesfälle um 38 übersteigt; es ist dies genau dieselbe Zahl wie im Jahre 1892.
Bei den Geburten sind leider zwei uneheliche zu verzeichnen und unter den Todesfällen 6 Todtgeburten, nämlich 4 männliche und zwei weibliche. Von den Verstorbenen waren 33 nur wenige Monate alt; 10 Personen, darunter 5 junge Frauen starben in einem Alter von 18-39 Jahren; die übrigen Verstorbenen hatten fast alle ein Alter von über 70 Jahren erreicht.
Standesamtliche Eheschließungen fanden in dem Jahre 1893 24 statt.

Im verflossenen Kalenderjahre legte der seitherige zweite Beigeornete Armenvorsteher und Gemeindeverordneter Math. Joh. Lamberts aus Gesundheitsrücksichtigen seine Ämter nieder. An seine Stelle wurde Herr Jos. Quadflieg von hier vom Gemeinderathe am 8/3 93 einstimmig zum 2.Beigeordneten gewählt und, nachdem der Herr Oberpräsident denselben durch Erlaß vom 15.April 1893 für eine sechsjährige Dauer zum zweiten Beigeordneten ernannt hatte. In der Sitzung des Gemeinderathes vom 1.Mai v. Js. vereidigt und in sein Amt eingeführt.
Mit dem Ende des vorigen Jahres lief die Amtsperiode von 1 Gemeinde Verordneten ab. Die Neuwahlen wurden vorgenommen am 26. October v. Js. gewählt wurden:
1. von der III. Abtheilung die Herren Quadflieg Josef
" Busch Peter kgl. Bahnmeister
" Küpper Heinrich sämmtliche von hier
2. von der II. Abtheilung die Herren Giesen Ludwig von hier
" Ganser Jakob aus Breinig
" Winkhold Hubert aus Schützheide
3. von der I. Abtheilung die Herren Jansen Peter von hier
" Wagemann Barth. von Venwegen
" Pingen Kasp. von Venwegen
Dem Herrn Bahnmeister Busch wurde die Genehmigung zur Annahme der Wahl seitens seiner vorgesetzt. Behörde ertheilt. Der Gemeinderath welchem die Wahlverhandlungen auf Grund des §58 der Gemeindeordnung in der Sitzung vom 27.November zur Beschlußfassung unterbreitet wurden, erklärte die Wahlen für gültig mit Ausnahme derjenigen des Herrn Peter Jansen, welcher in seiner Eigenschaft als Kirchendiener nicht Mitglied des Gemeinderathes sein kann. Bei der in Folge dessen am 30.Dezember v. Js. vorgenommenen Ergänzungswahl wurde der Schiedsmann Herr Josef Lausberg zum Gemeinderath auf Grund des genannten § der Gmd. Ordnung am 8/1 für gültig erklärt.
Die Einführung der neugewählten Gmd. Verordt. fand in der Sitzung vom 8/1 statt. Diejenige des Gderdt. Lausberg am 3/2 94.
Da in Folge der Neuwahlen zum Gemeinderath, sowie durch Ausscheiden einzelner Herren in den verschiedenen Commissionen Lücken entstanden waren, so wurden vom Gemeinderath in der Sitzung vom 7/1 94 Neuwahlen vorgenommen, deren Resultat folgendes ist. Es wurden gewählt:
I. für den Armenvorstand die Herren Quadflieg, Lausberg und Strang aus C.Münster; Kaldenbach, Münch aus Breinig und Winkhold aus Schützheide und Kloubert und Pingen aus Venwegen.
II. für das Baucomite die Herren Strang und Busch von hier, Hennecken und Niessen aus Breinig und Kloubert aus Venwegen
Der Polizeidiener Kröger welcher am 4/11 v. Js. von einem Schlaganfall betroffen wurde, ist seit einigen Tagen wieder soweit hergestellt, daß er seine dienstlichen Functionen zum Theil wieder aufnehmen konnte. Zu seiner Vertretung wurden der Wegewärter Hermanns und für Zustellungen pp. der Polizeidiener Brammertz von hier herangezogen.
Die aus der Mitte des Gemeinderaths, namentlich in Anbetracht der Bearbeitung der beiden großen Eisenbahnprozesse gegen Kreischer und Hamacher, angeregte anderweite Regulirung des Einkommens des Bürgermeisters welche in einer Remuneration bestehen sollte, wurde den gesetzlichen Bestimmmungen entsprechend dem K.A. zur Beschlußfassung unterbreitet. Von letzteren wurde durch Vfg. vom 30/5 93 K 1321 die Bewilligung einer Remuneration versagt, dagegen durch Verfügung vom 22/7 93K 2177 auf Grund des §106 der Gemeinde Ordnung das pensionsfähige Gehalt vom 1. October v. Js. ab auf 800 Mark festgesetzt.
Im Zweifel dürfte dieser Beschluß seinen Hauptgrund darin haben, daß den Arbeiten in den letzten Jahren einen ganz bedeutend erweiterten Umfang angenommen haben, und füge ich zur Erläuterung nur die eine Thatsache an, daß während im Jahre 1892 für die der Gemeinden C.münster, Walheim und Brand zusammen nur 3038 S.N. zu verzeichnen sind obschon die ganze Correspondenz mit der damaligen Gemeindekasse in Stolberg durch das Journal laufen mußte, was heute nicht mehr der Fall ist. Die Zahl der J.?. ?? abgelaufenen Jahre für die beiden Gemeinden C.münster und Walheim (ohne Brand) 5984 (gegen ca. 2025 für dieselben beide Gemeinden vor 10 Jahren) beträgt also beinahe die dreifache Zahl. Am 27.November v. Js. wurde seitens des Gemeinderaths die Wahl eines Stellvertretenden Gemeinderathes vorgenommen und fiel dieselbe auf Herrn L.Giesen von hier. Diese Wahl ist seitens des Herrn Landrath bestätigt worden. Die Einführung hat aber nicht stattgefunden, weil die Wahl überflüßig; indem die Herren Beigeordneten in denjenigen Bürgermeistereien, wo der Bürgermeister auch Gemeindevorsteher ist, gleichzeitig auch Stellvertreter des Gmd.vorstehers sind.
Laut eben eingegangener Benachrichtigung hat Herr Giesen die auf ihn gefallene Wahl zum Gemeindeverordneten nicht angenommen und wird in Folge dessen eine Ersatzwahl demnächst nothwendig werden.
Eine bereits seit längerer Zeit schwebende Frage ist endlich im Juli v. Js. in Gemäßheit des Übereinkommens zwischen der kgl. Regierung und dem Erzbischöflichen Stuhle zur Erledigung gelangt, es betrifft dies die Erhebung des zum hiesigen Pfarrverbands gehörigen Ortes Oberforstbach zur selbstständigen Kapellen-Gemeinde.
Es ist das für die hiesige Gemeinde insofern von großer Bedeutung, als nunmehr eine Vergrößerung des Kirchhofes hierselbst in absehbarer Zeit unnöthig wird.
Im Orte Breinig wurde an Stelle des nach Köln versetzten Pfarrvikars Herrn Jansen, der Neopresbyter Herr Jakob Meer aus M. Gladbach ernannt.
Der Lehrer Herr Löhr aus Breinig wurde zum Hauptlehrer für die dortigen Schulen ernannt. Die ebenfalls in Breinig angestellte Lehrerin Frl. Klöser hat mit dem 31.Dez. v. Js. den Schuldienst verlassen, weil dieselbe heirathen wollte. Die Stelle mußte einstweilen, weil eine Lehrerin sich nicht gemeldet und eine solche der kgl. Regierung auch nicht zur Verfügung stand, durch einen Lehrer besetzt werden.
Seit Ostern vorigen Jahres vorigen ist im hiesigen Orte eine Fortbildungsschule für Mädchen, welche aus der Schule entlassen sind, eingerichtet worden der Unterricht wird an den Montagen und Donnerstagen in je 2 Abendstunden ertheilt. Die Renumeration für die Lehrerin Frl. Reisen hat in dankenswerther Weise die Kreiskasse übernommen, so daß seitens der Gemeinde nur das Lokal nebst Licht und Heizung gestellt zu werden braucht.

An dem hiesigen kgl. Lehrerseminar, welches insofern für die Gemeinde von Bedeutung ist als die Knaben des hiesigen Ortes in der an demselben befindlichen Uebungsschule unterrichtet worden, ist ebenfalls eine Veränderung zu verzeichnen, indem der Seminarlehrer Bausheim von hier versetzt wurde, an seine Stelle trat der Seminarlehrer Stein welcher indessen in Folge seiner Beförderung zum Kreisschulinspektor die Anstalt bereits wieder verlassen hat, die vakante Stelle ist einstweilen nur commissarisch besetzt.

Größere Bauten sind in dem verflossenen Jahre nicht vorgekommen.
Von den in dem letzten Verwaltungsbericht erwähnten Bauten sind folgende vorgenommen worden. Die sog. Schraungracht ist durch bedeutende Anschüttungen und Planierungen in guten Zustand versetzt worden, die Arbeiten hat der Gemeinde keine weiteren Kosten verursacht, indem die Adjacenten zu der Instandsetzung freiwillige Beiträge geleistet haben.
Die Wasserleitung in Venwegen mußte auf eine ganz bedeutende Länge neugelegt werden, indem die Rohre derselben an vielen Stellen defect waren.
Ueber den Itterbach ist eine neue Fußbrücke angelegt worden,wodurch einem großen Uebelstande abgeholfen ist.
Bei dem Forsthaus Venwegen wurde ein kleiner Schuppen errichtet.
An der Schutz Mauer am Indebache im hiesigen Orte wurde wiederum ein Stück neu errichtet, so daß im nächsten Jahre die ganze Mauer fertig hergestellt sein wird.
Nachdem der Holzabfuhrweg von Mulartzhütte bachabwärts in den früheren Jahren ausgebaut und benutzt worden, wurde im letzten Jahre auch das kleine Stück bachaufwärts bis an das Eigenthum des Grafen Beissel ausgebaut. Diese Anordnung hat bereits in gleicher Weise ihre Früchte getragen wie die Anlage des erstgenannten Abfuhrweges. Eine kurze Zusammenstellung möge deshalb hier folgen:
Es wurde bei den Holzverkäufen, die dort stattfanden folgende Resultate erzielt.
1891 23/12 bei einer Taxe von M. 3.636,73 M. 5.410,-
1891 5/1 bei einer Taxe von M. 5.274,86 M. 6.559,-
1890 2/1 bei einer Taxe von M. 2.948,01 M. 6.57,-
1888 27/2 bei einer Taxe von M. 3.603,40 M. 4.382,-
15.462,60 M. 22.08,-
Also in 4 Jahren ein Mehr von M. 7.046,-
Besondere Vorkommnisse bezüglich der Armenpflege sind nicht zu verzeichnen. In gewohnter Weise wurde zu Weihnachten für die Armen der hiesigen Pfarrgemeinde eine große Bescherung vorgenommen.
Am 14/12 v. Js. starb plötzlich der seitherige Armenarzt Herr Dr.Scheen und wurde an seiner Stelle der hier angezogene Arzt Herr Dr. Kranz mit der Wahrnehmung der Geschäfte unter den früheren Bedingungen vorläufig betraut.
Die vorgeschriebenen Revisionen der gewerblichen Anlagen der Maaße und Gewichte pp haben stattgefunden und sind keine wesentlichen Ungehörigkeiten bemerkt worden. Wo solche dennoch zu verzeichnen waren, ist die Bestrafung der Contrarenieten erfolgt.

Ein trauriger Unglückfall ereignete sich in der Bierbrauerei von Herrn Schmitz, der Bierbrauergehilfe Friedr. Wilh. Auf der Heiden wurde durch ein herunterfallendes großes Faß sofort getötet. Die eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß die Betriebsleitung nicht die geringste Schuld trifft.
Durch einen Waldbrand, über dessen Entstehung nichts bestimmtes festgestellt werden konnte, wurde ein kleiner Theil des Gemeindewaldes bei Kitzenhaus unter Feuer gesetzt, dank der rechtzeitig eingetroffenen Hülfe konnte dasselbe auf einen kleinen Distrikt beschränkt werden.

Im hiesigen Orte war die Grenzmauer an dem Treppenaufgange zur alten Pfarrkirche, welche bereits seit einiger Zeit Mängel zeigte, derartig baufällig geworden, daß nach dem Gutachten des Polizeibaumeisters und auf Anordnung der Polizeibehörde die Niederlegung erfolgen mußte. Was die Kosten der nothwendigen Arbeiten anlangt, so ist seitens der Polizeiverwaltung dem Kirchenvorstande, welcher als Eigenthümer betrachtet worden ist, die erforderliche Zustellung gemacht worden, die Entscheidung ist noch nicht getroffen.

Die Verhandlungen mit dem Provinzial-Schulcolleg nun wegen Begradigung der Seminarmauer an dem Hauptwege nach Stolberg haben zu keinem Resultate geführt, obschon die Gemeinde in der entgegenkommendsten Art und Weise 1.200 Mark bewilligt und in dem Etat disponibel gestellt hatte, um die alten Mauerwerke zu beseitigen und Mauer dort auszuführen. Da der seitherige Zustand für den Verkehr dort Gefahr drohend ist, so wurde vom Gemeinderath beschlossen, einen Bebauungsplan anfertigen und feststellen zu lassen, damit auf Grund desselben die Mauer nicht wieder in dem seitherigen Verhältniß aufgebaut oder reparirt werden dürfe. Der betreffende Plan konnte aber noch nicht vorgelegt werden, da dessen Anfertigung durch die Krankheit des damit beauftragten Herr Polizeibaumeister verzögert wurde. Seitens der Gemeinde Zweifall ist der Antrag gestellt worden, die zur hiesigen Gemeinde gehörige Flurabtheilung Münsterau von der hiesigen Gemeinde abzutrennen und Zweifall einzuverleiben. Bevor diese Angelegenheit in Gemäßheit des §6 der Gde.Ordnung den Meistbeerbten zur Begutachtung unterbreitet wird ist dieselbe dem Gemeinderathe zur gutachtlichen Äußerung vorgelegt worden; dieser erklärt sich in seiner Sitzung vom 27.November v. Js. einstimmig gegen das Project, indem er die Nachhaltigkeit der von Zweifall angeführten Gründe nicht anzuerkennen vermochte. Mit einer gleichen Petition haben sich die vier Eingesessenen hiesiger Gemeinde, welche dort wohnen, an den Herrn Landrath gewandt, welcher die Anhörung des Gemeinderathes anordnete.
Der darzwischen herbeigeführte Beschluß des Gemeinderathes wurde mit dem gleichlautenden ersteren Beschluß dem Herrn Landrath vorgelegt. Eine Verfügung ist daraufhin noch nicht ergangen.
Die Erneuerung des für die folgenden 10 Jahre bestimmten Forstbetriebsplanes ist im laufenden Jahre zu Ende geführt worden.

Die vom Gemeinderathe genehmigte Aufforstung des Ginsterberges mit Kiefernsaat ist planmäßig beendet worden und hat einen Kostenaufwand von 257,90 Mark erfordert.
Auf dem Gemeindeterrain an dem Wege nach Niederforstbach, neben dem Lufterhof wurde im abgelaufenen Jahre ein kleiner Steinbruch aufgedeckt, welcher das beste Steinmaterial enthält welches in hiesiger Gegend vorkommt. Die Kosten des Aufdeckens waren durch das gewonnene Steinmaterial sehr bald reichlich gedeckt, und sollen nunmehr auch von dem dortigen Steinmaterial die für den Pflasterungen nothwendigen Steine gebrochen und hergerichtet werden. Wenn das Steinmaterial auch nicht allzu mächtig ansteht, so ist dasselbe doch in solcher Menge vorhanden, daß die Gemeinde nicht nur ihren Bedarf decken, sondern auch noch Lieferungen nach auswärts übernehmen kann.
Der Verkauf eines kleinen Wegeabsplisses am Stegpfuhl an den Adjacenten, Johann Winkhold in Breinig, hat die erforderliche Genehmigung gefunden. Bezüglich einer Gemeindeparzelle an dem Nütheimer Wege, in der Nähe der Vogelstange, hat der Wirth Ludwig Emonts Eigenthumsansprüche erhoben zu deren Begutachtung eine Commission ortskundiger Herren ernannt worden ist.
Letztere wird dem Gemeinderathe den Vorschlag unterbreiten, die Ansprüche in Anbetracht des mehr als dreißigjährigen ungestörten Besitzes der Gemeinde als unbegründet zurückzuweisen.
Der Beschluß der Gemeindevertretung vom 16.Februar v. J. wonach die Gemeinde das disponibele, nur einen geringen Zinsbetrag abwerfende Kapital der hiesigen Armenverwaltung im Betrage von 11.500 anleihen und zur theilweisen Tilgung der Hauptschuld bei der Landesbank der Rheinprovinz verwenden wollte hat die Genehmigung des Kreis-Ausschusses gefunden. Ebenso die Verwendung des Substanzfonds von 2.500 Mark zu demselben Zwecke. Daraufhin ist am 25.April v. J. ein neuer Schuldentilgungsplan aufgestellt und am 15.Mai v. J. von dem Kreisausschusse genehmigt worden.
Die Gesammtschuld beläuft sich demnach auf M. 43.766, wobei allerdings zu berücksichtigen, daß 11.500 Mark der hiesigen Armenverwaltung gehören. Die sämmtlichen noch zu tilgenden Schulden beruhen auf der Verpflichtung, welche die Gemeinde seiner Zeit übernommen hat, den Grunderwerb für die beiden Bahnlinien zu übernehmen.
Es waren in Ausgaberest festgehalten worden ad Mark 13.000 und sind von diesem Betrage jetzt ca. 7.300 verausgabt worden. Darunter 6.237,77 für den endlich zu Ende geführten Prozeß Kreischer, so daß noch ca. 5.700 Mark disponibel sind, die indessen nicht ausreichen werden, um die Forderung aus dem noch in der Berufungsinstanz schwebenden Prozeß Hamacher / Gemeinde zu decken.
Im Etatsjahr 1893/94 sind nun 15.961,56 M. Kapital und 658,44 Zinsen, S.S. 16.620 Mark getilgt worden, und werden pro 1894/95 im Etat 2.288,32 Kapitaltilgung und 771,68 Zinsen, in Sa. 3.060 Mark vorzusehen sein.
Diese Summe reducirt sich dann allmählich in den danach folgenden Jahren in der Weise, daß von 1899/1900-1904/05 incl. ja 2.000 Mark zu tilgen sind, alsdann ist aber auch das Kapital der Armenverwaltung und des Substanzfonds wieder in der alten Höhe aufgebracht.
Die zu gleichen Prozenten auf Grund-, Gebäude- und Gemeinde Einkommensteuer vertheilte Umlage belief sich im Jahre 1893/94 auf 135%. Dieselbe wird nach dem Vorschlage im Etatsentwurf pro 1894/95 auf 152% steigen. Das Gegentheil hätte der Fall sein Können, wenn die Gemeinde, ähnlich wie die Gemeinde Raeren, welche aus dem Gemeindewalde für abgegebene Streu p.p. a. 10.000 Mark in den letzten Jahren eingenommen hat, diese Producte verkauft und nicht unentgeltlich abgegeben hätte, wodurch nur den Viehbesitzern Vortheile erwachsen sind.
Im abgelaufenen Jahr fanden verschiedene größere Aufnahmen statt, zunächst war es die Erhebung über die verschiedenartige Bodenbenutzung, eine sehr umfangreiche, viel Kräfte und Zeit in Anspruch nehmende Arbeit. Das Resultat derselben war für die hiesige Gemeinde folgendes.
Es wurden benutzt als :

Grund
Ländereihectar
Acker+Garten426
Wiesen418
Weiden470
Forsten+Holzungen742
Haus+Hofräume29
Oedland25
Wegeland+Gewässer78
Gesamt2188
Ferner wurde am 1.Dezember v. J. eine außergewöhnliche Aufnahme des gesammten Rindvieh- und Schweinebestandes vorgenommen, um zu constatiren, in wieweit die überaus ungünstige Witterung und die sich daran anschließende Futternoth von Einfluß gewesen sind. Bei der gewöhnlichen Aufnahme im Januar v. J. fanden sich vor im Ganzen 908 Stück Rindvieh und / Stück Schweine , am 1.Dezember 797 Stück Rindvieh und 379 Stück Schweine, so daß eine Abnahme von 111 Stück Rindvieh und 379 Stück Schweine zu verzeichnen ist.
Die vorerwähnte große Futternoth, deßgleichen, der große Mangel an Streu, welche die Gemeindevertretung veranlaßte, den Wald ausnahmsweise zur Viehhut und zur Streuentnahme zu öffnen, war die Folge der überaus ungünstigen Witterungsverhältnisse.

Schon der Winter 1892/93 war ungewöhnlich hart, die Eismassen, welche die Bachläufe mit sich führten so stark, daß besondere Sprengarbeiten an den Brücken im Ort Cornelimünster vorgenommen werden mußten. Der folgende Sommer war so trocken, daß der seit Menschengedenken nie versagende Brunnen Hahndorn, kaum noch Wasser gab; die Wiesen und Weiden waren vollständig von der Sonnenhitze versengt und wenn nicht im Herbste eine kurze Regenperiode eingetreten und die Witterung länger wie gewöhnlich gelinde geblieben wäre, so daß das Vieh länger wie sonst ausgetrieben werden konnte, so wäre eine derartige Futternoth entstanden, daß dieselbe kaum zu lindern gewesen wäre. Immerhin ist aber der Ertrag an Stroh gering, eine Heuernte ist kaum zu verzeichnen, so daß die Landwirthe, welche ihren Viehbestand nicht verringern wollten, gezwungen waren, größere Aufwendungen für den Ankauf von Futtermitteln zu machen. Der letzte Winter trat zwar nur kurze Zeit in sein Recht ein, aber auch wieder mit außergewöhnlicher Strenge. Zum Glück hatte sich eine leichte Schneedecke über die Felder ausgebreitet, so daß der Saatenstand nicht gelitten hat und wenigstens die Hoffnung auf ein besseres Jahr geblieben ist.

Diese ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse waren auch nicht ohne Einwirkung auf den Gesundheitszustand in der Bevölkerung. Wiederholt und zwar sehr heftig tritt die Grippe auf und hat manches Opfer gefordert.

Während im Allgemeinen Handel und Gewerbe unter den Druck der Verhältnisse zu leiden hatten, erfreuten sich die Steinbruch- und Kalkofenbetriebe sowie die Eisensteingewinnung eines regeren Geschäftsganges.

Im Orte Breinig ist in dem beschriebenen Zeitraum eine Postagentur und zwischen Breinig und Cornelimünster eine telephonische Verbindung hergerichtet worden.
Was den Ort Breinig anbetrifft, so ist noch zu vermerken, daß ein Beschluß des Gemeinderathes herbeigeführt worden ist, die vor ungefähr 20 Jahren eingeführte Spätkirmes aufzuheben, die Entscheidung der vorgesetzten Behörde ist noch nicht ergangen.
Der im höchsten Grade mangelhafte Zustand eines Theils der Pflasterung der durch den Ort Cornelimünster führenden Provinzialstraße hatte Veranlassung gegeben, bei dem Herrn Landesdirektor vorstellig zu werden, und um Abhülfe zu bitten. Nachdem diese versagt worden, wurde seitens der Gemeindevertretung beschlossen den Beschwerdeweg bei dem Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz zu beschreiten. Auch in diesem Falle ist die Entscheidung noch nicht getroffen.
Unterdessen hat die Gemeinde die an dem Wege zur Klause stehenden Pappelbäume beseitigen und an deren Stelle eine schöne Lindenallee pflanzen lassen.
Für die kleinen Gewerbetreibenden ist insofern eine Erleichterung eingetreten, als dieselben, falls sie ein Einkommen unter 1500 oder ein Betriebskapital unter 4500 M. haben, von der Gewerbesteuer befreit sind.
Eine Erhöhung der Umlage mußte beantragt werden, weil für das kommende Etatsjahr wieder eine Kreisumlage in der Höhe von 10% vorzusehen war. Dieselbe wird sich für die Folge noch weiter erhöhen, wohingegen vom Jahre 1895 ab den Gemeinden die staatliche Grundsteuer überwiesen ist, welche eine andererseite, genaue Regulirung der Gemeindeeinkommensteuer im Gefolge haben wird.


Cornelimünster, 10.März 1894; der Bürgermeister, Frhr. v. Brachel



1894

Bevölkerung
1894mw
Population3572
Geburten59580 unehelich
Todesfälle22460 über 90
Trauungen30
geimpfte Kinder
Liniendienst10 Mann
Elementarschüler99111Cornelimünster
Elementarschüler156127Breinig
Elementarschüler4347Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Die hiesige Gemeinde umfaßt ein Areal von 2188,31,84 hct., wovon ca. 280 Gemeindeeigenthum sind. Letzteres erstreckt sich auch noch in die Bürgermeisterei Walheim hinein und zwar mit einem weiteren Areal von ca. 247 hectar. Bei der letzten Volkszählung ergab sich eine Bevölkerungszahl von 3582 Personen; nach dem Ergebniß der diesjährigen Personenstandsaufnahmen sind noch 3572 Personen vorhanden, so daß eine Abnahme von 10 Personen seit dem 1.Dezember 1890 zu verzeichnen ist.
Von den genannten 3572 Personen sind 1148 unter 14 Jahren; von den 2424 über 14 Jahre alten Personen sind 1215 männlichen und 1209 weiblichen Geschlechtes.

Der evangelischen Religion gehören 9 und dem israelitischen Bekenntniß 25 Personen an, alle übrigen Einwohner sind katholisch.
Es wurden im Jahre 1894 überhaupt geboren 117, davon m. 59 w. 58, davon waren todtgeboren m.- w. 4. In demselben Zeitraum starben 68 Personen davon m.22 w.46. Von den verstorbenen weiblichen Personen starb eine eine eines gewaltsamen Todes und 4 in der Geburt.
Es fanden 30 Eheschließungen auf dem hiesigen Standesamt statt.
Der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle beträgt 59 und es kommen auf je 100 Einwohner 1,89 Sterbefälle.
Es wurden veranlagt pro 1894/95zur Einkommenssteuer:

Einkommensteuer
Mark69 12162126313644527080118132146252 36042,40frei
Personen98372423131817159724 11111634126475
Abgänge7816334312
Zugänge434514121
Resultat95322722111914149524 11111

13 Censiten wurden freigestellt und zum Satz von 4 Mark veranlagt.
Zu den erstgenannten 126 Censiten kommen noch die vorstehend aufgeführten 13 Censiten.
Der Betrag der aufzubringenden Grundsteuer beziffert sich auf 460 M und derjenige der aufzubringenden Gebäudesteuer auf 161 M.
An Gewerbesteuer wurde aus der Gemeinde gezahlt 608 M
und die Betriebssteuer ist veranlagt bewesen mit 465 M
Die Umlage, welche im laufenden Etatsjahr 1894/95 Mk. 20.036,13 beträgt, wird für das kommende Etatsjahr auf Mark 25.000 bemessen werden müssen.
Die Schulden der Gemeinde betrugen im laufenden Jahre M 21.791,98 und waren am Zinsen zu zahlen M. 771,68.
In Gemäßheit des Schuldentilgungsplanes beläuft sich die Schuldsumme im Jahre 1895/96 auf M. 19.503,72 und es sind M. 680,15 an fälligen Zinsen zu entrichten. In der Schuldsumme befinden sich 11.500 M., welche von der hiesigen Armenkasse entliehen und M. 2500, welche aus dem Substanzfonds der Gemeinde entnommen sind, im Ganzen also 14.000 Mark.

Der Vicar Meer ist von Breinig versetzt worden; eine anderweite Besetzung der Stelle ist bislang nicht erfolgt.
Durch Verfügung der königlichen Regierung vom 29.April 1894 wurde die seither in Höngen definitiv angestellte Lehrerin Hubertine Steinfeld in die vakante Lehrerinstelle in Breinig versetzt. An derselben Schule wurde die Lehrerin Fräulein Bergmann, welche bisher provisorisch angestellt war, definitiv ernannt. Die Frequenz der Schulen war am 1.Januar @. die folgende
in Cornelimünster: 99 Knaben (in der Seminarschule) 111 Mädchen (in zwei Klassen)
in Breinig: 156 Knaben 127 Mädchen in einer Klasse
in Venwegen: 43 Knaben 47 Mädchen in einer Klasse
Die Fortbildungsschule in Breinig wurde im laufenden Etatsjahre durchschnittlich von 20 Knaben besucht; diejenige für Mädchen im Orte Cornelimünster von 24 Mädchen die definitive Errichtung des selbständigen Rectorats in dem zum hiesigen Pfarrverbande gehörigen Orte Oberforstbach ist insofern für die hiesige Gemeinde von wesentlicher Bedeutung, als die sonst nothwendig gewordene Vergrößerung des Kirchhofes, welche mit großen Schwierigkeiten verbunden gewesen wäre, unnöthig geworden ist.

Der hiesige Gemeinderath hat beschlossen einen Krankenwagen zu beschaffen, damit bei Unglücks- und schweren Krankheitsfällen der Betroffene schnell zum Hospital hingeschafft werden kann.

Eine wesentliche Erleichterung des Verkehrs auf der Bahnstrecke Rothe-Erde-Montjoie wird dadurch eintreten, wenn die bereits weit vorangeschrittenen Arbeiten für die Legung eines zweiten Geleises von der sogen. Blockstation bei Schlausermühle bis nach Walheim und weiter beendet sein werden. Die Benutzung desselben soll im Mai v. J. eintreten.
Um den großen Uebelstand im hiesigen Orte, welcher darin besteht, daß der Hauptverkehrsweg von hier nach Stolberg resp. Krauthausen und Büsbach durch die vorspringenden Ecken der Seminar-Gartenmauer bis auf Karrenspurbreite eingeengt ist, zu beseitigen, ist ein Fluchtlinienplan festgesetzt worden, auf Grund dessen bei der bald erfolgenden Neuerrichtung der defekten Mauern soweit zurückgegangen werden muß, daß eine Straßenbreite von 9 meter erzielt wird.

Während zu Angang des Jahres 1894 auf ein sehr günstiges Ernte-Resultat zu hoffen war, wurden die Aussichten durch die eintretende, lange anhaltende Regenperiode sehr getrübt, während die Wiesen und Weiden, überhaupt die Futterkräuter, vielfach bereits in Garben auf dem Felde standen, größtentheils sehr stark geschädigt. Dioe Kartoffelernte war eine mittelmäßige, der Ertrag an Obst ein reicher.
Was die diesjährige Ernte anlangt, so dürfte man hoffen, daß wenn die Witterungsverhältnisse ebenso günstig blieben, wie sich dieselben bis jetzt vor kurzem gestaltet hatten eine gute Ernte erzielt wurde. Die großartige Kälte der letzten Wochen (einmal 22 ½ °R unter 0) wird aber sowohl bezüglich der Saaten als auch der Obstbäume nicht ohne weitgehende nachtheilige Folge bleiben.

Durch die Außerbetriebstellung der hiesigen Tuchfabrik sind eine sehr große Anzahl von Arbeiter und Arbeiterinnen, namentlich älterer Leute und solcher in mittleren Jahren, außer Verdienst gekommen. Nur sehr wenigen ist es gelungen in anderen Fabriken Arbeit zu finden, was sein Hauptgrund wohl darin hat, daß in hiesiger Fabrik nur ältere Maschinen benutzt wurden, so daß die Leute, die neueren Maschinen, welche in anderen Fabriken benutzt werden, nicht kennen.
Nur einige Steinbrüche, in welchen Bausteine gebrochen werden, befinden sich noch in flottem Betrieb.

In den Personen der Beamten ist eine Veränderung nicht eingetreten. Der Ortsvorsteher Herr Kloubert wurde, nachdem derselbe vom Gemeinderath wiedergewählt und bestätigt worden, in der Sitzung am 23.Mai v. J. wiederum in sein Amt eingeführt.
Die Vermehrung der letztjährigen Journal Nummern gegenüber derjenigen aus dem Jahre 1893 hängt zusammen mit der durch die neuere Gesetzgebung verursachten Mehrarbeiten, so namentlich durch die Ergänzungssteuer und das Grundbuch.

Im verflossenen Jahr beschäftigte der erneute Antrag der Gemeinde Zweifall, die Flurabtheilung Münsterau von der hiesigen Gemeinde abzutrennen und der obengenannten Gemeinde zuzutheilen, wiederholt die Gemeindevertretung und die Meistbeerbten. Von den zur Begründung dieses Antrages vorgetragenen Gründen konnte indessen keiner als stichhaltig anerkannt werden, abgesehen davon mußte der wahre, nicht vorgebrachte Grund, nämlich die in Aussicht stehende Kleinbahn durch das Vichtbachthal, die hiesige Gemeinde bestimmen dem Antrage entschieden entgegenzutreten und wurde sie hierbei, wie das auch zu erwarten war, seitens des Herrn Landrath energisch unterstützt.
Nachdem 12 Jahre verflossen waren, seitdem keine größerenTruppenübungen mehr in unserer Gemeinde stattgefunden, brachte das abgelaufene Jahr uns wieder einmal dieses militairische Schauspiel mit seinen Freuden und Leiden. Ein Theil unseres Geländes war nämlich zum Exerzierplatz für eine Kavallerie- und Infanteriebrigade ausersehen und die nothwendige Folge war, daß wir in unseren Ortschaften während längerer Zeit eine sehr starke Einquartirung hatten. Bei dieser Gelegenheit weilte der Schwager unseres Kaisers, Prinz Adolph zu Schaumburg Lippe, während 4 Wochen hier im Orte und hatte in dem Gemeindehause auf St. Gangolph Wohnung genommen.
Um den Quartirgebern eine gute Verpflegung der Offiziere und Mannschaften zu ermöglichen, beschloß die Gemeindevertretung Zuschüsse zu bewilligen, die im Ganzen eine Höhe von ca. 3974,33 Mark erreicht haben. Froh kamen unsere Soldaten und zufrieden zogen sie weiter.
Das nach Beendigung der Manöver dieselbe Zufriedenheit auch bei den Eingesessenen vorhanden gewesen, kann nicht behauptet werden, im Gegentheil wird allgemein bitter über die große Last geklagt, welche den Gemeinden durch diese Uebungen auferlegt wird, bedeutet die Zuschußleistung doch ein Mehr von ca. 40% der Steuern.

Leider ereigneten sich im Jahre 1894 in unserer Gemeinde auch einige Unglücksfälle, durch welche die Angehörigen der Betreffenden ungemein hart betroffen wurden.
Am 22.October v. J. wurde der Schmied Josef Willms, als er Abends an dem stillstehenden Wasserrade in der Fabrik von Bischoff hierselbst eine Arbeit vornehmen sollte, von dem sich in Bewegung setzenden Rade erfaßt und derartig verletzt, daß er bereits am andern Morgen im Hospital, wohin er während der Nacht gebracht worden war, verschieden. Derselbe hinterläßt eine Wittwe und 6 unmündige Kinder ohne jegliches Vermögen. Die gerichtliche Untersuchung über den Unglücksfall ????????????? geführt ???

Einige Wochen später, am 14.November v. J. wurde die Leiche der unverehelichten Katharina Hamacher, eines durchaus braven Mädchens aus Venwegen, in einem kleinen Wassertümpel liegend aufgefunden, nach dem man das Mädchen 2 Tage vermißt hatte. Die Untersuchung hat ergeben, daß Todtschlag vorlag und ist der Nachbar und Verlobte des Mädchens Carl Königs wegen dieses Verbrechens zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 jährigem Ehrverlust verurtheilt worden.

Das neue Jahr 1895 sollte, was sehr zu bedauern, alsbald noch einen weiteren Unglücksfall mit sich bringen. Am Morgen des 4.Januar wurde der aus Breinig gebürtige Arbeiter Josef Lützeler innerhalb der Bürgermeisterei Walheim bei den Arbeiten zur Legung des zweiten Geleises von der Lokomotive des Personenzuges von Aachen nach Montjoie bei Seite geschleudert und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er sofort zum Hospital hingeschafft werden mußte.

In Folge eines in der Eifel niedergegangenen Wolkenbruches schwollen unsere Gebirgsbäche am Abende des 30. October derartig unter Wasser gestellt wurde, daß man sogar auf dem Marktplatze tief durch Wasser waten mußte und daß in vielen Häusern das Wasser in den Zimmern stand. Erst gegen 12 Uhr Nachts fing das Wasser allmählich an zu sinken. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unterlassen die Thätigkeit der Mitglieder der freiwilligen Feuerwehrt lobend hervorzuheben, denn dieselben waren überall eifrigst bemüht, den Inhalt der Ställe und Keller, in welche das Wasser mit Macht eindrang, in Sicherheit zu bringen.
Zum Zwecke der weiteren Ausrüstung der Gemeinde mit Feuerlöschgeräthen wurde für Venwegen eine neue kleine Spritze angeschafft, zu welchen in dankenswerther Weise von seiten der Provinzialverwaltung und der Magdeburger Feuerversicherungsgesellschaft Beihülfen von Mark 150 resp. 25 Mk. gezahlt wurden.

Die langwierigen Verhandlungen mit den Kreisen Montjoie und Malmedy bezüglich der Schlußzahlung aus dem Staatszuschusse für den Bahnbau Rothe-Erde-St.Vith haben nun auch ihr Ende erreicht und zwar dergestalt, daß die Kreise von ihrer Berechnungsart abgegangen sind und diejenige der Gemeinde anerkannt haben:
Der folgendermaßen zu zahlende höhere Betrag belief sich auf Mark 6597,15 und ist bereits eingegangen.
Zur größeren Sicherheit der Bestände, Dokumente und Bücher der Gemeindekasse hat die Gemeinde gemeinschaftlich mit der Gemeinde Walheim einen feuerfesten Schrank angeschafft.


Cornelimünster, den 5.Mai 1895; der Bürgermeister, Frhr. v. Brachel



1895

Bevölkerung
1895mw
Population184717513592
Geburten72490 unehelich
Todesfälle49320 über 90
Trauungen21
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenhektoliter pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der am 1.Dezember 1890 vorgenommenen allgemeinen Volkszählung hatte die Gemeinde eine Wohnbevölkerung von 3582 Seelen, bei der letzthin abgehaltenen (21.Dez.) eine solche von 3598 Seelen, so daß in dem Zeitraum von fünf Jahren nur eine Zunahme von 16 Personen zu verzeichnen ist.
Von den genannten 3598 Personen sind 1847 männliche und 1751 weibliche Geschlechts, so daß die Zahl der ersteren diejenige der letzteren um 96 übersteigt; in dieser letzten Zahl sind allerdings 89 Seminaristen einbegriffen.
Nach Ausweis der zum Zweck der Steuerveranlagung pro 1896/97 vorgenommenen Bevölkerungsaufnahme befinden sich unter den genannten 3598 Personen 1129 Kinder unter 14 Jahren.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Kalenderjahre 1895 wurden geboren: 72 männliche 49 weibliche = 121 Pers., außerdem waren todtgeboren: 2 männliche 1 weibliche, in demselben Zeitraume starben 49 männliche 32 weibliche = 81 Personen so daß die Zahl der Geburten diejenige der Sterbefälle um 40 übersteigt.
Auf dem hiesigen Standesamte fanden 21 Eheschließungen statt.

III. FINANZLAGE und UMLAGE

Am Schluße unseres laufenden Rechnungsjahres 1895/96 beträgt die noch zu tilgende Schuld 17.143,87 Mark und der verbleibende Zinsenbetrag 2.482,38 Mk.
im Ganzen 19.626,25 Mark, in dieser Schuldsumme befinden sich 11.500 Mark, welche von der hiesigen Armenverwaltung entliehen sind. Die vorgenannte Schuld ist planmäßig mit Ablauf des Jahres 1904/05 getilgt.
Die gesammte Finanzlage kann somit nicht als eine sehr günstige bezeichnet werden, zumal wenn man bedenkt, daß die Gemeinde noch die Grunderwerbskosten für die Hamacher'schen Parzellen aufzubringen hat, allerdings sind nun zwar für diesen Zweck 4.065,55 M. in Ausgaberest festgehalten, aber nach der Lage und dem Gange des Prozesses, der nunmehr schon eine Reihe von Jahren dauert, erscheint diese Summe bei weitem nicht ausreichend, um die ganze Entschädigungssumme nebst Zinsen zu decken.
Im laufenden Etatsjahre betrug die durch die Einquartirungskosten mit beinahe 4.000 Mark belastete Umlage 170% der Real- und 160% der Einkommensteuer. Bei dieser Gelegenheit möge noch einmal der Vorschlag zum Ausdruck gelangen, die Einquartirungskosten auf die Gesammtheit zu übernehmen, damit nicht immer dieselbe Gemeinde die ein günstiges Manöverterrain haben für die anderen Gemeinwesen, die ein solches nicht bieten, die Kosten und Last zu tragen haben.
Für das kommende Etatsjahr würde sich die Umlage meinen Vorschlag entsprechend auf 180% der Real- und 170% der Einkommensteuer beziffern müssen, wenn nicht der am 17.Januar abgehaltene und der noch ausstehende kleine Holzverkauf ein herabgehen gestattet, welches allerdings durch die auf das dreifache erhöhte Kreissteuer wieder namhaft beeinflußt wird. Immerhin ist es nur möglich dem Gemeinderathe nunmehr die Beibehaltung der diesjährigen Prozentsätze vorzuschlagen, wobei ein kleiner Ueberschuß bleibt, der festgestellt werden muß, um für die Bestreitung etwaiger Ausgaben zu dienen, die durch die Kuranstalt p.p. bedingt werden.

IV. KIRCHEN und SCHULWESEN

An Stelle des von Breinig versetzten Vikars Herrn Meer ist Herr Vicar Breuer ernannt worden.
Die Lehrerinnen Fräulein Bergmann aus Breinig und Reisen von hier sind versetzt worden und wurden an deren Stelle die Lehrerinnen Fräulein Harren aus Alsdorf und Greving aus Aachen provisorisch ernannt.
Die hiesige Fortbildungsschule für Mädchen erfreute sich eines regen Besuches auch von Seiten der Fabrikarbeiterinnen; durch Einstellung des Betriebes in der hiesigen Tuchfabrik waren die Arbeiterinnen, sofern sie keinen anderen Verdienst finden konnten, gezwungen Arbeit in den Industrie-Städten zu suchen und konnten deshalb nicht mehr so früh hier eintreffen, um an dem Unterricht theil zu nehmen. Der Besuch beträgt aber immerhin durchschnittlich 22 Schülerinnen.
Die Fortbildungsschule für Knaben in Breinig hat ihre Thätigkeit mit einer Durchschnittsfrequenz von 30 Schülern in gewohnter Weise entfaltet.
An dem königlichen Lehrerseminar, woselbst die Knaben des hiesigen Ortes unterrichtet worden ist der in den Ruhestand versetzte Lehrer Löhr durch den Seminarlehrer Holtz aus Münstermaifeld ersetzt worden.

V. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der hiesige Apotheker Sieberichs ist von hier verzogen und ist die Apotheke in den Besitz des Apothekers Herrn Bongarts aus Herzogenrath übergegangen.
Der Gesundheitszustand ließ im abgelaufenen Kalenderjahre sehr viel zu wünschen übrig; starben doch in diesem Jahre 36% K???fehlt??? ????? im Jahr 1894, während die Zahl der Geburten nur um 4 größer war. Von den Verstorbenen wurden 42 nicht 10 Jahre alt und von diesen starben die meisten in den ersten Lebensmonaten.
Unter den Viehbeständen kamen einzelne Fälle plötzlichen Falles vor; die thierärztliche Untersuchung hat indessen ergeben; das es sich in keinem Falle um eine ansteckende Krankheit handelte.

VI. LANDWIRTHSCHAFT

Mit Ausnahme einiger vereinzelten Fälle kann das Ergebnis der Gesammt-Ernte als ein gutes bezeichnet werden. Auch sind die Aussichten für das Jahr 1896 gemäß dem Stande der Wintersaaten als sehr günstige zu bezeichnen. Sowohl im hiesigen Orte als auch in Breinig ist eine Spar- und Darlehens-Kasse errichtet worden, während erstere dem Genossenschafts Verbande der Rheinprovinz angehört, hat letzte sich den sogen. Raiffeisen'schen Kassen angeschlossen.

VII HANDEL und GEWERBE

Während die Eisensteingewinnung und die Kalkfabrikation eine recht lohnende gewesen, hat die Verwendung unseres hiesigen Kalksteines für Bauten nachgelassen.
Die Tuchfabrik im hiesigen Orte ist noch immer außer Betrieb und soll auch keine Aussicht vorhanden sein, daß dieselbe bald wieder im Betrieb gesetzt werde.
Ein neuer Industriezweig ist hier eingeführt worden, und eine neue Metalldruckerei angelegt wurde das Unternehmen ist aber noch so klein, daß man nichts Bestimmtes darüber sagen kann.
Die bereits in meinem letzten Verwaltungsbrief erwähnten und als berechtigt verzeichnete Klagen der Gewerbebetreibenden über das Ueberhandnehmen des Hausirhandels sind noch nicht verstummt und wäre eine baldige Abhülfe sehr zu wünschen.

VIII. GEMEINDEVERWALTUNG

Der seitherige Gemeindeempfänger Herr Wollgarten, dem ich auch an dieser Stelle das Zeugniß eines durchaus gewissenhaft und pünktlichen Beamten ausstellen mußte, wurde zu meinem lebhaften Bedauern zum Rendante der Kreissparkasse gewählt und verließ die Gemeinde am 1.9.1895.
Der mit der Communal Verwaltung betraute Kassengehülfe Herrn W.J.Weber aus Brand wurde am 22.8.1895 zum Empfänger für die beiden Gemeinden Walheim und Cornelimünster gewählt, durch Verfügung vom 18.9.1895 ernannt und am 25.10.1895 vereidigt.
Der seitherige Schiedsmann Herr Josef Lausberg von hier dessen Wahlperiode am 31.12.1895 zu Ende ging, wurde einstimmig auf eine weitere Dauer von 3 Jahren zum Schiedsmann gewählt.
Am 10.4.1895 starb das langjährige Mitglied des Gemeinderaths Herr Hubert Winkhold aus Schützheide.
Dem Gemeindeförster Andres wurde in Anbetracht seiner fürsorglichen Thätigkeit für den Wald eine Gehaltserhöhung von 100 Mark zuerkannt und genehmigt.
Die defect gewordene Mauer am Wege nach Krauthausen wurde neu aufgeführt und die Senkung in dem Wege an der betreffenden Stelle durch umfangreiche Arbeit beseitigt. Ebenso wurde die Mauer an dem Treppenaufgange zur alten Kirche und der Aufgang selbst einer gründlichen Reparatur und stellenweise Neuaufführung unterworfen; die Benutzung des Aufganges für Zuschauerplätze während der Heiligthumsfahrt ???????????????? S?????? von 81,20 Mark ein. Größere Arbeiten, namentlich Sprengungen, mußten an den Gemeindebrunnen in Breinig und Venwegen vorgenommen werden.
Diese unerwarteten, dringend nothwendigen Arbeiten haben der Gemeinde einen Kostenaufwand von ca. 1.700 Mark verursacht.
Die projektirte Wehranlage im Indebache hier konnte obschon dringend wegen der anderweitigen dringenden nothwendigen Arbeiten einstweilen noch nicht zur Ausführung gelangen. Ebenso mußte bislang der Ausbau des dritten Zufuhrweges vom Bahnhofe Breinig nach diesem Orte hinein unterbleiben; in letzter Zeit sind indessen die nothwendigen Unterhandlungen wieder in Fluß gekommen und ist es sehr zu wünschen, daß die Finanzlage der Gemeinde es bald gestatten möge mit dem Ausbau dieses direct in die Mitte des Ortes hineinführenden Weges vorgehen zu können.

X. VERSCHIEDENES

Die in meinem letzten Bericht erwähnten Arbeiten zur Auslage des Grundbuches, für welche die Gemeinde einen Kostenbetrag von 2.000 Mark disponibel gestellt hatte, sind nunmehr bereits beendigt.
Dank der schnellen und, wie ich beizufügen mich für verpflichtet halte, überaus entgegenkommenden Erledigung der Anlegearbeit seitens der Herrn Gerichtsassessor Aretz wurden die Arbeiten viel eher beendigt als anfangs angenommen wurde, so daß sich auch die Kosten für Diäten pp. auf nur 1148 Mark belaufen.
Die ebenfalls im Vorjahre bereits näher besprochene Abtrennung der Flurabtheilung Münsteraue nach Zweifall hat im verflossenen Jahre ihre Erledigung gefunden, indem bei der, durch den Herrn Regierungs-Präsidenten abgehaltenen Ortsbesichtigung die seitens der Gemeinde Zweifall vorgetragenen Gründe als nicht durchschlagend und bezeichnet wurden. Andererseits wurde aber bei dieser Gelegenheit auf den demnächst nothwendig werdenden Ausbau des Weges von Zweifall nach Breinig hingewiesen, ein Unternehmen, welches der Gemeinde bei ihrer jetzigen Finanzlage kaum aufzubringende Opfer auferlegen würde, zumal, wenn man berücksichtigt, daß noch eine große Ausgabe in sicherer Aussicht steht, indem die königliche Regierung beabsichtigt, die Maximalzahl der Kinder für jede Schulklasse von 80 auf 70 herabzusetzen; denn dadurch müßte nicht allein auf die Beschaffung von Räumlichkeiten sondern auf eine Vermehrung der Lehrstellen Bedacht genommen werden.
Wie an so manchen Orten des deutschen Vaterlands, so wurde auch hier die 25 jährige Wiederkehr des denkwürdigsten Tages der deutschen Geschichte, der 2.September festlich begangen. In dem prächtig ausgeschmückten großen Saale unserer neuen Kuranstalt fand eine überaus zahlreiche besuchte Festversammlung statt. Für die Schulkinder der beiden Bürgermeistereien Cornelimünster und Walheim war eine gemeinsame Feier veranstaltet, ungefähr 900 Kinder, geführt von ihren Lehrern zogen unter Vorantritt eines Musikkorps zu dem allbekannten Klauser Wäldchen und von dort, nachdem sie sich nach Herzenslust herumgetummelt und ihre Lieder gesungen, zu vorgenanntem Festsaal, woselbst ihnen eine Erfrischung geboten wurde. Gegen Abend zogen sie alsdann, wieder von Musik begleitet, wieder ihren Ortschaften zu. In ähnlicher Weise wurde der Gedenktag der Kaiserproclamation in Verbindung mit dem Geburtsfest Sn. Majestät des Kaisers und Königs festlich begangen.
Bürgermeisteramt Cornelimünster-Walheim
In dem verflossenen Jahre fand wieder einmal die alle 7 Jahre wiederkehrende Heiligthumsfahrt statt, die sich, wie stets eines überaus zahlreichen Besucher zu erfreuen hatte.
Nachdem am 14.Juni v. Js. eine allgemeine Gewerbezählung stattgefunden, wurde am 2.Dezember die übliche Volkszählung abgehalten über deren Resultat eingangs bereits berichtet ist.
Wenn ich in meinem letzten Bericht der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß der Prozeß Hamacher in einiger Zeit zum Austrag gebracht würde, so hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt, denn die anderweitig ernannten Sachverständigen nehmen sich anscheinend recht viel Zeit und ist es auch heute noch nicht abzusehen, wann endlich deren Gutachten vorliegen wird.
Leider müssen wiederum einige schwere Unglücksfälle berichtet werden. Am 5.Juni v. J. wurde der Steinbrecher Leonhard Houck aus Walheim in dem Steinbruch von Gebrüder Schnuch hierselbst durch einen mehreren Centner schweren Stein derartig gequetscht, daß der Tod sofort eintrat. Genau drei Monate später fanden die beiden Brüder Friedrich und Karl Richter aus Vicht beim Baden den Tod in dem Vichtbache.
In der Nacht vom 21.October v. Js. wurde die hiesige Feuerwehr alarmirt, um einen im hiesigen Orte ausgebrochenen überaus gefährlichen Brand zu löschen. Dank des energischen raschen Eingreifens konnte das Feuer wieder alles Erwarten auf seinen Herd beschränkt worden.
In Anbetracht des thatkräftigen Eingreifens der Feuerwehr wurde derselben seitens der Provinzial-Feuer-Societät ein Betrag von 150 Mark zur weiteren Ausrüstung bewilligt, von dieser Summe wurden dann die noch fehlenden Steigleitern und einige kleinere Requisiten angeschafft nachdem die Gemeinde bereits vorher einen Zubringer beschafft hatte.
Obschon die zum Schlusse meines letzten Berichtes erwähnte neue Kuranstalt noch nicht ganz fertig hergestellt war, erfreute sich dieselbe doch schon eines verhältnißmäßig regen Besuches auch von Auswärtigen. Die neuerdings in Angriff genommenen und bereits weit geförderten Anlagen werden die Anziehungskraft der so sehr schön gelegenen Anstalt sicherlich noch bedeutend heben, und wird wohl kaum jemand sein, der diesem Unternehmen im Interesse des Ortes und der ganzen Gemeinde nicht den allerbesten Erfolg wünschen würde.

Cornelimünster, im Mai 1896; der Bürgermeister, Frhr. v. Brachel



1896

Bevölkerung
1896mw
Population3643
Geburten54790 unehelich
Todesfälle25360 über 90
Trauungen20
geimpfte Kinder162
Liniendienst15 Mann
Elementarschüler10090Cornelimünster
Elementarschüler160149Breinig
Elementarschüler4247Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde97
Rindvieh981
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen33,51400
Roggen70,51300
Gerste10900
Hafer1221200
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 6612000
Preise
PREISEMPfgpro
Heu350kg
Stroh45050kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter1/td>10Kilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der am 2.Dezember 1895 vorgenommenen allgemeinen Volkszählung hatte die Gemeinde eine Wohnbevölkerung von 3602 Seelen, bei der vorletzten Zählung im Jahre 1890 betrug dieselbe 3582 Seelen, so daß in diesem Zeitraume eine Zunahme von nur 20 Seelen zu verzeichnen ist.
Die im November 1896 zum Zweck der Steuerveranlagung vorgenommenen Bevölkerungsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3643 Personen; unter diesen befinden sich 91 Seminaristen von auswärts.

STEUERVERANLAGUNG

Das Resultat der Veranlagung im hiesigen Gemeindebezirk ergibt sich aus nachstehender Tabelle.
Es wurden pro 1896/97 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
Mark6 912162631364452607080118132146160 2127502142,40frei
1895/969738221915169136911 111110
Abgabg15421 2
8234201813169136911 111110
Zugang13
Resultat8235231813169136911 111110153634748
Zu den fingirten Sätzen von Mark 4 resp. 2,40 wurden veranlagt 153 resp. 634 Censiten und freigestellt wurden 748 Personen

FINANZLAGE und UMLAGE

Am Schlusse des laufenden Etatsjahres 1896/97 beträgt die zu tilgende Schuld noch 14.784,02 Mark. und der Zinsenrest 1.802,23 Mark in Summa 16.586 M., 25 Mark. Diese Schuld würde planmäßig im Jahre 1904/05 getilgt sein. Wie bereits in dem letzten Verwaltungsberichte hervorgehoben, ist die finanzielle Lage der Gemeinde eine nicht sehr günstige, und ist eine baldige Wendung zum Bessern nicht zu erwarten, vielmehr das Gegentheil, denn der Prozeß der Gemeinde gegen Hamacher, für welchen nur die Summe von ca. 4.000 Mark disponibel ist, scheint wider alles und jedes Erwarten für die Gemeinde keinen günstigen Ausgang zu nehmen. Dazu kommt noch, daß der Prozeß trotz wiederholten Drängens, nach einer beinahe zehnjährigen Dauer, noch kein Ende hat, und die Gemeinde in Folge dessen gezwungen sein wird, dem p. Hamacher noch einmal die Hälfte der Summe als Zinsen zahlen zu müssen.
Die Umlage welche im laufenden Etatsjahr 170% der Real und160% der Einkommensteuer beträgt, wird nach dem mit der größtmöglichen Sparsamkeit aufgestellten Etatsentwurfe pro 1897/98 auf 175% der Real und 160% der Einkommensteuer festzusetzen sein.

KIRCHEN und SCHULWESEN

Am 5.1. @. starb ganz unerwartet nach kurzer Krankheit der hiesige Pfarrer Herr Miessen. Die Neubesetzung der Stelle ist einstweilen noch nicht erfolgt. Der Lehrer Schmitz von Breinig wurde am 30.6.1896 nach Werden versetzt und von seiner Stelle der Lehrer Krings ernannt. Sowohl dieser wie auch die an Stelle der Lehrerin Bergmann ernannte Lehrerin Harren waren längere Zeit krank, so daß Vertretungen eintreten mußten, welche der Gemeinde nicht unbedeutende unerwartete Ausgaben brachten.
Die Handarbeitsschule im hiesigen Orte, welche sich eines regen Besuchs erfreute, mußt leider geschlossen werden, weil der Lehrerin Greving nicht die Erlaubniß ertheilt wurde, diesen Unterricht zu ertheilen.
Die Fortbildungsschule in Breinig hat mit einer Durchschnittsfrequenz von 33 Knaben ihre seitherige Thätigkeit beständig fortgesetzt. Einer nicht unbedeutenden Mehrausgabe für das Schulwesen wird nach einer kürzlich erhaltenen Mittheilung die Gemeinde sich nicht mehr lange entziehen können, es betrifft dies die Errichtung einer fünften Schulklasse in Breinig.

MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der seitherige Armenarzt Herr Dr. Kranz welcher gleichzeitig die hiesige Kneip'sche Kuranstalt leitet, ist von 13.11. v. J. von hier nach Aachen verzogen. Obschon derselbe noch Tageweise hier eintrifft, mußte auf die Anstellung eines anderen Arztes Bedacht genommen werden, zumal der ärztliche Bezirk für einen einzigen Arzt zu ausgedehnt ist.
Die hiesige Bezirkshebamme Frau Laschet ist kürzlich gestorben, und sind für die Wiederbesetzung dieser Stelle ebenfalls die nothwendigen Schritte eingeleitet.
Im Juni v. J. mußten die Schulen für die Dauer von ca. 14 Tagen geschlossen werden, weil die Masern epidemisch auftraten. In Folge dessen wurde auch die Impfung geraume Zeit hinausgeschoben.
In veterinairpolizeilicher Hinsicht ist für den hiesigen Bezirk nichts besonders zu vermerken.
In Folge der in der Nachbargemeinde Büsbach aufgetretenen Maul- und Klauenseuche mußte der mit der Corneli-Octav verbundene große Viehmarkt ausfallen, was für die Gemeinde allerdings nicht von geringem Nachtheil war.

LANDWIRTHSCHAFT

????????????????????????????????????? Ausfall der Ernte war soweit dies festgestellt worden, eine zufriedenstellende und sind die Aussichten für das laufende Jahr auch keine ungünstigen.

HANDEL und GEWERBE

Während die Kalksteinbrüche hierselbst weniger mehr für die Lieferung von Hausteinen in Anspruch genommen wurden, hat sich der Absatz von Kalk sehr gehoben. Auch die Eisensteingewinnung auf der Breinigerheide ist eine lebhafte.
Die Klage über die Beeinträchtigung der Handelsgeschäfte durch den Hausirhandel wollen noch immer nicht verstummen.

GEMEINDEVERWALTUNG

Der bisherige I. Beigeordnete Kaldenbach aus Breinig wurde seitens des Gemeinderathes durch Beschluß vom 9.11. v. J. wieder vorgeschlagen. Die Ernennung desselben ist seither noch nicht erfolgt.
Der seither commissarisch angestellte Gemeindeempfänger Herr Weber aus Brand wurde durch Verfügung vom 19.11.1896 Nr. 14288 definitiv ernannt.
Die regelmäßigen Ergänzungs- und Etatswahlen haben am 5.12. v. J. stattgefunden und wurden die neu gewählten Gemeindeverordneten, nachdem der Gemeinderath am 21.12. v. Js. die Gültigkeit der Wahlen beschlossen hatte am 9.1. @. in ihr Amt eingeführt. Ein Gewählter, der Postverwalter Velz von hier, erhielt die Genehmigung zur Annahme des Amtes seitens seiner vorgesetzten Behörde nicht, und muß für diesen eine Neuwahl stattfinden. Dasselbe ist der Fall für den wiedergewählten Gemeindeverordneten Kloubert aus Venwegen, der erst nachträglich die Annahme abgelehnt hat.
Für die Polizeidiener und den Gemeindeförster wurde seitens des Gemeinderathes eine Gehaltsskala beschlossen, wonach erstere mit einem Gehalt von Mark 850 beginnen und bis zu dem Maximalgehalt von Mark 1.100 steigen sollen. Diese Grenzen sollen für den Förster zwischen den Zahlen Mark 900 und 1.300 Mark liegen. Die Steigungen sollen alle 5 Jahre mit je Mark 50 erfolgen. Für erstere Regulirung ist die Genehmigung seitens des Kreis Ausschusses am 28.10.1896 (W.K. 4954) erfolgt, für letztere steht dieselbe noch aus.

BAUTEN

In dem abgelaufenen Jahre mußten einige recht kostspielige Bauten ausgeführt werden, nämlich die Tieferlegung des Brunnens im oberen Theile des Ortes Venwegen, sowie umfangreiche Reparaturarbeiten an dem Forsthause in Venwegen. Die beschlossene Bedachung des Gemeindehauses auf St. Gangolf konnte wegen der ungünstigen Witterung im verflossenen Kalenderjahre nicht ausgeführt werden, mußte vielmehr auf das Frühjahr hinausgeschoben werden.
In dieser Zeit soll auch die Neuausführung der Seminarmauer am Wege nach Krauthausen stattfinden, zu welcher die Gemeinde ein Zuschuß von 1200 Mark bewilligt hat, indem diese Mauer gleichzeitig als Schutzmauer des genannten Weges dienen soll. Durch die Ausführung dieser Arbeit wird einem bereits seit einer langen Reihe von Jahren empfundenen Bedürfniß, der Erbreitung des dortigen Verkehrsweges, abgeholfen werden.
Dem Ausbau des dritten Zufuhrweges vom Bahnhof Breinig nach diesem Orte konnte diesseits nicht näher getreten werden, weil die vom Gemeinderathe gewünschte Einigung der Einwohner Breinigs über die Richtung derselben bis heran noch nicht herbeigeführt ist.

VERSCHIEDENES

Die Gemeinde hat beschlossen mit der Unfallversicherung Wilhelma in Magdeburg einen Vertrag auf vorläufig 5 Jahre abzuschließen, wonach letztere für alle Unfälle, welche sich im Gemeindebezirk ereignen und für welche die Gemeinde regreßpflichtig gemacht werden könnte aufzukommen hat.
In den Tagen vom 20. und 21.Juli v. J. war im hiesigen Orte eine Batterie einquartirt und hat der Gemeinderath den sonst bewilligten Zuschuß auch für diesen Fall eintreten lassen.
Der Gemeinderath hat die Anschaffung eines größeren feuerfesten Geldschrankes beschlossen, indem der seitherige für die Unterbringung der werthvollen alten Steuerregister und der sonstigen für die Gemeinde werthvollen Dokumente zu klein geworden war.
Einige Unglücksfälle sind zu verzeichnen.
Ein Einwohner von Vicht, welcher zur Arbeit gehen wollte wurde in der Nähe des genannten Orts auf diesseitigem Gebiet todt auf der Chaussee aufgefunden.
Ein hiesiger Einwohner, der Rottenarbeiter Braun aus Breinig wurde in Stolberg von einem Eisenbahnzuge überfahren und getödtet.
Am Abend des 10.3. v. J. entstand in den von vielen Leuten bewohnten Gebäulichkeiten des Wirthen Egidius Nellen hierselbst Feuer, welches rasch um sich griff. Dank dem energischen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr konnte das Feuer auf die Stallungen beschränkt werden.
Am 22. @. entstand gegen Abend in Folge des plötzlich eingetretenen Tau- und Regenwetters eine große Ueberschwemmung im hiesigen Orte, so zwar, daß das Wasser auf dem hiesigen Marktplatze fast 1 Meter hoch stand. In der Nacht fiel das Wasser wieder und sind Unglücksfälle nicht vorgekommen.

Cornelimünster, den 25.Februar 1897; der Bürgermeister, Frhr. v. Brachel



1897

Bevölkerung
1897/98mw
Population3681
Geburten70622 unehelich
Todesfälle34270 über 90
Trauungen20
geimpfte Kinder
Liniendienst
ElementarschülerCornelimünster
ElementarschülerBreinig
ElementarschülerVenwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde97
Rindvieh981
Schafe4
Ziegen235
Schweine393
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen33,51200
Roggen70,51200
Gerste10900
Hafer1221200
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 6612000
Preise
PREISEMPfgpro
Heu35050kg
Stroh350kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter240Kilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Nach der letzten allgemeinen Volkszählung von 1895 hat die Gemeinde eine Wohn-Bevölkerung von 3602 Seelen. Die für die Steuer Veranlagung für 1898/99 im November 1897 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3681 Personen.

II. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden für 1897/98 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
Mark69 121621263136445260708092104118132 146160212160042,40frei
Personen8838272181515915821 2211111164665755

III. FINANZ- und UMLAGE

Die finanzielle Lage der Gemeinde ist nicht günstig.
Der Prozeß gegen Hamacher ist nach zehnjähriger Dauer endlich zu Ende geführt worden und hat die Gemeinde zur Zahlung der auf 10.990 Mark festgesetzten Entschädigungssumme, zur Tilgung der Zinsen und der entstandenen Prozeßkosten bei der Kreisspar- und Darlehenskasse zu Burtscheid 19.000 Mark Anleihe machen müssen.
Die Umlage 1897/98 160% der Einkommensteuer mit der fingirten Sätze 175% der Real- und 100% der Betriebssteuer, gemäß dem Etatsentwurfe betragen.

IV. KIRCHEN und SCHULWESEN

An Stelle des im Januar 1897 verstorbenen Herrn
????????????????????????????????????????????
Pfarrers Miessen, wurde Herr Pfarrer Unkel aus Roitzheim Kreis Rheinbach zum Pfarrer von Cornelimünster ernannt.
Im April 1897 schied die Lehrerin Greving aus dem Schuldienste aus, im September die Lehrerin Schaefer, an deren Stelle traten die Lehrerinnen Steinhauer und Hugo aus Aachen.
Der langjährige Lehrer von Venwegen Herr Klein trat mit dem 1.Mai 1897 in den Ruhestand. An seine Stelle trat Herr Lehrer Schmitz aus Werden vordem in Breinig thätig.
Die Fortbildungsschule in Breinig hat ihre Thätigkeit von früher fortgesetzt.

V. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der pract. Arzt und Armenarzt Herr Dr. med. Schlenke mußte aus Gesundheits-Rücksichten seine Thätigkeit hier aufgeben. Leider ist er trotz den größten Bemühungen bis jetzt nicht gelungen, einen neuen zweiten Arzt für hier zu gewinnen. Infolgedessen mußte die Anstellung des pract. Arztes Herrn Meessen als Armenarzt erfolgen.
Im übrigen ließ der Gesundheitszustand unter den Gemeinde Eingesessenen insofern zu wünschen übrig, als im Orte Breinig im April 1897 in mehreren Familien Dyphteritis ausbrach. Zwei größere Kinder fielen derselben zum Opfer. Im Monate Februar v. Js. brach im hiesigen Orte die Maul- und Klauenseuche aus. Glücklicherweise wurde nur ein Gehöft betroffen und sind Viehverluste nicht zu verzeichnen.

VI. LANDWIRTHSCHAFT

Der Ausfall der Ernte war nach den stattgehabten Ermittlungen ein zufriedenstellender.

VII. HANDEL und GEWERBE

Der Betrieb der Kalk und Steinbrüche ist noch immer ein reger. Die Eisenstein Gewinnung auf der Breinigerheide ist ebenfalls eine lebhafte.
Am Bahnhofe in Breinig ist seitens des Herrn Peter Krings aus Zweifall ein Dampfsägewerk erbaut worden, welches flotten Betrieb hat. Aber die Beeinträchtigung des Handelsgeschäfte durch den Hausirhandel wird auch heute noch immer Klage geführt.

VIII GEMEINDE VERWALTUNG

Am 5.Januar 1898 starb zu Jülich der langjährige Bürgermeister Herr Freiherr von Brachel. Bereits seit April 1897 hatte er wegen eines Leidens die Führung der Verwaltungsgeschäfte einstellen müssen.
Der bisherige 1. Beigeordnete Herr Kaldenbach aus Breinig ist als solcher für eine weitere Amtsperiode seitens der früheren Behörde ernannt worden.

IX. BAUTEN

Im verflossenen Jahre wurde die beschlossene Bedachung des Gemeindehauses auf St. Gangolf ausgeführt. In Venwegen wurden die Strassenrinnen neu gepflastert.
Die Brücke bei Mulartshütte mußte einer gründlichen Reparatur unterworfen worden, die Kosten trug die Gemeinde Zweifall zur Hälfte mit.

X. VERSCHIEDENES

Auf Grund Beschlusses des Gemeinderathes ist die Versicherung des Gemeinderaths gegen Feuergefahr mit der Gladbacher Feuer Versicherungs Gesellschaft abgeschlossen worden.
Ein Einwohner aus Vicht verunglückte am Abend des 1.Mai 1897 durch Absturz an der Vichtbachbrücke am Eingang des Ortes Vicht, diesseitigen Gemeindebezirkes.
An Bränden sind zu verzeichnen:
1. den 27. 3. 1897 bei Siemons hier
2. den 29. 6. 1897 bei Giesen auf Frohnhof
3. den 9.Juli 1897 bei Birken und Hunger in Venwegen

Cornelimünster, den 8.Mai 1898; der Bürgermeister, Esser



Band–4 1899-1922


Original Chroniken aus der Zeit
[1959] Nachträge von Johann Röntgen
[2019] Abschrift durch Förderkreis Abteigarten (im Bezirksamt Kornelimünster/Walheim)
[2021] Jetzt im Stadtarchiv Aachen, StAAc GEM 15-4

Chronik

C h r o n i k

der
Bürgermeisterei Cornelimünster, im Kreise Aachen,
CHRONIK
Bürgermeisterei Cornelimünster im Kreise Aachen Land, Regierungsbezirk Aachen
Gegenwärtiges Chroniken Buch enthält einhundert Blätter, wovon das erste und letzte Blatt von dem Unterzeichneten paraphirt ist.

Cornelimünster, den 11. ten Februar 1899; der Bürgermeister, Esser



1898

Bevölkerung
1898mw
Population3602
Geburten70621 unehelich
Todesfälle36310 über 90
Trauungen38
geimpfte Kinder201
Liniendienst
Elementarschüler104101Cornelimünster
Elementarschüler170174Breinig
Elementarschüler4759Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde106
Rindvieh1143
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen32,51300
Roggen70,51200
Gerste101000
Hafer1221250
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 6611000
Preise
PREISEMPfgpro
Heu350kg
Stroh25050kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter220Kilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Nach der letzten allgemeinen Volkszählung von 1.Dezember 1895 hatte die Gemeinde eine Wohn-Bevölkerung von 3602 Seelen. Die für die Steuer Veranlagung für das Jahr 1899 im November 1898 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3747 Personen gegen 3681 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 66 Seelen zugenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Vorjahre waren ebenfalls 132 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar auch 70 männliche, und 62 weibliche. Es kamen 2 männliche und 3 weibliche Todtgeburten vor, gegen 4 in 1897.
Es starben 36 männliche, 31 weibliche , 67 Personen ; gegen 34 bezw. 27 = 61 Personen in 1897
Standesamtliche Heirathen erfolgten 38 gegen 20 in Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden für 1898/99 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
Mark69 121621263136445260708092104118132 1461602121600232042,40frei
Personen814229191010151115791 221170682697

IV. FINANZEN

In der finanziellen Lage der Gemeinde ist eine wesentliche Aenderung nicht eingetreten.
Die Umlage betrug pro 1898/99 = 140% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze 155% der Real- und 100% der Betriebssteuer. Für das Steuerjahr 1899 sind nach dem Etatsentwurfe zur Erhebung in Vorschlag gebracht. 135% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze 155% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

An die Stelle des Vicars Johann Ferdinand Breuer zu Breinig, welcher am 22.Dezember 1897 nach Malmedy versetzt worden, trat der Vicar Adolf Lennartz am 26.Februar 1898, von Brauweiler, Kreis Bergheim kommend, ein. Unter den Lehrpersonen hat ein Wechsel nicht stattgefunden. Die Fortbildungsschule in Breinig hat den Unterricht wie bisher weiter geführt. Dieselbe wurden von 24 Schülern besucht.

VI. MEDICINAL und VETERINÄR WESEN

Der Gesundheitszustand der Menschen war im Allgemeinen gut. Nur im Mai und Juni herrschte unter den Kindern mehrerer Familien in Breinig und Breinigerberg Scharlach-Diphterirtis. Die Krankheit verlief aber sehr gutartig und sind derselben keine Menschenleben zum Opfer gefallen.
Am 18.September brach in Breinig unter dem Rindvieh die Maul- und Klauenseuche aus, welche sich nach und nach über alle Ortschaften der Gemeinde verbreitete und die Viehbestände von 106 Gehöften ergriff. Die Krankheit trat in den meisten Fällen gelinde auf, sodaß nur wenig Verluste an Vieh entstanden sind. Am 17.Dezember war die Krankheit ganz erloschen und konnten die letzten Schutzmaßregeln in der Gemeinde aufgegeben werden.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Der Ausfall der Ernte kann als zufriedenstellend bezeichnet werden.
Der Stand der Wintersaaten ist gut.

VIII HANDEL und GEWERBE

In dem Betriebe der Steinbrüche und Kalkbrennereien trat eine bemerkenswerthe Änderung nicht ein.
Dagegen hat die Eisenstein Gewinnung auf der Breinigerheide nachgelassen.
Jacob Krings aus Zweifall errichtete in Münster eine Lohnschneiderei mit Dampfdruck, welche volle Beschäftigung hatte.
An der Bleihütte wurden seitens der Firma J. van Gülpen aus Aachen ca 25 Webstühle aufgestellt, der Betrieb daselbst ist jedoch noch nicht eröffnet.

IX GEMEINDE VERWALTUNG

Durch Oberpräsidialerlaß vom 11.März 1898 wurde die einstweilige Verwaltung der Bürgermeisterei dem Buchhalter der Rheinischen Provincial-Feuer Societät, Theodor Esser zu Düsseldorf übertragen. Die Einführung erfolgte am 6.April.
Unter'm 17. October 1898 ernannte der Herr Oberpräsident denselben definitiv zum Bürgermeister der Landbürgermeisterei Cornelimünster.

X. BAUTEN

Die Gemeinde hat den Ausbau des Weges von Breinig nach Zweifall betroffen; die Projectstücke liegen der Provinzial Verwaltung mit dem Antrage auf Bewilligung eines Kostenbetrages vor.
In Breinig wird ein neues Schulgebäude mit Lehrerwohnung errichtet, in welchem die 5 Schulklasse Aufnahme finden soll; ferner hat die königliche Regierung die Einrichtung einer 2. Schulklasse in Venwegen gefordert. Diese wird in dem alten Schulgebäude nach entsprechendem Umbau desselben untergebracht werden.
Die Verhandlungen mit der Verwaltung des königlichen Lehrerseminars bezüglich der Geradelegung der Grenze zwischen dem Seminargrundstück und dem Wege nach Stolberg sind zu Ende geführt und wurde die Grenzmauer errichtet. Die Gemeinde hat einen Beitrag von 1200 Mark gezahlt.
Am königlichen Lehrerseminar sind die Stallgebäude, die Turnhalle und die Aborte abgebrochen und durch Neubauten ersetzt worden.

XI. VERSCHIEDENES

Am 16.Juni fand die Reichstagswahl statt und am 27.October wurden die Wahlen zum Hause der Abgeordneten abgehalten.
Im Monat September waren alle Ortschaften der Gemeinde mit Truppen belegt.
Am 12.October wurde durch einen militärischen Kommissar die Pferde der Gemeinde gemustert.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Der Tagelöhner Heinrich Ziemons aus Freund verstarb am 27 September im Arrestlokale, wohin er wegen Trunkenheit und Ruhestörung gebracht worden war.
Bei der gerichtlichen Obduktion wurde Schädelbruch als Todesursache festgestellt.
Das Fuhrwerk des Müllers Stickelmann zu Kleinmühlchen überfuhr und tödtete am 19.November das zweijährige Kind Cornelius Steinbach am Kapellchen hierselbst.
Am 2.August brach in Schützheide Feuer aus, welches die Gebäude von Eischet und Lützler einäscherte. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt

Cornelimünster, den 11.Februar 1899; der Bürgermeister, Esser



1899

Bevölkerung
1899mw
Population3713
Geburten79742 unehelich
Todesfälle46400 über 90
Trauungen19
geimpfte Kinder193
Liniendienst34 Mann
Elementarschüler590
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde105
Rindvieh1099
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Nach der letzten allgemeinen Völkszählung vom 1.Dezember 1895 hatte die Gemeinde eine Wohn-Bevölkerung von 3602 Seelen. Eine für die Steuerveranlagung für das Jahr 1900 im November 1899 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3713 gegen 3747 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 34 Seelen abgenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahr 1899 wurden lebend geboren: 79 männliche, 74 weibliche, in Summe 153 Personen
Im Vorjahre waren 132 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 70 männliche und 62 weibliche.
Es kamen 4 männliche und 4 weibliche Todtgeburten vor gegen 5 in 1898.
Es starben 46 männliche, 40 weibliche, 86 Personen gegen 36 bezw. 31-67 Personen in 1898
Standesamtliche Heirathen erfolgten 19 gegen 33 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden für 1899 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
Mark69 121621263136445260708092104118132 14616021216002320240042,40frei
Personen743542101491411141033 211221219719406

IV. FINANZEN

Die finanzielle Lage der Gemeinde ist nicht verändert. Die Gemeinde hat zur Deckung der Schulhausbaukosten ein Kapital von 20.000Mk aufgenommen.
Die Umlage betrug pro 1899 - 135% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze 155% der Real- und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1900 sind nach dem Etatsentwurfe zur Hebung in Vorschlag ebenfalls gebracht: 135% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze,155% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der Director des königlichen Lehrerseminars, Löser zu Cornelimünster, ist als Kreisschulinspector nach Dirschau (Preußen) versetzt worden. An seine Stelle trat der Seminardirector Dr. Schmitz bisher in Linnich.
Die neue Schule in Breinig ist im Rohbau fertig und die Projektstücke über die Errichtung einer II. Schulklasse in Venwegen liegen dem Kreisbaumeister zwecks Anfertigung der Unterlagen für die Verdinggabe vor.
Der Pfarrer Magon zu Breinig ist am 5.Januar verstorben.
Unter den Lehrpersonen hat ein Wechsel nicht stattgefunden.
In der Fortbildungsschule in Breinig wurde der Unterricht unverändert weitergeführt. Es besuchten 17 Schüler den Unterricht.

VI. MEDICINAL und VETERINÄR WESEN

Der Gesundheitszustand den Menschen war im Allgemeinen ein befriedigender. Herrschende Krankheiten waren nicht zu verzeichnen.
Nur im Monat September waren in den Mädchenklassen hierselbst die Masern ausgebrochen. Die Krankheit verlief sehr gut und sind derselben Menschenleben nicht zum Opfer gefallen.
Am 22.Juli bezw. 16.August wurden bei den Schweinen des Ackerers Franz Esser hierselbst sowie des Nicolaus Eckens von Venwegen die Rothlaufseuche festgestellt. 2 Schweine sind an der Seuche verendet.
Bei dem am 30.Mai 1899 stattgefundenen Viehmarkte waren 24 Stück Rindvieh und 19 Ferkel und bei dem am 25.September abgehaltenen Herbstviehmarkt 1 Pferd, 1 Fohlen, 1 Ochse, 1 Stier, 143 Stück Rindvieh, 1 Widder, 92 Faselschweine und 40 Gänse aufgetrieben.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Der Ausfall der Ernte war gut. Der Stand der Wintersaaten ist jedoch mittelmäßig. Die strenge Kälte im Monat Dezember hat auf die Saaten einen ungünstigen Einfluß nicht ausgeübt. Durch ein am Abend des 6.August stattgehabtes Hagelwetter sind im Orte Breinig 70 ha Acker und Gartenland beschädigt worden. Der Schaden beträgt ca. 4.500 Mark.
Wie in anderen Jahren, waren auch im verflossenen Jahr unter dem Rindviehbestande einige Milz- und Rauschbrandfälle zu verzeichnen.

VIII HANDEL und GEWERBE

In Breinig wurde von der Firma Siepen & Berretz ein neuer Kalkofen errichtet.
Im abgelaufenen Jahre war in den Steinbrüchen, Kalkbrennereien und Brauereien volle Beschäftigung.
Die Fabrik der Herren J. u. A. Bischoff, Söhne zu Cornelimünster hat noch immer keinen Käufer gefunden.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

Der bisherige II. Beigeordnete Quadflieg wurde durch Oberpräsidialerlaß 11.4.1899 No. 7837 auf eine weitere sechsjährige Amtsdauer zum Beigeordneten ernannt.
Dem Bäckermeister Josef Lausberg wurde auf einen neuen Zeitraum von 3 Jahren das Amt des Schiedsmannes der Gemeinde Cornelimünster übertragen.
Am 27.November fand die regelmäßige Ergänzungswahl des Gemeinderathes statt.

X. BAUTEN

Zu den Kosten des Weges Breinig-Zweifall sind als I. Rate der Beihülfe 5.000 Mk. seitens des Provinzialausschusses bewilligt worden.

XI. VERSCHIEDENES

Seine Majestät der König haben mittels Allerhöchster Kabinetsorden vom 18.Dezember 1899, dem Bleischmelzer Peter Klein zu Breinigerheide, welcher über 50 Jahre bei der Gesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinnfabrikation zu Stolberg und in Westfalen in Arbeit war, das allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
Am 25.Mai v. Js. fand in Cornelimünster das Bezirksfest des 21. Bezirks (Aachen) des deutschen Kriegerbundes statt, an welchem 44 Vereine des Bezirks theil nahmen. Das Fest ist auf‘s glänzendste verlaufen.
In der Nacht vom 2. zum 3.Dezember entgleiste im Bahnhofe Breinig ein Güterzug. Menschen sind hierbei nicht zu Schaden gekommen, nur ist bedeutender Materialschaden entstanden.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Am Abende des 2.Dezember wurde an dem Hause des Heinrich Ganser zu Schützheide eine auf eine äußere Fensterbank gelegte Dynamitpatrone zur Explosion gebracht, wodurch mehrere Fenster zerstört wurden. Der Thäter war bis jetzt nicht zu ermitteln.
Der Tagelöhner Friedrich Kreitz aus Cornelimünster zündete in der Nacht vom 31.Dezember v. Js. zum 1.Januar 1900 dss. Js. ein Stück Pumpenrohr welches mit Pulver und Schrott gefüllt war an, wodurch an dem Hause der Wittwe Ostlender 43 und an dem Hause von Josef Lausberg 10 Fensterscheiben zertümmert wurden. Der Thäter wurde sofort verhaftet und dem kgl. Amtsgerichte in Aachen vorgeführt. Er wurde unterm 18.Januare vorläufig wieder entlassen.
Am 3.März fand bei Tillmann Blees zu Schützheide ein Zimmerbrand statt, wodurch Kleidungsstücke im Werthe von 210 Mk. vernichtet wurden.
Bei dem Schreiner Wilhelm Plum hierselbst entstand am 24.März auf dem Speicher Feuer. Der Schaden betrug 50 Mk.
Am 13.September ist das Haus nebst Stallung, Scheune des Peter Keim zu Venwegen niedergebrannt.
In allen 3 Fällen konnte über die Entstehung des Feuers nicht ermittelt werden.

Cornelimünster, den 28.April 1900; der Bürgermeister, Esser



1900

Bevölkerung
1900mw
Population3669
Geburten66682 unehelich
Todesfälle34320 über 90
Trauungen27
geimpfte Kinder
Liniendienst
ElementarschülerCornelimünster
ElementarschülerBreinig
ElementarschülerVenwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde104
Rindvieh1291
Schaafe11
Ziegen186
Schweine481
Federvieh3989
Bienenstöcke73
Obstbäume6138
Viehhalter440
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1900 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 3701 Seelen. Die für die Steuer Veranlagung für das Jahr 1901 im November 1900 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3669 gegen 3713 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 44 abgenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahr 1900 wurden lebend geboren: 66 männliche, 68 weibliche, in Summe 134 Personen.
Im Vorjahre waren 146 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 72 männliche und 74 weibliche.
Es kamen 6 männliche und 2 weibliche Todtgeburten vor gegen 8 im Vorjahre.
Es starben: 34 männliche, 32 weibliche, 66 Personen gegen 46 männliche bezw. 40 weibliche, 86 Personen in 1899.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 27 gegen 19 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1900 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
Mark69 121621263136445260708092104118132 146160176212390240042,40frei
Personen704436151312151114723 42212111234740416

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1900 135% der Einkommensteuer und fingirten Sätze 155% der Real- und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1901 sind nach dem Etatsentwurfe ebenfalls 135% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze 155% der Real- und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Als Pfarrer in Breinig wurde der Pfarrer Heinrich Josef Höfges aus Eckenhagen am 29.April eingeführt. Demselben ist durch Verfügung der königlichen Regierung zu Aachen vom 2.Mai v. Js. die Ortsschulaufsicht in Breinig übertragen worden. Der Pfarrer Krefelds von Venwegen ist am 30.März 1900 verstorben. An dessen Stelle ist der Rector Johann Hubert Schyns aus Bergerhof Kreis Waldbavel getreten. Die Ortsschulaufsicht ist während dieser Vakanz führte der Ortsvorsteher Kloubert aus Venwegen.
An Stelle des nach Alfter im Kreise Bonn versetzten Pfarrers Unkel zu Cornelimünster ist der Pfarrer Dr. theol. Kleinermanns aus Hallschlag ernannt. Demselben wurde auch die Ortsschulaufsicht über die Mädchenschulen in Cornelimünster übertragen.
In der neuen Schulklasse in Breinig bezw. in der neu errichteten Schulklasse Venwegen wird der Unterricht seit Ostern bezw. seit Herbst ertheilt.
In Breinig ist der Lehrer Kopp und in Venwegen die Lehrerin Pützer angestellt worden.
Der Fortbildungsschulunterricht in Breinig wurde unverändert weitergeführt. Es besuchten 30 Schüler den Unterricht gegen 17 in 1899.

VI. MEDICINAL und VETERINÄR WESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war im allgemeinen gut. Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht.
Im abgelaufenen Jahre ist mir ein Rauschbrandfall unter dem Rindviehbestande der Gemeinde vorgekommen. Bei dem am 12.Juni 1900 abgehaltenen Viehmarkte waren 26 Kühe, 2 Stiere und 6 Gänse, bei dem am 24.September 1900 stattgefundenen Herbstviehmarkte 77 Kühe, 4 Stiere, 26 Rinder und Kälber, 184 Schweine, 3 Ziegen, 2 Pferde aufgetrieben.
Der praktische Arzt Meessen zu Cornelimünster ist am 24.Dezember 1900 gestorben.
Mitte Dezember v. Js. ließ der practische Arzt Dr. Schillinger, bisher in Oberwesel thätig, sich hier nieder.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Der Ausfall der Ernte war mittelmäßig.
Infolge der nassen Witterung zeigten die Kartoffeln auf sehr vielen Stellen Fäulniß. Der Stand der Wintersaaten ist als ein zufriedenstellender anzusehen, die Viehpreise waren durchweg hoch.
Von Viehseuchen sind wir verschont geblieben.
Am 9. und 10.September 1900 veranstaltete die Lokalabtheilung Aachen Land des landwirthschaftlichen Vereins für Rheinpreußen in Cornelimünster eine landwirthschaftliche Wanderausstellung. Mit der Leitung derselben war das landwirthschaftliche Casino Cornelimünster beauftragt.
Am 1.Dezember fand eine Vieh- und Obstbaumzählung statt. Das Resultat war folgendes. Von 544 Gehöften sind 422 mit Viehbestand. 440 Viehbesitzende Haushaltungen haben 104 Pferde, 1191 Stück Rindvieh, 11 Schafe, 481 Schweine, 186 Ziegen, 3989 Stück Federvieh, 79 Bienenstöcke, außerdem sind 6138 Obstbäume vorhanden.

VIII. HANDEL und GEWERBE

Der Betrieb in den Steinbrüchen, Kalköfen und Brauereien erfolgte ohne Veränderung. In der mechanischen Weberei von J. van Gülpen sind nur noch wenige Arbeiter beschäftigt. Die Fabrik der Firmen J + A Bischoff Söhne hat noch immer keinen Käufer gefunden.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

Der Unterzeichnete war in der Zeit vom 16.Mai bis 12.Juli 1900 zu einer militärischen Übung beim Inftr. Regiment No. 40 in Aachen einberufen. Während dieser Zeit führte der I. Beigeordnete Kaldenbach die Verwaltung.

X. BAUTEN

Der Anbau an die Bürgermeisterwohnung ist im Rohbau fertig.
Die Gemeinde hat beschlossen, in Cornelimünster ein Gaswerk zu errichten. Die Ausführung des Projectes ist der Firma Carl Franck in Bremen übertragen worden. Von dem Anlegekapital hat die Gemeinde 3/4 mit ca. 120.000 Mk. aufzubringen, den Rest übernimmt die Firma Francke. Voraussichtlich wird im Frühjahr mit den Arbeiten begonnen.

XI. VERSCHIEDENES

Seine Majestät der König haben mittels Allerhöchsten Erlasses vom 31.Dezember 1900 dem Fußgendarmen Uhlich zu Cornelimünster das allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
Am 29.Januar 1900 fand bei dem Wirthen Josef Esser zu Cornelimünster ein kleiner Zimmerbrand statt. Der Schaden betrug 1250 Mk.
In einem Schuppen der Actiengesellschaft für Bergbau Zink und Bleifabrikation zu Münsterau entstand am 6.Februar Feuer, welches einen Schaden von 805,88 Mk verursachte.
Am 11.März wurden im Gemeindewalde ca. 7 ar 18 jähriges Schlagholz durch Feuer beschädigt. Dagegen brach am 22.Mai Nachmittags 1 Uhr im nämlichen Walde Feuer aus, welches noch einen Theil des Waldes des Grafen Beissel von Gymnich mit erfaßte. Der Schaden betrug 733 Mk. und wurde von der Gladbacher Feuerversicherungs Gesellschaft gedeckt. Das Feuer ist durch Unvorsichtigkeit des im Gemeindewalde beschäftigten Arbeiters Johann Lauterbach aus Roetgen entstanden.
Am 22.Juli 1900 hat bei dem Arnold Keischgens in Venwegen ein Zimmerbrand stattgefunden. Der Schaden belief sich auf 9,50 Mk.
In den Gebäulichkeiten der Wittwe Egidius Nicolai zu Cornelimünster entstand am 22.October 1900 ein Kaminbrand. Der Schaden beträgt 15 Mk.
Bei dem Cornel Deserno zu Cornelimünster entstand am 5.November ebenfalls ein Zimmerbrand, welcher ein Schaden von 7,70 Mk. verursachte.
Am 14.November 1900 brach in den Räumlichkeiten des königl. Lehrerseminars hierselbst Feuer aus, welches jedoch nur geringen Schaden verursachte.
In einem Schuppen der Witwe Theodor Bock zu Cornelimünster entzündeten sich am 21.Januar auf eine bis jetzt unaufgeklärte Weise Pferdegeschirre. Der vergütete Schaden beträgt 180 Mk.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Nichts zu berichten.

Cornelimünster, den 1.Februar 1901; der Bürgermeister, Esser



1901

Bevölkerung
1901mw
Population3766
Geburten75661 unehelich
Todesfälle41412 über 90
Trauungen29
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1900 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 3701 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1902 im November 1901 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3776 gegen 3669 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 107 zugenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1901 wurden lebend geboren: 75 männliche, 66 weibliche, in Summe 141 Personen.
Im Vorjahre waren 134 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 66 männliche und 68 weibliche.
Es kamen 2 männliche und 3 weibliche Todtgeburten vor, gegen 8 im Vorjahre.
Es starben 41 männliche, 41 weibliche, gesamt 82 Personen gegen 34 männliche und 32 weibliche = 66 Personen in 1900
Standesamtliche Heirathen erfolgten 29 gegen 27 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1901 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
Mark69 121621263136445260708092104118132 146160170213390224042,40frei
Personen754531231213151214423 31133111216686399

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1901 135% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze.
Für das Rechnungsjahr 1902 sind nach dem Etatsentwurfe 140% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze 160% der Real- und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Unter den Geistlichen und Lehrpersonen hat ein Wechsel nicht stattgefunden. In Breinig wird eine 6. Schulklasse mit Lehrerwohnung durch Neubau an die vor 2 Jahren gebaute neue Schule errichtet.
Die Fortbildungsschule in Breinig hat den Unterricht wie bisher weiter geführt. Dieselbe wurde von 30 Schülern besucht.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Unter den Kindern der Ortschaft Breinig brach im Herbst die Diphtheritis in großem Umfange aus, weßhalb die Schließung der gemischten Unterklasse daselbst, in welcher die Krankheit am meisten herrschte, durch den Herrn Landrath für die Zeit vom 17.Dezember bis zu den Weihnachtsferien angeordnet wurde.
Auch waren mehrere Fälle von Wochenbettfieber und Unterleibstyphus zu verzeichnen. Es starben 4 Kinder an Diphteritis und 2 Frauen an Wochenbettfieber.
Der Apotheker Alois Bongartz hierselbst ist am 1.October 1901 nach Elberfeld verzogen.
An seine Stelle hat der von Bonn zugezogene Apotheker Carl Gerhard die Apotheke im hiesigen Orte übernommen.
Am 26.April 1901 brach unter dem Rindvieh des Ackerers Leonard Koenigs zu Hönningerhof die Maul- und Klauenseuche aus. Die Seuche blieb auf das Gehöft beschränkt und wurde am 28.Mai sämmtliche Schutzmaßregeln aufgehoben.
Am 23.Juli brach die Maul- und Klauenseuche aufs neue aus und zwar unter dem Rindvieh des Wirthen Lambert Ostlender hierselbst; dieselbe verbreitete sich nach und nach über alle Ortschaften und ergriff die Viehbestände von 22 Gehöften.
In den Monaten Juni, Juli und August herrschte in mehreren Gehöften der hiesigen Gemeinde die Geflügelcholera.
Im abgelaufenen Jahre sind 3 Fälle von Rauschbrandseuche und 2 Fälle von Rothlaufseuche vorgekommen.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Infolge der im Sommer herrschenden großen Trockenheit ist das Wachsthum des Grases, sowie der Feld- und Gartenproducte sehr beeinträchtigt worden, so daß der Ausfall der Ernte als ein nicht zufriedenstellender bezeichnet werden muß, jedoch ist die Kartofffelernte sehr günstig gewesen. Der Stand der Wintersaaten ist gut.

VIII HANDEL und GEWERBE

Der Betrieb in den Steinbrüchen, Kalköfen und Brauereien erfolgte ohne nennenswerte Veränderung.
Der Kalkbrennereibesitzer Wilhelm Hoven hat im vorigen Jahre 2 und der Kaufmann Adam Thelen zu Eilendorf 3 neue Kalköfen im hiesigen Ort errichtet.
In der mechanischen Weberei von J. van Gülpen sind nur noch wenige Arbeiter beschäftigt.
Die Eisenstein Gewinnung auf Breinigerheide läßt immer mehr nach, dagegen hat das Dampfsägewerk der Gebrüder Krings zu Breinig und die Dampflohnschneiderei von Jacob Krings zu Münsterau noch immer lohnende Beschäftigung.
Zu dem am 4.Juni abgehaltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 1 Pferd, 8 Kühe und 2 Rinder. Der Herbstviehmarkt fand wegen der herrschenden Maul und Klauenseuche nicht statt.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

Der Dorfvorsteher Kloubert zu Venwegen ist am 18.Dezember 1901 gestorben. An seine Stelle wurde der Holzhändler und Ackerer Caspar Pingen zu Venwegen gewählt. Diese Wahl wurde durch Verfügung des Herrn Landrath vom 5.Februar a. K. Ps. 583 bestätigt.
Am 12.August erfolgte die Verlegung des Bürgermeisteramtes vom Schulhause am Markt in die Wohnung des Bürgermeisters auf dem St. Gangolphsberge

X. BAUTEN

Der Neubau an die Bürgermeisterwohnung ist fertig gestellt. Der Lehmkaulerweg in Breinig ist vollendet.
Im zweiten Theile des neuen Weges Breinig-Zweifall ist die Packlage zur Hälfte fertig.
Am 7.Juni 1901 beschloß der Gemeinderath die Errichtung eines Gaswerks für die Ortschaften Cornelimünster und Breinig und wurde die Ausführung der Anlage der Firma Carl Francke in Bremen übertragen. Am 6.November fand die Eröffnung des Betriebes statt. Zur Deckung der Kosten wurden bei der Spar und Darlehenskasse des Landkreises Aachen eine Anleihe von 120.000 Mk. aufgenommen.

XI. VERSCHIEDENES

Am 20.März 1901 starb in Breinig eine Wittwe (Mathias Ganser Gertrud Fahrbüchel) im Alter von 102 Jahren. Infolge des schlechten Geschäftsganges hat die Gemeinde seit Anfang Januar Nothstandsarbeiter beschäftigen müssen, mehrere erhielten in einem Gemeindesteinbruche, andere in einer Sandgrube der Gemeinde und auf den Wegen Arbeit.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 22.Juli 1901 entstand in den Gebäulichkeiten des Franz Redder zu Breinigerheide Feuer, wodurch das Dach des Hauses zerstört wurde.
In dem Hause des Wirthen Cornel Hoube zu Breinig schlug am 11.August der Blitz ein, ohne zu zünden. Der entstandene Schaden betrug 51 Mark.
Am 25.November entstand in dem von dem Bäckermeister Martin Bong zu Breinigerheide bewohnten Hause Feuer. An dem Hause wurde nur geringer Schaden verursacht, jedoch sind die Mobilien im ersten Stockwerk fast alle verbrannt.
Auch sind im Jahre 1901 mehrere kleine Zimmerbrände vorgekommen.
Am 1.März 1902 verunglückten die Kalkbrenner Heinrich Mohr, Carl Ludwig Muhren, Peter Josef Siemons und der Betriebsführer Hubert Schnuch aus Cornelimünster, sowie der Kalkbrenner Christian Hardt aus Nütheim in einem Kalkofen des Wilhelm Hoven an Lufterhof hierselbst in Folge Vergiftung durch Kohlenoxydgase.
Schon unter'm 3.März @ übersandte Sr. Excelenz der Herr Oberpräsident der Rheinprovinz für die Hinterbliebenen eine Beihülfe von 250 Mark. Die Beerdigung der Verunglückten fand am 5.März @ unter Betheiligung der Schulen des königl. Lehrerseminars, des Gemeinderathes, verschiedener Vereine sowie einer großen Zahl Einwohner und Auswärtigen statt. Die Särge wurden von Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehren von Cornelimünster und Breinig zu Grabe getragen.

Cornelimünster, den 10.März 1902; der Bürgermeister, Esser



1902

Bevölkerung
1902mw
Population3795
Geburten69734 unehelich
Todesfälle52410 über 90
Trauungen33
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde121
Rindvieh1219
Schaafe11
Ziegen
Schweine573
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1900 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 3701 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1903 im November 1902 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3795 gegen 3776 im Vorjahre, so daß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 19 zugenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1902 wurden lebend geboren: 69 männliche, 73 weibliche, in Summe 142 Personen.
Im Vorjahre waren 141 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 75 männliche und 66 weibliche.
Es kamen 1 männliche und 3 weibliche Totgeburten gegen 5 im Vorjahre.
Es starben 52 männliche, 41 weibliche, 93 Personen gegen 41 männliche und 41 weibliche = 82 Personen in 1901.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 33 gegen 29 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1902 zur Einkommensteuer veranlagt
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 11814616017623202,404Frei
Personen14146322918161515156315 131211425458386

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1902-140% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze 160% der Real- und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1903 sind nach dem Etatsentwurf wieder 140% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 160% der Real- und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.
Die Gemeinde hat zur Deckung der Kosten des Gewerks sowie zu Schul- und Wegebauwerken bei der Spar- und Darlehenskasse des Landkreises Aachen eine Anleihe von 40.000 Mk. aufgenommen.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Unter den Geistlichen hat ein Wechsel nicht stattgefunden.
Am 1.October 1902 wurde die Lehrerin Steinfeld von Breinig nach Haaren versetzt, mit der Wahrnehmung der Stelle wurde die Lehrerin Röder aus Boich betraut. Da dieselbe jedoch für die Stelle nicht geeignet erschien, erfolgte ihre Abberufung mit dem 1.Februar @.
Der Lehrer Kopp zu Breinig ist mit Weihnachten nach Eilendorf versetzt worden.
An seine Stelle wird am 1.Mai dss. Js. der Lehrer Johann Rippers von Kerschwiesen treten.
Mit der einstweiligen Wahrnehmung der Stelle wurde der Lehrer Franz Thyssen aus Aachen betraut und zwar vom 5.März @. ab. Die Lehrerinstelle ist bis jetzt unbesetzt.
In der neu errichteten Schulklasse zu Breinig wird der Unterricht mit Beginn des Sommersemesters eröffnet. Die Stelle soll einer Lehrerin übertragen werden.
Der Unterricht in der Fortbildungsschule zu Breinig wurde unverändert weiter geführt. Es besuchten 27 Schüler die Schule.
Die Lehrerin Pützer zu Venwegen ist vom 1.Januar 1903 ab endgültig angestellt worden.
Der Seminardirector Dr. Schmitz hierselbst schied am 1.October infolge Versetzung aus seiner hiesigen Stelle, ein Nachfolger ist bis jetzt nicht berufen.
Der bisherige Seminarlehrer Peter Holtz wurde zum Kreisschulinspektor in Altenkirchen (Westerwald) ernannt. An seine Stelle trat der Seminarlehrer Josef Stratmann von Boppard.

VI. MEDICINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war nicht besonders gut.
In den Monaten April, Mai und Juni herrschten Lungenentzündung und andere Krankheiten in großem Umfange.
Im Herbste traten unter den Kindern der Ortschaft Breinig die Masern sehr stark auf und es starb eine Anzahl Kinder infolge dieser Krankheit.
Auch sind mehrere Fälle von Dyphterie vorgekommen, Viehseuchen haben nicht geherrscht.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Die Heu- und Getreideernte ist zur Zufriedenheit ausgefallen, jedoch ließ die Kartoffelernte zu wünschen übrig. Da die Kartoffeln in Folge der nassen Witterung an vielen Stellen Fäulnis zeigten. Der Stand der Wintersaaten ist gut.

VIII HANDEL und GEWERBE

Der Betrieb in den Steinbrüchen, Kalköfen und Brauereien erfolgte ohne nennenswerte Veränderung, nur in den Wintermonaten hat die Tätigkeit in den Steinbrüchen und Kalköfen wie gewöhnlich nachgelassen.
In der mechanischen Weberei von J. van Gülpen werden durchschnittlich nur 2 Personen beschäftigt.
Die Eisensteingewinnung auf Breinigerheide läßt immer mehr nach, dagegen hat das Dampfsägewerk der Firma Peter Krings zu Breinig und die Dampflohnschneiderei des Jacob Krings zu Münsterau noch lohnende Beschäftigung.
Zu dem am 27.Mai 1902 abgehaltenen Viehmarkte waren 4 Kühe und 1 Stier und zum Herbstviehmarkt am 22.September 90 Kühe, 149 Schweine und 34 Rinder bezw. Kälber aufgetrieben.
Der Betrieb in den Getreidemühlen wurde unverändert weitergeführt.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

Am 12.November 1902 fand die regelmäßige Ergänzungswahl des Gemeinderathes statt. Der gegen die Gültigkeit der Wahl von Math. Wagemann Sen. zu Breinig erhobene Einspruch wurde in der Gemeinderathssitzung vom 10.12. @. abgewiesen. Die gegen diesen Beschluß des Gemeinderaths erhobene Klage im Verwaltungsstreitverfahren erfuhr in der Sitzung des Kreisausschusses vom 13.Februar @. gleichfalls Ablehnung.
Der Gemeinderath sprach in seiner Sitzung vom 21.Januar @. sich einstimmig für die Wiederernennung des bisherigen Beigeordneten Kaldenbach dessen Amtsdauer am 10.März 1903 abgelaufen, auf weitere 6 Jahre aus.

X. BAUTEN

Der Weg von Breinigerheide nach Zweifall ist fertiggestellt.
Im Jahre 1902 wurden 23 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen 8 auf Cornelimünster und 15 auf Breinig.

XI. VERSCHIEDENES

Vom 11. bis 25.Juli 1902 fand die alle 7 Jahre wiederkehrende Heiligtumsfahrt statt.
Am 1.Dezember wurde eine außerordentliche Viehzählung abgehalten. Das Ergebnis stellte sich auf 121 Pferde, 1219 Stück Rindvieh, 11 Schafe und 573 Schweine.
Wie im vorigen Jahre mußte die Gemeinde auch im letzten Winter infolge des schlechten Geschäftsganges Nothstandsarbeiten verrichten lassen.. Dieselben wurden in einem Gemeindesteinbruche und auf den Wegen ausgeführt.
Die Zahl der Anschlüsse an das Gaswerk hierselbst betrug am 1.Januar 1902 = 95 und am 1.Januar 1903 = 111.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 1.Juli 1902 wurde eine Kuh der Geschwister Koenigs zu Venwegen vom Blitze erschlagen.
Am 5.Juli entstand in dem Kamine des Hauses von Michael Laufs zu Breinig Feuer, welches einen Schaden von ca. 13 MK. verursachte.
Das Dach des Stalles der Wittwe Paul Heinrichs zu Cornelimünster brannte am 17.Juli ab. Hierbei erlitten die Dächer der Nachbarhäuser Schaden.
Am 15.August entstand in den Gebäulichkeiten des Johann Heinrich Schreiber (Hausnr. 58) zu Breinig Feuer, wodurch Stall und Scheune bis auf die Umfassungsmauern und von dem Wohnhause das Dach abbrannte.
Dem Simon Kreischer zu Schlausermühle brannte am 12.September der Stall bis auf die Umfassungsmauern nieder. Auch der Inhalt des Stalles - ca. 40 Karren Heu und 8 Karren Getreide sowie eine Dreschmaschine verbrannte.
Am 27.October entstanden dem Gelände des minderjährigen Arnold Münch zu Breinig (Nr.59 Essig) Feuer, wodurch das Dach und die obere Etage zerstört wurden. Das Haus und Stall des Holzhändlers Wilhelm Dautzenberg zu Breinigerheide brannte am 13.Dezember bis auf die Umfassungsmauern nieder.
Auf dem Gehöfte des Gutspächters Heinrich Küppers zu Lufterhof brach am 28.Februar @. Feuer aus, welches sich bei dem herrschenden Sturmwinde schnell verbreitete, sodaß das Wohnhaus nur mit knapper Not gerettet werden konnte. Die Oekonomengebäude sind bis auf die Umfassungsmauern zerstört worden. Sämmtliche Futtervorräte, Gerätschaften und Maschinen, ferner 1 Pferd, 1 Fohlen, 16 Stück Rindvieh, 1 Sau mit 8 Ferkeln sind verbrannt.

Am 9.März @. entstand in den Gebäulichkeiten des Müllers Hubert Rütgers zu Bilstermühle Feuer, wodurch das Anwesen zum größten Teile zerstört wurde.
Auch sind im Jahre 1902 mehrere kleine Zimmerbrände vorgekommen.
Bei dem Brande bei Wittwe Heinrichs ist das Feuer durch fahrlässigen Umgang von Kindern mit Streichhölzern entstanden.
In den übrigen Fällen konnte über die Entstehung des Feuers nichts ermittelt werden. Die verursachten Schäden wurden durch die Feuerversicherungen gedeckt.

Cornelimünster, den 11.März 1903; der Bürgermeister, Esser

Nachtrag 1902
Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1903 im November 1902 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3795. Die Bevölkerung der Gemeinde hat innerhalb des letzten Jahres um 19 zugenommen.
In dem Kalenderjahr 1902 waren: Geburten 69 männliche, 73 weibliche, = 142 Personen, Sterbefälle 52 männliche, 41 weibliche, = 93 Personen
Standesamtliche Heiraten erfolgten 33.
Vom 11. bis 25 Juli 1902 fand die alle 7 Jahre wiederkehrende Heiligtumsfahrt statt.
Am 1.Dezember wurde eine außerordentliche Viehzählung abgehalten. Das Ergebnis stellte sich auf 121 Pferde, 1219 Stück Rindvieh, 11 Schafe und 573 Schweine.
Die Zahl der Anschlüsse an das Gaswerk hierselbst betrug am 1.Januar 1902 = 95 und am 31.Dezember 1902 = 111.

Das Dach des Stalles der Wittwe Paul Heinrichs zu Cornelimünster brannte am 17.Juli ab




1903

Bevölkerung
1903mw
Population3828
Geburten77630 unehelich
Todesfälle30390 über 90
Trauungen33
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1900 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 3700 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1903 im November 1903 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3828 Personen gegen 3795 im Vorjahre, jedoch die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 33 zugenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1903 wurden lebendig geboren 77 männliche, 63 weibliche, in Summe 140 Personen.
Im Vorjahre waren 142 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 69 männliche und 73 weibliche.
Es kamen 1 männliche und 1 weibliche Totgeburt vor, gegen 4 im Vorjahre.
Es starben:
30 männliche, 29 weibliche, 59 Personen gegen 52 männliche und 41 weibliche, 93 Personen in 1902.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 33, im Vorjahre ebenfalls 33.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1903 zur Einkommensteuer veranlagt.
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 10411813214616017633023202,404Frei
Personen13755272313131612128226 23211428406368

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1903 140% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 160% der Real- und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1904 sind nach dem Etatsentwurfe wieder 140% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 160% der Real- und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.
Zur Deckung des in den Jahren 1902 und 1903 entstandenen außergewöhnlichen Ausgaben ist jedoch die Aufnahme einer Anleihe von 25.000 Mk. erforderlich geworden.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der bisherige Vikar von Bellinghausen, Albert Pinol, wurde zum Vicar von Cornelimünster ernannt.
An die Stelle des nach Eilendorf versetzten Lehrers Kopp von Breinig, trat am 1.Mai 1903 der Lehrer Johann Rippert, bisher in Hirschwiesen tätig.
Den mit der einstweiligen Verwaltung dieser Stelle betrauten Lehrer Franz Thyssen von Aachen wurde am 1.Mai 1903 die Stelle des mit diesem Tage nach Aachen versetzten Lehrers Krings übertragen.
Thyssen wurde am 1.October 1903 beim Militär eingestellt und trat der Lehrer Wilhelm Kranzhoff von Eilendorf an seine Stelle.
Vom 20.April 1903-1.Juni 1903 wurde die bis dahin unbesetzte Lehrerinstelle in Breinig von der Schulamtskandidatin Zelleckens aus Aachen verwaltet.
Am 1.Juni wurde die Stelle durch die Lehrerin Lauer von Neuhaaren besetzt.
Auch wurde seit diesem Tage der Unterricht in der neu errichteten Schulklasse zu Breinig erteilt und zwar durch die Lehrerin Therese Mohr aus Büsbach.
Die Lehrerin Lauer zu Breinig ist vom 1.November 1903 ab endgültig angestellt.
An die Stelle des nach Brühl versetzten kgl. Seminardirectors Dr. Schmitz trat der bisherige Kreisschulinspector Grimm von Saarlouis.
Der Unterricht in der Fortbildungsschule zu Breinig wurde ohne Veränderung weitergeführt. Es besuchten 29 Schüler die Schule.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war im Allgemeinen gut. Es sind nur einige Fälle von Diphterie und Unterleibtyphus unter den Kindern zu verzeichnen gewesen.
Viehseuchen haben nicht geherrscht. Nur sind, wie in anderen Jahren, wieder mehrere Stück Rindvieh an Milzbrand gefallen.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Die Heu und Getreideernte ist größtenteils zur Zufriedenheit ausgefallen, jedoch ließ die Kartoffelernte zu wünschen übrig, da die Kartoffeln infolge der nassen Witterung an vielen Stellen Fäulnis zeigten.
Die Wintersaaten sind durch die große Kälte in den Monaten Dezember und Januar in ihrem Wachstum sehr beeinträchtigt worden.
Die Viehpreise standen im Jahre 1903 sehr hoch.

VIII HANDEL und GEWERBE

Der Betrieb in den Steinbrüchen, Kalköfen und Brauereien erfolgte ohne nennenswerte Veränderung, nur in den Wintermonaten hat die Tätigkeit in den Steinbrüchen und Kalköfen, wie gewöhnlich nachgelassen.
In der Weberei von J. van Gülpen sind jetzt, wieder mehrere Personen beschäftigt. Die Firma beabsichtigt, noch einen neuen Dampfkessel anzulegen.
Die Gewerkschaft Cornelia zu Breinigerheide hat ihren Betrieb unverändert weitergeführt.
Die Getreidemühle des Jacob Stickelmann zu Kleinmühlchen hat Josef Offergeld gepachtet.
Lambert Radermacher zu Cornelimünster legte eine Getreidemühle mit Sauggasbetrieb an.
Das Dampfsägewerk der Firma Peter Krings zu Breinig und die Dampflohnschneiderei des Jacob Krings zu Münsterau hat noch lohnende Beschäftigung.
Adam Thelen zu Eilendorf ist mit der Errichtung von drei neuen Kalköfen beschäftigt; auch beabsichtigen die Gebrüder Johann und Mathias Frentz zu Cornelimünster noch 2 Kalköfen zu errichten.
Zu dem am 9.Juni 1903 abgehaltenen Viehmarkte waren 16 Schweine und zum Herbstviehmarkte am 28.September 1903 90 Kühe, 113 Schweine und 2 Pferde aufgetrieben.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

An Stelle des am 5.Januar 1903 verstorbenen Polizeidieners Bartholomäus Brammertz trat am 15.April 1903 der Militäranwärter Johann Brück aus Aachen.

X. BAUTEN

Der Schulhausanbau in Breinig ist mit Beginn des Sommersemesters fertig gestellt und in Benutzung genommen worden.
Im Jahre 1903 wurden 18 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen 7 auf Cornelimünster, 11 auf Breinig und 1 auf Venwegen.

XI. VERSCHIEDENES

Im Monate September 1903 waren sämmtliche Ortschaften der hiesigen Gemeinde mit Einquartirungen belegt. Am 8., 18. & 19.September fanden innerhalb der hiesigen Gemeinde Truppenübungen statt.
Am 11.September herrschte ein großer Sturm mit Regen, wodurch viele Bäume entwurzelt bezw. beschädigt wurden.
Den Eheleuten Ludwig Giesen zu Cornelimünster ist die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden.
Am 12.Juni fand die alljährliche Pferdemusterung statt.
Die Zahl der Anschlüsse an das Gaswerk hierselbst betrug am 1.Januar 1903 111 und am 1.Januar 1904 118. gemäß einer Mitteilung des Herrn Minister der Unterrichts pp. Angelegenheiten sind die Kosten zur Einrichtung der Gasbeleuchtung im kgl. Lehrerseminar in den Etat pro 1904 eingesetzt worden.
Am 16.Juni 1903 fanden die Wahlen zum deutschen Reichstage und am 20.October 1903 die Wahlen zum Hause der Abgeordneten statt.
Am 2.August 1903 feierte der Militärverein Kameradschaftlicher Bund unter Beteiligung vieler auswärtiger Vereine zum Fahnenweihefest.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Im Jahre 1903 sind nur einige kleine Zimmerbrände zu verzeichnen gewesen. Die entstandenen Schäden wurden durch die Feuerversicherungsgesellschaften gedeckt.
In mehreren gewerblichen Betrieben sind größere und kleinere Unfälle nicht vorgekommen.

Cornelimünster, den 9.Februar 1904; der Bürgermeister, Esser



1904

Bevölkerung
1904mw
Population3944
Geburten66782 unehelich
Todesfälle25270 über 90
Trauungen29
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1900 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 3700 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1905 im November 1904 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 3944 Personen gegen 3828 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 116 zugenommen hat.

II. BEWEGUNG und BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1904 wurden lebend geboren: 66 männliche, 78 weibliche, in Summe 144 Personen.
Im Vorjahre waren 140 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 77 männliche und 63 weibliche.
Es kamen 4 männliche und 2 weibliche Totgeburten vor, gegen 2 im Vorjahre.
Es starben: 25 männliche, 27 weibliche, = 52 Personen gegen 30 männliche und 29 weibliche, 59 Personen in 1903.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 29 gegen 33 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1904 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 10411813216019227624802,404Frei
Personen118543119151516131110332 4411111437419357

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1904-150% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 170% der Real- und 100% der Betriebssteuer.
Für das Regierungsjahr 1905 sind nach dem Etatsentwurfe wieder 150% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 170% der Real- und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Unter den Pfarrern und Geistlichen hat ein Wechsel nicht stattgefunden.
Der Lehrer Rippert zu Breinig wurde am 1.Oktober 1904 an die mit diesem Tage beim königlichen Lehrerseminar hierselbst eingerichtete Präparandenschule versetzt. An seine Stelle trat mit dem 1.Februar @. der Leher (Franz) Cargraff von Siersdorf.
Der Unterricht in der Fortbildungsschule zu Breinig wurde ohne Veränderung weitergeführt. Es besuchten 25 Schüler die Schule.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war im Allgemeinen ein zufriedenstellender. Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht, auch sind Viehseuchen nicht zu verzeichnen gewesen.
Nur sind wie in früheren Jahren mehrere Stück Rindvieh an Milzbrand gefallen.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Die Heu- und Getreideernte ist größtenteils zur Zufriedenheit ausgefallen, und der Hafer ist infolge des vom Laufe des Sommers herrschenden großen Trockenheit zurückgeblieben. Die Gartenfrüchte haben ebenfalls durch die Trockenheit viel gelitten. Auch ist das Obst meistens klein geblieben.
Die Nachweide auf den Wiesen war wegen der ungünstigen Witterung ausgeblieben und herrschte allgemein großer Futtermangel, sodaß man gezwungen war, das Vieh in den Wald zu treiben bezw. im Walde Viehfutter zu schneiden.
Die Kartoffelernte ist teils mittelmäßig teils ungünstig ausgefallen.
Der Stand der Wintersaaten ist größtenteils ein zufriedenstellender.
Die Viehpreise standen im Jahre 1904 durchweg sehr hoch.

VIII HANDEL und GEWERBE

Der Betrieb in den Steinbrüchen, Kalköfen und Brauereien erfolgte ohne nennenswerte Veränderung und in den Wintermonaten hat die Tätigkeit in den Steinbrüchen und Kalköfen wie gewöhnlich nachgelassen.
Die Gebrüder Frentz haben noch 2 neue Kalköfen errichtet.
Die Gebrüder Schumacher zu Münsterau haben daselbst eine Schmiede mit Dampfbetrieb angelegt.
Die Tätigkeit in der Weberei von J. van Gülpen ist im Laufe des Jahres lebhafter geworden; es sind daselbst ca 30 Arbeiter beschäftigt.
Die Gewerkschaft Cornelia zu Breinigerheide hat ihren Betrieb ohne Veränderung weitergeführt.
Das Dampfsägewerk der Firma Peter Krings zu Breinig und die Dampflohnschneiderei des Jacob Krings zu Münsterau haben noch volle und lohnende Beschäftigung.
Zu dem am 30.Mai 1904 abgehaltenen Viehmarkte waren 4 Kühe, 1 Schwein und 1 Pferd und zum Herbstviehmarkte 60 Kühe, 134 Schweine, 2 Stiere und 47 Rinder aufgetrieben.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

Der Rentner Josef Lausberg zu Cornelimünster wurde auf die Dauer von 2 Jahren zum Schiedsmann der Gemeinde Cornelimünster wiedergewählt.

X. BAUTEN

In Cornelimünster wurden ein Steigerturm für die Feuerwehr errichtet.
Im Jahre 1904 wurden 22 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen auf Cornelimünster 11, auf Breinig und 2 auf Venwegen.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 18.April 1904 entstand in den Gebäulichkeiten der Wittwe Wilhelm Ostlender zu Breinigerberg Feuer, wodurch der Stall abbrannte und das Dach des Wohnhauses beschädigt wurde.
Die Gebäulichkeiten des Hubert Gier zu Breinigerberg brannten und 25.April 1904 bis auf die Umfassungsmauern ab.
Am 14.August 1904 entstand in den Gebäulichkeiten desMathias Josef Hamacher zu Venwegen Feuer, wodurch Wohnhaus, Stall und Scheune bis auf die Umfassungsmauern eingeäschert wurden.
Die Gebäulichkeiten der Geschwister Kutsch zu Schützheide brannte am 21.August 1904 bis auf die Umfassungsmauern wieder.
Am 27.September 1904 entstand in den Gebäulichkeiten des Jacob Schiffler hierselbst Feuer, wodurch der Stall bis auf die Umfassmauern abbrannte.
Auch sind im Jahre 1904 mehrere kleine Zimmerbrände vorgekommen. In allen Fällen konnte über die Entstehung des Feuers nichts ermittelt werden.
Die entstandenen Schäden wurden durch die Feuerversicherungsgesellschaften gedeckt.
In mehreren gewerblichen Betrieben sind größere und kleinere Unfälle vorgekommen.

XII. VERSCHIEDENES

Auf dem Bahnhofe Cornelimünster wurde ein Militärkreuzungsgleise angelegt.
Das Postamt wurde am 5.Dezember 1904 in das am Bahnhofe hierselbst erbaute neue Postgebäude verlegt.
Die Zahl der Anschlüsse an das Gaswerk, welche am 1.Januar 1904 118 betrug, beträgt jetzt 134. Auch wurde die Gasbeleuchtung im Lehrerseminar hierselbst eingerichtet.
Mit April 1905 wird voraussichtlich auch auf dem Bahnhofe Cornelimünster mit der Einrichtung der Gasbeleuchtung begonnen.
Am 21.Oktober 1904 fand eine Pferdevormusterung statt.

Cornelimünster, den 30.Januar 1905; der Bürgermeister, Esser



1905

Bevölkerung
1905mw
Population4133
Geburten66830 unehelich
Todesfälle24240 über 90
Trauungen28
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1905 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4100 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1906 im November 1905 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 4133 Personen gegen 3944 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 189 zugenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1905 wurden lebend geboren: 66 männliche, 83 weibliche, in Summa 149 Personen.
Im Vorjahre waren 144 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 66 männliche und 78 weibliche.
Es kamen 5 männliche und 2 weibliche Totgeburten vor, gegen 6 im Vorjahre.
Es starben:
24 männliche, 24 weibliche, = 48 Personen gegen
25 männliche, 27 weibliche, = 52 Personen im Jahre 1904.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 28 gegen 29 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1905 zur Einkommensteuer veranlagt
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 10411813214616019227626402,404Frei
Personen150473623181810131011243 313231111351477348

IV FINANZEN

Die Umlage pro 1905 betrug 150% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 170% der Real- und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1906 sind nach dem Etatsentwurfe 170% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 190% der Real und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der Vikar Albert Pinol zu Cornelimünster wurde nach Saeffeln Kreis Heinsberg versetzt. An seine Stelle trat der Vikar Albert Pickarek, welcher bisher an der Pfarre St. Jakob in Aachen tätig war.
In den Tagen vom 23. bis 25.Mai 1905 nahm der Weihbischof Dr. Müller die Firmung innerhalb der hiesigen Gemeinde vor.
Die von den Benediktinern nachgesuchte Genehmigung zur Gründung einer Niederlassung in Cornelimünster ist erteilt worden. Dieselben haben oberhalb des Bahnhofes Cornelimünster ein Stück Land angekauft und werden daselbst ein Kloster errichten. Die Benediktiner haben am 12.Februar @. in Anwesenheit Sr. Eminenz des Kardinal Erzbischofs von Coeln, Dr. Antonius Fischer, ihren Einzug gehalten.
Seitens des Herrn Ministers ist genehmigt worden, daß die Genossenschaft der Cellitinen aus dem Mutterhause in der Antonsgasse zu Coeln in Cornelimünster eine Niederlassung zwecks Ausübung der ambulanten Krankenpflege und zur Pflege von altersschwachen Personen gründen, sowie eine Kinderbewahrschule und Haushaltungsschule einrichten. Die Gemeinde wird der Genossenschaft zu diesen Zwecken die Räumlichkeiten im hiesigen Armenhause, welches entsprechend umgebaut wird, zur Verfügung stellen.
Die Lehrerin Pützer zu Venwegen ist nach Aachen versetzt worden. An ihre Stelle tritt am 1.Februar @. die Lehrerin Magdalena Max, bisher in Dürboslar tätig.
Der Unterricht in der Fortbildungsschule zu Breinig wurde unverändert weiter geführt. Dem Vernehmen nach wird der Hauptlehrer Löhr mit dem 1.April @. seine Tätigkeit als Lehrer der Fortbildungsschule einstellen.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Unter den Kindern der Ortschaft Venwegen herrschten in den Monaten Februar und März 1905 Masern und Scharlach. Die Krankheiten verliefen günstig und waren Todesfälle nicht zu verzeichnen.
Im Jahre 1905 kamen auch verschiedene Fälle von Diphterie und Typhus vor. Im übrigen war der Gesundheitszustand unter den Menschen ein zufriedenstellender.
Viehseuchen kamen im Jahre 1905 nicht zum Ausbruch. Nur sind wie in früheren Jahren verschiedene Stück Rindvieh an Milzbrand gefallen.
Die Apotheke des Wilhelm Hartmann hierselbst ging in den Besitz des Apothekers Wilhelm Ulrich, bisher in Hochheim wohnhaft, über.

VII. LANDWIRTHSCHAFT

Die Heuernte ist größtenteils zur Zufriedenheit ausgefallen.
Die Getreideernte war dagegen nicht gut. Der Roggen wurde überwiegend durch Hagel zerschlagen. Der Hafer ist infolge der anhaltenden nassen Witterung meistens im Felde verdorben. Die Gartenfrüchte hatten ebenfalls durch den Hagelschlag viel gelitten.
Die Kartoffelernte ist gleichfalls ungünstig ausgefallen.
Das Jahr 1905 muß mithin für den Landmann als ein Jahr des Mißwuchses bezeichnet werden. Die Viehpreise standen während des Jahres 1905 sehr hoch.

VIII HANDEL und GEWERBE

Die Tätigkeit in den Steinbrüchen und Kalköfen sowie Brauereien erfolgte ohne nennenswerte Veränderungen; nur in den Wintermonaten ließ die Tätigkeit wie gewöhnlich nach.
Der in Cornelimünster gelegene Steinbruch des Johann Frentz ist in den Besitz des Mathias Mütter in Haaren übergegangen.
Die Arbeiter in den Steinbrüchen und Steinhauereien sind mit erhöhten Lohnforderungen an die Arbeitgeber herangetreten. Es schweben z.Zt. Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern. Die Arbeitgeber werden jedoch dem Vernehmen nach nicht auf die Forderungen der Arbeiter eingehen, sodaß eine große Unzufriedenheit bei den Arbeitern hervorgerufen wird.
Die Firma Siepen Berretz zu Breinig hat bereits den größten Teil der Arbeiter entlassen und kurze Zeit mehrere belgische Arbeiter beschäftigt.
Die Gewerkschaft Cornelia zu Breinigerheide und die Weberei von J. van Gülpen hierselbst haben den Betrieb ohne Veränderung weitergeführt.
Das Dampfsägewerk der Firma Peter Krings zu Breinig und die Dampflohnschneiderei des Jakob Krings zu Münsterau haben volle und lohnende Beschäftigung.
Die Stolberger Metallwarenfabrik Wirths, Bach und Cie hat zu Nachtigällchen eine Metallkurzwarenfabrik errichtet und den Betrieb am 21.November v. Js. eröffnet. Es werden daselbst zur Zeit ca 35 Personen beschäftigt.
Die Firma Schoenauen-Biervert zu Breinig, welche die Fruchthandlung der Firma Ganser u. Crott übernommen, hat daselbst eine Mahlmühle mit Sauggas Kraftanlage errichtet.
Zu dem am 20.Mai 1905 abgespaltenen Viehmarkte waren nur 2 Kühe aufgetrieben. Zum Herbstviehmarkte waren dagegen 110 Kühe, 44 Rinder, 1 Ochse, 4 Pferde, 3 Fohlen und 160 Schweine aufgetrieben.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

Am 13.November 1905 fand die regelmäßige Ergänzungswahl des Gemeinderathes statt.
Der Kaufmann Wilhelm Josef Quadflieg wurde für eine weitere Amtsdauer von 6 Jahren zum zweiten Beigeordneten gewählt.

X. BAUTEN

Im Jahre 1905 wurden 23 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen auf Cornelimünster 7, auf Breinig, Breinigerheide, Breinigerberg und Schützheide 15, auf Venwegen 1.
Die für die Ortschaft Breinigerheide geplante Wasserleitung hat mit Rücksicht auf die in Aussicht gestellte Anlage einer Kreiswasserleitung eine weitere Förderung vorläufig nicht erfahren.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 9.Juni 1905 fiel ein 10 jähriges Mädchen des Sattlers Friedrich Isselmann hierselbst in den stark angeschwollenen Indebach und ertrank.
In dem von dem Schreinermeister Eduard Schiffler hierselbst bewohten Hause Nr.129 Im Pöngchen entstand am 7.Juli 1905 Feuer, welches jedoch schnell gelöscht wurde, sodaß der verursachte Schaden gering war.
Am 7.August 1905 brach in einem Lagerschuppen des Apothekers Ulrich Feuer aus. Der entstandene Schaden war gering. am Berg
Ein dem Invaliden Hubert Hürtgen zu Breinig gehöriges Wohnhaus brannte am 2.Januar @. bis auf die Umfassungsmauern nieder. Nr. 48 Kirchgasse
Das nebenan liegende Wohnhaus des Hürtgen wurde ebenfalls beschädigt.
Auch kamen im Jahre 1905 mehrere kleine Zimmerbrände vor.

XII. VERSCHIEDENES

Am 17.Juni 1905 brach ein starkes Gewitter los, mit welchem sich fürchterlicher Hagelregen verband. Durch den Hagelschlag sind die Feld und Gartenfrüchte sehr geschädigt worden.
Die Aachener Kleinbahngesellschaft hat eine Kleinbahnlinie von Brand über Cornelimünster nach Walheim projektirt, mit deren Ausbau demnächst begonnen wird.
Der Invalide Arnold Münch zu Breinig, der am 25.Januar @ Nr. 127 . Nachmittags auf seiner in der Flurabteilung Buschbenden gelegenen Wiese beschäftigt war, wurde daselbst vom Schlage gerührt und mußte tot nach Hause gebracht werden.

Cornelimünster, den 16.Februar 1906; der Bürgermeister



1906

Bevölkerung
1906mw
Population4289
Geburten84772 unehelich
Todesfälle31340 über 90
Trauungen33
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde109
Rindvieh1554
Schaafe18
Ziegen
Schweine1068
Viehhalter274
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu25050kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter2Kilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1905 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4091 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1907 im November 1906 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 4289 Personen gegen 4133 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 156 zugenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1906 wurden lebend geboren: 84 männliche, 77 weibliche, in Summa 161 Personen.
Im Vorjahre waren 149 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 66 männliche und 83 weibliche.
Es kam eine weibliche Totgeburt vor, gegen 7 im Vorjahre.
Es starben: 31 männliche, 34 weibliche, = 65 Personen gegen 24 männliche und 24 weibliche im Jahre 1905.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 33 gegen 28 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1906 zur Einkommensteuer veranlagt
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 10411813214616019223227630002,404Frei
Personen17558462317172013910541 52132111369503368

IV FINANZEN

Die Umlage pro 1906 betrug 170% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 190% der Real- und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1907 sind nach dem Etatsentwurfe 170% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 190% der Real und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Die Lehrerin Max zu Venwegen ist am 1.Mai 1906 aus Mariadorf versetzt worden. Mit diesem Tage trat an ihre Stelle die Lehrerin Theresia Peters von Aachen.
Am 1.Juni 1906 wurde die Lehrerin Lauer von Breinig nach Eschweiler Röhe versetzt und mit gleichem Tage die Lehrerin von Eschweiler für diese Stelle berufen. Die Verhandlungen über die Wiederbesetzung schweben noch.
Der Seminarlehrer Josef Stratmann wurde an das in Düren neu errichtete Lehrerseminar versetzt. An seine Stelle trat der Seminarlehrer Johann Nühsgens.
Unter den Geistlichen ist kein Wechsel zu verzeichnen gewesen.
Am 2.September 1906 feierten die Ordensgeistlichen Wilhelm Blees und Leonard Keller aus Venwegen daselbst ihre Primiz.
Der Superior der Benediktiner Niederlassung hierselbst starb am 25.November 1906 zu Forst plötzlich infolge eines Schlaganfalles.
Seit dem 1.Mai 1906 ist der Unterricht an der Fortbildungsschule in Breinig eingestellt und der Hauptlehrer Löhr von der Erteilung des Unterrichts entbunden worden. Die Fortbildungsschule wurde auf Veranlassung der königlichen Regierung in eine gewerbliche umgewandelt und deren Lehrer Kranzhoff die Genehmigung zur Erteilung des Unterrichts an dieser erteilt. Die Zeichenlehrerstelle wird neu vergeben werden.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

im Jahre 1906 kamen innerhalb der hiesigen Gemeinde vier Fälle von Typhus vor, auch waren eine Anzahl Kinder an Scharlachfieber erkrankt, desgleichen mehrere Seminaristen des hiesigen Lehrerseminars.
Ferner starben vier Personen an Lungentuberkulose.
Im Übrigen konnte der Gesundheitszustand unter den Menschen als eine zufriedenstellender bezeichnet werden, jedoch sind z. Zt. eine große Anzahl Personen an Influenza erkrankt.
Die Tätigkeit der Krankenschwestern, deren Niederlassung am 6.Juli eröffnet worden, ist lobenswert, und kommt diese Einrichtung insbesondere den Armen und einzellebenden Personen zu Gute.
Viehseuchen haben im Jahre 1906 nicht geherrscht. Nur sind wie alljährlich verschiedene Stück Rindvieh an Milz bezw. Rauschbrand gefallen.

VII LANDWIRTSCHAFT

Die Heuernte ist zur größten Zufriedenheit ausgefallen, auch ließ die Getreideernte nicht viel zu wünschen übrig.
Ebenfalls konnte die Kartoffelernte als günstig bezeichnet werden.
Das Jahr 1906 war mithin für den Landmann ein gutes und sind die großen Schäden des Vorjahres teilweise ausgeglichen worden.
In Breinig hat sich ein landwirtschaftliches Casino gebildet. Die Viehpreise standen im Jahre 1906 sehr hoch.

VIII HANDEL und GEWERBE

Die Tätigkeit in den Steinbrüchen und Kalköfen sowie Brauereien erfolgte ohne wesentliche Veränderung, nur in den Wintermonaten ließ die Tätigkeit wie gewöhnlich nach.
Im Frühjahr 1906 streikten die Arbeiter in den Steinbrüchen der Firma Siepen-Berretz, Wilhelm Hoven und Adam Thelen. Die Arbeitgeber gingen jedoch auf die Forderungen der Arbeiter nicht ein und schafften teilweise Ersatz durch ausländische Arbeiter, die aber jetzt wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind.
Adam Thelen zu Eilendorf hat an seiner Kalkofenanlage hierselbst einen neuen Kalkofen errichtet.
Die lange still gelegene Firma J.A.Bischoff Söhne ist durch Kauf in den Besitz der Firma R.Lupke & Co in Brand übergegangen und wird diese daselbst eine Kunstwollfabrik einrichten. Die Arbeiten sind größtenteils fertiggestellt und der Betrieb wird in allernächster Zeit eröffnet werden. Ungefähr 20 Weber der hiesigen Gemeinde beabsichtigen eine Webergenossenschaft zu bilden und in der Fabrik der Firma R.Lupke u. Co Webstühle aufzustellen.
Am 10.Oktober 1906 brannte das Sägewerk der Firma Peter Krings zu Breinig bis auf die Umfassungsmauern nieder. Die Firma begann sofort mit dem Wiederaufbau und der Betrieb konnte nach einigen Wochen wieder aufgenommen werden.
Die Gewerkschaft Cornelia zu Breinigerheide und die Weberei S. van Gülpen hierselbst haben den Betrieb ohne Veränderung weitergeführt.
Die Dampfwerke der Sägefabrik der Firma Peter Krings zu Breinig und der Stolberger Gesellschaft zu Münsterau sowie die Dampflohnschneiderei des Jacob Krings zu Münsterau haben noch volle und lohnende Beschäftigung.
Zu dem am 12.Juni 1906 abgehaltenen Viehmarkte waren nur 5 Kühe aufgetrieben. Zum Herbstviehmarkte am 24.September 1906 waren dagegen 63 Kühe, 201 Schweine, 43 Rinder, 2 Pferde und 1 Ochsen aufgetrieben.

GEMEINDEVERWALTUNG

Der Gemeindeempfänger Weber hat die Rentmeisterstelle in Eupen übernommen. An seine Stelle trat der Kassengehülfe Carl Engelen aus Herzogenrath.

IX. BAUTEN

Im Jahre 1906 wurden 33 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen auf Cornelimünster 14, auf Breinig 10, Breinigerheide, Breinigerberg und Schützheide 8, auf Venwegen 1.
Für die Feuerwehr Breinig wird an der neuen Schule ein Steigerturm errichtet.
Die Kleinbahnstrecke Brand-Cornelimünster ist fertig gestellt und am 14.September 1906 dem Betrieb übergeben worden. Auch ist die Strecke von Cornelimünster bis Walheim soweit ausgebaut, daß die Kleinbahn in nächster Zeit bis Walheim fahren wird.
Der Landkreis Aachen ist eifrig mit den Vorbereitungsarbeiten für die Anlage einer Kreiswasserleitung beschäftigt.

XI UNGLÜCKSFÄLLE

Am 8.März 1906 entstand in dem Fabrikgebäude der Firma J. van Gülpen Feuer, wodurch das Dach des Gebäudes abbrannte.
Stall und Scheune des Johann Löhrer zu Cornelimünster (136) brannten am 18.Mai 1906 bis auf die Umfassungsmauern nieder. Auch wurde der nebenanliegende Stall der Witwe David Kaufmann beschädigt.
Am 18.Juni 1906 entstand in dem Kuhstalle des Hubert Jansen zu Cornelimünster Feuer, wodurch an dem Stalle und der Scheune des Jansen sowie einem Schuppen des Josef Hennecken unbedeutende Beschädigung herbeigeführt wurden.
Am 18.Juni 1906 schlug der Blitz in das Wohnhaus des Wirtes Heinrich Johnen zu Breinigerberg, wodurch das Dach, der Dachstuhl mehrere Türgespanne und die Tapeten sehr beschädigt wurden.
Am 26.August 1906 brach in den Gebäulichkeiten der Witwe Laurenz Schreiber zu Breinig Feuer aus, wodurch Stall und Scheune bis auf die Umfassungsmauern vernichtet, und das Dach der Wohnhäuser beschädigt wurden.
Der Bremser Gerhard Kirschgens aus Flachsstrasse bei Würselen geriet am 19.Januar 1907 auf dem Bahnhofe Cornelimünster beim Rangieren eines Zuges zwischen die Puffer zweier Wagen und war sofort tot.

VERSCHIEDENES

Am 1.September 1906 fand eine außerordentliche Viehzählung statt. Nach dem Ergebnis derselben sind in der hiesigen Gemeinde 274 Viehbesitzende Haushaltungen mit 109 Pferden, 1334 Stück Rindvieh, 18 Schafe und 1068 Schweine vorhanden.
Infolge der am 13.Dezember 1906 erfolgten Auflösung des deutschen Reichstages fanden am 25.Januar 1907 die Neuwahlen statt.
Die Beteiligung der hiesigen Gemeinde an der Wahl war eine sehr rege.
In der Nacht vom 26. zum 27.Februar 1906 gleich nach 12 Uhr trat ganz unerwartet die Inde aus ihren Ufern und überschemmte den Ort Cornelimünster in seit mehreren hundert Jahren nicht erreichter Höhe. Das Wasser überstieg die Treppe am Schulgebäude und drang in den unteren Schulsaal. Auch wurde die Kirche mit Wasser angefüllt. Infolgedessen fast alle Kirchenstühle und Bänke gehoben und umgeworfen wurden.
Am 28.Februar Nachmittags versammelten sich auf ergangene Aufforderung viele Pfarreingesessene Männer und Frauen in der Kirche, um das Wasser vermittels der Feuerspritzen aus der Kirche zu entfernen und eine gründliche Reinigung der Kirche vorzunehmen. Der Gottesdienst mußte 1 ⅓ Monat lang in der alten Kirche abgehalten werden.

Cornelimünster, den 13.Februar 1907; der Bürgermeister, Esser



1907

Bevölkerung
1907mw
Population4313
Geburten75800 unehelich
Todesfälle31300 über 90
Trauungen23
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
Brot23Kilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1905 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4091 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1908 im Oktober 1907 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 4313 Personen gegen 4289 im Vorjahre, sodaß die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 24 zugenommen hat.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1907 wurden lebend geboren: 75 männliche, 80 weibliche, in Summa 155 Personen.
Im Vorjahre waren 161 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 84 männliche und 77 weibliche.
Es kamen 2 männliche und 2 weibliche Totgeburten vor, gegen eine im Vorjahre.
Es starben: 31 männliche und 34 weibliche im Jahre 1906.
Standesamtliche Heiraten erfolgten 23 gegen 33 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1907 zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 10411813214616017623227630002,404Frei
Personen21515766562222178115416 6631211111322312438

IV FINANZEN

Die Umlage pro 1907 betrug 150% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 190% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1908 sind nach dem Etatsentwurfe 180% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 200% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.
Zur Bestreitung der Kosten des Anbaues an das Forsthaus Venwegen wurde bei der Landesbank der Rheinprovinz im Darlehen von 5.500 Mark aufgenommen.

V. KIRCHEN-SCHULWESEN

An die Stelle der am 1.April 1907 nach Brand versetzten Lehrerin Mohr zu Breinig trat mit gleichem Tage die Lehrerin Johanna von der Weiden aus Büsbach. Der Gemeindelehrer Peltzer wurde mit dem 1.April an das Lehrerseminar in Düren versetzt, der Seminarlehrer Jakob Zilliken von Lützerath trat an seine Stelle.
Der Präparandenlehrer Johann Rippert ist nach Odenkirchen versetzt, und die hier vorhandene Präparandenschule aufgelöst worden. Die bisherigen Präparanden werden in einem Seminar Nebenkursus weitergebildet. Den Unterricht erteilt der von Odenkirchen zugezogene Seminarlehrer Anton Kaiser.
Der Seminarlehrer Grimm wurde mit dem 25.September 1907 nach Siegburg versetzt und trat am 1.November 1907 der Seminardirektor Dr. von der Fuhr an seine Stelle.
Der Seminar Oberlehrer Nellessen ist am 1.Januar 1908 in den Ruhestand getreten. Ihm wurde der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. Am 25.November 1907 wurde der Vikar Albert Pickarek zu Cornelimünster nach Barmen versetzt; bis jetzt ist noch kein neuer Vikar für Cornelimünster ernannt.
Der Unterricht an der mit März 1907 wieder ins Leben getretenen Fortbildungsschule zu Breinig wird seitens des Lehrers Kranzhoff zu Breinig und des Architekten William Wöhler zu Cornelimünster erteilt.
Die Schule wurde von 76 Schülern besucht, wogegen in früheren Jahren nur 20 Schüler an dem Unterrichte teilnahmen.
Seit dem 9.Januar @. findet in Breinig ein Kursus der Haushaltungs- und Kochschule des Landkreises Aachen statt, an welchem 22 Schülerinnen /: 14 aus Breinig, 8 aus der Gemeinde Walheim:/ teilnehmen. Der Kursus dauert 3 Monate.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war ein zufriedenstellender. Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht. Es kamen auch vereinzelte Fälle von Dyphterie und Scharlach vor, auch war ein Todesfall an Typhus zu verzeichnen.
Viehseuchen haben während des Jahres 1907 nicht geherrscht; es verendeten nur wie in früheren Jahren mehrere Stück Rindvieh an Milz- bezw. Rauschbrand.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Die Heuernte, die im Jahre 1906 sehr gut ausgefallen war, konnte auch in diesem Jahre noch als eine zufriedenstellende bezeichnet werden.
Auch ließ die Getreideernte nicht viel zu wünschen übrig. Die Kartoffelernte war eine reichliche. Die Viehpreise sind gegen das Vorjahr etwas gesunken.
Für einen Teil der Gemarkung Breinig ist die Zusammenlegung der Grundstücke angeregt worden, jedoch ist es noch sehr zweifelhaft, ob die Angelegenheit zur Durchführung gelangt. war 1960 noch nicht durchgeführt

VIII HANDEL und GEWERBE

Die Tätigkeit in den Steinbrüchen und Kalköfen sowie Brauereien erfolgte ohne wesentliche Veränderung, nur in den Wintermonaten ließ die Tätigkeit wie gewöhnlich nach. Adam Thelen und Wilhelm Hoven beschäftigten in ihren Betrieben eine Anzahl galizischer Arbeiter.
Die mit April 1907 in Betrieb genommene Kunstwollfabrik der Firma R.Lupke u. Co zu Brand hat volle Beschäftigung, es arbeiten daselbst ca. 50 Personen.
Die Bierbrauerei der Firma Josef Schmitz hierselbst ist in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden.
Der Erzbergbau der Grube Cornelia zu Breinigerheide wird ohne wesentliche Veränderung weitergeführt.
Ebenfalls führt die Firma J. van Gülpen den Betrieb unverändert weiter. Diese errichtete einen neuen Fabrikschornstein.
Das Sägewerk der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei und Zinkfabrikation zu Münsterau ist in den Besitz der Gebr. Schüler zu Gelsenkirchen übergegangen und wird der Betrieb unverändert weitergeführt.
Die Firma Peter Krings zu Breinig hat nach dem am 10.Oktober 1906 stattgehabten Brande die Arbeitsräume ihres Sägewerks bedeutend vergrößert.
Zu dem am 28.Mai 1907 abgehaltenen Viehmarkte waren nur 3 Kühe aufgetrieben. Zum Herbstviehmarkte waren dagegen 74 Kühe, 208 Schweine, 3 Schafe, 1 Pferd, 1 Ochse, 4 Bullen und 53 Rinder aufgetreten.

IX GEMEINDEVERWALTUNG

Josef Lausberg zu Cornelimünster hat das Amt als Schiedsmann wegen seines hohen Alters niedergelegt und wurde der Kaufmann Johann Radermacher zu Cornelimünster als Schiedsmann und zu seinem Stellvertreter der Steinhauermeister Peter Jacob Hennecken zu Breinig gewählt.
Kaspar Pingen zu Venwegen ist auf weitere 6 Jahre zum Dorfvorsteher von Venwegen ernannt worden.
Der Gemeindeempfänger Engelen wurde endgültig angestellt.
Der Nachtwächter und Vollziehungsbeamte Wilhelm Strang zu Cornelimünster legte sein Amt nieder und trat an dessen Stelle der bisherigen Tagelöhner Simon Kreischer zu Cornelimünster.
Der Beigeordnete Kaldenbach zu Breinig legte in Folge seines hohen Alters des Amt als Beigeordneter nieder. Die Verhandlungen für die Wiederbesetzung der Stelle schweben noch.

X. BAUTEN

Im Jahre 1907 wurden 24 Bauerlaubnisse erteilt.
Hiervon entfallen auf Cornelimünster 11, auf Breinig 6, Breinigerheide 2 und Breinigerberg 5.
Die Kleinbahnstrecke Cornelimünster-Walheim ist seit dem 1.Mai 1907 in Betrieb.
Im Laufe des Sommers 1907 wurde die Straße in Cornelimünster seitens der Provinzialverwaltung neu gepflastert.
An dem Forsthause zu Venwegen wurde ein Anbau errichtet.
Im September 1907 ist mit den Arbeiten zum Ausbau des zweiten Gleises auf der Eisenbahnstrecke Stolberg-Walheim begonnen worden. Die Arbeiten werden emsig gefördert.
Seitens des Landkreises Aachen ist der Bau einer Kreiswasserleitung geplant und hat unter den meisten anderen Gemeinden auch die Gemeinde Cornelimünster den Anschluß beschlossen. Es soll zu diesem Zwecke bei Roetgen im Dreilägerbach eine Talsperre gebaut und die Anlage mit dem Jahre 1911 in Betrieb genommen werden.

XI. VERSCHIEDENES

Am 31.August und 1.September war die Ortschaft Breinig und am 19. und 20.September sämtliche Ortschaften der Gemeinde mit Einquartirung belegt.
Der Kriegerverein Cornelimünster feierte am 1.September 1907 sein 35 jähriges Stiftungsfest verbunden mit der feierlichen Überreichung des von Sr. Majestät dem Kaiser Allerhöchst verliehenen Fahnenschmuckes.
Am 12.Juni 1907 fand eine Berufs und Betriebszählung statt. Es wurden hierbei 846 Haushaltungslisten, 561 Land- und Forstwirtschaftskarten, 6 Gewerbebogen und 289 Gewerbeformulare ausgefüllt.
Die Zahl der ortsanwesenden Bevölkerung betrug 4289. Am 2.Dezember 1907 fand eine allgemeine Viehzählung statt. Nach dem Ergebnis derselben sind in der hiesigen Gemeinde 460 viehbesitzende Haushaltungen 108 Pferde, 1482 Stück Rindvieh, 17 Schafe, 1137 Schweine, 205 Ziegen, und 5107 Stück Federvieh vorhanden. Es wurden 25 Bienenstöcke gezählt.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Unglücksfälle mit tötlichem Ausgange kamen im Jahre 1907 innerhalb der hiesigen Gemeinde nicht vor.
Am 7.Mai 1907 brannten die Gebäulichkeiten der Witwe Heinrich Schrödeler zu Breinigerberg bis auf die Unfassungsmauern nieder.
In den Gebäulichkeiten des Johann Berretz von Breinig entstand am 21.Juni 1907 Feuer wodurch diese ebenfalls bis auf die Umfassungsmauern niederbrannten.
Am 15.August 1907 entstand in den Gebäulichkeiten des Peter Müller zu Breinigerberg Feuer, wodurch das Dach des Anbaues vernichtet und das Obergeschoß beschädigt wurde.
Bei dem Wirten Heinrich Kratzenberg zu Venwegen brach am 19.März @. in einem Zimmer der I. Etage Feuer aus, das jedoch nur geringen Schaden anrichtete und in kurzer Zeit gelöscht war.
Auch kamen im Jahre 1907 mehrere kleine Zimmerbrände vor.

Cornelimünster, den 24.März 1908; in Vertretung der Beigeordnete, Quadflieg



1908

Bevölkerung
1908mw
Population4449
Geburten88740 unehelich
Todesfälle35290 über 90
Trauungen15
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde112
Rindvieh1565
Schaafe22
Ziegen
Schweine982
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1905 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4091 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1909 im Oktober 1908 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 4449 Personen gegen 4313 im Vorjahre.
Die Bevölkerung der Gemeinde ist mithin innerhalb des letzten Jahres um 136 gestiegen.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1908 wurden lebend geboren: 88 männliche, 74 weibliche, in Summa 162 Personen.
Im Vorjahre waren 155 Lebendgeburten zu verzeichnen und zwar 75 männliche und 80 weibliche.
Es kam 1 männliche und 1 weibliche Totgeburt vor gegen 2 männliche und 2 weibliche im Vorjahre.
Es starben: 31 männliche, 30 weibliche im Jahre 1907.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 15 gegen 23 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Es wurden pro 1908 zur Einkommensteuer veranlagt
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 1041181321461762323003303606607002,404Frei
Personen2501681036227231612105114 123311111111334240527

IV FINANZEN

Die Umlage pro 1908 betrug 180% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 200% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1909 sind nach dem Etatsentwurfe 240% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 260% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht. Zur Deckung der im Jahre 1908 entstandenen Fehlbeträge wurde bei der Kreis Spar und Darlehenskasse zu Aachen ein Darlehen von 5.000 Mk. aufgenommen.

V. KIRCHEN & SCHULWESEN

An die Stelle des am 1.Mai 1908 nach Eschweiler versetzten Lehrerin Sommer zu Breinig, trat mit gleichem Tage die Lehrerin Helene Gilles aus Raeren-Brandenburg. Die Lehrerin Therese Peters zu Venwegen wurde mit dem 1.Mai 1908 endgültig angestellt. Desgleichen wird die Lehrerin Johanna von der Weiden mit dem 1.April 1909 endgültig angestellt.
Ein Wechsel unter den Geistlichen hat im Jahre 1908 nicht stattgefunden.
Am 1.Mai 1908 wurde der Präparandenlehrer Anton Kaiser nach Wipperfürth versetzt. An seine Stelle trat der kommissarische Seminarlehrer Hermann Leggewie aus Essen.
Der Seminarlehrer Nellessen ist am 1.Januar 1908 in den Ruhestand getreten. Ihm wurde der Rote Adlerorden IV Klasse verliehen. Seine Stelle übernahm am 1.Juli 1908 der Seminarlehrer Jos. Götting aus Elten.
Die Fortbildungsschule zu Breinig wurde im Jahre 1908 von 67 Schülern besucht. Der Unterricht wurde auch in diesem Jahre seitens des Lehrers Kranzhoff zu Breinig und des Bautechnikers William Wöhler zu Cornelimünster erteilt.

VI MEDIZINAL und VETRINÄRWESEN

Am 1.Oktober 1908 übernahm der Apotheker Rudolf Böltink aus Bocholt i. W. die dem Wilhelm Uhlrich gehörige Apotheke.
Der Gesundheitszustand unter den Menschen war ein zufriedenstellender. Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht. Es kam nur ein Fall von Dyphterie vor.
Viehseuchen haben während des Jahres 1908 nicht geherrscht. Es verendeten nur wie in früheren Jahren mehrere Stück Rindvieh an Milz- bezw. Rauschbrand.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Die Heuernte ist im Jahre 1908 ziemlich gut ausgefallen. Dagegen ließ die Getreideernte, welche durch den vielen Regen sehr gelitten hatte, viel zu wünschen übrig. Die eingeernteten Kartoffel zeigten viel Fäulnis und muß daher die Kartoffelernte, zumal auch wegen der geringen Ertrages als eine ungünstige bezeichnet werden.
Wesentliche Änderungen in den Viehpreisen sind gegen das Vorjahr nicht eingetreten.

VIII HANDEL und GEWERBE

Die Tätigkeit in den Steinbrüchen und Kalköfen sowie Brauereien erfolgte ohne wesentliche Veränderungen in den Wintermonaten ließ die Tätigkeit wie gewöhnlich nach.
In den Steinbrüchen von Adam Thelen und Wilhelm Hoven wurde während des Sommers eine Anzahl galizischer Arbeiter beschäftigt.
Die hiesige Kunstwollfabrik der Firma R.Lupke & Co zu Brand hatte genügende Beschäftigung.
Dagegen wurde der Erzbergbau der Grube Cornelia zu Breinigerheide wegen der schlechten Konjunktur stillgelegt.
Der Betrieb in den Sägewerken der Firma Peter Krings zu Breinig und der Gebr. Schüler in Münsterau war wegen des schlechten Geschäftsganges ein flauer.
In der Weberei der Firma J. van Gülpen und in der Kettenfabrik der Firma Wirths Bach & Co wurde der Betrieb unverändert weitergeführt.
Zu dem am 16.Juni 1908 abgehaltenen Viehmarkte war kein Vieh, dagegen zum Herbstviehmarkte waren 60 Kühe, 164 Schweine, 3Pferde, 2 Stiere und 50 Rinder aufgetrieben.

IX Gemeindeverwaltung

An Stelle des Beigeordneten Kaldenbach zu Breinig der wegen seines hohen Alters sein Amt niederlegte, wurde der Landwirt Peter Schnitzler zu Breinigerheide ernannt.
Am 24.Juli 1908 beschloß der Gemeinderat die Anstellung eines Gemeindesekretärs und wurde der auf dem hiesigen Bürgermeisteramte beschäftigte Josef Soldierer aus Breinig gewählt.
Auch wurde der Gasmeister Wilhelm Mertens mit Beamteneigenschaft angestellt.
Am 19.November 1908 fanden die regelmäßigen Ergänzungswahlen zum Gemeinderate statt.

X. BAUTEN

Im Jahre 1908 wurden 30 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen auf Cornelimünster 12, auf Breinig 13, Breinigerheide 3 und Breinigerberg 2.
Die Arbeiten zum Ausbau des II. Gleises der Eisenbahnlinie Stolberg-Walheim sind auf der Strecke Walheim-Schlausermühle fertig gestellt, auf der anderen Strecke werden die Arbeiten weitergeführt.

XI. VERSCHIEDENES

Am 27.Juli 1908 war die Ortschaft Breinig mit Einquartirung belegt.
Den Eheleuten Theodor Müller zu Breinig wurde aus Anlaß ihres 50 jährigen Ehejubiläums ein Gnadengeschenk Allerhöchst verliehen.
Am 1.Dezember 1908 fand eine allgemeine Viehzählung statt. Nach dem Ergebnis derselben sind in der hiesigen Gemeinde 368 Viehbesitzende Haushaltungen, 112 Pferde, 1565 Stück Rindvieh, 22 Schafe und 922 Schweine vorhanden.
Die Gendarmenstation in Cornelimünster wurde am 1.April 1908 von dem Fußgendarm Wilhelm Stage besetzt.
Am 11.Februar 1909 fand hier die diesjährige Pferdevormusterung statt.
Dem langjährigen Beigeordneten Rentner Tillmann Kaldenbach zu Breinig wurde der königl. Kronenorden IV. Klasse verliehen.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 4.April 1908 entstand in der Backstube des Bäckers Theodor Hamacher hierselbst in einer Papierkiste auf unaufgeklärte Weise Feuer, welches in kurzer Zeit gelöscht wurde. (Markt 61)
Am 15.April 1908 brannten Scheune und Stall des Maurers Peter Ganser zu Breinig bis auf die Umfassungsmauern nieder.
Am 19.September 1908 entstand in den Gebäulichkeiten des Fuhrmanns Johann Korr zu Breinigerheide Feuer, wodurch diese (Auf der Heide 36) bis auf die Umfassungsmauern zerstört wurden.
In der Nacht vom 18. zum 19.Oktober 1908 brach in der Scheune der Wwe. Mathias Jacobs zu Breinig Feuer aus, welches rasch an Umfang gewann und die Gebäulichkeiten der Ww. Jacobs, des Wirthen Wilhelm Dautzenberg und des Kleinhändlers Arnold Niessen eingeäschert wurden.
Am 1.Februar 1909 entstand in einem Zimmer des Postschaffners Ferdinand Kloubert zu Cornelimünster Feuer, wodurch verschiedene Möbelstücke beschädigt wurden und ein drei Monate altes Kind des Kloubert erstickte. Außerdem waren im Jahre 1908 noch verschiedene kleine Zimmerbrände zu verzeichnen.
Am Abend des 23.Februar 1909 fiel der Tagelöhner Nikolaus Bein aus Cornelimünster in angetrunkenem Zustande auf dem Wege zur Klause eine Mauer hinunter, infolgedessen er nach mehreren Stunden starb.
Der Steinbrucharbeiter Leonard Görres aus Niederforstbach beschäftigt im Betriebe von Adam Thelen hierselbst, fiel aus einer Höhe von 8 Meter hinunter, wodurch er sich eine schwere Verletzung des Rückgrades zuzog.

Cornelimünster, den 22.März 1909; der Bürgermeister, Esser



1909

Bevölkerung
1909mw
Population228521984483
Geburten87732 unehelich
Todesfälle47410 über 90
Trauungen28
geimpfte Kinder222
Liniendienst21 Mann
Elementarschüler384375
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde102
Rindvieh1514
Schaafe27
Ziegen
Schweine1016
Viehhalter367
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen10
Roggen55
Gerste5
Hafer110
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 64
Preise
PREISEMPfgpro
Heu45050kg
Stroh25050kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter250Kilogramm
Schwarzbrot22Kilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut3200
mittelmäßig2400
schlecht1600
Wiesen- und Weideland
gut3350
mittelmäßig2500
schlecht1650

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1905 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4091 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1910 im Oktober 1909 erfolgte Personenstands Aufnahme ergab eine Seelenzahl von 4483 Personen gegen 4449 im Vorjahre. Die Bevölkerung der Gemeinde ist mithin innerhalb des letzten Jahres um 44 gestiegen.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1909 wurden: 87 männliche, 73 weibliche, in Summa 160 Personen lebend geboren.
Im Vorjahre waren 162 Lebendgeburten und zwar 88 männliche und 74 weibliche, zu verzeichnen.
Es kamen 1 männliche und 3 weibliche Totgeburten vor, gegen 1 männliche und 1 weibliche im Vorjahre.
Es starben: 47 männliche, 41 weibliche, = 88 Personen gegen 35 männliche, 29 weibliche im Jahre 1908.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 28 gegen 15 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Pro 1909 wurden zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 691216212631364452608092104 1181321461761922522763904206302,404Frei
Personen264172103624229101397454 22211111111279318491

IV FINANZEN

Die Umlage pro 1909 betrug 240% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 260% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1910 sind nach dem Etatsentwurfe die gleichen Umlage% zur Erhebung in Vorschlag gebracht. Der Haushaltsplan pro 1910 ist auf 123.400 Mark in Einnahme und Ausgabe festgestellt.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der Vikar Johann Rings aus Siegburg wurde mit dem 1.April 1909 zum Vikar für Breinig ernannt. Diese Vikarstelle war seit dem Jahre 1900 unbesetzt.
Die Heiligtumsfahrt in Cornelimünster, welche in der Zeit vom 11. bis 25.Juli stattfand, wurde sehr stark besucht. Nach den stattgehabten Zählungen kamen auf Bahnhof Cornelimünster 38915, Bahnhof Breinig circa 10000, mit der Kleinbahn von Aachen 49404, von Eynatten 8507 Personen an, in Summe 106826 Personen. Eine Zählung der auf dem Landwege nach Cornelimünster gekommenen Personen hatte nicht stattgefunden.
Der Hauptlehrer Loehr in Breinig war vom 1.Juli bis Ende September wegen Erkrankung beurlaubt und wurde durch die Schulamtsbewerberin Gertrud Hanke aus Aachen vertreten.
Mit dem 15.Dezember wurde der Pfarrer und Ortsschulinspektor Hubert Schyns aus Venwegen nach Waldenrath Kreis Heinsberg versetzt, an dessen Stelle trat der bisherige Rektor Heinrich Brands aus Oberforstbach.
Die Fortbildungsschule zu Breinig besuchten im Jahre 1909 - 45 Schüler, der Unterricht, wurde wie bisher seitens des Lehrers Kranzhoff zu Breinig und des Bautechnikers William Woehler zu Cornelimünster erteilt.
Am 22.März feierte Josef Schmitz, Sohn des Hubert Schmitz in Breinigerheide seine Primiz. Er wurde nach Rheydt berufen.
Im Laufe des Monats September wurden in den umgebauten Gebäulichkeiten des früheren Armenhauses in Cornelimünster eine Klein-Kinderbewahrschule und eine Handarbeitsschule eröffnet, welche von den Schwestern des Herz-Jesu-Klosters geleitet werden. Beide Schulen erfreuen sich eines regen Besuches.
Die hiesigen Volksschulen besuchten 629 Kinder, davon entfielen auf Cornelimünster 126 /: 130 Knaben besuchten die Seminarübungsschule:/ Breinig 395 und Venwegen 108.
Es unterrichteten 4 Lehrer und 6 Lehrerinnen, davon 2 Lehrerinnen in Cornelimünster, 3 Lehrer und 3 Lehrerinnen in Breinig und 1 Lehrer und 1 Lehrerin in Venwegen.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war ein zufriedenstellender. Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht. Es kamen fünf Fälle von Typhus und zwei von Scharlach vor.
Desgleichen haben Viehseuchen nicht geherrscht, wie in früheren Jahren verendeten nur einige Stück Rindvieh an Milz- bezw. Rauschbrand.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Im Berichtsjahre war die Lage der Landwirtschaft im Allgemeinen wenig befriedigend.
Durch die in den Monaten Mai und Juni herrschende Trockenheit wurde die Heu- und Getreideernte sehr benachteiligt; dagegen fielen die Roggen, sowie die Kartoffelernte zufriedenstellend aus.
Die Viehpreise sind gegen das Vorjahr etwas gestiegen.

VIII. HANDEL und GEWERBE

In den Steinbrüchen und Kalkwerken sowie Brauereien und Dampfsägewerken wurde der Betrieb ohne wesentliche Veränderungen weitergeführt. Doch ließ die Tätigkeit in den Wintermonaten wie gewöhnlich etwas nach.
Die Firma Siepen & Berretz in Breinig stellte mit Juni 1909 ihren Steinbruchbetrieb ein.
Im gleichen Monate nahm die Gewerkschaft Cornelia in Breinigerheide den Erzbergbau wieder auf.
In der hiesigen Kunstwollfabrik der Firma R.Lupke et Cie zu Brand wurden zur Erledigung der Aufträge Nachtschichten eingelegt.
Die Firma J. van Gülpen in Aachen stellte mit dem 31.Dezember 1909 in ihrer hierselbst (Bleihütte) gelegenen Weberei die Arbeit ein; dieselbe soll auch voraussichtlich nicht wieder aufgenommen werden, da die Firma jetzt den gesamten Betrieb nach Büsbach verlegt hat.

IX. GEMEINDE VERWALTUNG

Im letzten Jahre sind Veränderungen bei den Verwaltungsbehörden nicht vorgekommen.

X. BAUTEN

Im Jahre 1909 wurden 19 Bauerlaubnisse erteilt; hiervon entfallen auf Cornelimünster 9, Breinig 6, Breinigerheide 2 und Breinigerberg 2. Es wurden 28 Neubauten ausgeführt.
Die Arbeiten zum Ausbau des II. Gleises der Eisenbahnstrecke Stolberg-Walheim wurden in der hiesigen Gemeinde fertig gestellt, und fand am 21.September 1909 die landespolizeiliche Abnahme der Strecke Walheim-Breinig statt und am 1.Oktober die Eröffnung des Betriebes dieser Strecke.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 22.Juli spielten mehrere Kinder von Cornelimünster auf der Straße mit Streichhölzern. Hierbei gerieten die Kleider des 5 jährigen Josef Theis, Sohn von Peter Theis, in Brand, wodurch das Kind so schwere Brandwunden erlitt, daß es bald darauf im Krankenhause Aachen-Forst starb.

XII. VERSCHIEDENES

Am 11.April 1909 entstand in dem in der hiesigen Gemeinde gelegenen Teile des Gemeindewaldes von Büsbach Feuer, wodurch der Holzbestand einer Fläche von 57 ha vernichtet wurde.

Am 21.Juli wurde im Dorfferfeld der 9 Jahre alte Wilhelm Arnold Haller aus Dorff von dem Tagelöhner Johann Cornelius Niederau aus Cornelimünster ermordet. Das Schwurgericht zu Aachen verurteilte in der Sitzung vom 18/19 Februar 1910 den Niederau wegen Mordes zum Tode und wegen Sittlichkeitsverbrechen zu 7 Jahren Zuchthaus.

Den Feuerwehrleuten, Brandmeister, Gastwirt und Schlossermeisther Karl Souvignier, Gastwirt und Klempnermeister Damian Tau und Schneidermeister Johann Cremer aus Cornelimünster wurde aus Anlaß ihrer 25 jährigen Mitgliedschaft zur hiesigen Feuerwehr das "Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen" verliehen und am 16.August durch den Herrn Landrat Pastor persönlich überreicht.
Zu dem am 27.September stattgehabten Viehmarkte in Cornelimünster waren 40 Kühe, 179 Schweine, 2 Schafe, 1 Fohlen und 21 Rinder aufgetrieben.
In der Nacht vom 14. auf den 15.August brannten Stall und Waschküche des Fabrikarbeiters Peter Wagener zu Breinigerheide nieder.
Am 22.Oktober beging der Männer Gesang Verein Breinig sein 40. Stiftungsfest, verbunden mit einem nationalen Gesangwettstreit.
Am 1.Dezember fand eine außergewöhnliche Viehzählung statt, nach deren Ergebnis in der Gemeinde Cornelimünster 367 Viehhaltende Haushaltungen, 102 Pferde, 1514 Stück Rindvieh, 27 Schafe und 1016 Schweine vorhanden sind.
Aus Anlaß ihres 50 jährigen Ehejubiläums erhielten die Eheleute Johann Hubert Comuth und Maria Theresia geborene Creutz in Cornelimünster die Ehejubiläums Medaille.
Dem Bürgermeister außer Diensten, Ludwig Giesen in Cornelimünster wurde anläßlich (Nr. 75) des Jubiläums des "Aachener Vereins zur Befoerderung der Arbeitsamkeit", dessen Kassierer p. Giesen ist, der königl. Kronenorden IV. Klasse verliehen.
Den Eheleuten Johann Grendel Fabrikarbeiter, (Nr. 33) und Maria Katharina geborene Schroeder zu Breinigerberg wurde am 15.Januar 1910 in ununterbrochener Reihenfolge und derselben Ehe der siebente Knabe geboren und ihnen gestattet, den Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs als Taufpaten in das Kirchenbuch eintragen zu lassen. Auch wurde ihnen eine Allerhöchstes Gnadengeschenk von 50 M. bewilligt.
Die im Vorjahre auf dem sogenannten "Schildchen" in Cornelimünster begonnenen Ausgrabungen römischer Bauten sind im Berichtsjahre fortgesetzt worden und haben wertvolle Funde zu Tage gefördert.
Der Landkreis Aachen pachtete die in Betracht kommenden Grundstücke von Hubert Loehrer aus Walheim, Johann Loehrer und Jakob Zeimers hierselbst mit Kaufrecht an und werden die Ausgrabungen unter Leitung des Professors Dr. Schmid in Aachen fortgesetzt.

Cornelimünster, den 15.März 1910; der Bürgermeister, Esser



1910

Bevölkerung
1910mw
Population4473
Geburten73672 unehelich
Todesfälle28260 über 90
Trauungen25
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde112
Rindvieh1576
Schaafe33
Ziegen
Schweine1209
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1910 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4459 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1911 im Oktober 1910 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 4473 Personen gegen 4483 im Vorjahre. Die Bevölkerung der Gemeinde ist mithin innerhalb des letzten Jahres um 10 zurückgegangen.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Kalenderjahre 1910 wurden 74 männliche, 66 weibliche, in Summa 140 Personen lebend geboren.
Im Vorjahre waren 160 Lebendgeburten und zwar 87 männliche und 73 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen 2 männliche und 1 weibliche Totgeburten vor, gegen 1 männliche und 3 weibliche im Vorjahre.
Es starben: 28 männliche, 29 weibliche, = 57 Personen gegen 47 männliche, 41 weibliche im Jahre 1909.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 25 gegen 28 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Pro 1910 wurden zur Einkommensteuer veranlagt
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 1041181241321461602322763003306002,404Frei
Personen245164106614437129143214 117112111111353308495

IV FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1910 215% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 235% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1911 sind nach dem Etatsentwurfe 220% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze 240% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der Pfarrer Brands zu Venwegen wurde durch Verfügung der kgl Regierung vom 12.Februar 1910 mit der Ortsschulaufsicht über die Schule in Venwegen beauftragt.
Die Lehrerin Helene Gilles in Breinig ist vom 1.Mai 1910 ab endgültig angestellt worden.
Der Lehrer Wilhelm Schmitz aus Venwegen wurde am 1.Oktober 1910 als Hauptlehrer nach Oberforstbach berufen und mit der einstweiligen Verwaltung der vakanten Lehrerstelle der Schulamtsbewerber Peter Kutsch aus Freund bei Brand beauftragt.
Am 1.April 1911 wid der Lehrer Haller aus Krekel die Stelle endgültig übernehmen.
Der Seminarlehrer Michael Klinkhammer wurde am 1.Juli 1910 nach Ratingen versetzt, an seine Stelle trat der Seminarlehrer Peter Kind aus Ratingen.
Mit Herbst 1910 fiel der am hiesigen kgl. Lehrerseminar bestehende Präparandennebenkursus fort und der Präparandenlehrer Hermann Leggewie verzog nach Wittlich.
Der Seminar Musiklehrer Jakob Zilliken übernahm am 1.Dezember 1910 eine gleiche Stelle am kgl. Lehrerseminar in Fulda an seine Stelle trat der bisherige Musiklehrer Johann Frickel aus Volwinkel.
Die Fortbildungsschule zu Breinig besuchten im Jahre 1910 41 Schüler. Der Unterricht wurde wie bisher seitens des Lehrers Kranzhoff zu Breinig und des Bautechnikers William Wöhler zu Cornelimünster erteilt.
Die hiesigen Volksschulen besuchten 637 Kinder. Davon entfielen auf Cornelimünster 135, Breinig 396 und Venwegen 106; außerdem besuchten 128 Knaben aus Cornelimünster die Seminar Übungsschule.
Es unterrichteten 4 Lehrer und 6 Lehrerinnen.

VI MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war ein zufriedenstellender.
Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht. Es kamen nur 2 Fälle von Dyphterie, 1 von Typhus und 8 von Scharlach vor.
Am 25.Mai 1910 erkrankte ein Hund des Landwirten Simon Kreischer zu Schlausermühle bf Cornelimünster unter tollwutverdächtigen Erscheinungen. Nachdem er den Kreischer selbst und den elfjährigen Knaben Peter Queins von Schlausermühle gebissen hatte, wurde er auf Anordnung des Kreistierarztes getötet. Die Untersuchung des Kopfes und Halses des Hunds im kgl. Institut für Infektions Krankheiten zu Berlin ergab Tollwut.
Aus Anlaß der vielen in Aachen und Umgegend vorgekommenen Tollwutfälle verhängte der Herr Regierungspräsident am 3.November 1911 über die Kreise Aachen-Stadt, Aachen-Land, Eupen und Montjoie für 3 Monate die Hundesperre, welche späterhin noch bis zum 23.März verlängert wurde.
Im Monate Januar 1911 brach nach und nach in den Kreisen Aachen-Stadt, Aachen-Land, Jülich, Geilenkirchen und Heinsberg die Maul- und Klauenseuche aus.
Die hiesige Gemeinde ist bis jetzt von der Seuche verschont geblieben.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Im Berichtsjahre war die Lage der Landwirtschaft im Allgemeinen wenig befriedigend.
Die Heuernte, die dem üppigen Graswuchse nach zu urteilen gut auszufallen versprach, wurde durch die vielen Regenfälle sehr erschwert und konnte der Landmann nicht vermeiden, daß ein großer Teil Heu verdarb oder doch in der Qualität bedeutend minderwertiger wurde.
Auch hatte die Getreideernte unter dem Regen viel zu leiden und muß namentlich die Haferernte als ungünstig bezeichnet werden, da der Hafer teilweise infolge der Nässe in den Garben gekeimt hatte.
Die Kartoffeln, deren Ertrag nur ein mittelmäßiger war, zeigten ebenfalls infolge des nassen Sommers viel Fäulnis und stehen aus diesem Grunde die Kartoffelpreise z. Zt. schon sehr hoch.
Auf den Vorschlag des Gemeinderaths wurde durch Erlaß des H. Oberpräsidenten vom 24.10.10 die
Aufhebung der am 2.Dienstage nach Pfingsten in Cornelimünster anstehenden, bedeutungslos gewordenen Viehmarktes und die Einrichtung eines solchen in Breinig für den 1.Dienstag nach dem 1.Mai d. Js. für zunächst drei Jahre genehmigt.

VIII HANDEL und GEWERBE

In den Steinbrüchen, Kalköfen, Brauereien und Dampfsägewerken wurde der Betrieb ohne wesentliche Veränderung weitergeführt. Doch ließ die Tätigkeit in den Wintermonaten wie gewöhnlich etwas nach.
Die Firma Wirths, Bach & Cie, Metallwarenfabrik zu Nachtigällchen erhielt die Erlaubnis, zur Erledigung der Aufträge an verschiedenen Tagen des Monats Juni 40 Arbeiterinnen über 16 Jahre eine Stunde länger als durch die Reichsgewerbeordnung vorgeschrieben, zu beschäftigen.
Der Fabrikant Carl Funke zu Aachen richtete am 29.Juni 1910 in den zu Cornelimünster gelegenen, von ihm gepachteten Fabrikräumen der Firma J. van Gülpen zu Aachen, eine Zwirnerei und Garnöffnerei ein.
Die Gesellschaft Cornelia in Breinigerheide hat eine wesentliche Verbesserung ihres Betriebs geplant. Sie beabsichtigt bedeutend tiefere Schächte anzulegen und Maschinen aufzustellen, um metl. Silbererz zu gewinnen. Zur Zeit ist sie mit der Anlage eines Pungenschachtes beschäftigt.
Die Gemeinde hat aus diesem Anlaß mit der Gewerkschaft einen neuen Vertrag für die Benutzung der Breinigerheide abgeschlossen.

IX. GEMEINDE VERWALTUNG

Im letzten Jahre sind Personalveränderungen bei der Gemeindeverwaltung nicht vorgekommen.

X. BAUTEN

Im Jahre 1910 wurden 23 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfielen auf Cornelimünster 8, Breinig 8, Breinigerheide 4 und Breinigerberg 3.
Die Legung des Hauptrohres für die Wasserleitung ist in der Ortschaft Cornelimünster erfolgt und wird in nächster Zeit in den übrigen Ortschaften mit den Rohrverlegungsarbeiten begonnen werden.
Der Kreistag beschloß in seiner Sitzung vom s. II. 1911 den Ausbau der Kleinbahnlinie Cornelimünster-Breinig.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 31.März 1910 geriet der 16 jährige Holzarbeiter Heinrich Josef Wolf aus Mausbach im Dampfsägewerk der Gebrüder Schüler in Münsteraue in eine Transmissionwelle, wodurch er einen komplizierten Bruche des linken Unterschenkels mit totaler Verrenkung des Fußgelenkes erlitt. Derselbe starb gleich nach seiner Überführung in das Bethlehem Hospital zu Stolberg.

XII. VERSCHIEDENES

Der Kreiskriegerverband Aachen-Land feierte am 10.Juli 1910 in Breinig sein Bezirksfest.
In der Nacht vom 4. zum 5.Juni 1910 schlug der Blitz in das Wohnhaus des Schustermeisters Wilhelm Bartholomäus Beissel zu Breinig ein, außer der Beschädigung des Wandputzes, einer Tür und eines Fensterrahmens wurde kein Schaden angerichtet. In derselben Nacht wurden dem Franz Arnold Motter in Schützheide 2 Rinder auf der Wiese erschlagen.
Der wegen des am 21.Juli 1909 an dem Knaben Wilhelm Arnold Haller aus Dorff begangenen Lustmordes zum Tode verurteilte 35 jährige Tagelöhner Johann Kornelius Niederau aus Cornelimünster, wurde am 12.Mai 1910, Vormittags 7 Uhr auf dem Gefängnishofe in Aachen hingerichtet. Derselbe gestand
in letzter Stunde noch ein am 18.Mai 1906 Scheune und Stall des Ackerers Johann Löhrer in Cornelimünster in Brand gesteckt zu haben.
Die Ausgrabungen römischer Bauten sind im Berichtsjahre fortgesetzt worden und haben wertvolle Funde zu Tage gefördert. Der Landkreis Aachen kaufte die in Betracht kommenden Grundstücke von Hubert Löhrer aus Walheim, Johann Löhrer und Jakob Zeimers aus Cornelimünster. Die Ausgrabungen stehen unter Leitung des Geheimen Regierungsraths Professor Dr. Schmid.
S. Exzellenz der Oberpräsident der Rheinprovinz Herr Freiherr von Schorlemer begleitet von dem Herrn Regierungspräsidenten Dr. von Sandt und den Herrn Landrat Pastor, besichtigte am 6.Juni @. die Ausgrabungen römischer Bauten bei Cornelimünster, die Pfarrkirche und das kgl. Lehrerseminar.
Am 1.Dezember 1910 fand wiederum eine allgemeine Volkszählung statt. Nach dieser Volkszählung betrug die Ortsanwesende Bevölkerung in Cornelimünster 4450 Personen gegen 4091 im Jahre 1905 der Zuwachs beträgt mithin 368.
Gleichzeitig fand auch eine außerordentliche Viehzählung statt, welche folgendes Ergebnis erbrachte:

Viehbestand
Viehstand19101909Zuwachs
Pferde11210210
Rindvieh1576151462
Schafe33276
Schweine12091016193

Cornelimünster, den 22.Februar 1911; der Bürgermeister, Esser



1911

Bevölkerung
1911mw
Population4501
Geburten68610 unehelich
Todesfälle45360 über 90
Trauungen20
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde110
Rindvieh1721
Schaafe34
Ziegen
Schweine1265
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1910 hatte die Gemeinde eine Ortsanwesende Bevölkerung von 4468 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1912 im Oktober 1911 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 4501 Personen gegen 4473 im Vorjahre. Die Bevölkerung der Gemeinde ist mithin innerhalb des letzten Jahres um 28 gestiegen.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Kalenderjahre 1911 wurden: 68 männliche, 61 weibliche, in Summa 129 Personen lebend geboren.
Im Vorjahre waren 140 Lebendgeburten und zwar 74 männliche und 66 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen 3 männliche und 2 weibliche Totgeburten vor, gegen 2 männliche und 1 weibliche im Vorjahre.
Es starben: 45 männliche, 36 weibliche, = 81 Personen gegen 28 männliche, 29 weibliche, im Jahre 1910.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 20 gegen 25 im Vorjahre.

III. STEUERVERANLAGUNG

Pro 1911 wurden zur Einkommensteuer veranlagt
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 1081321461601761922763004802,404Frei
Personen241175115764050161094321 1814211111297320404

IV FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1911 210% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 230% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1912 sind nach dem Etatsentwurfe 210% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 230% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Am 2.April @. starb im Krankenhause zu Aachen-Forst der Pfarrer Heinrich Höfges aus Breinig. Für die Pfarrerstelle ist der bisherige Rektor Rohe aus Cöln-Nippes ernannt worden.
Die feierliche Einführung fand am 2.Juli 1911 statt.
Der Vikar Rings, welcher die vakante Stelle verwaltet hatte, wurde kurze Zeit nach der Einführung des neuen Pfarrers nach Cöln-Riehl versetzt.
Am 1.Juni 1911 feierte der Hauptlehrer Löhr zu Breinig sein 50 jähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde ihm der Kronenorden IV. Klasse verliehen.
Infolge eines Antrages der Einwohner von Breinigerberg hat der Gemeinderat sowie der Schulvorstand die Einrichtung einer Schulklasse in Breinigerberg beschlossen.
Die Fortbildungsschule zu Breinig besuchten im Jahre 1911 34 Schüler. Der Unterricht wurde wie bisher seitens des Lehrers Kranzhoff zu Breinig und des Bautechnikers William Wöhler zu Cornelimünster erteilt.
Die Volksschulen wurden von 683 Kindern besucht. Davon entfielen auf Cornelimünster 150, auf Breinig 418 und auf Venwegen 115 Kinder.
Außerdem besuchten 128 Knaben aus Cornelimünster die Seminar Übungsschule. Es unterrichteten 4 Lehrer und 6 Lehrerinnen.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war zufriedenstellend.
Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht. Es kamen 8 Fälle von Dyphterie, 7 von Lungen und Kehlkopftuberkulose, 2 von Scharlach und 3 von Typhus vor.
Am 28.Juni 1911 brach unter dem Rindviehbestand des Ackerers Wilhelm Hammel zu Cornelimünster die Maul- und Klauenseuche aus, welche sich nach und nach über alle Ortschaften der hiesigen Gemeinde verbreitete. Es wurden insgesamt 121 Gehöfte von der Seuche heimgesucht.
Infolge der dieserhalb verhängten Sperre und der im Sommer herrschenden großen und andauernden Dürre hatten die Viehbesitzer nicht bald zu überwindende Verluste und Nachteile. Gegen Mitte Oktober war die Seuche auf sämtlichen Gehöften erloschen und konnten die Sperrmaßregeln deshalb aufgehoben werden.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Im Berichtsjahre war die Lage der Landwirtschaft infolge der großen und anhaltenden Dürre des Sommers, durch welche der Nachwuchs auf den Wiesen vollständig ausblieb, wenig befriedigend.
Die Heu und Getreideernte, welche gut ausgefallen war, ging infolge der Trockenheit schnell von statten. Die Kartoffelernte jedoch wurde durch die anhaltende Trockenheit stark beeinträchtigt und kann nur als mittelmäßig bezeichnet werden.

VIII HANDEL und GEWERBE

Am 21.März 1911 brannte das Sägewerk des Jakob Krings zu Zweifall bis auf die Umfassungsmauern nieder. Anfangs September konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.
In den Steinbrüchen, Kalkwerken und Brauereien wurde der Betrieb ohne wesentliche Veränderung weitergeführt, doch ließ die Tätigkeit in den Wintermonaten wie gewöhnlich etwas nach.
Der Fabrikant Karl Funke zu Aachen, der in den zu Cornelimünstere gelegenen Fabrikräumen der Firma J. van Gülpen zu Aachen eine Zwirnerei und Garnöffnerei eingerichtet hatte, stellte den Betrieb am 23.3.1911 wieder ein. In denselben Räumen eröffnete die Firma Steins & Eischet am 8.4.1911 einen Reißerei u. Droussierereibetrieb, den sie jedoch auch am 16.12.1911 einstellte.

IX Gemeineverwaltung

Der Beigeordnete Quadflieg zu Cornelimünster ist für eine weitere 6 jährige Amtsdauer zum Beigeordneten der Gemeinde Cornelimünster ernannt worden.
Am 14. und 15.Dezember 1911 fanden die Ergänzungswahlen zum Gemeinderat statt.

X. BAUTEN

Im Jahre 1911 wurden 28 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen auf Cornelimünster 5, auf Breinig 15, auf Breinigerheide 1, auf Breinigerberg 3, auf Schützheide 2 und auf Münsteraue 2.
Die Rohrverlegungsarbeiten der Kreis Wasserleitung sind in der ganzen Gemeinde beendet und ist bereits mit der Lieferung von Wasser begonnen worden.
Am 11.März 1912 ist mit den Arbeiten für den Ausbau der Kleinbahnlinie Cornelimünster-Breinig begonnen worden.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

In der Nacht vom 16. zum 17.April 1911 brannten die Gebäulichkeiten des Wirten Peter Flink zu Breinigerberg bis auf einige Umfassungsmauern nieder.
Am 1.Mai 1911 spielte der zehnjährige Sohn Heinrich des Steinbrechers Christian Hoven zu Cornelimünster mit Sprengkapseln. Hierbei explodierte eine Sprengkapsel und riß ihm drei Finger der linken Hand ab. Der neben ihm stehende zehnjährige Stefan Laschet verlor hierbei das rechte Auge.
Am 29.Mai kam auf Grube Cornelia zu Breinigerheide der Maschinist Johann Sieven aus Breinig der Hochspannungsleitung zu nahe und wurde sofort getötet.
Am 12. Aug. brannten die Gebäulichkeiten des Steinbrechers Lorenz Breuer zu Breinig nieder.
Desgleichen am 3.September das Haus des Webers Johann Arnold Keischgens zu Venwegen.
Auch im Gemeindewalde von Cornelimünster kamen mehrere kleine Waldbrände vor. In dem im Gemeindebezirk Cornelimünster gelegenen Gemeindewalde von Büsbach brach am 11.9.1911 Feuer aus, welches sich infolge des starken Windes und der anhaltenden Trockenheit schnell verbreitete und eine Fläche von ca. 75 ha vernichtete.
Am 13.Januar 1912 benutzte der Maschinist Josef Schreiber aus Breinig den abends von Walheim kommenden Arbeiterzug. Da der Zug eine Strecke vor der Station Breinig hielt und kein Zeichen zum Aussteigen gegeben wurde, blieb Schreiber sitzen in der Meinung, der Zug werde an der Station noch einmal halten. Da der Zug aber nicht hielt, sprang Schreiber aus dem fahrenden Abteil, kam zu Fall und geriet unter die Räder, wobei ihm beide Beine abgefahren wurden. Schreiber starb noch in derselben Nacht an den erlittenen Verletzungen.

XII VERSCHIEDENES

In der Nacht vom 30. zum 31.Mai 1911 wurden in der hiesigen Gegend mehrere teils leichtere, teils heftigere Erdstöße wahrgenommen.
Am 18.Oktober 1911 stattete seine Majestät Kaiser Wilhelm II. auf einer Automobilfahrt von Aachen nach Bonn dem Orte Cornelimünster einen Besuch ab. Er besichtigte die Heiligtümer und Schätze der hiesigen Pfarrkirche und setzte nach einem Aufenthalte in 20 Minuten die Fahrt fort. Die Straßen und Häuser waren festlich geschmückt und beflaggt. Schulkinder und Vereine bildeten Spalier.
Durch Allerhöchste Cabinettsordre vom 14.November 1911 wurde dem Bürgermeister Esser und dem Pfarrer Dr. Kleinermanns zu Cornelimünster der Rote Adlerorden 4.Klasse verliehen.
Am 1.Dezember 1911 fand wiederum eine Viehzählung statt, welche folgendes Ergebnis brachte:

Vieh
Viehstand19111910Zuwachs
Pferde110112-2
Rindvieh17211576145
Schaafe34331
Schweine1265120956

Cornelimünster, den 14.März 1912; der Bürgermeister, Esser



1912

Bevölkerung
1912mw
Population4389
Geburten65660 unehelich
Todesfälle28290 über 90
Trauungen34
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler719
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde112
Rindvieh1782
Schaafe27
Ziegen148
Schweine1060
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht


1. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1910 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4468 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1913 im Oktober 1912 erfolgte Personenstandsaufnahme ergab eine Seelenzahl von 4389 Personen, gegen 4501 im Vorjahre. Die Bevölkerungszahl der Gemeinde hat sich mithin innerhalb des letzten Jahres um 112 Personen verringert.

2. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1912 wurden: 65 männliche, 66 weibliche, in Summa 131 Personen lebend geboren.
Im Vorjahre waren 129 Lebendgeburten und zwar 68 männliche und 61 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen 3 männliche und 2 weibliche Totgeburten vor, gegen 3 männliche und 2 weibliche im Vorjahre.
Es starben: 28 männliche, 29 weibliche, = 57 Personen gegen 45 männliche, 36 weibliche im Jahre 1911.
Standesamtliche Heirathen erfolgten 34 gegen 20 im Vorjahre.

3. STEUERVERANLAGUNG

Pro 1912 wurden zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 691216212631364452607092104 1181321461601701922122522763004806382,404 Frei
Personen2361891258643392514106261 2621122111111234361382

4. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1912 200% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 220% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1913 sind nach dem Etatsentwurfe 180% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 200% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer in Vorschlag gebracht.

5. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der Pfarrer Kleinermanns in Cornelimünster wurde zum Dechant ernannt.
Der Hauptlehrer Löhr zu Breinig ist mit dem 1.Oktober 1912 in den Ruhestand getreten. Für die Hauptlehrerstelle wurde der Lehrer Kranzhoff zu Breinig berufen. Die infolge Pensionierung des Hauptlehrers Löhr in Breinig frei gewordene Lehrerstelle wurde durch den Lehrer Karl Heutz aus Breitenbenden besetzt. Der Unterricht in dem Saale des Wirten Jakob Kreutz zu Breinigerberg hat am 2.November 1912 begonnen und wurde der Lehrer Heinrich Schings aus Medell mit Erteilung des Unterrichts betraut.
Mit dem 1.April 1913 scheidet die Lehrerin Steinhauer in Cornelimünster aus dem Schuldienste aus und ist zur Wiederbesetzung der Stelle die Lehrerin Peters aus Venwegen seitens des Schulvorstandes in Vorschlag gebracht worden.
Dem Seminardirektor Dr. von der Fuhr in Cornelimünster wurde die nebenamtliche Kreisschulinspektion über die Schulen in Breinig und Venwegen übertragen.
Der Hauptlehrer Kranzhoff zu Breinig wurde zum Mitgliede des Schulvorstandes des Schulverbandes Cornelimünster bestimmt.
Die Fortbildungsschule zu Breinig besuchten im Jahre 1912 31 Schüler. Der Unterricht wurde wie bisher seitens des Lehrers Kranzhoff zu Breinig und des Bautechnikers William Wöhler in Cornelimünster erteilt.
Die Volksschulen wurden von 719 Kindern besucht. Davon entfielen auf Cornelimünster 136, auf Breinig 412, auf Breinigerberg 54, und auf Venwegen 117 Kinder. Außerdem besuchten121 Knaben aus Cornelimünster die Seminar-Übungsschule. Es unterrichteten 5 Lehrer und 6 Lehrerinnen.

6. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war gut. Ansteckende Krankheiten haben nicht geherrscht.
Es kamen 2 Fälle von Dyphterie und 1 Fall von Scharlach vor.
Am 22.April 1912 wurde unter dem Schweinebestande der Landwirten Josef Legros in Cornelimünster die Maul- und Klauenseuche festgestellt. Die Seuche blieb jedoch auf fragliches Gehöft beschränkt und konnte nach kurzer Zeit die Sperre wieder aufgehoben werden.
Am 31.Oktober 1912 wurde bei 3 Rindern des Landwirten Ludwig Kessel, welche dieser vom Dinslakener Viehmarkt erhalten hatte, die Maul- und Klauenseuche festgestellt. Infolgedessen wurde über die Ortschaft Breinigerheide die Sperre verhängt und die übrigen Ortschaften der Bürgermeisterei Cornelimünster als Beobachtungsgebiet erklärt. Die Seuche blieb jedoch auf das Geschäft beschränkt und konnten am 2.Dezember 1912 sie Sperrmaßregeln wieder aufgegeben werden.

7. LANDWIRTSCHAFT

Im Berichtsjahre war die Lage der Landwirtschaft gegen das Vorjahr ziemlich gut zu nennen.
Die Heu- und Getreideernte ist fast gut ausgefallen. Nur ist der Hafer infolge des anhaltenden Regens meistens verdorben und zeigten die Kartoffeln infolge der nassen Witterung im Monat August und September viel Fäulnis.

8. HANDEL und GEWERBE

Die Lage der Industrie war im Berichtsjahr im allgemeinen zufriedenstellend.
In den Steinbrüchen, Kalkwerken und sonstigen industriellen Anlagen wurde der Betrieb ohne wesentliche Veränderung weitergeführt.

9. GEMEINDEVERWALTUNG

Der Polizeidiener Karl Kröger zu Breinig tritt mit dem 1.April 1913 auf seinen Wunsch nach 32 jähriger Dienstzeit in den Ruhestand die fragliche Stelle ist zur Wiederbesetzung ausgeschrieben worden.

10. BAUTEN

Im Jahre 1912 wurden 42 Bauerlaubnisse erteilt. Hiervon entfallen auf Cornelimünster 10, auf Breinig 17, Breinigerberg 4, Breinigerheide 3, Schützheide 4, Venwegen 1 und Münsterau 3.
Die Arbeiten für den Ausbau der Kleinbahnlinie Cornelimünster-Breinig sind noch nicht beendet. Die Gleisanlage und Aufstellung der Kosten ist fertig gestellt und ist man zur Zeit mit der Einrichtung der Oberleitung beschäftigt. Die fragl. Linie wird wohl in Monatsfrist dem Betrieb übergeben werden können.

11. UNGLÜCKSFÄLLE

Am 15.Juni 1912 brannten die Gebäulichkeiten des Landwirten Peter Schnitzler zu Breinigerheide bis auf die Umfassungsmauern nieder.
In der Scheune des Fabrikarbeiters Peter Classen zu Breinig entstand am 11.Oktober 1912 auf unaufgeklärte Weise Feuer, wodurch Scheune und Stall bis auf einige Umfassungsmauern vernichtet und das Dach des Wohnhauses beschädigt wurde.
Außerdem kamen im Laufe des Berichtsjahres einige kleinere Zimmerbrände vor.
Am 14.Februar 1913 verunglückte im Steinbruche des Adam Thelen in Cornelimünster der Steinbrecher Hubert Ahn von hier durch einen herabfallenden schweren Stein. Ahn verlor hierbei den linken Arm sowie das linke Bein unterhalb des Knies. Der Verletzte wurde nach Anlegung eines Notverbandes durch den hiesigen Arzt, sofort in das Krankenhaus zu Aachen-Forst überführt. Ahn ist verheiratet und hat 3 kleine Kinder.
In den gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrieben des Bezirks ereigneten sich im Jahre 1912 außerdem 21, meistens kleinere Unfälle.

12. VERSCHIEDENES

Am 1.Dezember 1912 fand eine allgemeine Viehzählung statt. Es wurden gezählt: 478 Gehöfte mit Viehbestand, 491 Viehbesitzende Haushaltungen, 112 Pferde, 1782 Stück Rindvieh, 27 Schafe, 1000 Schweine, 148 Ziegen, 6958 Stück Federvieh und 38 Bienenstöcke.

Cornelimünster, den 24.Februar 1913; der Bürgermeister, Esser



1913

Bevölkerung
1913mw
Population4603
Geburten84570 unehelich
Todesfälle34320 über 90
Trauungen30
geimpfte Kinder209
Liniendienst
Elementarschüler403425
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde110
Rindvieh1754
Schaafe20
Ziegen152
Schweine1408
Obstbäume454
Grundstücke7929
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

1. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung vom 1.Dezember 1910 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4468 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1914 im Oktober 1913 vorgenommene Personenstandsaufnahme ergab eine Einwohnerzahl von 4603 Personen gegen 4389 im Vorjahre.
Weithin hat sich die Bevölkerungszahl der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 214 vermindert.

2. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

In dem Kalenderjahre 1913 wurden: 84 männliche und 57 weibliche zusammen 141 Kinder lebend geboren.
Im Vorjahre waren 131 Lebendgeburten und zwar 65 männliche und 66 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen 4 weibliche Totgeburten vor, gegen 3 mänliche und 2 weibliche im Vorjahre.
Es starben: 34 männliche und 32 weibliche zusammen 66 Personen gegen 28 männliche und 29 weibliche zusammen 57 Personen im Vorjahre 1912.
Standesamtliche Heirathen wurden 30 gegen 34 im Vorjahre, geschlossen.

3. STEUERVERANLAGUNG

Für 1913 wurden zur Einkommensteuer veranlagt
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 104118132146160176192212232276300420570630 2,404Frei
Personen24317013310766453213115744 413311311111111232 332432

4. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1913 180% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 200% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1914 sind nach dem Etatsentwurfe wiederum 180% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 200% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer in Vorschlag gebracht.

5. KIRCHEN und SCHULWESEN

An Stelle der mit dem 1.April 1913 aus dem Schuldienste ausgeschiedenen Lehrerin Steinhauer wurde die Lehrerin Peters aus Venwegen an die Mädchenschule von Cornelimünster berufen. Die hierdurch in Venwegen freigewordene Stelle wurde durch die Schulamtsbewerberin Bodden aus Aachen wiederbesetzt. Durch Verfügung der königlichen Regierung vom 29.Oktober 1913-B.2 No.2290- ist der Lehrer Heinrich Schings zu Breinigerberg mit Wirkung vom 1.Oktober 1913 und gültig berufen worden.
Der Gemeinderat hat die Anstellung eines Schularztes beschlossen. Dieser soll mit 1.April 1914 seine Tätigkeit beginnen.
Für den in Aussicht genommenen Neubau einer Volksschule in Breinigerberg wurde der Gemeinde von der königlichen Regierung ein Zuschuß von 12.000 M zur Verfügung gestellt.
Die Volksschulen wurden im Berichtsjahre von 828 Kindern besucht, davon entfielen auf Cornelimünster 144 Mädchen und 137 Knaben, welche letztere ihren Unterricht in der Seminarübungsschule erhalten, auf Breinig 197 Mädchen und 179 Knaben; auf Breinigerberg 30 Mädchen und 31 Knaben, auf Venwegen 54 Mädchen und 56 Knaben.
An dem Fortbildungsschulunterricht in Breinig nahmen 31 Schüler teil. Dieser wurde wie in den Vorjahren von dem Hauptlehrer Kranzhoff zu Breinig sowie dem Bautechniker William Wöhler aus Cornelimünster erteilt.

6. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war im allgemeinen ein guter. Es haben keine ansteckenden Krankheiten geherrscht, nur vereinzelte Fälle sind vorgekommen: 1 Fall von Diphterie, ein Fall von Scharlach und 1 Todesfall von Lungentuberkulose. An einem von Medizinalrat Dr. Schmitz geleiteten Kursus für Säuglingsfürsorge nahmen die Hebammen der Gemeinde teil.
Auch unter den Haustieren hat im Jahre 1913 ein guter Gesundheitszustand geherrscht. Von Seuchen sind die Viehbestände in der Gemeinde verschont geblieben. Heur einige Fälle von Milz und Rauschbrand beim Rindvieh und Rotlauf bei den Schweinen sind festgestellt worden.

7. LANDWIRTSCHAFT

Die Lage der Landwirtschaft ist im Berichtsjahre gut gewesen. Die Heuernte war, obschon sie sich infolge anhaltenden Regens im Juli stark verzögert hatte, doch noch eine ziemlich ertragreiche geworden. Auch die anderen Feldfrüchte welche in hiesiger Gemeinde allerdings nur in geringem Maße angebaut werden - wie Weizen, Roggen und Hafer lieferten gute Erträge, besonders in diesem Jahre auch die Kartoffeln.

8. HANDEL und GEWERBE

Auch in diesem Jahre waren die hiesigen industriellen Betriebe vollauf beschäftigt.
Die Kunstwollfabrik R. Lupke & Co GmbH hier hat ihren Betrieb durch Anbau von Lager und Sortierräumen vergrößert. Es haben bei dieser Firma jetzt 85 Arbeiter resp. Arbeiterinnen Beschäftigung.
Ein neues Unternehmen ist der Gemeinde zugeführt worden durch die Etablierung der Seifen und Parfümeneriefabrik A.H. Kendall - früher in Aachen - hier, Cornelimünster. Diese Firma hat die alten leerstehenden Gebäulichkeiten der sogenannten "Bleihütte " an der Venwegenerstraße durch Um- und Anbauten in praktische Fabrikations Lager und Packräume umgewandelt. Gegenwärtig stehen ca. 25 Personen daselbst in Arbeit.
In den Steinbrüchen und Kalkwerken wurde im Jahre 1913 der Betrieb ohne wesentliche Veränderung wie in den vergangenen Jahren weitergeführt.
Ebenso ging der Betrieb der Dampfsägewerke in Breinig und Münsterau gut voran.
Die Metallwarenfabrik von Wirth's, Bach & Co in Nachtigällchen hat ihre Räumlichkeiten auch wieder durch Anbau zweier größerer Pack- und Lagerräume vergrößert.

9. GEMEINDE VERWALTUNG

Der Polizeidiener Karl Kröger zu Breinig ist am 1.April 1913 nach 32 jähriger Dienstzeit in den Ruhestand getreten. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber verliehen. An seine Stelle trat am 1.Juli 1913 der Polizeisergeant Nikolaus Schnorrenberg, welcher bis dahin im Dienste der Stadt Mayen angestellt war.
Zum Dorfvorsteher von Venwegen wurde der Landwirt Caspar Pingen, dessen Amtsdauer mit dem 22.Januar 1914 abgelaufen war, am 18.Dezember 1913 vom Gemeinderat wiedergewählt.

10. BAUTEN

Im Jahre 1913 wurden 34 Bauerlaubnisse erteilt gegen 42 im Vorjahre. Von diesen entfielen auf Cornelimünster 5, auf Breinig 19, Breinigerberg 3, Venwegen 6 und Breinigerheide 1.
Am 28.März 1913 konnte die landespolizeiliche Abnahme der neuerbauten Kleinbahnstrecke Cornelimünster-Breinig erfolgen. Seit dem 1.April wurde die Strecke dem öffentlichen Verkehr übergeben.
In Breinig ist von der Lehmkaulstraße aus der Eisenbahn entlang eine neue Straße nach Breinigerheide ausgebaut worden.

11. UNGLÜCKSFÄLLE

Es sind im Berichtsjahre in der Gemeinde Cornelimünster 31 Unfälle zur Anzeige gekommen.
Von diesen, die sich in den landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben ereigneten, hat nur ein Unfall den Tod des Verletzten herbei geführt. Es war dies das Unglück, welches dem Hülfsweichensteller Johann Lüngen aus Stolberg auf der Eisenbahnstrecke Stolberg-Breinig am 17.August 1913 abends gegen 11 Uhr zustieß. Der Verunglückte, welcher von Breinig aus, um einen kürzeren Heimweg zu haben, der Bahnstrecke nachgegangen war, wurde unterwegs von einem Güterzuge überfahren und schwer verletzt. Erst 6 Stunden, nach dem sich das Unglück ereignet hatte, wurde er noch lebend aufgefunden; er erlag jedoch kurze Zeit nach seiner Überführung ins Stolberger Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.
Tot aufgefunden wurde am 4.März 1913 morgens gegen 5 Uhr der Schreiner Josef Johnen aus Cornelimünster auf dem Weg nach Breinig. Er wollte seinen gewohnten Weg zur Arbeitsstelle machen. Leute, welche nach ihm kamen, fanden ihn an einem Baume liegend, tot vor; der herbeigerufene Arzt stellte Tod durch Lungenschlag fest.
Außer einigen Zimmer und Kaminbränden, bei denen der erlittene Schaden für die Betroffenen von nur geringer Bedeutung war, sind im Jahre 1913 keine Brände in der Gemeinde vorgekommen.

12. VERSCHIEDENES

Am 1.Dezember 1913 fand wieder eine Viehzählung, diesmal verbunden mit einer Obstbaumzählung, statt.
Es wurden gezählt:

Viehzählung
ViehstandStück
Gehöfte657
Gehöfte mit Viehbestand431
Haushaltungen mit Vieh449
Pferde110
Rindvieh1754
Schaafe20
Ziegen152
Schweine1408

ObstbäumeStück
Gehöfte und Hausgärten444
auf dem freien Feld7928
auf Grundstücken10

Die durch Beschluß des Bundesrates für den 2.Juni 1913 für das ganze deutsche Reich angeordnete Zwischenzählung der Schweine ergab folgende Zahlen:
Auf 653 Gehöfte kamen 293 mit Schweinen, ferner waren 294 Haushaltungen mit Schweinen gezählt worden. Die Gesamtzahl der Schweine betrug 1181; davon waren 1054 Schweine unter ½ Jahr alt und Ferkel, 1 : ½ bis noch nicht 1 Jahr alter Zuchteber, 19 : ½ bis noch nicht 1 Jahr alte Zuchtsäue, 92 : ½ bis noch nicht 1 Jahr alte andere Schweine, 1 : 1 Jahr alter oder älterer Zuchteber, 11 : 1 Jahr alte oder ältere Zuchtsäue, 3 : 1 Jahr alte oder ältere Schweine.
Seit Anfang des Jahres 1914 ist bei starkem Frostwetter auch viel Schnee gefallen. Als am 9.Januar Regenwetter eintrat, ging die Inde über die Ufer, und am Abend stand das Wasser auf dem Friedrich-Wilhelmplatze in Cornelimünster 70-80 cm hoch. Von Abends 11 Uhr ab war schon fallendes Wasser zu beobachten, und am 10.Januar morgens war der Platz wieder frei von Hochwasser.
Aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers und Königs wurde zum Besten der katholischen Missionen in den deutschen Kolonien und Schutzgebieten eine Sammlung in der Gemeinde veranstaltet, die einen Betrag von 211,50 M einbrachte.
Am 9.März 1913 wurde die Erinnerung an die große Zeit vor 100 Jahren, die Befreiungskriege, in Cornelimünster festlich begangen. Die in den andern Orten der Gemeinde fanden aus demselben Anlaße schöne Feierlichkeiten statt, woran sich die sämtlichen Vereine sowie die ganze Einwohnerschaft beteiligten.

Cornelimünster, den 4.Februar 1914; der Bürgermeister, Esser



1914

Bevölkerung
1914mw
Population4623
Geburten92672 unehelich
Todesfälle39330 über 90
Trauungen19
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler113138Cornelimünster
Elementarschüler193208Breinig
Elementarschüler3833Breinigerberg
Elementarschüler5054Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde87
Rindvieh1959
Schaafe20
Ziegen149
Schweine758
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Der diesjährige Bericht steht unter dem Zeichen des gewaltigen Krieges, mit dem unser Vaterland nun schon seit dem Monat August 1914 überzogen wird und wie größer die Geschichte bis jetzt keinen zu verzeichnen hat. Noch dauern die erbitterten Kämpfe nach zwei Fronten fort und ein Ende dieses Völkerringens ist nicht abzusehen.

Wir erlebten das nie geahnte Schauspiel, daß sich ein Teil des Fußmarsches unseres Heeres durch die hiesigen Ortschaften vollzog und waren Zeugen davon, wie mit frohem Mut und ernster Begeisterung unabsehbare Züge junger und älterer Krieger in den Kampf zogen, mit dem hohen Ziel, sich einzusetzen für die heiligsten Güter, die uns beutegierige und ränkesüchtige Feinde zu bedrohen gewagt haben.
In den ersten Wochen der Mobilmachung stockte der Verkehr, weil die Beförderung von Truppen und Heeresbedarf die Eisenbahn voll in Anspruch nahm, wodurch auch unsere industriellen Werte in Mitleidenschaft gezogen wurden, sodaß viele Arbeiter beschäftigungslos wurden und die Gemeinde Nothstandsarbeiten ausführen lassen mußte.
Am 1. Mobilmachungstage wurde der Landsturm einberufen, um die Eisenbahnstrecken zu bewachen. Der 4. Compagnie des Landsturmbataillons Aachen mit dem Standorte in Walheim fiel die Aufgabe zu, die Eifelstrecke von Eilendorf bis Contzen zu beaufsichtigen.

Kurz nach Beginn des Krieges setzte die Kriegsfürsorgetätigkeit ein. In allen Ortschaften wurden Kommissionen gebildet, die Sammlungen veranstalteten, deren rascher Ertrag zum Ankauf von Liebesgaben in Gestalt von wollenen Kleidungsstücken, Taschentüchern, Zigarren, Tabak, Pfeifen, Schokolade, elektrischen Taschenlampen, Seife und anderen nützlichen Sachen verwendet wurden, sodaß allen im Felde stehenden Soldaten wertvolle Pakete zugesandt werden konnten.

Nicht unerwähnt darf ich auch lassen, daß als in der ersten Hälfte des Monats September 1914 mehrere unserer Armeekorps vom linken Flügel der Heeresfront im Elsaß auf der Eifelbahnstrecke in ununterbrochen bei Tag und Nacht, sich folgenden Eisenbahnzügen über Aachen-Herbesthal nach dem rechten Flügel des westlichen Kriegsschauplatzes befördert wurden, die Bewohner aller Ortschaften im Wetteifer für die Verpflegung und Bewirtung der Truppen während des Aufenthaltes der Züge am hiesigen Bahnhofe in reichstem Maße sorgten. Sogar von Büsbach, Zweifall und Roth wurden die Liebesgaben Fuhrenweise herangebracht.

287 Familien, deren Ernährer zum Heere eingezogen, mußten unterstützt werden. Außer den vom Reiche und den Familien Beihilfen, die bis zum Schlusse des Rechnungsjahres 10.824 M betrugen.
Um die durch den Krieg entstehenden Kosten bezw. Steuerausfälle zu decken, nahm die Gemeinde bei der Landesbank der Rheinprovinz eine Anleihe von 60.000 M auf.
Dem Rufe des Vaterlandes folgten bis jetzt aus der Gemeinde Cornelimünster 365 Männer und zwar aus der Ortschaft Cornelimünster 104 aus der Pfarre Beinig 225, und aus Venwegen 36.
Leider haben wir auch schon viele Verluste zu verzeichnen.

Es starben den Heldentod für's Vaterland aus Cornelimünster 4, Breinig 13, Venwegen 4, Ehre ihrem Andenken. Es sind in feindliche Gefangenschaft geraten bezw. werden vermißt aus der Gemeinde Cornelimünster 8.

8 Krieger der Gemeinde wurden für besondere Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kriege ausgezeichnet.


Im übrigen ist zu berichten:

I. BEVÖLKERUNG

In der letzten allgemeinen Volkszählung am 1.Dezember 1910 hatte die Gemeinde eine Ortsanwesende Bevölkerung von 4468 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1915 im Oktober 1914 vorgenommene Personenstandsaufnahme ergab eine Einwohnerzahl von 4995 Personen gegen 4603 Personen im Vorjahre. Mithin hat sich die Bevölkerung der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 392 vermehrt.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Kalenderjahre 1914 wurden 92 männliche und 67 weibliche zusammen 159 Kinder lebend geboren.
Im Vorjahre waren 141 Lebendgeburten und zwar 84 männliche und 57 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen 3 männliche Totgeburten vor, gegen 4 weibliche im Vorjahre.
Es starben: 39 männliche und 33 weibliche zusammen 72 Personen gegen 34 männliche und 32 weibliche zusammen 66 Personen im Vorjahre.
Standesamtliche Heiraten wurden 19 gegen 30 im Vorjahre geschlossen.

III. STEUER VERANLAGUNG

Für 1914 wurden zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz69121621263136445260708092 1041181321461601761922122322763005106002,40 4Frei
Personen2111591631176943168219853 14223211111121220286 387

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1914 180% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 200% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer.
Für das Rechnungsjahr 1915 sind nach dem Etatsentwurfe 220% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 240% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der Lehrer Carl Haller zu Venwegen wurde mit dem 1.Juli 1914 nach Cöln versetzt. Vom 15.Juli bis 1.October erteilte der Schulamtsbewerber Heinrich Neumann aus Eupen den Unterricht. Die Lehrerstelle wurde am 1.Oktober dem Schulamtsbewerber Gerhard van Megeren aus Cöln übertragen. Mit der Vertretung des zum Heeresdienste einberufenen Lehrers Heinrich Schings zu Breinigerberg wurde der Schulamtsbewerber Hubert Fischer aus Düren beauftragt. Der Lehrer Carl Hentz zu Breinig ist vom 1.Oktober 1914 ab endgültig berufen worden.
Die Volksschulen wurden im Berichtsjahre von 827 Kindern besucht, davon entfielen auf Cornelimünster 113 Knaben und 138 Mädchen, welch erstere ihren Unterricht in der Seminarübungsschule erhielten; auf Breinig 193 Knaben und 208 Mädchen; auf Breinigerberg 38 Knaben und 33 Mädchen; auf Venwegen 50 Knaben und 54 Mädchen.
An dem Fortbildungsschulunterricht in Breinig nahmen 36 Schüler teil.
Dieser wurde wie in den Vorjahren von dem Hauslehrer Kranzhoff zu Breinig und dem Bautechniker William Wöhler aus Cornelimünster erteilt.
Der Seminarlehrer Peter Kind zu Cornelimünster ist aus dem Dienste ausgetreten und nach Düsseldorf verzogen.
Mit dem 1.Februar @. wurde der Seminarlehrer Josef Lennartz als Seminaroberlehrer nach Ratingen versetzt.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRPOLIZEI

Der Gesundheitszustand unter den Menschen war im allgemeinen ein guter. Es haben keine ansteckenden Krankheiten geherrscht; es kamen nur 1 Fall von Dyphterie und 2 Todesfälle an Lungentuberkulose vor.
Auch unter den Haustieren hat im Jahre 1914 ein guter Gesundheitszustand geherrscht. Von Seuchen sind die Viehbestände in der Gemeinde verschont geblieben. Nur einige Fälle von Milz- und Rauschbrand beim Rindvieh sind festgestellt worden.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Die Heuernte ist zur Zufriedenheit ausgefallen, auch war die Getreideernte zufriedenstellend. Die Kartoffelernte hat einen ergiebigen Ertrag gehabt. Die Kartoffelpreise haben in den letzten Monaten eine ungewöhnliche Höhe erreicht.
Infolge der wegen des Krieges erfolgten Sperrung der Einfuhr aus dem Auslande sind die Futtermittelpreise derart gestiegen, daß es den Landwirten kaum mehr möglich ist, die gewohnten Futtermittel zu verfüttern, auch war durch die Einschränkung und zeitweise Einstellung des Eisenbahnverkehres die Zufuhr der Futtermittel sehr erschwert.
Bei der Pferdeaushebung wurden aus der Gemeinde Cornelimünster 37 Pferde von der Militärverwaltung angekauft und für den Heeresdienst verwendet. Hierdurch entstand ein Mangel an Pferden, der auch jetzt noch nicht behoben ist und sich bei den Arbeiten für die Frühjahrsbestellung sehr fühlbar machen wird.

VIII. HANDEL und GEWERBE

Bis zum Ausbruch des Krieges hatten die Gewerbebetriebe volle Beschäftigung. Die Einberufung der Mannschaften und die Beschränkung des Verkehrs rief eine gänzliche Stockung hervor.
Die Steinbrüche und Kalkwerke, deren Betrieb auch noch durch das Verbot der Verwendung von Sprengstoffen gehemmt wurde, stellten die Arbeiten ganz ein. Seitdem diesen Werken der Betrieb wieder ermöglicht ist und die Waren durch die Bahn regelmäßiger befördert werden, haben die Werke wieder genügende Beschäftigung. Auch die übrigen Fabrikbetriebe und die Sägewerke waren in den ersten Monaten gezwungen, ihre Betriebe einzustellen oder die Arbeitszeit wesentlich einzuschränken.
Zur Zeit sind mehrere Betriebe mit Arbeiten für Heereslieferungen vollauf beschäftigt.

IX. GEMEINDE VERWALTUNG

Der Polizeidiener Nikolaus Schnorrenberg in Breinig wurde infolge Mobilmachung am 3.August 1914 zum Heeresdienste einberufen. Die Vertretung übernahm Josef Giesen in Breinig.
Der Beigeordnete Peter Schnitzler zu Breinigerheide, dessen Amtsdauer mit dem 16.April 1914 abgelaufen war, wurde durch Oberpräsidialerlaß vom 16.April 1914 für eine fernere gesetzliche Amtsdauer von 6 Jahren zum Beigeordneten der Bürgermeisterei Cornelimünster ernannt.

X. BAUTEN

Im Jahre 1914 wurden 38 Bauerlaubnisse erteilt gegen 34 im Vorjahre. Von diesen entfielen auf Cornelimünster 7, auf Breinigerheide 3, auf Breinig 19, auf Breinigerberg 3, auf Schützheide 2 und auf Venwegen 4. Seit der Mobilmachung ruht die Bautätigkeit vollständig.
Der Schulhausneubau in Breinigerberg ist im Rohbau vollendet und ist mit den Verputzungsarbeiten begonnen worden.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Im Berichtsjahre sind in der Gemeinde Cornelimünster 21 Unfälle zur Anzeige gekommen, die sich teils in landwirtschaftlichen und teils in gewerblichen Betrieben ereigneten. Diese Unfälle waren meistens geringfügiger Art und hat kein Unfall den Tod des Verletzten herbeigeführt.
Am 28.November 1914 verunglückte der Fuhrmann Franz Johann Peltzer aus Eschweiler beim Transportieren eines Fasses Branntwein zum Keller des Wirten Peter Kutsch in Breinig und starb an den erhaltenen Verletzungen.
Der Landsturmann Peter Laven aus Eschweiler (Kreis Heinsberg), geriet am 16.Januar @. morgens 9 ½ Uhr, als er auf der Eisenbahnbrücke bei Schlausermühle auf Posten stand, unter die Lokomotive eines Güterzuges und wurde auf Station Walheim in gänzlich verstümmelten Zustande tot hervorgezogen. (Nr. 1)
Am 28.September 1914 wurden Stall und Schuppen des Maurers Heinrich Ganser zu Schützheide durch Feuer beschädigt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.
Auch kamen im Jahre 1914 mehrere kleine Zimmerbrände vor.

XII. VERSCHIEDENES

Am 1.Dezember 1914 fand eine Viehzählung, diesmal verbunden mit einer Vorratsermittelung statt.
Es wurden bei der Viehzählung gezählt:

Vieh
ViehstandStück
Viehhalter415
Pferde87
Rindvieh1959
Schafe20
Ziegen149
Schweine758
Die Vorratsermittelung ergab:
3832 kg Weizen auch Kernen, 12170 kg Roggen, 70 kg Menggetreide, 31485 kg Hafer, 1420 kg Gerste, 5405 kg Mehl aus Weizen und Kernen, 7095 kg Roggenmehl, 25235 kg anderes Mehl (aus Gerste, Hafer, Mais und Menggetreide) mithin ein Gesamtergebnis sämtlicher Vorräte von 86712 kg.
Die Schweinezwischenzählung am 2.Juni 1914 hatte folgendes Ergebnis:
374 Haushaltungen mit Schweinen, 1251 unter ½ Jahre alte Schweine und Ferkel, 4 : ½ bis noch nicht 1 Jahr alte Zuchtsäue, 190 andere ½ bis noch nicht 1 Jahr alte Schweine, 2 : 1 Jahr alte und ältere Zuchteber, 19 : 1 Jahr alte und ältere Schweine.
Mithin ergab sich eine Gesamtzahl der Schweine von 1557 Stück. Auch wurde am 15.März 1915 eine Schweine-Zwischenzählung angeordnet.
Das Ergebnis war folgendes:
87 Schweinehaltende Haushaltungen mit 195 unter ½ Jahre alte Schweine und Ferkel, 5 : ½ bis noch nicht 1 Jahr alte Zuchteber, 21 : ½ bis noch nicht 1 Jahr alte Zuchtsäue, 56 andere ½ bis noch nicht 1 Jahr alte Schweine, 1 : 1 Jahr alte und ältere Zuchtsau und 1 anderes 1 jahr altes und älteres Schwein. Mithin Gesamtzahl der Schweine 290.
Gemäß Beschluß des Bundesrats von 4.März 1915 hat am 15.März auch eine Aufnahme der Vorräte an Kartoffeln stattgefunden. Es ergab sich insgesamt ein Vorrat von 3126 Zentnern.
Im Berichtsjahr 1914 wurde aus Anlaß des 50 jährigen Bestehens der Vereine vom Roten Kreuz eine Rote Kreuz Sammlung zu Gunsten der freiwilligen Krankenpflege im Kriege veranstaltet. Der Reingewinn in der Gemeinde Cornelimünster betrug 436,08 M. Die weitere Sammlung mußte aus Anlaß des Krieges eingestellt werden.
Die Eheleute Arnold Kloubert in Breinig, feierten am 23.September 1914 ihr goldenes Ehejubiläum. Zu dieser Feier wurde denselben ein Gnadengeschenk von "Fünfzig Mark" allerhöchst verliehen.
Auch feierten die Eheleute Christian Willms zu Breinigerberg am 27.Februar 1915 ihr goldenes Jubiläum und wurde denselben gleichfalls ein Gnadengeschenk von "Fünfzig Mark" zuerkannt.

Cornelimünster, den 31.März 1915; der Bürgermeister, Esser



1915

Bevölkerung
1915mw
Population4504
Geburten48521 unehelich
Todesfälle66260 über 90
Trauungen13
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler127144Cornelimünster
Elementarschüler202213Breinig
Elementarschüler4237Breinigerberg
Elementarschüler5762Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde77
Rindvieh1679
Schaafe18
Ziegen144
Schweine375
Federvieh4258
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen22,16
Roggen61,94
Gerste7,77
Hafer82,02
Spelz1,25
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 81,76
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Während des zu Ende gegangenen Jahres 1915 dauerte der Weltkrieg fort.

Die Anforderungen, die infolgedessen an die Gemeinde gestellt wurden, steigerten sich von Tag zu Tag. Wenn auch unsere Landwirtschaft unsere Bevölkerung zu ernähren imstande ist und Dank der umsichtigen Maßnahmen unserer Regierung für den richtige Verteilung der Lebensmittel gesorgt wird, so ist deren Beschaffung doch mit immer größeren Schwierigkeiten verbunden.
Die behördlich angeordnete Einschränkung der Arbeitszeit des Textilindustrie machte eine Unterstützung der erwerbslosen Textilarbeiter erforderlich. Von den zu zahlenden Unterstützungen trägt das Reich die Hälfte, der Staat ein Drittel, so daß auf die Gemeinde noch ein Sechstel entfällt. Hierdurch entstand der Gemeinde im abgelaufenen Jahre eine Ausgabe von 2.481,75 M.
Die Zahl der Familien, deren Ernährer zum Heeresdienst eingezogen wurden und die daher unterstützt werden mußten, ist auf 494 gestiegen, die an diese Familien seitens der Gemeinde gezahlten Beihilfen haben bis jetzt die Summe von 73.821, 26 M. erreicht.
Leider ist mit der Zahl der Männer, die dem Rufe des Vaterlandes folgten auf die Zahl derjenigen gewachsen, die ihr Leben für die Verteidigung des Vaterlandes hergeben mußten.
Möge das Völkerringen bald zu einem für uns siegreichen und ehrenvollen Abschluß gelangen, sodaß unsere Krieger wieder zur friedlichen Arbeit in die Gemeinde zurückkehren können.

Im Übrigen ist zu berichten:

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung am 1.Dezember 1910 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4468 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1916 im Oktober 1915 vorgenommene Personenstandsaufnahme ergab eine Einwohnerzahl von 4504 Personen gegen 4995 im Vorjahre. Mithin hat sich die Bevölkerungszahl der Gemeinde innerhalb des letzten Jahres um 490 vermindert.
II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Vorjahre waren 159 Lebendgeburten und zwar 92 männliche und 67 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen 1 männliche und 2 weibliche Totgeburten vor, gegen 3 männliche im Vorjahre.
Es starben: 66 männliche und 26 weibliche zusammen 92 Personen gegen 39 männliche und 33 weibliche zusammen 72 Personen im Vorjahre.

III. STEUER VERANLAGUNG

Für 1915 wurden zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 104106118132146160176212276300330480570750 2,404Frei
Personen21217512175472629131113683 211224111121111233 388385

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1915 220% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 240% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer.
Für das Jahr 1916 sind nach dem Etatsentwurfe 240% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 260% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Mit dem 8.April 1915 wurde Johann Krahwinkel zum Vikar in Breinig ernannt, und am 23.Februar 1916 nach Mülheim/Ruhr versetzt.
Der mit der Vertretung des zum Heeresdienste einberufene Lehrer Schings in Breinigerberg beauftragte Schulamtsbewerber Hubert Fischer wurde am 21.Juni 1915 ebenfalls einberufen.
Die Stelle ist der Schulamtsbewerberin Gertrud Eis vertretungsweise übertragen worden. Am 13.März 1916 ist die Lehrerin Gertrud Harren aus Breinig in Birkesdorf gestorben. Die Verhandlungen wegen Wiederbesetzung der Stelle schweben noch.
Im Berichtsjahre wurden die Volksschulen von 884 Kindern besucht, wovon auf Cornelimünster 127 Knaben und 144 Mädchen, auf Breing 202 Knaben und 213 Mädchen, auf Breinigerberg 42 Knaben und 37 Mädchen, auf Venwegen 57 Knaben und 62 Mädchen entfielen.
Die Knaben in der Ortschaft Cornelimünster erhielten ihren Unterricht in der Seminarübungsschule.
An dem Fortbildungsschulunterricht, welcher wie im Vorjahre von dem Hauptlehrer Kranzhoff in Breinig und dem Bauführer Wöhler in Cornelimünster erteilt wurde nahmen 32 Schüler teil.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Unter den Menschen hat im allgemeinen ein guter Gesundheitszustand geherrscht, wohl sind 2 Erkrankungen am Diphterie, 3 an Scharlachfieber und 2 Todesfälle an Lungentuberkulose zu verzeichnen gewesen.
Die Rindviehbestände sämtlicher Ortschaften der Gemeinde waren an Maul- und Klauenseuche erkrankt, sodaß über die Ortschaften monatelang die Sperre verhängt werden mußte. Von weiteren Seuchen sind die Viehbestände verschont geblieben.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Unsere Landwirtschaft blickt auf ein wenig günstiges Jahr zurück. Die anhaltende Trockenheit der Frühjahrsmonate ließ einen üppigen Graswuchs nicht aufkommen, sodaß sowohl der Weidegang des Viehs, wie auch die Gemeinde erheblich beeinträchtigt wurden. Die Milcherzeugung, die schon unter der ungünstigen Weide während der Trockenheit gelitten hatte, erfuhr einen weiteren starken Rückgang durch die Maul- und Klauenseuche. Später wieder eintretende Niederschläge brachten noch gute Weiden. Der Mangel an Kraftfutter verringerte jedoch bald wieder die etwas gestiegene Milcherzeugung. Große Mengen Stroh mußten als Viehfutter von auswärts eingeführt worden. Die Getreideernte war zufriedenstellend, nur der Hafer ist wegen der zur Zeit der Einerntung einsetzenden Regenperiode vielfach verdorben.

VIII. HANDEL & GEWERBE

Die Firma R.Lupke & Cie in Cornelimünster welche große Aufträge für die Heeresverwaltung zu erledigen hatte, war vollauf beschäftigt.
Die Sägewerke mußten wegen Mangel an Arbeitskräften ihre Betriebe teilweise einstellen.
Die Steinbrüche haben, da die Bautätigkeit vollständig ruht nur wenig Beschäftigung gehabt. Augenblicklich sind die Betriebe mit der Ausführung von Heereslieferungen beauftragt und stellte die Firma Wilhelm Hoven in Cornelimünster Kriegsgefangene ein.
Die Seifenfabrik A.H.Kendall in Cornelimünster stellte den Betrieb ganz ein wegen Mangel an Rohprodukten und infolge Einberufung des Betriebsleiters.

IX. GEMEINDEVERWALTUNG

Der Unterzeichnete ist seit 11.April 1915 zum Heeresdienste einberufen.
Der für den Polizeisergeanten Schnorrenberg geschäftigte Hilfspolizeidiener Giesen ist am 23.August 1915 einberufen worden und besorgt der Polizeisergeant Brück die Geschäfte.
Infolge Anordnung des stellvertretenden Generalkommandos muß das Bürgermeisteramt zwecks Entgegennahme der den Ausländern auferlegten Meldungen von morgens 6 Uhr bis Abends 10 Uhr geöffnet sein.

X. BAUTEN

Die Bautätigkeit ruhte im Berichtsjahre vollständig. Es wurden nur 3 Bauerlaubnisse erteilt, welche auf die Ortschaft Cornelimünster entfielen.
Der Schulhausneubau in Breinigerberg konnte infolge Einberufung der Unternehmer nicht fertiggestellt werden.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Im Berichtsjahre sind in der Gemeinde Cornelimünster 12 Unglücksfälle zur Anzeige gekommen, die sich teils in landwirtschaftlichen, teils in gewerblichen Betrieben ereigneten. Die Unfälle waren meistens geringfügiger Art und hat kein Unfall den Tod des Verletzten herbeigeführt.
Größere Brände sind im Berichtsjahre nicht zu verzeichnen, wohl sind einige Zimmerbrände zur Anzeige gekommen.

XII. VERSCHIEDENES

Am 10.Oktober 1915 wurde in der Klosterkirche der Benediktiner hierselbst der französische Kriegsgefangene Dom Bernhard Lartigalos durch seine Eminenz den Kardinal Erzbischof Dr. Felix von Hartmann zu Cöln zum Priester geweiht. Lartigalos, Mitglied einer französischen Benediktinerniederlassung war vom Kriegsgefangenenlager in Erfurt dem Benediktinerkloster überwiesen und hielt sich vom 5.März 1915 hier auf.
Zum goldenen Ehejubiläum welches die Eheleute Peter Wilhelm Hardt in Venwegen am 6.Februar 1916 feierten, wurde denselben ein Allerhöchstes Gnadengeschenk von "Fünfzig Mark" verliehen.
Am 9.Mai 1915 fand eine Aufnahme der Getreide & Mahlvorräte statt, welche folgendes Ergebnis hatte:
265 Pfd. Weizen, 6118 Pfd. Roggen, 715 Pfd. Weizen mit anderer Frucht gemischt, 225 Pfd. Gerste, 19024 Pfd. Hafer, 1478 Pfd. Weizen, 26024 Pfd. Roggen, 3006 Pfd. Hafer und 7965 Pfd. Gerstenmehl.
Die Anfang Juni vorgenommenen Ernteflächenerhebung ergab folgendes:
21,91 Morgen Winterweizen, 0,25 Morgen Sommerweizen, 1,25 Morgen Spelz, 61,19 Morgen Winterroggen, 0,75 Morgen Sommerroggen, 7,77 Morgen Gerste, 1,06 Morgen Menggetreide welches zur menschlichen Ernährung geeignet ist, 82,02 Morgen Hafer, 0,50 Morgen Hafer im Gemenge mit Getreide oder Hülsenfrüchte, 81,76 Morgen Kartoffeln und 1,98 Morgen Hülsenfrüchte.
Das Ergebnis der Viehzwischenzählung am 1.Oktober 1915 ergab insgesamt:
85 Pferde, 1919 Stück Rindvieh, 30 Schafe, 458 Schweine, 161 Ziegen und 4258 Stück Federvieh
Die am 16.November 1915 vorgenommenen, in Aufnahme der Brotgetreide, Hafer und Mehlvorräte ergab:
477,63 Ctr Roggen, 32,90 Ctr Weizen, 3 Ctr Spelz, 8 Ctr Menggetreide, 198,29 Ctr Hafer, 2 Ctr Mengkorn, 1 Ctr Mischfrucht, 69,08 Ctr Roggenmehl, 30,42 Ctr Weizenmehl und 8,20 Ctr Mehlgemische.
Am 1.Dezember 1915 fand die Viehzählung statt. Es wurden gezählt: 388 Viehhaltende Haushaltungen, 77 Pferde, 1679 Stück Rindvieh, 18 Schafe, 375 Schweine, und 144 Ziegen.
Bei der am 3.Januar 1916 angeordneten Bestandsaufnahme von Kaffee, Tee und Kakao wurden 574 kg gebrannter Kaffee, 5 kg Tee und 19 kg gebrannter Kakao gezählt.
Die Kartoffelbestandsaufnahme am 24.Februar 1916 ergab einen Kartoffelbestand in der Gemeinde von 3716 Ctr. Im März 1916 wurde eine Hausbestandsaufnahme vorgenommen, welche 176,880 t Heuvorrat ergab. Auch fand vom 12.-15.März 1916 eine Bestandsaufnahme der Heu- und Strohvorräte statt, bei welcher 2270 Ctr Heu und 609 Ctr Stroh gezählt wurden.

Cornelimünster, den 2.Mai 1916; der Bürgermeister, Esser



1916

Bevölkerung
1916mw
Population4065
Geburten40361 unehelich
Todesfälle57320 über 90
Trauungen13
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler130142Cornelimünster
Elementarschüler207214Breinig
Elementarschüler3938Breinigerberg
Elementarschüler5765Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Der Weltkrieg wütet mit unverminderter Heftigkeit und Grausamkeit. Zu den alten Feinden sind neue getreten. Es werden Schlachten geschlagen, wie sie an Dauer und Umfang die Weltgeschichte nicht kennt. Trotzdem stehen unsere Truppen an allen Fronten ungeschwächt und sehen mit unerschütterlichem Vertrauen auf ihre Führung dem weiteren Verlaufe des Krieges entgegen.
Die Zahl der Einberufenen ist noch gestiegen und damit die Zahl der unterstützungsbedürftigen Familien, sodaß an die Gemeinde immer größere Anforderungen gestellt werden.
Die Knappheit an Lebensmitteln nimmt, insbesondere wegen des Mangels an Kartoffeln, stetig zu,und sehen wir nicht ohne Besorgnis den nächsten Monaten entgegen.

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung am 1.Dezember 1916 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4065 Seelen. Wie für die Steuerveranlagung für das Jahr 1917 im Oktober 1916 stattgehabte Personenstandsaufnahme ergab eine Einwohnerzahl von 4575 Personen gegen 4504 im Vorjahre. Die Bevölkerungszahl der Gemeinde hat sich mithin innerhalb des letzten Jahres um 71 vermehrt.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Kalenderjahre 1916 wurden 40 männliche und 36 weibliche zusammen 76 Kinder lebend geboren.
Im Vorjahre waren 100 Lebendgeburten und zwar 48 männliche und 52 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen 3 männliche und 1 weibliche Totgeburten vor, gegen 1 männliche im Vorjahre.
Es starben: 57 männliche und 32 weibliche zusammen 89 Personen gegen 46 männliche und 38 weibliche im Jahre 1916.
Standesamtliche Heiraten wurden 13 gegen 20 im Vorjahre geschlossen.

III. STEUER VERANLAGUNG

Für 1916 wurden zur Einkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 10411813214616017619225230042014402,404Frei
Personen227172136845127301869845 522231211212239278422

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1916 250% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 250% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1917 sind nach dem Etatsentwurfe 270% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 270% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Die Lehrer van Megeren in Venwegen und Margraff in Breinig sind im Laufe des Jahres zum Kriegsdienste einberufen worden. Am 1.Februar @. ist die Lehrerin Peters aus dem Schuldienste ausgetreten und wurde die Stelle bis zu den Osterferien von der Schulamtsbewerberin Karoline Breuer aus Aachen-Forst verwaltet.
Nach den Osterferien hat die Lehrerin Gilles die Stelle der Lehrerin Peters an Frl. Gilles war bis dahin als Lehrerin in Breinig tätig. Die durch die Versetzung der p Gilles in Breinig freigewordene Lehrerinnenstelle ist bisher noch nicht besetzt und wird vertretungsweise durch die Lehrerin Breuer verwaltet. Die durch den Tod der Lehrerin Harren in Breinig freigewordene Lehrerinnenstelle wurde durch die Lehrerin Hubertine Lammerts besetzt.
Die Volksschulen wurden im Berichtsjahre von 802 Kinder besucht, davon entfielen
auf Cornelimünster 130 Knaben und 142 Mädchen
auf Breinig 207 Knaben und 214 Mädchen
auf Venwegen 57 Knaben und 65 Mädchen
auf Breinigerberg 39 Knaben und 38 Mädchen
Die Knaben der Ortschaft Cornelimünster wurden wie bisher in der Seminar Übungsschule unterrichtet.
Der Fortbildungsschulunterricht, welcher wie bisher von dem Hauptlehrer Kranzhoff zu Breinig und dem Bauführer Wöhler erteilt wird, wurde von 45 Schülern besucht.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Unter den Menschen hat im allgemeinen ein guter Gesundheitszustand geherrscht.
Es kamen 2 Fälle von Scharlachfieber, 1 Fall an Diphterie und 5 Fälle an Lungen und Kehlkopftuberkulose vor.
Die Viehbestände sind im Berichtsjahre von Seuchen verschont geblieben.

VIII. LANDWIRTSCHAFT

Die Heu und Getreideernte war im abgelaufenen Jahr zufriedenstellend, der Ertrag der Kartoffeln dagegen gering. Die Preise der landwirtschaftlichen Produkte haben eine nie dagewesene Höhe erreicht.
Die Milchergiebigkeit der Kühe ließ in Folge der Futternot bedeutend nach. Diese wird durch die noch immer anhaltende Kälte, die das Wachstum des Grases zurückhält, sodaß das Vieh außergewöhnlich lange eingestallt bleiben muß, noch gesteigert. Viele Landwirte sind genötigt Heu zu hohen Preisen anzukaufen.

IX. HANDEL und GEWERBE

Die Firma R.Lupke und Co, und Wirths Bach & Co sowie sämtliche Steinbrüche sind mit Kriegslieferungen vollauf beschäftigt.
Die Seifenfabrik A.H.Kendall in Cornelimünster hat ihren Betrieb noch nicht wieder aufgenommen.

IX. GEMEINDEVERWALTUNG

Der Gemeindeverordnete Ludwig Schnitzler in Schützheide ist am 10.September 1916 gestorben.
Am 1.September wurde der Unterzeichnete vom Heeresdienste entlassen.

XI. BAUTEN

Die Bautätigkeit ruhte im Berichtsjahre vollständig. Baugesuche wurden nicht vorgelegt.

XII. UNGLÜCKSFÄLLE

Von den 22 zur Anmeldung gekommenen Unfällen, welche sich teils in gewerblichen, teils in landwirtschaftlichen Betrieben ereigneten, hat keiner den Tod des Verletzten herbeigeführt.

XIII. VERSCHIEDENES

Die Eheleute Kornelius Kutsch in Breinig feierten am 9.Februar @. ihr goldenes Ehejubiläum und wurde denselben zu dieser Feier ein Ehejubiläumsmedaille Allerhöchst verliehen.

Cornelimünster, den 1.Mai 1917; der Bürgermeister, Esser



1917

Bevölkerung
1917mw
Population4488
Geburten38260 unehelich
Todesfälle37220 über 90
Trauungen17
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler128142Cornelimünster
Elementarschüler195198Breinig
Elementarschüler3534Breinigerberg
Elementarschüler5053Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde
Rindvieh
Schaafe
Ziegen
Schweine
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen16
Gerste
Hafer17
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
ButterKilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig
schlecht
Wiesen- und Weideland
gut
mittelmäßig
schlecht

Der Krieg dauerte auch während des Berichtsjahres fort. Die Zahl der zum Heeresdienst Einberufenen ist wiederum gestiegen und damit sind die Anforderungen, die durch die Unterstützung deren Familien an die Gemeinde gestellt wurden, gewachsen.

Bis zum 1.Februar 1918 wurden gezahlt: Kriegsunterstützungen Mk 411.442,64, Kreis und Gemeindezuschüsse Mk 157.397,01. Die seitens des Kreises geleisteten Vorschußzahlungen einschließlich des Zuschußes aus dem 200 Millionen- Fonds - 506.773 Mk.
Die vom 1.November 1917 ab eingetretenen Erhöhungen der Reichsunterstützung belaufen sich auf 14.195,50 Mk. An Ausgleichsunterstützungen wurden 1.287,24 Mk gezahlt.
Die Unterstützung der Erwerbslosen Textilarbeiter erforderten bis jetzt eine Ausgabe von 41.893,58 Mk.
Die Zahl derjenigen, die ihr Leben für das Vaterland opfern mußten, beträgt bis jetzt: 95; sie verteilt sich auf die Ortschaften wie folgt: Cornelimünster 25, Breing(Pfarre) 58, Venwegen 12.
In Gefangenschaft gerieten, bezw. es werden vermißt 41 und zwar aus Cornelimünster 15, Breinig(Pfarre) 13 bezw. 10 Venwegen 3.
Durch die unterm 22.Januar 1918 von dem Herrn Vorsitzenden des Kreisausschusses erlassene Anordnung betreffend die Bewirtschaftung von Milch und den Verkehr mit Milch im Landkreise Aachen wurde bestimmt, daß alle in der Gemeinde erzeugte und eingeführte Milch an bestehende bezw. Butter-Erzeugung außerhalb des Molkerei verboten ist. In Folge dieser Verordnung müssen sämtliche Kuhhalter zwangsweise an die Molkerei in Walheim angeschlossen werden.

Im übrigen zu berichten:

I. BEVÖLKERUNG

Bei der letzten allgemeinen Volkszählung am 1.Dezember 1910 hatte die Gemeinde eine ortsanwesende Bevölkerung von 4468 Seelen. Die für die Steuerveranlagung für das Jahr 1918 im Oktober 1917 vorgenommene Personenstandsaufnahme ergab eine Einwohnerzahl von 4488 Personen, gegen 4575 Personen im Vorjahre.
Mithin hat sich die Bevölkerung innerhalb der Gemeinde im letzten Jahre um 87 vermindert.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Kalenderjahre 1917 wurden 38 männliche und 26 weibliche zusammen 64 kinder lebend geboren.
Im Vorjahre waren 76 Lebendgeburten und zwar 40 männliche und 36 weibliche zu verzeichnen.
Es kamen keine männliche und 1 weibliche Totgeburt vor, gegen 3 männliche und 1 weibliche Totgeburt im Vorjahre.
Es starben: 37 männliche und 22 weibliche zusammen 59 Personen gegen 57 männliche und 32 weibliche zusammen 89 Personen im Vorjahre.
Standesamtliche Heiraten wurden 17 gegen 13 im Vorjahre geschlossen.

III. STEUER VERANLAGUNG

Für 1917 wurden zur Einkommenssteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 1041061181321462122763003303903602321922,40 4Frei
Personen12412491744941502117147712 361533411111118224 147

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug pro 1917 270% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 270% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuer. Für das Rechnungsjahr 1918 sind nach dem Etatsentwurfe 270% der Einkommensteuer und der fingirten Sätze, 270% der Realsteuer und 100% der Betriebssteuer zur Erhebung in Vorschlag gebracht.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der königliche Seminarlehrer Johannes Frickel wurde von hier nach Ratingen versetzt, an seiner Stelle wurde der Seminar Musiklehrer J. Latten nach hier berufen. Lehrerin Cormann wurde mit der Vertretung des zum Heere einberufenen Lehrers van Megeren in Venwegen betraut. Die bisher an der Schule in Breinigerberg tätige Lehrerin Eis wurde an die Stelle des nach Cornelimünster versetzten Lehrerin Gilles berufen. Die Schulamtsbewerberin Breuer welche bis dahin die Vertretung für Lehrerin Gilles übernommen hatte, wurde mit der Vertretung des Lehrers in Breinigerberg beauftragt.
Als Vertreterin für die einberufenem Lehrer Heutz und Margraff wurde am 1.11.1917 die Schulamtsbewerberin Kraus bestellt. Im Berichtsjahre wurden die Volksschulen von 835 Kindern besucht, waren auf Cornelimünster 129 Knaben und 142 Mädchen, auf Breinig 195 Knaben und 198 Mädchen, auf Breinigerberg 35 Knaben und 34 Mädchen, auf Venwegen 50 Knaben und 53 Mädchen entfielen.
Die Knaben in der Ortschaft Cornelimünster erhielten wie bisheran ihren Unterricht in der Seminarübungsschule des hiesigen kgl. Lehrerseminars.
An dem Fortbildungsschulunterricht, welcher wie im Vorjahre von dem Hauptlehrer Kranzhoff zu Breinig und dem Bauführer Wöhler in Cornelimünster erteilt wurde, nahmen 38 Schüler teil.
Aus Anlaß der Elfhundertjahrfeier in der Kirche in Cornelimünster fand am 15. und 22.Juli 1917 eine außergewöhnliche Zeigung und Ausstellung der großen Heiligtümer statt. Am Sonntag, den 13.Juli nahm Herr Weihbischoff Lausberg aus Cöln die Zeigung vor.
Am 22.Juli wohnte Se. Eminenz, Kardinal Erzbischof Dr. Felix von Hartmann aus Cöln der Ausstellung bei. An letzterem Tage war Se. Königliche Hoheit Prinz Johann Georg zu Sachsen mit seinem Adjutanten, Hauptmann von dem Busche in Cornelimünster anwesend. Am 9.April 1918 feierte der kgl. Seminardirektor Dr. von der Fuhr sein 25 jähriges Priesterjubiläum.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Unter den Menschen hat im allgemeinen ein verhältnismäßig guter Gesundheitszustand geherrscht, wohl sind 16 Erkrankungen an Diphterie, 1 an Scharlachfieber und 5 Todesfälle an Lungentuberkulose zu verzeichnen gewesen.
Die Rindviehbestände sind von ansteckenden Seuchen verschont geblieben.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Unsere Landwirtschaft blickt auf ein den Verhältnissen entsprechend günstiges Jahr zurück. Die im Februar und März stark einsetzende strenge Kälte ließ kein günstiges Erntejahr erhoffen.
Nachher eintretende sehr günstige Witterung hat jedoch dieser Erwartung nicht entsprochen, so daß die Landwirtschaft auf ein gutes Mittelerntejahr zurückblicken kann. Der Weidegang konnte bis in den späten Herbst dauern und war die Heuernte eine befriedigende, was den Landwirten zur Beibehaltung ihrer Viehbestände wesentlich geholfen hat, da Kraftfutter fast vollständig fehlte. Die Kartoffelernte war auch ziemlich gut, und erleichterte dies der Bevölkerung wesentlich das durchhalten in dieser an sonstigen Lebensmitteln armen Zeit.

VIII. HANDEL & GEWERBE

Die Firmen Wirths Bach & Co, sowie die Firma R.Lupke & Co waren mit Kriegslieferungen vollauf beschäftigt.
Die Steinbrüche Thelen und Hoven können kaum ihren Lieferungsverpflichtungen nachkommen, da die Steine, und vor allem Kalk zu chemischen und Desinfektionszwecken dringend verlangt werden.
Außer vorbenannten Betrieben hat Hubert Schmets in Cornelimünster einen Dolomitsteinbruch eröffnet, und liefert dieser hauptsächlich die Steine zum Hüttenwerk Rothe-Erde zu industriellen Zwecken. Die Steine aus vorstehendem Bruche werden mittels Kleinbahn bis zum Bahnhof Walheim befördert und von hier aus per Bahn weiterversandt.

IX. GEMEINDEVERWALTUNG

Der Polizeidiener Schnorrenberg zu Breinig wurde gemäß Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos aus dem Heeresdienste entlassen, um seine Amtstätigkeit in Breinig wieder aufzunehmen. Als Hilfspolizisten sind die Kriegsinvaliden Martin Krutt für Breinig und Jakob Scholl für Venwegen, sowie Johann Offermann für Cornelimünster in Dienst gestellt worden. Es war dies vor allem erforderlich zur Verhütung der überhandnehmenden unerlaubten Ausfuhr von Lebensmitteln. Zu diesem Zweck ist seitens der Behörde noch ein Hilfsgendarm nach Cornelimünster kommandiert. Auch der Nachtwächter Kreischer wurde zur Aufnahme seiner Tätigkeit aus dem Heeresdienste entlassen.

X. BAUTEN

Die Bautätigkeit ruhte im Berichtsjahr vollständig.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Im Berichtsjahre sind in der Gemeinde Cornelimünster 30 Unglücksfälle zur Anzeige gekommen, die sich hier in landwirtschaftlichen teils in gewerblichen Betrieben ereigneten. Die Unglücksfälle waren meistens geringfügiger Art und hat nur 1 Unfall den Tod des verletzten herbeigeführt und zwar starb am 30.Juli 1917 Hubert Köhler aus Cornelimünster an Darmverletzungen, welche er sich im Betriebe der Firma Adam Thelen in Cornelimünster infolge zu frühen Losgehens eines Probeschusses zugezogen hatte.
Außer einem am 20.10.1917 stattgefundenen Brande, bei welchem Scheune und Stallungen des Landwirten Peter Hermanns zu Breinig bis auf die Grundmauern eingeäschert wurden, sind keine größeren Brände vorgekommen.

XII. VERSCHIEDENES

Im verflossenen Berichtsjahre fanden am 1.März, 1.Juni, 1.September und 1.Dezember Viehzählungen statt. Vom 15. bis 25.Juni 1917 wurde eine Ernteflächen Erhebung vorgenommen und fand zu dieser vom 20.September bis 5.Oktober 1917 eine Nachprüfung statt, nach welcher in der Gemeinde Cornelimünster 13 Morgen mit Weizen, 48 Morgen mit Roggen, 21 Morgen mit Gerste und 68 Morgen mit Hafer bestellt waren.

Cornelimünster, den 21.April 1918; der Bürgermeister, Esser

Nachtrag 1917
Im Jahre 1917 mußten zwecks Verwertung in der Kriegsindustrie abgeliefert worden:
1) Bronzeglocken und zwar aus der Pfarre Cornelimünster:
1 Glocke aus der früheren Abteikirche im Gewichte von 90 kg;
1 aus der Kapelle im Klauser Wäldchen von 90 kg;
1 aus der St. Antonius Kapelle von 50 kg und
1 aus der Kapelle zu Schleckheim von 50 kg;
1 Glocke aus der Benediktiner Niederlassung Cornelimünster im Gewichte von 118,5 kg.
Aus der Pfarrkirche Breinig: Je 1 Glocke im Gewichte von 776 und 1100 kilogramm.
Aus der Pfarrkirche zu Venwegen eine Glocke von 260 kg.
Infolge ihres anerkannten musikalischen Kunstwertes wurden die Glocken in der alten (St. Stephans) Pfarrkirche Cornelimünster belassen. Es handelte sich um die drei Glocken mit folgenden Gewichten:
2300, 1500 und 1050 kg. Ebenso wurden als notwendigste Läuteglocken belassen:
der Benediktiner Niederlassung Cornelimünster eine Glocke im Gewichte von 67 kg
der Pfarrkirche Breinig eine solche von 450 kg und der Pfarrkirche Venwegen eine von 150 kg.
2) Prospektpfeiffen aus Zinn von Orgeln: Pfarrkirche Breinig 124 kg und Pfarrkirche Venwegen 57 kg.




1918

Bevölkerung
1918mw
Population4525
Geburten30340 unehelich
Todesfälle79420 über 90
Trauungen21
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler131141Cornelimünster
Elementarschüler197200Breinig
Elementarschüler3937Breinigerberg
Elementarschüler5854Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde100
Rindvieh1912
Schaafe107
Ziegen155
Schweine147
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen4,85
Roggen16,10
Gerste4,20
Hafer19,45
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 21,34
Preise
PREISEMPfgpro
Heu1050kg
Stroh45050kg
LeinsaamenHektoliter
FlachsStein
Butter8Kilogramm
KäseKilogramm
LandwolleKilogramm
AckerlandHektare
gut10000
mittelmäßig7200
schlecht4000
Wiesen- und Weideland
gut10000
mittelmäßig7200
schlecht4000

Auch im Berichtsjahre dauerte der Weltkrieg noch an. Er fand endlich am 11.November 1918 durch Beschluß eines Waffenstillstandes zwischen den Mittelmächten und ihren Gegnern ein Ende. Es begann der Rückmarsch der deutschen Armeen. Am 12.November zogen die ersten aus Feindesland zurückkehrenden Truppen - das Garde-Augusta Regiment - mit klingendem Spiel durch. Bald folgten in Tag und Nacht ununterbrochenen Reihen die Regimenter und Kolonnen der 6. Armee, und wurden alle Ortschaften mit starker Einquartirung belegt. In Cornelimünster war eine Marschstraßenkommission eingesetzt, die den Rückmarsch der Truppen kontollierte.

Am 26.November verließen die letzten deutschen Truppen unsere Gemeinde.
Leider hat der Krieg, dessen Greuel unsere tapferen Feldgrauen 4 Jahre mitmachten, für uns kein günstiges Ende gefunden, und wurden unserem Vaterlande beim Waffenstillstand sehr harte Bedingungen auferlegt. Außer der Ablieferung einer großen Anzahl an Lokomotiven und Eisenbahnwagen, welche uns bei dem schon bestehenden Mangel an Transportmitteln doppelt schwer traf, kam für das gesamte linksrheinische Gebiet und damit auch für unsere engere Heimat die Besetzung durch die gegnerischen Truppen in Frage.
Am 1.September 1918 rückten als erste Besatzungs Truppen Engländer hier ein, und zwar das Königs Husaren Regiment Nr. 15, welche uns jedoch nach wenigen Tagen wieder verließen. Die folgenden Tage rückten hier meistens Schottländer durch, von denen einige Teile eine Nacht hier nächtigten. Anfang Januar wurde in Cornelimünster eine Wache von 20 Mann seitens der französischen Truppen eingerichtet, und seit 26.Februar 1919 befindet sich daselbst die 1.Eskadron des 19. französischen Dragoner Regiments.
Wie drückend die Anwesenheit der fremden Truppen einerseits empfunden wird, so schützt dieselbe uns doch vor dem Ausbruche spartakistischer Unruhen, wie solche auf dem Seitens der Besatzungsbehörden wurde angeordnet, daß jede über 14 Jahre alte Person mit einem Personalausweis versehen sein mußte. rechten Rheinufer herrschen.
Bis zum 31.März 1919 wurden an die Familien der zum Heeresdienst Einberufenen bezahlt:
Reichsunterstüzungen 544.401 M, Reichs und Gemeindezuschüsse 286.167 M.
Der seitens des Reiches geleistete Vorschuß beträgt einschließlich des Zuschusses aus dem 200 Millionen-Fonds 768.399 M.
Die von 1.November 1917 bezw. 1918 ab eingetretenen Erhöhungen der Reichsunterstützung belaufen sich auf 75.984,32 M; an Ausgleichsunterstützung wurden 9.858,16 M gezahlt.
Die Unterstützung der erwerbslosen Textilarbeiter erforderte bis jetzt eine Ausgabe um 67.603,27 M.
Da die zurückkehrenden Krieger meistenteils nicht sofort in Arbeit treten konnten, so wurde denselben für die Zeit der Arbeitslosigkeit eine Erwerbslosenunterstützung gezahlt und sind zu diesem Zwecke bis zum 31.3. 1919: 27.053,05 M aufgewendet worden, von welcher Summe 1/6 = 4.508,84 M zu Lasten der Gemeinde fällt.
Die Gesamtzahl derjenigen, die ihr Leben für das Vaterland lassen mußten, beträgt 123, von welchen
40 auf Cornelimünster, 69 auf Breinig (Pfarre) und 12 auf Venwegen entfallen.
In Gefangenschaft befinden sich, bezw. es werden vermißt aus Cornelimünster 20, Breinig(Pfarre) 28, Venwegen 8.

Im übrigen ist zu berichten.

I. BEVÖLKERUNG

Bei der Volkszählung am 1.Dezember 1916 hatte die Gemeinde eine Ortsanwesende Bevölkerung von 4065 Seelen. Die für Zwecke der Steuerveranlagung Angang November 1918 vorgenommene Personenstandsaufnahme ergab eine Personenzahl von 4525, gegenüber 4488 ein Jahr vorher. Demnach hat sich die Bevölkerung in dieser Zwischenzeit um 37 Personen vermehrt.

II. BEWEGUNG der BEVÖLKERUNG

Im Kalenderjahre 1918 wurden 30 männliche und 34 weibliche Kinder lebend geboren.
Es kamen 2 männliche und 1 weibliche Totgeburt vor.
Es starben: 79 männliche und 42 weibliche Personen
Standesamtliche Heiraten wurden 21 geschlossen.

III. STEUER VERANLAGUNG

Für 1918 wurden zur Staatseinkommensteuer veranlagt:
Einkommensteuer
zum Satz 69121621263136445260708092 104118132146160176192212232252276300330390 51057011204702,404Frei
Personen132981059565707855402811910 4692632121111121 112121264285

IV. FINANZEN

Die Umlage betrug im Rechnugsjahre 1918 270% der Staatseinkommensteuer und der fingirten Sätze, 270% der Realsteuern und 100% der Betriebssteuern. Die gleichen Sätze sind für 1919 vorgeschlagen.
Der Gemeindehaushalt 1918 weist in Einnahme und Ausgabe 501.560 M auf.

V. KIRCHEN und SCHULWESEN

Der Seminar Musiklehrer Johann Latten wurde von hier versetzt; an seine Stelle trat der Seminar Musiklehrer Johannes Langer. Außerdem traten der Prorektor Nix sowie Dr. Nagel, welche aus dem Heeresdienst entlassen wurden, in den Lehrkörper des hiesigen Seminars ein.
Die Volksschullehrer Schings, Margraff und Heutz, welche gleichfalls aus dem Heeresdienste entlassen wurden, übernahmen wieder die Schulen in Breinig bezw. Breinigerberg, wogegen die Lehrerinnen Kraus und Breuer, welche diese Schulen vertretungsweise verwaltet hatten, ausschieden. Lehrer van Megeren aus Venwegen befindet sich noch in englischer Kriegsgefangenschaft, seine Stelle wird durch Lehrerin Cormann wahrgenommen.
Die Volksschulen wurden von 857 Kindern besucht, die sich wie folgt verteilen:
131 Knaben und 141 Mädchen in Cornelimünster,
197 Knaben und 200 Mädchen in Breinig,
39 Knaben und 37 Mädchen in Breinigerberg und
58 Knaben und 54 Mädchen in Venwegen.

Die Knaben des Ortes Cornelimünster erhielten wie bisher ihren Unterricht in der Übungsschule des Lehrerseminars.
Die gewerbliche Fortbildungsschule in Breinig wurde von 54 Schülern besucht; es unterrichteten an derselben Hauptlehrer Kranzhoff aus Breinig und Bauführer Wöhler aus Cornelimünster.
Der Gemeinderat beschloß, die Fertigstellung des Schulhaus-Neubaues in Breinigerberg bis zum Billigerwerden der Baustoffe auszusetzen.
Die hiesige PfarrGemeinde hat das den Erben des Sanitätsrats Dr. Dick gehörige Haus (Nr.137) käuflich erworben zwecks Einrichtung einer neuen Pastorat.

VI. MEDIZINAL und VETERINÄRWESEN

Der Gesundheitszustand der Menschen ließ manches zu wünschen übrig. Nicht allein, daß infolge der Absperrung Deutschlands vom Auslande und damit an dringend nötigen Lebensmitteln, insbesondere Fett, der Ernährungszustand ein schlechter war und hierdurch manches Opfer gefordert worden sein dürfte, trat im Spätsommer und Herbst 1918 auch noch die Grippe, damals, weil in Spanien zuerst aufgetreten, "Spanische Krankheit" genannt, auf. Kaum ein Haus blieb von der Seuche verschont. Die Krankheit forderte eine große Anzahl Opfer, der größte Teil der Mehrtodesfälle gegenüber dem Vorjahre kommt auf die Rechnung der Seuche.
Außerdem wurden 13 Erkrankungen an Diphterie und 1 an Kindbettfieber festgestellt. 3 Personen starben an Lungen bezw. Kehlkopftuberkulose.
Die Rindviehbestände wurden verschiedentlich von Maul- und Klauenseuche heimgesucht.

VII. LANDWIRTSCHAFT

Die Landwirtschaft kann infolge günstigerer Witterung auf ein verhältnißmäßig gutes Erntejahr zurückblicken. Die Viehhaltung litt unter dem fortbestehenden Mangel an Kraftfutter; es war eine schwere Aufgabe, das Vieh trotz Fehlens dieses Futtermittels durchzubringen. Der Bevölkerung kam insbesondere die durchweg befriedigende Kartoffelernte zu statten, da infolge der Revolutionswirren, Streiks usw. im rechtrheinischen Gebiete, sowie des Wagenmangels die Zufuhren aus entfernteren Gegenden ausfielen.
Die bestehenden Lebensmittel-Rationierungs-Vorschriften blieben in Kraft, da wie voraussichtlich noch lange auf die allgemeine Zuteilung angewiesen sein werden.

VIII. HANDEL und GEWERBE

Die Industrie geht verhältnismäßig gut, Metallwarenfabriken und Holzsägewerke sehr gut. Allgemein herrschte während des Krieges Arbeitermangel, der sich nach dem Waffenstillstandbeschluß ins Gegenteil verkehrte, da es der dann der Kriegsaufträge entblößten Industrie unmöglich war, die vom Heeresdienste Entlassenen so plötzlich wieder aufzunehmen. Nur Steinbrüche und Kalkwerke, die sich ebenfalls sehr guten und lohnenden Geschäftsganges erfreuten, machten hiervon eine Ausnahme.
Hubert Schnuch aus Cornelimünster eröffnete im Liebensteinsberg einen neuen Steinbruch.
Die Seifenfabrik Kendall & Cie in Cornelimünster ruhte noch im Berichtsjahre wegen Mangels an Rohstoffen.

IX. GEMEINDEVERWALTUNG

An Stelle des verstorbenen Gemeindeförsters Andres wurde dessen Sohn Josef gewählt.
Am 24.10.1918 verstarb der Polizeidiener Johann Brück in Cornelimünster. Ein Nachfolger wurde noch nicht gewählt, der Polizeidienst wird von 2 Hilfspolizeidienern ausgeführt.
Die Vornahme der Gemeinderatswahlen, die gemäß Regierungsverordnung nach dem geheimen, gleichen und direkten Wahlrecht im März 1919 stattfinden sollten, wurde durch die Besatzungsbehörden auf dem linken Rheinufer verboten, die bisherigen Mitglieder blieben somit vorerst im Amte.

X. BAUTEN

Die Bautätigkeit ruhte auch im Berichtsjahre vollständig.

XI. UNGLÜCKSFÄLLE

Es gelangten 19 Unglücksfälle zur Anzeige, teils aus landwirtschaftlichen teils gewerblichen Betrieben.
Sie waren meist geringfügiger Art, nur 1 Fall hat den Tod des Betroffenen herbeigeführt; beim Rückzug unserer Truppen wurde der Zugführer Jakob Adams aus Aachen am 18.11.1918 auf dem Bahnhofe Cornelimünster vom Zuge überfahren und getötet.

XII. VERSCHIEDENES

Im Berichtsjahre fanden am 1.März, 1.Juni, 1.September und 1.Dezember Viehzählungen statt, vom 6.5. bis 1.6.1918 eine Ernteflächenerhebung. Der Gemeindesekretär Soldierer wurde mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet.

Cornelimünster, am 4.April 1919; der Bürgermeister, Esser



1919

Bevölkerung
1919mw
Population
Geburten38512 unehelich
Todesfälle22290 über 90
Trauungen19
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler103127Cornelimünster
Elementarschüler179167Breinig
Elementarschüler79Breinigerberg
Elementarschüler4661Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde103
Rindvieh1626
Schaafe136
Ziegen149
Schweine300
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenzentner pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen5,1640170
Roggen14,2832170
Gerste3,1332150
Hafer20,1832120
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 22,7930080
Preise
PREISEMPfgpro
Heu gesetzl. Höchstpreis30100kg
Heu wirklicher Preis90100kg
Stroh gesetzl. Höchstpreis16100kg
Stroh wirklicher Preis60100kg
Milch gesetzl. Höchstpreis50-60Liter
Milch wirklicher Preis1Liter
Brots157Kilogramm
Eierbis 2Kilogramm
Butter gesetzl. Höchstpreis20Kilogramm
Butter wirklicher Preisbis 60Kilogramm
Brot wirklicher Preis26Kilogramm
Landwolle wirklicher Preis90Kilogramm
AckerlandHektare
gut24000
mittelmäßig15000
schlecht6000
Wiesen- und Weideland
gut24000
mittelmäßig15000
schlecht6000

Nach Erinnerung von Johann Röntgen, Amtsinspektor a. D. In seiner Handschrift geschrieben
Der gesetzmäßige Höchstpreis steht für die meisten Waren nur auf dem Papier, er soll zwar für rationierte und einige unrationierte Waren gelten; Aber selbst die Gemeinden waren nicht in der Lage, z.B. Kartoffeln für den Preis zu liefern. Zudem ist die Zuteilung von rationiertem Korn so gering, daß die Leute zum Übertreten der Rationierungsgesetze gezwungen sind, wollen sie nicht langsam verhungern. Infolge dieser offenbaren Mißerfolge ist das Ansehen der Zwangswirtschaft sehr gesunken.
Das Jahr hat nicht das gebracht, was allgemein erhofft worden war, den Frieden. Es war nur eine Zeit der Waffenruhe.

Während im übrigen Reiche abgerüstet wurde, erhielten die linksrheinischen Gebiete und damit auch unsere Gemeinde gemäß den Bestimmungen des Waffenstillstandsvertrags eine Besatzung aus bisher feindlichen Truppen. Nachdem bereits in Dezember des Vorjahres englische Truppen hier gelegen, wurde Anfang Januar eine französische Wache von etwa 20 Mann in Cornelimünster eingerichtet und seit dem 26. Februar lag die 1. Eskadron des 19. französischen Dragoner Regiments hier in Quartier.
Im Laufe des Jahres wurden die Soldaten jedoch größtenteils aus den Bürgerhäusern in freigemachte Räumlichkeiten des Lehrerseminars verlegt. Abgesehen von einigen kleineren und unwesentlichen Vorkommnissen hat im allgemeinen ein ziemlich gutes Einvernehmen zwischen der Bevölkerung und den Truppen geherrscht.
Nach dem Waffenstillstandsbedingungen wurden seitens der fremden Mächte Verwaltungskontroll-Beamte eingesetzt. Es ergingen sehr einschneidende Anordnungen auf allen Gebieten der Verwaltung der Wirtschaft und des Verkehrs, durch welche diese in nachhaltiger und manchmal nachteiliger Weise beeinflußt wurden. Die Gesetze und Verordnungen der preußischen und der deutschen Regierung bedurften der Zustimmung der die einzelnen Militärbezirken (Besatzungszonen) verstehenden Kommandeure um im besetzten Gebiet angewendet und durchgeführt werden zu können. Hierdurch wurde für dieses Gebiet eine merkliche Rechts-Unsicherheit und Ungleichheit hervorgerufen. Die für das unbesetzte Deutsche Gebiet bestimmten amtlichen Postsendungen unterlagen der vorherigen Prüfung durch die Verwaltungskontrolle, für uns der "Controle administrative" bei der Kreiskommandantur in Aachen.
Selbst private Sendungen nach rechtsrheinischem Gebiete unterlagen der Zensur, die zu diesem Zwecke bei den Größeren Postanstalten eingerichtet war, so für uns in Aachen. Der amtliche Schriftverkehr mit deutschen Heeresteilen durften sich nur auf Entlassungs-, Demobilmachungs- und Versorgungsangelegenheiten der ehemaligen Heeresangehörigen erstrecken.
Infolge dieser Eingriffe in die Verwaltungstätigkeit wurde diese in mehrerer Hinsicht sehr erschwert und gehemmt, so konnten eine Reihe an Gesetzen hier nicht durchgeführt werden, weil ihre Zulassung nicht genehmigt worden war. Schwere Strafen waren auf Nichtbeachtung der Anordnungen der Besatzungsbehörden gelegt.
In Cornelimünster bestand eine Ortskommandantur, diese unterstand der Kreiskommandantur in Aachen, während diese der französischen 128. Infanterie Division mit dem Sitz in Aachen unterstand. Unsere Gemeinde gehörte zur (4.) belgischen Besatzungszone. Eine dauernde Belegung mit fremden Truppen hatte nur der Ort Cornelimünster; in Breinig und Breinigerheide waren nur im Juli und nur auf drei Tage eine kleine Truppe (eine Batterie) untergebracht.

Zur Regelung wirtschaftlicher Fragen war in Aachen eine Wirtschaftsabteilung (Section economique) eingerichtet, zu Zwecken der Regelung der Wiedergutmachungsfragen eine Wiedergutmachungskommission (Commission de recuperation). Letztere befaßte sich zunächst mit der Auslieferung der von den rückziehenden deutschen Truppen zurückgelassenen Pferde und Kühe an Belgien bezw. Frankreich. Aus unserer Gemeinde mußten infolgedessen abgeliefert werden: 3 Pferde und 10 Kühe.

Im allgemeinen hat das Jahr einen ruhigen Verlauf genommen soweit dies unter den allüberall obwaltenden Verhältnissen überhaupt gesagt werden kann. Die Knappheit an Lebensmitteln hielt weiter an, sodaß deren öffentliche (Zwangs) Bewirtschaftung weiterhin aufrecht erhalten werden mußte.
Auch sonst blieben auf fast allen Wirtschaftsgebieten die amtlichen Maßnahmen bestehen. Die Teuerung aller Lebensbedürfnisse ließ angangs etwas nach, steigerte sich dann aber andauernd, sodaß sie gegen Jahresende den zehnfachen Vorkriegspreis bereits und mehr erreichte. Trotz dieser Teuerung hatten die Waren jedoch einen minderen Wert. Die im Laufe des Jahres aufgehobene Zwangsbewirtschaftung von Leder, Schuhwaren, Webwaren, Seife, Heu und Hafer bewirkten zunächst deren Verschwinden vom Markte, später waren diese Waren wieder erhältlich, aber gegen wesentlich höhere Preise.
Dieser und andere besonders der aus dem Auslande stammenden Waren nahmen sich besonders sogenannte wilde Händler, auch "Schieber" genannt an, um damit wucherische Geschäfte zu treiben. Alles Einschreiten gegen diese Geschäfte konnte sie nicht verschwinden machen. Arbeitslosigkeit, Arbeitsunlust und vor allem die großen, von den Steuern nicht erfaßbaren Gewinne vermehrten nur die Zahl der Schieber. Allerdings gelang es im Laufe des Sommers und Herbstes, die allgemeine Lebensmittelnot dadurch etwas zu mildern, daß der Feindbund aus Heeresbeständen Fleisch, Fett, Mehl, Bohnen und Erbsen dem Reiche überließ. Durch Reichsgeschäfte wurde es ermöglicht, diese teueren Waren den Verbrauchern verbilligt zuzuführen. Die Abgabe erfolgte auf Grund an Bezugs-(Berchtigungs) Karten, ähnlich wie bei den sonstigen, der öffentlichen Bewirtschaftung unterliegenden Lebensmitteln, auch blieb der Verkauf wie bei diesen den Gewerbetreibenden überlassen. Bezug und Abgabe von Kohlen erfolgten weiterhin noch gegen Bezugskarten, die Versorgung war jedoch nur eine leidliche. Auch hier stieg andauernd der Preis, bis er gegen Ende des Jahres für den Zentner etwa 10 (zehn) Mark erreichte. Braunkohlenbriketts waren ebenfalls nur gegen Bezugsschein erhältlich, auch ihre Anfuhr deckte nicht den Bedarf. Die Abgabe an die Verkäufer erfolgte nur durch die betreffenden Gewerbetreibende

Zur Verminderung der Brennstoffnot ging die Gemeinde im Winter 1919/20 dazu über, aus dem Gemeindewalde Brennholz in kleinen Mengen zur Festtaxe, also unter Ausschluß einer den Preis steigernden Versteigerung, an die Einwohner abzugeben, wodurch besonders die Minderbemittelten geholfen werden sollte und wurde.
Aber trotzdem, und zumal diese Holzabgaben an die regierungsseitig genehmigten Mengen gebunden blieben, machte sich, da einerseits der Bennstoffnot nicht ganz beizukommen war, anderseits der Mangel dazu trieb, der Holzdiebstahl immer stärker bemerkbar. Einerseits durch das seit 1916 bestehende Bauverbot, dann aber durch die vermehrten Eheschließungen der heimgekehrten Krieger hervorgerufen, machte sich immer mehr ein Mangel an Wohnungen bemerkbar.
Eine Verschärfung erfuhr dieser noch durch Inanspruchnahme vieler Wohnungen durch Besatzungs Truppen.
Regierungsseitig wurde zwar eine Rationierung der Wohnungen und eine Zwangseinweisung vorgesehen, diese Verordnungen kamen hier jedoch nicht zur Ausführung. Die der Zwangsbewirtschaftung unterliegenden Kartoffeln wurden weiterhin durch die Gemeinde beschafft und verteilt. Die Zufuhr ließ aber sehr zu wünschen übrig, sodaß im Frühjahr bis zur neuen Ernte empfindlicher Mangel an diesem wichtigen Nahrungsmittel bestand.

Die Heuernte litt unter Regen, die Ernte an Kartoffeln, Roggen Hafer, Gerste und Weizen war aber als gut zu bezeichnen.
Die Milch wurde zur Verarbeitung an die Molkerei in Walheim geliefert, zur Abgabe an die Verbraucher aber an die in jedem Ort befindliche Sammelstelle. Letztere wurden jedoch in Breinig und Venwegen am 1. Sept. aufgehoben.

Durch angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Molkerei hervorgerufen, fanden sich die meisten Landwirte im Juli und August bemüßigt, in einen Lieferstreik einzutreten. Dieser wurde jedoch durch Einrichtung einer aus Landwirtskreisen zu stellenden Kontrollposten bei der Molkerei wieder beigelegt, nachdem in der Zwischenzeit die polizeilicherseits angewendeten Zwangsmaßnahmen (Strafen) fruchtlos geblieben waren. Da die Jagd von seiten der Besatzungsbehörden verboten war, hatten die in der Höhe des Waldes gelegenen Grundstücke sehr unter dem Übertritt des Wildes zu leiden (Wildschweine und Hirsche). Die Gartengewächse litten im Sommer und Herbst sehr unter einer Raupenplage. Es kamen mehrfache Diebstähle von Weidevieh vor, ohne daß es gelang, die Täter zu ermitteln. Einige angebliche Viehdiebstähle mögen auch auf das Konto "Geheimschlachtung" zu verbuchen sein, da die für das amtlicherseits abgenommene Schlachtvieh bezahlten Preise nach Meinung der Viehhalter den wirklichen Werten nicht entfernt entsprachen und für das auf Schleichhandelswegen abgesetzte Vieh und Fleisch weitaus höhere Preise zu erzielen waren. Überhaupt war ein durch Krieg, Entbehrung und Not hervorgerufene, anderseits durch Verkennung des Begriffs "Freiheit", welcher so sehr die Volkgenossen beseelte und entfesselte, begünstigter Tiefstand der Moral festzustellen, wie nicht seit Menschengedenken. Besonders Diebstähle waren an der Tagesordnung, sodaß auf dem Gebiete von "mein" und "dein" eine allgemeine Unsicherheit eingerissen hat.
Hinzu kam die Sucht nach Vergnügungen, dergegenüber die Polizei machtlos war, zumal sich die Besatzungsbehörden (Ortskommandantur) das weitgehendste Verfügungsrecht in Bezug auf solche und überhaupt über das Versammlungswesen vorbehalten hatten. Die Gemeinde suchte ihrerseits hieraus durch Erhöhung der Lustbarkeitssteuer Vorteil zu ziehen.

Die hiesigen Industriebetriebe waren durchweg gut beschäftigt. Arbeiterausstände kamen nicht vor.

Bis Juni war meistens trockenes Wetter, nachdem herschte Regen vor. Bereits am 15.Oktober zeigten die Vorberge der Eifel eine Schneedecke.

Am Jahresanfang gebot die Besatzungsbehörde die Einführung der westeuropäischen Zeit, ebenso am 5.Oktober der sogenannten Winterzeit d.f. die Zurückstellung der Uhren um einen Stunde.

Die Gesundheit unter den Menschen ließ sehr zu wünschen übrig; die Folgen der Entbehrungen an allem Nötigen während der Kriegsjahre konnten ja auch nicht ausbleiben. Sie zeigen sich zumeist bei den Kindern und Jugendlichen überhaupt in einem besorgniserregenden Zustande der Unterernährung, bei der Gesamtheit in einer erschreckenden Zunahme der Tuberkulose. Zur Bekämpfung der letzteren wurde von seiten des Kreises eine besondere Fürsorge eingerichtet, bestehend in Beratung, Unterbringung in Heilanstalten, Ausgabe stärkender Lebensmittel usw. zwecks Beratung über die Pflege der Säuglinge im ersten Lebensjahre wurde im Mai 1919 die sogenannte Mütterberatung eingerichtet. Die Beratungen und Belehrungen werden allmonatlich in Cornelimünster, Breinig und Venwegen durch den Arzt Dr. Schillings in Cornelimünster im Beisein der Fürsorgeschwester (Schwester des Herz-Jesu Klosters Cornelimünster) abgehalten. Jedesmal ist damit eine Gewichtskontrolle der Säuglinge sowie in der Regel die Verausgabung von Bezugsscheinen für Säuglingsnahrung oder -kleidung verbunden. Die Kosten dieser Einrichtung hat die Gemeinde getragen.

Zu Zwecken der Fürsorge für die entlassenen Kriegsbeschädigten und Kriegerwitwen und Waisen bestand die örtliche Kriegsbeschädigten Fürsorgestelle weiter fort. Auch für diese Zwecke wurden erhebliche Gelder aufgewendet, die aber größtenteils aus staatlichen Fonds erstattet wurden. Mal zahlte die Gemeinde besonders bedürftigen Kriegshinterbliebenen Zuschüsse zu den staatlichen Bezügen. Überhaupt erforderte die Förderung der Volkswohlfahrt ingleichen das Armenwesen, die Aufwendung bedeutender Mittel.

Unfälle mit tödlichem Ausgange kamen nicht vor, an gemeingefährlichen oder ansteckenden Krankheiten wuden gezählt: Diphterie 11 Fälle (deren ein Todesfall), Kindbettfieber 1, Scharlach 3, Tuberkulose 7 (Todesfälle) und Typhus 2 (1). Der Gemeindewald wurde 4 mal von kleinen Bränden betroffen; Sonst waren nur Möbelbrandschäden zu verzeichnen. An Krankheiten des Viehes kamen nur vereinzelte Fälle von Maul und Klauenseuche und Pferderaude vor.

Nach langem Warten begann endlich im September die Heimkehr in Kriegsgefangenschaft gewesener Landsleute und zwar zunächst derjenigen aus englischer Hand. Die übrigen Mächte hatten sich zur Freilassung der Gefangenen bis Ende des Jahres noch nicht entschließen können. Unter den Heimkehrern befand sich auch der Lehrer van Megeren aus Venwegen.

In Folge der ins Ungemessene gestiegenen Preise für Grundstücke und Baustoffe, welch letztere zudem noch der Zwangsbewirtschaftung unterlagen, ruhte die Bautätigkeit fast ganz oder beschränkte sich auf Instandsetzungen. Auch der Gemeinderat konnte sich daher nicht zur Fertigstellung des 1914 im Rohbau vollendeten Schulgebäudes in Breinigerberg entschließen.

Die althergebrachte Corneli-Oktav zeigte wieder ein Vorkriegsbild. Jedoch fand weder der übliche Viehmarkt am Schlusse derselben noch der Viehmarkt in Breinig statt und zwar mit Rücksicht auf die fortbestehende behördliche Kontrolle des Viehes und der Zwangsbewirtschaftung des Fleisches.

Die Gemeindeverwaltung stellte sich allmählich auf Demobilisierungsarbeiten und Friedenstätigkeit um, die während des Krieges eingestellten Bürohilfskräfte kamen größtenteils zur Entlastung und wurden durch Kriegsteilnehmer ersetzt.
Die Gemeindefinanzen fußten auf gesunder Grundlage und blieben von unheilvollen Rückschlägen verschont. Der Haushaltsplan für 1919 weist in Einnahme und Ausgabe 281.700 Mark auf, wovon durch Steuern (direkte) 131.629 M. aufzubringen waren. Es wurden an Zuschlägen zu der staatlich veranlagten Steuer, davon Summen folgen, erhoben: je 270% von 4.260,79 M. Grundsteuer, 5.605,90 M. Gebäudesteuer, 5.485 M. Gewerbesteuer und 33.400 M. Einkommensteuer zu 545 M. der vom Kreis veranlagten Betriebssteuer wurden 100% Zuschlag für die Gemeinde erhoben.

Den bedürftigen Kriegsteilnehmern, soweit sie erst bei Kriegsschluss entlassen wurden, gewährte die Gemeinde entweder 60 M. oder einen Anzug in dieser Preislage, soweit solche bei der Kreis Altbekleidungsstelle erhältlich, den Heimgekehrten Kriegsgefangenen eine Unterstützung von je 80 M. Für die Zwecke der letzteren wurden außerdem je Kopf 20 M. dem Gefangenendurchgangslager Jülich zugeführt.
Da das Reich beabsichtigte, künftig die Einkommensteuer für sich zu erheben, infolgedessen diese Regelung abgewartet werden mußte, erfolgte im Herbste weder eine Personenstandsaufnahme noch Steuer Veranlagung.

Zur Bearbeitung der mit der fremden Besatzung zusammenhängenden Geschäfte und zur Regelung von Kriegsschäden, Wiedergutmachungsfragen, usw. wird seit dem 1.Dezember 1918 auf dem Bürgermeisteramte eine besondere Person beschäftigt, die auch als Dolmetscher diente.
Im April fand auf Befehl der Besatzungsbehörden eine allgemeine Schutzpockenimpfung statt.
Die stetig steigende Teuerung erforderte auch eine Anpassung der Gehälter und Löhne der Gemeindebediensteten. Durch Ministerialerlaß von März erhielten die bisherigen Polizeisergeanten die Bezeichnung Polizeiwachtmeister. Polizeiwachtmeister Schnorrenberg, Breinig, verzog am 1.Oktober nach Boppart; an seine Stelle wurde Pol. Wachtm. Math. Pitzer aus Bütgenbach gewählt.
Gemeindeförster Andres konnte erst am 31.Mai seinen Dienst antreten. Endlich ließen die Besatzungsbehörden auch die Neuwahl der Gemeinderäte zu. Sie erfolgte hier am 14.Dezember und erbrachte zum ersten Male eine Schattierung nach parteipolitischen Gesichtspunkten.
Es wählten Cornelimünster 6, Venwegen 2 und der Pfarrbezirk Breinig 10 Gemeindeverordnete.


Cornelimünster am 18.Januar 1921; der Bürgermeister, Hansen



1920

Bevölkerung
1920mw
Population4607
Geburten63472 unehelich
Todesfälle33360 über 90
Trauungen19
geimpfte Kinder
Liniendienst
Elementarschüler106125Cornelimünster
Elementarschüler175171Breinig
Elementarschüler84Breinigerberg
Elementarschüler4758Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde111
Rindvieh1667
Schaafe203
Ziegen163
Schweine569
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenzentner pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen3,3436250
Roggen10,4030275
Gerste3,3930200
Hafer16,5330225
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln 21,5128060
Preise
PREISEMPfgpro
Heu wirklicher Preis6050kg
Stroh wirklicher Preis2250kg
Milch gesetzl. Höchstpreis120Liter
Milch wirklicher Preis190Liter
Brots238Kilogramm
Eierbis 3Kilogramm
Butter gesetzl. Höchstpreis40Kilogramm
Butter wirklicher Preisbis 75Kilogramm
Steinkohle18Zentner
Braunkohlenbriketts11Zentner
AckerlandHektare
gut50000
mittelmäßigbis 40000
schlechtbis 20000
Wiesen- und Weideland
gut50000
mittelmäßigbis 40000
schlechtbis 20000

Amtlich festgesetzte Menge der zustehenden Lebensmittel:
Für Selbstversorger: 12 Kg Brotgetreide und 5 Kg Gerste je Kopf und Monat; bis 100 gr. Butter je Kopf und Woche; 1/4 L Milch je Kopf und Tag. Für Versorgungsberechtigte: 4 Pf. Brot je Kopf und Woche; 50-60 Gr Buttter je Kopf und Woche. Im Allgemeinen: 600 gr. Zucker je Kopf und Monat; 3/4 L Milch für schwangere Frauen.
Kinder im Alter bis zu 2 Jahren ½ L Milch für Kinder von 2-6 Jahren täglich ½ L Milch täglich und 1400 Gr. Mehl statt 4 Pfund Brot wöchentlich für Leute über 70 Jahre. Für Kranke je nach ärtzlichem Gutachten Zuteilung an Milch, Butter, Mehl statt Brot usw.

Der Jahresanfang stand im Zeichen des Friedens. Nachdem der Friedensvertrag von Versailles vom 16.Juli 1919 zwischen dem deutschen Reiche und den im Kriege 1914-18 gegnerischen Mächten von den einzelnen Regierungen ratifiziert war, herrschte seit 10 Januar offiziell Friedenszustand. Endlich nach vierzehnmonatigem Waffenstillstand war uns also der Frieden beschieden, freilich kein Frieden in des Wortes innersten Bedeutung, auch kein Frieden, wie wir ihn für den Wiederaufbau des zerrütteten Wirtschaftslebens notwendig brauchten. Doch mag hierüber dereinst die Geschichte urteilen.
Immerhin traten mit dem Tage gegenüber der Waffenstillstandszeit auf verschiedenen Gebieten erhebliche Erleichterungen ein. Die fremde Militärdiktatur wurde durch die sogenannte Interalliierte Rheinlandkommission Haute Commission des Territoires Rhenanes in Coblenz ersetzt, die mit Gesetzgebungsbefugnis ausgestattet ist. Ihr Gegenstück fand sie im deutschen Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete, ihren Unterbau in den Bezirks- und Kreisdelegierten. Unsere Bezirks- und Kreisdelegierten haben seitdem ihren Sitz in Aachen. Die Postagentur und die Vorprüfung des ins unbesetzte Gebiet gehenden amtlichen Sendungen wurde aufgehoben, überhaupt eine größere Freiheit des Verkehrs zugelassen. Die Prüfung der deutschen Gesetze und Verordnungen und die Befugnis, diese im besetzten Gebiet zu untersagen bezw. zuzulassen, wurde an der Interalliierte Rheinlandkommission übernommen, infolgedessen auch auf diesem Gebiete eine größere Gleichmäßigkeit eintrat.

Die französische Besatzung des Ortes Cornelimünster rückte am 20 Februar nach Bonn ab, mit ihr auch die Ortskommandatur. Seitdem war unsere Gemeinde nicht mehr mit Truppen belegt.
Das Verhältnis zwischen den Besatzungstruppen und Behörden und der Verwaltung sowie der Bevölkerung war als gut zu bezeichnen.
Auch im Übrigen hat das Jahr einen leidlich ruhigen Verlauf genommen.
Die Teuerung für alle Lebensbedürfnisse steigerte sich, nachdem im Sommer infolge des Mangels an Kaufkraft ein zeitweiliger Rückgang eingetreten, bis zum Jahresschluß weiter, sodaß die Preise bis dahin das zehn bis fünfzehn fache der Vorkriegszeit erreichten, was aber größtenteils nur auf die ungeheuern Geldentwertung zurückzuführen ist. Nachdem Breinig bereits seit November 1919 in die Klasse der teueren Orte eingereiht worden war, folgte Cornelimünster im Januar 1920.

Der Winter 1919/1920 war recht milde, zeichnete sich aber durch reichliche Regenfälle aus.
Mitte Januar richtete der Sturm an Dächern und Bäumen einigen unbedeutenden Schaden an.
Bereits im Februar zeigten die Wiesen frisches Grün und begannen Bäume und Sträucher zu knospen. Die Sommermonate brachten einige Trockenheit, die erste Hälfte des Juni noch einige Nachtfröste, sodaß Kartoffel und Bohnensträucher erfroren und das Wachstum und Gedeihen dieser Früchte litten. Nachdem August und September wieder reichlichen Regen gebracht, begann nun wieder eine Zeit empfindlicher Trockenheit und des Wassermangels, die erst vor Weihnachten durch eine Regenzeit abgelöst wurde. Am 7.Dezember fiel der erste Schnee.


Im Übrigen ist wie folgt zu berichten.

GEMEINDEVERWALTUNG

Der am 14.Dezember 1919 neu gewählte Gemeinderat trat am 14.Januar zu seiner ersten Sitzung zusammen. Bereits durch eine weitere Ausführungsanweisung des Herrn Ministers des Innern vom 31.03.1919 zur Landgemeindeordnung war angeordnet worden, daß entgegen der bisherigen Übung die Versammlungen der Gemeinderäte und Bürgermeistereiräte in der Regel öffentlich sein sollen, wie dies bereits seither für die Städte vorgesehen und gebräuchlich war. Dadurch war dem Zuge der Zeit, die entsprechend dem Vorbilde der gesetzgebenden Körperschaften die Anteilnahme breiterer Volksschichten an der Gemeinde- und dadurch an der Staatsverwaltung erheischte, Rechnung getragen. Es zeigte sich denn auch, wenigstens anfangs, ein reger Besuch der Versammlungen seitens der Einwohner. Die Sitzungen mußten, des im Gemeindehause fehlenden ausreichenden Raumes wegen, fortan in Wirtshaussälen stattfinden.
Um den Bewohnern von Breinig und Venwegens entgegenzukommen, wurden auf Wunsch des Gemeinderats daselbst in einem Schulsaale vom 24.März ab jeden Mittwochnachmittag Sprechstunden der Verwaltung eingerichtet, die sich eines regen Besuchs zu erfreuen hatten.
Am 1.April trat der im Vorjahre gewählte Polizeiwachtmeister Mathias Pitzer seinen Dienst in Breinig an, der bis dahin noch seit der Kriegszeit daselbst beschäftigte Hilfspolizeidiener Martin Krutt wurde damit nicht mehr benötigt und kam zur Entlassung. Die seit dem Tode des Polizeisergeanten Brück (1918) erledigte Stelle in Cornelimünster blieb auch weiterhin unbesetzt. Der Dienst wurde von Hilfspolizeidienern versehen.
Der Bürgermeister Gustav Esser war infolge Krankheit vom 8.April ab beurlaubt.
Da am 13.Mai die Amtszeit des Beigeordneten Peter Schnitzler in Breinigerheide abgelaufen dieser aber auf Wiederwahl verzichtet hatte und der andere Beigeordnete Josef Quadflieg umständehalber den Dienst nicht übernehmen konnte, wurde der Unterzeichnete, damaliger Verwaltungsanwärter Nikolaus Hansen vom Landratsamt Aachen, mit der besonderen Stellvertretung des Bürgermeisters vom 14.Mai ab beauftragt. Bürgermeister Esser trat am 1.November in den Ruhestand; er hatte seit dem 6.April 1898 an der Spitze der Gemeindeverwaltung gestanden. Dem Unterzeichneten wurde am 1.November die kommissarische Verwaltung der Bürgermeisterstelle übertragen, der am 13.September die endgültige Ernennung zum Bürgermeister folgte. Zum Nachfolger des Peter Schnitzler wurde der Postagent Peter Laufs aus Breinig zum Beigeordneten der Gutsverwalter August Wagemann aus Cornelimünster. Nachfolger des am 18.September verstorbenen Ortsvorstehers von Venwegen Kaspar Pingen wurde der Schreiner Josef Wagemann. Für Breinig wurde ebenfalls die Stelle eines Ortsvorstehers geschaffen und dem Beigeordneten Laufs übertragen.
Gemeindeförster Josef Andres wurde am 1.Juni endgültig angestellt. Auf Drängen der Gemeinde Walheim wurde der zwischen dieser und Cornelimünster hinsichtlich des Bürgermeisters bestehende Personal-Union aufgehoben und in Walheim am 16.September eine eigene Verwaltung eingerichtet.
Die geldliche Lage der Gemeinde war wohl befriedigend. Der Haushaltsplan für 1920 hat in Einnahme und Ausgabe 1.096.000 Mark vor; nach dem mutmaßlichen Jahresabschlusse ergab sich ein Fehlbetrag von nur 5.010,82 M. Die Kapitalschulden der Gemeinde betrugen am 1.April 1920: 286.255,27 M. langfristige Anleihen und 116.297,-M. Kreditschuld. Der Schuldendienst erforderte eine Zinszahlung von 11.017,58 Mark, die Zinseinnahmen eigener Kapitalien erbrachte 2.260 M. Die Gebäude waren mit 312.370 M., der Wald mit 6.314.800 M. gegen Feuerschäden versichert. An Steuern kamen zur Erhebung: In 400 v.H. der staatlich veranlagten Grund und Gebäudesteuer im Betrage von 4.538,87 M bezw. 5.657 M, bei der Gewerbesteuer der Betriebe der Klasse I 600 v.H. von 3265 M, der Klasse II 500 v.H. von 207 M, der Klassen III und IV 400 v. H. von 7228 M, sowie 400 v.H. von 565 M Betriebssteuer.
Der Anteil an der Resteinkommensteuer für 1920 ist auf 183.371 M festgesetzt. Der Wald brachte 269.025,31 M ein. Besonders hohe Auslagen verursachten die Wegeunterhaltung mit 92.403,72 M, des Armenwesen mit 79.280,19 M und des Volksschulwesen mit 289.304,62 M.
Die Fertigstellung des Schulhauses im Breinigerberg erforderte einen Betrag von 76.527,83 M, früher waren hierfür verausgabt (1914) 12.758,17 M ursprünglich waren hierfür nur 19.597,14 M veranschlagt. Es ist ein Staatszuschuß von 32.000 M zugesagt.

BEVÖLKERUNG, GESUNDHEITSWESEN, WOHLFAHTSWESEN

Die Bevölkerungszahl hat sich gegen das Vorjahr mit 155 auf 4.607 gehoben. Der Zugang dürfte wesentlich auf Zuzug aus den an Belgien abgetretenen Kreisen Eupen und Malmedy zurückzuführen sein. Als Folge der mehrjährigen Unterernährung wärend des Krieges zeigte sich bei den Todesursachen die Häufigkeit der Lungentuberkulose. An ansteckenden oder gemeingefährlichen Krankheiten wurden angezeigt: ein Fall von Diphterie, 1 Kindsbettfieber und 3 Typhus.
Am 27.Juli verunglückte der Rauhauermeister Johann Emonts aus Breinig bei Ausübung seines Berufes in dem ihm und Miteigentümer gehörigen Steinbruch in Flur Kochesheck bei Venwegen tötlich.
Die Fürsorge für Erwerbslose erforderte insgesamt 20.299,73 M, wovon Reich und Staat 18.889,99 M erstatteten. Das Reich stellte für allgemeine Wohlfahrtszwecke 600 M, für Tuberkulose und Säuglingsfürsorge 1.400 M zur Verfügung; verausgabt wurden hierfür 600 M, 1.182,40 M und 1.562 M.

KIRCHEN UND SCHULWESEN, UNTERRICHT

Pfarrer und Dechant Dr. Josef Kleinermanns, Cornelimünster der sich sehr um die Erforschung der Geschichte des Münsterländchens verdient gemacht hat, starb hierselbst am 11.September im Alter von 72 Jahren. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Gerson, bisher in Brauweiler.
Das Schulhaus zu Breinigerberg bereits 1914 begonnen, seitdem aber liegengeblieben wurde fertiggestellt und Mitte November seinem Zwecke übergeben. Es unterrichten daselbst ein Lehrer und eine Lehrerin in abwechselndem Unterricht. Bisher hatte der Saal der Witwe Peter Jakob Kreutz daselbst für Schulzwecke benutzt werden müssen. Die Knaben aus Cornelimünster besuchten wie bisher die Seminarübungsschule. Es unterrichteten zwei Lehrerinnen, in Breinig je drei Lehrer und Lehrerinnen, in Venwegen je ein Lehrer und Lehrerin. Die gewerbliche Fortbildungsschule Breinig war durchschnittlich von 43 Knaben besucht.
Den Unterricht erteilten im Nebenamt ein Volksschullehrer und Bautechniker.

HANDEL, GEWERBE, VERKEHR, BAUTÄTIGKEIT

Kleingewerbe und Industrie hatten durchweg gute Beschäftigung ausgenommen die auswärtige Textilindustrie, die zeitweise unter Rohstoffmangel usw. litt und deren Arbeiter auch in der Hauptsache die Bezieher der Arbeitslosenunterstützung waren. Arbeiterstreiks und Aussperrungen kamen nicht vor, lediglich durch Streik der Angestellten bei der Aachener Kleinbahngesellschaft entstand in der Corneli-Oktav eine unangenehm empfundene Verkehrsstörung. Die Neubautätigkeit flaute gegenüber dem Vorjahre merklich ab, was wohl auf die ungeheure Steigerung der Boden und Baustoffpreise zurückzuführen ist.

LANDWIRTSCHAFT, VIEHZUCHT VIEHSEUCHEN

Es war die Ernte an Heu, Kartoffeln, Kernobst, (Äpfel, Birnen) nur mittelmäßig an Hafer sogar schlecht, Roggen Weizen, Gartenbeeren und und Steinobst(Pflaumen) recht gut.
Die Vieh-Preise bewegten sich ständig nach oben. Hafer wurde wieder, wie vordem bis 1918 der Zwangsbewirtschaftung unterworfen. Seit dem Kriege macht sich eine größere Beliebtheit des wegen der Wolle geschätzten Schafes bemerkbar. Vieh und Fleisch und Getreide unterlag weiterhin der Zwangsbewirtschaftung. Im Juni jedoch wurde den einheimischen Metzgern die Viehschlachtung wieder erlaubt; aufgehoben wurde die Zwangsbewirtschaftung von Fleisch und Fett erst am 15.September, diejenige für Kartoffel am 1.Oktober; Milch und Milcherzeugnisse und Getreide unterlagen denselben bis über den Jahresschluß hinaus. Einige Unruhe rief die stets drohende Viehabgabe an den Feindbund hervor. Im Hochsommer trat auch hier unter dem Rindvieh die damals weit verbreitete Maul- und Klauenseuche auf; sie nahm jedoch einen ziemlich günstigen Verlauf, trotzdem 130 Gehöfte mit 1043 Stück Vieh verseucht waren. Nachweislich verendet an dieser Seuche sind nur 3 Stück. Ab August wurden Vorsichtsmaßnahmen gegen die Einschleppung der im Kreise Eupen herrschenden Rinderpest getroffen, die sich glücklicherweise aber als überflüssig erwiesen.

SONSTIGES

Ab 1.Februar wurde der neue Friedhof in Cornelimünster in Benutzung genommen.
Die kriegsgefangenen Landsleute kehrten nach und nach in die Heimat zurück; am Jahresschluß befand sich noch einer in russischer Gefangenschaft (: Peter Barth aus Cornelimünster.)
Am 3. und 4.Juli beging der Männer-Gesangsverein Breinig nachträglich (er ist 1869 gegründet) das Fest seines 50 jährigen Bestehens. Infolge des jahrelang ruhenden Wohnungsbaues machte sich immer stärker ein erheblicher Mangel an Wohnungen bemerkbar, den zu mildern sich die Gemeindeverwaltung durch Wohnungsbereitstellung und Vermittelung bemühte.

Cornelimünster, am 27.März 1923; der Bürgermeister, Hansen



1921

Bevölkerung
1921mw
Population4619
Geburten66511 unehelich
Todesfälle18210 über 90
Trauungen53
geimpfte Kinder118
Liniendienst
Elementarschüler131116Cornelimünster
Elementarschüler174153Breinig
Elementarschüler3641Breinigerberg
Elementarschüler4654Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde98
Rindvieh1607
Schaafe124
Ziegen157
Schweine581
Federvieh3537
Kaninchen38
Bienenstöcke24
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen3,85
Roggen9,48
Gerste1,60
Hafer10,22
Spelz
Buchweizen15
Rübsaamen2,50
Kartoffeln 21,50
Preise
PREISEMPfgpro
Heu50kg
Stroh50kg
Milch Juli250Liter
Milch Dezemberbis 5Liter
Schwarzbrot rationiert3503,5 Pfund
Schwarzbrot Brotmarken4753,5 Pfund
Eier3
Butter Juni36Kilogramm
Butter Juli40-48Kilogramm
Butter Dezember80-100Kilogramm
Steinkohle Dez.35Zentner
Braunkohlenbriketts Dez.20Zentner
AckerlandHektare
gut100000
mittelmäßig
schlecht

I. ALLGEMEINES

Auch das Jahr 1921 hat uns die so sehnlichst erwarteten besseren Verhältnisse leider nicht beschert. Im Gegenteil schien es im Verlaufe desselben immer mehr, als sollten die bis dahin seit dem Kriegsende erreichten Aufbesserungen wieder zunichte werden.
Die Ursache waren die unglücklichen politischen Verhältnisse einerseits und die den größten Teil des Jahres über andauernde Trockenheit anderseits. Wenn im allgemeinen auch kein Mangel an Arbeits- und Verdienst Gelegenheit bestand, so folgten doch die Arbeits usw. Einkommen nur sehr schleppend und ungenügend den fortgesetzt steigenden Preisen für Lebensmittel und andere notwendige Bedarfsgegenstände. Am Jahresende rechnete man mit den vierzig bis sechszigfachen Preisen von der Vorkriegszeit. Dem entsprachen die Löhne bei weitem nicht. Am härtesten betroffen wurden von diesen Verhältnissen die alten oder arbeitsunfähigen Leute. Die Nähe der Grenzen der valutastärkeren Nachbarländer ebenso wie die Kaufkraft der Besatzungstruppen und deren großen Anhang wirkten nur preissteigernd. Von den Lebensmitteln unterlag nur noch das Brot der öffentlichen Bewirtschaftung und Verteilung; daneben war jedoch auch Brot im freien Handel, jedoch zu höheren Preisen, erhältlich.
Während schon das Frühjahr nur sehr spärlichen Regen brachte, folgte von Mai bis November eine fast regenlose Zeit, deren Leiden durch fast unerträgliche Hitze vermehrt wurden. Feld- und Gartenfrüchte konnten nicht gedeihen. Wiesen glichen verbrannten Heideflächen. Die meisten Brunnen versiegten, so auch der "Haandorn" und der Brunnen am Kapellchen in Cornelimünster. Dagegen tat der "Tambor" in Breinigerberg ununterbrochen seine Schuldigkeit. Selbst die große Wasserleitung des Kreises (Wasserwerk des Landkreises Aachen G.m.b.H. mit dem Sitze in Brand), die sich aus der Dreilägerbachtalsperre bei Rötgen speist, versagte manchmal den Dienst; doch muß bekannt werden, daß ohne sie wohl sehr wahrscheinlich unübersehbare Notstände eingetreten wären.
TRUPPEN oder BEHÖRDEN der BESATZUNGSMÄCHTE waren innerhalb des Gemeindebezirks nicht untergebracht. Aber auch ohnedies waren die Anforderungen der Besatzungsbehörden, die Arbeiten zur Ausführung der Anordnungen derselben sowie zur Regelung der mit der Besetzung zusammenhängenden Fragen so umfangreich, daß ständig ein Angestellter auf dem Gemeindegeschäftszimmer hiermit beschäftigt werden mußte, der allerdings auch die gleichen Geschäfte für die Gemeinde Walheim mitzuversehen hatte.
Am Neujahrstage 1921 zertrümmerten belgische Soldaten, die wahrscheinlich aus der Unterkunft in Steinebrück stammten, anscheinend ohne ernste Veranlassung einen Teil der Einrichtung im Gasthof zur Post "früher im Apfel" hierselbst.
Wenn man von mehreren, seitens der Besatzungs (Militär) Gerichte, über Einwohner unserer Gemeinde verhängte Strafen absieht kann man im Übrigen sagen, daß sich hier die Tatsache der Besetzung nicht sonderlich bemerkbar machte, wenn auch nicht verschwiegen werden darf, daß diese Tatsache nicht dazu angetan war, wirklich befriedigend oder erhebend zu wirken.

II. GEMEINDEANGELEGENHEITEN

Die Anstellung des unterzeichneten Bürgermeisters war am 13.November 1920 eine endgültige geworden. Den 1.März wurde endlich die Stelle des Polizeibeamten in Cornelimünster wieder planmäßig besetzt und zwar mit dem Polizeiwachtmeisters Johann Zimmermann aus Eupen. Als Nachfolger des Arnold Biervert, Cornelimünster, der das Amt niederlegte, und des Peter Jakob Hennecken, Breinig, der infolge Krankheit das Amt eines Stellvertreters nicht mehr versehen konnte, wurden der Gastwirt Lambert Giesen in Cornelimünster zum Schiedsmann und der Landarzt Alfons Schönauen in Breinigerheide zu seinem Stellvertreter gewählt und bestätigt.
Das Amt des W---tenrats für die Pfarre Breinig wurde dem Bäcker Arnold Wagemann, Breinig, übertragen. Am 21.November verstarb der langjährige Gemeinde-Wegewärter Mathias Junker in Breinig.
An die Stelle des Nachtwächters und Vollziehungsbeamten Simon Kreischer, Cornelimünster trat am 1.September der Küster Heinrich Beuth.
Am 1.April besaß die Gemeinde außer an Gebäuden 24,1142 ha Garten und Ackerland, 56,4010 ha Wiesen und Heiden und 441,3436 ha Wald, außerdem galten 4,4736 ha als ertraglos (Wege, Gewässer), Friedhöfe. Das Kapitalvermögen setzte sich zusammen aus 50.898,48 M des Substanzfonds, 10.539,38 M des Schulhaus und 23.210,09 M des Armenfonds, da eine Zinseneinnahme von insgesamt 2.390 M ergaben.
Die Gebäude sind mit 1.499.600 M, der Wald mit 6.314.800 M gegen Feuerschaden versichert. Als Schulden sind vorhanden 272.905,42 M langfristige Anleihen und 122.542 M Renditschuld, herrührend aus der Anlegung der Gaszuleitung nach Venwegen.
Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1921 hat eine Einnahme von 940.500 M, eine Ausgabe von 1.070.500 M vor; der Fehlbetrag sollte aus einem Reichsausgleichstock gedeckt werden. Überhaupt war eine streng geregelte Geldwirtschaft bei den unübersehbaren Verhältnissen nicht möglich. Es wurden an Umlagen erhoben 800% der mit 5259,50 M staatlich veranlagten Grundsteuer und von 5629,90 M Gebäudesteuer 1000% der Gewerbesteuer der Klasse I (= 5222 M); 900% von 1148 M Gewerbesteuer der Klasse II, 800% von 7540 M Gewerbesteuer der Klasse III und ebensoviel von 280 M Gewerbesteuer der Klasse IV, außerdem 800% von 565 M Betriebssteuer.
Es brachten im Rechnungsjahre 1921 tatsächlich ein, die Lustbarkeitssteuer 23.270 M, die Grundsteuer 4.835 M, die Anteile an der Zuwertsteuer 112.036,57 M, Umsatzsteuer 18.684,10 M. Reichs-Einkommensteuer 183.371 M und Grunderwerbsteuer 4.895,17 M. Der Wald ergab eine Reineinnahme von 56.358,94 M.
Besonders hohe Ausgaben verlangte die Wegeunterhaltung mit 333.530 M, für welchen Betrag u.a. 3.500 M neue Steindecken gebaut wurden; die Wege waren eben infolge des Krieges mit seinen Truppendurchzügen zu Beginn und Ende sehr in Unordnung geraten.
Die Fürsorge für Erwerbslose bedingte nur 6.726,43 M Kosten, woran sich Reich und Land mit 5.502,60 M beteiligten. Für allgemeine Wohlfahrtszwecke wurden 7.554,75 M verausgabt. Der Landkreis hatte hierfür 4.350 M zur Verfügung gestellt. Auf Grund des Reichsgesetzes vom 7.12. 1921 wurde die Unterstützung der Personen, die auf Grund früherer Arbeitstätigkeit eine Rente gemäß der Versicherungsgesetze bezogen und die ganz besonders von der Not der Zeit berührt waren in die Wege geleitet.
Bis zum Schlusse des Rechnungsjahres wurden hierfür 50.916 M verausgabt. Außerdem wurden für Armenzwecke 89.433 M verausgabt für Schulzwecke 367.214 M.
Endlich nahm sich die Gemeinde in tatkräftiger Weise der Beseitigung des Wohnungsmangels an, indem sie die Errichtung von sechs Einfamilienhäusern in Breinigerheide, vier in Cornelimünster (St. Gangolfsberg) und eines in Venwegen in Auftrag gab; deren Bau wurde im September begonnen.
Für diese Zwecke stellten das Land 98.300 M und der Kreis 733.484 M als vorläufig unverzinsliche Darlehen (Überteuerungszuschüsse) zur Verfügung.

III. BEVÖLKERUNG

Die am 20.Oktober bei der für Zwecke der Reichseinkommensteuer abgehaltenen Personenstandsaufnahme festgestellte Bevölkerung von 4.619 Personen verteilte sich wie folgt: Cornelimünster: 1.649 oder 36%, Venwegen: 541 oder 12% und Pfarre Breinig (v. J. Breinig, Breinigerheide, Breinigerberg einschließlich Münsterau und Schützheide: 2.429 oder 52% der Gesamtzahl. Merkbare Verschiebungen gegen früher sind sonach nicht eingetreten.
Der Gesundheitszustand war, obschon besonders bei der Jugend die Folgen des Kriegs-Unterernährung noch bemerkbar bleiben, immerhin ein leidlich guter. Ansteckende oder gemeingefährliche Erkrankungen traten nur vereinzelt auf, zur amtlichen Kenntnis kamen 2 Fälle von Diphterie, 1 von Ruhr und 2 von Typhus. Tötliche Unfälle gab es nicht.
Mitte März ließ sich in Breinig, als erster daselbst der praktische Arzt Dr. Heinrich Kahlen, ein geborener Aachener, nieder.

IV. KIRCHE, SCHULE, UNTERRICHT

Der neue Pfarrer von Cornelimünster. Alfons Gerson, bis dahin in Brauweiler, wurde am 23.Januar in sein Amt eingeführt. Am 10.Juli beging die Pfarre Breinig die Feier des 25 jährigen Priesterjubiläums ihres Pfarrers Arnold Rohe, gleichzeitig den Tag seiner Einführung vor 10 Jahren. An Stelle des Schülerstandes wurde eine Schuldeputation gebildet.

V. HANDEL, GEWERBE, VERKEHR

Die gewerblichen Betriebe hatten durchweg gute Beschäftigung.
Der Bergwerkbetrieb der Gewerkschaft Cornelia in Breinigerheide (Eisenerzbergbau) wurde im März eingestellt; damit ist das letzte Bergwerk in der Umgegend von Breinig und damit Gemeinde verschwunden. Im Juli wurde auch das letzte Wahrzeichen des schon vor mehr als einem Menschenalter stillgelegten Bergbaues in Breinigerberg, das mächtige Gebäude des "Mariaschachtes" abgebrochen, ihm folgte das Gebäude des "Königreich-Schachtes", im Walde in der Nähe des Stolberger Wasserwerkes "im Loh".
Die Bemühungen um die Wiederaufnahme des Betriebs auf der Kleinbahnstrecke Cornelimünster-Breinig, der seit dem 1.Oktober 1916 infolge Nutzbarmachung der Kupferleitung für Kriegszwecke ruhte, hatten keinen Erfolg.

VI. LANDWIRTSCHAFT

Einen überaus schweren Stand hatte die Landwirtschaft infolge des mißlichen Wetters. Trockenheit und Hitze ließen nichts recht gedeihen. Demgemäß sehr schlecht ebenso Hafer, Roggen und Weizen erbrachten eine leidlich mäßige Ernte.
Die Folge waren mangelhafte Fütterungsmöglichkeiten des Viehes, Beschaffung kaum bezahlbarer Futtermittel und vielfach Verringerung der Viehbestände bei sinkenden Viehpreisen.
Während im Sommer noch Kühe mit 6.000-9.000 M, Pferde mit 20.000-30.000 M bezahlt wurden, standen die Preise Mitte September nur noch auf 3.000-4.000 M und 6.000-9.000 M.
Mit dem 1.Juni wurde die Zwangswirtschaft für Milch und Butter aufgehoben; die Folge war zunächst eine bessere Versorgung mit solchen, auch fiel der Butterpreis gleich von 22 M gesetzl. Höchstpreis auf 18 M kleiner Kaufpreis je Pfund.
Mit Oktober fiel auch die nur Kommunale Verteilung der Kartoffeln. Von einer Obsternte oder einem Ertrag der Gärten konnte kaum die Rede sein, hatte das Wetter doch auch noch eine Ungezieferplage begünstigt. Der Pflaumenblüte war durch Spätfröste verdorben worden, Hitze und Trockenheit vervollständigten das Bild der Wüste.

VII. SONSTIGES

Der Winter 1920/21 war sehr milde, wohl folgten ihm in der 2.Hälfte des April noch einige Schneefälle und Fröste.
Die größte Hitze herrschte im Juli, so am 11. d. Mts. Nachmittags gegen 2 Uhr 43°C, eine Stunde später sogar 49-50°C. Der wärmste Tag soll aber der 28.Juli gewesen sein. Nur im August fiel an einigen Tagen reichlicher Regen.
Am 12.September sowohl wie Ende Dezember richtete der Sturm mannigfachen Schaden an, Bäume wurden entwurzelt und Dächer beschädigt.
Bereits am 23.Oktober fiel der erste Schnee, Ende November war der Münsterbach schon zugefroren und Anfang Dezember herrschte grimmige Kälte.
Die ganze Sommerzeit über waren Brände in den Waldungen der benachbarten Eifel zu beobachten. Unser Wald dagegen ist von solchen verschont geblieben. Am Abend des ersten Sommerkirmestages in Breinig, 22.Mai abbrannte der Dachstuhl des Wohnhauses des Küsters Wilhelm Hoven in Breinig Nr. 50; am 29.August fielen bei starkem Wind Stall und Dachgeschoß des Wohnhauses der Witwe Wilhelm Streitberg in Cornelimünster 98a (Itternberg) dem Feuer zum Opfer. Für Venwegen wurde eine freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen.
Die Sonnenfinsternis vom 8.April konnte auch hier beobachtet werden.
Am 24.Juli wurde in Cornelimünster das Verbandsfest des Verbandes der katholischen Jünglingsvereines unter großer Beteiligung begangen. Den emsigen Bemühungen und dem selbstlosen Arbeiten der Bewohner von Breinigerberg gelang es, die Mittel zu einem Kriegerdenkmal zusammenzubringen; die Enthüllung desselben fand am 30.Oktober statt unter Teilnahme der gesamten Breiniger Pfarre. Es steht auf dem Schlangenberg an der Stelle, die früher lange Jahre ein Kreuz schmückte.
Der Gemeinde wurde gestattet, das Bild des alten Schützensiegels, wie es sich frühestens an einer Urkunde vom Jahre 1455 fand dem Gemeindesiegel zu Grunde zu legen. Das neue Siegel wurde von dem Kunstmaler Hermann Krahforst in Aachen entworfen und von dem Graveur Josef Wilms in Aachen in Messing gefertigt.

Cornelimünster, am 22.Juni 1923; der Bürgermeister, Hansen

Nachtrag 1921
Im Sommer kehrte als bekannter letzter Kriegsgefangener Peter Barth, Cornelimünster, aus Sibirien zurück. Über mehrere seit dem Kriege Vermisste fehlt auch bisher jede Nachricht.



1922


Acker Erzeugnisse
1922mw
Population4597
Geburten60362 unehelich
Todesfälle25280 über 90
Trauungen51
geimpfte Kinder99
Liniendienst
Elementarschüler127122Cornelimünster
Elementarschüler173153Breinig
Elementarschüler2747Breinigerberg
Elementarschüler4454Venwegen
Viehbestand
ViehstandStück
Pferde92
Rindvieh1469
Schaafe135
Ziegen174
Schweine519
Acker Erzeugnisse
Acker Erzeugnissehektarenkilogramm pro hektarePreis pro hektoliter
Weitzen
Roggen
Gerste
Hafer
Spelz
Buchweizen
Rübsaamen
Kartoffeln
Preise
PREISEMPfgpro
Heu Juli80050kg
Stroh Okt.180050kg
Milch April650Liter
Milch Juli8Liter
Schwarzbrot Januar5203 Pfund
Schwarzbrot Februar8703,5 Pfund
Schwarzbrot Juni15353,5 Pfund
Schwarzbrot Dez.2323,5Pfund
Eier April4
Butter Juni36Kilogramm
Butter Juli40-48Kilogramm
Butter Dezember80-100Kilogramm
Steinkohle Dez.35Zentner
Braunkohlenbriketts Dez.20Zentner
AckerlandHektare
gut
mittelmäßig200000
schlecht

Vorstehende Eintragungen sind von mir 1923 gemacht worden.
Joh. Röntgen, Amtsinspektor a.D., 15/2 1959



Die allgemeinen Zustände, die für das Vorjahr geschildert sind, verschlimmerten sich noch und überschatteten das Leben des Einzelnen wie der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltungen in einschneidender und sehr nachhaltiger Weise.
Insbesondere schritt die Entwertung unseres Geldes unaufhaltsam fort. Auch Stadt- und Landkreis Aachen gaben Papier Notgeld heraus. Man schwamm sozusagen in Papiergeld, ohne daß dem entsprechende reale Werte gegenüber standen. Geldforderungen für Leistungen und aus Grundstücksverpachtungen wurden unter der Hand mehr und mehr in Butter, Kartoffel oder Getreidewecke umgestellt, d.h. nach dem Vorkriegs (Goldmark) Wert dieser Erzeugnisse errechnet und diese Preise in ein vorheriges Verhältnis zum Wert der Leistungen gestellt und damit oder in Naturallieferungen abgegolten. Auch suchte man wertbeständige Werte zu erwerben, wie Grundstücke, zins oder dividendenbringende Wertpapiere (Effekten) oder Auslandsgeld, um sich vor Dauerverlusten zu schützen. ("Flucht in wertbeständige Werte")
Die Warenpreise stiegen fortgesetzt. Löhne und Gehälter vermochten dem nur schleppend zu folgen. Richtpreise für Lebensmittel und andere Bedarfsgüter mußten dafür sorgen, daß auch die Minderbemittelten sie nicht zu entbehren brauchten.
Wanderhandel, Warenverschiebungen von einem Händler an den anderen (Kettenhandel), Schwarzhandel dunkler Gestalten, Warenschmuggel aus dem Ausland machten sich immer mehr breit. In unserem grenznahen Gebiet wurde die Warenknappheit verschärft durch Aufkäufe durch Belgier und Holländer, die unter Ausnutzung des höheren und stabileren Wertes ihres Geldes für wenige Franken oder Gulden Haufen von Waren erwarben und ins Ausland verbrachten. Unsere Einwohner mußten dem in Verbitterung zusehen. Die Angehörigen der Besatzungstruppen beteiligten sich ebenfalls an diesem Ausverkauf, der unter der Bezeichnung "Loch im Westen" in die Geschichte eingegangen ist.
Eine bedenkliche Erschütterung der Moral zeigte sich in Arbeitsunlust, allgemeiner Unsicherheit, Zunahme von Diebstählen, Einbruchsdiebstählen, unbefugter Ernte auf fremden Feldern. Die Bauern organisierten unter sich zwar einen Feldschutz, und die Gemeinde setzte Belohnungen für die Ermittlung von Felddieben aus, ein wirklicher Erfolg aber blieb aus.
Der Bezug (Erwerb) von Brot und Kohlen blieb an die Bezugsberechtigung gebunden, beide waren jedoch zu höheren Preisen auch frei erhältlich. Die Gemeinde hatte sich schon früher aus dem Warenhandel ausgeschaltet und überließ ihn den Gewerbetreibenden. Diese öffentliche Lebensmittelbewirtschaftung war längst stark kritisiert worden und im Gemeinderat immer wieder Gegenstand harter Auseinandersetzungen gewesen, zumal die Gemeinde oft mit Verlusten gearbeitet hatte.
Ein vom Bürgermeister dem Gemeinderat erstatteter Bericht über die Lebensmittelbewirtschaftung durch die Gemeinde während des Krieges und nachher, der in mancher Hinsicht auch keine Klarheit zu schaffen vermochte, wurde von diesem als "Bild bezeichnender Lotterwirtschaft" aufgenommen. Damit sollten nicht nur die frühere Verbindung mit dem Lebensmittel-Lieferern, Gebrüder Johann und Ludwig Koch in Hahn, von dem auch die Geschäftsführung des früheren Bürgermeisters und der für die Gemeinde tätig gewesene Kartoffelaufkäufer (Mitglieder des Gemeinderats), die Verluste beim Zusammenbruch der Stolberger Bank und andere Dinge gemeint sein.
Die Zahl derjenigen, die auf die Hilfe der Gemeinde angewiesen waren, vermehrte sich infolge des Niedergangs der gewerblichen Wirtschaft fortgesetzt. In ihrer Beschäftigung ließ sie Notstandsarbeiten verrichten, z.B. ausbessern. Die Hauptschneise, die den Gemeindewald in seiner Länge durchzieht, ließ sie durch den Unternehmer Peter Tillmann aus Breinigerberg mit Hilfe von Erwerbslosen mit einer festen Fahrbahn versehen. Gerade dieser Ausbau hat sich in der Folge sowohl für die Waldbewirtschaftung wie insbesondere die Holzabfuhr als wertvoll erwiesen.
Baulustige Arbeiter ließ die Gemeinde aus ihrem Steinbruch "am Lüchen", nahe bei der Stockemer Straße in Breinigerheide, Bausteine brechen und förderte die Bauvorhaben auch dadurch, daß die Leute diese Steine umsonst erhielten.
Die private Baulust litt sehr unter den allgemeinen Verhältnissen; angefangene Bauten wurden in bescheidenem Umfange fortgesetzt. Die Geld und Baustoffbeschaffung machten immer größere Schwierigkeiten.
Um Baustellen den Minderbemittelten anbieten zu können, hat die Gemeinde durch den Landmesser Hündgen aus Aachen aus ihrem Gelände in Breinigerheide den Teil aufteilen lassen, der von der Prämien-, Barbara- und Corneliastraße begrenzt ist und von der Weiherstraße durchschnitten wird. Es wurden die künftigen Straßen abgegrenzt und 34 Baustellen von je bis zu 1/8 Hektar bezeichnet. Die Baustellen wurden sehr begehrt.
Das an sich schlechte Land, bisher Heide mit vereinzelten Ginsterbäumen, uneben vom Eisensteinbergbau und einer Dachziegelei her, hatte bisher als dürftige Viehweide gedient. Die neuen Ansiedler haben daraus durch jahrelang fortgesetzte Bearbeitung brauchbare Gärten zu machen verstanden.
Die für die Rechnung der Gemeinde zu erbauenden Wohnhäuser (siehe 1921) wurden bis auf 3 fertig und vermietet: 4 auf den Schulgärten auf dem St. Gangolfsberg in Kornelimünster, 4 an der Prämienstraße in Breinigerheide. Für die Häuser in Breinigerheide setzte die Gemeinde die Monatsmiete auf 25 Mark für ein Zimmer und auf 15 Mark für ein Dachgeschoßzimmer fest. Der Unternehmer des Hauses in Venwegen/ Ecke Am Bachpütz und Mulartshütter Straße war in Schwierigkeiten geraten und hatte es mir bis auf Kellerhöhe gebracht. Notgedrungen mußte die Gemeinde den Bau fortführen.
Festzuhalten verdient, daß der Preis für 1 qm Fensterverglasung an den fertiggestellten Häusern 820 Mark betragen hat.
Zur Beratung der Baulustigen und der Gemeindeverwaltung und zur Bearbeitung der Bausachen schuf die Gemeinde die nicht beamtete Stelle eines Baumeisters und berief in sie den fachlich vorgebildeten technischen Stadtobersekretär Peter Salm aus Aachen. Er erwies sich als ein befähigter Fachmann. Über ihn siehe weiteres zum Jahre 1924.
Im vorigen Jahr hat der Kreis zwei hauptamtliche Schulärzte angestellt. Ihnen obliegt die ärztliche Überwachung der Volksschüler auch unserer Gemeinde. Damit wurde nach Jahren des Zauderns endlich eine wiederkehrende Betreuung der Schulkinder eingeleitet, die sich in manchen anderen Gemeinden längst bewährt hat. Unsere Gemeinde hatte schon 1914 die Anstellung eines Schularztes eingeleitet, der Plan scheiterte jedoch zunächst an der Honorierung des in Aussicht genommenen örtlichen Arztes und blieb infolge des Krieges unerörtert.
Zur Stärkung des Feuerschutzes gründete der Kreis eine Berufsfeuerwehr. Sie war zunächst im Kreishaus an der Zollernstraße in Aachen untergebracht, erhielt aber nach einigen Jahren eine eigene Unterkunft in Würselen. Angeschlossen wurde ihr ein Krankentransport. Beide Einrichtungen haben sich als überaus nützlich erwiesen.
Im vorigen Jahr hat der Kreis Aachen eine Fach-Verwaltungsschule eingerichtet, in der Anwärter für den mittleren und den gehobenen Kommunnalverwaltungsdienst lehrweise in diesen eingeführt werden sollen und auch die vor der Anstellung als Beamten nachzuweisenden Prüfungen abgelegt werden können. Auf Anregung des Regierungspräsidenten hat unsere Gemeinde bereits 1914 in die Satzung über die Anstellung, Besoldung und Versorgung der Gemeindebeamten aufgenommen, vor der Anstellung sei der Nachweis der Prüfung zu erbringen.
Seitdem konnten die Prüfungen nur vor Beauftragten der Bezirksregierung abgelegt werden. Die neue Schule wurde bezw. wird von den Beamtenanwärtern unserer Gemeinde Johann Röntgen und Johann Emonts besucht. Der letztgenannte legte nach einem für ältere Kriegsteilnehmer auf ein Jahr verkürzten Lehrgang im Herbst d. J. die Prüfung ab. Der normale Lehrgang läuft zwei Jahre. Zur Verhinderung der Verunstaltung des Orts Kornelimünster durch bauliche Maßnahmen oder Reklame ließ die Gemeinde am 18.August 1920 eine Ortssatzung. Sie will das althergebrachte Ortsbild ungestört erhalten wissen. Jedenfalls wird künftig durch scharfe Bauaufsicht der weiteren Verschandelung vorgebeugt werden können.
Einen ähnlichen Zweck verfolgt die ebenfalls vor zwei Jahren für den Ort Kornelimünster eingeführte öffentliche Beseitigung der häuslichen Abfälle, die Kehrichts (Müllabfuhr), um der Unsitte, diese Dinge an mehr oder weniger versteckten Örtlichkeiten, insbesondere in der Inde, abzulagern, zu begegnen. Die Gemeinde bezahlt das vertraglich verpflichtete Fuhrwerk, das den Müll an den Häusern abholt und an bestimmte Stellen im Freien stapelt. Leider können einige Einwohner von der Unsitte nicht lassen; besonders der Bach bietet infolgedessen oft ein häßliches Bild.
Als am 9. und 10.Mai 1922 in der Creutzer'schen Sortimentsbuchhandlung in Aachen ein Teil des archivalischen Nachlasses des vor 10 Jahren bei Düsseldorf verstorbenen Geschichtsforschers Emil Pauls, geboren 1840 in Kornelimünster, versteigert wurde, erwarb unser Bürgermeister daraus die für die Geschichte unserer Heimat wertvollen Stücke. Pauls hatte die 1835 von seinem Vater gegründete Apotheke in Kornelimünster geführt, war Beigeordneter unserer Gemeinde gewesen und hat sich um die Geschichtsforschung, nicht nur bezüglich seiner Geburtsheimat, sehr verdient gemacht.
Die Gemeinde hatte auch noch das ihr durch Testament vermachte Archiv des 1879 auf dem Gute Stockem (Breinigerheide) verstorbenen Gutsbesitzers Hyacinth Minderjahn in Verwahr, das überwiegend Schriftstücke aus abteilicher Zeit enthält. Es stand in einem großen mit Kalbfell beschlagenen Koffer, wenig beachtet, in der Aktenkammer. Die Gemeinde gab beide Archive (Pauls und Minderjahn), weil ihr eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit fehlte, dem Stadtarchiv in Aachen als Leihgabe in Verwahr und erhielt eine Ausfertigung des Leihvertrages vom 12.September 1922 und das Repertoriums über den Inhalt der Archive. Diese Archivalien haben, wie das Stadtarchiv bestätigte, den Krieg überstanden bis auf 2 oder 3 Urkunden, die die Gemeinde einmal entnommen hatte; diese sind vermutlich 1944/45 mit dem und in dem Kreisheimatmuseum in Kornelimünster untergegangen.
Der Breiniger Friedhof ist schon seit Jahren zu klein und seine Vergrößerung notwendig. Trotz Widerspruchs des Regierungspräsidenten, der einen neuen Friedhof verlangt, suchte die Gemeinde eine Übergangslösung, weil neues Gelände noch nicht ausfindig gemacht war, indem sie den Friedhof an seinem Nordwestende in seiner ganzen Breite verlängerte. Dazu wurden die an der Friedhofsmauer entlang laufende Kirchgasse, die seit der Anlegung der Neustraße (1910/11) überflüssig geworden, und ein Grundstück, das im Austausch gegen ein solches an der Corneliastraße in Breinigerheide erworben wurde, benutzt. Der neue Teil wurde, wie der alte, mit einer Mauer umgeben. An dieser hat man am Ende des vom Eingang ausgehenden Mittelwegs ein kleines Leichenhaus errichtet.
Die einmalige Gebühr für die Verleihung einer Wahlgrabstätte wurde für alle Gemeindeeigenen Friedhöfe auf 3.000 Mark erhöht.
Im Jahre 1881 hatte die Gemeinde auf der Schützheide schräg gegenüber dem Hof Schützheide (ehemaliger abteil. Erblehenshof Scheidsheide) auf einem rund 12 ar großen Gelände eine Baumschule eingerichtet, dazu bestimmt, den Obstbau durch Züchtung, Pflege und Veredlung zu fördern. Der Lehrer Ignaz Löhr hat dort die Knaben der Oberklasse der Breiniger Volksschule bis wenige Jahre vor seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst im Obstbau unterrichtet. Danach hat sich der Breiniger Bauernverein noch einige Jahre um die Baumschule gekümmert, seit Jahren ist das Gelände verwildert.
Vor 2 Jahren hat es die Gemeinde an den Anlieger Josef Schnitzler für 5.500 Mark verkauft.
Um den vor 2 Jahren aufgetauchten und noch im vorigen Jahr vom Gemeinderat erörterten Plan, eine Eisenbahn von Stolberg nach Zweifall zu bauen, die auch unser Gemeindegebiet durchschnitten hätte, ist es still geworden. Auch später hat man nichts mehr davon gehört.
Unausgeführt blieb auch der Wunsch der Gemeinde, die 1916 stillgelegte Kleinbahn von Kornelimünster nach Breinig wieder in Gang zu bringen. Die Aachener Kleinbahngesellschaft forderte hierfür einen Zuschuß von 150.000 Mark oder die Übernahme der Verzinsung für 300.000 Mark. Die Gemeinde vermochte sich dazu nicht zu entschließen, suchte auch vergebens den Kreis dafür zu gewinnen. Im Jahre 1923 hat das Unternehmen sogar die Schienen vom Bahnhof Breinig bis zum Streckenende auf dem Essig entfernt, die Gittermasten für die 1916 entfernte Oberleitungen aber stehen lassen. Weiteres siehe 1926.
Es verlautete, das Lehrerseminar in Kornelimünster werde in nicht mehr ferner Zeit aufgegeben werden. Der Gemeinderat wünschte, die Gebäude für die Gemeinde zu erwerben. Die diesbezüglichen Verhandlungen blieben indessen jetzt und auch später erfolglos. (siehe auch 1925)
Der Gesellschafteranteil der Gemeinde an dem Wasserwerk des Landkreises Aachen G.m.b.H. wurde auf 170.000 Mark erhöht.
Im vorigen Jahr hatte der Gemeinderat den Verkauf der Gasversorgungsanlagen empfohlen. Die Verhandlungen darüber scheiterten jedoch. Verwaltung und Betrieb sind vor 8 Jahren auf 30 Jahre an die Stolberger Licht- und Kraftwerke verpachtet worden, weil das Unternehmen der Gemeinde einen Gewinn eingebracht hatte; bis 1914 hatte es mit Verlust zu Lasten der Steuerzahler gearbeitet.
Auch der Wunsch des Gemeinderats, die Elektrzitätsversorgung einzuführen, mußte unerfüllt bleiebn. Wegen der am Jahresanfang auf 4 ½ Millionen Mark veranschlagten Kosten wurde die Ausführung auf "billigere Zeiten" vertagt. (siehe jedoch 1923)
An das neue Schulhaus in Breinigerberg soll der notwendige zweite Unterrichtsarm angebaut werden. Um die Geldmittel hierfür und für Wegeinstandsetzungen zu gewinnen, wurde bei der Forstaufsicht (Bezirksregierung) die Genehmigung eines außerordentlichen Holzeinschlags beantragt. Es wurde genehmigt, hierfür 1400 Festmeter Kiefern zu schlagen, unter der Bedingung allerdings, daß bis 1934 kein Sonderhieb mehr vorgenommen werden dürfe. Ein erster Holzverkauf im Frühjahr, erbrachte 160.000 Mark, der Sonderbetrieb im Herbst 13 Millionen Mark.
Mit dem Bau wurde erst später begonnen; fertig wurde er 1925.
An die Schule in Breinigerberg wurde am 1.Mai der Lehrer Hermann Girten berufen.
Die Einwohner von Venwegen errichteten im Krieg gefallenen Männer auf einem Zipfel des Gemeindewaldes am Anfang der Mulartshütter Straße ein Ehrenmal. Sie haben dafür rund 30.000 Mark aufgebracht.
Im vorigen Herbst hat man in Venwegen auf Betreiben des vom Niederrhein stammenden dortigen Lehrers Gerhard van Megeren die bislang in unserer Gemeinde unbekannte Martinsfeier eingeführt (Fackelzug) der Schulkinder, Martinsfeuer usw.) Sie wurde in diesem Jahr wiederholt.
Die seit 1905 auf dem Gelände der ehemaligen abteilichen Bannmühle, "Münster Mühle" genannt, unter der Firma R.Lupke und Cie. betriebene Karbonisieranstalt und Kunstwollfabrik ist im vergangenen Jahr auf die W.Heymann Kommandit-Gesellschaft in Inden übergegangen.
Zwischen der Gemeinde und der Kirchengemeinde Kornelimünster war im vorigen Jahr ein Zwist entstanden, weil die Gemeinde entgegen dem Herkommen zur Cornelioktav auf dem Markt Unternehmen hatte aufbauen lassen, deren Geräusche die Gottesdienstlichen Handlungen in der Pfarrkirche zu stören geeignet waren. Da dieser in diesem Jahre noch nicht beigelegt war, ließ der Pfarrer die kirchlichen Feiern erst nach dem weltlichen Jahrmarkt stattfinden. Diese Aufeinanderfolge anstelle des althergebrachten Zusammenfallens wurde künftig wieder aufgegeben; es hat sich gezeigt, daß beide Veranstaltungen unter der Trennung gelitten haben.
Seit der Neuwahl des Gemeinderats (1919) hat dieser 18 Mitglieder, davon entfallen auf Breinig 10, Kornelimünster 6 und Venwegen 2. Die Breiniger sind also in der Mehrzahl. Im Laufe der Zeit kam es deswegen wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern von Kornelimünster und Breinig. Die aus Kornelimünster beanstandeten zunächst den neuen Brauch, die Beratungen des Gemeinderats abwechselnd auch in Breinig und Venwegen stattfinden zu lassen,worin sie eine Zurücksetzung des Verwaltungssitzes Kornelimünster erblickten. Behauptungen, die Steuern wanderten überwiegend nach Breinig folgten andere von der Zurücksetzung des Ortes Kornelimünster, man sah sich von der Breiniger Mehrheit überstimmt, zog sich von Beratungen vor deren Ende zurück oder erschien zu ihnen nicht, protestierte gegen Mehrheitsbeschlüsse, focht sie bei der Aufsichtsbehörde an, glaubte sich vergewaltigt usw..
Auch der vom Bürgermeister dargelegte Nachweis, die Breiniger Steuerzahler brächten 35.000 M mehr Gemeindesteuern und über 1 Million Mark mehr Reichseinkommensteuer auf wie die von Kornelimünster, fand taube Ohren. Dieser häßliche Konflikt setzte sich über das Jahresende hinaus fort.
Der Haushaltsplan der Gemeinde für 1922/23 sieht Einnahmen und Ausgaben von je 4.170.000 Mark vor. Dieser Voranschlag erwies sich jedoch schon bald durch die allgemeine Entwicklung als überholt.
im Gemeindedienst stehen folgende Beamten: Bürgermeister,Nikolaus Hansen, Gemeinde (Steuer) Empfänger Karl Engelen, Gemeindesekretär Josef Soldierer, Gemeindeförster Josef Andres und die Polizeiwachtmeister Mathias Pitzer und Johann Zimmermann. Der Gemeinderat beschloß, die Stellen für zwei beamtete Gemeindesekretäre neu zu schaffen; deren Inhaber sollen jedoch nur unter dem Vorbehalt einer Kündigungsmöglichkeit angestellt worden, die in der Ortssatzung über die Anstellung, Besoldung und Versorgung der Gemeindebeamten nicht vorgesehen ist. Es ist darum die Genehmigung der diesbezüglichen Änderung der Satzung durch die Aufsichtsbehörde erforderlich und nachgesucht, bis zum Jahresende aber noch nicht erteilt worden.
Für den Dienst in der freiwilligen Feuerwehr bewilligte der Gemeinderat eine Entschädigung:
Jeder Feuerwehrmann erhält je Übungsstunde 5,-Mark, beim Einsatz an der Brandstelle jedoch 8,-M für die Stunde.
Eine Unfallversicherung wurde abgeschlossen für den Bürgermeister, die beiden Polizeibeamten, den Desinfektor, die Feuerwehrleute und die Fürsorgeschwester.
In Breinig trat nach 40 jähriger Tätigkeit die Hebamme Katharina Frings geborene Deglow in den Ruhestand, ohne Altersversorgung. Ohne Verpflichtung dazu bewilligte ihr der Gemeinderat ein Ruhegehalt von monatlich 100 Mark.
Die Entschädigung für die Gemeinde Fürsorgerin (Schwester aus der Niederlassung in Kornelimünster) wurde von 1.400 auf 4.000 Mark fürs Jahr erhöht. Die Beschäftigung dieser Schwester begann vor 3 Jahren als Helferin des Arztes bei der Mütterberatung; allmählich, nach und nach, wurden ihr, auch Fürsorgeaufgaben übertragen.
Ihre Tätigkeit hat sich nicht nur als nützlich, sondern auch als unentbehrlich erwiesen.
Endlich mag die Geldentwertung an Hand des Aufwertungsgesetzes vom 16.Juli 1925 noch erläutert werden. Es schuf die Grundlage dazu, nachträglich einen Teil des Unrechts auszugleichen, das durch die Abgeltung von Goldmark-Forderungen durch wertminderes Papiergeld geschehen war. Danach sind Forderungen aus Hypotheken und anderen Ansprüchen, die vor dem 1.Januar 1918 entstanden sind, mit ihrem Nennwert in Goldmark anzusehen, d.h. zum Beispiel 100 Mark = 100 Goldmark. Im ersten Halbjahr 1918 ist die Bewertung nur noch 100 zu 80, im Dezember 1918; 100 zu 50.
Für 1919 gelten: Januar 10M = 5,13 Gm, April 3,41, Juli 2,86, Oktober 1,66, Dezember 1,04.
1920 Ende Januar: 100 M = 5,76 GM, April 7,10, Juli 10,05, Oktober 6,22, Dezember 6,20.
1921 Ende Januar: 100 M = 7,41 GM, April 6,77, Juli 5,88, Oktober 2,98 und Dezember 2,55.
1922 Ende Januar: 100 M = 2,28 GM, April 1,59, Ende Juli: 1000 M = 8,46 GM, Oktober 1,11,
Ende Dezember: 10000 M = 6,34 Goldmark.

Währung
100MarkGoldmark
1918 April10080
1918 Dezember10050
1919 Januar10051,3
1919 April10034,1
1919 Juli10028,6
1919 Oktober10016,6
1919 Dezember10010,4
1920 Januar1005,76
1920 April1007,10
1920 Juli10010,05
1920 Oktober1006,22
1920 Dezember1006,20
1921 Januar1007,41
1921 April1006,77
1921 Juli1005,88
1921 Oktober1002,98
1921 Dezember1002,55
1922 Januar1002,28
1922 April1001,59
1922 Juli10008,46
1922 Oktober10001,11
1922 Dezember10.0006,34

Breinig, am 15.Februar 1959; Joh. Röntgen, Amtsinspektor a. D.



Band-51923-1938


[1962] Berichte von Johann Röntgen
[2019] Abschrift durch Förderkreis Abteigarten (im Bezirksamt Kornelimünster/Walheim)
[2021] Jetzt im Stadtarchiv Aachen, StAAc GEM 15-6



Einleitung zur nachträglichen Fortführung der Gemeindechronik von Kornelimünster 1. Im Jahre 1825 anordnete die Aachener Bezirksregierung, die Bürgermeister sollten alljährlich die bemerkenswerten Ereignisse in einem eigens dazu bestimmten Buch aufzeichnen, um die Erinnerung an sie der Nachwelt zu überliefern.

Sie gab gleichzeitig Richtlinien, auf was hierbei zu achten sei und fügte einen Vordruck zum Eintragen alljährlich wiederkehrender Ereignisse bei. Diese Anordnung ist im ersten Band der Chronik, die mit dem Jahre 1826 beginnt, abgedruckt.
Man kann die Anweisung nur loben, gab sie doch den Anstoß zur fortlaufenden örtlichen Geschichtsschreibung, ohne die die Zeitereignisse schon bald in Vergessenheit geraten sein würden und manches spätere Geschehen als Folge des früheren nicht verstanden werden könnte.
Im ersten Vierteljahrhundert hat man die Ereignisse mit mehr oder weniger Fleiß aufgezeichnet; für einige Jahre sind die Nachrichten jedoch recht dürftig oder fehlen sogar. Der mit dem Jahr 1851 beginnende zweite Chronikband, wurde nach dem 2. Weltkrieg (1939/45) vermißt; er schien verloren gegangen zu sein. Nach meiner Erinnerung enthielt er Eintragungen nur für die beiden ersten Jahre und wenige Jahre des 7. Jahrzehnts und war im übrigen leer. Glücklicherweise war jedoch, der Gemeindeverwaltung unbewußt, seine Zweitschrift erhalten geblieben; sie kam 1951 an die Gemeinde zurück. Zwei Vermerke in ihr gaben Auskunft über ihr Schicksal. Leider enthält sie nur Eintragungen für 1851, 1852 und 1865. Erst vom Jahre 1876 ab war man bemüht die Ereignisse fortlaufend niederzuschreiben, dies bis 1921. Seitdem ist die Chronik nicht mehr geführt worden.
Es ist müßig und fruchtlos den Gründen für diese Nachlässigkeiten nachzuforschen. Nicht zu verantworten wäre jedoch, es dabei zu belassen und nicht zu versuchen, die Lücken nachträglich so gut wie möglich auszufüllen. Allein, das ist keine leichte Aufgabe, angesichts dessen, daß der Gemeindeverwaltung nur wenige Akten verblieben sind, aus denen man schöpfen kann. Man ist darum überwiegend auf andere Quellen angewiesen: Private Aufzeichnungen, Zeitungsberichte, zeitgenössische Berichte und Bücher, Schulchroniken, Vergleiche der Chroniken benachbarter Gemeinden, mündliche Auskünfte usw.
Schon lange war meine Absicht, unsere Gemeindechronik fortzuführen und dazu auch meine eigenen Aufzeichnungen mitzubenutzen, doch fehlte mir dazu, solange ich im Gemeinde- bezw. Amtsdienst stand die Muße. Leider sind darüber, während ich infolge der Gebietsräumung von September 1944 bis Juni 1945 aus der Heimat abwesend war, die meisten meiner Tagebücher abhanden gekommen. Da ich jedoch, außer während der Gebietsräumung und meines Militärdienstes (1912 bis 1919), stets an meinem Geburtsort Breinig gewohnt und von 1907 bis 1910, von 1919 bis 1944 und von 1947 bis 1955 im Dienst unserer Gemeinde gestanden habe, erlebte und erfuhr ich in dieser Zeit unmittelbar, was sich ereignete. Das kommt mir bei der Geschichtsschreibung zustatten.

Im Oktober 1955 regte Herr Gemeindedirektor Hubert Meyer an, mich um die Aufzeichnung des Geschehens seit der Gebietsräumung 1944 zu bemühen. Er ging jedoch auf meinen weiter gehenden Vorschlag ein, dies nicht gesondert, sondern in der Folge der seit 1921 fehlenden Aufzeichnungen zu behandeln. Ich ließ mich von dem Gedanken leiten, nicht wieder eine große Lücke bestehen zu lassen, die später einmal zu schließen mit zunehmendem Abstand von den Ereignissen und dem Dahinsterben der Zeitgenossen immer schwerer werden würde, während das Geschehen der neueren Zeit in der Erinnerung einer ungleich größeren Zahl von Zeugen haftet.

Ich war bemüht, all erreichbaren Quellen auszuschöpfen. Vieles mußte leider unerwähnt bleiben, weil es schon der Vergessenheit anheim gefallen ist, manches zeitlich vorweggenommen oder später erwähnt werden, wenn seine genaue Einordnung in die Zeit nicht möglich war. Ich halte diese Mängel für vertretbarer wie das Übergehen von Geschehnissen, und glaube überdies, für sie Verständnis erwarten zu dürfen.

Der Übersichtlichkeit wegen habe ich die Aufzeichnungen, wie es auch in der Vergangenheit geschehen ist, jahrweise geordnet und da und dort, um den Zusammenhang zu fördern, Hinweise auf Vergangenes oder Zukünftiges beigefügt. Meine Aufzeichnungen nach Maßgabe späteren Ermittelungen oder Erkenntnisse zu ergänzen, kann der Gemeindechronik nur förderlich sein.

2. Wie oben bereits gesagt, ist die alte Chronik sehr lückenhaft. Ich erachtete für richtig auch diese Mängel nach Möglichkeit zu beheben. Hierfür gilt jedoch viel mehr wie für die neuere Zeit, daß die meisten örtlichen Begebenheiten längst vergessen sind und nicht mehr erwähnt werden können; das bedarf keiner näheren Begründung. Immerhin ist gelungen, auf Grund zuverlässiger Nachrichten manche Ereignisse dem Vergessen werden zu entreißen. Sie fanden ihre Erwähnung als Nachträge zu den einzelnen Jahresberichten von 1826 ab, gehen aber zeitlich zurück bis in das Jahr 1794, in dem die französische Revolutionsarmee unsere Heimat besetzte.

3. Die Arbeit ließ mich auch dem Schicksal unseres einst so reichhaltigen Gemeindearchivs (Akten, geschriebene und gedruckte Bücher usw.) nachspüren, von dem nur geringe Reste auf uns gekommen sind. Ich halte für gewiß, daß man über die Verluste Auskunft verlangen wird. Es will mir überdies als sinnlos erscheinen, sie zu übersehen oder verschweigen zu wollen.

Mündliche und schriftliche Überlieferung wissen davon zu berichten, daß zur Franzosenzeit, vor rund 160 Jahren, Archiv und Bücherei der Abtei Kornelimünster teils verbrannt, teils in alle Winde verstreut worden sind, daß davon heute noch einiges in Privathänden, das meiste aber in Archiven des In- und Auslandes sich befindet.

Die französischen und deutschen Bürgermeister scheinen beflissen gewesen zu sein, das, was Ihnen aus älterer Zeit überkommen war, wie die eigenen Akten und Bücher zu verwahren. Um 1910 lagen in der Aktenkammer (Speicher) des Gemeindehauses auf dem Schulberg Bücher, Akten und einzelne Urkunden aus der abteilichen Zeit, dabei solche mit anhängenden Siegeln (ein Pergamentblatt mit den Anfangsworten "Wir , Ferdinand der Andere" ist mir gut in Erinnerung), Akten, Briefbücher, geschriebene und gedruckte Bücher aus der französischen und nachfranzösischen Zeit, französische und preußische Gesetzsammlungen, Kreisblätter, Regierungsamtsblätter, Ministerialblätter, das Bundes- und das Reichs-Gesetzblatt und viele andere Bücher für den Handgebrauch. Die Urkundenbücher des Standesamts von 1798 ab und etwa ein Dutzend Kirchenbücher über Taufen, Trauungen, Beerdigungen 1798 und früher und der Vertrag (von 1859?) über die Aufteilung der gemeinsamen Ländereien des Münsterländchends dagegen lagen im Panzerschrank des Standesamts. Damals schien noch kein großer Verlust an Überkommenem eingetreten zu sein. Als man 1913 an der Straße St.Gangolfsberg eine neue Aktenkammer eingerichtet hatte, sollen alle Sachen aus der alten in diese verbracht worden sein.

Um 1920/21 etwa konnte ich feststellen, daß der alte Akten- und Bücherbestand scheinbar nicht verändert war; eine Überprüfung im Einzelnen habe ich nicht durchgeführt. Die oben erwähnten Urkunden aus der abteilicher Zeit habe ich damals und später nicht mehr gesehen, vielleicht habe ich sie nur übersehen. Dagegen fand ich mehrere Aktenbündel mit Schriftstücken aus der abteilichen Zeit, deren blaue und nur lose beigegebenen Umschläge erklärende Bleistiftaufschriften von der Hand des früheren Beigeordneten, Apotheker Emil Pauls, trugen. Damals wurde in der Aktenkammer auch ein alter Koffer gefunden, der mit Schriftstücken vornehmlich aus der abteilichen Zeit angefüllt war und angeblich das der Gemeinde vermachte Archiv das 1879 auf dem Gut Stockem verstorbenen Hyacinth Minderjahn enthielt. Von ihm hatte ich 1910 nicht gewußt. Ebendort lag ein Haufen alter Rechnungsbelege, die bis in die erste preußische Zeit zurückgingen und alte Schuldurkunden selbst aus abteilicher Zeit enthielten. Über das Minderjahn’sche Archiv ist in der Chronik für 1922 berichtet.

Nachdem die im Krieg 1914/18 eingeführte Lebensmittelbewirtschaftung eingestellt war, sind die sie betreffenden Akten durch Feuer vernichtet worden (1924 oder 1925). Dabei wurde berücksichtigt, daß sie weder praktisch noch geschichtlich einen besonderen Wert hatten.

Vor der Bildung des Amts Kornelimünster (1.April 1935) mußte im Gemeindehaus auf dem Schulberg Platz gemacht werden für die aufzunehmenden Bediensteten und die Akten der Gemeinde Walheim. Der Anbau mit der Aktenkammer sollte erweitert und aufgestockt, mußte also geräumt werden; das geschah im März. Der Bürgermeister selbst bestimmte, was erhalten und was verbrannt werden sollte. Verbrannt wurden alle geschriebenen und gedruckten Bücher, die ein bestimmtes Alter (vor 1870?) überschritten hatten oder tatsächlich wertlos geworden waren. Erhalten blieben alte geheftete Akten, insbesondere auch die Rechnungsbelege. Meine Einwendungen gegen die Vernichtung der ältesten Bücher, die ich der Erhaltung wert erachtete, wurden damit abgetan, sie seien auch an anderen Stellen vorhanden, hätten also keinen Seltenheitswert, auch die Kreisverwaltung habe sie abgeschafft. Was vernichtet worden ist, wurde nicht aufgeschrieben.

Vor dem Mai 1937 machte mich der Amtsobersekretär Heinrich Haupts darauf aufmerksam, ein Wegearbeiter sei, offenbar nicht ohne Auftrag des Amts-Bürgermeisters, dabei; Gemeindeakten zum Einstampfen zu verpacken. Es gelang uns, einige Papierre aus der abteilichen Zeit zu retten. Ich habe nicht bemerkt, daß aufgeschrieben worden ist, was fortgeschafft wurde.

Später fand ich in der Aktenkammer der Gemeinde- und Amtskasse am Markt einen Haufen Gemeinderechnungen und Rechnungsbelege, worunter ich auch jene oben erwähnten zu erkennen glaubte, die ich früher im Gemeindehaus gesehen hatte, deren Erhaltung mir nützlich erschienen war, zumal sie auch Angaben über die Tilgung der Schulden des ehemaligen Münsterländchens mit besiegelten Urkunden abteilicher Herren enthielten.

Eines Tages wies mir der Rendant der Spar- und Darlehenskasse Kornelimünster, Gottfried Küppers aus Breinig, ein angebranntes Papier vor, das er auf dem Markt gefunden haben wollte. Er sagte, auf dem Markt habe man einen Haufen Papiere verbrannt, deren Reste der Wind umher gewirbelt hätte. In dem Blatt erkannte ich eine Rechnung aus den 1820er Jahren über ein dem Bürgermeister geliefertes Siegel. Daran glaubte ich zu erkennen, daß die mehrerwähnten alten Rechnungsbelege dem Feuer übergeben worden seien. Wahrscheinlich ist die damals gebotene Entrümpelung der Speicher aus Luftschutzgründen ursächlich gewesen. Was verbrannt worden ist, weiß ich nicht. Die Rechnungsbelege habe ich nie mehr gesehen.

Luftschutzgründe waren auch maßgebend dafür, daß der Amtsbürgermeister die nicht laufend gebrauchten Verwaltungsakten in einen Keller der ehemaligen Abtei verbringen ließ; dort habe ich den Haufen gelegentlich gesehen. Von diesen Akten soll nichts an die Gemeinde zurückgelangt sein. Es verlautete, sie seien wahrscheinlich von dort untergebrachten amerikanischen Soldaten vernichtet worden.

Aus gleichen Gründen ließ der Amtsbürgermeister während der letzten Kriegsjahre Schreibzeugvorräte (Papier, Schreibgeräte), Bücher und Akten des Standesamts (Personenstandregister der Gemeinden Kornelimünster und Walheim von 1798 bis 1832) und des Einwohnermeldeamts (Einwohnerverzeichnisse von 1837 und später, 1876 und 1883 und die Einwohner-Meldekartei von 1896 und später, soweit sie nicht laufend gebraucht wurde, in einem Westwallbunker beim Forsthaus Kalkhäuschen sicherstellen. Ob sich dabei noch andere Sachen befunden haben, weiß ich nicht. Ein Verzeichnis der sichergestellten Sachen habe ich nicht gesehen. All das Sichergestellte soll vernichtet worden sein, als die Besatzungstruppen die Befestigungswerke sprengten.

Als im September 1944 wegen des Näherkommens der Kampffront die Räumung unserer Gemeinde bevorstand, wurden auf Anordnung des Amtsbürgermeisters mit Akten, Büchern, Schreib- und Rechenmaschinen aus dem Amtshause und der Amtskasse gefüllte Kisten auf einen Feuerwehr-Mannschaftswagen verladen, um sie nach Betzdorf an der Sieg, dem Zufluchtsort des Amtsbürgermeisters, verbringen zu lassen. Was die Kisten im Einzelnen enthalten haben, weiß ich nicht. Die Verladung geschah am Nachmittag des 12.September. In Betzdorf soll ein Teil der Sachen dem Krieg zum Opfer gefallen sein. Was verloren gegangen und was 1945 in die Heimat zurückgebracht worden ist, habe ich nicht erfahren.

Die Geheimakten hatte der Amtsbürgermeister bereits am 9.September in meinem Beisein dem Feuer übergeben, soweit sie nicht mehr benutzt wurden, nachdem er erfahren hatte, daß die Kreisverwaltung dasselbe getan hatte. Den Rest der Geheimakten habe ich am 12.September verbrannt.

Im Geschäftszimmer der Ortspolizeibehörde im Amtshause hatte ich in Verwahr und ließ darin zurück, als ich am Abend des 12.September 1944 es verließ: a) ein Pergamentblatt, das bis vor wenigen Jahren als Überzug eines Kirchenbuchdeckels gedient hatte; es war mit gotischen Zeichen in lateinischer Sprache beschrieben und soll einen Teil der Vita Karoli Magni enthalten haben; b) ein Briefbuch des letzten französischen und ersten deutschen Bürgermeisters Ostlender, in französischer und deutscher Sprache geschrieben; c) ein in französischer Sprache erfaßtes Schuldenverzeichnis, anscheinend die Abtei betreffend; d) das 1819 begonnene und bis etwa 1836 fortgeführte Brandkataster der Bergischen Feuer-Societät, enthaltend ein Verzeichnis aller Gebäude in der Gemeinde; e) das 1837 begonnene und bis ungefähr 1875 fortgeführte Brandkataster der Provinzial-Feuerversicherungsanstalt der Rheinprovinz. Das Pergamentblatt lag im Panzerschrank. Von alledem habe ich nichts wiedergesehen. Den Panzerschrank sollen Besatzungstruppen aufgesprengt haben.

Als ich an jenem September-Abend das Amtshaus verließ, um einige Stunden später dem Räumungsbefehl zu folgen, blieb darin alles zurück, das nicht, wie beschrieben, vernichtet oder ausgelagert worden war.

Vom Bürgermeister Leonhard Hüpgens, vorher Hauptlehrer, den die Amerikaner Mitte September 1944 zum Bürgermeister bestellt hatten, erfuhr ich, das Amtshaus habe bei der Sprengung der nahen Eisenbahnbrücke durch deutsche Soldaten am 13. (oder 14.) September das Dach und die Fensterscheiben verloren und darum nicht mehr benutzt werden können. Er habe Leute beauftragt, daraus Akten und Bücher abzuholen; jedoch hätten amerikanische Soldaten das verhindert und die Beauftragten sogar festgenommen. So sei zu erklären, daß die Einrichtungen des Amtshauses, Wind und Wetter und dem Zugriff Unbefugter preisgegeben, größtenteils verloren gegangen seien.

Im Jahre 1946 erfuhr ich, Gemeindeakten lagerten im Gemeindehaus am Markt, in dem damals die Gemeindekasse, die Ernährungs- und Wirtschaftsstelle, die Polizeidienststelle und die Arbeitsamts-Nebenstelle untergebracht waren. Es muß sich um Akten gehandelt haben, die aus dem beschädigten Amtshause dahin verbracht worden waren.

Im Frühjahr 1946 sah ich im Kohlenkasten neben dem Ofen der Arbeitsamts-Nebenstelle einen Steh-Aktenordner liegen, dessen Inhalt sich auf polizeiliche Vorgänge bezog! Die Angestellte Annemie Beißel aus Breinig klärte mich dahin auf, damit machten sie Feuer an.

Ungefähr um dieselbe Zeit sah ich in der Hand eines Einwohners von Kornelimünster ein Papier, das einem Einwohner An- oder Abmeldebuch entstammte. Auf befragen erfuhr ich, man habe es mit anderem im Abfall beim alten Amtshauses gefunden.

Von einem anderen Einwohner hörte ich, der Hausdiener der Gemeindeverwaltung am Benediktusplatz, der geistesschwache Jakob Bergrath, schleppe fortgesetzt Bruchstücke von Möbeln und anderes aus dem Amtshause zur neuen Dienststelle, um damit anzuheizen; er habe dies auch zugegeben und damit entschuldigt, man stelle ihm anderes nicht zur Verfügung. Es darf vermutet werden, daß demselben Zweck auch Akten und Bücher zugeführt worden sind.

Daß aus den im Gemeindehaus am Markt lagernden Akten auch einzelne Schriftstücke entwendet worden sind, weiß ich von zwei daran Beteiligten; der eine behauptete das von sich selbst, der andere wollte Papiere in Besitz haben, die nur aus den Gemeindeakten entnommen sein können.

Ob man nach dem Kriege die ausgelagerten Akten und Bücher gesucht hat, weiß ich nicht. Ich halte es für unwahrscheinlich, denn Bürgermeister Hüpgens hat wahrscheinlich nichts davon gewußt, was wohin verbracht worden war. Von den alten Bediensteten aber, die darum wußten, war vor dem Frühjahr 1945 keiner in die Heimat zurückgekehrt. Von ihnen aber war zunächst niemand mehr zum Dienst zugelassen worden. Jeder von ihnen hatte auch andere lebenswichtigere Sorgen als nach Gemeinde-Akten zu suchen

Breinig, am 22.Februar 1959; Joh. Röntgen, Amtsinspektor außer Dienst



1923

Bevölkerung
1923mw
Population4643
Geburten6439
Todesfälle3632
Trauungen42

Im Herbst wurden 4643 Gemeinde-Einwohner gezählt. Der Standesbeamte beurkundete 64 männliche und 39 weibliche Lebendgeburten, zusammen 103, 42 Trauungen und 36 männliche und 32 weibliche Gestorbene, zusammen 68.
Es war ein wildbewegtes Jahr, an das diejenigen, die es erlebten, nur mit Mißbehagen zurückdenken. Die Zustände und Geschehnisse eingehend zu schildern, ist wegen ihrer Fülle nicht möglich. Man kann nur einen Streifzug durch sie unternehmen.

Mitte Januar begann es mit dem sogenannten "Ruhrkampf", als die Franzosen, unterstützt von den Belgiern, zu deren Besatzungszone unsere Gemeinde gehörte, um ihre im Friedensvertrag ausbedungenen Ansprüche auf Reparationslieferungen, die angeblich nicht ganz erfüllt worden waren, zu sichern, das hochindustrialisierte Ruhrgebiet besetzten. Nach deutscher Auffassung begingen sie damit ein vertragswidriges Unrecht. Die Reichsregierung gebot, den "passiven Widerstand" entgegen zusetzen, d.h. es solle von deutscher Seite alles unterlassen werden, das geeignet war, die neuen alliierten Ansprüche und Forderungen zu unterstützen oder zu fördern. Arbeitsniederlegungen, Dienstverweigerungen der Eisenbahnbediensteten und andern und ähnliche Maßnahmen waren die Folge. Franzosen und Belgier besetzten die Eisenbahn mit militärischem und zivilem Personal und betrieben sie in eignener Regie ("Regisbahn"), führten für ihre Benutzung Regiebahngeld in Frankenwährung ein ("Regiegeld"), sorgten bei der Güterbeförderung in erster Linie für die Erfüllung ihrer Ansprüche. Die deutschen Verkehrs- und Versorgungsbedürfnisse wurden hintangestellt. An der Grenze zum unbesetzten Reichsgebiet wurden Zoillschranken errichtet und der Warenverkehr über sie hinweg mit Abgaben zu Gunsten der Alliierten belegt und dadurch abgedrosselt oder wenigstens eingeschränkt. Die Westgrenze wurde mit französischen und belgischen Zollbeamten besetzt. Die Hohe Interalliierte Rheinlandkommission tat mit überspitzten Anordnungen und Vorschriften, um die angeblich gefährdete Sicherheit der Besatzungstruppen zu schützen, ein übriges, um die Freiheiten der Einwohner zu beschneiden. Ihre Bezirks- und Kreisdelegirten sorgten mit Hilfe ihrer Gendarmerie und der Kriegsgerichte dafür, den Anordnungen Geltung zu verschaffen. War schon der Eisenbahnverkehr ganz in alliierter Hand, so wurde der Lastkraftwagenverkehr, der die letzte Möglichkeit zur Güterbeförderung blieb, erschwert, sodaß die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern ins Hintertreffen geriet. Das "Loch im Westen" (siehe Vorjahr) erlangte eine Bedeutung wie nie zuvor. Die freie Meinungsäußerung wurde durch die Vorzensur der Zeitungen beschränkt, Versammlungen genehmigungspflichtig, Reisen ins unbesetzte Gebiet nur mit Genehmigung der Kreisdelegierten gestattet. Es war ein Kampf mit ungleichen Mitteln, ausgetragen auf dem Rücken des rheinischen Volkes. Besonderem Druck ausgesetzt waren besonders leitende Beamte der Polizei, der Regierung, des Verkehrswesens und solche Dienststellen, die mit Beschaffungen für die Besatzungstruppen zu tun hatten. Mochten sie verlangte Leistungen nicht mit ihren deutschen Beamtenpflichten vereinbaren können oder überhaupt nicht auszuführten vermögen, so hatten sie mit Bestrafung zu rechnen und meistens auch mit der Ausweisung aus dem besetzten rheinischen Gebiet. In Kornelimünster erfuhr das der Bahnhofsvorsteher Günther; zuerst mußte er die Wohnung im Bahnhof verlassen und fand eine Notunterkunft in der ehemaligen Abtei, wurde dann aber ausgewiesen.

Der passive Widerstand wurde von nationalistischen Heißspornen mißbraucht durch Sabotage an Eisenbahnanlagen usw., um den Abtransport von Gütern aus dem Ruhrgebiet nach dem Westen zu verhindern. So wurde in der Flur Rehag versucht, allerdings ohne den erstrebten Erfolg. Auch im Versuch, die Eisenbahnbrücke derselben Strecke nahe bei der Schlausermühle zu sprengen, schlug fehl und hatte eine so geringe Wirkung, daß die Schadenstelle bis heute nicht ausgebessert werden brauchte. Als Repressalie mußten angesehene Personen mit Leib und Leben einstehen, daß solche Verkehrsgefährdungen unterblieben, indem sie gezwungen wurden, als Geiseln auf den Zügen mitzufahren. Aus unserer Gemeinde hat das allerdings keiner mitzumachen brauchen.
Die schnell fortschreitende Geldentwertung schuf weitere außerordentliche Schwierigkeiten und Nöte. Reichsgeld mit immer größeren Wertzahlen kam in Umlauf, Notgeld, verschiedene Körperschaften gesellten sich ihm zu. Von Tag zu Tag verlor es an Kaufkraft, ein Wert schwamm sozusagen fort. Löhne, Gehälter und Entschädigungen für Leistungen und Lieferungen hatten am Auszahlungstage nur noch einen Teilwert. Lohn- und Preiserhöhungen kamen der Geldentwertung nur schleppend nach, obgleich sie in immer kleineren Abständen vorgenommen wurden. Nichts mehr hielt sich die Waage, niemand vermochte auch nur auf kurze Zeit zu planen. Gänzliche Verarmung ergriff weite Teile der Bevölkerung. Die großgewerbliche Wirtschaft verfiel zu Gunsten ihrer Arbeiter darauf, einen Teil der Löhne in der Form von Warenbezugsscheinen von bestimmten Festwerten auszuzahlen. Von ungefähr der Jahresmitte ab legete sie den Löhnen eine fiktive Goldwährung (1 Pfennig = 1/420 Dollar) zu Grunde. Die Gemeinde anahm, einmal um feste Werte in die Hand zu bekommen, in Sittard (Holland) ein Darlehen von 10000 Gulden auf, zum anderen vermochte sie damit, den Kurswert ausnutzend, Verpflichtungen zu erfüllen, die sie ohnedem nicht hätte eingehen können. Eine haushaltplanmäßige Wirtschaft war gänzlich ausgeschlossen, die Steuern mußten fortgesetzt erhöht werden. Die Flucht in wertbeständige Werte, der Schwarzmarkt, Warenverschiebungen (Kettenhandel), der Ausverkauf an Ausländer (siehe 1922) blühte wie nie zuvor. Im November erreichte die Geldentwertung ihren Höhepunkt und ihr Ende. Wurde damals in holländischen Gulden im Vorkriegwert von 1.71 Mark (Gold) mit bis zu 4 Billionen Mark (Papier) bewertet und bezahlt, so setzte nun ein Umschwung ein. Drüben, im Reich, hatte man im Oktober eine neue Währung auf Goldgrundlage eingeführt, die Renten-Mark. Die Rheinlandkommission ließ die Anwendung dieses Gesetzes erst nach einigen Wochen zu. Nach diesem war eine Rentenmark eine Billion Papiermark gleichzusetzen. In dem neuen Geld war nicht nur eine neue Rechnungseinheit gefunden, sondern auch und vor allem ein Wertmaßstab der lange entbehrt worden war. Doch was alles war in den letzten Jahren zerschlagen worden. Ersparnisse in Nichts zerronnen, die Moral verdorben, die Armen noch ärmer geworden, weite Teile des Mittelstands verarmt, Wucherer und Schieber emporgestiegen (Neureiche), Arbeitsunlust und Raffsucht erzeugt, der Unterschied von Mein und Dein weitgehend verwischt, die gewerbliche Wirtschaft gelähmt und dergleichen Übel mehr, Schulden aus Goldmark-Hypotheken waren mit minderwertigem Papiergeld getilgt worden und wo Gläubiger den Geldwert eines Brotes erhalten haben.

Die Gemeinde hätte aus eigenem Vermögen den an sie gestellten außergewöhnlichen Ansprüchen nicht zu entsprechen vermocht, waren doch nur wenige Haushaltungen gewesen, aus denen nicht ein Mitglied ihre Hilfe erheischt hat. War ungefähr die Hälfte der Lohnarbeiter ohne feste Arbeit, so mußte zeitweise beinahe die Hälfte aller Einwohner unterstützt werden. Selbst manchem selbstständigen Handwerker war der Gang zur Unterstützungskasse nicht erspart geblieben. Die Gemeinde ließ Arbeitsfähige wie im Vorjahr Notstandsarbeiten verrichten und z.B. Feldwege ausbessern. Vom Reich waren ohne kleinliche Bedenken und zur Stützung des passiven Widerstands Unterstützungen in der Form, d.h. unter der Bezeichnung "Rhein-Ruhr-Hilfe" gegeben worden. Sie haben für vielerlei Zwecke herhalten müßen.
Den Alliierten war diese Hilfe ein Dorn im Auge; sie suchten sie zu unterbinden. Im Frühjahr beschlagnahmte ein belgischer Offizier bei unserer Gemeindekasse 9 Millionen Mark. In der Folge wurden Mittel gefunden, um diese Gelder fremdem Zugriff zu entziehen. Hatte man sie bislang bei der Regierungshauptkasse in Aachen abgeholt, so wurden sie später mittels Kraftwagen vom Bürgermeister in Köln (britische Besatzungszone) abgeholt und nicht mehr bei der Gemeindekasse verbucht. Vielmehr übertrug man dem Scheine nach die Verwaltung und Auszahlung der Gelder einem Unternehmer (Kalkwerk Wilhelm Hoven, Kornelimünster), der auch als Vergeber der Notstandsarbeiten zu gelten hatte.

Ein weiterer Herd der Beunruhigung war die separatistische Rheinland-Bewegung, die vorgeblich einen von Preußen unabhängigen rheinischen Staat anstrebte und darin von Belgien und Frankreich unterstützt und gefördert wurde. Deren Horden setzten sich im Oktober in Aachen fest und suchten auch anderswo sich durchzusetzen. Schon vorher hatte ein Abgesandter der Bewegung mit Namen Steffens, ein Sohn unseres Wegewärters Hubert Steffens, der aber auswärts wohnte und zum Vater keine Beziehung mehr hatte, von unserem Bürgermeister verlangt Plakate öffentlich anzuschlagen, nach deren Inhalt die "Rheinische Republik" ausgerufen, also gebildet sei, war von diesem aber abgewiesen worden. Ein vom Bürgermeister für den Fall, daß die Separatisten (Sonderbündler) sich im Gemeindehaus festzusetzen versuchen würden, organisierter Abwehrdienst, bestehend aus Gewerkschaftsmitgliedern, hat nicht in Tätigkeit treten brauchen. Ein Einwohner von Kornelimünster gehörte jener Bande an, die das Gemeindehaus in Walheim besetzte, es aber kampflos verließ, bevor vom Landrat zu dessen Befreiung dahin befohlene Polizisten eintrafen. Er ließ beim Schuhmacher und Schuhwarenhändler Jakob Slangen in Kornelimünster ein Paar Schuhe requirieren, die niemals bezahlt worden sind. Einem Bäckermeister aus Breinigerheide, der im Verdacht stand, der Bewegung anzugehören, spielte die Volksjustiz so mit, daß er Abkehr von ihr versprach und die Lieferung von Broten für die Armen zusagte. Die Bewegung hat in unserer Gemeinde offenkundig nur ganz wenige Anhänger gehabt.
Die Abwehr der Sonderbündler in Aachen forderte das Leben eines Einwohners unserer Gemeinde Polizeioberwachtmeister Johann Bausch aus Breinich, Schomet 1, fand am 23 Oktober beim Sturm der Aachener Polizei auf das von Sonderbündlern besetzte Regierungsgebäude den Tod infolge einer Schußverletzung. Er ist auf dem alten Kirchhof in Breinig beerdigt worden.
Erwähnenswert ist, daß sich unsere Einwohner sowohl den Maßnahmen der Besatzungsmächte wie der Rheinlandbewegung gegenüber maßvoll zurückgehalten haben. Nur ganz wenige setzten sich durch willfähriges Verhalten der Verachtung aus.

Andernorts ist es zu örtlichen Unruhen gekommen, in Aachen zur Plünderung von Geschäften und Bauerngehöften, zu Zwangsverkäufen in Lebensmittelgeschäften durch Unbefugte. Felddiebstähle kamen auch bei uns vor, gegen die sich der von den Bauern unter sich eingerichtete Feldsentz als fruchtlos erwies. Als die Aachener Polizei einige Teilnehmer an der Plünderung des Driescher Hofs festgenommen hatte, forderten Demonstranten vor dem Polizeipräsidium deren Freilassung. Unter ihnen befanden sich auch, überflüssigerweise, einige Einwohner unserer Gemeinde. Einer von ihnen, Heinrich Stiel, aus der Buttergasse in Breinig, wurde dort bei der Schießerei so schwer verletzt, daß er mehrere Monate im Krankenhaus zubringen mußte. Seit dem Beginn des Ruhrkampfes hatten Kohlen nur noch auf dem Landwege herangeholt werden können und das auch nur in unzureichenden Mengen. Daraus folgte die Zunahme der Holzentwendungen in den nahen Gemeindewaldungen Büsbach und Kornelimünster. Hatte man sich früher überwiegend mit Raffholz begnügt, so fielen nun immer mehr Erwerbslose über die Holzbestände her und hieben ab, was ihnen vor Beil oder Axt kam. Dabei gingen zunächst die am Westrand der Wälder stehenden Laubholz-Schutzstreifen verloren. Bei Rochenhaus, in der Nähe des Forsthauses Rochenläger, kam es sogar zu einem kleinen Kahlschlag. Zu Traglasten, auf Schiebkarren und Handwagen und sogar auf Bauern fuhrwerken beförderte man Stämme und Astwerk ab. Der Dreistigkeit und zum Teil drohenden Haltung der Frevler standen die wenigen Forst- und Polizeibeamten machtlos gegenüber. Einhalt wurde erst geboten, nachdem im Spätsommer sich unser Gemeinderat dazu entschlossen hatte, Brennholz zur Selbstverwertung gegen einen mäßigen Preis abzugeben. Nun kamen auch jene zu ihrem Recht, die den wüsten und widerlichen Frevel nicht mitgemacht hatten. In Ausnutzung der Geldverhältnisse wurden die Orte Breinigerberg und Kornelimünster an die Elektrifizierung angeschlossen. Diese Einrichtung begrüßten besonders die Einwohner von Breinigerberg, die bisher weder eine Straßenbeleuchtung noch die Versorgung mit Gas gekannt hatten. Abfällig beurteilt wurde in Kornelimünster jedoch die neue Straßenbeleuchtung, wegen der geringen Lichtstärke gegenüber der bisherigen Gasbeleuchtung.

Die Werke W. Heyman K.G., Carbonisieranstalt, Wilhelm Hoven, Kalkwerk, Josef Schmitz, Bierbrauerei, und Adam Thelen, Kalkwerke, alle in Kornelimünster, hatten bereits im vorigen oder vorvorigen Jahr Anschluß an die Elektrizitätsversorgung gefunden und die Einrichtungen auf eigene Kosten beschafft. Im Herbst wurde bei dem vor 15 Jahren aufgedeckten Tempelbezirk Varnenum unter Leitung des stud. Arch. Edgar Schmidt-Burgk, Aachen, erneut nachgegraben. Die Arbeit mußte wegen des winterlichen Wetter eingestellt werden, soll aber im kommenden Frühjahr ihre Fortsetzung finden. In Breinig verstarb der dortige Pfarrer Arnold Rohe im Alter von 52 Jahren und wurde auf dem dortigen Kirchhof beerdigt. Als Nachfolger wurde der bisherige Pfarrer von Eynatten, Wilhelm Weßling eingeführt. Ende November fiel die öffentliche Brotversorgung fort; für den Erwerb von Brot bedarf es keiner Bezugsberechtigung (Brotkarte) mehr. Sie war Anfang 1915 eingeführt worden. Die Geld- und Verkehrserschwernisse hatten auch gesundheitlich Folgen, die durch Wassermangel verschärft wurden: Eine weitgehende Unterernährung die besonders bei Kindern in Erscheinung trat. Jedoch waren Hungertodesfälle nicht zu verzeichnen.

Der Gemeinderat schuf zwei neue Stellen für beamtete Gemeindesekretäre. In sie wurden am 15.März berufen die Beamtenanwärter Johann Röntgen und Johann Emonts, beide aus Breinig und mit Jahren im Dienst der Gemeinde stehend. Wegen fehlenden Raums im Gemeindehause auf dem Schulberg tagt der Gemeinderat seit Januar 1920 abwechselnd in Kornelimünster, Breinig und Venwegen in Wirtshaussälen. In Breinig werden seit dem Frühjahr 1920 an jedem Mittwoch-Nachmittag in einem Schulsaal Sprechstunden der Gemeindeverwaltung durch einen Verwaltungsangehörigen versehen. Um hierin Wandel zu schaffen, ließ die Gemeinde auf ihrem Grundstück Breinigerheide, Auf der Heide 35, auf dem sich ein seichter Pfuhl befand, den Bau eines Hauses beginnen, das im Erdgeschoß ein Beratungszimmer für den Gemeinderat und ein Sprechzimmer erhalten, im übrigen aber vermietet werden soll. Die Pläne entwarf der Gebäudebaumeister. Die private Bautätigkeit kam fast ganz zum Erliegen. Die von der Gemeinde in Auftrag gegebenen zwei Wohnhäuser an der Prämienstraße in Breinigerheide (Doppelhaus für je 2 Familien) wurden fertig und vermieten.

Auch das im vorigen Jahre in eigener Regie fortgeführte Wohnhaus in Venwegen konnte fertiggestellt werden. Damit kamen alle Bauvorhaben der Gemeinde zum Abschluß. Die an der Prämienstraße errichteten Häuser zeigten nach der Benutzung Schäden durch aufsteigende Bodenfeuchtigkeit. Um diese zu beseitigen, wurden die 6 Häuser an eine Drainagerohrleitung angeschlossen, die entlang der Stockemer Straße bis zum Bahngraben angelegt worden ist. Es stellte sich jedoch heraus, daß diese ihre Aufgabe nicht zu erfüllen vermocht hat. In Folge der mißlichen Zeitverhältnisse wurde die fällige Heiligtumszeigung um 2 Jahre verschoben. Durch Gesetz vom 14.Februar wurde die seit 60 Jahren erhobene Grund- und Gebäudesteuer durch eine staatliche vorläufige Grundvermögenssteuer ersetzt. Ihr Grundbetrag fließt in die Staatskasse; die Gemeinden können zu ihm Zuschläge erheben. Der im Vertragsverhältnis beschäftigte Vollziehungsbeamte der Gemeindekasse, der außerdem in Kornelimünster den Nachtwachtdienst versah, legte diese Dienste nieder. Die Vollstreckungsaufgaben wurden als Nebenaufgabe dem Gemeindewegwärter Hubert Steffens übertragen. Die seit nicht mehr erinnerlicher Zeit im Ort Kornelimünster bestandene Nachtwächterstelle wurde nicht mehr besetzt und ging ein.

Nach dem Aufwertungsgesetz vom 16.Juli 1925 (siehe auch die Chronik für 1925) sind Forderungen, aus Hypotheken und anderen Ansprüchen, die in den angegebenen Zeiten entstanden sind, wie folgt in Goldmark zu bewerten: 50 Millionen Papier